Als ein Zeichen der allmählichen Vergrößerung der Schiffe sei erwähnt,

daß die Franzosen in der Zeit nach dem ersten Kriege, in den Jahren 1748

bis 1756, Zweidecker bis zu 84 Kanonen bauten, während in England Schiffe

zu 80 Kanonen bis 1760 noch Dreidecker waren; dann folgte man auch hier

dem Beispiele und zwar nach dem Muster eines erbeuteten Fahrzeuges. Die

Dreidecker blieben stets schlechtere Seeschiffe. Sie mußten oft bei

starkem Winde oder schwerem Seegange die Pforten der untersten Batterie

schließen und sind mehrfach, selbst im Hafen bei Bodenreinigungen,

gekentert. Sie blieben jedoch gebräuchlich, namentlich als Flaggschiffe,

da sie immerhin mächtige Gefechtseinheiten waren und Platz zur

Unterbringung der Geschwaderstäbe boten.

[Illustration: Französisches Linienschiff »Sans Pareil«, 1770.]

In der Anordnung der Takelage war man schon zu Anfang des

18. Jahrhunderts bei dem Linienschiffe fast zur vollendeten

Vollschiffstakelung gelangt: drei Masten und ein weitausladendes

Bugspriet mit einem kleinen Maste; an den Masten und am Bugspriet

Raasegel, am Kreuz- (Besan-) Maste ein großes Lateinsegel; auch

Oberleesegel wurden schon gefahren[10]. Im Laufe des Jahrhunderts

erschienen nun der Klüverbaum und die Vorsegel, die den kleinen Mast auf

dem Bugspriet verdrängten, jedoch es blieben noch Raasegel am Klüverbaum

(bis 1790), sowie am Bugspriet (bis 1815), da sie einem entmasteten

Schiffe etwas mehr Steuerfähigkeit verliehen; zwischen den Masten traten

Stagsegel auf. Das Lateinsegel am Kreuzmast wurde zum Besan, indem der

untere Teil der langen Raa wegfiel und das Segel hier am Maste befestigt

wurde; später wird der Rest der Raa zur Gaffel und für den unteren Rand

des Segels tritt der Besansbaum zum Ausholen hinzu. Jetzt wird es auch

gebräuchlich, die Flagge, die bisher an einem Flaggstock am Heck gefahren

wurde, an der Besansgaffel zu heißen. Um 1790 endlich waren

Oberbramsegel, sowie Unter- und Bram-Leesegel ziemlich allgemein

eingeführt.

[10] Siehe Band I, Seite 166, die Abbildung des »Royal Louis«.

Im vierten Abschnitt wurden Schiffstypen erreicht, die allen

Anforderungen genügten, wie die Blockaden beweisen, mit denen die

Engländer bald darauf jahraus, jahrein die französischen Häfen

geschlossen hielten. Als ein auf der Höhe seiner Zeit stehendes

Linienschiff sei der französische Zweidecker »Sans Pareil« -- 84 Kanonen,

gebaut 1770 -- abgebildet. Dieses Schiff soll vorzüglich see-, sowie

manövrierfähig gewesen sein und konnte auch in schwerem Wetter die

unterste Batterie gebrauchen; es wurde von den Engländern genommen und

als Vorbild benutzt. Gleichzeitige 74-Kanonenschiffe sollen ebensogut

gewesen sein.

