Bisweilen sieht wohl ein Mensch etwas Ähnliches im Traume und dann
träumt er sein ganzes Leben lang davon, (die Wirklichkeit versinkt ihm
für alle Zeiten) und er ist zu nichts mehr zu brauchen. Ihr Name war
Ulinka. Sie hatte eine merkwürdige Erziehung genossen. Sie war von einer
englischen Gouvernante erzogen worden, die kein Wort Russisch verstand.
Ihre Mutter war schon früh gestorben, und ihr Vater hatte keine Zeit,
sich viel um sie zu kümmern. Übrigens konnte es bei seiner unsinnigen
Liebe zu seiner Tochter nicht anders kommen, als daß er sie verwöhnte.
Es ist außerordentlich schwer ein Bild von ihr zu geben. Sie hatte etwas
Lebendiges wie das Leben selbst. Sie war eigentlich mehr lieblich als
schön und gütig als klug; sie war schlanker und ätherischer als ein
klassisches Frauenbildnis. Man hätte unmöglich sagen können, welches
Land ihr seinen Stempel aufgedrückt habe, denn man hätte nicht so leicht
ein ähnliches Profil und ähnliche Gesichtszüge finden können, es sei
denn auf antiken Kameen. Da sie in voller Freiheit aufgewachsen war, war
alles an ihr eigenartig und urwüchsig. Wenn jemand gesehen hätte, wie
ein plötzlicher Zorn strenge Falten in ihre herrliche Stirne grub, und
wie sie sich leidenschaftlich mit ihrem Vater stritt, er hätte glauben
können, dies sei das launischste Geschöpf von der Welt. Aber sie wurde
nur dann zornig, wenn sie davon hörte, daß ein anderer ungerecht oder
grausam behandelt worden war. Wie schnell jedoch wäre dieser Zorn
verschwunden, wenn sie denselben Menschen, dem sie zürnte, im Unglück
gesehen hätte. Wie hätte sie ihm da ihren Geldbeutel zugeworfen, ohne
darüber nachzudenken, ob dies klug oder dumm sei, wie hätte sie ihr
Kleid in Stücke gerissen, um ihn zu verbinden, wenn er verwundet gewesen
wäre.