Lange Zeit blieben beide Gegner bei ihrem Schema. Die Schlacht bei

=Malaga= (1704) gilt als die erste, in der sich die englische

Angriffsform zeigt; in der Schlacht bei =Minorka= (1756) tritt das

französische Abwehrverfahren zuerst deutlich hervor; als die letzten

Fälle, in denen die beiden Taktiken sich noch einmal ausgesprochen

gegenüberstehen, werden die Schlachten vor der =Chesapeakebucht= 1781 (am

16. April und am 5. September) angesehen. Die dazwischenliegende Zeit

nennt man wohl =die Zeit der unentschiedenen oder der französischen

Defensivschlachten=. Dies ist zutreffend, denn in allen Kämpfen zwischen

annähernd gleichen Streitkräften begnügten sich die Franzosen mit der

Abwehr, und die Schlachten brachten taktisch keine Entscheidung.

Die angreifenden Engländer erreichten nie ihren Zweck, den Feind zu

vernichten, aber auch die Franzosen erfochten nie einen vollen Sieg. Bei

der eigenartigen Verwendung des Geschützfeuers auf jeder Seite, der ihr

eigentümlichen Taktik entsprechend, hatten die Franzosen meist den

größeren Verlust an Menschen, während auf englischer Seite stets die

Schiffe bedeutend mehr litten.

Erst gegen das Ende des hier behandelten Zeitabschnittes tritt bei beiden

Gegnern wieder der Gedanke auf, sich mit der ganzen Kraft auf einen Teil

des Feindes zu werfen. Der englische Admiral =Rodney= versucht bei

=Martinique= (17. April 1780) von Luward her nur die feindliche Mitte und

Nachhut anzugreifen. Von seinen an die alte Kampfart gewöhnten

Unterführern nicht verstanden, gelingt es ihm zwar nicht, aber sein

Gegner sucht von nun ab wieder die Luvstellung; allerdings geschieht dies

nicht zum Angriff, sondern weiter zum Vermeiden größerer Entscheidungen.

Derselbe Führer durchbricht bei =Dominica= (1782) von Luward her mit

seiner Mitte die feindliche Flotte und dubliert den abgeschnittenen Teil

mit großem Erfolge. Möglich, daß er zu diesem Manöver nur durch ein

Umspringen des Windes gezwungen wurde, aber dessen Vorteile wurden

jedenfalls erkannt, und dies führte dahin, daß man in England wieder

Signale für »Durchbrechen« annahm. Zu derselben Zeit weicht auch der

französische Admiral =Suffren= in den indischen Gewässern von der

bisherigen Defensivtaktik ab; er wählt die Luvstellung zum Angriff und

sucht eine gleichstarke englische Flotte hinten zu dublieren.

Die vorstehenden Darlegungen über die Taktik sollen die späteren

Schilderungen der Schlachten, sowie ihre Besprechungen erleichtern. Sie

erweisen aber auch jetzt schon die Kennzeichnung des vierten Abschnittes:

»Die Taktik wird lange schematisch gehandhabt, aber gegen das Ende

erwacht neues Leben in ihr«, als richtig. Jetzt erschien das

epochemachende Werk des Schotten =Clerk= (vgl. Quellenverzeichnis) und

zwar 1782 in wenigen Exemplaren gedruckt, 1790 in erster großer Auflage.

Wir werden uns damit im nächsten Abschnitt beschäftigen, weisen aber hier

schon darauf hin, daß der Verfasser die Maßnahmen zur Konzentration der

Kraft in der Schlacht behandelt, sowie daß er seine Gedanken bereits vor

dem Erscheinen des Buches englischen Seeoffizieren, unter diesen auch

=Rodney=, mitgeteilt hatte.

[Illustration]

* * * * *

[Illustration]

Drittes Kapitel.

Der Englisch-Spanische Krieg 1739

und der Österreichische Erbfolgekrieg 1740-1748.

Die Anlässe zum Kriege. Die Gruppierung der Staaten.

