gegenüber schon um 1744; Spaniens Marine allein war in dem Kriege
1739-1744 der englischen gegenüber kaum zu rechnen und hatte bis 1777
schon mehrere Linienschiffe verloren (bei Cartagena, 1771, 6 sowie einige
in Einzelgefechten beim kleinen Kriege in den europäischen Gewässern).
Die französischen Schiffe und auch die neueren spanischen waren zwar
teilweise den englischen der gleichen Klasse an Stärke der Armierung
(Kaliber) überlegen, aber dafür war das englische Personal, wie erwähnt
(Kapitel II), tüchtiger. Augenfällig aber ist das Überwiegen Englands
gegen Ende des Krieges. Die Verbündeten hatten zusammen 38 Linienschiffe
verloren und konnten trotz einiger Neubauten den 131 Schlachtschiffen der
Engländer kaum über 50 entgegenstellen.
=Troude= (Teil I, Seite 323) beziffert den französischen Verlust auf
nur 18 Linienschiffe; er hat vielleicht die Schiffe der indischen
Kompagnie nicht mitgerechnet, denn Lacour-Gayet, eine neuere Quelle,
gibt wie Charnock 22 an. -- Chabaud-Arnault schreibt, 1747 seien 50
Linienschiffe vorhanden gewesen, davon neun im Bau. Wenn Frankreich
auch wirklich zehn mehr gehabt hat, als Charnock angibt, so bleibt doch
immer die große Übermacht Englands zu Ende des Krieges bestehen;
übrigens führt auch hier Lacour nur 40 an, einschließlich zehn im Bau.
$Holland$[41]. Der völlige Verfall der Marine von 1713-1740 ist bereits
erwähnt (Band I, Seite 500). Der =Schiffsbestand= um 1741 betrug 1 Schiff
zu 90 Kanonen (42 Jahre alt), 5 zu 72 (3 davon zwischen 1715 und 1719
erbaut), 8 zu 64 (davon 2 unbrauchbar, 2 im Bau), 15 zu 52-58, 13 zu 44,
1 zu 36, 6 zu 22, 2 zu 12-16 Kanonen. Weit über die Hälfte gehörten zur
Admiralität Amsterdam. Es hielt schwer, Mannschaften, besonders
Unteroffiziere, zu erhalten; die Schiffe waren schlecht im Stande, die
Offiziere ungeübt und überaltert. Während des Krieges wurden 12
Linienschiffe und 5 leichte Fregatten gebaut, aber eine wesentliche
Unterstützung konnte die holländische Marine der englischen zu keiner
Zeit bieten. 1744 verlangte England auf Grund des seit langen Jahren
bestehenden Vertrages die Gestellung von 15 Linienschiffen und 5 schweren
Fregatten; doch war dies nur mühsam zu bewirken und auch nicht während
des ganzen Krieges durchzuführen. Der jüngste und tüchtigste Admiral
jener Zeit urteilt, daß die Schiffe von ihrer ungeübten Besatzung
schlecht bedient, daß die Kommandanten und Offiziere, ja selbst der
Flottenchef, ohne jede Erfahrung in Flottenmanövern seien.
[41] Nach =de Jonge=, Teil IV, Seite 252 ff.; dort findet man die
Fortsetzung der inneren Geschichte der holländischen Marine nach
1739.
Der Verlauf des Seekrieges[42].
Der Krieg in Westindien 1739-1744.
Ende Oktober 1739 erklärte England den Krieg an Spanien. Schon im Sommer
hatte man mit der Mobilmachung begonnen, Mannschaften eingezogen, Schiffe
in Dienst gestellt, die auswärtigen Stationen verstärkt und
Kaperbriefe ausgegeben. Das Hauptaugenmerk richtete man auf die
spanisch-amerikanischen Kolonien; hier war Spanien am leichtesten zu
verwunden, hier hoffte man auf reiche Beute. Man sendete eine Expedition
nach Westindien und eine nach dem Stillen Ozean; die letzte unter Kapitän
=George Anson= ging jedoch erst im Herbst 1740 ab, dagegen segelte der
Vizeadmiral =Edward Vernon= schon am 24. Juli 1739 =nach Westindien=.
