Anfang des Jahres 1742 waren die Spanier in =Genua= und =Toskana=
gelandet, unbehindert durch englische Seestreitkräfte, da eine
französische Flotte die spanische begleitete. Zu ihrer Unterstützung
kamen Truppen des Königreichs Beider Sizilien heran, aber England erzwang
deren Rückberufung durch eine Flottendemonstration vor =Neapel= (August
1742). Schon im Februar 1742 hatte sich Sardinien für Österreich erklärt;
König =Karl Emanuel=, der anfangs zu Frankreich-Spanien neigte, ließ sich
von England durch Hilfsgelder und das Versprechen, im Mittelmeer eine
starke Flotte zu halten, sowie von Österreich durch Zusicherung von
Gebietsteilen im Mailändischen gewinnen. Nun besetzten zwar überlegene
französisch-spanische Streitkräfte im Winter 1742/43 Savoyen, vermochten
aber weder in Norditalien, noch in Toskana weiter vorzudringen.
=Die englische Flotte= hinderte ferner Landungen der Spanier in Genua
und blockierte die spanische Flotte vom Mai 1742 bis zum Mai 1744 in
Toulon. Kardinal =Fleury= konnte hieraus, sowie aus dem Verhalten
Sardiniens und Neapels den Lohn für seine Vernachlässigung der Marine
entnehmen.
$Neue Bündnisse.$ Die Erfolge des Jahres 1743 führten Österreich, England
und Sardinien zu engerem Zusammenschluß. Im =Traktat zu Worms= (13.
September 1743 im Hauptquartier Georgs II.) erkannte Sardinien die
pragmatische Sanktion an und erhielt dafür einen Teil der Lombardei;
England verpflichtete sich zur Stellung einer starken Flotte und zur
Zahlung von 200000 Pfund Sterling; gegenseitig garantierten sich die
Staaten ihren Besitz von 1739, also »=vor= dem Frieden von Breslau«.
Ferner schlossen Österreich und Sachsen (Dezember 1743), sowie Sachsen
und Rußland (Februar 1744) ein Defensivbündnis. Auch die Gegner blieben
nicht untätig. Frankreich erneuerte nach Fleurys Tode seinen Vertrag mit
Spanien: Mailand und Parma sollten als eine weitere Sekundogenitur, wie
es Neapel schon war, an Spanien fallen; Gibraltar und Port Mahon wollte
man zurückerobern und sonstigen englischen Übergriffen (in Westindien
und Florida) steuern. =Frankreich= begünstigte außerdem die
Vorbereitungen des letzten Stuart Karl Eduard für eine Erhebung in
Schottland und =erklärte jetzt den Krieg= an England (März 1744, nach der
Seeschlacht vor Toulon) und an Österreich (April). Auch =Friedrich= II.
rüstete zu neuem Waffengange; durch den Wormser Traktat sah er sich im
Besitze Schlesiens bedroht, der Vertrag Österreichs mit Sachsen richtete
seine Spitze offenbar gegen ihn und eine Spannung mit Georg II. über den
Besitz Ostfrieslands trat hinzu. Sein Versuch, die deutschen Fürsten
unter preußisch-bayerischer Führung zu einigen, um die fremden Mächte von
Deutschland auszuschließen, war fehlgeschlagen, nun schloß er (=Paris= 5.
Juni 1744) ein neues Bündnis mit Frankreich »zum Schutze Kaiser Karls
VII.«; ein ähnlicher Vertrag mit Bayern und Kurpfalz war vorhergegangen
(=Frankfurter Union=, 22. Mai).
