Es dämmerte sacht, als ein Unteroffizier in Hanns Zelle trat, um ihm
mitzuteilen, daß sein Arrest abgelaufen sei. Hann wurde über den Hof
geführt, der Posten am Tor wechselte mit seinem Begleiter ein paar
heimliche Worte, dann ächzte das schwere Holz, und der Befreite befand
sich auf der dunklen Straße. Ein tiefer Atemzug, dann faßte er sich an
den Kopf. »Ja, ja, er hatte doch manches da drinnen erlebt. Was war noch
das Letzte gewesen? -- Ach richtig, die Frauensleut', und besonders Klara
Toll; ja, ja die besonders.«
Da legte sich eine Hand auf seine Schulter.
Als er sich überrascht umwandte, stand sein Bruder Paul vor ihm; und
hinter jenem -- ja, wer war denn das schlanke Mädchen mit dem Tuch über
den Haaren und dem Körbchen am Arm? Das war doch nicht etwa? -- Hann
wollte das Herz klopfen, doch als die Gestalt näher trat, erkannte er,
daß es die Schulmeisterstochter wäre.
Er senkte das Haupt.
Das waren also die beiden einzigen, die an seinem Schicksal Anteil
genommen.
Der Kandidat sah ernst aus. Nichtsdestoweniger klopfte er Hann leicht
auf den Rücken, während er davon anfing, daß der Gefangene es hinter den
Mauern wohl nicht besonders gut gehabt hätte.
Es sollte ein Scherz sein, der dem Fischer über die Befangenheit
forthelfen sollte, die der Theologe bei ihm voraussetzte; da Hann jedoch
gutmütig lachend beistimmte, zog der Kandidat verletzt seine Hand
zurück. So scherzhaft faßte er den Zwischenfall nicht auf: »Es ist für
uns nicht besonders ehrenvoll,« sagte er, »daß die Sache mit dir so
abgelaufen ist, aber, hm --« er sah seines Bruders unschuldiges,
bekümmertes Antlitz und lenkte sofort wieder ein, »aber es ist eben
jedem nicht so gegeben. Na, nun gib mir die Hand. Ich wollte mich nur
davon überzeugen, daß du dir's nicht zu Herzen nimmst. Und nun adieu,
Hann.«
Damit nickte er ihm mit seinem hageren Gesicht aufmunternd zu und
verschwand um die nächste Ecke.
Hann befand sich mit dem Mädchen an der Kasernenmauer allein.