Daß Jarnachs Quartett den Glanzpunkt des letzten Tages bildete, auch
dieses werden sehr viele geschrieben haben, denn es konnte kein Zweifel
darüber bestehen. Zu wenige aber bemerkten vielleicht, daß hier ein
wahrer Schüler Busonis die Probe seines Talentes gab. Der wahre Schüler
ist immer nur der, welchem sein Lehrer Wegweiser, aber nicht
Gängelführer bleibt. Wie es des wahren Schülers ist, seine eigenen Wege
auf der ihm gewiesenen Bahn weiter zu verfolgen, so des wahren Meisters,
jene Bahn zu brechen. Mit dem so viel gebrauchten Worte „Anreger“
scheint mir bei Busoni entschieden zu wenig gesagt. Man mag sich zu ihm
stellen wie man will, heute schon gebietet sein Werk vor allem Distanz;
diese aber, finde ich, wird nur von den paar ganz erlesenen Kennern
eingehalten. Bei den anderen vermisse ich sie. Distanz schließt die
Kritik nicht aus, ist aber immer eingedenk. Busonis Tragik liegt darin,
daß er sich wieder an den Anfang aller Dinge stellte, keiner in unseren
Tagen machte es sich so schwer. Vielleicht ist es schon für Jarnach eine
Lust zu komponieren: seinem edlen Kolorit, seiner bedeutenden Sprache
ist die Arena geöffnet. Armer Busoni! Wie rührend ist er, wenn er
feiert! Die Schauer der Angelangtheit, jener Orgel-Tokkata,
„Bach-Busoni“ überschrieben, weihevoll wie ein erhobener Kelch, die
göttliche Melancholie, der er in seiner Tokkata frönt, und sein
Perpetuum mobile, in welchem Seite achtunddreißig mit einem Male die
Flöte Pans einsetzt – wie selten sind die Feste, die er sich gewährt.
Seine wahren Schüler haben es schon leichter. Gerodet liegt das
unbetretene Land vor ihnen, die Ufer von Gestrüpp frei.