mangelte, sind bei dem entweder gänzlichen Fehlen oder der nur sehr
geringfügigen Ausbildung eines farblosen Silicats als =Limburgite= zu
bezeichnen. Makroskopisch charakterisirt durch die aussergewöhnlich
grosse Zahl und die meist sehr beträchtlichen Dimensionen der
lediglich aus Augit und Olivin bestehenden Einsprenglinge, welche
bei mehreren Vorkommen förmlich ein breccienartiges Aussehen, wie
es auch dem typischen Gestein von der Limburg am Kaiserstuhl eigen
ist, erzeugen, besitzen sie eine durch massenhaft eingesprengtes
Magneteisen sehr dunkel gefärbte Grundmasse, die fast nur von
röthlich-violetten Augitkörnchen gebildet ist, zwischen denen sich
hin und wieder einmal ein Feldspathleistchen, reichlicher jedoch
Partien bräunlichen oder farblosen Glases vorfinden. Bei der
wasserklaren Beschaffenheit des letzteren denkt man zunächst an
Nephelin; indessen konnte bei keinem der erwähnten Gesteine auch
nur eine Spur von Gelatinebildung bei der Behandlung mit Salzsäure
beobachtet werden, welche diese Vermuthung zu stützen geeignet
gewesen wäre, wohl aber eine gewisse Zersetzbarkeit jener, der
Doppelbrechung entbehrenden Substanz, die auf einen ziemlich hohen
Natrongehalt derselben schliessen lässt. Verhältnissmässig reichlich
findet sich Feldspath -- Sanidin -- in dem Gestein vom Murerá-Bach,
und zwar in einer für Basalte etwas ungewöhnlichen Form. Hier bergen
nämlich die zahlreichen farblosen Glaspartien von rundlicher oder
länglicher Gestalt zierliche wasserklare Leistchen, die höchstens
0,03 mm in der Breite bei 4-5facher Länge erreichen; augenscheinlich
sind dieselben sehr dünn, so dass zur Wahrnehmung der zwischen
gekreuzten Nicols sehr schwachen Doppelbrechung ein Gypsblättchen
zu Hülfe gezogen werden muss. Trotz dieser Dünne aber lässt sich
deutlich eine Zwillingsbildung nach der Längsrichtung beobachten,
bei der die beiden, sonst schwache Farbenunterschiede aufweisenden
Individuen gleichzeitig gerade auslöschen. Parallel zu den
Längsseiten verlaufen zarte Spaltrisse, auch senkrecht zu denselben
sind zuweilen solche wahrnehmbar, die, mitunter sich zu klaffenden
Spalten erweiternd, eine bemerkenswerthe Quergliederung erzeugen.
In der Regel sind die Leistchen an ihren schmalen Seiten gradlinig
begrenzt; sehr selten ist statt dieser gradlinigen Endigung aber
auch eine solche durch zwei Flächen zu beobachten, die einen stumpfen
Winkel von circa 120° mit einander bilden. Nach diesen Eigenschaften
liegt hier zweifellos Sanidin vor, dessen Bildung in einem ziemlich
vorgerückten Stadium der Gesteinsverfestigung innerhalb der Glasbasis
erfolgt sein muss, da er ausschliesslich in seinem Auftreten an diese
gebunden, der übrigen Grundmasse aber völlig fremd ist. Ueber die
porphyrisch eingesprengten Augite, die bald eine röthliche, bald eine
violettgraue Farbe und infolge ihres zonaren Baues meist dunklere
Randzonen besitzen, ist ebensowenig wie über die mehr oder weniger
stark zersetzten und verschiedentlich gelb gefärbten Olivine etwas
Wesentliches auszusagen. Dagegen muss noch des Auftretens von Biotit
gedacht werden, der in kleinen braunen, häufig regelmässig hexagonal
begrenzten Blättchen namentlich in der Nähe der Gesteinshohlräume
sich findet, nicht selten auch in diese frei hineinragt und darum
gleichfalls als eines der letzten Consolidationsproducte angesehen
werden mag.
Eine schlackig poröse, vulkanische Bombe, welche am
»Nordende des =Manyara-See=, 11. März 1892«
gefunden wurde, gehört nach ihrer mineralogischen Zusammensetzung,
insofern Feldspath sich nicht an ihrer Grundmasse betheiligt,
ebenfalls zu den limburgitischen Gesteinen. Als fremde Einschlüsse
enthält sie zahlreiche, von concentrischen Rissen durchzogene
Quarzkörnchen, die von der Gesteinsmasse selbst immer durch einen
mehr oder weniger breiten Augitsaum getrennt sind.