$Der Englisch-Spanische Krieg$ wurde, wie schon angedeutet, durch

Gegensätze in den Handelsinteressen beider Völker in Beziehung zu Amerika

hervorgerufen. Im Frieden von =Utrecht= war den Engländern die Einfuhr

von Negern in Spanisch-Amerika (der Assientovertrag)[A] sowie die

Entsendung eines Schiffes bestimmter Ladefähigkeit zu dem Markte von

=Puerto-Belo=[A] gestattet. Diese Zugeständnisse genügten weder ihren

Wünschen noch dem Verkehrsbedürfnis der spanischen Kolonien.

Infolgedessen entwickelte sich bald ein beträchtlicher englischer

Schmuggelhandel[36], der die spanische Regierung in ihren Einkünften

schwer schädigte und in ihrem Stolz tief kränkte. Sie begann deshalb die

Zügel straffer anzuziehen, alte und strengere Bestimmungen wieder

hervorzuholen und sie in schroffster Weise durchzuführen[37].

[36] Vgl. diese Punkte betreffend Band I, Seite 576, 598, 601.

[37] Zimmermann, Band II, Seite 192-205, schildert die

englisch-spanischen Verhältnisse von 1713-1739 genauer.

$Der englische Schmuggelhandel$ war schon 1728 ebenso bedeutend wie der

regelmäßige Handel Spaniens mit seinen Kolonien. Deshalb lockerte die

bourbonische Regierung wenigstens ihren eigenen Untertanen gegenüber

das alte Absperrungssystem etwas und gestattete 1728 in =Guipuzcoa=

(einer der baskischen Provinzen) die Gründung einer Handelsgesellschaft

für die Kolonien. Auch den Franzosen gewährte man 1733 bedeutende

Vorteile dort, wodurch der schon erwähnte Aufschwung des Seehandels und

der Kolonien wesentlich gefördert wurde. Anderseits verloren durch

diese Maßnahmen die berühmten =Silberflotten=, die so lange ein

Hauptangriffsobjekt der Feinde Spaniens gewesen waren, an Bedeutung;

1748 wurden ihre regelmäßigen Fahrten eingestellt, 1778 fuhr die

letzte. England und Holland gegenüber hielt man jedoch die Absperrung

aufrecht und führte sie sogar wieder schärfer durch. Das

Puerto-Belo-Schiff, die Fahrzeuge im Negerhandelsdienst und besonders

auch die Schiffe, die unter dem Vorwande einer Ausbesserung oder

Ausrüstung die spanischen Niederlassungen anliefen, wurden peinlich

überwacht und untersucht.

=Nun= war es aber unmöglich, die lange Küste mit ihren vielen Einläufen

genügend abzusperren; die englischen Seeleute und Händler schreckten in

ihrem Streben nach Gewinn weder vor Strafen zurück noch nahmen sie

Rücksicht auf die spanische Empfindlichkeit, und Spaniens Macht war

nicht stark genug, um die englische Regierung zu einer Unterstützung zu

nötigen. So wurde der schwächere Staat zur Anwendung gesetzwidriger

Mittel getrieben; man ermächtigte Kriegs- und Zollschiffe, oder

erlaubte es ihnen wenigstens, englische Schiffe auch auf hoher See

anzuhalten und zu untersuchen. Bei den gesetzlichen und bei den

ungesetzlichen Durchsuchungen ließen sich aber die Ausführenden infolge

des spanischen Charakters und des alten Hasses gegen die Eindringlinge

zu Beleidigungen und unberechtigten Gewalttaten hinreißen. Das Unrecht

lag auf beiden Seiten; es war die Fortsetzung des alten Zustandes: »no

peace beyond the line«. (Drakes Grundsatz, vgl. Band I, Seite 80 und

95.)

