nicht in ihren kriegerischen Ergebnissen, sondern in dem Einblick, den
sie in den Stand der Taktik (vgl. Seite 36) und in einige Verhältnisse
der Marinen gewährt. =In England= war man entrüstet über ihren geringen
Erfolg, und auf Drängen des Parlaments wurden Mathews, Lestock sowie elf
Kommandanten der Vorhut und Mitte in =kriegsgerichtliche
Untersuchung=[53] gezogen. Dem Flottenchef warf man grobe Verstöße gegen
die Gefechtsvorschriften vor. Diese verlangten bekanntlich, die Flotte in
Kiellinie neben die feindliche Linie zu führen, Spitze neben Spitze, und
dann Schiff gegen Schiff zum Angriff abzuhalten, jedes Schiff sollte bis
dahin auf seinem Platze in der Linie bleiben. =Mathews= hatte aber das
Beispiel für den Angriff gegeben, ehe Spitze gegen Spitze stand; durch
kriegsgerichtlichen Spruch wurde er kassiert. Allerdings hat er gegen den
Buchstaben der Vorschrift verstoßen, aber er handelte doch mit Überlegung
und würde voraussichtlich großen Erfolg gehabt haben, wenn seine
Untergebenen ihm sämtlich gefolgt wären. Der Augenblick zum Angriff war
sicher günstig gewählt. Die Schiffe beim spanischen Admiral waren dem
Angriff der ganzen englischen Mitte ausgesetzt; gegen das Zurückkommen
der Franzosen, das bei dem flauen Winde lange gewährt haben würde, deckte
die Vorhut, und die zurückgebliebenen spanischen Schiffe wären zur
Unterstützung zu spät gekommen, auch würde ihnen die englische Nachhut
entgegengetreten sein, wenn Lestock sofort mit raumem Winde abgehalten
hätte. Der Admiral wurde ein Opfer des Streites zwischen den Verteidigern
einer freieren Auffassung und denen der schematischen Befolgung der
taktischen Vorschriften, bei dem diese die Überhand behielten. Die
Verurteilung des Admirals =Mathews= trug aber dazu bei, daß von nun an
die englischen Flottenführer sich peinlich an den Wortlaut der
Vorschriften hielten, und =Clerk= (vgl. Quellenverzeichnis) sagt in
seinem berühmten Werke über Taktik mit Recht: »Dieses kriegsgerichtliche
Urteil muß als die eigentliche Quelle der späteren Mißerfolge zur See
angesehen werden.« Die erste Schlacht im nächsten Kriege (bei Minorka
1756) wird ein schlagendes Beispiel hierfür geben. -- Der Admiral
=Lestock= und die 11 Schiffskommandanten wurden der Nichtbefolgung der
Befehle oder der mangelhaften Beteiligung am Kampfe angeklagt. =Lestock=
führte an, daß die beiden Signale: »Kiellinie bilden (bzw. halten)« und
»Angreifen« gleichzeitig geweht hätten. Er habe mithin den zweiten Befehl
nicht ausführen können, ohne gegen den ersten zu verstoßen, auch sei ja
die Flotte noch nicht in der für den Angriff vorgeschriebenen Stellung
gewesen. Auf diese künstliche Verteidigung hin wurde er freigesprochen.
[53] Näheres über diese berühmten Kriegsgerichte, mit Angabe weiterer
Quellen, vgl. Clowes, Band III, Seite 103.
Die englischen Quellen urteilen schroff über =Lestock=. So schreibt
Clowes, Lestock habe sich wohl gesagt: »Laß =Mathews= tun, was er will;
wenn es auch zum Schaden ausschlägt, halte ich mich an die Vorschrift
und bin so sicher.«
Von den =angeklagten Kapitänen= starb einer, ein anderer wurde
fahnenflüchtig, zwei (die von »Somerset« und »Princesa«) wurden
freigesprochen; sieben aber wurden entlassen oder im Dienstalter
zurückgesetzt. Von den Entlassenen stellte der König drei sofort wieder
an; es waren dies die Kommandanten der 3 Spitzenschiffe, die nicht
angegriffen hatten, um die französische Vorhut am Dublieren zu hindern.