[42] Besonders benutzte Quellen: Clowes Band III; Lacour I; Mahan
Band I; Chab.-Arnault; Bonfils Band II; über die Angriffe auf
Küstenstädte auch Colomb. -- Die meisten englischen Quellen geben
für diesen Krieg =das Datum= noch nach altem Stil, die
französischen nach dem neuen. Bei unserer Schilderung ist die
letztere Methode gewählt und nach bestem Wissen durchgeführt. Es
sind jedoch Irrtümer, besonders bei weniger wichtigen Ereignissen,
nicht ausgeschlossen, da die englischen Quellen anscheinend ihre
Methode nicht immer genau durchgeführt haben.
$Vernon$, geboren 1684 und seit 1706 Kapitän, stand in dem Rufe, die
Verhältnisse in Westindien, besonders die Schwächen der Spanier, genau
zu kennen, da er mehrere Jahre ein Schiff dort geführt hatte. Im
Parlament erklärte er wiederholt, er würde imstande sein, Puerto Belo
mit sechs Schiffen zu nehmen. Da er nun sehr populär, anderseits aber
durch Ausfälle gegen die Regierung dieser unbequem war, gab man ihm
jetzt das Kommando, um ihn für einige Zeit loszuwerden. Mit
Überspringung des Kontreadmiralgrades wurde er Vizeadmiral und führte
mehrere Jahre das Oberkommando in Westindien; nach England
zurückgekehrt, wurde er 1745 Admiral und Chef eines Geschwaders im
Kanal. In dieser Stellung protestierte er in schroffer Weise gegen
Verfügungen der Admiralität und veröffentlichte auch gehässige Artikel
über die Leitung der Marine. Obgleich er sonst ein tüchtiger und
eifriger Offizier war, wurde er 1746 von der Liste der Flaggoffiziere
gestrichen. Er starb 1757.
Ihm unterstanden neun Schiffe, von denen jedoch vier an der spanischen
Küste abgezweigt wurden, um zurückerwarteten spanischen Silberschiffen
aufzulauern. Am 23. Oktober erreichte Vernon Jamaika und übernahm das
Kommando der Station. Auf die Nachricht hin, daß in =Puerto Belo= -- dem
Ausgangshafen der Silberflotte, auf der Landenge von Panama gelegen --
die Bergwerksausbeute des letzten Jahres bereits von Panama zur
Einschiffung eingetroffen sei, segelte er am 5. November mit sechs
Schiffen -- 2 zu 70 Kanonen; 3 zu 60; 1 zu 50 -- und 200 Soldaten dahin
ab. In der Nacht vom 20. auf 21. November ankerte das Geschwader vor der
Bucht von Puerto Belo und nahm die Stadt am 22.
$Die Einnahme von Puerto Belo Im November 1739.$ Die Stadt liegt an der
Südostecke einer kleinen Bucht, die westöstlich läuft, gleichmäßig etwa
zwei Seemeilen lang und eine Seemeile breit ist. Die Einfahrt wurde
beherrscht durch ein Fort auf der Nordostecke, die Stadt selber
schützten zwei Forts; die Befestigungen waren ziemlich stark. =Vernon=
beabsichtigte, sein Geschwader in Kiellinie in die Bucht segeln zu
lassen; die ersten drei Schiffe sollten das äußere Fort unter Abgabe
ihrer Breitseiten passieren und sich vor die Befestigungen der Stadt
legen, die anderen drei Schiffe, auf deren erstem sich der Admiral
befand, vor dem äußeren Fort ankern, alle ihre großen Boote, im Schlepp
und mit Soldaten bemannt, zu einer Landung bereit halten. Am 21.
