Frauen; der einen war eine krebshaft entartete Brust, der andern
der Oberschenkel abgenommen worden. Die erste hatte 13 Minuten lang
Aetherdampf eingeathmet, worauf sie noch nicht völlig empfindungslos
wurde und noch etwas Schmerz bei der Operation empfand. Nach derselben
stellten sich heftige Kopfschmerzen, heftige Schmerzen im Halse und in
der Luftröhre ein. Später gesellte sich zu diesen Erscheinungen eine
wandernde Rose. Der Tod erfolgte durch Erschütterung des Nervensystems
und eine heftige Luftröhrenentzündung. Bei der Leichenöffnung fand
man das Herz welk, die Lungen knisternd, die Schleimhaut der
Luftröhre blutroth. Ungeachtet dieser Erscheinungen hielt Jobert die
Aethereinathmung nicht für die alleinige Ursache des Todes. Die andere
Kranke, welcher er den Oberschenkel einer weißen Kniegeschwulst wegen
amputirte, hatte nur vier Minuten durch den Apparat geathmet, als sie
schon vollkommen unempfindlich wurde, so daß sie von der Operation
nichts fühlte. Erst nach zwei Stunden kehrte das Bewußtsein zurück. Am
folgenden Tage war sie sehr aufgeregt, ihre Ideen verwirrt, ihre Rede
unzusammenhängend. Dieser gereizte Zustand der Luftröhrenäste mit
Schlaflosigkeit verbunden, dauerte bis zum siebenten Tage fort. Dazu
gesellte sich nun ein nervöser Gesichtsschmerz, darauf Kinnbackenkrampf
mit den bei diesem Zustande gewöhnlichen Erscheinungen, und der Tod trat
am 15ten Tage nach der Operation ein. Bei der Leichenöffnung fanden sich
die Häute des Gehirns und Rückenmarks, so wie die Substanz dieser Organe
stark mit Blut überfüllt und letzteres erweicht. In den Gehirnhöhlen
war blutiges Wasser enthalten. Kehlkopf, Schlund, Luftröhre und
Luftröhrenäste waren geröthet und mit einer eiterähnlichen Substanz
bedeckt. Auch die innere Oberfläche der Lungenarterie erschien geröthet.
Sowohl aus dem Krankheitsverlauf als aus dem Leichenbefunde schließt
Jobert, daß der Aether diesen Congestivzustand in den besonders
afficirten Theilen hervorgerufen habe, und zieht aus diesen traurigen
Folgen den Schluß, daß man nur mit großer Umsicht seine Zuflucht zu
einem Mittel nehmen dürfe, welches unter gewissen Umständen einen so
mächtigen Einfluß auf das Blut- und Nervensystem äußere.
Den Tod sah man in dem folgenden Falle bald nach der Operation
eintreten. Anna Perkinson, die 21jährige Frau eines in Spittlegat in
der Grafschaft Lincoln lebenden Friseurs, litt seit langer Zeit an einem
Gewächs an der inneren Seite des linken Oberschenkels wahrscheinlich
einer Fettgeschwulst, welches allmählig an Größe zunahm und allerlei
Beschwerden verursachte. Da auch sie von der schmerzstillenden Wirkung
des Aethers gehört hatte, wollte sie sich der Operation nur unter der
Bedingung unterziehen, daß man das Mittel bei ihr anwende. Ihr Arzt,
der Dr. Robbs, ein geschickter und erfahrener Mann, berieth sich nun mit
mehreren Männern seines Faches, und so wurde denn die Operation am 9ten
März, mit Unterstützung von drei anderen Aerzten, mit Geschicklichkeit
und Umsicht vorgenommen. Robbs hatte alle mögliche Vorsicht angewendet,
und einige Tage vor der Operation die Kranke zu verschiedenen Zeiten
Aether einathmen lassen, um ihre Empfänglichkeit für das Mittel zu
prüfen. Diese Versuche waren sehr glücklich abgelaufen, die Frau lachte
dabei und erklärte hinterher, daß sie sich recht wohl gefühlt, ihr
volles Bewußtsein behalten, aber die Empfindung verloren habe. Dennoch
trat eine auffallende Veränderung in ihrem ganzen Wesen ein, sie wurde