Das schwächliche Verhalten der übrigen Angeschuldigten hat wohl
tatsächlich seinen Grund darin gehabt, daß sie bei der Wahl zwischen dem
Befolgen des Beispiels ihres Admirals und dem Festhalten an der Norm
nicht zum Entschluß kommen konnten; jedenfalls zeigt ihr Benehmen Mangel
an Verständnis für die Absichten ihres Führers und läßt zu dieser Zeit
den alten Schneid im englischen Offizierkorps vermissen.
Hieraus sind $wichtige Lehren$ zu ziehen. =Mahan sagt= (Band I, Seite
256 ff., hier gekürzt): »Die Untüchtigkeit der englischen Kommandanten,
die sich hier, aber auch bei anderen Gelegenheiten zeigte, erklärte zum
Teil, daß England aus seiner Überlegenheit zur See in diesem Kriege
nicht den vollen Nutzen zog. Man kann nun nicht annehmen, daß so viele
englische Seeleute aus Feigheit -- einer so niedern und seltenen
Untugend -- versagt haben; vielmehr trug Mangel an geistiger
Vorbereitung und an militärischer Leistungsfähigkeit die Schuld daran.
Dies gibt allen Offizieren die Lehre, wie notwendig es ist, im Frieden
den Geist durch das Überdenken der Lagen, in die sie im Kriege kommen
können, vorzubereiten und zu festigen, damit die Stunde des Kampfes sie
nicht unvorbereitet findet und vielleicht in Unehre bringt.«
=Wir müssen wohl noch hinzufügen=, daß die Offiziere auch im Frieden
durch möglichst kriegsmäßige Gefechtsmanöver hierin zu unterstützen
sind. Die englischen Kommandanten in der Schlacht vor Toulon verstanden
die Absicht ihres Chefs nicht; Manöver im Frieden müssen anstreben, ein
gegenseitiges Verstehen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen
herbeizuführen, die Entschlußfähigkeit zu fördern, sowie endlich und
nicht am wenigsten dahin zu wirken, daß die formale Taktik nicht
verknöchert, sondern als eine angewandte im Geiste aller selbständigen
Führer lebt.
=Mahan führt weiter an=: »Auch hat vielleicht das teilweise vorhandene
Übelwollen der Kommandanten gegen ihren schroffen Vorgesetzten
mitgewirkt. Es ist wohl am Platze, auf den Einfluß einer gewissen
Herzlichkeit und des Wohlwollens seitens der Vorgesetzten gegen ihre
Untergebenen hinzuweisen. Sie gehören vielleicht nicht notwendig zum
militärischen Erfolge, aber sie geben dem zu diesem nötigen Elemente
einen belebenden Hauch, der möglich macht, was sonst unmöglich wäre.
Sie erzeugen einen Grad von Hingebung und Heldentum, den die schärfste,
aber nicht so veredelte Manneszucht niemals erreicht. Zweifellos ist
dies natürliche Anlage beim Vorgesetzten; wohl das leuchtendste
Beispiel dieser Art unter den Seeleuten war Nelson.«
Auch für die anderen Marinen bieten die Ereignisse der Schlacht
Bemerkenswertes. In =Frankreich= und in =Spanien= erregte ihr Verlauf
gleichfalls Entrüstung. Spanien beschwerte sich über ungenügende
Unterstützung seiner Schiffe durch die Franzosen. Der Admiral =de Court=
wandte dagegen ein, die Unordnung im spanischen Geschwader habe den
Angriff der Engländer überhaupt nur hervorgerufen, er habe dann Navarro
vor der Vernichtung bewahrt. Trotzdem wurde de Court vom Kommando
abgelöst und nicht mehr verwendet, wenn er auch noch 1750 den Titel des
Viceadmirals du Ponant erhielt. Gegenüber dem Schicksal Mathews und de
Courts wirkt der Umstand fast erheiternd, daß der spanische Admiral
=Navarro= »wegen seines Sieges« zum Vizeadmiral befördert wurde.