$Der Krieg von 1744-1746$ (=einschließlich des Zweiten Schlesischen
Krieges=). Frankreich führte im Jahre 1744 den Krieg nur lau. In Belgien
wurden unter Ludwigs XV. persönlicher Führung einige Städte genommen; ein
zweites Heer am Oberrhein wagte jedoch nicht, diesen Fluß zu
überschreiten, sondern zog die Bayern zu sich herüber. Dagegen gingen die
Österreicher (=Karl von Lothringen=) über den Rhein und drangen im Elsaß
vor. Ludwig kam zwar mit der Hälfte des flandernschen Heeres heran, aber
seine Erkrankung lähmte die Unternehmungen. Jetzt eröffnete =Friedrich=
II. den Feldzug. Er rückte durch Sachsen und aus Schlesien in Böhmen ein.
Die Österreicher wurden dadurch gezwungen, über den Rhein zurückzugehen
und auch Bayern zu räumen, aber nur langsam folgten die Franzosen und die
Bayern nach. Unbehindert konnte Karl von Lothringen sein Heer nach Böhmen
führen und Friedrich wurde unter großen Verlusten nach Schlesien
zurückgedrängt (Dezember 1744). In Süddeutschland kam es im Winter
1744/45 noch zu einigen Kämpfen. Als aber Kaiser Karl gestorben war
(Januar 1745), stimmte sein Sohn der pragmatischen Sanktion sowie der
Kaiserwahl Franz Stephans zu und schloß Frieden mit Österreich (April);
auch die Franzosen räumten Deutschland (Juli) und verlegten den
Hauptkriegsschauplatz nach Belgien.
Vielleicht wäre es für Frankreich richtiger gewesen, Österreich in
seinem entfernt liegenden und schwer zu verteidigenden Besitze,
Belgien, hauptsächlich anzugreifen. Mit dem Vordringen über den Rhein
und durch Deutschland hin reichte man aber Preußen die Hand, dessen
militärische Macht sich zum ersten Male zeigte. In Belgien dagegen
hätte der französische Angriff auch die Seemächte empfindlich
getroffen, die stets auf das Eindringen der Franzosen eifersüchtig
waren. So ist es wohl unterlassen, um den förmlichen Krieg mit diesen
noch zu vermeiden. Als es aber später geschah, hat es sicher dazu
beigetragen, die Tätigkeit der englischen Marine, in den fernen
Gewässern besonders, zu lähmen; man wandte in England nun dem
Landkriege mehr Aufmerksamkeit zu, als richtig war.
$Friedrich II.$ stand 1745 allein da; Österreich und Sachsen schlossen im
März einen neuen Vertrag zu einem Einfall in Schlesien. Jetzt bewies der
König seine Größe und vereitelte durch die Siege über Erzherzog Karl bei
=Hohenfriedberg= (4. Juni 1745) und =Soor= (30. September) den Einfall.
Als dann die Gegner wieder in Schlesien einbrechen und gleichzeitig mit
der sächsischen Hauptmacht, verstärkt durch die am Rhein freigewordenen
österreichischen Truppen, von Dresden her die Mark angreifen wollten,
schlug er Karl von Lothringen aufs neue bei =Katholisch-Hennersdorf=,
23./24. November, und marschierte auf Dresden; Lothringen folgte.
=Leopold von Dessau=, der das andere feindliche Heer zu beobachten hatte,
griff dieses inzwischen auf ausdrücklichen Befehl des Königs trotz seiner
schwächeren Kräfte an und schlug es vernichtend bei =Kesselsdorf= (15.
Dezember), als der König bei Meißen und Karl bei Dresden angekommen
waren. Dieser ging dann mit den Trümmern des geschlagenen Heeres nach
Böhmen zurück; Friedrich zog in Dresden ein. Er zwang hierdurch Sachsen
zum Nachgeben und auch Österreich war nicht geneigt, den Krieg allein
fortzuführen. Am 25. Dezember 1745 wurde =der Friede von Dresden=
geschlossen; der König behielt Schlesien und erkannte dafür Franz Stephan
an, der schon am 13. September als =Franz= I. zum Kaiser gewählt und am
4. Oktober gekrönt war. =Der Krieg in Deutschland war zu Ende.=
Auch anderwärts stand die österreichische Sache ungünstig. Im Frühjahr
1745 waren die Franzosen mit starker Macht in =Belgien= aufgetreten. Sie
nahmen wichtige Städte ein und der Marschall =Moritz von Sachsen= siegte
bei Fontenay (11. April) über den Herzog von Cumberland; am 21. Februar
besetzten die Franzosen Brüssel und bedrohten Holland selbst.
