Ein 14jähriger Knabe mit einer sehr bedeutenden Vergrößerung der

Mandeln, wodurch Schwerhörigkeit, erschwertes Athmen und Schlucken und

schlechtes Sprechen erzeugt war, wurde vor der Operation drei Minuten

lang ätherisirt. Dann verlor er Gefühl und Bewußtsein, stöhnte tief,

bewegte die Arme unwillkürlich hin und her und schloß den Mund fest mit

zusammengebissenen Zähnen. Ich mußte einige Minuten lang warten, bis

diese krampfhaften Erscheinungen vorüber waren, und halbes Bewußtsein,

aber mit andauernder Gefühllosigkeit zurückgekehrt war. Dann erst konnte

ich, freilich nach einigem Widerstreben die rechte, darauf die linke

Mandel mit einem Haken fassen und mit einem Pott'schen Fistelmesser

ausschneiden. Die Blutung war hier eigentlich nicht stärker, als sie

sonst nach der Exstirpation der Mandeln zu sein pflegt, und wurde

bald durch kaltes Wasser gestillt. Das Oeffnen des Fensters und das

Besprengen des Gesichts mit kaltem Wasser verscheuchten alle nächsten

Nachwirkungen des Aethers.

* * * * *

Der 28jährige Porzellanarbeiter K. war lange Zeit mit einer lästigen

Vergrößerung beider Mandeln behaftet, welche das Ausschneiden derselben

nöthig machten. Nachdem derselbe 3 Minuten Aetherdämpfe eingeathmet

hatte, wurde er bei anscheinend ungestörtem Bewußtsein empfindungslos.

Als ich ihn bat, den Mund zu öffnen, geschah dies, worauf ich zuerst die

rechte Mandel mit einem Doppelhäkchen fixirte und mit einem geknöpften

Pott'schen Fistelmesser mit einem Messerzuge ausschnitt. Dasselbe

geschah an der anderen Seite eben so leicht. Dann nahm ich noch eine

isolirte, am Gaumen sitzende, harte Geschwulst von der Größe einer Erbse

fort. Nachdem die geringe Blutung durch Ausspülen des Mundes mit kaltem

Wasser gestillt war, und ich den Kranken wieder verlassen wollte,

setzte mich die Frage, wann ich die Operation denn vornehmen wolle, in

Erstaunen, da er doch alles Andere, was mit ihm vorgegangen war,

außer der Operation selbst, bemerkt hatte. In naiven Worten schrieb

er darüber: »ich war zwar bei vollem Verstande, doch glaubte ich, die

Operation wäre noch nicht angegangen; ich verspürte auch nicht den

mindesten Schmerz und ich muß aufrichtig gestehen, daß die Anwendung des

Schwefeläthers sehr praktisch ist.«

_Operationen von Nasenpolypen._

Ein Frauenzimmer von einigen 30 Jahren litt seit geraumer Zeit an

beträchtlichen Nasenpolypen, welche das Innere der Nase bis zum Anfange

des hinteren Theils der Mundhöhle ausstopften. Dumpfer Druck im Kopf und

große Athmungsbeschwerden quälten die Arme. Sie unterzog sich freudig

der Operation, athmete auf dem Stuhle sitzend ein Paar Minuten lang

die Aetherdämpfe, schloß sanft die Augen, ließ die Arme am Leibe

herunterhängen und gab keinen Laut von sich. Ich zog ihr dann die

Polypen mit einer Zange aus, ohne daß die Kranke die mindeste Bewegung

machte, oder auch nur durch ein Zucken des Gesichts irgend eine

unangenehme Empfindung ausgedrückt hätte. Dann schlug sie die Augen auf,

lächelte, wunderte sich, daß sie die Luft frei durch die Nase einziehen

könne, und versicherte, daß sie durchaus nichts von der ganzen Operation

wisse.