Durch die sehr zahlreichen Einsprenglinge äusserlich mit den
Limburgiten verwandt erscheint der graue Basalt von der
»sechsten Stufe auf der =Plateauhöhe vom Nordende des Eyassi-See=,
25. März 1892«;
die beträchtliche Ausscheidung von Plagioklas in der ausserdem aus
Augit und bräunlichem Glas bestehenden Grundmasse lässt ihn jedoch
richtiger als ein Mittelglied zwischen den Limburgiten und den
Plagioklasbasalten bezeichnen.
Auch der von dem
»Hang beim =Makinga-Hügel=, 16. Januar«
stammende Melilithbasalt gehört zu den, Glas in sehr ansehnlicher
Menge führenden Gesteinen. Der Hauptbestandtheil seiner Grundmasse
ist gelblicher, prismatisch ausgebildeter Augit, der in einer
ebenso gefärbten Glasbasis eingebettet liegt. Durch Salzsäure
erweist sich die letztere als leicht angreifbar, wie denn auch
ihre häufige Trübung und die, in den nicht seltenen Hohlräumen zu
beobachtende, reichliche Ansiedelung von Zeolithen und Calcit für
eine sehr basische Zusammensetzung sprechen. Massenhaft ist Perowskit
vorhanden, zum Theil in trüben, gelblichen Körnchen, zum Theil auch
in scharf ausgebildeten oktaedrischen Kryställchen. Seine Anwesenheit
gab erst Veranlassung auch nach Melilithen zu suchen; und in der
That fanden sich, wenn auch recht spärlich die charakteristischen
rectangulären Durchschnitte dieses Minerals, deren richtige Deutung
im Hinblick auf ihr optisches Verhalten und ihre von den Längsseiten
aus vorschreitende Faserstruktur nicht zweifelhaft sein kann.
Die grösseren erscheinen im Innern noch relativ frisch und nur
an den Rändern in die nämlichen schmutzigweissen, zeolithischen
Massen umgewandelt, welche nach den kleineren Individuen förmliche
Pseudomorphosen bilden. Als Accessorien sind weiterhin Magnetit und
Apatit in reichlicher Menge zu nennen; die Einsprenglinge bestehen
aus verhältnissmässig kleinen Augitkrystallen, deren Farbe einen
Stich ins Grünliche zeigt und aus ebensolchen von Olivin, die von
undurchsichtigen ockerigen Zersetzungskrusten umgeben sind, während
ihr Inneres häufig noch ganz klar erscheint.
* * * * *
•Die Sedimentgesteine•
nehmen in Dr. Baumann's Sammlung eine nicht sehr hervorragende
Stellung ein; doch besitzen manche von ihnen eine gewisse
wirthschaftliche Bedeutung. So dürften vor allem die =Kalksteine=,
welche sich an mehreren Punkten im Gebiet der altkrystallinen
Gesteine vorfinden, neben den im Urgebirge selbst eingelagerten
körnigen Kalken, als Baumaterial von grossem Werthe sein. Zum Theil
sind es gleichmässig körnige, fast dicht erscheinende, dolomitische
Kalke von gelblicher Farbe, denen hier und da in Gestalt kleiner
Körnchen etwas Urgebirgsmaterial beigemengt ist, zum Theil sind
es bräunliche, dünnschiefrige Kalkmergel; ihrer Mikrostruktur
nach sind die ersteren meist undeutlich oolithisch. Ueber ihre
Lagerungsverhältnisse konnten nur ungenügende Beobachtungen gemacht
werden. In Bezug auf ihr geologisches Alter lässt sich leider auch
nichts Bestimmtes sagen, da sie weder makroskopisch Fossilreste
bergen, noch mikroskopisch solche in ihnen wahrnehmbar sind; allem
Anschein nach sind sie mesozoischen Alters und lassen, hinsichtlich
ihrer Farbe und Struktur, eine grosse Aehnlichkeit mit europäischen
Juragesteinen nicht verkennen. Die reineren =Kalke= stammen von
1. »=Ngorongoro=, Kesselgrund am See, 21. März 1892«,
2. »=Serengeti=, zwischen Njogomo und Duvai bei den Massai-Lagern,
27. März 1892«,
3. »Unweit =Marago Duvai=, 28. März 1892«,
4. »=Ikoma=, 8. Juni 1892, 11^h 39 a. m.«.