Die völlige Untätigkeit der französischen Schiffe, die nicht selber
angegriffen wurden, bleibt allerdings auffällig. Keine Quelle spricht
sich über den Grund hierfür aus, nur =Lacour= deutet an, daß die
Kommandanten vielleicht unter dem Einfluß des Befehls für den Admiral
gestanden hätten: nur zu fechten, wenn er angegriffen werde. Dies wäre
seltsam, denn ihr Admiral war ja im Kampfe. Erwarteten sie nun trotzdem
ausdrücklichen Befehl zum Eingreifen; wagten sie ohne solchen nicht, die
Linie zu verlassen; hielten sie den Versuch, an den zu Luward stehenden
Feind heranzukommen, bei dem flauen Winde für aussichtslos? Einige
Quellen (Mahan; Chevalier I, vgl. Quellenverzeichnis) sagen, de Court
habe schon, ehe er später mit der ganzen Flotte wendete, der Vorhut
Befehl zum Wenden gegeben, um den Gegner zu dublieren. Wenn dies richtig
ist, warum befolgte =Gabaret=, der Führer der Vorhut, den Befehl nicht?
Hielt auch er es bei den Windverhältnissen für unausführbar oder sah er
sich tatsächlich durch das Verhalten der englischen Spitzenschiffe daran
gehindert?
Vielleicht sprach ein anderer wichtiger Umstand bei dem Verhalten der
französischen Schiffe mit. Wir erwähnten schon, daß während der langen
Friedenszeit die Beförderung in der französischen Marine vollständig
stockte. Nun gibt Lacour (Seite 464 ff.) Personalangaben über die
Offiziere der in den Kriegen Ludwigs XV. verwendeten Schiffe. Danach war
bei Toulon der Admiral de Court 78 Jahre alt, Admiral Gabaret hatte eine
Dienstzeit von 56 Jahren, die eine Hälfte der Kommandanten eine solche
von 52, die andere von 40-45 Jahren; es kommen mithin, wenn man den
Diensteintritt mit 15 Jahren annimmt, Lebensalter von 70-67 und 55-60
heraus, und wir wissen, daß die Offiziere seit langen Jahren wenig zur
See gefahren hatten. Da konnte man hervorragende Unternehmungslust von
den französischen Kommandanten allerdings wohl kaum erwarten. Der
englische Admiral Rowley war 54 Jahre alt; die Kommandanten, die sich
besonders auszeichneten, der des »Berwick« zählte 39, der des »Norfolk«
30 Jahre.
Der Krieg in den europäischen Gewässern 1744-1748.
Erst nach der Schlacht vor Toulon erklärte Frankreich am 15. März 1744
den Krieg, England antwortete am 29. Es forderte jetzt von Holland die
vertragsmäßige Hilfe, die jedoch nur schwach ausfiel[54].
[54] Vgl. Seite 59: Die Beteiligung der holländischen Marine an diesem
Kriege, sowohl im Verein mit der englischen wie auch selbständig,
war sehr unbedeutend; sie soll zu Ende dieser Schilderung des
Krieges in den europäischen Gewässern kurz zusammengefaßt werden.
