~Mord durch Erdrosselung.~
Am zweiten Pfingstfeiertage 18-- Morgens um 11 Uhr, also wieder am
hellen Tage (!), fand der Hausbesitzer _L._, als er aus der Kirche
nach Hause kam, und in die, zu seiner Verwunderung offen stehende
Stubenthür eintrat, seine Frau todt am Fussboden, und zwar mit einem
um den Hals geschlungenen Strick an einen Bettfuss angebunden! Auf
der Stirn zeigte sich eine frische Wunde, und es konnte kein Zweifel
darüber obwalten, dass die Frau überfallen, durch einen Schlag auf
den Kopf betäubt, zur Erde geworfen und erdrosselt worden sei.
Die Strangmarke verlief vom rechten Zitzenfortsatz bis zum linken
über dem Zungenbein, jedoch mit Unterbrechungen. Sie war flach, 3
Linien breit, schmutzig bräunlich-roth, hart zu schneiden, jedoch
unsugillirt, wie die gewöhnlichen Strangrinnen. Die Schädelknochen
waren unverletzt, aber die Blutüberfüllung in der Schädelhöhle sehr
sichtbar. Die eigentlichen Suffocations-Befunde waren ziemlich
genau wie im vorigen Falle, natürlich, da beide Fälle Erdrosselte
betrafen. Die altverwachsenen Lungen strotzten von wasserflüssigem
Blute, welches auch das rechte Herz ganz ausfüllte, während das
linke leer war. Die Luftröhren-Schleimhaut, stark injicirt, war mit
fettigen Speisepartikelchen bedeckt, die natürlich im Todesmomente
durch krampfhafte Schlingbewegungen und _ructus_ hineingekommen sein
mussten, wie sich dieselben Stoffe auch im _Oesophagus_ befanden und
der Magen halb angefüllt davon war. Die Jugularen waren auch hier nicht
überfüllt. Im Unterleibe fand sich auch hier wieder jene auffallende
Hyperämie der Nieren, die meine frühere Behauptung von dem Werthe
dieses Zeugnisses für den Erstickungstod abermals bestätigte, und die
Anfüllung der _Cava_ mit dem schwarzflüssigen Blute, während Leber
und Netze hier nicht besonders blutreich waren. Die Beurtheilung des
Falles war, wie man sieht, sehr leicht. Es musste angenommen werden,
dass _denata_ an Stick- und Schlagfluss ihren Tod gefunden habe,
dass Strangulation die Ursache ihres Todes gewesen, und dass die
oberflächliche Stirnwunde am Tode keinen Antheil gehabt. -- Der Mörder
wurde leider! auch in diesem Falle nicht entdeckt.