Im Mittelmeer fand am 22. Februar 1744 die =Seeschlacht vor Toulon=
statt, als die französische Flotte die spanische von genanntem Hafen
nach der italienischen oder spanischen Küste geleiten wollte. Sie blieb
unentschieden.
=In Norditalien= eroberte ein französisch-spanisch-neapolitanisches Heer
1745 Piemont und fast die ganze Lombardei. Erst als nach dem
Frieden von Dresden Österreichs Truppen in Deutschland frei
wurden, konnte es in Italien das Gleichgewicht wieder herstellen. Das
österreichisch-sardinische Heer vertrieb 1746 die Franzosen, die Spanier
gingen von Genua aus in die Heimat zurück; die Sieger besetzten diese
Stadt und drangen sogar in die Provence ein, in beidem von der englischen
Flotte unterstützt. Ein von Frankreich begünstigter Aufstand in Genua
rief sie dann aber zurück, und eine neue Belagerung dieser Stadt mußte
aufgegeben werden, als die Franzosen wieder über Nizza (1747) vordrangen.
$Die Erhebung Schottlands.$ Der Niedergang der österreichischen Sache in
Belgien hing mit der Gefahr zusammen, die dem Hause Hannover in England
durch eine Erhebung der Schotten zugunsten der Stuarts drohte. =Jakob=
III. lebte nach seinem letzten Ringen um die Krone Großbritanniens (1708;
vgl. Band I, Seite 522) in Rom. Von hier ging 1743 sein Sohn =Karl
Eduard= (gewöhnlich »der junge Prätendent« genannt) nach Paris, um mit
Frankreichs Hilfe einen neuen Versuch zu wagen; der Kampf Englands mit
den Bourbons, die geringe Beliebtheit des Hauses Hannover in England,
die Anhänglichkeit der Schotten an die Stuarts, sowie ihre Abneigung
gegen eine Verbindung mit England ließen die Gelegenheit günstig
erscheinen. Frankreich war dem Unternehmen geneigt, das England vom
Festlandskriege abziehen mußte und wollte 1744 14 000 Mann nach
Schottland übersetzen, aber diese Expedition -- das einzige
Angriffsunternehmen Frankreichs zur See in diesem Kriege -- scheiterte
infolge verzögerter Ausrüstung, ungünstiger Wetterverhältnisse und der
Übermacht der englischen Seestreitkräfte.
Erst im Juli 1745 kam Karl Eduard mit nur wenigen Begleitern nach
Schottland. Verschiedene Clans standen für ihn auf. England war völlig
überrascht und hatte nur wenige Truppen zur Verfügung; seine schwachen
Garnisonen räumten Schottland. Der Prinz bemächtigte sich Edinburghs (im
September), rückte in England ein, schlug ein englisches Korps und drang
bis auf acht Tagemärsche an London heran. Das englische Volk zeigte sich
meist gleichgültig, teilweise sogar feindlich gegen die eigene Dynastie,
deren Lage bei dem Mangel an Truppen gefährdet erschien, um so mehr da
eine französische Landung vorbereitet wurde. In London begann der Kredit
zu wanken, die Bank wurde fast gestürmt. Aber jetzt weigerten sich die
Schotten weiterzumarschieren. Karl Eduard mußte nach Schottland zurück
und wurde bei =Culloden= (16. April 1746) vom =Herzog von Cumberland=
vernichtend geschlagen. Dieser war mit Truppen von Belgien
herübergerufen; meist Hessen im Solde Hollands, das nach altem Vertrag
verpflichtet war, England bei drohendem Einfall Truppen zu stellen. Der
letzte Versuch der Stuarts war gescheitert, =Karl Eduard= irrte fünf
Monate umher und floh dann nach Frankreich; aber sein Aufstand war doch
von lähmendem Einfluß auf Englands Kriegführung zur See gewesen.