$Das Jahr 1744$ brachte weder im Atlantik noch im Mittelmeer Ereignisse
von Bedeutung, obgleich größere Flotten beider Gegner tätig waren. Von
England gingen im Frühjahr Verstärkungen nach Ostindien (Kommodore
=Barnet=), sowie nach Westindien (Vizeadmiral =Davers=) ab. Ferner
segelten im April ein Konvoi Kauffahrer und mehrere Transporter mit
Vorräten für die Mittelmeerflotte und die österreichisch-sardinische
Armee unter dem Schutz des Vizeadmirals =Hardy= mit 11 Linienschiffen
nach =Lissabon=; Hardy führte seine Schutzbefohlenen nach Lissabon, von
wo sie unter schwächeren Bedeckungen gruppenweise ihre verschiedenen Wege
einschlagen sollten, und kehrte im Mai nach England zurück; aber bald
nachdem er Lissabon verlassen hatte, wurden die Kauffahrer und
Transporter dort von einem französischen Brestgeschwader, 14
Linienschiffen unter dem Chef d'Escadre =Rochambeau=, blockiert.
=Im Kanal= standen die englischen Seestreitkräfte, die den Handel in und
vor diesem Meere schützen sollten, unter dem Admiral =Sir John Balchen=.
Als Anfang August das holländische Hilfsgeschwader zu diesem stieß,
unternahm er mit 14 englischen und 8 holländischen Linienschiffen eine
Kreuztour vor dem Kanal, auf der am 23. August 6 reichbeladene
französische Westindienfahrer gefangen wurden. Anfang September erhielt
Balchen Kenntnis von der Blockade Lissabons, ging dorthin und führte die
Transporter nach =Gibraltar=; Rochambeau hatte beim Nahen der Engländer
die Blockade aufgegeben und war in Cadiz eingelaufen; Balchen segelte,
ohne auf den Feind zu stoßen, nach England zurück.
Auf dieser Rückfahrt zerstreute ein schwerer Sturm am 13. Oktober 1744
die Flotte, und =das Flaggschiff »Victory« ging mit der ganzen
Mannschaft verloren=. Es galt als das stolzeste und beste Kriegsschiff
jener Zeit, führte 110 Kanonen und gegen 1000 Mann, darunter 50
Volontäre aus guten Familien. Der Unfall wurde vielfach auf
Konstruktionsfehler zurückgeführt und als ein Beispiel für die
Unhandlichkeit und Unsicherheit der großen Dreidecker angesehen.
Wahrscheinlich aber ist das Schiff auf Klippen in der Nähe von Alderney
gescheitert; man hat auf der Insel Notschüsse gehört.
=Im Mittelmeer= hatte die englische Flotte ihre durch die Schlacht vor
Toulon erlittenen Beschädigungen in Mahon ausgebessert und dann die
Beobachtung der französischen Flotte in Toulon, die der spanischen in
Cartagena, die Unterbindung der Zufuhren nach Italien und vor allem auch
den Schutz des englischen Handels wieder aufgenommen; =Mathews= wurde im
September nach England zurückgerufen, und =Rowley= übernahm das Kommando.
In Spanien erwartete man um diese Zeit die Rückkehr der Silberflotte. Um
deren Eintreffen zu sichern, lief Ende September ein französisches
Geschwader von 16 Linienschiffen unter dem Chef d'Escadre =Gabaret= von
Toulon aus; es sollte sich mit der spanischen Flotte oder mit
=Rochambeau= vereinigen. Rowley erhielt erst nach 14 Tagen hiervon
Nachricht; er ging mit einem Teil seiner Flotte zur spanischen Küste und
bis Gibraltar, fand hier die erwähnten Transporter, stieß aber nicht auf
den Feind. Scheinbar ist Rochambeau von Cadiz aus dem Toulongeschwader
entgegengegangen, infolge eines schweren Sturmes aber segelten beide nach
ihren Ausgangshäfen zurück, ehe sie sich getroffen hatten. Vom
Toulongeschwader wurde eine Division (Chevalier =de Caylus=) nach
Westindien abgezweigt.