Dieses Vorgehen Spaniens rief im englischen Volke lebhafte Erregung

hervor, und als die Vorstellungen, die der Minister =Walpole= beständig

und besonders im Jahre 1737 in Madrid gemacht hatte, keinen Erfolg

erzielten, reichten die westindischen Kaufleute 1738 dem Unterhause eine

Denkschrift ein, in der sie sich eindringlich über die Verluste

beklagten, die ihnen durch die Beschlagnahme von Schiffen sowie durch die

Belästigung des Handels überhaupt erwachsen seien; für die Zeit von

1729-1738 wurde die Wegnahme von 52 Schiffen im Werte von 140000 Pfund

Sterling angeführt. Auch auf die unmenschliche Behandlung englischer

Schiffsbesatzungen wies man hin.

Das größte Aufsehen erregte $der Vorfall mit Captain Jenkins Ohr$, der

1731 in der Presse zur Sprache kam: »Das Schiff »Rebekka« wurde im

April 1731 auf der Reise von Jamaika nach England in der Nähe Havannas

von einem spanischen Zollkutter angehalten, in roher Weise durchsucht,

der Kapitän mißhandelt und mit dem Tode bedroht. Heldenmütig erduldete

er alles und bestand auf seinem Rechte. Als die Spanier keine

Schmuggelartikel gefunden hatten, rissen sie ihm ein Ohr ab und warfen

es ihm mit den Worten ins Gesicht: »Bringe dies deinem König und

erzähle ihm alles«. Endlich nahmen sie die astronomischen Instrumente

fort, so daß er sein Schiff kaum heimführen konnte. Die

Schiffsbesatzung könne den Vorfall beeidigen.«

Diese Angelegenheit kam 1738 im Parlament wieder zur Sprache. =Jenkins=

selber wurde vorgeführt und legte das Ohr auf den Tisch des Hauses

nieder; auf die Frage, wie ihm bei der Sache zumute gewesen sei,

antwortete er: »Ich empfahl mein Leben Gott, meine Sache dem englischen

Volke.« jedenfalls ein hochgemuter Ausspruch in dem Munde eines

damaligen Schiffsführers. Gegner des Krieges behaupteten denn auch, die

ganze Rolle sei ihm einstudiert und er werde sein Ohr wohl näher zu

Hause und nicht ohne Grund (nämlich am Pranger) verloren haben;

jedenfalls diente aber der Vorfall zur Erregung des Parlaments sowie

der öffentlichen Meinung und hat geschichtliche Bedeutung erlangt.

Die Denkschrift forderte, daß ernstlich, nötigenfalls feindlich, gegen

Spanien vorgegangen würde. =Walpole= wünschte jedoch keinen Krieg und

erklärte, daß durch einen solchen nichts gewonnen werde. Spanien würde

ein Auftreten, wie es im Parlament zur Sprache gekommen, nicht gewagt

haben, wenn es nicht von stärkeren Mächten ermutigt sei, und England wäre

dem vereinigten Spanien und Frankreich nicht gewachsen; auch übertrieben

die englischen Kaufleute und Rheder in blinder Leidenschaft die gerügten

Mißstände. Er gab dem Parlamente hinhaltende Versprechungen und knüpfte

nochmals (1738) Verhandlungen mit Spanien an. Dieses Verfahren genügte

aber der öffentlichen Meinung nicht und die Presse verbreitete weiter die

übertriebensten Gerüchte. In Spanien ging man auch nur widerwillig auf

die Verhandlungen ein und wurde um so eigensinniger, je heftiger England

auftrat, veranlaßt durch Personen der Kriegspartei gegen Walpoles

Absicht.