traurig und niedergeschlagen. Zu bemerken ist, daß sie volle 10 Minuten
die Dämpfe eingeathmet hatte, eine ungewöhnlich lange Zeit. Bei dem
zweiten Versuch setzte man die Zeit auf 5 Minuten herab, wo schon der
nämliche Zustand eintrat. Erst nach einer Viertelstunde war sie wieder
völlig klar und versicherte dann, sie hätte alles gewußt was im
Zimmer vorgegangen sei, aber nicht sehen können. Bei der dritten
verhängnißvollen Einathmung der Aetherdämpfe, womit man 10 Minuten lang
fortfuhr, wurde die Operation gemacht. Obgleich die Kranke vollkommen
betäubt zu sein schien, stieß sie beim ersten Schnitt einen tiefen
Seufzer aus, wodurch man sich veranlaßt sah, noch mehr einathmen zu
lassen. Die Kranke seufzte bei jedem Schnitt, und verrieth durch
heftige Anstrengung des Körpers, daß sie volles Gefühl habe. Von der
Unterbindung der Blutgefäße schien sie nichts zu fühlen. Der Blutverlust
bei der Operation war höchst unbedeutend. Dann wurde sie zu Bette
gebracht. Zu dem Gefühl einer großen Mattigkeit gesellte sich dann
noch am nächsten Tage eine Empfindung von Taubheit im Rücken und den
Schenkeln, jede Bewegung war ihr unmöglich. Dieser Zustand dauerte bis
zum Tode, welcher vierzig Stunden nach der Operation eintrat.
Die Wundärzte, welche mit der Untersuchung der Leiche beauftragt waren,
bezeugten Folgendes: daß die vorgefundene 7 Zoll lange Wunde nichts
zeige, welches den schnellen Tod der Kranken erkläre. Die Operation
sei mit der größten Vorsicht und Geschicklichkeit ausgeführt und kein
größeres Nerv- oder Blutgefäß durchschnitten worden. Dagegen fand man
eine starke Blutüberfüllung der Gefäße der Hirnhaut über den vorderen
Hirnlappen, und eine ungewöhnliche dünnflüssige Beschaffenheit der
gesammten Blutmasse. Diese beiden Erscheinungen wurden dem Aether
zugeschrieben. Die exstirpirte Geschwulst war von fester Beschaffenheit
und wurde als ein Osteosorkom erkannt. Die Jury fällte nach Anhörung des
Berichtes der speciell mit der Untersuchung des Leichnams beauftragten
Aerzte, so wie der Zeugenaussagen folgendes Verdikt: »Daß die
dahingeschiedene Anna Perkinson an den Wirkungen des Aethers, welchen
sie Behufs der Linderung des Schmerzes während der Operation eingeathmet
habe, und nicht in Folge der Operation selbst gestorben sei.«
So sehr dieser traurige Ausgang einer an sich gefahrlosen Operation auch
zu bedauern ist, so möge derselbe allen Aerzten zur Warnung dienen, bei
der Anwendung des Aethers mit größter Behutsamkeit zu verfahren, und den
Kranken lieber zu wenig als zu viel einathmen zu lassen. Daß hier aber
letzteres geschehen und der Tod allein auf Rechnung dieses Mittels zu
schreiben sei, ist nicht im Geringsten zu bezweifeln.
Ein anderer, eben so trauriger Fall von tödtlicher Wirkung der
Aetherdämpfe, kam ebenfalls in England vor. Roger Nunn, Wundarzt an
den Hospitälern in Colchester und Essex, machte dem 50jährigen Thomas
Herbert den Steinschnitt. Der Kranke athmete die Aetherdämpfe nur 7 bis
8 Minuten lang ein, worauf die Operation ohne alle Hindernisse vollendet
wurde. Dabei fand eine etwas stärkere Blutung, selbst aus den kleineren
Gefäßen der Wunde statt. Während der Operation, welche nur 10 Minuten
lang dauerte, wurde der Aether noch nachträglich in Pausen wieder
angewendet. Hierauf wurde das Athmen mühsam und endlich röchelnd. Bald
darauf besserte sich der Kranke etwas und es stellte sich einige Ruhe
ein, jedoch blieb 24 Stunden lang jede Reaction aus. Man gab Branntwein
in kleinen Quantitäten und Arrow-root, und legte Wärmflaschen ins Bette.