Die Angaben über 1744 und 1745 sind in den englischen wie in den
französischen Quellen ungenau und lückenhaft. So führen die englischen
Quellen und auch Troude den Admiral Gabaret als Chef des erwähnten
Geschwaders an, während er nach Lacour bereits am 21. Juni 1744
gestorben ist, kurz nachdem er für de Court das Kommando in Toulon
übernommen hatte. Lacour sagt, der Minister Maurepas sei im Mai in
Toulon gewesen, um verschiedene Mängel abzustellen. Nach Gabarets Tode
habe er dann keinen neuen Oberbefehlshaber für das Mittelmeer ernannt,
sondern die Flotte hier in fünf selbständige Divisionen zu je 4-5
Linienschiffen geteilt; diese Maßregel habe sich durch erfolgreiche
kleine Unternehmungen, Handelsschutz, Verbindung mit Italien u. dgl.,
in den nächsten Jahren bewährt. Wenn dies richtig ist, so hat die
Streitkraft an der spanischen Küste 1744 vielleicht aus einigen dieser
Divisionen bestanden; es werden nämlich auch Entsendungen nach Cadiz
und Gibraltar erwähnt, sowie daß eine der Divisionen von de Caylus
geführt sei, von dessen Abfahrt nach Westindien vorhin berichtet wurde.
$Im Jahre 1745$ fiel der englischen Flotte =im Mittelmeer= auch noch die
Beobachtung des französischen Geschwaders in Cadiz zu; sie wurde deshalb
in drei Hauptgeschwader zur Bewachung von Cadiz, Cartagena und der Küste
Italiens geteilt. Außerdem mußte sie eine größere Division (Vizeadmiral
=Townsend=) für Westindien abgeben. Diese Umstände erklären wohl, daß den
Franzosen, wie ihre Quellen sagen, in diesem Jahre verschiedene kleinere
Expeditionen nach der Küste Italiens geglückt sind. Ihr Landheer drang in
Norditalien siegreich vor, auch neapolitanische Truppen waren wieder im
Felde. Ferner trat =Genua= auf Frankreichs Seite; eine Division der
englischen Flotte beschoß deshalb einige Küstenplätze dieser Republik und
unterstützte die gegen sie aufgestandenen Corsicaner bei der Eroberung
von Bastia.
Vom =Kanal und Atlantik= berichten die Quellen für das Jahr 1745 außer
Zusammenstößen zwischen einzelnen Schiffen oder ganz kleinen
Divisionen[55] wenig. Erwähnenswert ist, daß es den Franzosen auch von
Brest aus glückte, zweimal Verstärkungen an Kriegsschiffen nach
Westindien zu senden, deren eine einen großen Konvoi von Kauffahrern und
Transportern deckte; dagegen war es nicht gelungen, rechtzeitig eine
Unterstützung nach Nordamerika auslaufen zu lassen, um die bedrohte
Festung Louisbourg zu retten. Ferner fällt in dieses Jahr =die Erhebung
Schottlands=. Ihr Verlauf ist auf Seite 53 geschildert, hier sei das
seemännisch Bemerkenswerte hinzugefügt.
[55] Die zahlreichen kleinen Gefechte, die bei der Ausübung des Kleinen
und Handelskrieges sowie auch bei der Beobachtung der
französischen Häfen durch die Engländer vorfielen, übergehen wir.
Man findet die bemerkenswertesten in den Spezialwerken, so z. B.
in Clowes, Kapitel »Minor actions«, und in Troude.
$Prinz Karl Eduard In Schottland 1745.$ Der Prinz schiffte sich Mitte
Juni in St. Nazaire auf einem kleinen Fahrzeuge (»Dentelle«, 18
Kanonen), mit nur wenigen Begleitern, mit Waffen für 2000 Mann und etwa
2000 Lstrl. an Geldmitteln, ein. Ein für Freibeuterzwecke ausgerüstetes
Schiff der Königlichen Marine (»Elisabeth«, 64 Kanonen) sollte zum
Schutz dienen und schlug auch auf der Höhe von Brest den Angriff des
englischen Kreuzers »Lion« von 50 Kanonen ab; ohne weitere Belästigung
erreichte dann der Prinz im Juli Schottland. Seine anfänglichen Erfolge
sind bekannt, doch erhielt er von Frankreich zu geringe Unterstützung.