Endlich zwang die Opposition im Parlament, geführt von =William Pitt=,

1739 den Minister, Spanien ein =Ultimatum= zu stellen. Es bestand in dem

Verlangen einer völligen Verzichtleistung auf das Durchsuchungsrecht und

der Anerkennung verschiedener Ansprüche Englands in Nordamerika (eine

günstigere Grenzregulierung zwischen der neugegründeten Kolonie Georgia

und dem spanischen Florida, dem Recht für England, Holz von der

Campechebai auszuführen u. dgl.). Als diese Forderungen abgelehnt wurden,

erfolgte die =Kriegserklärung= im Oktober 1739. Die Feindseligkeiten

wurden sofort von seiten Englands eröffnet. Schon im Jahre darauf

entbrannte der Österreichische Erbfolgekrieg, der gemeinsam mit dem

Englisch-Spanischen zu betrachten sein wird.

$Der Österreichische Erbfolgekrieg$, einschließlich der =beiden ersten

Schlesischen Kriege= wurde durch den Tod Kaiser =Karls= VI. (1740)

hervorgerufen. Die Politik dieses Herrschers lief seit Jahren darauf

hinaus, die gesamten Länder des Hauses Habsburg seiner Tochter =Maria

Theresia= zu sichern (»Pragmatische Sanktion«, vgl. Band I, Seite 594

ff.), und er hatte hierfür auch die Zustimmung der meisten europäischen

Staaten erreicht. Als aber =Maria Theresia= zur Regierung kam, zeigte

sich, daß die =Pragmatische Sanktion= nichts als ein Stück Papier war.

Die offenbare Schwäche Österreichs, dessen Geld- und Wehrverhältnisse

sehr im argen lagen, reizte die Begehrlichkeit verschiedener Staaten;

überall meldeten sich Erbansprüche. Preußen machte sein Recht auf Teile

von Schlesien geltend; Bayern, das stets gegen die Sanktion protestiert

hatte, verlangte ganz Österreich; Spanien forderte die ehemalig

spanischen Provinzen in Norditalien. Auch Sachsen hielt sich für

erbberechtigt und Sardinien dachte die Lombardei zu gewinnen. Der

Kurfürst von Bayern, =Karl Albrecht=, strebte außerdem nach der

Kaiserwürde.

=König Friedrich II. von Preußen=, der soeben den Thron bestiegen hatte,

war stark genug, allein vorzugehen, und nahm sofort von Schlesien Besitz

(1740). Bayern, selbst nicht kräftig genug zum Kampfe gegen Österreich,

gewann nach längeren Unterhandlungen (1741) die Unterstützung

Frankreichs; dieses hoffte Österreich zu schwächen und die eigene Macht

nach Osten auszudehnen. Spanien schloß sich sofort an; später traten auch

Preußen, Kurpfalz und Kurköln, sowie Sachsen für die ersten Jahre des

Krieges, auf seiten Bayerns. Frankreich veranlaßte endlich Schweden zu

einem Krieg mit Rußland, um diesen Staat an einer Betätigung zugunsten

Österreichs zu hindern[38].

[38] Der Schwedisch-Russische Krieg 1741-1743 wird später als

»Nebenkrieg« besonders besprochen.

Jedoch auch Österreich gewann Bundesgenossen. Die Stimmung in England

neigte zugunsten Österreichs, und dies war natürlich, denn England stand

bereits im Kampfe mit Spanien, einem der Gegner Österreichs, und ein

Wachsen der Macht Frankreichs, etwa durch die Erwerbung Belgiens, lag

keineswegs in Englands Wünschen. Das Aufblühen des französischen

Seehandels und der Kolonien Frankreichs in Ost- und Westindien verfolgte

man mit Besorgnis; in Nordamerika lag der Kampf um die Grenzen der

beiderseitigen Besitzungen gewissermaßen in der Luft. König =Georg= II.

war zunächst zur Unterstützung Österreichs bereit, da er als Kurfürst von

Hannover eifersüchtig auf Preußens Wachsen sah. Bald aber glaubte er sein

Kurfürstentum durch Preußens Bündnis mit Frankreich bedroht, wollte sich

deshalb neutral halten und erklärte sich für die Kaiserwahl Karl Alberts.