Mit dieser Behandlung fuhr man bis zum folgenden Tage fort, wo man noch
Ammoniak gab. Der Kranke redete von 8 Uhr Abends bis 9 Uhr Morgens irre,
es hatte sich dabei etwas mehr Leben eingestellt, indeß starb er 5 Uhr
Abends. -- Die Leichenöffnung zeigte Congestionen nach den Häuten des
Gehirns, jedoch keinen Blutaustritt; die Lungen waren permeabel, vorn
blutleer, hinten angefüllt. Das Herz welk, von natürlicher Größe und
fast leer, die linke Niere blaß, die rechte etwas mit Blut überfüllt.
Die Wunde und die benachbarten Theile hatten die nach einem Steinschnitt
gewöhnliche Beschaffenheit. Die ganze Blutmasse zeigte einen hohen Grad
von Verflüssigung.
Die Londoner medizinische Zeitung stellt über diesen Fall folgende wahre
und zu beherzigende Betrachtungen an: »die Aerzte sind bis jetzt in
den Irrthum verfallen, die Sache nur von der einen Seite anzusehen. Bis
jetzt giebt es nur eine Fluth von glücklichen Fällen, es ist aber Zeit,
daß unsere Berichterstatter mit ihren glücklichen Beobachtungen inne
halten und Rechenschaft von den Gefahren, welche diese neue Methode
begleiten, ablegen.«
Gegen Magendie, welcher im Institute zu Frankreich sagte: »welches
Interesse kann es für die Akademie der Wissenschaften haben, ob der
Mensch mehr oder weniger leidet?« bemerkt Roser: »Wir vermögen uns nicht
zur Höhe dieses akademischen Standpunktes zu erheben, und wissen die
kitzliche Moral dieses Physiologen nicht zu theilen, der es für eine
Erniedrigung erklärt, wenn sich der Mensch betäube, berausche. -- Ueber
die triviale Wohlweisheit, welche gleich wußte daß die neue Sache etwas
Altes sei, dieweil ja sämmtliche Lehrbücher der Materia medica dem
Aether berauschende Effekte zuschreiben, hat der gesunde Sinn der Aerzte
und Laien selbst gerichtet. Die Befürchtung, daß der Aether gewisse noch
unbekannte Schädlichkeiten für den späteren Erfolg der Operationen haben
könnte, dürfte oder möchte, ist bis jetzt durch nichts begründet, und
es sind andererseits die ernsten Folgen jener großen physischen
Erschütterung und Erschöpfung wohl zu bedenken, welche der Schmerz
selbst bei Operirten nicht selten zur Folge hat.«
Im ganz entgegengesetzten Sinne spricht sich Nathan in Oppenheims
Journal aus, indem er sagt: »habent fata sua remedia; heute wird der
Aether allerdings noch angestaunt; denn wer hätte gedacht, daß so Viele
einem so entsetzlichen Coma glücklich entrinnen könnten; heute giebt
gerade dieses Staunen der Schmerzlosigkeit noch einen unwiderstehlichen
Reiz und den Werth eines summum bonum der Operation, heute, wir wissen
es genau, erscheint unsere Prophezeiung, daß die Ueberraschung sich
legen wird, und daß dann, aber dann erst, die vielen halben und die
üblen Folgen des Aetherisirens eine umgekehrte Schätzung der Sachlage
herbeiführen, und der Indicatio vitalis, oder der sicheren Operation,
ihr altes, wohl verdientes Uebergewicht über die Indicatio symptomatica,
oder die schmerzlosere Operation, wiedergeben werden, -- allerdings
noch lächerlich; -- aber bis heute hat sich kein Aberglaube allgemein
erhalten, und wir können nicht umhin, das blinde, rückhaltslose
Vertrauen zu der Gutmüthigkeit des Aethers und seinen Wirkungen
als pharmacodynamischen, oder wie Schultz sagen würde, als
Qualitäten-Aberglauben zu betrachten, da uns die Gefahren und
Weiterwirkungen eines tiefen, von keinem Senkblei erreichbaren Comas,
stets dieselben, unausbleiblichen, gleich unberechnenbaren, scheinen,
durch welches Mittel und auf wie kurze Zeit auch ein so bedeutsamer
Hirnzustand erzeugt wird. Jeder weiß es übrigens, daß neue Mittel,
sowohl im Grossen wie bei einzelnen Kranken, stets Wunder thun auf
einige Tage oder Jahre.«
Anwendung der Aetherdämpfe in der Geburtshülfe.