* * * * *

Etwas verschieden war das Verhalten eines Mädchens von 25 Jahren, dessen

ganze Nasenhöhle mit Schleimpolypen ausgefüllt war. Nachdem 3 Minuten

lang Aetherdämpfe geathmet waren, trat Empfindungslosigkeit, von einigen

Seufzern und Verdrehen der Augen begleitet, ein. Statt des schlaffen

Herabhangens der Glieder bei jener Kranken zogen sich hier alle Muskeln

krampfhaft zusammen. Erst nachdem ich die Polypen mit einer Zange

ausgezogen hatte, wurden die Glieder welk. Dann kam das Mädchen wieder

vollkommen zu sich, sah mich staunend an und sagte: »am Ende ist es wohl

schon vorbei, ich bin wohl operirt worden, ich habe es nicht gefühlt.

Geben Sie mir ein Glas kaltes Wasser, mir ist so wüst im Kopfe.« Nachdem

sie getrunken, fühlte sie sich wieder vollkommen wohl.

* * * * *

Ein Mann von 40 Jahren kam mit Nasenpolypen, welche den Luftweg durch

die Nase gänzlich verschlossen, in die Klinik. Ich fand das Ausziehen

derselben nöthig. Vorher wurde derselbe ätherisirt. Nach vier Minuten

trat Empfindungslosigkeit und gänzliches Aufhören des Bewußtseins ein.

Ich drang zuerst mit der Zange in das rechte Nasenloch ein und

zog gleich beim ersten Zuge einen sehr großen, gelblichen,

halbdurchsichtigen Schleimpolypen aus, welcher an Gestalt dem

eingemachten Ingwer ähnlich war. Eben so brachte ich aus dem linken

Nasenloch einen beträchtlichen Polypen heraus. Unter der einige Secunden

währenden Operation stieß der Kranke mehrere tiefe Seufzer aus und

machte einige abwehrende Armbewegungen. Nach Beendigung derselben wußte

er nicht, was mit ihm vorgegangen war.

* * * * *

Der 22jährige Schuhmacher F. mit Nasenpolypen wurde, nachdem er nur 1

Minute lang ätherisirt worden war, vollkommen passiv und empfindungslos.

Ich zog ihm die Polypen aus beiden Seiten der Nasenhöhle aus, ohne daß

er etwas davon fühlte.

* * * * *

Julius P., mit großen fibrös-speckigen Nasenpolypen, durch welche das

knöcherne Nasengerüste auseinander gedrängt war, wurde nach 4 Minuten

der Einathmung betäubt. Ich konnte die Polypen, ohne daß sich eine

Schmerzempfindung bei dem Kranken äußerte, aus beiden Nasenhöhlen

mit der Zange ausziehen, ungeachtet diese sich bis zur Rachenhöhle

erstreckten. Erst nach Beendigung der Operation erwachte er und blickte

erstaunt um sich. Er hatte die ganze Operation angenehm verträumt.

* * * * *

Es kam ein 12jähriger Knabe mit einer höchst abschreckenden Physiognomie

in die Klinik. Die Mitte des Gesichts war weit herausgewölbt, und Nase

und Wangen bildeten zusammen einen gleichmäßigen Hügel; die Augen lagen

weit vor. Diese grausenhafte Entstellung war die Folge von fibrösen

Geschwülsten, welche in dem hinteren Theil der Nasenhöhlen bis zum

Gaumen hin sich gebildet und die Gesichtsknochen von einander gedrängt

hatten. Seit Jahren war durch diese Geschwulst der Athmungsweg durch

die Nase vollkommen abgesperrt, und das unglückliche Kind daher immer

genöthigt, durch den weit geöffneten Mund zu respiriren. Mit jedem Monat

nahmen die Gewächse in der Nase an Umfang zu, die Augenhöhlen wurden

zusammengedrückt und die Augäpfel immer mehr herausgedrängt. Auch

stand ein baldiger Durchbruch durch die breitgezogenen, verdünnten

Nasenknochen bevor, so wie auch Erstickungsgefahr im Schlafe vorhanden

war. Vergebens hatte man sich schon früher bemüht, durch Ausziehen

mittelst Zangen einen Theil des Aftergebildes zu entfernen, bis endlich

das Kind nach Berlin gebracht wurde.

