anderen durch größere Einfachheit. Er besteht aus einer kugelförmigen,
mit einem sehr weiten und einem engeren Halse versehenen Flasche von
weißem Glase. Mit dem weiten Halse wird der elastische Schlauch, dessen
Länge 1/3 Elle und dessen Weite anderthalb Zoll beträgt, in Verbindung
gebracht. Dies geschieht durch eine am Schlauche befindliche, 1 Zoll
weite Röhre von Horn, welche in den durchbohrten Korkstöpsel des weiten
Halses der Kugel hineingesteckt wird. Am anderen Ende des Schlauches
befindet sich ein muschelförmiges, tief ausgehöhltes Mundstück von Gummi
elasticum, oder noch besser von Horn. Die Flasche ist zur Hälfte mit
größeren und kleineren, stark porösen Schwammstücken angefüllt. Der
Aether wird vor dem Gebrauch des Apparats durch den weiten Hals in die
Flasche gegossen, und die beiden Oeffnungen durch Stöpsel geschlossen,
die Schwämme umgeschüttelt, der Stöpsel aus dem großen Halse entfernt,
und das Rohr darin gesteckt. Dann erst bringt man das Mundstück an den
Mund. Der enge Hals dient zum Verkehr mit der äußeren Luft, so wie zum
Nachgießen des Aethers, wenn es nöthig sein sollte; er kann durch den
Stöpsel beliebig geschlossen werden.
Gläserne Apparate mit beweglichem Rohr sind ihrer Durchsichtigkeit
und Sauberkeit wegen den metallenen oder hölzernen oder den Blasen
vorzuziehen. Alle complicirten haben den Nachtheil, daß sie die
Anwendung erschweren. Das, was auf den ersten Anblick an ihnen sinnreich
zu sein scheint oder auch wirklich ist, verspricht einige Vortheile,
gewährt aber diese nicht allein nicht, sondern ist ein Hinderniss
beim Athmen. Dahin gehört das in dem muschelförmigen Lippentheile
befindliche, eigentlich das Ende des Schlauches bildende Mundstück,
welches der Kranke wie eine Cigarrenspitze zwischen die Zähne nehmen
soll. Theils ist dies höchst lästig, theils erlaubt die Enge der
Spitze nur einer dünnen Säule der Aetherdämpfe den Durchgang. Der ganze
Schlauch bis zum Mundstück muß überall gleich weit sein. Alle Ventile
oder Luftklappen sind unzweckmäßig. Bei doppelten öffnet sich das eine
beim Einathmen der Aetherdämpfe, und verschließt sich beim Ausathmen;
dann thut sich das andere auf und läßt die exspirirte Luft hinaus.
Die Ventile vermehren die Anstrengung beim Athmen und machen ein
klapperndes, unangenehmes Geräusch, bisweilen gerathen sie in Unordnung,
da sie durch öftere Anwendung schwerfällig werden. Es tritt dann eine zu
vermeidende Störung in der Operation ein. Die Vereinigung des Schlauches
mit der Flasche durch eine Schraube führt beim Ansetzen und Abnehmen
ebenfalls zu manchen Unterbrechungen, weshalb die angegebene Verbindung
Vorzug verdient. Die Nasenklammern oder das Zusammendrücken der Nase
ist zu verwerfen, da dadurch die größte Unbequemlichkeit entsteht; der
Kranke soll durch den Mund ein- und durch die Nase ausathmen.
Die meisten Apparate sind, wie man aus der Breite ihrer Basis ersieht,
zum Aufstellen neben dem Kranken bestimmt, doch ist es wegen möglicher
Unruhe des Patienten weit vorzuziehen, denselben bei der Anwendung von
einem Gehülfen am Halse halten zu lassen; das Umschütteln einer unten
kugelförmigen Flasche rüttelt die Schwämme zur stärkern Entwickelung der
Dämpfe auch besser durcheinander, als dies bei einer Flasche von flach
glockenförmiger Gestalt geschieht.