Der Gedanke, die Aetherdämpfe in der Geburtshülfe anzuwenden, hat im
ersten Augenblicke etwas Erschreckendes. Es scheint vermessen, den
natürlichen Akt der Niederkunft durch eine künstlich herbeigeführte
Empfindungslosigkeit und Betäubung zu stören. Nicht ohne Besorgniß
durfte man sein, daß besonders durch die erschlaffende Wirkung des
Aethers, die Thätigkeit der Gebärmutter vermindert, oder wohl ganz
aufgehoben, und durch die Verzögerung des Geburtsaktes das Leben der
Mutter und des Kindes auf das Spiel gesetzt werde. Dagegen besteht der
mögliche Gewinn nur in Aufhebung der Schmerzen bei der Geburt. Wenn das
Mittel also bei gewöhnlichen Geburten als ein überflüssiges, zu großes
und zu gefährliches erscheinen mußte, so konnte seine Anwendung bei
schweren, regelwidrigen Geburten, bei Wendungen und Zangengeburten,
wenn es sich bewähren sollte, für die leidende Wöchnerin als ein sehr
heilbringendes erscheinen.
Diese bei der Geburt so recht erwählt und erwünscht vortheilhafte
Erscheinung, nämlich Erschlaffung des gesammten Muskelsystems und
Fortdauer der Thätigkeit der Gebärmutter, beruhen allein darauf, daß der
Aether vorzugsweise herabstimmend auf die willkührlichen Muskeln wirkt;
nicht aber deprimirend auf den Uterus, welcher unter dem Einflüsse des
Oberbauch-, Nieren- und Aorten-Geflechtes steht, nur höchst unbedeutende
Fäden vom Rückenmark erhält, und also gewissermaßen ein isolirtes,
selbstständiges Gangliensystem besitzt. Darüber aber hat uns die
Geburtshülfe noch nicht gehörig aufgeklärt, ob die durch den Aether
aufgehobene Mitwirkung der Bauchmuskeln bei der Geburt des Kindes zu
entbehren sei, da doch sonst nichts von dem ohne Schaden entbehrt werden
kann, was die Natur zur Erreichung höherer Zwecke weise angelegt hat.
Die Erfahrung hat bis jetzt in diesen Beziehungen gelehrt, daß ein Theil
jener Besorgnisse unbegründet ist, denn die Anwendung des Aethers
bei Schwangeren während der Niederkunft bis zur Gefühllosigkeit,
Erschlaffung und Bewußtlosigkeit, äußert keinen hemmenden und störenden
Einfluß auf die Niederkunft, welche leicht und schmerzlos von Statten
gehen soll. Weder die Zusammenziehung der Gebärmutter, noch die
mitwirkende Thätigkeit der Bauchmuskeln, wurde dadurch im geringsten
gestört.
Die Berichte der Aerzte, welche dies Mittel in die Geburtshülfe
einführten, sind Simpson, Hammer, Dubois, Velpeau und Bouvier und
Fournier-Deschamps.
Doch nicht bloß als Erleichterungsmittel bei schweren Geburten, ist
der Aether bis jetzt angewendet worden, sondern selbst in der
Schwangerschaft als bloßes Experiment! Mögte es das letzte dieser
Art sein. Amussat stellte in diesen Beziehungen allerdings lehrreiche
Versuche an trächtigen Hunden an, aber Cardan ein verwerfliches
Experiment bei einer Frau. Dieselbe war 6-7 Monate schwanger, die Frau
und die Frucht schienen gesund. Es dauerte sehr lange, bis die Wirkung
mit einer zügellosen Fröhlichkeit eintrat. Der Puls war dabei nur wenig
beschleunigt. Nach 10-12 Einathmungen gerieth das Kind in für die
Mutter sehr schmerzhafte stürmische Bewegungen und diese wurden bei
fortgesetzter Inspiration immer schneller. Nachdem die Mutter wieder zu
sich gekommen, verglich sie die Empfindungen, welche sie im Leibe gehabt
hatte, mit starken Stößen. Das Herz des Kindes klopfte heftig, die
Schnelligkeit der Pulsschläge schien im Zusammenhange mit den Bewegungen
und den krampfhaften Zuckungen zu stehen. Das Geräusch der Placenta
hatte seinen gewöhnlichen Charakter verloren und bestand nur in einem
leisen Zittern. Hinterher war die arme Frau sehr erschöpft, und fühlte
sich sehr unwohl.
