Eduard. Laß mich niedersinken und--

Longimanus. Der Mensch hat so schwache Nerven, alle Augenblick'

sinkt er.

Eduard. Du hast meinem Vater sechs Statuen zum Geschenk gemacht,

doch die siebente, kostbarste, mächtiger Zauberkönig! zürne nicht,

wenn ich mich erkühne, auch ihren Besitz von deiner

unerschöpflichen Großmut zu erflehen.

Longimanus (macht große Augen und sagt mit Gewicht). Die siebente

Statue willst du? Ja, die hat einen Wert; da kriegt man schon in

einem jeden Versatzamt was d'rauf.

Eduard. O, schenke sie mir!

Florian. Rucken S' heraus damit!

Longimanus. Nur Geduld! Weißt du was? Umsonst ist der Tod! Wenn

man etwas haben will, so muß man auch etwas dafür tun; nicht wahr?

Florian. Ja, springen muß man immer was lassen.

Longimanus. Also Schwierigkeit gegen Schwierigkeit! Du sollst die

diamantene Statue haben, aber--du mußt mir dafür ein Mädchen

aussuchen, welches in ihrem achtzehnten Jahre ist und noch in ihrem

Leben keine Lüge über ihre Lippen gebracht hat.

Florian Da kriegen wir s' nicht, die Statue!

Eduard. Hoher Herr! Du machst eine große Forderung an mich

schwachen Sterblichen; doch ich will auch das Unwahrscheinliche

wagen für den Besitz dieses Zauberschatzes.

Longimanus. Du willst also? Eh bien! Wenn du sie aber gefunden

hast, so bringst du sie augenblicklich hierher und erwartest mich

am Fuße meines rauchenden Palastes. Unterstehst du dich aber,

einen Augenblick mit ihrer Übergabe zu zögern, so ist dein Leben

verloren. Ja, schau' mich nur an! Ich mach' kein' Spaß!

Augenblicklich, da kommt kein Pardon!

Eduard. Ich füge mich deinem Ausspruche. Doch, wie wird es mir

möglich werden, diese Priesterin der Wahrheit zu erkennen? Wie

kann ich erfahren, ob ein Mädchen auch nicht im Scherze noch

gelogen hat! Wer im ganzen Hause wird mir das sagen können?

Florian. Nur beim Hausmeister erkundigen.

Longimanus. Da hast du recht. Da muß ich dir ein Kennzeichen

geben.

Florian. Ja. fragen S' nur mich allemal; ich werd' Ihnen's schon

sagen.

Longimanus. Richtig, durch den sollst du's wissen, weil er gar so

eine Freud' damit hat, unser Freund.

Florian. Ja, ich bitt', Euer Herrlichkeit! Ich g'freu' mich schon.

Longimanus. Wenn du ein Frauenzimmer prüfen willst, so ergreife

ihre Hand; hat sie schon einmal gelogen, so wird dieser Bursche da

im ganzen Körper entsetzliche Schmerzen empfinden.

Florian (ganz erstarrend). Mich trifft der Schlag!

Longimanus. Es wird ihn reißen, stechen, kurz, alles mögliche, was

er sich nur selbst wünschen kann.

Florian. Ich bitt', das ist wirklich zuviel!

Longimanus. Und je mehr Lügen, als eine in ihrem Leben gesagt hat,

in desto größere Zuckungen wird er verfallen.

Der Diamant des Geisterkönigs · 第 14 / 36 题