Infolge des nicht gerade günstigen Verlaufes des Seekrieges mit Spanien,

und da die englische Flotte die Überführung eines spanischen Heeres nach

Oberitalien (1741) nicht gehindert hatte, wuchs jedoch die Opposition

gegen =Walpole=; er mußte sein Amt niederlegen (Februar 1742), und nun

trat England durch Geldhilfe und die Stellung eines Heeres in Belgien

offen für Österreich ein. Unter Englands Einfluß tat Holland das gleiche;

hier fürchtete man die alte Gefahr, Frankreich als Nachbar und dadurch

die belgischen Seestädte als Nebenbuhler im Handel zu bekommen[39]. Auch

Sardinien, später (1743) Sachsen und endlich selbst Rußland (1744) wurden

durch England für Österreich gewonnen.

[39] Seit dem Westfälischen Frieden war es stets ein Ziel der

holländischen und der englischen Politik, die Sperrung der Schelde

gegen freie Schiffahrt aufrecht zu erhalten und deshalb zu

hindern, daß Antwerpen in französischen Besitz komme. Auch

Englands Handel schien dadurch bedroht.

So war nach und nach ein allgemeiner europäischer Krieg entstanden, der

neben dem Englisch-Spanischen Seekriege einen Englisch-Französischen See-

und Kolonialkrieg mit sich brachte.

Als sehr bemerkenswert muß hier $eine eigentümliche Auffassung

internationaler Beziehungen$ jener Zeit erwähnt werden. Während der

ersten Jahre führte Frankreich den Krieg gegen Österreich nur zur

Unterstützung Bayerns, und England sowie Spanien traten auch nur als

Helfer Maria Theresias auf. Eine Kriegserklärung Frankreichs an

Österreich und England erfolgte erst 1744, an Holland gar erst 1747;

obgleich ihre Heere schon vorher gegeneinander fochten, betrachteten

sich doch diese Staaten nicht als im Kriegszustand, sondern, mit

Ausnahme der im Felde stehenden Truppen, als noch im Frieden

befindlich. Ebenso galt es auf See. Zwischen Frankreich und Spanien

bestand ein Defensivbündnis, nach dem Frankreich in bestimmten Fällen

(siehe auch Band I, Seite 598) Spanien eine Hilfsflotte zu stellen

hatte.

Diese Hilfe sollte allerdings keine Feindseligkeit gegen England in

sich schließen, die den Frieden zwischen England und Frankreich

verletzte. Französische Kriegsschiffe waren danach, so lange sie mit

der spanischen Flotte den Abmachungen des Vertrages gemäß

zusammenwirkten, Feinde Englands, nicht aber der französische Staat und

seine sonstigen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande. Auf Grund dieses

Vertrages sandte nun Frankreich schon 1740 ein Geschwader nach

Westindien, mit dem Befehl, die spanischen Schiffe und Kolonien zu

schützen; 1741 deckten französische Kriegsschiffe im Verein mit der

spanischen Flotte einen Truppentransport von Spanien nach Italien und

Frankreich gewährte dann der spanischen Flotte Unterschlupf in Toulon;

1744 wurde, sogar noch ehe der Krieg erklärt war, die erste Seeschlacht

vor Toulon mit den Engländern geschlagen, als eine französische Flotte

die spanische nach Spanien begleitete. Da mutet es denn seltsam an,

wenn sich französische Geschichtsschreiber mit großem Ernst über

einzelne Angriffe englischer Schiffe auf französische vor 1744 unter

dem Einwurfe beklagen, daß kein offener Krieg bestanden hätte;

anderseits hatte ja allerdings England diese eigentümliche Auffassung

in dem französisch-spanischen Vertrage gewissermaßen dadurch als

berechtigt anerkannt, daß es aus dem beschriebenen Auftreten der

französischen Seestreitkräfte keinen casus belli machte.

Der allgemeine Verlauf des Krieges.

