57. Fall.

~Erstickung aus innern Ursachen.~

Eine 24jährige, unterhaltene Person war von ihrem Liebhaber angeblich

todt in ihrem Bette gefunden worden. Der Verdacht, dass sie schwanger

und vergiftet sei, wurde durch einige Umstände begründet. Die

Schwangerschaft bestätigte sich nicht. Die äussern Geschlechtstheile

nicht, wohl aber die innern waren jungfräulich. Als Ursache des

Todes ergab sich Erstickung, die sich namentlich hier durch ein

kirschrothes, wasserflüssiges Blut, strotzende Blutfülle der Nieren und

des rechten Herzens kundthat; aber von einer gewaltsamen Veranlassung

zur Suffocation war an und in der Leiche keine Spur zu finden. Unter

den obwaltenden Umständen musste aber auch die chemische Analyse der

Darmcontenta vorgenommen werden. Eine Untersuchung auf Pflanzengifte

war freilich unthunlich geworden bei dem hohen Verwesungsgrade

des Magens, _Oesophagus_ und _Duodenum_, die, Behufs der Analyse,

exenterirt worden waren; die Untersuchung wurde daher auf Metallgifte

beschränkt. Die nicht sauer reagirenden Eingeweide wurden zerschnitten,

mit einer Mischung aus 24 Gr. chlorsaurem Kali, 1 Loth reiner Salzsäure

und der hinreichenden Menge destillirten Wassers übergossen, und die

breiige Masse, unter Ersatz des verdampfenden Wassers, eine halbe

Stunde lang gekocht; dann wurden die grössern Stücke durch Coliren

entfernt, und nach Zusatz von 12 Gran chlorsaurem Kali das Erhitzen

fortgesetzt, bis aller Chlorgeruch verschwunden war. Nach vollständigem

Erkalten wurde filtrirt, der gelbliche pulvrige Rückstand (A) mit

Aetz-Ammoniakflüssigkeit übergossen, und unter öfterem Umschütteln bei

Seite gestellt. Ein Theil des klaren, weingelben Filtrats wurde mit

zwei Theilen frischen und klaren Schwefelwasserstoff-Wassers gemischt;

es entstand nicht der geringste Niederschlag, weshalb das übrige

Filtrat mit Aetz-Ammoniak übersättigt, und Schwefelwasserstoff-Ammoniak

zugesetzt wurde. Den entstandenen voluminösen schwarzgrauen

Niederschlag liessen wir sich absetzen, wuschen ihn wiederholt mit

destillirtem Wasser, und lösten ihn in Chlor-Wasserstoffsäure. Das

Filtrat wurde unter Zusatz von Salpetersäure anhaltend gekocht, und

nach dem Erkalten Aetz-Ammoniak im Ueberschuss zugesetzt. Es entstand

eine weissliche Fällung, welche durch Filtriren abgesondert wurde.

In der abfiltrirten Flüssigkeit erzeugte Schwefelwasserstoff-Wasser

keinen Niederschlag. Die von dem Rückstand der ersten Lösung

(A) abfiltrirte Aetz-Ammoniakflüssigkeit gab durch Zusatz von

Schwefelwasserstoff-Ammoniak ebenfalls keinen Niederschlag. Hiernach

konnte mit Gewissheit die Abwesenheit jedes metallischen Giftes in der

Leiche behauptet werden.

Gerichtliche Leichen-Oeffnungen. Zweites Hundert. · 第 69 / 161 题