Pierre blickte verlegen von einem zum anderen.
„Ich weiß nicht,“ meinte er zögernd. Dann aber lachte er wieder und
sagte bestimmt: „Nein, so vergnügt bist du noch gar nie gewesen.“
Er lief mit dem Muschelkorb davon. Otto Burkhardt nahm seines Freundes
Arm und ging mit ihm ins Freie. Er ließ sich durch den Park und
schließlich zum Atelierhaus führen.
„Ja, da ist angebaut worden,“ stellte er alsbald fest, „sieht übrigens
recht hübsch aus. Wann hast du das machen lassen?“
„Vor drei Jahren etwa, glaube ich. Das Atelier selbst ist auch größer
geworden.“
Burkhardt sah sich um.
„Der See ist unbezahlbar! Da wollen wir am Abend ein wenig schwimmen. Du
hast es schön hier, Johann. Aber jetzt muß ich das Atelier sehen. Hast
du neue Bilder da?“
„Nicht viele. Aber eines, ich bin vorgestern erst damit fertig geworden,
das mußt du ansehen. Ich glaube, das ist gut.“
Veraguth schloß die Türen auf. Der hohe Arbeitsraum war festlich sauber,
der Boden frisch gescheuert und alles aufgeräumt. In der Mitte stand
einsam das neue Bild. Sie blieben schweigend davor stehen. Die
feuchtkalte, zähe Atmosphäre der trüben, regnerischen Morgenfrühe stand
im Widerspruch mit dem klaren Licht und der heißen durchsonnten Luft,
die durch die Türen hereinfloß.
Lange betrachteten sie das Werk.
„Das ist das letzte, was du gemacht hast?“
„Ja. Es muß ein anderer Rahmen darum, sonst ist nichts mehr dran zu tun.
Gefällt es dir?“
Die Freunde sahen einander prüfend in die Augen. Der größere und
stärkere Burkhardt mit dem gesunden Gesicht und den warmen, lebensfrohen
Augen stand wie ein großes Kind vor dem Maler, dessen Blick und Gesicht
scharf und streng aus den vorzeitig ergrauenden Haaren sah.
„Das ist vielleicht dein bestes Bild,“ sagte der Gast langsam. „Ich habe
auch die in Brüssel gesehen und die zwei in Paris. Ich hätte es nicht
gedacht, aber du bist in den paar Jahren noch vorwärts gekommen.“
„Das freut mich. Ich glaube es auch. Ich bin ziemlich fleißig gewesen,
und manchmal meine ich, ich sei früher eigentlich nur ein Dilettant
gewesen. Ich habe erst spät richtig arbeiten gelernt, aber jetzt bin ich
drüber Herr geworden. Weiter geht es nun wohl auch nicht, Besseres als
das hier kann ich nicht machen.“
„Ich verstehe. Na, du bist ja auch reichlich berühmt geworden, sogar auf
unseren alten Ostasiendampfern habe ich gelegentlich von dir sprechen
hören und bin ganz stolz geworden. Wie schmeckt es denn nun, das
Berühmtsein? Freut es dich?“
„Freuen, das will ich nicht sagen. Ich finde es in Ordnung. Es leben
zwei, drei, vier Maler, die vielleicht mehr sind und mehr geben können
als ich. Zu den ganz Großen habe ich mich nie gerechnet, und was die
Literaten darüber sagen, ist natürlich Blech. Ich kann verlangen, daß
man mich ernst nimmt, und da man das tut, bin ich zufrieden. Alles
andere ist Zeitungsruhm oder Geldfrage.“
„Na ja. Aber wie meinst du das mit den ganz Großen?“
„Ja, damit meine ich die Könige und Fürsten. Unsereiner bringt es zum
General oder Minister, dann ist er an der Grenze. Siehst du, wir können
nichts tun als fleißig sein und die Natur so ernst nehmen, als irgend
möglich ist. Die Könige aber, die sind Brüder und Kameraden der Natur,
sie spielen mit ihr und können selber erschaffen, wo wir nur nachbilden.