Nicht ohne Sorge schritt ich zu der tief eingreifenden Operation,

welche ich von den Nasenlöchern aus wegen der Größe und Ausdehnung der

Geschwülste für unmöglich hielt. Auch hatte ich die große Reizbarkeit

des Kindes zu scheuen, welches bei dem Gedanken an eine neue Operation

zitterte, obgleich es deren Umfang nicht ahnte. So sehr ich mich auf die

Anwendung der Aetherdämpfe in diesem Falle freute, so war dieselbe doch

bei dem gänzlich aufgehobenen Athmen durch die Nase äußerst bedenklich,

und es mußte um den Knaben nicht der Erstickungsgefahr auszusetzen,

äußerst behutsam zu Werke gegangen werden. Ich ließ das Einathmen

der Aetherdämpfe daher in Absätzen vornehmen und zwischendurch wieder

atmosphärische Luft einziehen, trieb die Sache aber nicht bis zur

Bewußtlosigkeit, sondern begann die Operation mit dem Eintritt der

ersten Zeichen der Empfindungslosigkeit. Ich machte nun zuerst zwei

herabsteigende Schnitte durch die Gesichtshaut an der Stelle, wo im

natürlichen Zustande die Gränze zwischen der Nase und den Wangen sich

befindet, und vereinigte diese unter der Nase durch einen Querschnitt.

Den auf diese Weise gebildeten Lappen, welcher die ganzen Knorpel und

Weichgebilde der Nase enthielt, wurde von dem Grunde getrennt und nach

Durchschneidung der Scheidewand und Lösung vom Knochengerüste in die

Höhe geschlagen. Während ein Assistent die umgekehrte Nase an der Stirn

festhielt, konnte ich zu dem frei und offen liegenden vorderen Theil der

Geschwulst gelangen. Sie wurde mit einem Haken fixirt und mit einer auf

der Fläche gebogenen Scheere gelöst und ausgeschnitten, wobei sie sich

von fester, unzerreißbarer, sehnenartiger Substanz zeigte. Die Mitte

enthielt eine Höhle, welche mit einer molkigen Flüssigkeit angefüllt

war. Jetzt war der Durchgang von vorn bis hinten zum Schlunde und

Kehlkopf frei, alles Krankhafte entfernt, und die Operation nun durch

Wiederanheften der Nase zu vollenden. Dieses bewirkte ich durch

eine Anzahl feiner Nähte, und bald war das Ansehen des Kindes ein

natürliches. Außer tiefem Seufzen und Stöhnen während der Operation

verrieth das Kind kein deutliches Schmerzgefühl, und als es dann wieder

zu sich kam, behauptete es nur, daß man es gekratzt habe.