Man muß dies Experiment, wenn es auch für die Wissenschaft einiges
Interesse haben könnte, sehr tadeln, denn es war für Mutter und
Kind gleich gefährlich, und ein Abortus mit dem Tode des letzteren
wahrscheinlich. Die Gefahr gesteht Cardan selbst ein und meint, sie
mögte wohl in der letzten Zeit der Schwangerschaft am größten sein.
Simpson entband drei ätherisirte Frauen, von denen die eine eine
Mißstaltung des Beckens hatte, mit Leichtigkeit, und ohne daß die Geburt
im mindesten gestört wurde.
Hammer wandte bei einer 18jährigen Kreißenden die Einathmung an.
Schon nach 2 Minuten hörten Schmerz und Klage auf und es trat ein
schlafähnlicher Zustand ein. Die Wehen setzten 6-7 Minuten aus, stellten
sich dann aber wieder kräftig ein, und nach 20 Minuten war die Geburt
beendigt, worauf das Bewußtsein wieder eintrat. Die Frau war sich alles
dessen was geschehen war gänzlich unbewußt, und fragte als sie das Kind
sah, ob es das ihrige sei. -- Auch bei weiterer Anwendung des Aethers
bei Niederkunften, beobachtete Hammer keine üble Folgen.
Bei einem 26jährigen Frauenzimmer in Paris wandte Bouvier im Augenblick
der heftigsten Geburtswehen 8 Minuten lang Aetherdämpfe an, worauf kurz
vor der Unempfindlichkeit eine heftige Aufregung eintrat. Dann wurde es
mit einem Male ruhig und regungslos und zugleich hörte die Contraction
der Gebärmutter auf; erst nach einer halben Stunde traten wieder Wehen
ein, worauf die Geburt glücklich von Statten ging. Die Gebärmutter
verhielt sich jetzt ganz unthätig, doch folgte ein starker Blutabgang.
Dubois wandte die Aetherbetäubung bei einer jungen Erstgebärenden an,
bei welcher man nach langer, schmerzhafter und erfolgloser Geburtsarbeit
die Zange anlegen mußte. Nach einigen Minuten des Einathmens wurde sie
gefühllos, und das Kind leichter und schneller als in ähnlichen Fällen
geboren. Die ersten Töne des Kindes erweckten die Mutter wieder, welche
versicherte, bei der Geburt nichts gelitten zu haben. Bei einer anderen
Frau, welche schon öfter geboren hatte, geschah die Aethereinathmung
während der Anlegung der Zange. Der Aether wirkte hier gerade
umgekehrt, während die geistigen Fähigkeiten aufgehoben waren schien
die Schmerzempfindung nicht verringert zu sein, denn die Kranke schrie
während der künstlichen Entbindung, erinnerte sich aber nach Beendigung
der Geburt nicht mehr der Schmerzen. Dubois anderweitige Betäubungen
während der Entbindung, trugen sämmtlich zur wesentlichen Erleichterung
bei. Zwei von diesen Frauen starben indessen einige Tage nach der
Niederkunft am Kindbettfieber. Die Schuld hiervon wird der in der
Maternité von Paris herrschenden Epidemie zugeschrieben, denn die
genaueste Untersuchung der Leichen zeigte keine anderen Erscheinungen
als solche, welche man bei den an dieser Krankheit Verstorbenen
antrifft. Weder im Gehirn, noch im Rückenmark, noch in den
Athmungsorganen wurde etwas entdeckt, was dem Aether hätte zur Last
gelegt werden können.