Da der Seekrieg nur in loser Verbindung mit dem großen europäischen

Landkriege stand, so genügt es, über diesen einen Überblick zu geben. Ein

solcher ist jedoch wünschenswert, um zu zeigen, inwieweit die Gegner im

Seekriege durch den Landkrieg in Anspruch genommen waren und inwieweit

der erste auf den zweiten einwirkte; auch werden dabei die Gründe für die

Gruppierung der Staaten etwas klarer werden. Der Verlauf des Seekrieges

wird hierbei zunächst nur angedeutet werden.

$Der Englisch-Spanische Seekrieg 1739-1744$ wurde nur von den

Engländern angriffsweise geführt, die in erster Linie gegen die

spanischen Besitzungen in Westindien vorgingen; hier war Spanien am

leichtesten zu verwunden. Schon im Juli 1739, noch vor der

Kriegserklärung, lief die erste Expedition aus, und die Jahre 1739-1744

brachten dann eine Reihe von Angriffen auf die wichtigsten

spanisch-westindischen Küstenstädte. Mit ungenügenden Mitteln

unternommen und nicht tatkräftig durchgeführt, blieben sie jedoch

sämtlich ohne entscheidenden Erfolg. In den europäischen Gewässern

beschränkte sich die Tätigkeit der englischen Marine auf die

Überwachung der spanischen Küsten -- um die feindlichen Kriegsschiffe

und Freibeuter festzuhalten, sowie den Handel zu unterbinden -- und auf

die Aufgaben, die der Landkrieg in Italien für die Seestreitkräfte im

Mittelmeer brachte; aber auch hierin war man nicht überall und nicht

andauernd glücklich. Selbst im kleinen Kriege errang England keine

Vorteile; die Spanier fügten in den westindischen und in den

europäischen Gewässern dem viel bedeutenderen englischen Seehandel mehr

Schaden zu als sie von England überhaupt erleiden konnten. Der Schutz,

den die französische Marine der spanischen zuteil werden ließ, lähmte

allerdings wohl etwas die Tätigkeit der englischen, aber noch mehr

trugen verschiedene andere selbstverschuldete Übelstände dazu bei, daß

England bis zum Jahre 1744, als der förmliche Krieg mit Frankreich

ausbrach, Spanien gegenüber noch nichts erreicht hatte.

$Der Österreichische Erbfolgekrieg von 1740-1748$ (einschließlich des

=ersten Schlesischen Krieges=). Im November 1740 rückte =Friedrich= II.

in Schlesien ein, bot aber gleichzeitig =Maria Theresia= gegen Abtretung

dieser Provinz die Hilfe seiner Waffen und Geldunterstützung zur

Erhaltung ihres übrigen Erbes sowie auch seine Stimme für die Kaiserwahl

ihres Gemahls =Franz Stephan= an. Die hochherzige Frau wies das

Anerbieten schroff zurück. Da in Schlesien nur wenige Truppen standen und

die Festungen verwahrlost waren, bekam Friedrich die Provinz in kurzer

Zeit bis auf =Neiße= in seine Hand und schlug auch den Feldmarschall

=Neipperg=, der von Böhmen heranrückte, wieder aus dem Lande (=Schlacht

bei Mollwitz=, 17. April 1741).