* * * * *

Carl N., ein fremder Knabe von 14 Jahren, sah noch weit schrecklicher

aus als der vorige, denn er hatte kaum eine menschliche Physiognomie,

da die vordere Fläche des Gesichts eine Halbkugel bildete, und die Nase

glatt verstrichen war. Diese Entstellung war die Folge großer, im

Innern der Nasenhöhle wuchernder fibröser Polypen, welche selbst in die

Thränensäcke hineinwucherten und an dieser Stelle zwei Geschwülste von

der Größe einer halben kleinen Haselnuß bildeten. Die Augen lagen weit

vor und der Mund war immer weit geöffnet, durch welchen der Knabe nur

mühsam athmete, da die Polypen sich auch weit hinter das Gaumensegel

hinab erstreckten. Dem unglücklichen Kinde war schon früher von mehreren

geschickten Aerzten ein Theil der Polypen ausgezogen worden, doch hatte

dies nur eine vorübergehende Erleichterung verschafft. Von dem bloßen

Ausziehen war bei dem Umfange des Uebels aber wenig zu erwarten, da

durch die Nasenlöcher immer nur ein Theil der Geschwulst erreicht werden

konnte. Der Kranke wurde vor der Operation drei Minuten lang ätherisirt,

worauf er betäubt wurde. Indessen war er bei der Operation sehr unruhig

und erschwerte mir dieselbe durch heftige Bewegungen. Es mußten die

Weichgebilde der eine wenig erhabene Fläche bildenden Nase zuerst in der

Gestalt eines länglichen Vierecks losgetrennt und nur mit der Stirnhaut

in Verbindung gelassen werden. Nachdem dies geschehen war, schlug

ich diesen Lappen in die Höhe und ließ ihn an der Stirn halten. Dann

entfernte ich theils mit der Säge, theils mit der Knochenscheere

zu beiden Seiten der flachen Nasenknochen ein Paar pyramidenförmige

Knochenstücke, deren breite Basis 3/4 Zoll betrug. Von diesen weiten

Oeffnungen aus konnte ich die Polypen theils mit Zange und Scheere,

theils mit der Zange allein bis hinter dem Gaumensegel entfernen und

selbst die Thränensäcke ausräumen. Die Menge der extrahirten Masse war

enorm, die Blutung bei der Operation sehr heftig. Der Kranke behielt

immer die nämliche Unruhe, ohne bei der Operation zu sich zu kommen.

Endlich waren die inneren Räume der Nase bis in den Rachen hinein frei,

worauf ich, nach Stillung der Blutung durch anhaltende Einspritzungen

von kaltem Wasser, zur Vereinigung der gelösten Weichtheile der Nase

schreiten konnte, welche dann schnell durch eine Anzahl umschlungener

und Knopfnähte bewirkt wurde. In die durch Aussägen eines großen Theiles

des Oberkiefers bewirkten Knochenspalten wurden dann die Weichgebilde

mittelst Charpie und Pflaster hineingedrängt, nachdem die Mitte der Nase

stark vorgezogen war, so daß dieselbe Prominenz gewann. Nach Beendigung

der Operation versicherte der Kranke, sehr heftige Schmerzen empfunden

zu haben. Die Heilung der vereinigten Wunden erfolgte schon in wenigen

Tagen, und der Kranke gab ungeachtet der Größe der Operation keinen

Augenblick zu Besorgnissen Gelegenheit.

_Nasenbildungen._

Die rhinoplastischen Operationen, welche ich bereits unter Anwendung der

Aetherdämpfe gemacht habe, sind die folgenden.

Otto K., ein 15jähriger Knabe, welchem der vordere Theil der Nase durch

scrophulöse Geschwüre zerstört war, kam in die Klinik, um durch die

Neubildung des verstümmelten Theiles der menschlichen Gesellschaft

wiedergegeben zu werden. Am Tage vor der Operation wollte ich die

Aetherdämpfe auf ihn prüfen. Nachdem er dieselben nur eine Minute lang

geathmet hatte, wurde er so tief betäubt und bewußtlos, daß man ihn

schnell der frischen Luft aussetzen und belebende Mittel anwenden mußte.

Bald darauf war er wieder vollkommen hergestellt. Am nächsten Tage

äußerte sich der Aether bei diesem jungen Menschen, welcher noch nie

geistige Getränke genossen hatte, welchem Umstande wohl die schnelle

Einwirkung des Aethers zuzuschreiben war, schon minder stark; er wurde

erst nach 2 Minuten empfindungs- und bewußtlos, behielt aber, auf einem

Stuhle sitzend, die aufrechte Stellung bei. Ich schritt zur Operation.

