Eduard. Es ist mein Diener. (Deutet Florian, daß er sprechen soll.)

Florian. Bin so frei, meine ergebenste Aufwartung zu machen.

Veritatius. Das ist ein spaßiger Mensch, ich muß über ihn lachen.

(Lacht; zu den übrigen.) Man lache auch ein wenig über ihn.

(Alle lachen.)

Florian. Das ist eine dumme Nation!

Veritatius. Und nun zur Sache! Ich habe gehört, daß du dir eine

Braut erkiesen willst, und weil du mir so wohl gefällst, auch aus

vornehmem Stande bist, so stelle ich dir hier meine Tochter vor.

Man verwundere sich. (Alles verwundert sich.) Wenn er dir gefällt

und seine Abkunft beweiset, will ich mit Freuden euere Hände

ineinander legen.

Modestina. Fremdling! Gewohnt, den Befehlen meines Vaters zu

gehorchen, reiche ich dir mit Freuden meine Hand, wenn du mich

vorher überzeugst, daß dein Edelmut sie verdient.

Florian. Ui jegerl, ich freu' mich schon.

Eduard. Nimm meine Huldigung, Holdeste deines Geschlechtes.

(ergreift ihre Hand.)

(Florian empfindet Schmerz, sucht ihn aber durch unartikulierte

Töne und Lippenbeißen zu verbergen.)

(Eduard sieht auf Florian; dieser deutet nein, er läßt ihre Hand

mit Anstand los.)

Modestina. Er gefällt mir recht wohl.

(Dumpfer Lärm von außen, man hört Aminens Stimme.)

Aminens Stimme. Laßt mich! Laßt mich!

Sechzehnte Szene.

Amine. Wachen. Vorige.

Amine (stürzt herein, hinter ihr Wache). Laßt mich, ihr

abscheulichen Männer! (Stürzt zu Veritatius' Füßen.) Gütiger Herr!

Was hat die arme Amine verbrochen, daß sie solchen Mißhandlungen

preisgegeben wird? Ich bin ja ein armes, unschuldiges Mädchen, das

noch niemand auf der Welt etwas zuleide getan hat.

Veritatius. Wie kannst du es wagen, vor meine Augen zu treten,

ohne daß ich dich rufen ließ? Ausgelassenes Geschöpf, über dessen

Verbrechen sich alle Bewohner dieser Stadt entsetzen.

Amine. Aber worin bestehen denn meine Verbrechen? Daß ich über

die spitzige Nase deines Türstehers gelacht habe, daß ich auf der

Straße herumgelaufen bin, meinen Papagei zu fangen, daß ich mein

Haupt mit keinem Tuche umwinden will, weil ich Kopfschmerzen davon

bekomme, und daß ich endlich keine traurige Miene machen kann, weil

ich ein fröhliches Herz im Busen trage, sieh, das kann ich nicht

lassen, lachen muß ich; und wenn du noch so zornig auf mich

blickest und deine Augenbrauen so hinauf ziehest, so werd' ich

wieder recht zu lachen anfangen müssen.

Veritatius. Welch unerhörte Frechheit! Man ärgere sich mit mir!

(Pause.) Nein, man ärgere sich nicht; es will sich nicht geziemen,

daß wir wegen dieser Verbrecherin in Ärger geraten. Als eine arme

Waise hat man sie hier aufgenommen, weil ihr Vater, ein englischer

Kapitän, mit seinem Schiffe an dieser Insel strandete und seinen

Tod in den Wellen fand; und diese Bettlerin wagt es, das Ärgernis

einer ganzen Stadt zu werden? Man ergreife sie, setzte sie in ein

Schifflein und treibe es hinaus in die See, fern hin von dem Lande

der Wahrheit, damit die Wellen das Spiel mit ihr treiben, das sie

nur zu lange mit uns getrieben hat. (Die Wachen ergreifen sie.)

Aladin. Führt sie fort.

Eduard. Halt! (Für sich.) Ein unwiderstehliches Gefühl reißt mich

hin, sie auf die Probe zu stellen.

Florian. Ah, das ist ja entsetzlich; das nimmt ja gar kein Ende.

Eduard (laut). Erlaube mir, mächtiger Herrscher, eine einzige

Frage an dieses Mädchen zu stellen.

Veritatius. Man stelle sie.

Eduard. Gutes Kind, hast du Vertrauen zu mir?

Amine. Ach ja! Du hast kein übles Gesicht und scheinst ein guter

Mensch zu sein. Amine fühlt das gleich.

Eduard. Reiche mir deine Hand.

Der Diamant des Geisterkönigs · 第 19 / 36 题