Im Februar 1742 traf eine bedeutende Verstärkung unter Kontreadmiral
=Lestock= ein, der das Kommando für den erkrankten Haddock übernahm, und
Spanien mußte die geplante Absendung eines neuen Truppentransportes
vorläufig aufgeben. Bald darauf, im Mai, wurde der Vizeadmiral =Mathews=
Oberbefehlshaber im Mittelmeer. Dieser führte nun während 22 Monaten eine
strenge $Blockade von Toulon$ durch, hinderte weiter die Verstärkung der
spanischen Armee in Italien und übte auch einen Druck auf das Königreich
beider Sizilien aus. Der Admiral lag mit der Flotte stets segelfertig in
Villafranca, eine Division unter =Lestock= blockierte von den Hyèrischen
Inseln aus Toulon; man erklärte, es gälte nur dem spanischen Geschwader
dort, aber man nahm auch dahin bestimmte französische Handelsschiffe weg.
Die Franzosen brachten die Befestigungen in Kriegszustand, zogen die
Schiffe in den innern Hafen zurück und sperrten die Einfahrt.
Im Juli 1742 jagte ein englisches Linienschiff 5 spanische Galeren, die
Kriegsvorräte längs der Küste nach Italien bringen wollten, in den
französischen Hafen von $St. Tropez$ und vernichtete sie durch einen
Brander, als sie auf ihren Verfolger feuerten; wenige Monate später wurde
diese Stadt mit Beschießung bedroht, falls sie zwei dort eingelaufene
spanische Transporter beherbergen würde. »Die Vernachlässigung der
Marine«, so klagen französische Schriftsteller »hatte es dahin gebracht,
daß Frankreich dieses alles dulden mußte.«
Wie erwähnt, hatte der König beider Sizilien Hilfstruppen für Spanien
nach Norditalien gesandt. Im Juli 1742 schickte Mathews den Kommodore
=William Martin= mit einem kleinen Geschwader, 4 Kriegsschiffe und 3
Mörserboote, nach $Neapel$. Martin erschien dort am 19. August mit der
Forderung, diese Truppen zurückzurufen und verlangte unter Androhung
einer Beschießung der Stadt Antwort binnen einer halben Stunde. Der König
konnte nun zwar in der kurzen Frist nicht erreicht werden, da er auf
einem Landgute weilte, erfüllte aber schon am 20. das Verlangen. 1759
bestieg er als =Karl= III. den spanischen Thron; die Erinnerung an die
Vergewaltigung in Neapel zog ihn nun in den beiden nächsten Kriegen auf
die Seite Frankreichs. -- =Martin= zerstörte bald darauf im genuesischen
=Alassio= Magazine für das spanische Heer. Ferner wurden durch englische
Schiffe spanische Transporter in den Häfen der katalonischen Küste
vernichtet; 1743 mußte ein Linienschiff im Hafen von Ajaccio in die Luft
gesprengt werden, um den Engländern nicht in die Hände zu fallen, und
=Genua= ward gezwungen, die Ladung von 15 spanischen Transportern, die
von Majorka aus in seinen Hafen eingelaufen waren, nach Corsica zu
schaffen, wo die Vorräte bis zum Friedensschluß lagerten.
$1744.$ Endlich, im Jahre 1743, raffte $Frankreich$ sich auf, als es nach
=Fleurys= Tode das Bündnis mit Spanien erneuert hatte; man faßte sogar
nun $große Pläne für einen Seekrieg$: Vertreibung Englands aus dem
Mittelmeer, Wiedereroberung Minorkas und Gibraltars für Spanien; die
Vereinigung sämtlicher Seestreitkräfte in den nördlichen Gewässern, um
hier die Seeherrschaft zu erringen und durch einen Einfall in
Großbritannien die Familie Stuart wiedereinzusetzen, jedenfalls England
zum Zurückziehen seines Heeres vom Festlande zu zwingen.