morgens wehte jedoch östlicher Wind und der Plan konnte nicht genau
durchgeführt werden, da die Schiffe in die Bucht aufkreuzen mußten. Um
zwei Uhr nachmittags eröffneten die ersten drei Schiffe das Feuer auf
das Fort an der Einfahrt, das anfangs lebhaft, aber bald schwächer
antwortete. Der Admiral, der noch nicht ganz heran war, rief die Boote
zu sich und gab den Befehl zum Landen. Dann trat das Flaggschiff in den
Kampf ein, die Schützen in den Marsen vertrieben die Gegner aus den
unteren Batterien des Forts, die Gelandeten drangen ein und waren bald
Herren der ganzen Befestigung. Mittlerweile war es dunkel geworden,
ohne daß die drei ersten Schiffe bis zur Stadt hatten gelangen können;
sie waren nach Westen (aus der Bucht hinaus) getrieben und mußten vor
Anker gehen. Auch die Schiffe des Admirals ankerten jetzt; das
Flaggschiff und sein Hintermann wechselten während der Nacht mit den
Stadtforts Schüsse, die jedoch nicht viel Schaden taten. Am 22. morgens
gab =Vernon= Befehl an alle Schiffe, sich in der kommenden Nacht an
Puerto Belo heranzuwarpen[43]. Dieser neue Plan kam jedoch nicht zur
Ausführung, weil sich die Stadt nach längeren Unterhandlungen noch an
diesem Tage ergab. Der englische Verlust betrug nur sieben Tote und
einige Verwundete. (Genaueres über diese Unternehmung vgl. Clowes Seite
55 und Colomb Seite 322.)
[43] Warpen: Ein Schiff mit Hilfe von (Warp-) Ankern und Trossen
fortbewegen.
Die Garnison zog mit vollen militärischen Ehren ab; Schonung der Stadt
und des Privateigentums wurde zugesichert. Im Hafen lagen nur einige
kleine Fahrzeuge, aber die Engländer erbeuteten etwa 10000 Dollar
Staatsgelder, die Vernon sofort an seine Leute verteilte; die
Befestigungen wurden geschleift. Im Dezember ging das Geschwader nach
Jamaika zurück. Der Erfolg erregte großen Jubel in England, und die
Regierung beschloß, möglichst bald noch einige Schiffe, zwei Regimenter
Infanterie, sechs neuaufgestellte Regimenter Seesoldaten nach Westindien
zu senden, sowie auch 3000 Mann von den nordamerikanischen Kolonien
dorthin zu ziehen, um Vernon weitere und größere Unternehmungen zu
ermöglichen. Es verging jedoch das ganze Jahr 1740, bis diese Verstärkung
eintraf. =Vernon= blieb auf die schwachen Kräfte angewiesen, die genau
seiner Forderung im Parlament entsprachen; er kam dadurch fast in eine
üble Lage.
Im Sommer 1740 versuchte eine Abteilung von wenigen Soldaten,
unterstützt durch kleinere Schiffe der nordamerikanischen Station, von
Südcarolina aus die spanische Stadt $St. Augustine in Florida zu
nehmen$. Es wurden zwar zwei kleine Befestigungen am St. Johnsflusse
besetzt und vor der genannten Stadt auf einer Insel Fuß gefaßt, aber
das Unternehmen mußte doch aus Mangel an Streitkräften aufgegeben
werden.
$Spanien$ scheint 1739 keine Seestreitkräfte von Bedeutung in Westindien
gehabt zu haben; was dort war, geleitete unter Admiral =Pizarro= die
Silberflotte dieses Jahres wohlbehalten heim. 1740 aber traf man
Vorbereitungen, die Kolonien zu schützen, und rief Frankreich, gemäß dem
bestehenden Vertrage, um Unterstützung an; der Kardinal =Fleury= sah sich
trotz seiner Friedensliebe durch die öffentliche Meinung gezwungen,
diesem Anspruch zu willfahren. Im Juli 1740 verließ ein starkes
spanisches Geschwader (wahrscheinlich 12 Linienschiffe) mit den Galeonen,
die jährlich nach Amerika zum Abholen der Silberschätze segelten, unter
Admiral =de Torres= Cadiz; es lief zunächst Ferrol an, traf im September
in Portoriko ein, besserte dort längere Zeit seine durch Sturm
beschädigten Schiffe aus, landete dann Truppen in Cartagena, ließ hier
sechs Schiffe unter =Don Blas de Leso= und ging endlich nach Havanna.
