Die Neuheit der Sache und die Annehmlichkeiten des ersten Anblicks
ergötzten den verwunderten Landesherrn so sehr, daß er über die
eigenmächtigen Ackerbauer, die ohne seine Erlaubnis und Einwilligung hier
wirtschafteten, nicht unwillig ward, auch nicht in ihrem Tun und Treiben
sie zu stören begehrte, sondern sie so ruhig im Besitz ihres angemaßten
Eigentums ließ, wie ein gutmütiger Hausvater der geselligen Schwalbe oder
selbst dem überlästigen Spatz unter seinem Obdach Aufenthalt gestattet. Er
ward sogar willens, mit den Menschen Bekanntschaft zu machen, ihre Art und
Natur zu erforschen und mit ihnen Umgang zu pflegen. Daher nahm er die
Gestalt eines rüstigen Ackerknechtes an und verdingte sich bei dem ersten
besten Landwirt in Arbeit. Alles, was er unternahm, gedieh wohl unter
seiner Hand und Rips, der Ackerknecht, war für den besten Arbeiter im Dorfe
bekannt. Aber sein Brotherr war ein Prasser und Schlemmer, der den Erwerb
des treuen Knechtes verschwendete und für seine Mühe und Arbeit wenig Dank
wußte; darum schied er von ihm und kam zu dessen Nachbar, der ihm seine
Schafherde anvertraute; er wartete dieser fleißig, trieb sie in Einöden und
auf steile Berge, wo gesunde Kräuter wuchsen. Die Herde gedieh gleichfalls
unter seiner Hand, kein Schaf stürzte vom Felsen herab und keins zerriß der
Wolf. Aber sein Brotherr war ein karger Filz, der seinen treuen Knecht
nicht lohnte, wie er sollte; denn er stahl den besten Widder aus der Heide
und kürzte dafür den Hirtenlohn. Darum entlief er dem Geizhals und diente
dem Dorfrichter. Hier bewährte er sich bei Ergreifung der Diebe und
Überwachung der Gesetze. Aber der Richter war ein ungerechter Mann,
richtete nach Gunst und spottete der Gesetze. Weil Rips nun nicht das
Werkzeug der Ungerechtigkeit sein wollte, kündigte er dem Richter den
Dienst auf und ward in den Kerker geworfen, aus welchem er jedoch auf dem
gewöhnlichen Wege der Geister, durchs Schlüsselloch, leicht einen Ausgang
fand.
Dieser erste Versuch, die Menschen kennen zu lernen, konnte ihn unmöglich
zur Menschenliebe erwärmen; er kehrte mit Verdruß auf seine Felsenzinne im
Gebirge zurück, überschaute da die lachenden Gefilde, welche menschlicher
Fleiß verschönert hatte, und wunderte sich, daß die Mutter Natur ihre
Spenden an solche undankbaren Geschöpfe verlieh. Demungeachtet wagte er
noch einen Versuch, die Menschen zu beobachten, schlich unsichtbar herab
ins Tal und näherte sich den menschlichen Wohnstätten.