$Versuch einer Landung in England 1744.$ Im November 1743 begannen die
Rüstungen hierfür. Prinz =Karl Eduard= (vgl. Seite 53) sollte mit 16
Bataillonen Infanterie und vier Schwadronen Dragoner -- insgesamt gegen
15 000 Mann -- unter dem Marschall Moritz von Sachsen in 32 Transportern
von Dünkirchen nach der Themsemündung, wenn möglich nach London,
übergeführt werden, der Lieutenant-Général =Comte de Roquefeuil= mit der
Brestflotte -- 19 Linienschiffe und 5 Fregatten -- die englischen
Seestreitkräfte festhalten, sowie Einschiffung und Überfahrt des Heeres
decken. Am 6. Februar 1744 verließ diese Flotte Brest, wurde aber etwa 10
Tage durch Gegenwind beim Kap Lizard festgehalten. Ein englischer
Kreuzer, der vor Brest lag, hatte schon das Auslaufen des Feindes
gemeldet, ein Begleitschiff eines Konvois nach Westindien brachte wenige
Tage später die Nachricht von seinem Erscheinen vor dem Kanal nach
London. In England scheint man zwar vorher über den französischen Plan
nicht genauer unterrichtet gewesen zu sein, da man sich aber auf den
Krieg mit Frankreich vorbereitet hatte, so vermochte man rechtzeitig eine
überlegene Flotte an den Downs zusammenzuziehen; nämlich 49 Segel,
darunter 21 Linienschiffe von 60 Kanonen aufwärts. =Sir John Norris=, der
sie kommandierte, ging jedoch dem Feinde nicht entgegen, da er fürchtete,
dieser könne ihm bei Nacht oder unsichtigem Wetter vorbeilaufen.
Am 27. Februar war =Roquefeuil= bei der Insel Wight; hier zweigte er,
seiner Order entsprechend, 4 Linienschiffe und eine Fregatte nach
Dünkirchen ab, denen insbesondere die Deckung der Einschiffung und
Überführung zugedacht war, er selber sollte die englischen Schiffe
festhalten. Am 4. (oder 5.) März ankerte er, durch mehrtägigen Sturm
aufgehalten, bei Dungeness. Hier trat ihm am nächsten Tage die englische
Flotte entgegen; zum Glück für die Franzosen war sie jedoch genötigt,
wegen schwachen Windes zu ankern, als sie schon auf sechs Seemeilen heran
war, weil die Flut einsetzte. Der sofort berufene Kriegsrat des
französischen Geschwaders beschloß, das Unternehmen aufzugeben. Bei
Eintritt der Ebbe und gleichzeitig der Dunkelheit ging man schleunigst
unter Segel und hatte das Glück, daß mit der Ebbe starker nordwestlicher
Wind aufkam, der bald zum Sturm wurde. Als =Norris= am andern Morgen die
Flucht des Gegners bemerkte, war keine Aussicht mehr, ihn einzuholen. Die
Franzosen erreichten, wenn auch mehr oder weniger vom Sturm beschädigt,
Brest; nur die Wetterverhältnisse hatten sie aus einer argen Klemme
befreit. Die nach Dünkirchen abgezweigten Schiffe waren am 29. Februar
dort angekommen und man hatte sogleich mit der Einschiffung der Truppen
begonnen. Die Leute mußten mit Fischerbooten und Küstenfahrzeugen an Bord
der auf der Rhede liegenden Transporter gebracht werden, was schon bei
mäßig starkem Wind und Seegang sehr gefährlich war. So richtete der Sturm
am 6. und 7. März natürlich viel Unheil an; mehrere Boote sowie auch
Transporter sanken oder wurden auf den Strand geworfen. Als die
Nachricht vom Rückzug der Flotte eintraf, schiffte man die Truppen wieder
aus und die Kriegsschiffe gingen nach Brest.
