»Muh!«
»Je, Madamming,« sagte Siebenbrod schon etwas sicherer, »ich dacht mich
auch, es hätt' bis nach dem Begräbnis Zeit.« Und während er den wolligen
Zylinder etwas langsamer drehte, fügte er noch ehrbarer bei: »Denn
vorher schickt sich das doch wohl nich gut?«
»Ach, mein Gott!« murmelte die Witwe.
Dann trat Stille ein.
Eine lange, feierliche Schweigsamkeit, während welcher das Strull-strull
immer langsamer auftönte, um endlich ganz zu verstummen. Auch Siebenbrod
versank wieder in seine würdige Ruhe. Nur daß er jetzt den Zylinder
aufsetzte, als hätte dieser seine Dienste verrichtet, und daß er
aufmerksam in die Ecke des Kuhstalls hinüberlauschte, von wo einige
schwere Seufzer laut wurden. Auf einmal sprach aus der Dunkelheit eine
traurige Stimme: »Siebenbrod, will Er sich denn wirklich das Trinken
abgewöhnen?«
»Je, Madamming, seit drei Tagen all keinen Tropfen mehr. Nich rühr an.«
»Das is gut,« lobte die Witwe und fiel wieder in ihr früheres Grübeln.
»Ja,« fuhr Siebenbrod nun schon beruhigter fort, »und die beiden
Ältesten gehen ja nun aus dem Haus, und Hann lern' ich an, und wenn dann
die lütte Dirn auch erst in die Stadt kommt, je, dann werden wir ganz
gut fertig werden, Madamming.« Und die Witwe nickte in ihrer festeren
Ecke und murmelte in sich hinein: »Ja, ja, Siebenbrod, das is ja soweit
ganz richtig.«
»Je, Madamming, und dann freu' ich mich auch, daß alles so schön in
Ordnung is. -- Denn ich bin nu auch all in die Jahren. Lassen Sie man,
ich werd' Sie die Eimers raustragen helfen.«
Von der Dorfuhr schlug es neun. Ein weiches Abenddunkel sank auf
Moorluke. Auf den beiden schlanken Pappeln vor dem Häuschen hatte sich
eine schwarze Wolke junger Stare niedergelassen und zwitscherte
hundertstimmig Braut-, Wander- und Jugendlieder.
Und der alte Klüth ruhte jetzt doch bereits die siebente Stunde.