Ärgerlich zuckte sie den Ellbogen zur Höhe: »Was willst du?«

»Ich wollte dich nur einmal fragen, was du eigentlich in diesen sieben

Jahren getrieben hast? -- Es interessiert mich so.«

»Gott, gelernt und gelesen hab' ich, das merkst du doch wohl, und tu's

auch heute noch.«

»Und zu welchem Zweck?«

»Wie du auch fragst?« lachte sie und warf die Lippen auf. »Damit ich in

die Höhe kommen kann. Das ist doch selbstverständlich. Paß mal auf, so

wie dir, wird's mir auch glücken. Ich bin ja nicht häßlich.«

»Nein, bei Gott, das ist sie nicht,« schoß es Bruno durch die erregten

Sinne, nur wild, widerspenstig und berechnend, wie es ihm scheinen

wollte, und sich näher zu ihr vorbeugend, drängte er weiter: »Willst du

denn irgendeinen Beruf ergreifen?« Da traf ihn schon wieder solch ein

feindseliger Blick.

»Wenn ich nicht durch eine Heirat mein Glück mache, dann gewiß. Bei

Fräulein Dewitz bleibe ich nicht länger. Das kann mir keiner verdenken.

Aber weißt du was?« -- Sie schmiegte sich plötzlich an ihn und senkte

das Köpfchen auf die Brust, als gälte es ein Geheimnis. Und es bedeutete

auch wirklich eines.

»Da waren neulich die Hofschauspieler aus Schwerin im Voglerschen Saal

-- du, und da war eine dabei, die war nicht älter wie ich, aber so

ausgelassen, und wild, und gab lauter solche Rollen, wo man die Männer

anführt. Weißt du, ich glaub', das könnt' ich auch. Und wie sie im

letzten Akt auftrat, da flogen aus der Offiziersloge lauter Buketts auf

sie zu, bis sie endlich eine Kußhand warf. Immerfort -- lauter Kußhände.

Ah -- das hätt' ich auch tun mögen. Wahrhaftig.«

Sie verzog den Mund und nickte wie zur Bekräftigung mehrmals vor sich

hin.

Da war es heraus, das Innerlichste von ihr, jenes Abenteuernde,

Irrlichtierende, das Bruno nur dunkel geahnt hatte, das ihn jetzt aber

mit solcher Macht fing, daß er, halb seiner selbst beraubt, die Hände

gegen die Augen preßte, um sich zurückzuhalten, sich zu zähmen.

»Hast du was?« fragte sie.

Hann Klüth: Roman · 第 40 / 76 题