~Sinken Einer, Schwimmen der andern Lunge.~
Wie die Ueberschrift zeigt, ein dem vorigen ähnlicher Fall, nur
dass hier das theilweise Schwimmen einen andern Grund hatte. Ein
reifes männliches Kind war mit einer ~vierfachen~ Umschlingung der
noch ganz frischen, nicht weniger als ~dreiunddreissig~ Zoll langen
Nabelschnur, die nicht unterbunden und abgerissen war, in einem Hause
todt gefunden worden. Am Halse war von einer Rinne gar Nichts, und
nur am Nacken ein 2 Zoll langer, 3 Linien breiter, weisslicher, nicht
eingefurchter Streifen bemerkbar; aber an der rechten Seite des Halses
fanden sich nebeneinander fünf bis sechs erbsengrosse, hellrothe,
weich zu schneidende Flecke ohne Sugillation, recht eigentliche
kleine Excoriationen. Am linken Unterkieferwinkel fand sich eine
groschengrosse, blaue, wirklich sugillirte Stelle und auf der linken
Backe eine Abschilferung der _Epidermis_, wie von einem Nagel gekratzt.
Die rechte Lunge war hellbraunroth, lag zurückgezogen in der Höhle und
zeigte bis in ihre kleinsten Partikeln keine Schwimmfähigkeit; die
linke dagegen bedeckte den Herzbeutel fast ganz, war hellrosenroth,
gefleckt, schwamm vollständig bis in ihre kleinsten Stückchen, und
zeigte auch bei Einschnitten knisterndes Geräusch und blutigen Schaum,
was bei der rechten durchaus nicht der Fall war. In der Schädelhöhle
fanden wir Hyperämie, und sogar -- ohne dass eine Spur einer äussern
Verletzung am Kopfe sichtbar gewesen wäre -- die _Basis cranii_ mit
einem syrupsartigen Extravasat bedeckt. Das Kind hatte sonach gelebt,
und zwar mit der ~linken~ Lunge zu athmen begonnen. Unser Gutachten
erging dahin: dass das Kind reif gewesen, dass es eine kurze Zeit
gelebt habe, am Schlagfluss gestorben sei, dass diese Todesart höchst
wahrscheinlich durch die Umschlingung der Nabelschnur bedingt worden,
dass eine andere und gewaltthätige Veranlassung des Schlagflusses
»minder wahrscheinlich« sei, und dass die kleinen Verletzungen am
linken Unterkieferwinkel und an der linken Backe muthmaasslich von der
Selbsthülfe der gebärenden Mutter herrührten. Merkwürdig bleibt, wie
bei dem jedenfalls doch nur kurzem Leben des Kindes die Eine Lunge sich
so vollständig mit Luft erfüllt gehabt hatte, wie denn auch dieser Fall
wieder einen neuen Beweis von der Trefflichkeit der Athemprobe giebt.