80. Fall.

~Sinken Einer, Schwimmen der andern Lunge.~

Wie die Ueberschrift zeigt, ein dem vorigen ähnlicher Fall, nur

dass hier das theilweise Schwimmen einen andern Grund hatte. Ein

reifes männliches Kind war mit einer ~vierfachen~ Umschlingung der

noch ganz frischen, nicht weniger als ~dreiunddreissig~ Zoll langen

Nabelschnur, die nicht unterbunden und abgerissen war, in einem Hause

todt gefunden worden. Am Halse war von einer Rinne gar Nichts, und

nur am Nacken ein 2 Zoll langer, 3 Linien breiter, weisslicher, nicht

eingefurchter Streifen bemerkbar; aber an der rechten Seite des Halses

fanden sich nebeneinander fünf bis sechs erbsengrosse, hellrothe,

weich zu schneidende Flecke ohne Sugillation, recht eigentliche

kleine Excoriationen. Am linken Unterkieferwinkel fand sich eine

groschengrosse, blaue, wirklich sugillirte Stelle und auf der linken

Backe eine Abschilferung der _Epidermis_, wie von einem Nagel gekratzt.

Die rechte Lunge war hellbraunroth, lag zurückgezogen in der Höhle und

zeigte bis in ihre kleinsten Partikeln keine Schwimmfähigkeit; die

linke dagegen bedeckte den Herzbeutel fast ganz, war hellrosenroth,

gefleckt, schwamm vollständig bis in ihre kleinsten Stückchen, und

zeigte auch bei Einschnitten knisterndes Geräusch und blutigen Schaum,

was bei der rechten durchaus nicht der Fall war. In der Schädelhöhle

fanden wir Hyperämie, und sogar -- ohne dass eine Spur einer äussern

Verletzung am Kopfe sichtbar gewesen wäre -- die _Basis cranii_ mit

einem syrupsartigen Extravasat bedeckt. Das Kind hatte sonach gelebt,

und zwar mit der ~linken~ Lunge zu athmen begonnen. Unser Gutachten

erging dahin: dass das Kind reif gewesen, dass es eine kurze Zeit

gelebt habe, am Schlagfluss gestorben sei, dass diese Todesart höchst

wahrscheinlich durch die Umschlingung der Nabelschnur bedingt worden,

dass eine andere und gewaltthätige Veranlassung des Schlagflusses

»minder wahrscheinlich« sei, und dass die kleinen Verletzungen am

linken Unterkieferwinkel und an der linken Backe muthmaasslich von der

Selbsthülfe der gebärenden Mutter herrührten. Merkwürdig bleibt, wie

bei dem jedenfalls doch nur kurzem Leben des Kindes die Eine Lunge sich

so vollständig mit Luft erfüllt gehabt hatte, wie denn auch dieser Fall

wieder einen neuen Beweis von der Trefflichkeit der Athemprobe giebt.

Gerichtliche Leichen-Oeffnungen. Zweites Hundert. · 第 94 / 161 题