$Die Fregatten.$ Bis 1745 hatte man im allgemeinen nur Linienschiffe, zu

denen bis 1756 noch die 50-Kanonenschiffe rechneten, ferner Zweidecker

mit 40 Kanonen, zuweilen und besonders in Frankreich als Fregatten

bezeichnet, 20-Kanonenschiffe, auch Fregatten genannt, und noch kleinere

Fahrzeuge. Dann entwickelte sich die wirkliche Fregatte; ein Schiffstyp

von größerer Geschwindigkeit als Linienschiffe und Kauffahrer, von dem

aber doch auch eine nicht unbedeutende Gefechtskraft verlangt wurde[11],

um mit Erfolg als Aufklärungsschiffe der Flotten sowie im Handelskriege

gegen Kaper dienen zu können. Die 40- oder 44-Kanonenzweidecker waren

hierzu zu unbeholfen (diese Fahrzeuge wurden nach Einführung schwerer

Fregatten ihrer Wohnlichkeit halber gern im Kolonialdienst verwendet),

die 20-Kanonenschiffe zu schwach. Die neuen Fregatten führten ihre

Hauptartillerie auf dem Hauptdeck, eingedeckt durch das Oberdeck, auf dem

leichtere Geschütze standen. Etwa um 1748 wurden Fregatten mit 28 und 32

Kanonen gebaut, bald darauf auch solche mit 36. Sie führten bis 1780 nur

12-Pfünder in der Batterie, dann erhielten sie 18-Pfünder und es traten

auch Schiffe mit 38 Kanonen hinzu; ganz schwere Fregatten mit 40-44

Geschützen erscheinen erst um die Wende des 18. Jahrhunderts.

[11] Mit der Bezeichnung »=Fregatte=« verband sich vom Mittelalter her,

auch schon bei den Ruderschiffen, der Begriff der Schnelligkeit im

Gegensatz zur Gefechtskraft, nach und nach trat für sie jedoch die

Anforderung einer gewissen Gefechtskraft hinzu. Ueber die

allmähliche Entwicklung des Begriffes »Fregatte« vgl. auch Band I

im Sachregister unter diesem Stichworte.

$Die ständige Vergrößerung der Schiffe$ in allen Klassen zeigt die auf

Seite 15 gegebene Tabelle für England, in der jedoch einige

Zwischenstufen nicht aufgenommen sind, da sie gegen das Ende des

Abschnittes nur noch schwach vertreten waren.

