Mad. K., 44 Jahr alt, eine geistvolle, zarte Dame, mit einer großen,

fest aufsitzenden skirrhösen Entartung der ganzen linken Brustdrüse,

welche soeben aufzubrechen drohte, entschloß sich nach Jahre langem

vergeblichem Gebrauch der bewährtesten Mittel, besonders durch die

folterähnlichen Schmerzen getrieben, zur Abnahme der Brust. Nach 6-8

Minuten der Einathmung der Aetherdämpfe machte ich die Operation. Zwei

elliptische, von der Achselhöhle schräg abwärts nach dem Brustbein zu

verlaufende Schnitte umfaßten die kranke Haut und die vergrößerte Drüse.

Letztere wurde dann an ihren Rändern und an ihrem Grunde, welcher sehr

fest mit dem Brustmuskel zusammenhing, abgetrennt. Während der ganzen

Operation gab die Kranke, welche vollkommen bewußtlos war, keinen Laut

von sich. Nach Beendigung derselben stellte sich Erbrechen ein, welches

sich auch später wiederholte. Nachdem die Patientin wieder zu sich

gekommen war, versicherte sie, keine Spur von Schmerz empfunden zu haben

und nicht zu wissen, daß sie operirt worden sei.

* * * * *

Zu den gräßlichsten Operationen gehört die Abnahme der Brust, wenn diese

durch Markschwamm einen sehr großen Umfang erreicht hat. Frau N., einige

40 Jahre alt, kam mit einer fast menschenkopfgroßen Anschwellung der

linken Brustdrüse in die Klinik. Die Unglückliche war schon früher

anderweitig an einer faustgroßen Krebsgeschwulst oberhalb der Brustdrüse

operirt worden, worauf die Drüse selbst anfing sich zu vergrößern und

den erwähnten Umfang zu erreichen. Vergeblich waren die verschiedensten

Mittel angewendet worden, doch blieb jetzt nichts anderes übrig, als die

Operation zu unternehmen, nach welcher die Arme schon der unerträglichen

Schmerzen wegen sich wie nach einer Erquickung sehnte. Der Größe der

Operation wegen ließ ich die Kranke zuvor durch Aether tief betäuben,

wozu 10 Minuten erforderlich waren. Da die Haut auf der Drüse gesund

war, so konnte ich davon so viel sparen, als zur vollständigen Deckung

der Wunde nöthig schien. Zwei halbmondförmige Schnitte, in deren Mitte

die Warze lag, wurden quer über die Brust durch die Haut geführt, diese

abgelöst, die ungeheure Geschwulst von ihrem Boden abgetrennt, und

zuletzt noch eine Achseldrüse von der Größe einer mäßigen Pflaume

von der nämlichen Wunde aus exstirpirt. Die Blutung aus unzähligen

erweiterten Gefäßen war so stark, daß Alles im Blute schwamm, und

wenigstens 3 Pfund desselben verloren gingen; doch wurde sie schnell

durch Unterbindung, durch Kälte und Druckverband gestillt, und später,

als eine Nachblutung weniger zu besorgen war, die Wundränder vereinigt.

Von der Operation hatte die Kranke gar nichts empfunden, doch war ich

froh, als ich sie erst wieder im Bette sah, da die Betäubung tief, und

der Blutverlust so bedeutend war. Wahrscheinlich war aber die Stärke der

Blutung bei diesem hohen Grade der Betäubung nützlich. Nach 3 Wochen war

die Wunde geheilt.

* * * * *

Wittwe St., 68 Jahr alt, litt an einer faustgrossen Krebsgeschwulst der

linken Brust, welche die ganze Drüse einnahm, steinhart war, fest aufsaß

und nach vorn gegen das Brustbein zu bereits eine aufgebrochene

Stelle zeigte. Unerträgliche Schmerzen nöthigten die arme Frau zu der

Operation. Nachdem sie nur zwei Minuten ätherisirt worden war, schien

sie vollkommen betäubt zu sein. Ich führte zwei halbovale Schnitte durch

die Haut, welche am Brustbein und gegen die Achselhöhle zu in spitzen

Winkeln zusammentrafen, und löste dann die Brustdrüse von den Rippen ab.