$Frankreich$ sandte am 25. August von Toulon den Chef d'Escadre =de la
Rochalart= mit 12 Linienschiffen und 3 Fregatten nach Westindien ab (im
Oktober in Martinique); ihm folgte am 1. September von Brest der
Vizeadmiral des Atlantik =d'Antin= mit 14 Linienschiffen und 5 Fregatten.
Von dem ersten Geschwader wurden in Gibraltar 4 Schiffe zurückgerufen,
auch das zweite zweigte einige Schiffe zum Kreuzen an der spanischen
Küste ab, von denen jedoch ein Teil bald wieder nachkam; die Vereinigung
beider Geschwader fand im Dezember in St. Domingo statt, wo nun im Januar
1741 =d'Antin= über etwa 22 Linienschiffe verfügte. Die
französisch-spanischen Streitkräfte in den westindischen Gewässern waren
mithin außerordentlich stark, gegen 40 Linienschiffe.
Die Berichte über die Stärke und Bewegungen der französischen und
spanischen Geschwader lauten unbestimmt. Einige führen ausdrücklich an,
daß =d'Antin= die Spanier von Ferrol aus begleitet habe; dies stimmt
aber nicht mit den Ankunftszeiten in Westindien, doch könnten sie durch
einen Sturm, den auch die Franzosen erwähnen, getrennt sein. -- Aus
anderen Angaben muß man ferner schließen, daß außer =de Torres= noch
ein spanisches Geschwader von Cadiz direkt nach Cartagena gegangen ist
(5-6 Linienschiffe), und wir finden auch später sechs Linienschiffe in
diesem Hafen und 12 in Havanna.
=Vernon= nahm nach Instandsetzung der Schiffe in Jamaika seine Tätigkeit
wieder auf. Er $beschoß$ im März 1740 aus Mörserbooten $Cartagena$,
allerdings mit nur wenig Erfolg, aber dann auch $Chagres$ (Landenge von
Panama) und diese Stadt ergab sich; eine Beute von über 70000 Pfund
Sterling fiel den Engländern in die Hände, die Befestigungen wurden
geschleift. Im Juni machte er von Jamaika aus vergeblich den Versuch, ein
spanisches Geschwader von 5 Schiffen (das eben erwähnte zweite Geschwader
von Cadiz?) abzufangen, wurde aber durch Mangel an Vorräten aller Art
festgehalten. Diese trafen zwar, von 2 Linienschiffen begleitet, im
September ein, zugleich mit Truppen aus Nordamerika, aber der Admiral
fühlte sich jetzt zu schwach, ohne die zugesagte große Verstärkung etwas
zu unternehmen, nachdem er die Ankunft des spanischen Geschwaders (de
Torres) in Cartagena und die des französischen (Rochalart) in Martinique
erfahren hatte.
Die große Verstärkung hatte England im August verlassen, wurde aber durch
Sturm zurückgetrieben und dann zurückgehalten, weil sie den nach
Westindien entsandten französischen und spanischen Geschwadern gegenüber
zu schwach an Linienschiffen erschien. Erst Anfang Oktober lief sie unter
Kontreadmiral =Sir Chaloner Ogle= aus. Sie bestand aus 1 Schiff zu 80
Kanonen, 20 Linienschiffen der dritten Klasse, 4 der vierten Klasse,
einigen Fregatten, Brandern und Mörserbooten; auf Transportern waren 9000
Soldaten (die erwähnten 8 Regimenter Infanterie und Seesoldaten, sowie
technische Truppen) eingeschifft. Der Chef der Truppen, General =Lord
Cathart=, ein sehr tüchtiger Offizier, starb leider auf der Ausreise zu
Dominica, im Dezember; sein Nachfolger General =Thomas Wentworth= konnte
ihn nicht ersetzen. Am 20. Januar 1741 traf die Flotte in Jamaika ein;
eine derartig starke englische Macht war noch nie in Westindien
aufgetreten, sie hätte sehr viel ausrichten können. Laird Clowes führt
den Ausspruch eines älteren englischen Schriftstellers an: »Vernons Hände
waren nicht gebunden, wie die der Admirale in den europäischen Gewässern.