Diese Tabelle, deren Angaben sich an die im ersten Bande Seite 178

für 1727 aufgeführten anschließen, ist nach Clowes III, Seite 9, 12,

335, zusammengestellt. Die Angaben für 1741 sind die in England als

Bauvorschrift festgesetzten. Derartige Vorschriften waren von 1713 bis

1745 mehrfach erlassen, um Gleichmäßigkeit im Schiffsmaterial zu

erzielen; dann aber sah man ein, daß durch zu eingehende Bestimmungen

=Größenverhältnisse englischer Schiffe.=

========+========+=======+=====+======+================

Anzahl |Jahr des|Tonnen-|Länge|Breite| Tiefgang

Kanonen | Baues |Gehalt |-----+------+----------------

| | | in englische Fuß abgerundet

========+========+=======+=====+=======================

| 1741 | 1872 | 175 | 50 | 21 }

100 | 1756 | 2047 | 178 | 52 | 22 }

| 1789 | 2279 | 190 | 52 | 22 }

--------+--------+-------+-----+------+---------} Drei- }

| 1741 | 1679 | 168 | 48 | 20 } decker}

90-98 | 1761 | 1827 | 176 | 49 | 21 } }

| 1768 | 1947 | 178 | 50 | 21 } }

--------+--------+-------+-----+------+-----------------} Linienschiffe

70 | 1741 | 1291 | 154 | 44 | 19 } }

74 {| 1759 | 1556 | 166 | 46 | 20 } }

{| 1790 | 1836 | 176 | 49 | 20 } }

--------+--------+-------+-----+------+---------} Zwei- }

60 | 1741 | 1123 | 147 | 42 | 18 } decker}

64 {| 1763 | 1380 | 159 | 45 | 19 }

{| 1782 | 1521 | 163 | 45 | 18 }

========+========+=======+=====+======+=================

Linien-{| 1741 | 968 | 140 | 40 | 17 }

schiff {| 1752 | 1046 | 146 | 36 | 17 }

50 | 1765 | 1053 | 151 | 40 | 18 }

--------+--------+-------+-----+------+---------} Zweidecker

| 1741 | 706 | 126 | 36 | 15 }

44 | 1759 | 856 | 141 | 37 | 16 }

| 1774 | 886 | 140 | 38 | 16 }

========+========+=======+=====+========================

38 | 1780 | 940 | 141 | 38 | 14 }

| 1782 | 1062 | 150 | 40 | 13 }

--------+--------+-------+-----+------+---------}

36 | 1757 | 718 | 128 | 36 | 12 }

| 1786 | 939 | 141 | 39 | 14 }

--------+--------+-------+-----+------+---------} Fregatten

32 | 1757 | 667 | 128 | 34 | 12 }

| 1783 | 779 | 131 | 36 | 13 }

--------+--------+-------+-----+------+---------}

28 | 1757 | 599 | 118 | 34 | 11 }

| 1785 | 594 | 121 | 34 | 11 }

========+========+=======+=====+======+=================

20 | 1757 | 430 | 108 | 30 | 10 }

| 1776 | 429 | 108 | 30 | 10 } Postships

--------+--------+-------+-----+------+-----------------

14 | 1746 | 276 | 91 | 26 | 12 }

| 1789 | 321 | 100 | 27 | 13 } Sloops

========+========+=======+=====+======+=================

Verbesserungen gehemmt würden. Die Angaben für die späteren Jahre sind

die Maße von ihrer Zeit besonders typischen Schiffen (Clowes führt die

Namen an), die in England erbaut oder den Spaniers und Franzosen

abgenommen waren.

$Verbesserungen im Schiffbau.$ 1761 ward der erste Versuch gemacht, den

=Schiffsboden mit Kupferplatten= zu belegen, um ihn gegen den Bohrwurm zu

schützen; 1785 war diese Maßnahme in der englischen Marine durchgeführt,

während die französische darin noch zurückstand. Es brachte den

unerwarteten Vorteil mit sich, den Anwuchs von Algen und Muscheln zu

verringern; die Schiffe büßten hierdurch weniger an Schnelligkeit ein und

bedurften seltener einer Bodenreinigung. Allerdings wurde der Bau des

Schiffsrumpfes schwieriger sowie teurer, da alle Bolzen unter Wasser aus

Kupfer hergestellt werden mußten, weil eiserne infolge des galvanischen

Stromes zwischen Kupfer und Eisen leicht zerstört worden wären. =Die

Pumpen= zur Entleerung des Schiffsbodens wurden etwa um 1764 verbessert,

so daß sie ihre Aufgabe mit weniger Arbeitskraft schneller und

gründlicher lösten; dies war von gutem Einfluß auf den Gesundheitszustand

an Bord. 1772 führte man sogar schon =Destillationsapparate= ein, die

jedoch nur geringe Mengen von Trinkwasser liefern konnten. Zum

=Farbenanstrich= pflegte man für den Schiffsrumpf Schwarz mit

gelblich-weißen Batteriegängen (d. s. die Planken, in denen die

Geschützpforten eingeschnitten waren), für die Rundhölzer (Masten, Raaen,

Gaffeln usw.) Gelb zu wählen.

In Hinsicht auf die =Beiboote= trat noch keine Änderung ein (siehe Band

I, Seite 166). Sie wurden weiter auf Deck eingesetzt und blieben

teilweise sehr groß, da man sie häufig zum Fischen gekappter Anker nötig

hatte. Erst als im Anfang des 19. Jahrhunderts Ankerketten gebräuchlich

wurden und die Boote bei deren großem Gewicht zum Ankerfischen nicht mehr

tauglich waren, wurden sie kleiner; um diese Zeit erschienen auch die

Bootsdavids zum Heißen der Boote an den Schiffsseiten. Die Boote waren

gut besegelt und waren dadurch sowie durch ihre Größe zu tagelangen

Entsendungen geeignet. =Die Werften= wurden immer leistungsfähiger,

besonders auch, weil man den Dienst auf ihnen besser regelte, für jedes

Schiff eine besondere Schiffskammer zur Aufbewahrung seines Materials

anlegte und die Angestellten sorgsamer auswählte, sowie besser bezahlte.

$Die Kauffahrteischiffe$ des 18. Jahrhunderts waren selten größer als 800

tons. Sie wurden etwas schmaler als die Kriegsschiffe gebaut, führten

meistens immer noch einige Kanonen und wurden häufig im Anstrich den

Kriegsschiffen ähnlich gehalten (mit Batteriegängen), um Kaper

abzuschrecken. Beim Bau solcher Fahrzeuge, die besonders für den

=Kaperdienst= bestimmt waren, legte man Wert auf Schnelligkeit, worin

sich frühzeitig die englisch-nordamerikanischen Kolonien hervortaten.