Die Blutung war sehr stark, und die durchschnittenen Arterien spritzten

an vielen Orten. Gesunde Haut war bei der Operation zur Deckung der

Wunde im Ueberfluß erspart worden. Als die Kranke, welche bei der ganzen

Operation weder gezuckt noch einen Laut von sich gegeben hatte, wieder

zu sich kam, sah sie die Umstehenden erstaunt an und konnte nicht

begreifen, daß sie schon operirt sei, denn sie hatte das ganze blutige

Ereigniß angenehm verträumt.

_Operation der Nerven-, Balg- und Fettgeschwülste._

Zu den Uebeln, welche im Stande sind, bei anscheinender Unbedeutendheit

die fürchterlichsten Erscheinungen zu erregen, gehört die

Nervengeschwulst (Neurom). Ein solches Neurom, nur von der Größe einer

Erbse, hatte bei einer jungen, blühenden, 30jährigen Frau seinen Sitz

dicht über der inneren Seite des rechten Kniees. Es war dies Uebel

wegen seiner unerhörten Schmerzhaftigkeit, indem feurige Blitze von

dem kleinen, harten Punkt aus nach allen Seiten durch das ganze Glied

hinschossen, so recht geeignet, den Aether auf die Probe zu stellen,

wenn ich die Geschwulst operirte. Kaum hatte die Kranke drei Minuten

lang die Dämpfe eingeathmet, als sie sanft zurücksank und vollkommen

empfindungslos wurde. In dem Augenblick machte ich einen kleinen

Einschnitt von 1/6 Zoll Länge, fixirte die frei gewordene Geschwulst

mit einem Häkchen und trennte sie mittelst eines strohhalmbreiten

Messerchens in einem Augenblicke heraus. Als die Frau dann wieder zu

sich kam, war sie ganz erstaunt und versicherte, bei der Operation nicht

allein keinen Schmerz empfunden zu haben, sondern gar nicht zu

wissen, daß sie schon operirt sei. Die Wunde wurde dann mit einem

Pflasterstreifen geschlossen.

* * * * *

Frau P. litt seit Jahren an einer bohnengroßen Nervengeschwulst an

der inneren Seite des linken Fußes unfern vom Knöchel. Unglaubliche

Schmerzen, welche wie Blitze das ganze Glied durchzuckten und sich

zuweilen bis in den Unterleib hineinerstreckten, wonach ein heftiger

hysterischer Anfall eintrat, hatten die Kranke bereits sehr erschöpft.

Vor der Operation wurde dieselbe 1½ Minuten ätherisirt, worauf sie

bewußtlos wurde. Ich spaltete die Haut, faßte die Geschwulst mit einem

Häkchen und schnitt sie aus. Die Kranke empfand dabei gar nichts und kam

bald wieder zu sich.

* * * * *

Ein junger Mann, dem ich eine Balggeschwulst von der Größe eines

Taubeneies über dem äußeren Rande des rechten oberen Augenlides

exstirpirte, verrieth, ungeachtet er vier bis fünf Minuten lang

Aetherdämpfe geathmet hatte, ein deutliches Schmerzgefühl. Auch nachdem

seine Sinne wieder vollkommen klar geworden waren, versicherte er, bei

der Operation lebhafte Schmerzen gehabt zu haben.

* * * * *

Ein Mann von 40 Jahren trug seit längerer Zeit eine Balggeschwulst von

der Größe einer Bohne im rechten oberen Augenlide nahe am Augenwinkel.

Nachdem derselbe zuerst mit einem aus einer Blase und einem Mundstücke

bestehenden Athmungsapparat drei Minuten lang die Aetherdämpfe

eingeathmet hatte, und noch nicht die geringste Wirkung eintrat, hielt

ich ihm einen mit Aether befeuchteten Schwamm vor Mund und Nase. Nach

zwei Minuten verlor er die Empfindung, und auch das Bewußtsein wurde

getrübt. Unter tiefem Stöhnen vollendete ich mit ein Paar Schnitten

die Entfernung der kleinen Balggeschwulst, deren ursprünglich reiner,

klarer, wässriger Inhalt sich bereits in eine braune Flüssigkeit

verwandelt hatte, welches einen nahen Aufbruch der Geschwulst

andeutet. Nach der Operation wußte der Mann nichts von dem, was mit ihm

vorgegangen war.