Wäre er sofort gegen Havanna vorgegangen, so würde er die Stadt vor der
Orkanzeit genommen haben. Seine Instruktionen wiesen stark darauf hin,
und seine Freunde in England rieten sehr dazu. Es wäre besser gewesen,
wenn er strikte Befehle in dieser Hinsicht gehabt hätte.« Von den
Franzosen drohte ihm in der Tat keine Gefahr mehr. Der Verlust Havannas
wäre ein großer Schlag für Spanien gewesen, aber die englischen Führer
wählten einen anderen Platz zum Angriff.
Auf der Fahrt =Ogles= von Dominica nach Jamaika ereignete sich ein
$Zusammenstoß zwischen Engländern und Franzosen$. Auf der Höhe von Kap
Tiburon (Westende von Haiti) sichtete die englische Flotte am 18.
Januar 1741 vier große Schiffe; =Ogle= sandte sechs Linienschiffe zur
Erkundung ab. Die Fremden heißten ihre Flagge, aber die Engländer
argwöhnten, es seien Spanier, und gingen näher heran. Auf Anruf (um
zehn Uhr abends) in englischer, dann in französischer Sprache erfolgte
keine Antwort; nun griffen die sechs Engländer, weit schwerere Schiffe,
die vier Franzosen an und es wurde mehrere Stunden scharf gefochten. Am
andern Morgen entschuldigten die Engländer das Vorgehen mit dem
Ausbleiben der Antwort auf ihren Anruf; die Franzosen behaupteten aber,
Auskunft erteilt zu haben. -- =Ein ganz ähnlicher Fall= trug sich in
demselben Jahre in der Straße von Gibraltar zu. Vier Engländer stießen
auf drei Schiffe, die auf Anruf antworteten, sie seien Franzosen, die
aus Westindien zurückkämen. Als die Engländer ein Boot absandten, um
sich davon zu überzeugen, wurde das Anbordkommen nicht erlaubt; auch
hier folgte ein scharfes Gefecht von einigen Stunden[44].
[44] Näheres über diese beiden Fälle vgl. Clowes, Band III, Seite 64
und 270; Lacour, I, Seite 132 und 133.
Man kann über derartige Fälle kaum erstaunt sein. Bei der Haltung
Frankreichs im allgemeinen waren die englischen Offiziere gewiß nicht
geneigt, große Rücksicht auf die französischen Schiffe zu nehmen; die
Franzosen ihrerseits waren sicherlich berechtigt, barsche Anforderungen
zurückzuweisen.
Die Anwesenheit der großen französischen Flotte in Westindien hatte für
Spanien nur den Nutzen, daß Vernon weder gegen die spanischen Kolonien
noch gegen =de Torres= etwas unternahm, bis die große Unterstützung
eintraf. Die französischen Quellen behaupten, daß =d'Antin= zwar den
Befehl gehabt habe, die nach Westindien segelnden Schiffe und die
Besitzungen der Spanier zu decken, aber nur zu fechten, wenn er selber
angegriffen würde.