Unter Umständen, wo eine schnelle Anwendung der Aetherdämpfe nöthig, und
kein Apparat bei der Hand ist, kann man auf das einfache und kunstlose
Verfahren Jacksons zurückkommen, und ein in Aether getauchtes Tuch oder
einen Schwamm, nachdem beides gehörig ausgedrückt ist, locker über Mund
und Nase decken, und der Kranke wird dadurch oft eben so schnell betäubt
wie mittelst der kunstvollsten Vorrichtung. In mehreren Fällen habe ich
dies bereits erfahren, auch Bühring wendet den Schwamm mit Nutzen an.
Derselbe muß aber groß und hohl sein und mit der hohlen Seite aufgelegt
werden. Man darf ihn nicht fest andrücken, weil der Kranke dann schwer
athmet, auch bei reizbarer Haut durch die Befeuchtung mit Aether leicht
eine Röthung derselben entsteht. Bei Kindern ist der Schwamm immer
vorzuziehen.
Anwendung der Aetherdämpfe.
Man kannte die flüchtig erregende Eigenschaft des Aethers schon lange,
und wußte auch schon, daß kurzes Einathmen einen leichten Rausch
erzeuge, doch wußte man vor Jackson nicht, daß dadurch die Schmerzen
aufgehoben, und angenehme Träume erzeugt würden. Weit entfernt,
sagt Jackson, die Inhalation zu empfehlen, haben alle medizinischen
Autoritäten davor gewarnt und dieselbe für höchst gefährlich erklärt.
Dies gilt aber nur von dem gewöhnlichen, unreinen Aether, welcher außer
dem schweflicht-sauren Gase, noch Essig-, Ameisen- und Aldehyd-Säure
enthält. Der beträchtliche Gehalt dieses gewöhnlichen Aethers an Alkohol
ist nach Jacksons Erfahrung Schuld daran, daß dem dadurch erzeugten
Rausche heftiger Kopfschmerz und Abspannung der Nerven folgt.
Der reine Aetherdampf ist nach Jackson irrespirabel. Wenn er die
atmosphärische Luft ganz aus der Lunge verdrängt, so muß er vollständige
Asphyxie durch Betäubung herbeiführen. Hieraus folgt, daß man die
Aetherdämpfe mit einer gehörigen Menge Luft vermischen müsse, damit die
Function der Lunge nicht gestört werde. Beim Eintritt von Erscheinungen
der Erstickungsgefahr, theils als Folge einer schlechten Anwendung,
eines unreinen Aethers, einer großen Reizbarkeit, oder einer besonderen
Neigung zu Congestionen nach der Lunge oder dem Kopfe räth Jackson,
sogleich Sauerstoffgas, welches dem Blute seine rothe, arterielle
Beschaffenheit zurückgiebt, einathmen zu lassen. Man soll daher das
Gas immer bereit halten, es in einem Gasometer aufbewahren und zum
augenblicklichen Gebrauch in eine große Gummi-elasticum-Blase füllen.
Ducros empfiehlt den Galvanismus, Andere das Ammoniak.