So war der Plan eines Einfalls in England gescheitert; ähnlich wie die
früheren war er aussichtslos gewesen. Wenn auch England beträchtliche
Seestreitkräfte im Mittelmeer und in Westindien hatte, so verblieben ihm
doch genug, um Roquefeuil mit Erfolg entgegenzutreten.
$Die Schlacht vor Toulon, 22. Februar 1744.$ Im Mittelmeer war inzwischen
die erste Seeschlacht geschlagen. Lieutenant-Général =de Court= erhielt
im November 1743 Befehl, das spanische Geschwader nach Genua (oder nach
spanischen Häfen?) zu geleiten; Admiral =Navarro= war jedoch nicht
geneigt, in See zu gehen und auch die französische Flotte scheint noch
nicht bereit gewesen zu sein. Erst im Januar 1744 unternahm =de Court=
eine kurze Erkundungs- oder Übungsfahrt vor dem Hafen, bei der er von
=Mathews= höflich salutiert wurde. Dieser hatte kurz vorher in Turin, wo
er über gemeinsames Handeln mit dem Landheer beriet, die falsche
Nachricht erhalten, die Brestflotte sei in See gegangen und die
französisch-spanische Flotte wolle auslaufen, um sich mit ihr zu
vereinigen. Er zog deshalb alle Schiffe im Mittelmeer bei den Hyèrischen
Inseln zusammen, übernahm selber die Leitung der Blockade von Toulon und
trat der feindlichen Seemacht entgegen, die am 19. Februar auf die äußere
Rhede gegangen war und am 21. in See erschien. Der französische
Oberbefehlshaber hatte, wie der Admiral d'Antin 1740 in Westindien,
Anweisung, nur zu fechten, wenn er angegriffen würde; die Instruktionen
des englischen Admirals werden diesem dagegen auch den Angriff gestattet
haben.
[Illustration: Admiral Thomas Mathews.]
$Die englische Flotte$ unter =Thomas Mathews=[49] zählte 28 Linienschiffe
zu 60 Kanonen und darüber; die Vorhut führte Kontreadmiral =Rowley=,
$Die Schlacht vor Toulon, 22. Februar 1744.$
[Illustration: Plan zur Schlacht vor Toulon.]
+----------------------------------------------------+
| Englische Französisch-Spanische |
| [symbol] [symbol] [symbol] |
| Flotte Flotte |
+---------------+---------+----------------+---------+
| Schiffe | Kanonen | Schiffe | Kanonen |
| | | | |
+===============+=========+================+=========+
| |
| Vorhut |
|Castle | 70 |Borée | 64 |
|Warwick | 60 |Toulouse | 60 |
|Nassau | 70 |Duc d'Orleans | 74 |
|Barfleur | 90 |Espérance | 74 |
| (Adm. Rowley) | | (Adm. Gabaret) | |
|Caroline | 80 |Trident | 64 |
|Berwick | 70 |Alcion | 54 |
|Chichester | 80 |Aquilon | 48 |
|Boyne | 80 |Eole | 64 |
|Kingston | 60 | | |
| |
| Mitte |
|Dragon | 60 |Furieux | 60 |
|Bedford | 70 |Serieux | 64 |
|Somerset | 80 |Ferme | 74 |
|Princesa | 74 |Tigre | 50 |
|Norfolk | 80 |Terrible | 74 |
|Namur | 90 | (Adm. de Court)| |
| (Adm. Mathews)| |St. Esprit | 74 |
|Marlborough | 90 |Diamant | 50 |
|Dorsetshire | 80 |Solide | 64 |
|Essex | 70 |Oriente 1) | 60 |
|Rupert | 60 |America 1) | 60 |
|Royal Oak | 70 |Neptuno 1) | 60 |
| |
| Nachhut |
|Dunkirk | 60 |Poder | 60 |
|Cambridge | 80 |Constante | 70 |
|Torbay | 80 |Real Felipe | 114 |
|Neptune | 90 | (Adm. Navarro) | |
| (Adm. Lestock)| |Isabela | 80 |
|Russel | 80 |Hercules | 64 |
|Buckingham | 70 |Retiro | 54 |
|Elisabeth | 70 |Brillante | 60 |
|Revenge | 70 |S. Fernando | 64 |
| | |Sobiero | 60 |
1) Spanische Schiffe, die der Division de Court zugeteilt waren.