Die meisten der kleineren Fahrzeuge (Freibeuterschiffe), mit denen
seine Anhänger in Frankreich ihm Freiwillige sowie Hilfsmittel senden
wollten, wurden von den englischen Geschwadern weggefangen, die im
Kanal und an der schottischen Küste kreuzten; das Gros der Kanalflotte
unter =Admiral Vernon= beobachtete von den Downs aus Dünkirchen und
Calais auf eine ernstere Bedrohung durch Frankreich. Es gereicht aber
der englischen Marine nicht gerade zum Ruhme, daß es im Dezember 1745
einer Flottille von 7 Fahrzeugen gelang, bei Montrose 700 Mann zu
landen und einen Angriff englischer Schiffe abzuweisen; auch im Mai
1746 schlugen zwei Freibeuter kleine englische Kriegsschiffe aus dem
Felde und brachten einige schottische Rebellenführer nach Frankreich.
Im Herbst desselben Jahres holte ein französischer Freibeuter den
Prinzen von den Hebriden nach der Bretagne zurück; dies war der dritte
Versuch, den Prinzen zu retten.
Die französischen Marineschriftsteller vertreten die Ansicht, daß für
Frankreich nie, weder zur Zeit Ludwigs XIV. noch später während der
Republik und des Kaiserreichs, eine so =günstige Gelegenheit zu einem
Einfall in England= sich geboten habe, wie bei dieser Erhebung
Schottlands; auch englische Autoren bezeichnen die damalige Lage als
gefährlich. England war von Truppen entblößt und in Belgien geschlagen;
die englischen Seestreitkräfte scheinen anfangs schwach und zerstreut
gewesen zu sein. (Der Oberbefehlshaber =Vernon=, allerdings durch seine
Opposition bekannt, sprach der Admiralität gegenüber spöttisch von »zwei
Flaggoffizieren in den Downs mit noch einem 40-Kanonenschiff, um damit
die Schlachtlinie zu bilden«.) Auch in Frankreich erhoben sich gewichtige
Stimmen für die Benutzung der günstigen Gelegenheit und für die
Ausführung des Planes von 1744. Vorbereitungen wenigstens wurden
getroffen. Lacour berichtet hierüber (A. a. O. Seite 158 ff; hier im
Auszuge):
»Dem Prinzen Karl Eduard war von einflußreichen Personen gesagt, wenn er
in Schottland gelandet sei, so könne der König nicht umhin, ihn zu
unterstützen. Der Marschall de Noailles erklärte dem Könige, wenn er in
London wirklich die Messe lesen lassen wolle, so müsse er jetzt 30000
Mann hinübersenden. -- Gegen 30000 Mann waren unter dem =Herzog von
Richelieu= bei Calais versammelt und man traf Vorbereitungen zur
Überführung, ja es scheint einige Male schon mit der Einschiffung
begonnen zu sein; =Voltaire= hatte einen Aufruf an das englische Volk
entworfen. -- Während 72 Stunden, vom 31. Dezember 1745 bis zum 3. Januar
1746, wehte SSO-Wind, den Weg freimachend von der englischen Flotte und
der Überfahrt günstig; Vernon schrieb in jener Zeit an den Kommandanten
von Deal, er würde nicht imstande sein, unter diesen Umständen die
Überfahrt der Franzosen zu hindern. Jetzt hatte aber weder der König,
noch die Minister, noch Richelieu mehr Interesse für den Plan, und im
Februar erklärte Moritz von Sachsen, daß Richelieu ihm von
unüberwindlichen Hindernissen berichtet und ihm die für das Unternehmen
bestimmten Truppen zurückgesandt habe.«
Lacour schließt mit der Bemerkung, man höre in den Aufzeichnungen jener
Zeit das Echo der allgemeinen Entrüstung in Frankreich über das Aufgeben
des Planes. Nun, so ganz leicht wäre die Ausführung doch wohl nicht
gewesen und im Winter 1745/46 war es sicher schon zu spät. Um diese Zeit
hatte man in England die Verteidigung planmäßig geordnet; die Hauptflotte
lag in den Downs und je ein Geschwader in Plymouth, in der Themsemündung
sowie vor der schottischen Küste, abgezweigte Divisionen und einzelne
Kreuzer schwärmten auf See.