Das Einathmen der Aetherdämpfe geschieht mit Hülfe irgend eines
Apparates entweder durch den Mund oder durch die Nase. Die erstere Art,
wobei die Nase weder mit den Fingern noch mit einer Klammer andauernd
geschlossen wird, ist für den Kranken am bequemsten, und es wird der
Dunst auf dem breitesten und kürzesten Wege durch die Luftröhre in die
Lungen gebracht. Jackson so wie die meisten englischen Aerzte wenden
vorzugsweise diese Methode an. Das Einathmen durch die Nase, welches
besonders die Franzosen empfehlen, ist wegen der Enge der Nasenlöcher
und der größeren Empfindlichkeit der Schleimhaut der Nase bisweilen
mit großem Reiz verbunden, und kann nur dann mit Erleichterung für
den Kranken geschehen, wenn das eine Nasenloch an die Oeffnung einer
Flasche, worin sich der Aether befindet, gehalten, das andere zugedrückt
wird. Athmungsröhren aber tiefer in das Innere der Nase hineinzuführen,
würde einen heftigen Reiz der Theile verursachen. Bei Personen mit sehr
engen Nasenlöchern und besonders mit engen Nasengängen, welche schon
im gewöhnlichen Zustande schwer durch die Nase athmen, ist aber das
Einathmen auf diesem Wege gar nicht anzuwenden. Bergson glaubt, daß man
bei schwierigen Operationen besser durch den Mund, bei kleineren durch
die Nase athmen lasse; ferner, daß bei jenem Verfahren der Aetherrausch
leichter und vollständiger eintrete, Beklemmung und Angst aber größer
seien, und alle störenden Nebenerscheinungen auf Rechnung dieser Methode
kommen: dagegen erzeuge das Einathmen durch die Nase nur den ersten und
niedrigsten Grad des Aetherrausches, nämlich den Verlust des Gefühls
und der Empfindung für den Schmerz und fast niemals jene erwähnten
Nebenerscheinungen. Hierbei möchte aber wohl nicht zu übersehen
sein, daß die größere Intensität des Mittels nicht von dem Mund- oder
Nasenwege abhängt, sondern ob der Kranke überhaupt den Aetherdunst in
größerer oder geringerer Menge einathme. Wenn er also auf dem breiten
Wege durch den Mund nur eine kurze Zeit einathmet, so würden auch
nur die Zufälle des ersten Grades eintreten. Es führt gewiß zur
Vervollkommnung der Methoden überhaupt, wenn diese vielseitig geprüft,
und alle Erfahrungen nach der einen oder anderen Methode bekannt gemacht
werden. Bergson empfiehlt zum Athmen durch die Nase eine flache Flasche
mit breitem Halse, in welcher sich mit Aether getränkte Schwammstücke
befinden. Sie ist durch einen Korkstöpsel geschlossen; durch diesen
läuft eine hölzerne Röhre, deren äußeres Ende nach der Nasenöffnung
geformt ist.
Was aber die dritte Anwendungsart der Aetherdämpfe durch Nase und Mund
zugleich betrifft, so ist sie nicht minder unbequem als das Athmen durch
den Mund mit verschloßener Nase. Gerade durch das Offenbleiben der
Nase, welches höchstens für einige Augenblicke durch das Zusammendrücken
derselben aufgehoben werden darf, wird das Athemholen erleichtert, und
es kann nicht als Vorwurf dieses Verfahrens gelten, daß die Wirkung des
Aethers dadurch verzögert werde.
Stellung des Kranken beim Einathmen der Aetherdämpfe.
Die meisten chirurgischen Operationen werden in sitzender oder liegender
Stellung, einige in halb sitzender, halb liegender vorgenommen, und der
Körper je nach dem Operationsorte gewendet. Mit dieser Aufgabe ist
nun das bequeme Einathmen der Dünste in Einklang zu bringen. Bei
Operationen, welche nur im Sitzen vorgenommen werden können, läßt man
den Kranken, da er auch am leichtesten in dieser Stellung athmet, sich
in einem Lehnstuhl bequem niedersetzen, darauf einen Gehülfen mit dem
Athmungsapparat an die linke Seite des Patienten treten, den Mundtheil
auf den Mund des Kranken legen, und überträgt die Sorge für das
gleichmäßige Anschliessen an die Lippen einem zweiten Assistenten,
welcher hinter dem Kranken steht und den Kopf zu unterstützen hat. Ist
die Operation nur in liegender Stellung vorzunehmen, so darf der Kranke
beim Einathmen des Aethers sich nicht legen, am wenigsten auf den Bauch,
weil dadurch Beklemmung herbeigeführt wird, sondern er wird auf den
unteren Rand eines durch ein Polster und Kopfkissen als Lagerstätte
vorgerichteten schmalen, länglichen Tisches gesetzt, der Rücken durch
einen Gehülfen, und die Füße durch einen Stuhl ohne Lehne unterstützt.