Für $die Nautik$ ist zu erwähnen, daß die Ortsbestimmung auf See dadurch

sehr erleichtert wurde, daß man von 1772 an brauchbare Chronometer

anfertigte (vgl. Band I, Seite 167), daß die nautischen Hilfstafeln

vervollkommnet, die Leuchttürme vermehrt und mit bessern Lichtern

versehen, die Seekarten fortlaufend vervollständigt wurden.

=Wissenschaftliche Seereisen= trugen hierzu bei. 1736 konstruierte

=Harrison= einen Chronometer, der auf einer Reise nach und von Westindien

trotz schlechten Wetters nur 1^m 56^s verlor. Ein weiter verbessertes

Instrument bewährte sich auf einer Entdeckungsreise des belgischen

Kapitäns =Byron= in die Südsee 1764-1766. Auch die Franzosen sandten

Schiffe zur Erprobung von Chronometern aus (=Fleurien= 1769, =Borda= 1771

und 1774). Etwa von 1772 an werden Chronometer an Bord der Kriegsschiffe

allgemeiner eingeführt.

Die wissenschaftlichen Reisen beschränkten sich nicht auf geographische

und hydrographische Forschungen in den bereits bekannten Gewässern; es

wurden auch planmäßige $Entdeckungsreisen$ unternommen. Da ihre

Ergebnisse mehr geographisch als politisch oder militärisch wichtig

sind, seien nur die hervorragendsten kurz erwähnt. Durch russische

Seeleute wurden von 1728 an die Nord- und Ostküsten Asiens besucht; der

Däne =Bering= erforschte in russischem Dienste 1725 das Meer von

Kamtschatka, durchfuhr 1728 die nach ihm benannte Straße und besuchte

1741 die Nordwestküste Amerikas. Die Reise des englischen Admirals

=Anson= 1739-1741 brachte die genauere Kenntnis der Marianen-Inseln.

Von französischen Seeoffizieren entdeckte =Bougainville=, der erste

Weltumsegler Frankreichs, 1756-1759 die Salomon-Inseln und den

Bismarck-Archipel, =Kerguelen= 1771-1774 die nach ihm benannten Inseln,

=Lapérouse= erforschte 1785-1788 die japanischen und koreanischen

Gewässer.

Am meisten ist aber dem englischen Kapitän =James Cook= zu verdanken,

der schon 1764-1767 die Küste von Neufundland aufgenommen hatte. Nach

Tahiti zur Beobachtung des Venusdurchganges gesandt, umfuhr er

1769-1771 Neuseeland und stellte damit fest, daß diese Insel entgegen

der bisherigen Annahme nicht der Ausläufer eines südpolaren Festlandes

sei; er erforschte die Ostküste Australiens und fand die Torresstraße,

deren erste Entdeckung unbekannt geblieben war (vgl. Band I, Seite 75).

Er lenkte die Aufmerksamkeit seiner Regierung auf Botanybay als

geeignet zur Kolonisation, die dann 1788 durch Hinführung der ersten

Sträflinge begann. 1772 umsegelte er die Erde von West nach Ost

zwischen 60 und 70° südlicher Breite und stellte fest, daß sich kein

südpolarer Kontinent bis in die gemäßigte Zone erstrecke. 1776-1779

entdeckte er den Cook-Archipel, sowie die Sandwich-Inseln und

erforschte beim Suchen nach einer Nordwestpassage die Nordwestküste

Amerikas nebst dem nördlichen Teile des Stillen Ozeans bis zur

Beringstraße. Durch ihn besonders wurde ein klares Bild von der

Begrenzung dieses Weltmeeres sowie der in ihm liegenden Ländermassen

und Inselgruppen gewonnen.

Diese wissenschaftlichen und Entdeckungsreisen waren für englische wie

französische Seeoffiziere eine gute Schule. Die an ihnen beteiligten

Kapitäne und Offiziere haben sich fast durchgängig auch in den Kriegen

hervorgetan. Bemerkenswert ist, daß beide Völker bei Ausbruch eines

Krieges feindliche Schiffe, die zur Zeit auf einer derartigen Reise

begriffen waren, ausdrücklich als neutral und unverletzbar erklärten.

