XII

Es dämmerte sacht, als ein Unteroffizier in Hanns Zelle trat, um ihm

mitzuteilen, daß sein Arrest abgelaufen sei. Hann wurde über den Hof

geführt, der Posten am Tor wechselte mit seinem Begleiter ein paar

heimliche Worte, dann ächzte das schwere Holz, und der Befreite befand

sich auf der dunklen Straße. Ein tiefer Atemzug, dann faßte er sich an

den Kopf. »Ja, ja, er hatte doch manches da drinnen erlebt. Was war noch

das Letzte gewesen? -- Ach richtig, die Frauensleut', und besonders Klara

Toll; ja, ja die besonders.«

Da legte sich eine Hand auf seine Schulter.

Als er sich überrascht umwandte, stand sein Bruder Paul vor ihm; und

hinter jenem -- ja, wer war denn das schlanke Mädchen mit dem Tuch über

den Haaren und dem Körbchen am Arm? Das war doch nicht etwa? -- Hann

wollte das Herz klopfen, doch als die Gestalt näher trat, erkannte er,

daß es die Schulmeisterstochter wäre.

Er senkte das Haupt.

Das waren also die beiden einzigen, die an seinem Schicksal Anteil

genommen.

Der Kandidat sah ernst aus. Nichtsdestoweniger klopfte er Hann leicht

auf den Rücken, während er davon anfing, daß der Gefangene es hinter den

Mauern wohl nicht besonders gut gehabt hätte.

Es sollte ein Scherz sein, der dem Fischer über die Befangenheit

forthelfen sollte, die der Theologe bei ihm voraussetzte; da Hann jedoch

gutmütig lachend beistimmte, zog der Kandidat verletzt seine Hand

zurück. So scherzhaft faßte er den Zwischenfall nicht auf: »Es ist für

uns nicht besonders ehrenvoll,« sagte er, »daß die Sache mit dir so

abgelaufen ist, aber, hm --« er sah seines Bruders unschuldiges,

bekümmertes Antlitz und lenkte sofort wieder ein, »aber es ist eben

jedem nicht so gegeben. Na, nun gib mir die Hand. Ich wollte mich nur

davon überzeugen, daß du dir's nicht zu Herzen nimmst. Und nun adieu,

Hann.«

Damit nickte er ihm mit seinem hageren Gesicht aufmunternd zu und

verschwand um die nächste Ecke.

Hann befand sich mit dem Mädchen an der Kasernenmauer allein.

Hann Klüth: Roman · 第 48 / 76 题