Jetzt beginnt er das Einathmen der Dämpfe. Tritt dann der Zustand der
nöthigen Betäubung ein, so entfernt man den Apparat schnell vom Munde,
legt den Kranken sanft nieder und beginnt die Operation. Die meisten
Kranken wünschen lieber, auf dem Stuhl sitzend ätherisirt und dann
bewußtlos auf das Operationslager getragen zu werden, doch verfliegt ein
Theil des Rausches während des zeitraubenden, mühsamen Transportes des
Bewußtlosen, und die Besinnung kehrt wohl zurück, ohne daß die Operation
begonnen ist, so daß ein Nachathmen der Dämpfe nöthig wird. Dies muß
aber immer dann Statt finden, wenn die Operation von der Art ist, daß
sie nicht in einigen Augenblicken vollendet werden kann. Kehrt unter
derselben das volle Bewußtsein und die Empfindung zurück, so muß der
Kranke einige neue Athemzüge thun, und wird er im Liegen operirt, so
kann man ihn auch von Neuem in liegender Stellung nachathmen lassen, bis
der Aether seine abermalige Wirkung zeigt, wozu gewöhnlich nur einige
Augenblicke gehören.
Wirkungen des Einathmens der Aetherdämpfe.
Die Wirkung der eingeathmeten Dämpfe besteht in einer Reihe der
wunderbarsten Erscheinungen, deren schon im Allgemeinen gedacht worden
ist. Hier will ich dieselben noch näher angeben. Unmittelbar nach den
ersten Athemzügen stellt sich bei Vielen und besonders dann, wenn
der Kranke, welcher schon vorher aufgeregt war, mit Hast das
Athmungsgeschäft beginnt, ein kurzer Husten ein, wodurch die Patienten
veranlaßt werden, den Apparat vom Munde wegzureißen. Dieser Husten ist
die Folge der directen Einwirkung der Aetherdämpfe auf die Luftorgane
und wird sogleich dadurch beseitigt, daß man etwas atmosphärische Luft
wieder einathmen läßt. Ist die Willenskraft aber stark genug, so hört
der Husten beim fortgesetzten Einathmen der Dämpfe von selbst auf.
Die Wirkung der eingeathmeten Aetherdämpfe tritt nun bei den
verschiedenen Individuen, je nach Jugend oder Alter, großer Reizbarkeit
oder Unempfindlichkeit entweder schon nach den ersten Athemzügen oder
nach Verlauf einer geraumen Zeit, und am spätesten bei Trinkern ein.
Schon nach 1/3 Minute sah ich sie bei einem Individuum erfolgen, während
bei einem anderen, an geistige Getränke gewöhnten nach 1/4 Stunde nicht
die mindesten Veränderungen eintraten.
Die Erscheinungen, welche wir nun der Reihe nach beobachten, sind von
sehr heterogener Art, und in den meisten Fällen die folgenden. Der
Ausdruck der Müdigkeit und bald darauf der eines betäubungähnlichen
Zustandes verbreitet sich über das Gesicht. Der Kranke athmet langsam
und kaum merklich, der Mund entgleitet dem Apparat oder schließt sich
gegen den Aether. Die Augenlider bedecken das Auge, welches nach oben
rollt. Sämmtliche äußere Muskeln erschlaffen, der Kopf senkt sich auf
die Seite, die Arme fallen herab, die Beine gleiten vorwärts, der Rücken
wölbt sich, die Brust sinkt ein, die Bewegung der Gedärme fühlt sich
durch die Bauchdecken langsamer. Das Athmen ist tief und ruhig, der
Herzschlag oft kaum fühlbar, mitunter ist der Athem schnarchend. Richten
wir unsere Aufmerksamkeit auf die Sinnesthätigkeiten, so bemerken
wir, daß mit der Zunahme der Betäubung ein Sinn nach dem anderen
verschwindet. Zuerst hört das Gefühl auf. Der Kranke nimmt nicht wahr,
daß er gekniffen oder mit einer Nadel gestochen wird. Alle übrigen
Sinne sind noch thätig. Dann erlischt der Geschmack, der Aetherisirte
empfindet und unterscheidet die Geschmackseindrücke nicht mehr; dann
das Gesicht, und darauf der Geruch, während das Gehör noch thätig ist.