$Das Ende des Erbfolgekrieges.$ Die Franzosen machten 1746 immer raschere
Fortschritte in =Belgien=; alle wichtigen Städte, auch Antwerpen
und Namur, fielen in ihre Hände; =Moritz von Sachsen= erfocht bei
=Rocourt= (11. Oktober 1746) einen zweiten glänzenden Sieg über
Cumberland und Karl von Lothringen. 1747 siegten die Franzosen nochmals
bei =Maastricht= (2. Juli) und nahmen Bergen op Zoom (16. September); am
11. Mai 1748 fiel auch Maastricht. Schon vor Einnahme dieser wichtigsten
Festung waren Friedensunterhandlungen im Gange, und als jetzt die
Franzosen mit dem Einbruch in Holland drohten, kam es zum Frieden,
zunächst zwischen Frankreich und England-Holland.
In dem $See- und Kolonialkriege Englands gegen Frankreich und Spanien
1744-1748$ behauptete England schließlich das Übergewicht. Wie Spanien
schon bisher, so war auch =Frankreich= infolge der Schwäche seiner
Marine genötigt, sich in der Verteidigung zu halten. Wie schon erwähnt,
hatte es nur einmal, noch vor der Kriegserklärung, einen Offensivstoß
versucht (einen Einfall in England zugunsten Karl Eduards), der aber
nur bei völliger Überraschung des Gegners hätte gelingen können. Später
beschränkte sich Frankreich auf den Schutz seiner Kolonien und auf den
kleinen Krieg gegen den feindlichen Handel. =England= führte den
Seekrieg zunächst nicht energischer als bisher gegen Spanien allein.
Die Tätigkeit seiner Seemacht wurde durch verschiedene Umstände gelähmt
-- Vernachlässigung der Marine während der langen Friedenszeit, Mangel
an frischem Geiste in ihr, vor allem aber durch unrichtige und
schwächliche Verwendung der überlegenen Flotte --, und so blieb
natürlich der Erfolg aus. Es gelang nicht, die feindlichen Häfen zu
sperren und so die Gegner von ihren Kolonien abzuschneiden.
In Westindien, worauf die Franzosen den Hauptwert legten, und wo auch
die Spanier den größeren Teil ihrer Seestreitkräfte hielten, vermochten
die Engländer nichts auszurichten; in Nordamerika eroberten zwar die
englischen Kolonisten, von der Flotte unterstützt, die wichtige Festung
=Louisbourg= und hielten sie bis zum Friedensschluß, mehr errangen sie
jedoch nicht, da sie keine Unterstützung erhielten; in Ostindien gelang
es sogar den Franzosen, =Madras= (1746) zu nehmen und den englischen
Angriff auf Pondicherry (1748) abzuschlagen und so bei den indischen
Fürsten das Ansehen Frankreichs über das Englands zu heben. Selbst im
kleinen Kriege war England nicht imstande, seine Handelsschiffahrt vor
großen Verlusten durch Freibeuter und einzelne Kriegsschiffe der Gegner
zu bewahren, wenn es auch deren Handel gleichfalls großen Schaden
zufügte.
Erst nach und nach, besonders vom Jahre 1747 an, wurde es besser. Die
englische Marine erstarkte dauernd an Zahl der Schiffe und innerem
Wert, die der Gegner gingen abwärts infolge von Verlusten und von
Vernachlässigung, die französische Seemacht wurde schließlich durch die
Vernichtung von zwei stattlichen Geschwadern in den =Seeschlachten bei
Kap Finisterre= (im Mai und Oktober 1747) völlig lahmgelegt; auch die
Freibeuter ihrer Gegner hatten die Engländer nach und nach größtenteils
weggefangen. Jetzt war England imstande, Frankreich und Spanien von
ihren Kolonien gänzlich abzuschließen, ihren Handel fast völlig zu
vernichten, dagegen den eigenen Seehandel wirksam zu schützen, der
übrigens in seiner Gesamtheit trotz der Verluste mit dem Schwinden des
feindlichen stets zugenommen hatte.
Diese Umstände trugen wesentlich dazu bei, Frankreich dem Frieden
geneigt zu machen.
$Der Frieden zu Aachen 1748$ beschloß den für alle Beteiligten ergebnis-
und aussichtslosen Krieg.
