(linda. zadi. quecksilber.)
linda. Hab ich dich endlich gefunden! (Schreit.) Ach,
Himmel! Wie siehst du aus?
quecksilber. Hats schon gsehen. Ein Aug hat s wie ein
Falk.
linda.Oh, du abscheulicher Mensch, was hast du denn getan?
quecksilber. Ich bitt dich um alles in der Welt, verzeih mirs
nur diesmal, ich werds mein Leben nicht mehr tun. Ich
hab dort von die Feigen gegessen, und da ist mir die Nase
gewachsen.
linda. Nein, so mag ich dich nicht. Jetzt bin ich ihm
nachgelaufen und bin vor Angst völlig krank geworden,
bis ich ihn eingeholt habe, und jetzt sieht er so aus.
quecksilber (kniet sich nieder). Linderl! Ich bitt dich, sei nur
gscheit! Jetzt kannst mich doch bei der Nasen
herumführen. Wenn mich jemand bei der Nasen erwischt,
dem komm ich nicht mehr aus.
linda. Oh, du Unglücksvogel! Fort, ich kann dich nicht mehr
ansehen.
zadi. Nun, ich will dich nicht länger leiden lassen. Trinke dort
aus jener Quelle, und du wirst sie wieder verlieren. Wie
ich diese Gegend bezogen habe, ist es mir auch so
ergangen.
quecksilber. Ist das wahr? Dem Himmel sei Dank! (Läuft zur
Quelle und trinkt, die Nase verschwindet, springt hervor.) Ist
schon weg! Ah, das ist eine Freud!
quecksilber und linda (zugleich). Das ist a Freud!
(Beide hüpfen vor Freude. Wie sich ihre Gesichter begegnen,
hören sie mitten unter dem Lachen auf. Quecksilber bleibt
plötzlich ernsthaft stehen, und Linda ist betroffen.)
quecksilber. Was ists? Was wollen Sie? Sie mögen mich ja
nicht mehr.
linda. Ah, jetzt mag ich dich schon wieder.
quecksilber. Da haben wirs! Wie ich mit meiner Schönheit
Krida hab angsagt ghabt, hat s nichts mehr von mir
wissen wollen, jetzt, weil ich wieder rangiert bin, jetzt mag
s mich wieder. Was willst denn jetzt mit mir machen? Ich
bin ja Betteltutti! (Zu Zadi.) Lieber Freund, wie soll ich
Ihnen meinen Dank abstatten?--Wollen Sie mir nicht
zweihundert Gulden leihen?
zadi. O ja. Zweihundert Prügel kannst du haben.
quecksilber. Ich weiß nicht, wie dieMünzen bei Ihnen heißen.
linda. Ah, wir werden nicht verhungern. Weißt du was? Ich
verkaufe den Leuten solche Feigen, und wenn sie
verunstaltet sind, so kommst du als Doktor und kurierst
sie mit dem Wasser wieder, so bekommen wir Geld in
Menge.
quecksilber. Halt!--Laß mich nachdenken.--Wie?--Was?--
Ja, ich habs! (Er fährt auf; beide erschrecken.)
linda. Bist närrisch? Zugleich
zadi. Was hast du denn?
quecksilber. Mein Glück, ich habs gfangt!
zadi. So halts fest.
quecksilber. Lieber Alter, tu mir nur den einzigen Gfallen,
nimm einen Korb, füll ihn mit solchen Feigen an und zwei
Flaschen mit dem Zauberwasser, ich werd dich reichlich
belohnen, aber nur gschwind.
zadi.Nun, nun, den Gefallen kann ich euch schon tun. (Geht
ab.)
linda. Aber was ists denn?
quecksilber. Linderl! Jetzt nimm dich zusammen. Vermißt
man dich schon im Palast?
linda. Ah, nein! Es geht ja alles drunter und drüber wegen
dem Fest.
quecksilber. Ein Fest? Das ist herrlich. Kennt man auf der
Insel die Wirkung dieser Feigen?
linda. Ich hab noch nie was davon gehört. Diese Gegend
enthält noch viele Wunder, darum getraut sich auch
niemand hierher zu gehen, und nur weil ich dich von
weitem laufen sah, bin ich dir gefolgt.
quecksilber. Du mußt wieder zurück zum Fest. Du nimmst
einen Korb voll solcher Feigen und bringst sie deiner
Prinzessin und ihrem Vater zum Konfekt. Sie sind so
schön, daß sie gwiß davon essen.
linda. Nun, und dann?
quecksilber. Dann kriegen s große Nasen, du verschaffst mir
Kleider; wann sie hernach verzweifelt, so bringst du mich
als Wunderdoktor, und ich kuriere sie nicht eher, bis sie
mir meine Geschenk zurückgibt.
linda. Das ist ein prächtiger Plan! Ich freu mich! Wenn s nur
recht häßlich würd, weil s immer die Schönste sein will.
Gschieht ihr schon recht.
quecksilber. Das ist ein Wasser auf der ihrer Mühle. Ja, die
Frauenzimmer!--