Aber freilich, die Könige sind rar, es kommt nicht alle hundert Jahre
einer.“
Sie gingen im Atelier auf und ab. Der Maler, nach den Worten suchend,
blickte angestrengt zu Boden, der Freund ging nebenher und suchte in dem
bräunlich mageren, starkknochigen Gesicht Johanns zu lesen.
Bei der Tür zum Nebenraum blieb Otto stehen.
„Mach doch hier einmal auf,“ bat er, „und laß mich die Zimmer sehen. Und
gib mir eine Zigarre, gelt?“
Veraguth öffnete die Tür. Sie gingen durch das Zimmer und blickten in
die Nebenräume. Burkhardt zündete sich eine Zigarre an. Er trat in das
kleine Schlafzimmer des Freundes, er sah sein Bett und betrachtete
aufmerksam die paar bescheidenen Räume, in welchen überall Malergeräte
und Rauchzeug umherlag. Das Ganze war fast dürftig anzusehen und sprach
von Arbeit und Askese wie etwa die kleine Wohnung eines armen, fleißigen
Junggesellen.
„Also da hast du dich eingerichtet!“ sagte er trocken. Aber er sah und
fühlte alles, was hier in Jahren vor sich gegangen war. Er bemerkte mit
Genugtuung die Gegenstände, die auf Sport, Turnen, Reiten hinwiesen, und
er vermißte bekümmert alle Zeichen von Behagen, kleinem Komfort und
genießerischer Mußezeit.
Dann kehrten sie zu dem Bilde zurück. Also so entstanden diese Bilder,
die überall an den Ehrenplätzen der Ausstellungen und Galerien hingen
und die man mit schwerem Gold bezahlte; hier entstanden sie in Räumen,
die nur Arbeit und Entsagung kannten, wo nichts Festliches, nichts
Unnützes, kein lieber Tand und Kleinkram, kein Duft von Wein und Blumen,
keine Erinnerung an Frauen zu finden war.
Über dem schmalen Bett hingen ungerahmt zwei Photographien angenagelt,
ein Bild des kleinen Pierre und eines von Otto Burkhardt. Er hatte es
wohl bemerkt, es war eine schlechte Liebhaberaufnahme, sie zeigte ihn im
Tropenhelm mit der Veranda seines indischen Hauses hinter sich, und
unterhalb der Brust floß das Bild ganz in mystische weiße Streifen
auseinander, weil Licht auf die Platte gekommen war.
„Das Atelier ist schön geworden. Überhaupt, wie du fleißig geworden
bist! Gib deine Hand her, Junge, es ist fein, dich wiederzusehen! Aber
jetzt bin ich müd und verschwinde für eine Stunde. Willst du mich später
abholen, zum Baden oder Spazierengehen? Gut, danke. Nein, ich brauche
gar nichts, in einer Stunde bin ich wieder _all right_. Auf
Wiedersehen!“
Er schlenderte bequem unter den Bäumen hinweg und Veraguth sah ihm nach,
wie seine Gestalt und sein Gang und jede Falte seiner Kleidung
Sicherheit und ruhige Lebensfreude verkündete.
Indessen ging Burkhardt zwar ins Haus hinüber, schritt aber an seinen
Zimmern vorbei zur Treppe, stieg hinauf und klopfte bei Frau Veraguth
an.
„Störe ich, oder darf ich ein bißchen Gesellschaft leisten?“
Sie ließ ihn ein und lächelte, und er fand das kurze, ungeübte Lächeln
auf dem kräftigen, schweren Gesicht sonderbar hilflos.
„Es ist herrlich hier auf Roßhalde. Ich war schon im Park und am See
drüben. Und wie Pierre gediehen ist! Der hübsche Kerl könnte mir beinah
mein Junggesellentum verleiden.“
„Nicht wahr, er sieht gut aus? Finden Sie, er gleiche meinem Mann?“
„Ein wenig, ja. Oder eigentlich mehr als nur ein wenig. Ich habe Johann
in diesem Alter noch nicht gekannt, aber ich weiß noch ziemlich gut, wie
er mit elf, zwölf Jahren ausgesehen hat. – Er scheint übrigens ein wenig
überanstrengt. Wie? Nein, ich spreche von Johann. Hat er in der letzten
Zeit sehr viel gearbeitet?“
Frau Adele sah ihm ins Gesicht; sie fühlte, daß er sie ausforschen
wolle.