Frankreich hatte zwar Ruhm und Eroberungen in den Niederlanden geerntet,
aber mit jedem Jahre wuchs die Geldverlegenheit der Regierung und die Not
des Volkes, die überwiegend die erwerbenden Klassen traf; das Land war
erschöpft. Frankreich trug die Last des Krieges auch für seine
Verbündeten, die häufige Anwesenheit des Königs bei den Heeren vermehrte
die Kosten noch, während von den gewaltigen Brandschatzungen in
Feindesland nichts in die öffentlichen Kassen floß. Der französische
Seehandel litt schwer und sah sich nach den Unfällen der Marine im
letzten Jahre ebenso wie die Kolonien immer mehr der englischen Seemacht
preisgegeben. Selbst die Behauptung der Eroberungen in den Niederlanden
schien unsicher, da die Seemächte noch während der Friedensverhandlungen
im Verein mit Österreich und Sardinien beträchtliche Streitkräfte in den
Niederlanden und in Italien aufstellten, um unter allen Umständen die
Erhaltung Hollands durchzusetzen. Sogar Rußland ließ, von England und
Österreich gewonnen, ein Heer in englischem Solde nach dem Rhein
marschieren.
Aber auch die Seemächte waren zum Frieden geneigt. Holland sah sich durch
einen französischen Einfall bedroht, England mußte zugunsten seiner
Handelsübermacht unbedingt Holland halten und durfte aus demselben Grunde
auch die österreichischen Niederlande nicht in französischen Händen
lassen, mußte also Frieden schließen, so lange dies dadurch noch zu
verhindern war. Die Seemächte trugen, wie früher, die Gesamtkosten; in
erster Linie England, dessen Staatsschuld trotz großer Erhöhung der
Steuern schon von 50 Millionen Pfund Sterling im Jahre 1739 auf 78
Millionen angewachsen war. Österreich und die kleineren Staaten
vermochten nicht ohne das Geld der Seemächte weiter zu kämpfen, und so
einigten sich zunächst England und Holland im geheimen mit Frankreich
über die Grundlagen des Friedens (30. April 1748); die Bundesgenossen
wollte man, wenn erforderlich, zur Beistimmung zwingen.
Nach den =Friedensbedingungen= beurteilt, ist wohl nie ein Krieg mit so
vielen Kämpfen und so bedeutenden Verlusten an Geld und Blut so
ergebnislos verlaufen wie dieser. Im wesentlichen wurde der Besitzstand
vor dem Kriege wiederhergestellt und die Eroberungen zurückgegeben. Für
Österreich wurde die pragmatische Sanktion, für das Haus Hannover die
britische Thronfolge und für Preußen der Besitz von Schlesien
gewährleistet. Österreich mußte Parma und Piacenza als eine zweite
Sekundogenitur an Spanien, mailändisches Gebiet an Sardinien abtreten;
seine Niederlande, in denen wie früher die Barrierefestungen von Holland
mitbesetzt werden sollten, erhielt es zurück. Frankreich und England
tauschten Madras und Louisbourg wieder aus und die Abmachungen über die
neutralen Inseln in Westindien (vgl. Seite 9) wurden erneuert. Frankreich
verpflichtete sich aufs neue, Dünkirchen nach der Seeseite nicht zu
befestigen und Glieder der Familie Stuart weder zu unterstützen, noch
auch in seinem Lande zu dulden.
Dagegen blieb die Grenzfrage zwischen den englischen und französischen
Kolonien in Nordamerika, besonders in Neubraunschweig, sowie über das
Besiedlungsrecht im Ohiotal ungeregelt. Ebenso wurden die
Hauptstreitpunkte zwischen England und Spanien nicht aus der Welt
geschafft: das Recht zur Untersuchung englischer Schiffe durch die
Spanier wurde nicht aufgehoben; die geforderte Entschädigung englischer
Rheder sowie die Abgrenzung zwischen Florida und Georgia sollten auf
diplomatischem Wege geregelt werden und man wußte doch, wie wenig dabei
herauskommen würde. Nur der Assientovertrag wurde auf vier Jahre
erneuert.