* * * * *

Clara H., 1 Jahr alt, hatte zwischen der Nase und dem unteren rechten

Augenlide eine entstellende Balggeschwulst von der Größe einer

Haselnuß, deren Inhalt aus zarten Zellgewebshöhlen mit einem kalkigen

Niederschlage bestand. Vor der Operation wurde das Kind 2½ Minuten

lang ätherisirt, ohne daß das Schreien aufhörte. Ich exstirpirte die

Geschwulst mit zwei elliptischen Schnitten und heftete die Wundränder

durch 4 feine Knopfnähte, worauf jede Entstellung verschwunden war. Der

Schmerz schien nicht empfunden worden zu sein.

* * * * *

Caroline B., 36 Jahr alt, hatte an der hinteren Seite der rechten

Schulter eine feste Sackgeschwulst, deren Inhalt ein dicker Brei war.

Nach 2½ Minuten der Aetherisation stellte sich ein unruhiger Rausch ein,

doch konnte ich die Operation, wobei ich die Haut auf der Geschwulst

durch einen langen Schnitt spaltete und dann die Exstirpation vornahm,

ohne Störung vollführen. Die Kranke war dabei empfindungslos und hatte

die Operation nur dunkel, aber ohne Schmerzen wahrgenommen.

* * * * *

Eine sehr große Fettgeschwulst auf dem Rücken eines jungen Mädchens

hatte dasselbe stets mit bangem Gefühl erfüllt, wenn es nur entfernt an

die Operation dachte. Immer größer wurde das Gewächs, immer grösser die

Angst, an ein Verbergen durch die Kleider war nicht mehr zu denken, da

die Geschwulst die Größe eines mittelmäßigen Kürbisses erreichte. Der

Aether kam und mit ihm der Muth zur Operation. Die Kranke athmete ihn

6 Minuten lang ein, bis sie empfindungslos wurde, dann führte ich zwei

elliptische Schnitte über den Rücken hinab, umfaßte damit den verdünnten

Theil der Haut auf der Höhe der Geschwulst und trennte sie von

ihrer Verbindung. Dabei gab die Patientin keinen Laut von sich und

versicherte, nachdem sie verbunden war, durchaus nichts von der

Operation empfunden zu haben, obgleich sie genau die Worte des

Assistenten, welcher in ihrer peinlichen Lage ihr zunächst gestanden und

sie unterstützt hatte, wiederholte.

* * * * *

Ferdinand K., 30 Jahr alt, athmete 3 Minuten lang den Aetherdunst,

worauf ein ziemlich heftiger Rausch mit völliger Empfindungslosigkeit

eintrat. Es wurde ihm dann wegen seiner großen Unruhe nicht ohne

Schwierigkeit die Balggeschwulst ausgeschnitten. Schmerzen empfand er

dabei nicht.

_Die Operation des Blutschwamms._

Die Operation des gutartigen Blutschwamms (der Angiectasie und

Telangiectasie) kam nur bei Kindern vor. Die Aetherwirkung zeigte sich

bei ihnen auf eine auffallende Weise verhältnißmäßig später als bei

Erwachsenen, und die Kinder, welche schon vor der Operation schrieen,

fuhren damit öfter auch unter der Operation, nur leiser und mit

verändertem Ton fort.

* * * * *

August R., 10 Monate alt, athmete 2½ Minuten. Er schrie vorher mit

lauter Stimme, mit dem Eintritt der Bewußtlosigkeit verwandelte sich das

anhaltende Schreien in einzelne unterbrochene Laute. Ich begann dann

die Operation eines 2 Zoll langen, 1/2 Zoll breiten, sehr erhabenen

Blutschwamms an der rechten Seite der Brust, indem ich denselben mit

einer Balkenzange seiner Länge nach zusammendrückte, mit zwei langen

Concavschnitten umgab und dann in der Tiefe ablöste. Eine Menge

ausgedehnter Arterien ergossen in vielen Strahlen das Blut, so daß es 8

umschlungener Insectennadeln zur genauem Vereinigung der Wundränder

und zur Stillung der Blutung bedurfte. Das Kind schien keine Schmerzen

empfunden zu haben und kam sogleich wieder zu sich.