„Ich glaube wohl,“ sagte sie ruhig. „Er spricht sehr selten von seiner
Arbeit.“
„Was malt er denn jetzt? Landschaften?“
„Er arbeitet oft im Park, meistens mit Modellen. Haben Sie Bilder von
ihm gesehen?“
„Ja, die in Brüssel.“
„Hat er in Brüssel ausgestellt?“
„Gewiß, eine ganze Menge Bilder. Ich habe den Katalog mitgebracht. Ich
möchte nämlich eines davon kaufen und hätte gerne von Ihnen gehört, was
Sie davon halten.“
Er bot ihr ein Heft hin und deutete auf die kleine Reproduktion eines
Bildes. Sie betrachtete das Bildchen, blätterte in dem Büchlein und gab
es ihm zurück.
„Sie müssen sich selber helfen, Herr Burkhardt, ich kenne das Bild
nicht. Ich glaube, er hat es im vergangenen Herbst in den Pyrenäen
gemalt und gar nie hier gehabt.“
Sie machte eine Pause und fuhr ablenkend fort: „Sie haben Pierre
beschenkt, das war lieb. Ich danke Ihnen.“
„O, es sind Kleinigkeiten. Aber Sie müssen mir erlauben, auch Ihnen
etwas Asiatisches als Andenken zu geben. Wollen Sie das? Ich habe ein
paar Stoffe mitgebracht, die ich Ihnen zeigen möchte, und Sie müssen
sich davon aussuchen, was Ihnen gefällt.“
Es gelang ihm, aus ihrem höflichen Sperren einen kleinen scherzhaft
galanten Wortkrieg zu entfachen und die verschlossene Frau in gute
Stimmung zu bringen. Er brachte einen Arm voll indischer Gewebe aus
seiner Schatzkammer herauf, er breitete malaiische Battickstoffe und
handgewobene Stücke aus, legte Spitzen und Seide über die Stuhllehnen,
plauderte und erzählte, wo er dies und jenes gesehen und erfeilscht
habe, fast für nichts, und entfaltete einen lustigen, bunten kleinen
Basar. Er bat um ihr Urteil, hing ihr Spitzen über die Hände, erklärte
ihre Machart und nötigte sie, die schönsten Stücke auszubreiten, zu
betrachten, zu betasten, zu loben und schließlich zu behalten.
„Nein,“ rief sie am Ende lachend, „ich mache Sie ja zum Bettler. Das
kann ich unmöglich alles behalten.“
„Keine Sorge,“ lachte er dagegen. „Ich habe vor kurzem wieder
sechstausend Gummibäume gepflanzt und bin im Begriff, ein rechter Nabob
zu werden.“
Als Veraguth ihn abzuholen kam, fand er beide plaudernd in voller
Fröhlichkeit. Verwundert sah er, wie seine Frau gesprächig geworden war,
suchte vergebens mit ins Geplauder zu kommen und ging etwas schwerfällig
daran, nun auch die Geschenke zu bewundern.
„Laß nur, das sind Damensachen,“ rief der Freund ihm zu, „wir wollen
jetzt baden gehen!“
Er zog ihn hinaus und ins Freie.
„Deine Frau ist wirklich kaum älter geworden, seit ich sie zum
letztenmal sah,“ fing Otto unterwegs an. „Eben war sie mächtig vergnügt.
Soweit ist ja also bei euch alles in Ordnung. Fehlt noch der große Sohn.
Was macht denn der?“
Der Maler zuckte die Achseln und zog die Brauen zusammen.
