~Verbrennung zweier Kinder.~
Ein Knabe von 6-3/4 Jahren und seine Schwester von drittehalb Jahren
waren in einem Brande, den angeblich die Mutter absichtlich in der
Stube, namentlich im Korbe, in welchem das jüngste Kind auf Federn und
Lumpen lag, angelegt hatte, umgekommen. Am Körper des jüngsten Kindes
zeigten sich überall Brandverletzungen. Schwarz verkohlt nämlich waren
die äussere Fläche der linken Oberextremität, die Geschlechtstheile,
_nates_ und die Fusszehen am rechten Fusse; braun und lederartig,
geröstet, die linke Gesichtshälfte, die linke Rumpfseite, und
endlich zeigte sich die niederere Stufe der Verbrennung, Ablösung
der Oberhaut, an der rechten Oberextremität, der linken Hand und an
beiden Oberschenkeln. Der Knabe dagegen hatte gar keine Brandwunden.
Beide Kinder waren, wie gewöhnlich bei Verbrennungen, an Erstickung
gestorben, wobei ich zunächst bemerke, dass auch in diesen beiden
Fällen wieder die Zunge ~hinter~ den Zähnen liegend, also nicht
eingeklemmt, gefunden wurde. Ganz vorzüglich ausgeprägt war in Beider
Luftröhren eine Anfüllung mit nicht sehr schaumigem, dunkel-schmutzigem
Schleim, in welchem deutlich schwarze Partikelchen (Kohle) sichtbar
waren. Beider Kinder Lungen, vorzüglich die rechten, waren mit dunkelm
und flüssigem Blute sehr überfüllt, ebenso, besonders bei dem Knaben,
die grossen Venenstämme der Brust- und Bauchhöhle. Das rechte Herz
enthielt bei diesem einen halben Esslöffel, bei dem Mädchen nur einen
halben Theelöffel eben solchen Blutes. Die Baucheingeweide waren bei
dem Mädchen gar nicht, bei dem Knaben aber die Leber und rechte Niere
hyperämisch. Beide Mägen strotzten von Aepfel- und Kartoffelbrei. Beide
Harnblasen waren leer. Die Dünndärme hatten nur bei dem Knaben ein
rosenröthliches (choleraähnliches) Ansehen, wie es sehr häufig nach dem
Erstickungstode vorkommt; die Dickdärme waren bei Beiden voll Koth. Das
Gehirn sah bei beiden Kindern eigenthümlich rosenroth auf seiner ganzen
Oberfläche aus, und auch seine Substanz war bei Beiden blutreicher als
gewöhnlich, was von den _Sinus_ nicht gesagt werden konnte. Beiläufig
bemerke ich, dass die Thymusdrüse bei dem fast siebenjährigen Knaben
noch wallnussgross war, und erinnere an die beiden Fälle S. 11 im
ersten Hundert vom Befunde dieses Organs bei einem sechs- und bei einem
funfzehnjährigen Knaben.