Aus der Zusammenstellung der wenigen bis jetzt vorhandenen Beobachtungen
über den bei der Geburt erzeugten Aetherrausch, ergiebt sich mit
Ausnahme der Todesfälle bei Dubois, daß das neue Mittel den natürlichen
Verlauf des Wochenbettes nicht stört. Es wurden danach weder starke
Blutflüsse noch Nervenzufälle beobachtet. Auch die Gebärmutter kehrte
in der gewöhnlichen Zeit zu ihrem natürlichen Zustande zurück. Welchen
Einfluß die Aetherisation auf die Milch in den ersten Tagen geäußert
habe, findet man nicht erwähnt. Auf die Neugebornen äußerte sich die
Aetherisation der Mutter durch Beschleunigungen des Pulsschlages,
welcher wohl bis auf 30 Schläge in der Minute vermehrt war, mithin einen
Unterschied von 160 gegen 125 in der Minute zeigte. Andere Abweichungen
von dem natürlichen Vorfalle wurden bei den Kindern nicht beobachtet.
Ich will nicht entscheiden, ob der Aether in der Geburtshülfe so
allgemein werden wird wie in der Chirurgie, doch glaube ich es nicht,
weil eine Niederkunft etwas Natürliches, eine chirurgische Operation
etwas gegen den ursprünglichen Sinn der Natur ist. So viel scheint aber
wahrscheinlich, daß man bisweilen sehr schwere, schmerzhafte Geburten,
wo sonst die Zange nöthig ist, entweder ohne oder mit dieser mit
Erleichterung machen wird.
Ich kann nicht in die Streitigkeiten eingehen, welche in politischen
Blättern zwischen tüchtigen Aerzten über die Anwendbarkeit und
Nichtanwendbarkeit des Aethers in der Geburtshülfe geführt worden sind.
Verschiedenheit der Ansichten und Meinungen über wissenschaftliche
Gegenstände sollten bei Männern, welche einen gleichen edlen Zweck
verfolgen, nie zu persönlichen Fehden werden, und dann am wenigsten,
wenn sie zur Kurzweil der Nichtärzte dienen.
Anwendung der Aetherdämpfe in der inneren Heilkunde.
Bei inneren Krankheiten hat die Anwendung der Aetherdämpfe bis jetzt
nur noch eine sehr beschränkte Anwendung gefunden und meistens nur bei
nervösen Leiden eine palliative Hülfe gewährt. Beim Emphysem der Lunge
sah Wolf bei einem jungen Manne in seiner Klinik große Erleichterung
danach eintreten. Die Einathmung der Aetherdämpfe zeigte sich auch
bisweilen bei hysterischen Anfällen äußerst wirksam, indem sie dieselben
oft augenblicklich hoben. In anderen dagegen wurden dadurch heftige
Zufälle hervorgerufen und das Uebel eher verschlimmert als verbessert.
So sah Piorry zuerst zwar Verbesserung der hysterischen Paroxysmen bald
aber Rückfälle. In Wien beobachtete man dagegen äußerst günstige Wirkung
in der Hysterie, allemal wurden dadurch die Anfälle gemildert. In
neuralgischen Leiden wurde dadurch bisweilen große Linderung verschafft.
Strempel beobachtete beim tic douloureux und bei Koliken äußerst
günstige Wirkungen davon. Beobachtungen der letzten Art machte man
auch in Wien. -- In der Bleikolik versuchte Bouvier den Aetherdunst in
verschiedenen Zwischenräumen, und versicherte, dadurch die Krankheit
in wenigen Tagen vollständig gehoben zu haben. Honoré ebenfalls beim
Gesichtsschmerz, Nasse bei manchen anderen Schmerzen. Nach Bonnet
wurden bei Epileptischen die Anfälle durch die Aetherisation wenigstens
gemildert. In Wien zeigte das Mittel bei Epileptischen eine verschiedene
Wirkung. Bei einem Kranken wurden die Anfälle danach häufiger, bei
einem zweiten seltener, und bei einem dritten traten keine auffallende
Veränderungen ein. Auf Wahnsinnige äußerte der Aether anfangs nur die
gewöhnlichen, allgemeinen Wirkungen, auf das Leiden selbst aber gar
keine, eher indessen eine Verschlimmerung als Verbesserung. (Kronser.)