Zu den Schiffen der Tabelle traten als nicht in die Schlachtlinie
eingestellt: bei den Engländern 5 Schiffe mit 50, 2 mit 40, 2 mit 20
Kanonen und 2 Brander; bei den Verbündeten 4 Schiffe mit 20 Kanonen
und 3 Brander.
die Nachhut Vizeadmiral =Lestock=[50]. $Die verbündete Flotte$
unter =de Court=[51] bestand gleichfalls aus 28 Linienschiffen; die
Vorhut führte der Chef d'Escadre =Gabaret=, die Nachhut Admiral
=Navarro=. Diese bestand aus den spanischen Schiffen, von denen jedoch
drei der Mitte zugeteilt waren. Man sagt, de Court habe sie sämtlich
zwischen die französischen Schiffe verteilen wollen, doch sei Navarro
hierauf nicht eingegangen. An Zahl der Linienschiffe waren beide Flotten
gleich, aber die Engländer besaßen schwerere Schiffe und ihre
Überlegenheit wurde dadurch noch größer, daß sie über 4 Schiffe zu 50
Kanonen, 2 zu 40, sowie 2 zu 20 (dazu 2 Brander) verfügten, die auf die
Divisionen verteilt waren, während die Gegner zwei Schiffe zu 50 Kanonen
in die Linie eingestellt hatten und außer der Linie nur 4 Schiffe zu 20
Kanonen (sowie drei Brander) besaßen (vgl. die Angaben auf der Skizze der
Schlacht). Die Überlegenheit der Engländer kam aber nicht zur Geltung, da
sich ihre Nachhut nicht am Kampfe beteiligte.
[49] =Thomas Mathews=, geb. 1676, Kapitän 1703, zeichnete sich im
Spanischen Erbfolgekriege aus, wurde 1742 Vizeadmiral, 1743
Admiral; infolge der Schlacht vor Toulon durch kriegsgerichtlichen
Spruch aus der Marine entlassen. Er war ein tüchtiger Offizier von
vornehmem Charakter, gehorsam als Untergebener, fest, aber schroff
als Vorgesetzter. Ehe er das Kommando übernahm, hatte er das
Verlangen auf Abberufung Lestocks gestellt; das erfolgte
Versprechen ward vergessen oder nicht beachtet.
[50] =Richard Lestock=, 1743 Kontre- und bald darauf Vizeadmiral, war
sehr von sich eingenommen, hart als Vorgesetzter, schwierig als
Untergebener, tapfer aber ohne weiten Blick; sehr unbeliebt in der
Marine, hatte er sich auch gleich beim Eintreffen Mathews
respektlos gegen diesen gezeigt. Nach der Schlacht vom Dienst
suspendiert und in Untersuchung gezogen, wurde er freigesprochen
und auch weiter verwendet und befördert.
[51] =Labruyère de Court=, geb. 1666, Gardemarine 1684, Leutnant 1689,
Kapitän 1695, Chef d'Escadre 1715, Lieutenant-Général 1720,
Vizeadmiral 1750, war ein tüchtiger Offizier, hatte unter Duquesne
und Tourville gedient und in der Schlacht bei Malaga das
Flaggschiff geführt; jetzt aber zählte er 78 Jahre und hatte im
Laufe der letzten 34 Jahre nur ein Bordkommando gehabt.