$Schiffsklassen$ (englisch: rates; französisch: rangs). Aus der auf Seite

18 gegebenen Tabelle über die Bestände der $englischen Marine$ in

verschiedenen Jahren ergibt sich folgendes (vgl. auch Band I, Seite 178):

Die mittelstarken =Linienschiffe= kommen immer mehr als

Hauptschlachtschiffe

=Bestände der englischen Marine nach Schiffsklassen.=

================+============+=======+=======+=======+=======+=======

Klasse |Kanonenzahl | Anzahl der Schiffe im Jahre

| +-------+-------+-------+-------+-------

| |1752 1)|1762 2)|1775 1)|1783 2)|1792 1)

================+============+=======+=======+=======+=======+=======

I | 100 | 5 | 5 | 4 | 5 | 5

II | 98 und 90 | 13 | 16 3)| 17 3)| 20 3)| 16

III | 64-80 | 47 | 88 | 99 | 141 | 107

In Klasse III {| 74 4) | ? | 37 | 57 | 81 | 66

waren enthalten{| 64 4) | | 30 | 32 | 49 | 39

IV | 60 | 67 5)| 32 | 11 | 8 | 1

----------------+------------+-------+-------+-------+-------+------

Gesamtzahl der Linienschiffe | 132 | 141 | 131 | 174 | 129

IV | 50 6) | -- | 24 | 12 | 23 | 17

{| 44 6) |} | 21 | 4 | 30 | 22

V {| 38 7) |} | 2 | -- | 7 | 7

{| 36 7) |} 39 | 4 | 3 | 17 | 14

{| 32 7) |} | 34 | 35 | 61 | 47

{| 28 7) |} | 23 | 24 | 33 | 28

VI {| 24 7) |} 39 | 21 | 7 | 12 | 6

(Post ships) {| 20-22 |} | 13 | 13 | 15 | 7

Sloops | 8-18 8)| 34 | 57 | 38 | 85 | 42

Brander | | ? | 11 | 1 | 17 | 9

Mörserboote | | 4 | 14 | 2 | 4 | 2

----------------+------------+-------+-------+-------+-------+-----

Gesamtzahl Nichtlinienschiffe| 116 | 224 | 139 | 304 | 201

$Insgesamt$| $248$ |$365$ |$270$ |$478$ |$330$

Die Tabelle, anschließend an die Band I Seite 178 gegebene, ist

zusammengestellt nach Clowes III, Seite 7 und 328.

1) Bestände gegen das Ende einer Friedenszeit,

2) im letzten Jahre eines Krieges.

3) In dieser Zahl ist ein (oder einige wenige) Schiff zu 84 Kanonen

einbegriffen.

4) Diese Angaben im Kleindruck zeigen, wie sehr die Unterklassen

verschwinden; von 1775 an fast gänzlich.

5) Da 1752 die 50-Kanonenschiffe noch zur Linie zählten, so sind sie

für dieses Jahr hier mit einbegriffen.

6) Die Schiffe zu 50 und 44 Kanonen waren Zweidecker; als

Nichtschlachtschiffe und da sie auch nicht als Fregatten gelten

konnten, fanden sie besonders Verwendung in den Kolonien, zu

kleineren Unternehmungen usw.; sie waren bequem zum Stationsdienst

in Friedenszeiten und bedurften nur geringer Besatzung. Ihre Zahl

geht deshalb der sonstigen Richtung entgegen nicht zurück.

7) Schiffe des neuen Fregattentypes.

8) Die größeren Sloops hatten Vollschiffstakelage.

in Gebrauch; ihre Zahl wächst beständig, während die Zahl der

Dreidecker sich gleich bleibt und die der leichteren Linienschiffe

abnimmt. Zum Linienschiff wird bis 1752 noch das 50-Kanonenschiff

gerechnet, dann nur noch das zu 60 Kanonen (in Frankreich zu 56), doch

verschwindet auch dieses allmählich und von 1763, Ende des

Siebenjährigen Krieges, an bildet das zu 64 Kanonen die untere Grenze.

