(zoraide. quecksilber.)
zoraide. Du bist also wirklich entschlossen, Jüngling, an
meiner Hand auf der holperichten Landstraße dieses
Lebens einherzuwandeln, ohne zu ermüden?
quecksilber. Wir halten uns halt einen Einspänner.
zoraide. Wie nennst du dich?
quecksilber. Bartholomäus!
zoraide. Bartholomäus und Zoraide, das gibt einen herrlichen
Roman.
quecksilber. Ich glaubs.
zoraide. Auf dem Titelkupfer eine indianische Schweizer
Gegend, vom Mond beleuchtet. Zu meinen Füßen liegt
ein jugendlicher Schäfer und im Hintergrunde erscheinest
du--
quecksilber. Mit einem Ochsenzahn in der Hand. Das wird
eine schöne Vignette sein.
zoraide. Nein, Spaß apart, ich bin Dichterin. Sie müssen mir
Ihre Geschichten erzählen, ich werde sie in vierfüßigen
Jamben bearbeiten und dann dem Druck übergeben.
Pränumeranten werden sich schon finden.
quecksilber. Sind S so gut! Wenn die Leut alle die
Dummheiten lesen müßten, die ich in meinem Leben
angstellt hab, ich dürft mich gar nicht mehr auf der
Gassen sehen lassen.
zoraide. Wie? Können Sie sich eine größere Ehre wünschen,
als im Druck zu erscheinen?
quecksilber. Ah was, Druck. Wenn ich mich will drucken
lassen, geh ich in ein Freitheater.
zoraide. Nein, verzeihen Sie, mit Ihnen zu parlieren gehört
eine kuriose Geduld dazu, Sie haben ja nicht um sechs
Pfennige Galanterie im Leib. Ich möchte einen galanten
Mann.
quecksilber. Da hätten Sie sich sollen einen
Galanteriehändler verschreiben, auf dem Kohlmarkt
gibts prächtige, ob sie Ihnen aber mögen, das weiß ich
nicht.
zoraide. Gehen Sie, Sie haben nicht im geringsten einen, wie
sagt man denn, phantasierenden Sinn.
quecksilber. So? Ich habe einmal das hitzige Fieber ghabt,
da hätten Sie mich hören sollen, da habe ich fünf Tag und
Nacht phantasiert.
zoraide (für sich). Wenn ich nur das Staberl erwischen könnte!
(Sehr freundlich.) Lassen Sie uns Frieden schließen, trauter
Bartholomäus! Liebst du deine Zoraide? Hinweg mit
allen den kleinen Zänkereien, den Töchtern der
liebenden Koketterie, welche den Reiz der Liebe erhöhen
sollen. Ich will dein Herz umranken, wie die Rebe den
Kastanienbaum. (Umarmt ihn.) O ihr Götter, die ihr da
unten wohnt, sehet auf uns herab!--Nicht wahr, du wirst
deine Zoraide nie verlassen. Dein Herz wird kein
Retourbillett verlangen oder sich gar das Entrée seiner
Treue bei Amors Kasse zurückzahlen lassen?
quecksilber. Sie ist doch eine gute Seel.
zoraide (für sich). Nur das Staberl möcht ich haben.
quecksilber. Nu schlagen Sie ein, aber nicht ins Gsicht.
Geben Sie mir zum Drangeld ein einschichtiges Busserl,
und wir sind daccord!
zoraide. Jetzt nicht. Das bekommen Sie nach der Tafel zum
Konfekt.
quecksilber. Gut, ist auch recht. Was essen denn Sie zum
Konfekt?
zoraide. Die edelsten indianischen Früchte.
quecksilber. Da freu ich mich! Für mich sind die edelsten
Früchte die Pfludern, die iß ich sehr gern. Dirndeln sind
auch schön, besonders die Bauerndirndeln. Mein liebstes
Essen sind die Birn, wissen Sie, die kleinen, die
Muskatellerbirnderln, die sind gut.
zoraide. Wer wird denn so einen gemeinen Gusto haben!
(Sehr hochdeutsch.) Wie können Sie denn Bern essen?
quecksilber. Keine Bären ess ich nicht, da bin ich froh, wenn
mich keiner anpackt.--Birn! ist denn das ein übler
Gusto? Birn ißt ja die ganze Welt, ein jeder eine andere
Gattung. Die Patrioten essen Kaiserbirn; die Reichen
Dukatenbirn; die sich stark parfümieren,
Bergamottenbirn; die Schuster Lederbirn; die Kutscher
Haberbirn; die Tischler Holzbirn; die Barbierer
Issinbart, und wer einen Fehler macht, der ißt
Plutzerbirn. Kurz, du bist einmal mein, dabei bleibts.
zoraide. Ich schwimm in einem Meer von Wonne, wie ein
Walfisch in der Donau. (Umarmt ihn.)