11. szene

(quecksilber. vorige.)

quecksilber (als Stutzer. Er trägt einen modernen Frack von

Goldlock, eine silberne Weste mit blaugestickten Borten und

ebensolche Pantalons, einen dreieckigen Hut, mit Diamanten

garniert. Zum Eingang spielt die Musik das Ritornell aus der

ersten Arie des Figaro im Barbier von Sevilla, dann Rezitativ).

Prinzessin! Wie soll ich dich nennen?

Für die Kalmucken selbst entbrennen!

Euphemia, Amarantia oder Rosel?

Wie du auch heißest, gilt mir gleich;

Mich trug der Rhein und auch die Mosel

Auf einem Dampfschiff in dein Reich.

(Arie. Melodie: Ich bin etwas verliebter Laune usw.)

Ich besitze viel tausend Millionen,

Und reise durch die halbe Welt,

In den kält’sten und heißesten Zonen,

Hab’ überall ich Schätze gestellt.

Um in Engelland recht zu verschwenden,

Verschenk’ ich die Sterling zu Zenten,

Denn vom Auszahlen an mich wird die Bank

Auf die Letzt vor Strapaze noch krank!

In Italien recht mächtig zu werden,

Erkauft’ ich die herrlichsten Gärten,

Pomeranzen von Gold, das ist wahr,

Ein Wald von Salami sogar.

In Tirol auf der Alma,

Wennst z’frieden willst sein,

Da hab’ ich drei Hütten,

Die sind zwar nur klein:

Dort nutzen ein’ die Schätz’ nix,

Da bringt man’s nicht an,

Da macht ein treu’s Herz nur

Zum glücklichsten Mann.

Doch im schönen Ungarland

Bin als Krösus ich bekannt,

Auf meiner Pußta zähle ich

Zehntausend Büffel ohne mich.

Im Öst’reicher-Landel

Da bin ich zu Haus,

Da geht mir das Glück

Und die Freude nie aus!

Ich besitz’ dort Auen und Wälder,

Auf der Schmelz drauߒ die herrlichsten Felder,

Und die Brühl, die so schön wie die Schweiz,

Die g’hört mein bis nach Heiligenkreuz.

Und in Wien hab’ ich Häuser sehr viele,

Das ist halt schon so meine Grille,

Daß ich immer in einem fort bau’,

Doch die meisten sind in der Roßau.

Auf dem Thuri hab’ ich ganze Straßen,

Von der Wieden kann ich d’Hälfte verlassen,

Und um ein spottwohlfeiles Geld

Hab’ ich zwanzig kauft im Lerchenfeld.

Die Jägerzeil’ lieb’ ich vor allen,

Dort wünsch’ ich den Leuten zu g’fallen,

Dort hab’ ich ein einziges Haus,

Da wirft man mich sicher nicht ’raus.

zoraide. Also, das ist der unmenschlich reiche Mensch? Der

sieht aus wie ein ang’legter Aff’!

tutu. Man hat mir deine Ankunft auf unserer Insel gemeldet.

Was suchst du hier? Es ist nicht viel zu finden.

quecksilber. Per du red’t er mit mir?--Der Ruf von der

entsetzlichen Schönheit von Dero Mademoiselle Tochter

hat mich hierher gelockt.

tutu. Da kann man sehen, wie die Lugen herumkommen! Das

Anschauen kostet nichts. Schau sie an, hier steht sie.

zoraide. Ich hoffe, du wirst mich für schön finden.

quecksilber. Jetzt sagt die auch wieder du! Das müssen

emigrierte Tiroler sein, weil s’ zu allen Leuten du sagen.--

Prinzessin, Sie sind eine magnifique Personage, wie auch

Ihr Herr Vater; es tut einem zwischen ihm und dem

Spadi-Do die Wahl weh’. Aber wenn Sie nur die Güte

haben wollten und wollten nicht immer du zu mir sagen.