$Der Verlauf der Schlacht vor Toulon$[52]. Die französisch-spanische
Flotte hatte schon am 20. Februar auslaufen wollen, sah sich jedoch
durch den Zusammenstoß zweier Schiffe zum Wiederankern genötigt. Die
englische Flotte hatte an diesem Tage gleichfalls Anker gelichtet,
gegen schwachen westlichen Wind aufgekreuzt und abends wieder in der
Bucht von Hyères geankert. Am 21. gingen die Verbündeten in See; die
Engländer versuchten heranzukommen; dies war ihnen aber bei dem zu
schwachen, jetzt östlichen Winde mit schwerem westlichen Seegange nicht
möglich; sie konnten nicht einmal eine gute Ordnung einnehmen. Am Abend
gab =Mathews=, 4-5 Seemeilen vom Feinde entfernt, den Befehl zum
Beidrehen; =Lestock= stand mit der Nachhut noch weit von der Mitte ab,
dennoch folgte er dem Befehle, anstatt erst näher heranzusegeln.
Während der Nacht vergrößerte der Feind die Entfernung, ohne daß die
englischen Beobachtungsschiffe es bemerkten. Am 22. bei Tagesanbruch
standen die Engländer in loser Ordnung -- über neun Seemeilen vom
vordersten bis zum hintersten Schiffe -- etwa 12 Seemeilen SSO. vom Kap
Sicié und acht Seemeilen nordöstlich vom Gegner, der bei leichtem
östlichem Winde in Kiellinie über Steuerbordbug nach Süd steuerte.
=Lestock= mehrte nun allerdings sofort Segel, um zur Mitte
heranzukommen; da aber =Mathews= schon um 6-1/2 Uhr vormittags den
Befehl zum Segelmehren für die ganze Flotte gab, blieb die Nachhut auch
weiterhin etwa fünf Seemeilen von der Mitte ab. Um 8 Uhr folgte der
Befehl, über Steuerbordbug die Kiellinie zum Angriff zu bilden, und als
dieses Manöver, infolge des flauen Windes nur langsam und
unvollständig, um 11-1/2 Uhr von Vorhut und Mitte ausgeführt war, auch
das Signal »Angreifen«, wobei jedoch das für »Kiellinie« wehen blieb;
=Lestock= beantwortete das Signal »Angreifen« nicht. Die Verbündeten
waren in leidlich guter Ordnung, nur die Nachhut stand etwas zurück und
in dieser wieder die letzten fünf Schiffe.
[52] Schilderung nach: Mahan, Band I; Lacour, Band I; Clowes, Band III,
in dem die genauesten Angaben und aus dem auch die Schiffsliste
entnommen ist.
Langsam überholten die Engländer den Gegner. Um 1 Uhr nachmittags war
=Mathews= (»Namur«) querab von =Navarro= (»Real Felipe«) und =Rowley=
»Barfleur«) von =de Court= (»Terrible«). Jetzt hielt Mathews mit dem
Flaggschiff aus der Kiellinie ab und legte sich auf Pistolenschußweite
neben Navarro; er ward unterstützt durch seinen Vordermann »Norfolk«
und seinen Hintermann »Marlborough«, die »Constante« und »Isabela«
angriffen. Die Besorgnis, der Gegner könne sich dem Kampfe entziehen,
verleitete =Mathews= zum Angriff, ehe die Flotte in guter Ordnung und
ehe die Nachhut herangekommen war. Admiral =Rowley= folgte dem Beispiel
und hielt auf =de Court= ab, auch er wurde durch seine beiden
Hinterleute unterstützt; hier fochten also »Barfleur«, »Prinzeß
Carolina« und »Berwick« gegen »Terrible«, »Esprit« und »Diamant«. Das
Gefecht scheint jedoch ein laufendes gewesen zu sein (auch nicht auf so
nahe Entfernung wie bei Mathews), denn die Lücke zwischen Nachhut und
Mitte der Verbündeten vergrößerte sich; der Kampf der englischen
Schiffe mit den spanischen erfolgte dagegen mit kleiner Fahrt, und die
letzten fünf Spanier kamen infolgedessen nach und nach auf.