$Im Jahre 1746$ stand der Krieg in Flandern für England schlecht; die
Franzosen hatten sich Belgiens bemächtigt und bedrohten Holland; dabei
hatte man von diesem Kriegsschauplatze Truppen gegen die Schotten
abberufen müssen. Man beabsichtigte deshalb, durch einen =Vorstoß gegen
die französische Küste= (=gegen Lorient=) französische Truppen aus
Flandern wegzuziehen und so gleichzeitig der öffentlichen Meinung
Rechnung zu tragen. Schon früher waren Vorbereitungen getroffen, den
Kolonisten in Amerika eine ansehnliche Hilfstruppe zu einem Angriff auf
Quebec zu senden. Frankreich erhielt hiervon Kenntnis und traf die
gleiche Maßregel, sandte zur Wiedereroberung Louisbourgs von Brest Ende
Juni 11 Linienschiffe unter dem =Duc d'Anville= nebst einem
Truppentransport ab, während die englische Expedition unterblieb. Um die
dadurch in England hervorgerufene Entrüstung zu besänftigen, erklärte die
Regierung, daß die für die Kolonie gesammelten Kräfte jetzt gegen
Frankreich selber verwendet werden würden.
Nach einigen englischen Quellen ist es bis jetzt nicht aufgeklärt,
weshalb die Unterstützung für Amerika nicht entsendet wurde; andere
führen an, die Expedition sei zunächst durch »gewisse Umstände« verzögert
und später wegen zu weit vorgeschrittener Jahreszeit aufgegeben. Es ist
möglich, daß man zu Anfang des Jahres 1746, ehe der schottische Aufstand
niedergeschlagen war, Schiffe und Truppen der Heimat nicht zu entziehen
wagte, aber im April war Karl Eduards Sache durch die Niederlage bei
Culloden bereits völlig verloren und Frankreich hatte den Einfall in
England schon früher aufgegeben. Da ist es verwunderlich, daß die
Expedition nicht abging, ja daß man nicht einmal versuchte, die
französische Unternehmung zu verhindern, die doch ein Gegenstoß gegen die
beabsichtigte eigene sein sollte. Aber es wurde nichts Ernstliches gegen
das Sammeln der feindlichen Kriegsschiffe und Transporter getan, die in
verschiedenen Häfen ausgerüstet werden mußten. Nur durch ein Blockieren
von St. Malo ist ihr Zusammentritt um einige Wochen verzögert, gegen das
Auslaufen der großen Flotte im Juni wurde nicht vorgegangen. Daß England
hierzu nicht imstande gewesen wäre, kann man bei der Überlegenheit seiner
Marine kaum annehmen. Colomb (»naval warfare«) erblickt hierin wohl mit
Recht einen strategischen Fehler. Mit dem Vorstoß gegen Lorient wollte
man nun diesen einigermaßen wieder gut machen.