Englische Schriftsteller behaupten, der französische Admiral habe sich
allein durch den Zustand seiner Schiffe zur Untätigkeit gezwungen
gesehen; diese seien schlecht ausgerüstet und durch stürmisches Wetter
auf der Fahrt von Europa sowie später von Martinique nach Haiti sehr
beschädigt gewesen. d'Antin habe außerdem Rückberufungsbefehl erhalten,
als der Österreichische Erbfolgekrieg drohte; =Fleury= hätte den Bruch
mit England vermeiden wollen, das ja noch zwischen den Parteien
schwankte. Diese Auffassung scheint richtig zu sein; auch die
französischen Quellen heben den schlechten Zustand der Schiffe hervor,
auf denen außerdem das gelbe Fieber herrschte, und sprechen mit Bedauern
aus, Fleury habe bald nur noch dem bevorstehenden Landkriege
Aufmerksamkeit geschenkt. Schließlich hätte ja auch der französische
Admiral triftigen Grund gehabt, angriffsweise vorzugehen; hatten doch die
Engländer am Kap Tiburon die Feindseligkeiten eröffnet und auch sonst
französische Schiffe aufgebracht. Tatsächlich segelte =d'Antin= am 7.
Februar 1741 von Haiti nach Frankreich ab und ließ nur 6 Linienschiffe
unter =Comte de Roquefeuil= in Westindien zurück; er sah seine Aufgabe
als gelöst an und war auch wohl von der bevorstehenden Ankunft der großen
englischen Flotte unterrichtet.
=Admiral Vernon= scheint noch keine bestimmten Pläne gehabt zu haben, als
Ogle zu ihm stieß; er hat wahrscheinlich solche mit dem =Lord Cathart=
beraten wollen. Gegen =Wentworth= faßte er von vornherein ein ungerechtes
Vorurteil, denn dieser war zwar nicht so fähig wie Cathart, aber doch von
bestem Willen beseelt. In einem Kriegsrate wurde beschlossen, zunächst
nach Haiti aufzukreuzen, um die Franzosen zu beobachten. Viele englische
Kritiker sehen hierin einen großen Fehler: »In drei Tagen hätte man von
Jamaika das unter dem Winde liegende Havanna erreichen können!« Hiergegen
erhebt Colomb mit Recht Einwendungen. In Cartagena befanden sich 6, in
Havanna 12 spanische Linienschiffe, bei Haiti 22 französische. Vernon
verfügte über 29 Linienschiffe, war also nicht imstande, die feindlichen
Seestreitkräfte zu beobachten oder gar in Schach zu halten und
gleichzeitig Havanna anzugreifen; von dem schlechten Zustande der
französischen Schiffe sowie von der Absicht d'Antins, abzusegeln, wußte
er nichts. So ging denn die englische Expedition Ende Januar von Jamaika
in See. Am 8. Februar wurde dem Admiral beim Kap Tiburon durch einen
Kreuzer gemeldet, die französische Flotte läge noch bei Aux Cayes -- dies
war ein infolge Nebels entstandener Irrtum --, aber am 12. überzeugte man
sich von der Abfahrt d'Antins.
Nun ward auf Vernons Vorschlag im Kriegsrat ein $Angriff auf Cartagena$
beschlossen. (Warum jetzt nicht auf Havanna? Sämtliche englische Quellen
schweigen hierüber, obgleich sie sich bis dahin mit diesem Plane
beschäftigen.) Mit Erlaubnis der französischen Behörden wurde auf Haiti
Wasser und Brennholz genommen und ein Linienschiff nebst kleineren
Fahrzeugen nach Cartagena gesandt, um einen Ankerplatz für die Flotte zu
suchen; diese folgte am 25. Februar, ankerte am 4. März in einer Bucht
westlich von der bedrohten Stadt und begann am 9. die Berennung. Das
Schicksal Cartagenas mußte nach den Erfolgen gegen Puerto Belo im
Vorjahre bei der großen Macht, die jetzt zur Verfügung stand, von
vornherein als besiegelt angesehen werden, aber trotz eines anfänglich
guten Verlaufes wurde das Unternehmen durch Mißhelligkeiten zwischen den
Führern der Land- und Seestreitkräfte, sowie auch infolge von Mißgriffen
beider zu einem verlustreichen Fehlschlag.
