12. szene

(zoraide. quecksilber.)

zoraide. Du bist also wirklich entschlossen, Jüngling, an

meiner Hand auf der holperichten Landstraße dieses

Lebens einherzuwandeln, ohne zu ermüden?

quecksilber. Wir halten uns halt einen Einspänner.

zoraide. Wie nennst du dich?

quecksilber. Bartholomäus!

zoraide. Bartholomäus und Zoraide, das gibt einen herrlichen

Roman.

quecksilber. Ich glaub’s.

zoraide. Auf dem Titelkupfer eine indianische Schweizer

Gegend, vom Mond beleuchtet. Zu meinen Füßen liegt

ein jugendlicher Schäfer und im Hintergrunde erscheinest

du--

quecksilber. Mit einem Ochsenzahn in der Hand. Das wird

eine schöne Vignette sein.

zoraide. Nein, Spaß apart, ich bin Dichterin. Sie müssen mir

Ihre Geschichten erzählen, ich werde sie in vierfüßigen

Jamben bearbeiten und dann dem Druck übergeben.

Pränumeranten werden sich schon finden.

quecksilber. Sind S’ so gut! Wenn die Leut’ alle die

Dummheiten lesen müßten, die ich in meinem Leben

ang’stellt hab’, ich dürft’ mich gar nicht mehr auf der

Gassen sehen lassen.

zoraide. Wie? Können Sie sich eine größere Ehre wünschen,

als im Druck zu erscheinen?

quecksilber. Ah was, Druck. Wenn ich mich will drucken

lassen, geh’ ich in ein Freitheater.

zoraide. Nein, verzeihen Sie, mit Ihnen zu parlieren gehört

eine kuriose Geduld dazu, Sie haben ja nicht um sechs

Pfennige Galanterie im Leib. Ich möchte einen galanten

Mann.

quecksilber. Da hätten Sie sich sollen einen

Galanteriehändler verschreiben, auf dem Kohlmarkt

gibt’s prächtige, ob sie Ihnen aber mögen, das weiß ich

nicht.

zoraide. Gehen Sie, Sie haben nicht im geringsten einen, wie

sagt man denn, phantasierenden Sinn.

quecksilber. So? Ich habe einmal das hitzige Fieber g’habt,

da hätten Sie mich hören sollen, da habe ich fünf Tag und

Nacht phantasiert.

zoraide (für sich). Wenn ich nur das Staberl erwischen könnte!

(Sehr freundlich.) Lassen Sie uns Frieden schließen, trauter

Bartholomäus! Liebst du deine Zoraide? Hinweg mit

allen den kleinen Zänkereien, den Töchtern der

liebenden Koketterie, welche den Reiz der Liebe erhöhen

sollen. Ich will dein Herz umranken, wie die Rebe den

Kastanienbaum. (Umarmt ihn.) O ihr Götter, die ihr da

unten wohnt, sehet auf uns herab!--Nicht wahr, du wirst

deine Zoraide nie verlassen. Dein Herz wird kein

Retourbillett verlangen oder sich gar das Entrée seiner

Treue bei Amors Kasse zurückzahlen lassen?

quecksilber. Sie ist doch eine gute Seel’.

zoraide (für sich). Nur das Staberl möcht’ ich haben.

quecksilber. Nu schlagen Sie ein, aber nicht ins G’sicht.

Geben Sie mir zum D’rangeld ein einschichtiges Busserl,

und wir sind d’accord!

zoraide. Jetzt nicht. Das bekommen Sie nach der Tafel zum

Konfekt.

quecksilber. Gut, ist auch recht. Was essen denn Sie zum

Konfekt?

zoraide. Die edelsten indianischen Früchte.

quecksilber. Da freu’ ich mich! Für mich sind die edelsten

Früchte die Pfludern, die iß ich sehr gern. Dirndeln sind

auch schön, besonders die Bauerndirndeln. Mein liebstes

Essen sind die Birn’, wissen Sie, die kleinen, die

Muskatellerbirnderln, die sind gut.

zoraide. Wer wird denn so einen gemeinen Gusto haben!

(Sehr hochdeutsch.) Wie können Sie denn Bern essen?

quecksilber. Keine Bären ess ich nicht, da bin ich froh, wenn

mich keiner anpackt.--Birn’! ist denn das ein übler

Gusto? Birn’ ißt ja die ganze Welt, ein jeder eine andere

Gattung. Die Patrioten essen Kaiserbirn’; die Reichen

Dukatenbirn’; die sich stark parfümieren,

Bergamottenbirn; die Schuster Lederbirn’; die Kutscher

Haberbirn’; die Tischler Holzbirn’; die Barbierer

Issinbart, und wer einen Fehler macht, der ißt

Plutzerbirn’. Kurz, du bist einmal mein, dabei bleibt’s.

zoraide. Ich schwimm’ in einem Meer von Wonne, wie ein

Walfisch in der Donau. (Umarmt ihn.)

Der Barometermacher auf der Zauberinsel · 第 18 / 49 题