Die sämtlichen übrigen englischen Schiffe beteiligten sich, wenig oder
gar nicht am Kampfe. Die drei Spitzenschiffe der Vorhut griffen nicht
an, denn sie wollten dadurch die Vorhut der Verbündeten hindern, zu
wenden und dann die englische Flotte von Luward her zu dublieren. Die
drei Schiffe hinter »Berwick« blieben auch in der Kiellinie und so weit
ab, daß sie nur ein wenig erfolgreiches Feuer mit den drei Spaniern
wechseln konnten, die als letzte der französischen Mitte zugeteilt
waren. Ebenso verfuhren die vier ersten Schiffe der englischen Mitte,
die nur anfangs auf die ebenerwähnten Spanier und dann auf »Poder«
feuerten; dieser scheint schwer beschädigt worden zu sein. Von den
letzten vier Schiffen der englischen Mitte (Dorsetshire und
Hinterleute) berichten die Quellen beim ersten Angriff nichts; da sie
ihren Platz in der Kiellinie nicht verließen und da ihre Gegner noch
nicht heranwaren, blieben sie wohl ganz untätig.
Hervorzuheben ist das Verhalten des Kapitäns =Hawke=, des später
berühmten Flottenführers. Als Kommandant des »Berwick« hatte er den
weit schwächeren »Diamant« gegenüber, der dem Kampf auswich; als er nun
sah, daß »Poder« zwar lebhaft beschossen, aber doch nicht im Nahkampf
angegriffen war, verließ er seinen Platz in der Vorhut, segelte zu dem
genannten Schiffe nahe heran und zwang es zur Übergabe. Heiß war der
Kampf bei =Mathews=. Zwar trieb »Norfolk« den »Constante« nahezu als
Wrack aus der Linie und »Real Felipe« sowie »Isabela« erlitten großen
Verlust an Mannschaft, aber auch die englischen Schiffe wurden so
schwer in der Takelage beschädigt, daß sie ihren Vorteil nicht
ausnutzen konnten. Der Admiral gab einem Brander den Befehl, das
spanische Flaggschiff anzuzünden. Dieser ging unter furchtbarem Feuer
des Gegners vor, als er jedoch, schon fast sinkend, genötigt war,
selber zu schießen, um spanische Boote abzuwehren, geriet er durch das
eigene Feuer in Brand und flog auf, ehe er sein Opfer erreicht hatte.
Etwa drei Stunden waren verflossen, seit Mathews den Kampf begonnen
hatte, da gab =de Court= seiner Vorhut und Mitte den Befehl zu wenden,
um den Spaniern Hilfe zu bringen; die englische Vorhut wendete
gleichfalls. Zu dieser Zeit waren die fünf letzten Spanier aufgesegelt
und griffen in das Gefecht bei ihrem Admiral ein; =Lestock=, der nun
auch näher herangelangt war, bemühte sich infolge zu flauen Windes mit
schwerer See vergeblich, dies zu hindern. Jetzt brach =Mathews= den
Kampf ab und gab das Signal, die Kiellinie über Backbordbug zu bilden;
er wollte vor allem die Ordnung herstellen, weil er eine Wiederaufnahme
des Kampfes durch die langsam herankommenden Franzosen erwartete. Das
Manöver erfolgte und führte zu einem Gefecht zwischen den letzten
Schiffen der englischen Mitte und den letzten Spaniern, als sie sich
auf entgegengesetzten Kursen begegneten.
Die Franzosen, die beim Herankommen den entmasteten »Poder«
wiedergenommen hatten, waren in Unordnung geraten, und die spanischen
Schiffe lagen in einem wirren Haufen um ihren Admiral. Infolge des
flauen Windes hatten alle Manöver sehr viel Zeit gekostet: das Wenden
der Schiffe (viele hatten halsen müssen), das Abbrechen des Kampfes
seitens der Engländer (»Marlborough« mußte mit Booten weggeschleppt
werden), das Entwirren auf beiden Seiten. So brach die Nacht herein,
ehe die Ordnung hergestellt war, und der Kampf war zu Ende.