Zuerst wurden die Ränder der verstümmelten Nase abgeschnitten, um an sie

den neuen Ersatztheil anheften zu können, darauf spaltete ich den Rest

des Nasenstumpfes zur Aufnahme der ernährenden Brücke, und endlich

umschnitt ich an der Gränze des Haarwuchses, im höchsten Theile der

Stirn anfangend, nach abwärts mit dem Messer gehend, ein dem Defect

der Nase entsprechendes Stirnhautstück, welches vom Stirnbein gelöst,

umgedrehet und herabgelegt, durch Nähte mit dem Nasenstumpf in genaue

Verbindung gebracht wurde. Bei der ganzen Operation, welche, mit

Inbegriff von 16 Nähten, 15 Minuten dauerte, selbst bei ihrem

schmerzhaftesten Theile, der Abtrennung der überhäuteten Ränder des

Nasenstumpfes, saß der Knabe regungslos auf dem Stuhle, ohne einen

Schmerzenslaut von sich zu geben. Nachdem er ganz wieder zu sich

gekommen war, wollte er kaum glauben, daß die Operation schon geschehen

sei, und überzeugte sich erst durch das Hinfühlen mit den Fingern nach

der neuen Nase, von der glücklichen Wirklichkeit. Als ich ihn fragte, ob

er auch Schmerzen empfunden habe, versicherte er, daß er vom Augenblick

des Berauschtwerdens bis zu seinem Wiedererwachen durchaus nichts von

sich gewußt habe.

* * * * *

Louise D., ein schönes, 16jähriges Mädchen, welches in frühester

Kindheit den vorderen Theil der Nase nebst der Nasenscheidewand durch

skrophulöse Geschwüre eingebüßt hatte, so daß man in die unheimliche

Tiefe der inneren Nase hineinblicken konnte, unterzog sich in der Klinik

der Operation des Wiederersatzes des Fehlenden. Es schmerzte mich zwar,

aus der schönen Stirn, so viel als ich gebrauchte, zu nehmen, doch da

kein sehr großes Hautstück nöthig war, die dünne welke Armhaut

sich nicht zum Bilden eignete, so durfte ich hoffen, die Ränder der

Stirnwunde wieder dicht zusammenzubringen, so daß nur ein fadenförmiger

Streifen den Ort bezeichnete, woher die Nasenspitze genommen war.

Nachdem die Kranke zuvor drei Minuten lang die Aetherdämpfe eingeathmet

hatte, trat der Zustand der Empfindungslosigkeit ein. Jetzt begann ich

das Wundmachen der Ränder des Nasenstumpfes und des oberen Theils

der Oberlippe zur Einpflanzung der Scheidewand, spaltete dann den

Nasenrücken, löste einen zollbreiten Streifen aus der ganzen Höhe der

Stirnhaut, drehte den heruntergelegten Lappen um und befestigte ihn

mit Nähten an dem Bestimmungsorte. Dies, was auf dem Papier so leicht

aussieht, ward ziemlich schnell unter Stürmen, wie ich sie noch nicht

erlebt habe, vollendet. Eine Reihe höchst seltsamer Erscheinungen

hatte ich nämlich während der Operation bei der Kranken in Folge der

Einwirkung des Aethers zu überwinden. Nachdem sie drei Minuten lang

denselben eingeathmet hatte, wurde das Mädchen empfindungslos. Unter

den ersten Messerzügen sprach sie von einem schönen Traume, den sie

eben gehabt habe, von glänzenden Gesichtern und Gewändern, von hellen,

schönen Lichtern und sanfter Musik. Dann schrie sie über ein Wehe, sie

werde gekratzt, und mit jedem Augenblick wurde die Aufgeregtheit

stärker und steigerte sich bis zur größten Wildheit mit herzzerreißenden

Ausdrücken, als wolle man sie morden. Nur durch neue Einathmungen konnte

sie besänftigt werden. Der glänzendste Erfolg der Operation belohnte das

junge Mädchen für den Muth, mit welchem sie sich derselben unterzogen

hatte.

* * * * *

Mad. K., 56 Jahre alt, ließ sich wegen einer Zerstörung des oberen

Theils der Nase in die Klinik aufnehmen. Von der Nase war nur noch die

knorpelige Spitze erhalten, diese jedoch eingefallen. Schon nach drei

Minuten der Einathmung der Aetherdämpfe wurde sie empfindungslos.