Unterstufen in den einzelnen Klassen fallen nach und nach fort. Die Zahl

der =Nebenschiffe= -- zum Aufklärungs-, Nachrichten-, Seepolizeidienst

usw. -- wächst ungemein, ganz besonders die des sich neuentwickelnden

=Fregattentypus=. Die Mörserboote und Brander[12] erreichen bei weitem

nicht die Zahl früherer Zeiten. Aus der Tabelle ist endlich das Wachsen

der englischen Marine im allgemeinen, sowie während eines jeden Krieges

im besonderen zu entnehmen.

[12] Näheres über diese Spezialschiffe vgl. Band I im Sachregister

unter den betreffenden Stichworten.

$In Frankreich$ (vgl. Troude I, Seite 19 ff.) teilte eine Verfügung von

1758 die Schiffe in folgende Klassen: A. Linienschiffe I Rang

(Dreidecker) zu 110, 100 und 90 Kanonen; II zu 74 und 70; III zu 66, 60

und 50. B. Nichtlinienschiffe IV zu 50, 46 und 40; diese werden auch

bisweilen schon zu den Fregatten gerechnet, jedoch die zu 50 noch häufig

und auch später noch ab und zu in die Linie eingestellt; V zu 32 und 30,

gleichfalls oft als Fregatten bezeichnet. Fregatten zu 24 und 20,

Korvetten zu 16 und 12 Kanonen. -- Später fanden öfters Verschiebungen

statt, die den Zweck hatten, Unterklassen zu vermindern und die Grenze

des Linienschiffes hinaufzusetzen. So fehlen z. B. um 1765 die Schiffe zu

70, und die Klasse II setzt sich aus 80- und 74-Kanonenschiffen zusammen;

1786 wurde verfügt, als Schlachtschiffe nur solche zu 118, 110, 80 und 74

Kanonen zu erbauen. 1780 traten auch hier wie in England Fregatten zu 38

(ja sogar zu 40) Kanonen auf. Die Verfügungen scheinen jedoch niemals

streng durchgeführt zu sein, jedenfalls waren stets größere Restbestände

von den nach älteren Vorschriften erbauten Schiffen vorhanden. $In

Spanien$ lehnte sich der Schiffbau eng an den französischen an.

$Dreidecker$ scheint Frankreich in den Kriegen 1739-1748, sowie

1756-1763 nicht gehabt oder sie doch nicht zur Verwendung gebracht zu

haben, obgleich solche unter Ludwig XIV. schon reichlich vorhanden

waren. Im ersten Kriege werden nämlich bei den Flotten nur Schiffe bis

zu 80, beim zweiten bis zu 84 Kanonen aufgeführt, und diese waren

Zweidecker. Bei dem Aufschwung der Marine, der um 1761 einsetzte, sind

aber jedenfalls wieder Dreidecker (über 90 Kanonen) erbaut.

Die Waffen[13].

$Die Kanonen$, die im vorigen Abschnitt geschildert sind (Band I, Seite

168ff.), erfuhren keine wesentlichen Änderungen. Man gab den Rohren mehr

Hintergewicht, um das starke Bucken beim Schuß zu vermeiden, und brachte

einige Verbesserungen an den Lafetten (Bruststück sowie Schwanzstück) und

an den Pforten an, um die Geschütze weiter nach vorn oder hinten richten

zu können. Sonst blieben die Lafetten so primitiv wie bisher, und die

Geschütze bedurften daher einer zahlreichen Bedienung.

[13] Hauptquellen: Clowes III, die Kapitel »Civil history« 1714-1762

und 1762 bis 1792; Troude I »Introduction«.

[Illustration: Einblick in eine Batterie eines Segellinienschiffs.]