Die Gegner lagen die Nacht über in Sicht voneinander. Am anderen Morgen
stieß das englische Schiff »SSomerset« auf das spanische »Hercules«;
beide waren von ihren Flotten versprengt. Der Engländer griff an, mußte
jedoch bald abbrechen, da einige Franzosen herankamen.
Die =Verluste= waren =auf englischer Seite= nicht groß. Zwar waren drei
Schiffe stark beschädigt (Mathews mußte am nächsten Tage seine Flagge
auf einem anderen setzen), aber der Mannschaftsverlust war unbedeutend.
Von den hauptsächlich beteiligten Schiffen hatten die drei der Vorhut
etwa 80, die drei der Mitte 200 Tote und Verwundete (davon
»Marlborough« allein 160), darunter zwei Kommandanten. =Die Spanier=
verloren den »Poder«, der zwar zurückerobert war, aber am nächsten Tage
wegen Seeuntüchtigkeit verbrannt werden mußte; die am Kampf beteiligten
Schiffe hatten sehr gelitten, »Real Felipe« mußte geschleppt werden.
Der Mannschaftsverlust war sehr bedeutend, so hatten z. B. »Isabela«
300, »Real Felipe« 500 Tote und Verwundete. Der Kommandant des
Flaggschiffes wurde schon bei Beginn des Kampfes schwer verwundet; nach
französischen Angaben verließ mit ihm auch der leicht getroffene
Admiral das Deck, und nur dem zweiten Kommandanten, einem französischen
Seeoffizier =de Lage=, soll der heldenmütige Widerstand des Schiffes zu
danken sein. Der =Verlust der Franzosen= ist nicht bekannt. Er wird
unbedeutend gewesen sein; die französischen Quellen bezeichnen nämlich
das Feuergefecht, das ihre Schiffe führten, als »ziemlich matt«, und
die englischen Schiffe, die mit ihnen fochten, haben ja auch nur
geringe Verluste gehabt.
=Die Schlacht blieb taktisch unentschieden=; beide Flotten behaupteten
vorläufig das Feld. Meist wird sie als ein Sieg der Engländer bezeichnet,
doch nicht mit Recht. Allerdings gaben die Verbündeten die Fahrt nach
Genua auf -- falls sie diese überhaupt beabsichtigt haben --, aber sie
nahmen am 23. Februar Kurs nach Spanien, wobei die Franzosen zwischen den
Spaniern und dem Gegner segelten, und kamen unbelästigt nach Cartagena;
die französische Flotte ging dann im April gleichfalls ungestört nach
Toulon zurück, auf der Fahrt fielen ihr einige englische Kauffahrer in
die Hände. Hieraus sowie aus dem längeren Stilliegen der englischen
Flotte in Port Mahon leiten die Franzosen als Erfolg der Schlacht ab, daß
sie für einige Zeit die See freigemacht hätten. =Mathews= war nämlich am
23. dem Feinde gefolgt, gab dies aber am nächsten Tage auf. Er hatte
erfahren, daß in Spanien neue Verstärkungen für das Heer in Italien
zusammengezogen seien, und wollte diesen nicht dadurch den Weg freigeben,
daß er sich nach Süden abziehen ließ. Hätte er die Verfolgung
fortgesetzt, so wären ihm wahrscheinlich einige der in der Takelage
beschädigten Schiffe zum Opfer gefallen oder der Feind hätte sich aufs
neue zum Kampf stellen müssen, um diese zu decken. So aber zeigte sich
=Mathews= nur noch in der Bucht von Rosas und ging dann nach Port Mahon;
hier entsetzte er =Lestock= vom Kommando und sandte ihn nach England.