(quecksilber. vorige.)
quecksilber (als Stutzer. Er trägt einen modernen Frack von
Goldlock, eine silberne Weste mit blaugestickten Borten und
ebensolche Pantalons, einen dreieckigen Hut, mit Diamanten
garniert. Zum Eingang spielt die Musik das Ritornell aus der
ersten Arie des Figaro im Barbier von Sevilla, dann Rezitativ).
Prinzessin! Wie soll ich dich nennen?
Für die Kalmucken selbst entbrennen!
Euphemia, Amarantia oder Rosel?
Wie du auch heißest, gilt mir gleich;
Mich trug der Rhein und auch die Mosel
Auf einem Dampfschiff in dein Reich.
(Arie. Melodie: Ich bin etwas verliebter Laune usw.)
Ich besitze viel tausend Millionen,
Und reise durch die halbe Welt,
In den kältsten und heißesten Zonen,
Hab überall ich Schätze gestellt.
Um in Engelland recht zu verschwenden,
Verschenk ich die Sterling zu Zenten,
Denn vom Auszahlen an mich wird die Bank
Auf die Letzt vor Strapaze noch krank!
In Italien recht mächtig zu werden,
Erkauft ich die herrlichsten Gärten,
Pomeranzen von Gold, das ist wahr,
Ein Wald von Salami sogar.
In Tirol auf der Alma,
Wennst zfrieden willst sein,
Da hab ich drei Hütten,
Die sind zwar nur klein:
Dort nutzen ein die Schätz nix,
Da bringt mans nicht an,
Da macht ein treus Herz nur
Zum glücklichsten Mann.
Doch im schönen Ungarland
Bin als Krösus ich bekannt,
Auf meiner Pußta zähle ich
Zehntausend Büffel ohne mich.
Im Östreicher-Landel
Da bin ich zu Haus,
Da geht mir das Glück
Und die Freude nie aus!
Ich besitz dort Auen und Wälder,
Auf der Schmelz drauß die herrlichsten Felder,
Und die Brühl, die so schön wie die Schweiz,
Die ghört mein bis nach Heiligenkreuz.
Und in Wien hab ich Häuser sehr viele,
Das ist halt schon so meine Grille,
Daß ich immer in einem fort bau,
Doch die meisten sind in der Roßau.
Auf dem Thuri hab ich ganze Straßen,
Von der Wieden kann ich dHälfte verlassen,
Und um ein spottwohlfeiles Geld
Hab ich zwanzig kauft im Lerchenfeld.
Die Jägerzeil lieb ich vor allen,
Dort wünsch ich den Leuten zu gfallen,
Dort hab ich ein einziges Haus,
Da wirft man mich sicher nicht raus.
zoraide. Also, das ist der unmenschlich reiche Mensch? Der
sieht aus wie ein anglegter Aff!
tutu. Man hat mir deine Ankunft auf unserer Insel gemeldet.
Was suchst du hier? Es ist nicht viel zu finden.
quecksilber. Per du redt er mit mir?--Der Ruf von der
entsetzlichen Schönheit von Dero Mademoiselle Tochter
hat mich hierher gelockt.
tutu. Da kann man sehen, wie die Lugen herumkommen! Das
Anschauen kostet nichts. Schau sie an, hier steht sie.
zoraide. Ich hoffe, du wirst mich für schön finden.
quecksilber. Jetzt sagt die auch wieder du! Das müssen
emigrierte Tiroler sein, weil s zu allen Leuten du sagen.--
Prinzessin, Sie sind eine magnifique Personage, wie auch
Ihr Herr Vater; es tut einem zwischen ihm und dem
Spadi-Do die Wahl weh. Aber wenn Sie nur die Güte
haben wollten und wollten nicht immer du zu mir sagen.