Endlich hört auch dieser Sinn, welcher oft bis dahin in größter Feinheit
fortbestand, auf, und völlige Betäubung tritt ein. Dieser Zustand ist
der gewöhnliche und allgemeine.
Mit dem Nachlassen der Aetherwirkung nach Verlauf mehrerer Minuten oder
in einer unverhältnißmäßig langen Zeit, kehren die Sinne in umgekehrter
Reihe einer nach dem anderen zurück. Zuerst fängt der Betäubte wieder an
zu hören, dann zu riechen, dann zu sehen, dann zu schmecken und endlich
auch zu fühlen, und zwar sind bei der Rückkehr der einzelnen Sinne die
Folgen noch genauer, regelmäßiger, deutlicher und schärfer von einander
getrennt.
Schon vor dem Beginn der Einathmung der Aetherdämpfe ist das Athmen
schwer, in Folge der geistigen Aufregung. Beginnt die Inhalation, so
ist dasselbe gewöhnlich in Folge der Anlegung des Apparats ganz
unregelmäßig. Manche Kranke benehmen sich dabei sehr ungeschickt und
ungelehrig, athmen bald zu schnell, bald zu tief ein und vermehren
dadurch die schon durch den Aether bewirkte Reizung, so daß ein Hüsteln
eintritt. Erst beim Beginn der Empfindungslosigkeit und noch mehr
bei dem Schwinden der übrigen Sinne wird der Athem tief und langsam,
bisweilen schnarchend.
Das Auge drückt schon vor dem Anfange der Einathmungen eine etwas
besorgliche Aufregung aus, der Blick ist lebendiger, das Auge glänzend.
Schon nach einigen Athemzügen bemerkt man eine stärkere Blutanfüllung
der oberflächlichen Gefäße und bei jungen, vollblütigen Personen oft
eine leichte Röthung. Die Pupillen verengern sich gewöhnlich etwas im
Anfange der Einathmung, erweitern sich dann wohl auf einige Minuten,
um sich von Neuem zusammen zu ziehen, mit dem Eintritt einer tiefen
Betäubung sind sie oft sehr erweitert. Da die Kranken gewöhnlich die
Augen schließen, so sind die Veränderungen an der Pupille ohne Aufheben
des oberen Lides selten genau zu beobachten.
Der Puls erleidet eine merkliche Veränderung. Mit dem Beginn des
Einathmens fängt er an schneller zu werden, so daß er wohl 20 bis 30
Schläge in der Minute mehr hat. Hat der Aether hieran auch wohl einigen
Antheil, so wird diese Beschleunigung doch größtentheils durch das
Anfangs beschwerliche Athmen herbeigeführt. Allmälig, bei eintretender
Ruhe, verliert er an Schnelligkeit und sinkt auf die normale Zahl der
Pulsschläge herab, und nur selten und bei großer Betäubung wird er
noch langsamer als im natürlichen Zustande. Also vermehrte Frequenz
des Pulses im Anfange der Einathmung und späteres Langsamwerden ist das
Gewöhnliche.
In anderen Fällen beobachten wir Folgendes: der Puls nimmt wenig oder
gar nicht an Frequenz zu, oder er ist bald schnell, bald langsam, bald
klein, bald groß, und selbst mitunter aussetzend. Eben so wechselt er in
Bezug auf Härte und Weiche, Vollsein und Leere ab. Doch sind dies Alles
Verschiedenheiten, welche sich nur bei einzelnen Individuen zeigen,
und als Ausdruck der Eigenthümlichkeit ihrer Constitution und der
Reizbarkeit oder Unempfindlichkeit ihres Nerven- und Gefäßsystems zu
betrachten sind.