Nachdem ich die Einschnitte zur Aufnahme des einzupflanzenden

Stirnhautlappens in die Gesichtshaut gemacht hatte, umschnitt ich in

der Mitte der Stirn ein Hautstück von der erforderlichen Größe und der

Gestalt einer umgekehrten Pyramide, löste dieses vom Knochen, drehte

es um, und nachdem ich es heruntergelegt hatte, befestigte ich es

mit Nähten an die zu seiner Aufnahme eingerichteten Wundränder des

Nasenrestes und der Gesichtshaut. Die Stirnwunde wurde durch Nähte

verkleinert und mit Charpie verbunden. Als ich die Kranke, welche jetzt

allmählig zu sich kam, fragte, ob sie auch Schmerzen ausgestanden,

verneinte sie dies, wohl aber erinnerte sie sich aller Umstände bei der

Operation und auch jedes Wortes, welches bei derselben gesprochen wurde.

Der Erfolg der Operation war vollkommen günstig, der Lappen heilte

überall an und bildete binnen Kurzem ein schönes Oval. Nach 6 Wochen war

der Zeitpunkt der weiteren Formirung der Nase gekommen. Vorher

wurden die Aetherdämpfe 4 Minuten lang angewendet, worauf völlige

Bewußtlosigkeit eintrat. Ich nahm aus der linken Seite des Lappens durch

zwei elliptische Einschnitte ein längliches Oval heraus, und entfernte

durch zwei Querschnitte eine tiefe Furche, welche sich zwischen dem

angesetzten Nasenrücken und dem erhaltenen, knorpeligen, vorderen Theile

der Nase gebildet hatte. Hierauf wurden sowohl die Seiten als auch die

Querwunde mit abwechselnden Knopf- und umschlungenen Nähten vereinigt.

Während der fünf Minuten, der Dauer dieser Nachoperation, war sie

vollkommen regungslos, gab keinen Laut von sich und erklärte später,

nichts von der Operation wahrgenommen zu haben. Die Kranke ist bereits

vollkommen hergestellt und über das natürliche Aussehen ihrer Nase

höchst beglückt.

* * * * *

Ein 60jähriger, sehr empfindlicher Herr aus Schlesien, dem durch

Krebs ein Theil der rechten Seite des Nasenrückens bis in den inneren

Augenwinkel hinein zerstört war, wurde durch eine früher unternommene

Ausschneidung des Krankhaften und eine allgemeine Behandlung nicht

geheilt. Ich sah kein anderes Mittel, als die durch Krebs umgewandelten

Theile auszuschneiden und ein gesundes Stück wieder einzusetzen. Vor

der Operation athmete der Kranke nur drei Minuten lang Aetherdämpfe

ein, dann wurde er empfindungslos. Ich konnte die Ausschneidung

des entarteten Nasentheiles und des inneren Augenwinkels bis in die

Augenhöhle hinein, so wie eines Theiles der Augenlider, vornehmen, ohne

daß der Patient es merkte. Selbst als ich dann ein achtgroschengroßes

Hautstück aus der Stirne löste, dies zum Ersatz der fehlenden Theile

verwendete, und mit einer Anzahl Nähte befestigte, blieb er immer noch

in einem völlig bewußtlosen Zustande. Erstaunt erfuhr er beim Erwachen,

daß die Operation schon vollendet sei.

* * * * *

Israel L., 22 Jahr alt, hatte durch Skropheln den vorderen knorpligen

Theil der Nase verloren. Ich ersetzte denselben kurz vor der Aetherzeit

(noch unter Schmerzen) durch einen pyramidalischen, gestielten Lappen,

nach Spaltung des Nasenstumpfes, aus der Stirnhaut. Der Lappen war

überall genau angewachsen, und es bedurfte nur der gewöhnlichen

Nachoperation zur Vollendung der Gestalt der noch unförmlichen Nase. Der

Kranke wurde jetzt ätherisirt und sehr bald betäubt. Ich umgab die

auf dem Rücken befindliche, erhabene Brücke mit zwei langen, concaven

Schnitten, trennte das Stück ab und vereinigte die Wundränder auf

dem Rücken der Nase durch eine Reihe von umschlungenen feinen

Insectennadeln, deren Enden kurz an den Fäden abgeschnitten wurden. Der

Kranke ertrug die Operation ohne alle Empfindung und erwachte dann

aus seinem Rausche. Die Heilung gelang, und es blieb nur noch die

Verbesserung der zu langen Scheidewand übrig.