$Bedienung der Geschütze.$ Die Lafetten, aus schweren hölzernen

Seitenwänden, liefen auf Blockrädern. Der Rückstoß beim Schuß wurde von

dem schweren Brooktau und den Seitentaljen aufgenommen, deren Länge so

bemessen war, daß sich nach dem Rücklauf des Geschützes die Mündung des

Rohres etwa 2 Fuß innerhalb der Bordwand befand; in dieser Stellung

wurde ausgewischt, geladen und dann das Geschütz mit den Seitentaljen

wieder ausgerannt, d. h. wieder dicht an die Bordwand gezogen. Zum

ersten Laden mußte die Lafette mittels der Einholtalje eingerannt, d.

h. in die Ladestellung gezogen, zum Nehmen der Seitenrichtung mußte sie

mit Handspaken herumgeworfen werden, die unter den hintern Teil der

Lafettenwände gestemmt wurden. Zum Nehmen der Höhenrichtung wurde das

Bodenstück des Rohres mit denselben Spaken gehoben oder gesenkt und

dann durch einen Keil festgelegt. In einer Batterie war auf jeder Seite

nur ein Geschütz um das andere mit Mannschaft besetzt, da man

gewöhnlich nur nach einer Seite feuerte; die Mannschaft der anderen

Seite bediente auf das Kommando »an die Steuerbord- (Backbord-)

Kanonen« die freien Geschütze der feuernden Seite. Sollten beide Seiten

in Tätigkeit treten, so sprang auf das Kommando »dubliert« die Hälfte

der Bedienung eines jeden Geschützes an das nebenstehende unbesetzte.

-- Ein 32-Pfünder brauchte 15 Mann zur Bedienung; in einer Batterie mit

30 Kanonen waren also 210 Mann beschäftigt. Da ist es nicht

erstaunlich, daß zuweilen ungeheure Verluste eintraten, wenn ein Schiff

im Nahkampfe eine wohlgezielte Breitseite des Feindes in die Batterien

erhielt. Bei Trafalgar z. B. wurden auf dem spanischen Dreidecker

»Santa Ana« durch eine solche 400 Mann außer Gefecht gesetzt.

Um 1780 wurde an Stelle der Zündung mittels Lunte ein

=Flintensteinschloß= eingeführt, das der zielende Mann selber abfeuern

konnte. Die =gebräuchlichsten Kaliber= blieben die gleichen: 42-Pfünder,

32-, 24-, 18-, 12-, 9-, 4-, 3-und 1/2-Pfünder; vom 24-Pfünder abwärts bis

zum 6-Pfünder waren Rohre verschiedener Schwere und Länge vorhanden. Die

Ladungen sind früher angegeben (Band I, Seite 168). Der 1/2-Pfünder --

Swiffel oder auch Patereroe genannt -- war ein Geschütz, das auf der

Oberdecksbrustwehr (der Reeling) stand. Zuweilen, jedoch sehr selten,

verwendete man eine Art kleiner Mörser für Brandgeschosse, nach ihrem

Erfinder, einem holländischen Ingenieuroffizier, Coehoorn benannt.

$In Frankreich$ führte man 36-Pfünder, 24-, 18-, 12-, 8-, 6- und

4-Pfünder; der 48-Pfünder war hier schon fortgefallen, auch in England

wurde der 42-Pfünder später nur noch wenig verwendet. Wie bereits

früher (Band I, Seite 169) erklärt ist, war der englische 32-Pfünder

etwa dem französischen 36-Pfünder gleich und die sonstigen englischen

Kaliber den gleichlautenden französischen etwas überlegen. Das

Flintensteinschloß ist in Frankreich erst 1802 allgemein geworden und

auch die Verbesserungen der Lafetten fanden hier erst später Eingang.

$Die Handwaffen$ blieben die im ersten Bande (Seite 169) angeführten. Es

traten =Handgranaten= hinzu, die nach den Etats der englischen Schiffe

eine gewisse Rolle spielten; 1745 waren für das Linienschiff 200 Stück

vorgesehen und auch in Frankreich hatte dieses etwa 30 Grenadiere, die

beim »Klar Schiff zum Gefecht« je 3 Granaten erhielten.

Seekriege und Seekriegswesen, Zweiter Band in ihrer weltgeschichtlichen Entwicklung. Mit besonderer Berücksichtigung der grossen Seekriege des XVII. and XVIII. Jahrhunderts. · 第 3 / 63 段