$Der Angriff auf Cartagena, März-April 1741[45].$ =Die Stadt war stark
befestigt= und nur zu nehmen, ja nur wirksam zu beschießen, wenn die
Befestigungen niedergekämpft waren (siehe Plan). Flaches Wasser bis auf
etwa drei Seemeilen, sowie der Mangel an jeglichem Schutz gegen
nördliche und westliche Winde hinderten eine genügende Annäherung
unmittelbar von See aus; da die Boca grande für größere Schiffe zu
flach ist, mußte man durch die Boca chica einlaufen, die aber nur je
einem Schiffe den Durchgang gestattete. Diese Einfahrt wurde beherrscht
durch das Fort S. Luis (82 Kanonen und drei Mörser) nebst den
Außenwerken S. Felipe (acht Kanonen), S. Jago (15 Kanonen) und de
Chamba (vier Kanonen), ferner durch die Faschinenbatterie La Baradera
(15 Kanonen) mit einer kleineren (4 Kanonen) und durch das Fort S. José
(21 Kanonen) auf einer kleinen Insel. Von S. Luis nach S. José war eine
Balkensperre gelegt und hinter dieser vier Linienschiffe (Geschwader
Don Blas de Leso) mit den Breitseiten nach See zu verankert. -- Bei
dem Eingang in den inneren Hafen lagen die starke Befestigung Castillo
Grande (vier Bastionen mit 59 Kanonen) und die Batterie Mancinilla (12
Kanonen); in dieser Einfahrt befindet sich eine flache Stelle, an deren
beiden Seiten große Schiffe versenkt waren. -- Die Stadt selber, auf
zwei Inseln gelegen und mit Wällen (300 Kanonen) umgeben, wurde gedeckt
durch das etwa 20 m hoch gelegene Fort S. Lazare, das allerdings von
einem unbefestigten Hügel eingesehen werden konnte. -- Die Garnison
zählte 4000 spanische Soldaten nebst einer größeren Zahl von Negern und
Indianern.
[45] Eingehendere Schilderung vgl. Clowes, Band III, Seite 68, und
Colomb, Seite 338.
=Die englische Streitmacht= bestand aus 29 Linienschiffen -- 8 zu 80, 5
zu 70, 14 zu 60, 2 zu 50 Kanonen --, 11 Schiffen zu 20 Kanonen und
kleineren Fahrzeugen, 9 Brandern und Mörserbooten sowie vielen
Transportern; insgesamt 124 Segel mit einer Besatzung von 15000 Mann
und 12000 Soldaten. Auf dem Ankerplatz in der benachbarten Bucht
angelangt, ordnete =Vernon= für die leichteren Fahrzeuge Bewegungen an,
die auf eine Landung schließen ließen, so daß die Spanier Truppen aus
der Stadt dorthin zogen und Schanzen aufwarfen. Bis zum 9. März
unternahmen die Engländer nichts; die Gegner konnten ungestört ihre
Verteidigungsmaßregeln ausführen: die Sperre ziehen, die Linienschiffe
postieren, Schiffe versenken, die Batterien fertig armieren u. dgl.
Frühmorgens am genannten Tage setzte sich die englische Flotte in
Bewegung. Eine Division -- zehn Linienschiffe und sechs kleinere
Fahrzeuge unter =Sir Chaloner Ogle= -- war für den Angriff auf die
Außenforts von S. Luis bestimmt; durch Erkundungen war festgestellt,
daß man vor diesen auf Pistolenschußweite ankern konnte, ohne dem Feuer
des Hauptforts und der Befestigungen der Boca chica ausgesetzt zu sein.
Dieser Division folgte die zweite -- =Vernon= mit zehn Linienschiffen,
zehn kleineren Fahrzeugen und den Transportern voll Soldaten. Der Rest
der Flotte blieb unter Kommodore =Lestock= vorläufig vor Anker, um den
Anschein einer beabsichtigten Landung hier aufrecht zu erhalten.
[Illustration: A. Fort S. Luis nebst Aussenforts. B. Baradera. C. S.
José. D. Castillo Grande. E. Mancinilla. F. S. Lazare.
Cartagena.]