Wenn Sie nicht Herr von sagen mögen, so heißen Sie

mich wenigstens: Sie.

zoraide. Das ist ein impertinenter Patron.

tutu. Sei still! So lang, bis wir sehen, ob er Geld hat, sagen wir

Sie; wann er kein’s hat, so kann man ihm hernach noch

immer alle Grobheiten antun.

zoraide. Nun also! Sagen mir halt Sie, mein Sie--Sie--weil

man Ihnen nicht duzen darf: was wünschen Sie denn

eigentlich von mir?

quecksilber. Ich bin hier, um Ihre schöne Hand anzuhalten.

zoraide. Dazu gehören drei Eigenschaften: geistig wie

Jamaika- Rum; reich wie ein Inka von Peru, und schön

wie der deutsche Alcibiades.

quecksilber. Nu, was den Verstand und Reichtum betrifft,

hat’s keinen Anstand, aber mit dem deutschen Alcibiades

wird’s schlecht ausschauen, da wird höchstens ein

wallachischer herauskommen.

zoraide. Was sind Sie eigentlich?

quecksilber. Ich bin ein Millionär!

tutu. Ist keine schlechte Profession.

zoraide. Haben S’ studiert?

quecksilber. Zweihundert Schulen.

tutu. Das ist viel. Wir haben eine einzige, und ich hab’ in der

nichts gelernt.

quecksilber. Und in sehr kurzer Zeit. Warum? Aus zu großen

Fortschritten hat man mich in der Parva früher

ausgestoßen, dadurch bin ich an den anderen Schulen

vorbei, und gleich in die Poesie hineing’flogen, dort haben

sie mir wieder einen neuen Wurf gegeben, der mich der

Philosophie in die Arme geworfen hat. Weil ich aber dort

mit meinen Professoren etwas unartig war, so hat man

mich eingesperrt, da hab’ ich das Jus absolviert, dann hab’

ich die Gymnasien am Alsterbach frequentiert, vor der

Sankt-Marxer Linie hab’ ich mich examinieren lassen und

meine Prämien habe ich dann erhalten bei’n Schotten auf

dem Stein.

tutu. Da haben Sie eine schöne Karriere gemacht.

zoraide. Aber, wie sieht’s denn mit den Beweisen des

Reichtums aus? Denn die Dukaten, die Sie ausgeworfen

haben, können vielleicht Ihre letzten sein. Es sind schon

allerhand Streichmacher bei uns g’wesen.

quecksilber. Soll ich Ihren Palast in Gold verwandeln?

tutu. Nein, sie tragen mir ihn sonst bei der Nacht davon.

quecksilber. Wenigstens die Torflügel sollen Gold sein.

(Er berührt sie, sie werden Gold. Alles verwundert sich.)

tutu. Mir bleibt der Verstand aus!

quecksilber. Die hölzernen Säulen können wir auch

renovieren, die sollen sich in Silber verwandeln.

(Er berührt sie, sie werden Silber.)

zoraide (für sich). Das ist ein Talisman, den muß ich besitzen.

hassar. Der muß auf unserer indianischen G’stätten

quecksilber (zu Hassar). Sagen Sie, brauchen Sie Ihren Kopf

hassar. Ja, ich hab’ halt unterdessen nur den, und man weiß

quecksilber. Zum Vergolden wär’ das ein prächtiger

Hozversilberer werden.

notwendig?

halt doch nicht, ob nicht was auskommt.

Schafskopf! Finden Sie das nicht auch, Herr

Schwiegerpapa?

tutu. Warum denn? Er braucht nichts Extras, ist ja der Ihrige

auch nicht vergold’t. Lassen Sie ihn nur gehen, man muß

nicht jeden vergolden. Zoraidel, wie ist dir?

zoraide. Fremdling, du hast mein Herz gewonnen. Eine

unwiderstehliche Macht zieht mich zu dir hin. Ich könnte

goldene Tränen weinen.

quecksilber. Also, voulez-vous mein sein?

zoraide. Wenn du mir die Beweise deiner Liebe gibst, die ich

von dir fordere.

tutu. Mit Erlaubnis! (Er tritt in die Mitte.) Der Diskurs dauert

mir ein wenig zu lang. Also, mein charmanter Herr

Schwiegersohn, vulgo Goldarbeiter, au revoir! Ich werde

Befehle erteilen, daß man in dem Palast Ihre Zimmer

ausreibt, austapezieren können Sie sich s’ selbst, dann

muß ich mich niederlegen und ausruhen. Der gefühlvolle

Auftritt hat mich zu sehr angegriffen. Leben Sie wohl.

Vergolden Sie mein ganzes Reich, und wenn ich vielleicht

heute noch munter werden sollte, so habe ich das

Vergnügen, Sie zu sehen! Also: au revoir! Und weil mir in

der Geschwindigkeit nichts Französisches mehr einfällt,

noch einmal: au revoir!

(Geht ab, alles mit ihm.)

Der Barometermacher auf der Zauberinsel · 第 17 / 49 题