* * * * *

Marie G., 8 Monate alt, war mit einem kleinen Blutschwamm an der inneren

Seite der rechten Schamlefze geboren, welcher allmälig zwei Drittheile

ihrer Oberfläche in eine vorragende, dunkelrothe Geschwulst mit

sammtartigem Ueberzuge verwandelt hatte. Die Operation durfte nicht

länger aufgeschoben werden, da gefährliche Blutungen zu fürchten waren.

Das Kind, welches auf dem Schooße der Wärterin gehalten wurde, athmete

mittelst eines Schwamms 3 Minuten lang Aetherdämpfe ein, worauf es mit

Schreien plötzlich nachließ und aussah, als wolle es einschlafen. Ich

faßte nun den Blutschwamm mit einer kleinen Balkenzange, schnitt ihn

mittelst eines kleinen, strohhalmbreiten Messers durch zwei elliptische

Incisionen aus, und vereinigte dann die Wundränder durch fünf

Knopfnähte, wodurch gleichzeitig die starke Blutung gestillt wurde. Die

Operation schien ohne allen Schmerz gewesen zu sein. Das Kind kam nach

Besprengen des Gesichts mit kaltem Wasser sogleich wieder zu sich.

* * * * *

Marie P., 10 Monate alt, war mit einem kleinen Blutschwamm des Kopfes

auf der Mitte des linken Scheitelbeins geboren. Man hatte dagegen

vergebens allerlei zusammenziehende Mittel angewendet, doch der

Blutschwamm, statt sich zu verkleinern oder gar zu verschwinden, war

immer größer geworden und hatte zuletzt den Umfang eines kleinen Thalers

und eine Höhe von 2 Linien erreicht. Das Kind, welches stark war,

unbändig schrie und kaum gehalten werden konnte, wurde, nachdem es 1

Minute lang Aetherdämpfe geathmet hatte, schlaff und müde. Ich führte

zwei convergirende Messerschnitte bis auf die Beinhaut durch die

Geschwulst und ließ von ihrem Rande so viel stehen, daß die Vereinigung

der Wunde möglich war. Das aus vielen durchschnittenen erweiterten

Gefäßen hervorstürzende Blut wurde schnell durch 6 lange, starke, mit

Fäden umschlungene Insectennadeln gestillt, deren Druck auf die Ränder

die Verdichtung des ausgedehnten Gewebes herbeiführen sollte. Nachdem

die Nadeln dicht an den Fäden abgeschnitten waren, wurde eine kalte

Compresse aufgelegt. Unter der Operation drückte das Kind nur durch

dumpfes Stöhnen einen unbehaglichen Zustand aus; nach derselben kam es

auf Besprengen mit kaltem Wasser sogleich wieder zu sich.

* * * * *

Pauline Z., 1 Jahr alt, hatte einen erhabenen Blutschwamm von der Größe

und der Gestalt einer kleinen Bohne am oberen Theil der linken Wange.

Nachdem das stark schreiende Kind 1 Minute lang ätherisirt worden war,

wurde es plötzlich still und matt. Ich schnitt darauf die Geschwulst

durch zwei halbelliptische Schnitte aus und vereinigte die Wunde durch

drei umschlungene Nähte. Dann erst erwachte das Kind wieder.

* * * * *

M. A., 7 Monat alt, mit einem feuerrothen, stark erhabenen Blutschwamm

von der Größe eines Silbersechsers an der linken Seite der Stirne wurde

4 Minuten lang ätherisirt. Das heftige Schreien wurde dann matter, ich

schnitt den Schwamm, ohne daß das Kind Schmerzen verrieth, heraus und

vereinigte die Wunde durch drei umschlungene Insectennadeln. Gleich

darauf war es wieder ganz munter.