„Du wirst ihn sehen, er kommt dieser Tage. Ich schrieb dir ja einmal
darüber.“
Und plötzlich blieb er stehen, beugte sich gegen den Freund vor, sah ihm
scharf in die Augen und sagte leise:
„Du wirst alles sehen, Otto. Ich habe nicht das Bedürfnis, darüber zu
reden. Du wirst sehen. – Wir wollen vergnügt sein, solang du da bist,
Alter! Und jetzt gehen wir an den Weiher; ich will wieder einmal mit dir
wettschwimmen wie in der Knabenzeit.“
„Das wollen wir,“ nickte Burkhardt, der Johanns Nervosität nicht zu
bemerken schien. „Und du wirst gewinnen, mein Lieber, was dir früher
nicht immer gelang. Es ist ein Jammer, aber ich habe tatsächlich einen
Bauch angesetzt.“
Es war Abend geworden. Der See lag ganz im Schatten, oben in den
Baumkronen spielte ein schwacher Wind und über die schmale blaue
Himmelsinsel, die der Park überm Wasser frei ließ, flogen leichte
lilafarbene Wolken, alle von derselben Art und Form, in
geschwisterlicher Reihe, dünn und langgestreckt wie Weidenblätter. Die
beiden Männer standen vor der im Gebüsch verborgenen Badehütte, deren
Schloß nicht aufgehen wollte.
„Lassen wir’s!“ rief Veraguth. „Das Zeug ist verrostet, wir brauchen die
Hütte nie.“
Er begann sich zu entkleiden, Burkhardt folgte dem Beispiel. Als sie
schwimmbereit am Ufer standen und die Zehen prüfend in das stille,
schattige Wasser steckten, kam im selben Augenblick über beide Männer
ein verwehter süßer Glückshauch aus den fernen Knabenzeiten her, sie
blieben minutenlang im Vorgefühl des leichten, holden Badeschauders
stehen und in ihren Seelen tat sich sachte das grüne helle Tal der
Jugendsommerzeiten auf, daß sie schwiegen und, der sanften Regung
ungewohnt, mit halber Verlegenheit die Füße ins Wasser tauchten und der
rasch aufblinkenden Flucht von Halbkreisen auf dem braungrünen Spiegel
zusahen.
Nun tat Burkhardt einen raschen Schritt ins Wasser.
„Ah, das ist gut,“ seufzte er wohlig auf. „Übrigens können wir beide uns
immer noch sehen lassen, und wenn ich meinen Bauch abrechne, sind wir
noch zwei recht stramme Bursche.“
Er ruderte mit flachen Händen, schüttelte sich und tauchte unter.
„Du weißt nicht, wie gut du es hast!“ rief er neidisch. „Durch meine
Pflanzung draußen läuft der schönste Fluß, und streckst du das Bein
hinein, so siehst du es nicht wieder. Er ist voll von den verfluchten
Krokodilen. Vorwärts jetzt, um den großen Becher von Roßhalde! Wir
schwimmen bis zur Treppe da unten und wieder zurück. Bist du soweit?
Also: eins – zwei – drei!“
Rauschend stießen sie ab, beide mit lachenden Gesichtern und in mäßigem
Tempo, aber der Hauch vom Jugendgarten war noch über ihnen, sie begannen
alsbald ernstlich zu wetteifern, die Gesichter spannten sich, die Augen
blitzten und die geschwungenen Arme glänzten mit weiten Wurfbewegungen
aus dem Wasser. Sie waren gleichzeitig bei der Treppe, stießen
gleichzeitig wieder ab und strebten denselben Weg zurück, und nun warf
sich der Maler in heftigen Schwüngen vorwärts, gewann Vorsprung und war
eine kleine Weile vor dem anderen am Ziel.
Stark atmend hielten sie stehend im Wasser, rieben sich die Augen aus
und lachten einer den anderen in schweigendem Vergnügen an, und es
schien beiden, erst jetzt seien sie wieder die alten Kameraden und erst
jetzt beginne die kleine, fatale Kluft von Ungewohntheit und Fremdheit
zwischen ihnen zu verschwinden.