* * * * *

Carl V., Landmann, hatte durch Herpes exedens (fressende

Gesichtsflechte) die Nase großentheils verloren, nur der obere Theil

war stehen geblieben und mit einer speckig entarteten, feuerrothen, mit

Pusteln und Schuppen bedeckten Haut überzogen. Ein gleiches Aussehen

hatten die Wangen. Der Patient wurde vor der Operation einer längeren

Cur unterworfen, und jene dann vorgenommen. Nachdem er vier Minuten lang

ätherisirt worden war, verschwanden die Empfindung und das Bewußtsein,

es war der Zustand einer tiefen Ohnmacht. Ich konnte alle die nöthigen

Einschnitte zur Aufnahme des Lappens machen, die Oberlippe innen vom

Kiefer lösen, die kranke Haut von den Nasenbeinen abtrennen und einen so

großen Lappen, als zum Ersatz der ganzen Nase und der Scheidewand nöthig

war, aus der Stirnhaut ausschneiden, ohne daß der Kranke es fühlte oder

nur merkte. Eben so regungslos blieb er bei dem Anheften der neuen

Nase durch 20 umschlungene und Knopf-Nähte, so wie beim Vereinigen der

Stirnwunde, welches nur so weit fortgesetzt werden konnte, als dies

der Substanzverlust zuließ. Erst nach völliger Beendigung der Operation

erwachte der Kranke und war verwundert, daß Alles vorüber sei. Er

versicherte, durchaus keine Schmerzen empfunden zu haben. Der Erfolg war

höchst günstig, und der Lappen heilte ungeachtet der Schlechtigkeit

des Bodens überall an. Auch verbesserte sich in kurzer Zeit die

üble Beschaffenheit der Wangen durch die Einpflanzung des gesunden

Hauttheiles aus der Stirne, -- eine Erfahrung, welche ich unter

ähnlichen Umständen oft gemacht habe.

_Operation einer großen Brandnarbe am Halse._

Fräulein Z., 14 Jahre alt, hatte in früher Kindheit durch Feuerfassen

der Kleidung eine Verbrennung der Haut an der vorderen und Seiten-Fläche

des Halses und unter dem Kinn erlitten. Die danach entstandenen dicken,

schwieligen Narben zogen das Kinn herab, so daß eine Hautfalte in

gerader Linie vom Kinn bis zur Brust herabstieg. Binnen anderthalb bis

zwei Minuten trat ein Rausch ein, in dem die Patientin die Operation

nur undeutlich fühlte, dabei einzelne Worte mit einer gewissen Hast

aussprach. Das operative Verfahren war folgendes. Ich führte am Rande

des Unterkiefers zu beiden Seiten des Kinns zwei schräge Schnitte

nach abwärts, die oberhalb des Brustbeins in einem spitzen Winkel

zusammentrafen. Der Hauttheil, welcher den vorragenden Theil der

Narbenfalte umschloß, wurde dann als ein dreieckiger Lappen von unten

nach oben zu abpräparirt, unter das Kinn hinaufgerückt, und der untere

Theil der Wunde durch eine Reihe Knopfnähte vereinigt. Es war dies die

Methode plastischer Operationen, welche ich in meiner Chirurgie mit

dem Namen »_Verdrängen_« bezeichnet habe. Der Operationsort wurde mit

Charpie und Pflasterstreifen bedeckt. Die Kranke gab an, undeutliche

Schmerzempfindungen bei der Operation gehabt zu haben.

_Operationen der Hasenscharte._

Der Aether gegen den Schmerz · 第 10 / 13 段