~Erstickung aus innern Ursachen.~
Eine 24jährige, unterhaltene Person war von ihrem Liebhaber angeblich
todt in ihrem Bette gefunden worden. Der Verdacht, dass sie schwanger
und vergiftet sei, wurde durch einige Umstände begründet. Die
Schwangerschaft bestätigte sich nicht. Die äussern Geschlechtstheile
nicht, wohl aber die innern waren jungfräulich. Als Ursache des
Todes ergab sich Erstickung, die sich namentlich hier durch ein
kirschrothes, wasserflüssiges Blut, strotzende Blutfülle der Nieren und
des rechten Herzens kundthat; aber von einer gewaltsamen Veranlassung
zur Suffocation war an und in der Leiche keine Spur zu finden. Unter
den obwaltenden Umständen musste aber auch die chemische Analyse der
Darmcontenta vorgenommen werden. Eine Untersuchung auf Pflanzengifte
war freilich unthunlich geworden bei dem hohen Verwesungsgrade
des Magens, _Oesophagus_ und _Duodenum_, die, Behufs der Analyse,
exenterirt worden waren; die Untersuchung wurde daher auf Metallgifte
beschränkt. Die nicht sauer reagirenden Eingeweide wurden zerschnitten,
mit einer Mischung aus 24 Gr. chlorsaurem Kali, 1 Loth reiner Salzsäure
und der hinreichenden Menge destillirten Wassers übergossen, und die
breiige Masse, unter Ersatz des verdampfenden Wassers, eine halbe
Stunde lang gekocht; dann wurden die grössern Stücke durch Coliren
entfernt, und nach Zusatz von 12 Gran chlorsaurem Kali das Erhitzen
fortgesetzt, bis aller Chlorgeruch verschwunden war. Nach vollständigem
Erkalten wurde filtrirt, der gelbliche pulvrige Rückstand (A) mit
Aetz-Ammoniakflüssigkeit übergossen, und unter öfterem Umschütteln bei
Seite gestellt. Ein Theil des klaren, weingelben Filtrats wurde mit
zwei Theilen frischen und klaren Schwefelwasserstoff-Wassers gemischt;
es entstand nicht der geringste Niederschlag, weshalb das übrige
Filtrat mit Aetz-Ammoniak übersättigt, und Schwefelwasserstoff-Ammoniak
zugesetzt wurde. Den entstandenen voluminösen schwarzgrauen
Niederschlag liessen wir sich absetzen, wuschen ihn wiederholt mit
destillirtem Wasser, und lösten ihn in Chlor-Wasserstoffsäure. Das
Filtrat wurde unter Zusatz von Salpetersäure anhaltend gekocht, und
nach dem Erkalten Aetz-Ammoniak im Ueberschuss zugesetzt. Es entstand
eine weissliche Fällung, welche durch Filtriren abgesondert wurde.
In der abfiltrirten Flüssigkeit erzeugte Schwefelwasserstoff-Wasser
keinen Niederschlag. Die von dem Rückstand der ersten Lösung
(A) abfiltrirte Aetz-Ammoniakflüssigkeit gab durch Zusatz von
Schwefelwasserstoff-Ammoniak ebenfalls keinen Niederschlag. Hiernach
konnte mit Gewissheit die Abwesenheit jedes metallischen Giftes in der
Leiche behauptet werden.