Wieder angekleidet saßen sie mit frischen Gesichtern und erleichtertem
Gefühl nebeneinander auf den flachen Steinstufen der Seetreppe. Sie
blickten über den dunkeln Wasserspiegel, der sich jenseits in der
buschüberhangenen ovalen Bucht schon in schwärzlich braune Dämmerung
verlor, sie naschten feiste hellrote Kirschen, die sie dem Diener noch
in der braunen Papierhülle abgenommen hatten, und sie sahen mit
befreiten Herzen dem herankommenden Abend zu, bis die tiefstehende Sonne
wagrecht zwischen den Stämmen hindurch hereinschien und auf den
gläsernen Flügeln der Libellen goldene Feuer entzündete. Und sie
plauderten ohne Pause und ohne Besinnen eine gute Stunde lang von der
Institutszeit, von den Lehrern und den damaligen Mitschülern und was aus
dem und jenem geworden sei.
„Mein Gott,“ sagte Otto Burkhardt mit seiner friedlich frischen Stimme,
„es ist lange her. Weiß man denn nicht, was aus der Meta Heilemann
geworden ist?“
„Ja, die Meta Heilemann!“ fiel Veraguth begierig ein. „Sie war wirklich
ein schönes Mädel. Alle meine Schreibunterlagen waren voll von ihren
Porträts, die ich während der Schulstunden heimlich auf die Fließblätter
zeichnete. Das Haar ist mir nie recht geglückt. Weißt du noch, sie trug
es in zwei dicken Schnecken über den Ohren.“
„Weißt du nichts von ihr?“
„Nichts. Als ich das erstemal von Paris zurückkam, war sie mit einem
Rechtsanwalt verlobt. Ich traf sie mit ihrem Bruder auf der Straße, und
ich weiß noch, wie ich über mich selber wütend war, weil ich sofort rot
wurde und mir trotz dem Schnurrbart und der Pariser Abgebrühtheit wieder
wie ein dummer kleiner Schulbub vorkam. – Nur daß sie Meta hieß! Ich
konnte den Namen nicht ausstehen!“
Burkhardt wiegte träumerisch den runden Kopf.
„Du warst nicht verliebt genug, Johann. Für mich war Meta herrlich,
meinetwegen hätte sie Eulalia heißen können, ich wäre doch für einen
Blick von ihr durchs Feuer gegangen.“
„O, auch ich war verliebt genug. Einmal, als ich von unserem
Fünfuhrausgang heimkam – ich hatte mich absichtlich verspätet, ich war
allein und dachte an nichts in der Welt als an Meta, und es war mir
vollkommen gleichgültig, daß ich beim Zurückkommen bestraft werden würde
– da kam sie mir entgegen, dort bei der runden Mauer. Sie hatte eine
Freundin am Arm, und da ich so plötzlich mir vorstellen mußte, wie es
wäre, wenn statt dem blöden Ding ich ihren Arm in meinem und sie so nahe
an mir hätte, da wurde ich so schwindlig und verwirrt, daß ich eine
Weile stehen blieb und mich an die Mauer lehnte, und als ich schließlich
heimkam, war richtig das Tor schon geschlossen, ich mußte läuten und
bekam eine Stunde Arrest.“
Burkhardt lächelte und dachte daran, wie sie beide schon mehrmals bei
ihren seltenen Zusammenkünften sich jener Meta erinnert hatten. Damals
in der Jünglingszeit hatte einer dem andern seine Liebe mit List und
Sorgfalt verschwiegen, und erst nach Jahren, als Männer, hatten sie
gelegentlich den Schleier gelüftet und ihre kleinen Erlebnisse
ausgetauscht. Und doch gab es heute noch in dieser Sache Geheimnisse.
Otto Burkhardt mußte eben jetzt daran denken, daß er damals monatelang
einen Handschuh von Meta besessen und verehrt, den er gefunden oder
eigentlich gestohlen hatte und von dem sein Freund bis heute nichts
wußte. Er überlegte, ob er nun auch diese Geschichte preisgeben solle,
und schließlich lächelte er listig und schwieg und fand es hübsch, diese
kleine letzte Erinnerung auch weiterhin in sich verschlossen zu halten.