Als =wichtige politische Folge= des Krieges, hervorgerufen durch das
fortgesetzte Mißgeschick im Felde, erscheint die Wahl des Prinzen
=Wilhelm von Nassau=, Statthalters von Friesland und Geldern, zum
=Statthalter= aller sieben Provinzen, zum Generalkapitän und
=Admiralgeneral= seitens der alten Volkspartei, womit die sogenannte
zweite statthalterlose Zeit ihr Ende fand.
Der Frieden wurde von Frankreich und den Seemächten am 18. Oktober 1748
unterzeichnet; Österreich trat am 23. Oktober bei und Preußen, Spanien,
Sardinien schlossen sich an. Da Maria Theresia nur gezwungen auf
Schlesien verzichtete und da die wichtigsten Fragen zwischen England und
Frankreich-Spanien unberührt gelassen waren, =trug der Friede den Keim zu
neuem Kriege in sich=.
Die Streitmittel[40].
$Frankreich.$ Die Quellenangaben über den =Schiffsbestand= um 1740
schwanken. Man kann ihn zu 45-50 Linienschiffen (von 50 Kanonen und
darüber) und zu 15-20 großen Fregatten (hierunter wohl auch Schiffe mit
40-50 Kanonen verstanden), sowie etwa 50 kleineren Schiffen und
Fahrzeugen annehmen. Hinzu traten im Mittelmeer 60 Galeeren, auf die man
aber kaum noch Wert legte. Unter den Linienschiffen scheinen sich keine
mit über 80 Kanonen (Dreidecker) befunden zu haben; jedenfalls sind
solche im Kriege nicht zur Verwendung gekommen. Die Schiffe waren
großenteils in schlechtem Zustande, die Werften nicht leistungsfähig, die
Arsenale und Magazine leer.
[40] Die innere Geschichte der Marinen Frankreichs und Englands ist
schon im Kapitel II (Seite 24 ff.) behandelt; dort sind auch
(Seite 33 ff.) die Marinen auf ihren inneren Wert -- Material und
Personal betreffend -- gegeneinander abgewogen. So genügen hier
die Angaben über den Schiffsbestand zur Zeit des zu besprechenden
Krieges. Diese sind hauptsächlich nach Charnock, Teil III,
zusammengestellt. Charnock gibt für den Anfang des Krieges nur
summarische Mitteilungen, für die Verluste und den Bestand um 1748
Namen und Kanonenzahl der Schiffe. Ähnliche Zusammenstellungen
über den Verlust von Schiffen wie in Charnock -- englische,
französische, spanische, auch mit den Schiffsnamen -- sind in
»Clowes«, Teil III, Seite 310, zu finden.
Die Zahl der =Offiziere, Deck- und Unteroffiziere= war zwar in den
letzten Jahrzehnten sehr verringert, reichte jedoch für die Schiffe aus,
die in Dienst gestellt wurden. Ebenso machte sich kein Mangel an
=Mannschaften= fühlbar, da die Inskription wieder geregelt war. Infolge
der seltenen Indienststellungen im Frieden und später im Kriege fehlte
jedoch dem Gesamtpersonal die Übung.
Eine Unterstützung, besonders auf dem ostindischen Kriegsschauplatze,
fand die Marine in den großen =Schiffen der Compagnie des Indes=, die
mehr Kanonen (bis zu 60) an Bord nehmen konnten, als sie gewöhnlich
führten (20-30). Man darf sie aber nicht als vollwertige Kriegsschiffe
betrachten; darauf gebaut, viel Ladung und wenig Geschütze an Bord zu
nehmen, vermochten sie im umgekehrten Falle nur wenig Segel zu führen.
Auf größeren Seereisen konnten sie nur 30-38 Kanonen führen und auch
nur Kanonen der Mittelartillerie (8-Pfünder, 12-Pfünder, vereinzelt
18-Pfünder). Die Offiziere der Kompagnie waren gute Seeleute, aber
keine Seeoffiziere; die Mannschaft war noch weniger militärisch geübt;
die Disziplin ließ bei beiden zu wünschen übrig.