Aber wäre der Angriff auch wirklich mit Erfolg gekrönt worden, so würde
es doch nur ein Ausgleich gegen etwa von den Franzosen in Amerika
errungene Vorteile gewesen sein, nur ein geringer Gewinn für die
überlegene Seemacht. Man wählte Lorient als geeignetsten Angriffspunkt,
da die Stadt einerseits nur schwach befestigt war und anderseits als
Hauptstapelplatz der französisch-ostindischen Kompagnie reiche Beute
versprach; man hoffte ferner, daß man von hier aus in der Bretagne den
protestantischen Teil der Bevölkerung (besonders in La Rochelle) zum
Aufstand bringen und dann, von der See her stets unterstützt, weiter in
die Provinz eindringen könne. Nicht genügend vorbereitet und mangelhaft
durchgeführt, schlug das Unternehmen völlig fehl.
$Der englische Angriff auf Lorient 1746.$ In Portsmouth wurden auf 40
Fahrzeugen 7000-8000 Mann unter Generalleutnant =St. Clair=
eingeschifft; =Admiral Lestock= deckte den Transport mit einem Teil der
Kanalflotte, sandte einige Schiffe zur Erkundung der Küste voraus und
folgte Mitte August mit dem Transport; er erreichte aber widriger Winde
halber erst Ende September die Insel de Groix. Nach französischen
Angaben hätte er leicht in die Bucht von Lorient einlaufen können, da
die Orte Port Louis und Lorient kaum befestigt und nur von wenigen
Kompagnien Küstenwache (Miliz) besetzt waren. Seestreitkräfte waren gar
nicht zur Stelle, in Brest scheint man weder das Passieren der
Erkundungsdivision, noch das der 50 Segel starken Flotte bemerkt zu
haben; die englischen Führer scheinen aber auch hiervon weder durch
ihre Behörden daheim noch durch Erkundung Kenntnis gehabt zu haben. Man
versuchte gar kein gewaltsames Eindringen, sondern landete am 1.
Oktober etwa 15 Kilometer westlich von Lorient an der Mündung des
Quimperlé. Der Kommandant der bedrohten Stadt bot in Eile alle
erreichbaren, wenn auch kaum regelrecht bewaffneten Milizen auf und
verstärkte die Befestigungen, war aber doch zur Übergabe geneigt, wenn
der Gegner vom Beutemachen absehen wollte. Die Engländer gingen hierauf
nicht ein, sondern rückten auf Lorient vor; sie kamen jedoch wegen
ungünstigen Geländes nur langsam vorwärts, und der Angriff stockte vor
der Stadt, weil jegliches Belagerungsmaterial fehlte. Am 7. Oktober
gaben sie die Berennung auf und schifften die Truppen wieder ein; wie
französische Angaben sagen, zum Erstaunen des Kommandanten, der gerade
beschlossen habe, die Stadt auf jede Bedingung hin zu übergeben. Als
Beispiel der mangelhaften Ausrüstung der englischen Expedition sei
erwähnt, daß der General auf seine Bitte um eine Karte der Bretagne
durch Eilboten eine solche der Gascogne erhielt.
Darauf landeten die Engländer bei =Quiberon=, gaben aber auch hier nach
wenigen Tagen die Operationen auf, nur die Inseln =Houat= und =Hoedik=
wurden gebrandschatzt und ihre Befestigungen zerstört. Am 23. Oktober
ging die Flotte nach England zurück.
Ruhm gewannen die Engländer bei diesem Unternehmen nicht. =Moritz von
Sachsen= erhielt allerdings Befehl, Truppen nach der Bretagne zu werfen,
doch inzwischen hatte er durch seinen Sieg bei =Rocoux= neue große
Erfolge errungen und fühlte die Schwächung nicht. Bemerkenswert ist die
berechtigte Klage französischer Quellen über die traurige maritime
Verfassung Frankreichs, infolge deren eine so wichtige Küstenstadt fast
widerstandslos gelassen war, und die nicht einmal starke feindliche
Flotte wochenlang unter der Küste bleiben und mehrfach landen konnte,
ohne von Brest oder Rochefort aus bedroht zu werden.