Mit der Verflüchtigung des Rausches, der Wiederkehr der schlummernden
Sinne und des vollen Bewußtseins, nimmt der Puls an Fülle und Frequenz
wieder zu, so daß er noch um 5 bis 10 Schläge mehr hat als vor dem
Einathmen der Aetherdämpfe.
Das Herz verhält sich meistens ruhig, und seine Schläge sind selten
stärker als im natürlichen Zustande. Oft erbebt es nur leise und die
einzelnen Schläge sind kaum von einander zu unterscheiden. Nur selten
trat wirkliches Klopfen ein, und dies entweder beim Anfange der
Inhalation oder bei der Wiederkehr des Bewußtseins, wo es sich dann
plötzlich hob.
Um die Wirkungen der eingeathmeten Aetherdämpfe in Bezug auf die
Anwendung in der Heilkunde genauer zu prüfen und zu würdigen, sind von
Aerzten eine große Menge von Versuchen an gesunden Personen und auch
an sich selber angestellt worden. Als die ersten sind die von der
Gesellschaft deutscher Aerzte in Paris, so wie die hier in Berlin von
dem talentvollen jungen von Gräfe, dem Sohne des berühmten, seeligen
v. Gräfe, angestellten zu erwähnen. Die an Aetherberauschten gemachten
Beobachtungen, sowie die Selbstbeobachtungen fanden während der niederen
Grade der Aethereinwirkung Statt.
Folgende Resultate ergaben die Versuche der Aerzte der deutschen
Gesellschaft in Paris, welche an sich selbst experimentirten.
In Bezug auf die Frequenz des Pulses zeigte sich bei Allen eine
deutliche Zunahme in den ersten 3 Minuten, hierauf ein Nachlassen der
Frequenz, die jedoch immer noch stärker als im normalen Zustande war.
Gegen das Ende des Versuches, gegen die 6te oder 8te Minute hin, begann
eine merkliche Reaction des Herzens, dessen Contractionen an Intensität
verloren hatten, indem es wieder stärker und schneller schlug. Dieselben
Erscheinungen zeigten sich selbst bei weiter fortgesetzten Versuchen.
Durchschnittlich ergab sich die mittlere Zahl der Pulsschläge auf 106.
Das Athmen war meist beschleunigter als im normalen Zustand, wobei
jedoch zu bemerken ist, daß selbst vor dem Versuche der Puls und die
Respiration meist schon schneller waren, als im normalen Zustande, was
durch die geistige Spannung und Aufregung derer, die sich dem Experiment
unterwarfen, wohl zu erklären ist. Die Respiration verhielt sich in
Bezug auf Frequenz und Ausdehnung vollkommen wie der Puls.
Die Wirkung der Einathmung auf das Nerven-System war in den allermeisten
Fällen eine vollkommene Aufhebung des Gefühls des Schmerzes, wovon
man sich durch Stechen der Ohren, der Nase und Hände mit Nadeln, durch
Einschnitte in den Arm, durch Abbrennen von Feuerschwamm und Betröpfeln
mit heißem Siegellack überzeugte. Hierbei ist zu bemerken, daß oft erst
nach längerem Einathmen diese Unempfindlichkeit gegen den Schmerz sich
zeigte, während kürzere Zeit dauernde Versuche bei denselben Individuen
ohne Resultat waren.
Die Dauer und Intensität der Wirkung hing zum größten Theil von der
Dauer und Genauigkeit der Einathmung ab. Die Unempfindlichkeit dauerte 1
Minute 3 Sekunden bei dem Einen, 1 Minute 30 Sekunden bei einem Anderen,
bei einem Dritten 1 Minute 14 Sekunden, bei Einem Vierten über 10
Minuten. Mehrere hatten Traumerscheinungen. Einer hatte leichte
Lichterscheinungen in den Augen, und es zeigten sich einige Symptome
von Schwindel. Zwei erwachten mit Lachen aus ihren heiteren Träumen.
