Zwei Zoll. »Noch hält's.«

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Doch im fahlen Glanz der Februarsonne lag die See und schielte mit ihrem

eisigen, glänzenden Auge durch das Fenster nach Lines Lager hin, so daß

die Liegende keinen Blick von dem Schimmer wenden konnte.

Sie hatte den Kopf auf beide Hände gebettet, und ihre glänzenden Augen

ließen die Scheibe nicht.

Unmerklich flüsterte sie.

»Nun?«

Und dann wieder.

»Wann kommst du?«

Dann winkte sie verstohlen.

Da griff Klara Toll, die nun schon seit Wochen an dem Lager waltete,

sacht nach Lines Hand. Die Kranke mußte aufsehen.

Dabei verrieten ihre lebhafter glänzenden Augen, wie ihr die schlanke

Gestalt in dem hellblauen Pflegerinnengewande, das ihr früher soviel

Abscheu eingeflößt, jetzt gefiel. Neugierig fast spähte sie nach den

braunen Haaren, die im Glanz der Sonne weich unter dem Haubenlatz

hervorquollen.

Unterdessen hatte die Schwester einen Arm um Lines Schulter geschlungen,

und nun konnte sich die Liegende aufrichten.

»Komm,« bat Klara, »sieh von da fort.«

Doch Line schüttelte nur eifrig das Haupt und bog den Hals gespannt

wieder nach dem Fenster. »Das verstehst du nicht,« erwiderte sie leise,

»ich muß drauf warten.«

»Worauf, Line?«

Aber Line blieb stumm. Doch wenn sie auch schwieg und wie gezogen wieder

auf das Wasser hinausträumte, Klara Toll wußte aus früheren Reden recht

gut, was die Gedanken der Leidenden lenkte.

Da lag sie nun schon seit Wochen, vom Fieber geschüttelt, sie, die so

leidenschaftlich nach dem Leben verlangt hatte, nach einem besseren,

tätigen Dasein, und siehe, das Leben verwarf sie, das Leben hatte sie

auch fürder ausgespien. Nichts konnte sie dem Neugeborenen leisten, vor

dem sie ursprünglich solche Angst gehegt, auf keine Weise Hann danken,

der sie unausgesetzt, wie ein großer, treuer Haushund, bewachte. Und nun

waren mitten in ihre Fieberträume die Reden der Hausgenossen

hereingedrungen über das Vordringen des Wassers, und seitdem lag Line

und lauerte.

Unausgesetzt, wie auf etwas Wunderbares. Immer wieder wandte sie sich

nach der eisigen Fläche. Und wenn sie es auch nicht wieder laut werden

ließ, ihre verlangenden Augen redeten es deutlich: »Nun?«

Und dann wieder.

»Wann kommst du?«

Am Mittag trat Hann zu der Erschöpften, und als sie ihn merkte,

streichelte sie seine Hand, um sie jedoch gleich fahren zu lassen,

sobald sie sich an Klaras Gegenwart erinnerte.

Dann bannte sie ein flüchtiges Lächeln auf ihre Lippen, um endlich das

zu fragen, was sie jetzt täglich beschäftigte, ob Paul, der Pastor,

etwas von sich habe hören lassen? Und die in der Stadt? Beide nicht? --

Beide nicht?

Sie kannte schon Hanns mitleidiges Kopfschütteln und streckte sich starr

in ihren Kissen aus. Ihre Augen suchten die niedrige Decke.

Der Nachmittag dieses Tages, von dem die Moorluker noch heute sprechen,

dämmerte herauf. Die beiden Frauen saßen wieder allein. Line auf ihrem

Bette, Klara am Fußende, mit einer Strickerei in der Hand. Die sah

winzig aus.

Die gelbe Februarsonne glitzerte auf den Fensterscheiben. Da richtete

sich Line auf. Ihre Augen irrten wieder auf der Eisfläche herum.

»Klara.«

Hann Klüth: Roman · 第 69 / 76 题