Da fällt mich so ein, wo kommt überhaupt der Reichtum her? Sieh, das is
doch 'ne schnurrige Frag'. Der Reichtum is doch nich von Anfang an
dagewesen, bei den sechs Tagewerken kommt er nich vor. Er muß also doch
erst so allmählich in die Welt gekommen sein, als der liebe Gott die
Menschens zur Arbeit verflucht hat, was ja eigentlich gar nich väterlich
von ihm war -- -- -- Holl eins an -- -- -- die Arbeit, stopp, Kinding,
stopp, das is mir denn doch ganz einleuchtend, daß aus der Arbeit sich
eigentlich erst all der Reichtum herschreibt. Und wenn Konsul Hollander
so viel Säck' mit Talerstücken stehn hat, wie er hat, dann hat er
eigentlich lauter Säcke mit Arbeit dastehen, mit unsre Arbeit, mit
fremde Arbeit. Ja, überleg dich mal, darf denn das der Mensch? Darf
einer, und wenn er dreist Konsul is, die Arbeit vom andern wegnehmen und
auf seinen Speicher stellen? -- Pfui, ich würd's nich tun. Ne, mit dem
Reichtum bleib mir einer vom Leibe.
Aber nun vielleicht mit der Arbeit?
Vielleicht steckt's darin.
Denn, daß der liebe Gott mit ihr eine Strafe gegen das menschliche
Geschlecht hat ausüben wollen, i, das mag ja auch woll bloß so ein
Läuschen[1] vorstellen; ich frag man, wozu hätt' der liebe Gott sonst am
Anfang von alle Geschicht selbst so hart geschuftet, daß er ja
eigentlich richtig als der erste Wochenarbeiter gelten kann. Ne, die
Sache muß ihm doch höllischen Spaß gemacht haben, und deshalb wollte er
den Menschens vielleicht auch von der Art Spaß was zukommen lassen.
Na, und is es nun nich möglich, daß in der Freud' an dem Spaß das Glück
stecken tut? -- --
Hier sah Hann, wie in der grauen Ecke das Spinngewebe erzitterte, und
daß die Bewohnerin, einen langen Faden ziehend, hin und her lief. Er
schüttelte das Haupt.
Ne, Hanning, was redst und redst du auch heute. Kuck doch erst eins hin.
Was arbeitet da das Biest? Eine Bettstell' baut es sich und frißt's dann
wieder auf, wenn Not an'n Mann is. Und was arbeit't der Mensch? -- Nun,
er baut ein Haus, damit er drin wohnt, und er zimmert einen Tisch, damit
er dran ißt, und er haut Holz, damit er sein Essen daran kocht, und er
fängt Fisch', wie ich, damit auch was zum Kochen da is. Also der Mensch
arbeitet bloß um das gewöhnliche, gemeine Leben. Um weiter nichts. Aber
daß den Maurer das Hausbauen und den Fischer das Fischfangen so
besonders glücklich macht, das hätt' ich auch noch nich erlebt.
Wenigstens bei uns in Moorluke is das nich so.
Zwar die Pasters sagen, daß Arbeit besser machen soll. Spaß. -- Ich frag
man: bünn ich denn so'n Musterspiegel, weil ich alle Tag' ein paar Wall
von arme Heringen aus'm Wasser zieh' und sie um mich herum krepieren
seh'? -- Und für wen is denn schließlich all die Rackerei? Doch bloß für
den Schwamm und den Wurm. Denn was nich verfault, das zermürbt. Ne, das
seh ich woll, das Glück von die Arbeit is auch bloß solch ein
Trostmittel vor die Menschheit. Wollen uns doch lieber nach was anderem
umkucken!