Den ersten Angriff auf Österreich hätte man wohl von =Karl Albert von

Bayern=, dem Haupterbprätendenten, erwarten müssen, doch fand dieser

nicht sofort die erwünschte Unterstützung durch Frankreich. Der Kardinal

=Fleury= hätte zwar gern in Deutschland drei bis vier größere Staaten

gesehen, unter sich uneinig und keine der französischen Macht gewachsen,

dennoch zögerte er lange, einzugreifen. Nach den Erfolgen Preußens kam

jedoch der =Vertrag von Nymphenburg= (Mai 1741) zwischen Frankreich,

Spanien und Bayern zustande, in dem Frankreich versprach, für Bayern ein

Heer zu stellen, Hilfsgelder zu zahlen und die Wahl des Kurfürsten zum

Kaiser zu unterstützen; diesem Vertrage schlossen sich im August Preußen

und Sachsen an. =Friedrich= II. sicherte sich dadurch französische Hilfe

gegen Hannover. =Georg= II. =von England= hatte hier Truppen

zusammengezogen, sah aber jetzt von einem Eingreifen ab und versuchte

zwischen Österreich und Preußen zu vermitteln. =Friedrich= II. war den

Sommer 1741 in Schlesien stehen geblieben, mit Vermehrung und

Verbesserung seiner Reiterei beschäftigt, und hielt so die vorläufig

einzige österreichische Feldarmee in Schach. Erst als =Neipperg= aufs

neue vorrückte, brach auch er wieder auf (September); es kam aber nicht

zum Schlagen, sondern man schloß eine geheime Konvention

(=Klein-Schellendorf=, 9. Oktober) ab, nach der Preußen die eroberte

Provinz bis zur Neiße behielt. =Maria Theresia= gab nach, um Neippergs

Heer gegen ihre anderen Gegner frei zu bekommen.

Bayern und Franzosen waren nämlich im Sommer 1741 in Österreich bis nahe

vor Wien eingedrungen. Dann zog der größere Teil ihres Heeres nach Böhmen

und auch die Sachsen rückten dort ein; gemeinsam wurde Prag erobert und

=Karl Albert= hier zum König gekrönt (Dezember 1741). Bald darauf wurde

Karl Albert zum Deutschen Kaiser erwählt und in Frankfurt gekrönt (12.

Februar 1742). =Maria Theresia= hatte aber Zeit zum Rüsten gewonnen und

vor allem Ungarn durch Zusicherung größerer Selbstständigkeit zu

außerordentlichen Leistungen bewogen. Der ungarische Heerbann, durch

reguläre Truppen unterstützt, eroberte unter =Khevenhüller=

Oberösterreich zurück und drang in Bayern ein (12. Februar 1742 in

München). Ein zweites Heer unter =Karl von Lothringen= hatte weniger

Erfolg. Zur Deckung Prags war es zu spät gekommen und =Friedrich= II.

hatte wieder die Waffen ergriffen, weil Österreich die Konvention nicht

geheim gehalten hatte.

Der König drang im Frühjahr 1742 durch Mähren bis nahe vor Wien vor. Zwar

mußte er, von den Sachsen schlecht unterstützt, wieder nach Böhmen

zurückgehen, als =Karl von Lothringen=, durch Truppen Khevenhüllers

verstärkt, heranrückte, aber dann schlug er seinen Gegner, der sich

zwischen ihn und Prag schieben wollte, bei =Czaslau und Chotusitz= (17.

Mai 1742). Diesen Erfolg benützte =Friedrich= II. unter nachdrücklicher

Vermittlung Englands sofort, um sich durch raschen =Friedensschluß=

(=Breslau=, 11. Juni 1742) Schlesien zu sichern. Von Preußen nicht mehr

bedroht, erzwangen die Österreicher den Abzug ihrer Gegner aus Böhmen,

die Prag im Dezember 1742 räumten. Sie eroberten dann auch Bayern zurück

(Frühjahr 1743), wo die Verbündeten wieder vorgedrungen waren; die

Franzosen zogen ab, die bayerischen Truppen wurden in neutrale Quartiere

verwiesen.

Um diese Zeit gingen nach =Walpoles= Rücktritt auch England und Holland

tatkräftig für Österreich vor. =Georg= II. zog (April 1743) in Belgien

englische, holländische, österreichische und hessische Truppen zusammen,

die sogenannte »Pragmatische Armee«, führte sie rheinaufwärts, trieb

durch den Sieg bei =Dettingen= (27. Juni 1743) ein neu eingedrungenes

französisches Heer (=Herzog von Noailles=) über den Rhein zurück und nahm

Worms ein; später ging die pragmatische Armee nach den Niederlanden. Der

»Wanderkaiser« =Karl= VII. saß verlassen in Frankfurt.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 7 / 63 段