18. szene

(linda. zadi. quecksilber.)

linda. Hab’ ich dich endlich gefunden! (Schreit.) Ach,

Himmel! Wie siehst du aus?

quecksilber. Hat’s schon g’sehen. Ein Aug’ hat s’ wie ein

Falk.

linda.Oh, du abscheulicher Mensch, was hast du denn getan?

quecksilber. Ich bitt’ dich um alles in der Welt, verzeih mir’s

nur diesmal, ich werd’s mein Leben nicht mehr tun. Ich

hab’ dort von die Feigen gegessen, und da ist mir die Nase

gewachsen.

linda. Nein, so mag ich dich nicht. Jetzt bin ich ihm

nachgelaufen und bin vor Angst völlig krank geworden,

bis ich ihn eingeholt habe, und jetzt sieht er so aus.

quecksilber (kniet sich nieder). Linderl! Ich bitt’ dich, sei nur

g’scheit! Jetzt kannst mich doch bei der Nasen

herumführen. Wenn mich jemand bei der Nasen erwischt,

dem komm’ ich nicht mehr aus.

linda. Oh, du Unglücksvogel! Fort, ich kann dich nicht mehr

ansehen.

zadi. Nun, ich will dich nicht länger leiden lassen. Trinke dort

aus jener Quelle, und du wirst sie wieder verlieren. Wie

ich diese Gegend bezogen habe, ist es mir auch so

ergangen.

quecksilber. Ist das wahr? Dem Himmel sei Dank! (Läuft zur

Quelle und trinkt, die Nase verschwindet, springt hervor.) Ist

schon weg! Ah, das ist eine Freud’!

quecksilber und linda (zugleich). Das ist a Freud’!

(Beide hüpfen vor Freude. Wie sich ihre Gesichter begegnen,

hören sie mitten unter dem Lachen auf. Quecksilber bleibt

plötzlich ernsthaft stehen, und Linda ist betroffen.)

quecksilber. Was ist’s? Was wollen Sie? Sie mögen mich ja

nicht mehr.

linda. Ah, jetzt mag ich dich schon wieder.

quecksilber. Da haben wir’s! Wie ich mit meiner Schönheit

Krida hab’ ang’sagt g’habt, hat s’ nichts mehr von mir

wissen wollen, jetzt, weil ich wieder rangiert bin, jetzt mag

s’ mich wieder. Was willst denn jetzt mit mir machen? Ich

bin ja Betteltutti! (Zu Zadi.) Lieber Freund, wie soll ich

Ihnen meinen Dank abstatten?--Wollen Sie mir nicht

zweihundert Gulden leihen?

zadi. O ja. Zweihundert Prügel kannst du haben.

quecksilber. Ich weiß nicht, wie dieMünzen bei Ihnen heißen.

linda. Ah, wir werden nicht verhungern. Weißt du was? Ich

verkaufe den Leuten solche Feigen, und wenn sie

verunstaltet sind, so kommst du als Doktor und kurierst

sie mit dem Wasser wieder, so bekommen wir Geld in

Menge.

quecksilber. Halt!--Laß mich nachdenken.--Wie?--Was?--

Ja, ich hab’s! (Er fährt auf; beide erschrecken.)

linda. Bist närrisch? Zugleich

zadi. Was hast du denn?

quecksilber. Mein Glück, ich hab’s g’fangt!

zadi. So halt’s fest.

quecksilber. Lieber Alter, tu mir nur den einzigen G’fallen,

nimm einen Korb, füll ihn mit solchen Feigen an und zwei

Flaschen mit dem Zauberwasser, ich werd’ dich reichlich

belohnen, aber nur g’schwind.

zadi.Nun, nun, den Gefallen kann ich euch schon tun. (Geht

ab.)

linda. Aber was ist’s denn?

quecksilber. Linderl! Jetzt nimm dich zusammen. Vermißt

man dich schon im Palast?

linda. Ah, nein! Es geht ja alles drunter und drüber wegen

dem Fest.

quecksilber. Ein Fest? Das ist herrlich. Kennt man auf der

Insel die Wirkung dieser Feigen?

linda. Ich hab’ noch nie was davon gehört. Diese Gegend

enthält noch viele Wunder, darum getraut sich auch

niemand hierher zu gehen, und nur weil ich dich von

weitem laufen sah, bin ich dir gefolgt.

quecksilber. Du mußt wieder zurück zum Fest. Du nimmst

einen Korb voll solcher Feigen und bringst sie deiner

Prinzessin und ihrem Vater zum Konfekt. Sie sind so

schön, daß sie g’wiß davon essen.

linda. Nun, und dann?

quecksilber. Dann kriegen s’ große Nasen, du verschaffst mir

Kleider; wann sie hernach verzweifelt, so bringst du mich

als Wunderdoktor, und ich kuriere sie nicht eher, bis sie

mir meine Geschenk’ zurückgibt.

linda. Das ist ein prächtiger Plan! Ich freu’ mich! Wenn s’ nur

recht häßlich würd’, weil s’ immer die Schönste sein will.

G’schieht ihr schon recht.

quecksilber. Das ist ein Wasser auf der’ ihrer Mühle. Ja, die

Frauenzimmer!--

Der Barometermacher auf der Zauberinsel · 第 40 / 49 题