An einem der nächsten Tage -- noch wußten die Kinder nicht, was im
Kuhstall beschlossen war -- wurde Hann ins bürgerliche Leben eingeführt.
Er lag gerade mit Line auf einer der schönen grünen Wiesen, auf denen
Moorluke gebaut ist, und die sich bis zum Meer hinunterziehen. Die
letzten Gräser biegen und wiegen sich über den sanften Wassern und
flüstern mit den Stichlingen. Manchmal schießt auch ein rotkäppiger
Barsch heran, beißt vor Lebenswonne in die schwanken Halme und saust
wieder in die schillernde Weite zurück. Hann wußte das alles.
Er fühlte es, wenn er es auch nicht sah. Seine Umgebung war das einzige,
was er gelernt hatte, und was ihm vertraut war.
Da, wo das Gras am höchsten und üppigsten grünt, da liegen die beiden
Kinder.
Line ruht auf dem Rücken. Um sie herum wehen wunderbar feine,
seidig-graue Gespinste. Es sind die zarten Heringsnetze, die aus
meerblauer Seide geknüpft sind, damit sie mit der Seefarbe
übereinstimmen und den scheuen Silberflößler nicht erschrecken. Jetzt
sind sie zum Trocknen aufgehängt. Wenn der leichte Seewind zuweilen an
sie rührt, dann zittern sie so seltsam um das Dirnchen, wie ungeheure,
phantastische Spinnenwebe, in denen sich ein Nixenkind gefangen.
Es ist Vormittag.
Ringsherum Sonnenschein.
Das Meer funkelt wie ein weißgedeckter Tisch, auf dem eine Million in
Goldstücken aufgezählt liegt.
»Line,« sagt Hann, der in seinem abgetragenen, blauen Drillichanzug in
einiger Entfernung von ihr liegt und, den plumpen Kopf in beide Hände
gestützt, aufmerksam einen wimmelnden Ameisenhaufen betrachtet: »Hast du
wohl acht gegeben -- -- --«
»Still,« unterbricht Line unwillig.
»Ich mein', daß Dietrich Siebenbrod nun ümmer bei uns zu Tisch ißt?«