* * * * *

Friederike M., 4 Monat alt, war mit einem Blutschwamm der rechten Seite

der Oberlippe geboren, welcher sich bis zu dem Umfange einer mäßigen

Himbeere vergrößerte, die ganze Dicke der Lippe einnahm und sich bis an

das rechte Nasenloch erstreckte. Das stark schreiende und sich wehrende

Kind wurde erst nach 3 Minuten der Einathmung vollkommen ruhig und

schloss die Augen halb. Mit Leichtigkeit konnte ich einen Keil, welcher

den Blutschwamm in sich faßte, ausschneiden und durch vier umschlungene

Insectennadeln nicht nur die Wundränder genau vereinigen, sondern

auch zugleich die sehr starke Blutung stillen. Das Kind kam nach der

Operation sogleich wieder zu sich.

* * * * *

Der 4 Monat alte Schiffersohn, August P., war mit großen Blutschwämmen

des Gesichts und einem an der Brust geboren, welcher fast den Umfang

einer flachen Hand erreicht hatte. Zuerst wollte ich die Operation eines

sehr erhabenen, von der Größe eines Thalerstücks, an der rechten

Seite der Stirne vornehmen; das Kind wurde, nachdem es 2 Minuten

lang Aetherdämpfe geathmet hatte, vollkommen ruhig, worauf ich zwei

Drittheile der Geschwulst durch zwei elliptische Schnitte entfernte

und darauf sechs umschlungene Nähte, wodurch sogleich die sehr heftige

Blutung gestillt wurde, anlegte. Die Operation schien nicht empfunden zu

werden. Besprengung mit kaltem Wasser hob die Betäubung sogleich.

* * * * *

Marie H., 3 Monat alt, war mit einem Blutschwamm an der rechten Seite

der Stirne geboren. Derselbe bildete einen feuerrothen, von oben nach

unten zu verlaufenden, 1½ Zoll langen und 1/3 Zoll breiten, mäßig

erhabenen Bergrücken. Das Kind schrie auf dem Schooße der Wärterin

fürchterlich, und selbst nach einer 4 Minuten langen Aetherisation

dauerte das Schreien, aber mit verändertem Tone fort, obgleich es

unempfindlich war. Ich schnitt dann den Blutschwamm vollständig aus und

vereinigte die Wundränder durch sechs feine umschlungene Insectennadeln.

Dann war das Kind wieder bei Bewußtsein und hörte auf zu schreien.

* * * * *

Ein bösartiger Zellenblutschwamm hatte sich bei einem jungen, blühenden,

26jährigen Manne seit frühester Kindheit im unteren Drittheil des

Rückens an der linken Seite der Wirbelbeine ausgebildet und endlich die

Größe eines flachen Hühner-Eies erreicht. Die darüber liegende Haut war

von weißbläulicher Farbe, und die Geschwulst prall und fest. Erst bei

einem längeren und stärkeren Druck verkleinerte sie sich allmälig und

verschwand zuletzt vollkommen; hob man dann die Compression auf, so trat

die Anschwellung von neuem wie früher hervor. Ich vermuthete, daß das

Uebel der so selten vorkommende Zellenblutschwamm sei und rieth

dem Kranken zur Operation. Unmittelbar vor derselben ließ ich ihn

Aetherdämpfe einathmen, welche ihn schon binnen zwei Minuten völlig

betäubten. Der Kranke wurde auf den Bauch gelagert, und der Rücken durch

unter den Leib gelegte Polster herausgewölbt, theils um die Haut zu

spannen, theils um die Geschwulst stärker prominirend zu machen. Ich

führte nun einen fingerlangen Schnitt über die Geschwulst fort, welche

darauf in der Größe und Gestalt eines Hühner-Eies von blaurother Farbe

sichtbar wurde. Ich zog sie dann mit einem Doppelhaken hervor

und durchschnitt die Muskelmasse des Rückens, aus welcher sie

hervorgewuchert war, dicht über und dicht unter ihr, wobei ich eine

lebhafte Retraction der Muskelfasern wahrnahm, und trennte zuletzt ihre

Verbindungen an der unteren Fläche. Die beträchtliche Blutung wurde dann

gestillt, und über den Verband kalte Umschläge gelegt. Während der

gegen mehrere Minuten dauernden Operation gab der Kranke auch nicht das

leiseste Zeichen von Empfindung und war erst, nachdem er auf sein Lager

gebracht war, zu überzeugen, daß er Alles glücklich überstanden habe.

_Operation einer Pulsadergeschwulst._

Ein 28jähriger Landmann litt seit einem Jahre an einer

Pulsadergeschwulst in der Tiefe der Gesäßmuskeln an der rechten Seite.