=Der Verlust an Schiffen= während des Krieges betrug: 22 Linienschiffe, 4
Schiffe zu 40-46 Kanonen, 13 zu 24-32, 7 zu 20 Kanonen, 9 kleinere
Fahrzeuge; insgesamt 55 Segel. Einige Neubauten traten hinzu, und so war
=der Schiffsbestand um= 1748: 31 Linienschiffe und 8 im Bau.
$Spanien$ besaß um 1739 kaum 40 =Linienschiffe=. Unter diesen befanden
sich einige sehr gute Neubauten, aber auch manche, die nicht als
vollwertig gelten konnten, da sie für die Überführung der Schätze
Amerikas eigentlich nur gegen Freibeuter armiert waren. Chabaud-Arnault
(siehe Quellenverzeichnis) gibt 50 Linienschiffe an, von denen jedoch nur
etwa die Hälfte brauchbar gewesen sei. Beiden Angaben entspricht der
Umstand, daß nach der Schilderung der kriegerischen Ereignisse 20 bis
höchstens 30 Linienschiffe gleichzeitig tätig waren. Die spanischen
=Seeoffiziere= bewiesen sich tapfer, aber als Seeleute vielfach unfähig;
die =Mannschaften= wurden aus allen Berufsarten gepreßt, schlecht
gekleidet, verpflegt und bezahlt. Die Werften waren wenig leistungsfähig.
Die =Schiffsverluste= betrugen: 17 Linienschiffe und 5 Fregatten; die
spanische Marine stand mithin beim Schluß des Krieges noch weit schwächer
da als die französische.
$England.$ Die völlige Vernachlässigung der französischen Marine von 1714
an wirkte dahin, daß man auch in England den Werften, der Erhaltung und
dem Neubau der Schiffe nicht die bisherige Sorge zuwandte. Aber immerhin
betrug 1739 =der Bestand= in Dienst gestellter oder zu Indienststellung
bereiter Schiffe: 2 zu 100 Kanonen, 3 zu 90, 11 zu 80, 16 zu 70, 44 zu
50-60 Kanonen; also 81 Linienschiffe. Dazu traten 35 Fregatten zu 30-44
Kanonen und eine Menge kleinerer Fahrzeuge. Im ganzen waren 140 =Schiffe
mit mehr als je= 20 =Kanonen= vorhanden. Die Hilfsmittel des Landes
machten es leicht, die Flotte zu verstärken; schon 1744, beim Ausbruch
des Krieges mit Frankreich, waren 90 Linienschiffe und 84 Fregatten mit
mehr als 20 Kanonen bereit.
=Der Verlust im Kriege= betrug: 13 Linienschiffe (nur zwei vom Feinde
genommen), 10 Schiffe zu 20-44 Kanonen (2 davon genommen), 24 kleinere (4
genommen). Aber obgleich auch noch während des Krieges eine große Zahl
von Schiffen als abgenutzt ausgemerzt wurde, war infolge von Neubau und
Einstellung genommener Schiffe =der Schiffsbestand um= 1748 gewachsen
auf: 4 Schiffe zu 100 Kanonen, 10 zu 90, 18 zu 80, 24 zu 70, 6 zu 64, 33
zu 60, 36 zu 50 Kanonen; also 131 Linienschiffe. Weiter waren vorhanden:
42 Fregatten zu 44 und 84 zu 20-36 Kanonen und eine Menge kleiner
Fahrzeuge; insgesamt zählte die Marine 313 Segel.
Die Fregatten mit 30-36 Kanonen waren sämtlich dem Feinde abgenommen
worden; England selber hatte also noch keine »eigentliche Fregatte«
gebaut. =Bemerkenswert= ist ferner das Anwachsen der Zahl der Schiffe
zwischen 20 und 44 Kanonen. Es war dies die Folge einer Denkschrift des
alten Admirals =Sir John Norris= (siehe Band I), die auf den Mangel an
Schiffen zum Schutz des Seehandels hinwies, als dieser große Verluste
durch Freibeuter und Kreuzer erlitt, obgleich Englands »Flotten« die
See beherrschten.