Florian. Reden Sie nichts auf mich; Sie haben auch schon
ausgedient bei mir. (allein.) Ich unglückseliger Mensch, was fang'
ich an? Wenn ich auch durchging', es nutzt nichts; denn wenn er in
England eine bei der Hand nimmt, so fangt's mich in Holland zum
Reißen an. Es ist kein Mittel, als sukzessiv hin zu werden; immer
matter, bis es aus ist.
Quodlibet.
Werd' ich denn hier sterben müssen?
Soll ich nicht die schöne Gegend
Draust bei Währing wiedersehn?
Nimmermehr am heitern Ufer,
Beim Kanal spazieren gehn?
Nein, du armer Michel,
Der Tod kommt mit der Sichel!
Wie traurig ist doch mein Geschick!
Mir blüht auf dieser Welt kein Glück.
Kein Mädchen, das stets Wahrheit spricht;
O jegerl, g'fallt mir nicht, die G'schicht.
Welche Lust gewährt das Reißen,
Wenn eine reicht stark lügt.
Glauben Sie's mir!
Ach, ist es denn gar so schwer,
Ein Mädchen z'finden,
Das ein treues Herz besitzt,
Das man kann ergründen?
O närrische Leut', o komische Welt!
Einmal war es ganz anders!
Da gab es noch Mädchen,
Die saßen am Rocken
Und spannen am Rädchen.
Jetzt putzen und zieren sie sich, wie die Affen,
Und lassen sich hinten und vorne begaffen.
Hab' ich nicht recht? Nun, wenn S' erlauben!
Und meine Mariandel, die wird zu Hause fragen:
Was macht denn der Florl? sag', ist er recht g'sund?
Er liegt im Spital draust, ist ganz auf den Hund.
Ist das wahr? Der arme Narr!
Lieber Herr Franzel, nur jetzt kein Tanzel!
Denn erster Liebe Kraft,
Bleibt ewig Leidenschaft!
Und ihr Florl, meint sie,
Gilt ihr alles, meint sie,
Von Amstetten, meint sie,
Bis Hernals, meint sie,
Gibt's kein Mann, meint sie,
So wie er, meint sie,
Ich wär' schön, meint sie, au contraire!
Drum will ich lustig sein,
Und mich des Lebens freun!
Nur in dem Landel,
Wo mein Mariandel
Sehnsuchtvoll wartet,
Möcht ich schon sein.
Denn mir liegt nichts an Stammersdorf und an Paris,
Nur in Wien ist's am besten, das weiß man schon g'wiß;
Man weiß, daß's in hundert Jahren auch noch so is'!
Aber, ob wir nicht g'storben sein, weiß man nicht g'wiß.
Drum, wenn ich hier sterben sollt', und Sie nimmer sich,
So bitt' ich halt gar schön, so denken S' an mich!
Fünfzehnte Szene.
Man hört einen Marsch. Alles Volk erscheint und stellt sich in
einen halben Zirkel, dessen Mitte frei bleibt. Die Frauenzimmer
stehen vor den Männern unverschleiert. Veritatius erscheint mit
seiner Tochter Modestina. Aladin, Wachen, dann Eduard und Florian.
Chor.
Stellt euch um der Wahrheit Thron,
Sprecht der frechen Lüge Hohn.
Veritatius (besteigt mit Modestina seinen erhabenen Stuhl). Volk
dieser Stadt! Ich habe dich versammeln lassen, um Zeuge zu sein
bei der Verbannung eines Geschöpfes, welches schon seit langer Zeit
durch ausgelassene Manieren die Gebräuche unserer Insel mit Füßen
tritt.
Alle. Hoch lebe Veritatius!
Veritatius. Doch bevor wir den Vorhang dieser unangenehmen Szene
eröffnen: Aladin, führe den Fremden vor. (Aladin geht und bringt
Eduard und Florian.)
Veritatius. Sei mir willkommen, Fremdling! Du bist also der Herr
vom Lande der Aufrichtigkeit?--Was ist denn das für eine pitoyable
Figur, die dort an deiner Seite steht?