Die Veranlassung dazu war eben so merkwürdig als die Krankheit selbst.

In einem Faustkampfe mit einem anderen Manne seiner Gemeinde warf jener

den letzteren zu Boden. Während er über ihm lag und ihn seine Uebermacht

fühlen ließ, sprang der 6jährige Knabe des Ueberwundenen herbei und

stach den Ueberwinder seines Vaters mit einem Messer tief in das Gesäß.

Die Wunde wurde von einem tüchtigen Arzt ganz zweckmäßig behandelt und

heilte bald. Einige Zeit darauf bemerkte man indessen in der Tiefe eine

umschriebene, pulsirende Geschwulst, welche, als ich den Kranken sah,

bis zu dem Umfange eines kleinen Gänse-Eies sich vergrößert hatte. Sie

steckte tief zwischen den Muskeln und fühlte sich hart an, pulsirte

aber nicht deutlich. Es war keinem Zweifel unterworfen, daß durch jenen

Messerstich eine tiefliegende Arterie verletzt, und dadurch eine falsche

Pulsadergeschwulst gebildet war, welche bei ihrem Sitze, ihrer Größe und

ihrer langen Dauer nur durch die Operation geheilt werden konnte. Vorher

ließ ich den Kranken Aetherdämpfe einziehen. Nachdem dies fünf

Minuten lang geschehen war, wurde der Puls langsamer, und es trat

Empfindungslosigkeit, von einem bewußtlosen Zustande begleitet, ein. Bei

den ersten Einschnitten seufzte der Kranke tief, dann stieß er einige

unartikulirte Töne aus und bewegte sich, als wolle er sich der fremden

Gewalt entziehen. Ich umschnitt den harten Sack der Pulsadergeschwulst

bis zu ihrem Grunde, spaltete ihn dann, um das dicke Blutgerinnsel

herauszunehmen und mehr Platz zur Aufsuchung der angeschnittenen Arterie

zu gewinnen. Nachdem dies geschehen war, umstach ich die einmündende,

spritzende Arterie mit einer krummen Nadel, knüpfte die Fadenenden fest

zusammen, schnitt darüber den Sack ab und verband die Wunde. Gegen das

Ende der Operation kam der Kranke etwas wieder zu sich. Er verhielt sich

wie ein Schlaftrunkener und versicherte, daß er bei der Operation keine

sehr heftigen Schmerzen ausgestanden habe.

_Operationen des Kropfes._

Ein Mädchen in den Dreißiger-Jahren, welches an einer schwammigen

Kropfgeschwulst, fast von der Größe eines halben Menschenkopfs litt, sah

sich genöthigt, gegen ihr Uebel, welches von öfterer Erstickungsgefahr

begleitet war, bei mir Hülfe zu suchen. Alle bekannten, wirksamen

Mittel waren früher vergebens angewendet worden, der Kropf wuchs ohne

Aufenthalt und machte das Leben zur unerträglichen Last. Wegen der Größe

der Geschwulst war ein Ausschneiden derselben, welche überhaupt bei den

meisten Kropfarten mit Lebensgefahr verbunden ist, nicht zu unternehmen.

Ich beschloß daher, den Kropf durch ein Haarseil in Eiterung zu setzen

und dadurch eine Schmelzung desselben herbeizuführen. Nachdem die

Kranke drei Minuten lang die Aetherdämpfe eingeathmet hatte, wurde

sie empfindungslos, das Bewußtsein war noch zum Theil vorhanden. Jetzt

durchstach ich schnell den Kropf in seiner Mitte und führte das Haarseil

hindurch. Unmittelbar nach der Operation war die Kranke wieder bei

vollem Bewußtsein und gab an, sich des Operationsaktes dunkel bewußt

gewesen zu sein, und nur geringe Schmerzen empfunden zu haben.