Wenn Sie nicht Herr von sagen mögen, so heißen Sie
mich wenigstens: Sie.
zoraide. Das ist ein impertinenter Patron.
tutu. Sei still! So lang, bis wir sehen, ob er Geld hat, sagen wir
Sie; wann er keins hat, so kann man ihm hernach noch
immer alle Grobheiten antun.
zoraide. Nun also! Sagen mir halt Sie, mein Sie--Sie--weil
man Ihnen nicht duzen darf: was wünschen Sie denn
eigentlich von mir?
quecksilber. Ich bin hier, um Ihre schöne Hand anzuhalten.
zoraide. Dazu gehören drei Eigenschaften: geistig wie
Jamaika- Rum; reich wie ein Inka von Peru, und schön
wie der deutsche Alcibiades.
quecksilber. Nu, was den Verstand und Reichtum betrifft,
hats keinen Anstand, aber mit dem deutschen Alcibiades
wirds schlecht ausschauen, da wird höchstens ein
wallachischer herauskommen.
zoraide. Was sind Sie eigentlich?
quecksilber. Ich bin ein Millionär!
tutu. Ist keine schlechte Profession.
zoraide. Haben S studiert?
quecksilber. Zweihundert Schulen.
tutu. Das ist viel. Wir haben eine einzige, und ich hab in der
nichts gelernt.
quecksilber. Und in sehr kurzer Zeit. Warum? Aus zu großen
Fortschritten hat man mich in der Parva früher
ausgestoßen, dadurch bin ich an den anderen Schulen
vorbei, und gleich in die Poesie hineingflogen, dort haben
sie mir wieder einen neuen Wurf gegeben, der mich der
Philosophie in die Arme geworfen hat. Weil ich aber dort
mit meinen Professoren etwas unartig war, so hat man
mich eingesperrt, da hab ich das Jus absolviert, dann hab
ich die Gymnasien am Alsterbach frequentiert, vor der
Sankt-Marxer Linie hab ich mich examinieren lassen und
meine Prämien habe ich dann erhalten bein Schotten auf
dem Stein.
tutu. Da haben Sie eine schöne Karriere gemacht.
zoraide. Aber, wie siehts denn mit den Beweisen des
Reichtums aus? Denn die Dukaten, die Sie ausgeworfen
haben, können vielleicht Ihre letzten sein. Es sind schon
allerhand Streichmacher bei uns gwesen.
quecksilber. Soll ich Ihren Palast in Gold verwandeln?
tutu. Nein, sie tragen mir ihn sonst bei der Nacht davon.
quecksilber. Wenigstens die Torflügel sollen Gold sein.
(Er berührt sie, sie werden Gold. Alles verwundert sich.)
tutu. Mir bleibt der Verstand aus!
quecksilber. Die hölzernen Säulen können wir auch
renovieren, die sollen sich in Silber verwandeln.
(Er berührt sie, sie werden Silber.)
zoraide (für sich). Das ist ein Talisman, den muß ich besitzen.
hassar. Der muß auf unserer indianischen Gstätten
quecksilber (zu Hassar). Sagen Sie, brauchen Sie Ihren Kopf
hassar. Ja, ich hab halt unterdessen nur den, und man weiß
quecksilber. Zum Vergolden wär das ein prächtiger
Hozversilberer werden.
notwendig?
halt doch nicht, ob nicht was auskommt.
Schafskopf! Finden Sie das nicht auch, Herr
Schwiegerpapa?
tutu. Warum denn? Er braucht nichts Extras, ist ja der Ihrige
auch nicht vergoldt. Lassen Sie ihn nur gehen, man muß
nicht jeden vergolden. Zoraidel, wie ist dir?
zoraide. Fremdling, du hast mein Herz gewonnen. Eine
unwiderstehliche Macht zieht mich zu dir hin. Ich könnte
goldene Tränen weinen.
quecksilber. Also, voulez-vous mein sein?
zoraide. Wenn du mir die Beweise deiner Liebe gibst, die ich
von dir fordere.
tutu. Mit Erlaubnis! (Er tritt in die Mitte.) Der Diskurs dauert
mir ein wenig zu lang. Also, mein charmanter Herr
Schwiegersohn, vulgo Goldarbeiter, au revoir! Ich werde
Befehle erteilen, daß man in dem Palast Ihre Zimmer
ausreibt, austapezieren können Sie sich s selbst, dann
muß ich mich niederlegen und ausruhen. Der gefühlvolle
Auftritt hat mich zu sehr angegriffen. Leben Sie wohl.
Vergolden Sie mein ganzes Reich, und wenn ich vielleicht
heute noch munter werden sollte, so habe ich das
Vergnügen, Sie zu sehen! Also: au revoir! Und weil mir in
der Geschwindigkeit nichts Französisches mehr einfällt,
noch einmal: au revoir!
(Geht ab, alles mit ihm.)