~Erstickungstod. Sinken Einer Lunge.~
Der sehr interessante Fall erfordert eine etwas ausführlichere
Mittheilung. In der Nacht vom 12ten bis 13ten November starb ohne
erhebliche vorangegangene Krankheit das am 10ten _ej._ früh 2 Uhr
geborne, also ~zwei Tage alte~ Kind der verehelichten _H._, welches
sie zu sich in's Bett genommen hatte. Um 7 Uhr Abends hatte eine
Zeugin das Kind, ein Mädchen, noch lebend aus dem Bette der Mutter
genommen, wobei sie dasselbe so heiser fand, dass es »keine Stimme zum
Schreien hatte«. Die Mutter gab an, dass sie es Nachts wieder zu sich
in's Bett genommen, und zwar, um es rascher zu erwärmen, es in ihren
Arm und ganz dicht an den Körper gelegt habe. Um 5 Uhr früh fand sie
das Kind todt. Die gerichtliche Obduction hat folgende wesentliche
Ergebnisse geliefert. Das Kind, reif geboren, hatte die gewöhnliche
Leichenfarbe, und am Unterleibe war anfangende Verwesung bereits
sichtbar. Die Augen prominirten nicht, und die Zunge lag ~hinter~ den
Kiefern, also nicht eingeklemmt, eine neue Bestätigung meiner frühern
Beobachtungen und meiner Behauptung von der Unzuverlässigkeit dieses
Zeichens beim Erstickungstode[22]. Beide Lippen waren schwarzblau,
hart zu schneiden, und zeigten eine geringe Sugillation. Anderweitige
äussere Verletzungen waren nicht wahrzunehmen. Das Zwerchfell stand
hoch, zwischen der 4ten und 5ten Rippe. Ausser einer starken Anfüllung
der _V. cava_ bot die Bauchhöhle nichts Auffallendes dar. In der
Brust füllten beide Lungen die Brusthöhle aus. Ihre Farbe war eine
hellbräunlich-rothe, und durchweg ziemlich dieselbe. Sie wogen mit
dem Herzen nicht weniger als ~acht~ Loth. Der _Liquor Pericardii_
war blutig. Bei genauer Besichtigung der Lungen zeigten sich nunmehr
jene hirsekorngrossen, den Petechien ganz ähnlichen, schwarzblauen
Sugillationen in der Pleura, mit denen auch das, in seinen Kranzadern
strotzende (zwei Loth schwere) Herz auf seiner ~ganzen~ Oberfläche
besetzt war, wie ich sie früher bei erstickten kleinen Kindern entdeckt
habe, und deren sich die Leser der ersten Centurie erinnern[23]. Im
vorliegenden Falle waren diese Petechial-Sugillationen so zahlreich,
wie ich sie nie früher gesehen. -- Die Lungen, mit dem Herzen noch
verbunden, schwammen zwar, zeigten jedoch eine Neigung zum Sinken. Vom
Herzen getrennt, ~schwamm die linke Lunge vollständig, bis in ihre
kleinsten Stückchen, während die rechte Lunge vollständig untersank~,
und, wie sich später ergab, nur Ein bohnengrosses Stück derselben
sich auf dem Wasser schwimmend erhielt. Einschnitte in beide Lungen
hatten schon vorher zischendes Geräusch, und eine grosse und ganz
ungewöhnliche Menge eines dunkeln, schäumenden Blutes ergeben. Die
unter Wasser gedrückten eingeschnittenen Partieen liessen aus der
linken Lunge perlende Luftbläschen emporsteigen, aus der rechten nicht.
Die Luftröhre war leer, und ihre Schleimhaut leicht injicirt. Das
Herz hatte in ~beiden~ Hälften, vorzugsweise aber allerdings in der
rechten, dunkles und ~geronnenes~ Blut. Im Kopfe fand sich nur in den
Gefässen der _pia mater_ und in den _Sinus_ eine sichtliche Hyperämie.
Das Gutachten konnte nicht zweifelhaft sein. Der Erstickungstod lag,
bei Abwesenheit jeder andern Todesart, klar vor, und es war um so mehr
anzunehmen, dass er auf die, von der Mutter angegebene Weise wirklich
erfolgt war, als der behandelnde Arzt das Kind »als von Hause aus mit
einer gewissen Brustschwäche behaftet«, als ferner die Zeugin _G._,
wie bemerkt, es am Abend vor dem Tode so ungewöhnlich heiser gefunden
hatte, und als endlich der Sectionsbefund an den Lippen darauf hinwies,
dass hier ein Druck stattgefunden haben musste, und zwar gewiss durch
die Brust der säugenden Mutter, an welcher das Kind liegend und
saugend den Tod durch Luftmangel gestorben war, wie dies in vielen
andern Fällen ebenmässig vorgekommen ist. Aber für die Lehre von der
Athemprobe ist der Fall, wenn auch keinesweges neu und unerhört,
dennoch gewiss denkwürdig.