III

Daß Jarnachs Quartett den Glanzpunkt des letzten Tages bildete, auch

dieses werden sehr viele geschrieben haben, denn es konnte kein Zweifel

darüber bestehen. Zu wenige aber bemerkten vielleicht, daß hier ein

wahrer Schüler Busonis die Probe seines Talentes gab. Der wahre Schüler

ist immer nur der, welchem sein Lehrer Wegweiser, aber nicht

Gängelführer bleibt. Wie es des wahren Schülers ist, seine eigenen Wege

auf der ihm gewiesenen Bahn weiter zu verfolgen, so des wahren Meisters,

jene Bahn zu brechen. Mit dem so viel gebrauchten Worte „Anreger“

scheint mir bei Busoni entschieden zu wenig gesagt. Man mag sich zu ihm

stellen wie man will, heute schon gebietet sein Werk vor allem Distanz;

diese aber, finde ich, wird nur von den paar ganz erlesenen Kennern

eingehalten. Bei den anderen vermisse ich sie. Distanz schließt die

Kritik nicht aus, ist aber immer eingedenk. Busonis Tragik liegt darin,

daß er sich wieder an den Anfang aller Dinge stellte, keiner in unseren

Tagen machte es sich so schwer. Vielleicht ist es schon für Jarnach eine

Lust zu komponieren: seinem edlen Kolorit, seiner bedeutenden Sprache

ist die Arena geöffnet. Armer Busoni! Wie rührend ist er, wenn er

feiert! Die Schauer der Angelangtheit, jener Orgel-Tokkata,

„Bach-Busoni“ überschrieben, weihevoll wie ein erhobener Kelch, die

göttliche Melancholie, der er in seiner Tokkata frönt, und sein

Perpetuum mobile, in welchem Seite achtunddreißig mit einem Male die

Flöte Pans einsetzt – wie selten sind die Feste, die er sich gewährt.

Seine wahren Schüler haben es schon leichter. Gerodet liegt das

unbetretene Land vor ihnen, die Ufer von Gestrüpp frei.

Wera Njedin: Erzählungen und Skizzen · 第 23 / 42 题