Der Tastsinn war vollkommen ungestört, so lange die Individuen bei
Bewußtsein waren, und sie entdeckten ohne Hülfe der Augen die kleinsten
Unebenheiten eines Körpers. Die Wirkung des Aethers scheint bei
den Versuchen drei Stadien durchgemacht zu haben. Im Anfang ist das
Empfindungsvermögen, wie der Puls und die Respiration, gesteigert,
darauf verminderte sich die Wahrnehmung des Schmerzes mit der Bewegung
des Kreislaufes, und Verletzungen wurden nur schwach empfunden. Im
dritten Stadium hörte alles Gefühl auf, und das Individuum war so
unempfindlich wie ein Cadaver. Die Wirkung des Aethers verschwand bald,
und es blieb hernach nur ein Gefühl von Schwäche und Schwere des Kopfes,
was indeß nach höchstens einer Viertelstunde auch vorüberging. Alle
stimmten darin miteinander überein, daß die Wirkung des Aethers
ihnen eine angenehme Empfindung, ähnlich der eines leichten Rausches,
verursacht habe.
Professor Gerdy in Paris beschreibt folgendermaßen die Wirkung der
Aetherdämpfe auf sich selbst. »Ich bediente mich des Charrière'schen
Apparats und überwand bald den Reiz zum Husten, den die Aetherdämpfe in
der Luftröhre erzeugten, der Kitzel und der Husten schienen dann durch
die beruhigende Wirkung des Aethers nachzulassen. Von diesem Augenblicke
an fühlte ich schon eine Betäubung im Kopfe mit dem Gefühle von Hitze
verbunden, wie bei beginnendem Rausch. Diese Betäubung verbreitete sich
allmälig über den ganzen Körper und gewährte einen dumpfen, aber sehr
angenehmen Eindruck, ähnlich der Trunkenheit nach dem Genuß von
Bier oder jungem Wein. Die Wirkung des Aethers gleicht auch der des
Morphiums, unterscheidet sich aber, wenigstens für mich, von der
Opium-Berauschung durch den Mangel der wenig angenehmen Wirkung der
letzteren.
Der Gesichtssinn war nicht merklich durch die Betäubung abgestumpft,
denn ich las bei schwachem Lichte, als ich schon benommen war. Das Gehör
war mehr verändert. Mit der Zunahme der Betäubung nahm die Stärke des
Schalls ab, und erst mit dem Schwinden des Rausches wurden die Klänge
wieder deutlicher.
Der Geruchs-, Geschmacks- und Gefühls-Sinn waren durch die allgemeine
Betäubung nicht gelähmt; aber die Augenlider waren mir schwer, und ich
fühlte das Bedürfniß zu schlafen, um mich meinen Gefühlen zu überlassen.
Ich bekämpfte indeß die Müdigkeit und setzte meine Beobachtungen fort,
wobei ich bemerkte, daß, mit Ausnahme des Gefühls von Schwanken und
Betäubung, wodurch das Allgemeingefühl abgestumpft war, und des Summens
vor den Ohren, wodurch ich verhindert wurde, klar zu hören, meine
Auffassung so wie mein Verstand vollkommen frei seien. Ich versuchte
auch zu gehen, was mit schwankendem Schritte, wie bei Betrunkenen,
geschah. Das Sprechen fiel mir schwer und war langsam, sonst schienen
mir alle übrigen Functionen des Körpers leicht. Mein Bruder beobachtete
während dieser Zeit meinen Puls, und fand weder die Zahl noch die Stärke
der Schläge verändert.«
Dieselben Versuche wurden von Gerdy bei zehn Personen, Männern und
Frauen wiederholt und gaben ähnliche Resultate. Einige verloren ihr
Selbstbewußtsein, Andere wurden sehr heiter gestimmt, bei Anderen
stellte sich Verdunkelung des Gesichts ein.
Dem von Herrn Gerdy an sich selbst vorgenommenen Experimente füge ich
die von v. Graefe an sich selbst und zahlreichen Anderen gemachten
Versuche sowie seine eigene Mittheilung, welche zugleich die Kritik des
Gerdy'schen Experiments enthält, hinzu.