* * * * *

Herr K., 28 Jahr alt, von schlankem Körperbau, litt an einer großen

Kropfgeschwulst, welche im schnellen Zunehmen begriffen war, und durch

Zusammenpressen der Luftröhre und der großen Gefäße des Halses das

Athmen erschwerte und die Cirkulation des Blutes im Kopfe bedeutend

störte. In seinem Vaterlande, Oesterreich, von den berühmtesten Aerzten

mit Jod u. s. w. zweckmäßig behandelt, sah er zu seiner Bekümmerniß die

wenigstens kindskopfgroße Geschwulst täglich wachsen und seinen Zustand

immer peinlicher machen. Die Geschwulst nahm die linke Seite des Halses

ein, erstreckte sich jedoch über diese Seite hinaus. Sie fühlte sich

stellenweis hart und weich an und war, da sie mit den unterliegenden

Theilen fest zusammenhing, unverschiebbar. Die Unwirksamkeit der

Arzeneimittel war erkannt, und nur noch operative Hülfe übrig. Die

Exstirpation schien mir aber fast absolut tödtlich, das Durchziehen

eines Haarseils, weil der Kropf massiv war und keine Säcke enthielt,

eben so gefährlich. Die Unterbindung der oberen Schilddrüsenschlagader

zur Verödung der Geschwulst hielt ich hier für die einzige zu

rechtfertigende Operation, obgleich der Kropf kein aneurysmatischer war.

Was mein Vertrauen auf die Ligatur der gedachten Arterie vergrößerte,

war die bedeutende Erweiterung der nach hinten gedrängten Arteria

carotis communis. Nachdem der Kranke vorher einige Minuten ätherisirt

worden war, stellte sich Betäubung mit fortdauernder Empfindlichkeit

ein. Dann erwachte er wieder, gerieth in einen sehr aufgeregten Zustand

und rollte dabei die Augen bei weit geöffneten Augenlidern so stark nach

oben, daß nur ein Theil der Hornhaut sichtbar blieb. Jetzt legte ich den

Kranken nieder, führte einen 3 Zoll langen Schnitt am äußeren Rande der

Geschwulst herab und legte das Gefäß sogleich bloß. Der frei gewordene

Theil der carotis communis, die carotis cerebralis und facialis, so wie

die Arteria thyreoidea waren beträchtlich erweitert -- die erstere von

der Dicke eines kleinen Fingers, letztere von der eines Gänsefederkiels.

Nachdem ich die Schilddrüsenarterie an ihrem Ursprunge ringsum frei

gemacht hatte, führte ich mit einem feinen geöhrten Haken einen dünnen

Faden um dieselbe herum, unterband sie, schnitt ein Fadenende am Knoten

ab und vereinigte die ganze Wunde mittelst Pflasterstreifen.

Jetzt erst kam der Kranke wieder vollkommen zu sich; er gab an, die

Operation nur undeutlich gefühlt zu haben, obgleich er bei derselben

sprach und sich in einer gewissen Aufregung befand. In der Geschwulst

war in Folge der Unterbindung keine wesentliche Veränderung zu bemerken.

Am Abend war dieselbe etwas turgescirend und heißer anzufühlen. Der

Kranke fühlte sich sehr angegriffen und zeigte eine geringe fieberhafte

Aufregung.

_Exstirpation der Mandeln._

Hugo E., 11 Jahr alt, ein munterer, liebenswürdiger Knabe, litt seit

langer Zeit an einer so beträchtlichen Vergrößerung beider Mandeln, daß

diese als zwei eiförmige Geschwülste der Luft und den Nahrungsmitteln

Hindernisse in den Weg legten, und auch Schwerhörigkeit durch

Zusammendrücken der eustachischen Röhre erzeugten. Vor der Operation

wurde der Knabe zwei Minuten lang ätherisirt. Empfindungs- und halbe

Bewußtlosigkeit traten hierauf ein. Die müden Augen waren zur Hälfte

geschlossen, willig eröffnete das Kind den Mund, ließ die linke Mandel

mit dem Haken fassen und mit dem geknöpften Fistelmesser ausschneiden.

Beim Ausspülen des Mundes kam er wieder etwas zu sich, that einige neue

Athemzüge und wurde dann eben so schnell auch von der zweiten Tonsille

befreit. Nach Verlauf von einigen Minuten kehrte der natürliche Zustand

wieder zurück. Der Knabe erinnerte sich nicht an das, was mit ihm

vorgegangen war.

* * * * *

Der Aether gegen den Schmerz · 第 9 / 13 段