Bei einer tobsüchtigen Selbstmörderin brachte Manec Betäubung unter den
bei Gesunden gewöhnlichen Erscheinungen hervor, so daß er ein Haarseil
ohne Schmerzen legen konnte. Nachdem die Person wieder zu sich gekommen
war, bat sie um Gift.
Bei einer delirirenden Wöchnerin, versichert Bouvier, die Aetherdämpfe
zwar ohne Erfolg, aber auch ohne Nachtheil angewendet zu haben. Unter
diesen Umständen ist das Mittel gewiß eben so gefährlich als die
Krankheit.
Gegen den Starrkrampf versuchte Ranking die Aetherisirung, die Krämpfe
wurden dadurch aber auf eine Schrecken erregende Weise heftiger, so
daß er von ferneren Versuchen, dies Mittel bei krankhaftem Zustande
anzuwenden, abräth. Nicht minder glücklich war Roux mit den
Aetherdämpfen beim Starrkrampf, und nach seinem eigenen Geständniß wurde
die ohnedies kurze Lebensdauer des Patienten noch um etwas verkürzt.
Was also der Aetherdunst in der inneren Heilkunde noch leisten wird,
steht von der Zukunft zu erwarten, bis jetzt hat er dem Aether, in
Substanz durch den Mund genommen, nicht um seinen alten Ruhm gebracht.
Anwendung der Aetherdämpfe in der gerichtlichen Medizin.
Baudens, oberer französischer Militärarzt, empfiehlt die Aetherbetäubung
bei dem Verdachte von Verstellungskrankheiten, um hinter die Wahrheit
zu kommen. Hat Hr. Baudens, welchen ich sonst hochschätze, solche Listen
bei den Arabern, unter denen er so viele Jahre mit der französischen
Armee lebte, gelernt? Will er uns ein neues, perfides Mittel zur
Enthüllung der Wahrheit lehren? Dies Mittel ist aber treuloser als
die Unwahrheit. Genug Baudens wandte sein Mittel bei zwei armen jungen
Conscribirten an, welche wahrscheinlich nicht große Lust hatten, in
Algerien auf den Schakalfang zu gehen und lieber den heimathlichen Boden
pflügen wollten. Der erste stellte sich der Untersuchungskommission mit
einem großen Buckel vor. Man schöpfte Verdacht, daß er simulire, um
vom Militärdienste frei zu kommen. Baudens betäubte ihn jetzt durch
Aetherdämpfe vollständig. Danach trat Erschlaffung des ganzen Körpers
ein, und mit ihr verschwand der Buckel! Der Mensch wurde also auf
diese Weise überführt und gestand die Simulation ein. Bei dem zweiten
Conscribirten glaubte Baudens auch, daß er simulire und zwar eine
Verwachsung des Hüftgelenkes. Er ätherisirte ihn ebenfalls, worauf
der Zustand einer vollkommenen Empfindungs- und Bewußtlosigkeit mit
Erschlaffung aller Muskeln eintrat. Aber die Gelenksteifigkeit mit allen
ihren charakteristischen Merkmalen blieb vollkommen die nämliche wie vor
der Betäubung. Er war also sicher, daß der Kranke nicht simulire.
Ich muß mein lebhaftes Bedauern über diesen Mißbrauch des edlen
Aethers ausdrücken. Zu dergleichen Ränken sollte sich der Arzt nie
herabwürdigen, um die Wahrheit zu ermitteln. Möge er sich seiner
Wissenschaft ohne Aether bedienen. Die Verweigerung dieses Mittels muß
meiner Ansicht nach, dem Verbrecher eben so gut zugestanden werden, wie
dem Kranken vor einer chirurgischen Operation. Der erste hier erzählte
Fall compromittirt den Arzt als Menschen, der zweite aber auch als Arzt,
da er nicht durch Hülfe der honnetten Wissenschaft im Stande war, die
wirkliche Gelenkverwachsung zu erkennen, und zur gewaltsamen Betäubung
eines Unglücklichen seine Zuflucht nehmen mußte, um das Vorhandensein
der Krankheit auf diese Weise festzustellen. Wahrscheinlich ist dem
letzten Kranken keine Art von Genugthuung geworden.