5. »=Towa Bach=, Ntussu, 17. Juli 1892«,
6. »=Uha=, 20. Oktober 1892, Str. NNO., F. OSO. ca. 60°«,
7. »=Irangi=, Abfall zum =Bubufluss= 29. Dezember 1892. Schichtung
nicht wahrnehmbar«,
die =Mergel= dagegen rühren von
1. den »Hügeln bei 1^h 5 p. m. 1. April 1892, vor =Elmarau=« und
2. »=Uha=, =Uschingo=, 13. Oktober 1892, 6^h 40 a. m. Ungestört.«
her.
Neben diesen compacten Kalksteinen scheinen übrigens auch recente
Kalksinterbildungen, welche zu dem genannten Zweck ebenso gut
brauchbar sind, wenn auch wahrscheinlich in geringer Mächtigkeit,
doch weit verbreitet zu sein. Solche meist weisse, bröckelige,
schalige Incrustationen hat Dr. Baumann an folgenden Punkten
angetroffen:
1. »Auf der Anhöhe am Nordende des =Manyara-Sees=, 12. März 1892«,
wo sie laut einer Bemerkung auf der Etikette, auch das Bindemittel
eines Conglomerates bilden und im Gegensatz zu den übrigen, häufig
grau gefärbt und von grosser Festigkeit sind; ferner
2. am »=Singisa-See=, Turu, 19. Dezember 1892«,
3. am »=Lolduman-Hügel=, 6. Februar 1893« und
4. »Unweit des =Balbaliberges= in der =Kiwaya-Steppe=, 13. Februar
1893.«
=Hornstein=knollen, wahrscheinlich aus den zuerst erwähnten
mesozoischen Kalken stammend, liegen vor von
1. »=Buenyi= am Nyansa«,
in der gewöhnlichen grauen Farbe; 2. röthlich gefärbt und durch
schlecht erhaltene, auffallend weitgekammerte Foraminiferenschälchen
ausgezeichnet, in einem leider nicht mit der Angabe des Fundortes
versehenen Fragment, und endlich in
3. »Strandgeröllen vom Ufer des =Balangda-Salzsees=, =Mangati=,
25. Januar 1893«,
die lichtgrau gefärbt sind und eine runzelig-zerfressene Oberfläche
besitzen.
Von practischer Verwerthbarkeit dürften noch ein plastischer grauer
=Töpferthon= von
»=Unyanganyi=, 21. Dezember 1892«
und weisse, durch Glimmer und Quarzpartikelchen nur wenig
verunreinigte =Kaoline= sein, welche in
1. »=Ussui=, 26. August 1892« und
2. »=Imbo=, =Urundi=, 22. September 1892«
offenbar die in situ befindlichen Verwitterungsproducte
feldspathreicher Urgebirgsgesteine darstellen.
Von =Eisenerzen= liegt krystallinisch-blättriger =Rotheisenstein= von
»=S.O. Urundi=, 8. Oktober 1892, 8^h 58 a. m.«,
stalaktitischer =Brauneisenstein= bezw. =Raseneisenstein= von
»=Nord Urundi=, 9. September 1892« und vom
»Tümpelrand beim Lager =Urambo=, 29. Oktober 1892«
vor; ausserdem ist ein gänzlich verwitterter Gneiss von
»=West Ussui=, in Klötzen am Hang verstreut, 4. September 1892«,
in einem solchen Grade mit Hämatit imprägnirt, dass er für die
Eisengewinnung local vielleicht von einer gewissen Bedeutung sein
könnte.
In der Gruppe der vorwiegend chemischen Sedimente möge hier auch noch
das Vorkommen von =Salzen= Erwähnung finden, von welchen diejenigen
von Kochsalz im Innern von Deutsch-Ostafrika selbstredend eine grosse
wirthschaftliche Bedeutung besitzen. Dr. Baumann hat eine Anzahl
von solchen Salzproben zum Theil als natürliche Efflorescenzen in
der Umgebung der zahlreichen Natronseen gesammelt, zum Theil von den
Eingeborenen erhalten, welche Salz aus diesen salzreichen Sedimenten
auswaschen und sich augenscheinlich mit sehr unreinen Producten
begnügen. Die vorliegenden Salzproben stammen von
1. »=Südl. Uha=, =Uvinsa=«,
2. »=Singisa-See=, =Turu=«,
3. »=Nyarasa=, Salzefflorescenz«,
4. »=Mangati=, Balangda-See«,
5. »Strandsalz (Magadi) =Manyara-See=, Nordende, 11. März 1892«,
6. »Magadi vom Südende des =Manyara-Sees=«,
7. »Salziger Lehm von =Laua ya Sereri=, Kutadus Land, =Umbugwe=«,
8. »=Irangi=, aus dem Boden gewaschen«.
Sie sind grossentheils stark verunreinigt durch sandig-thonige
Beimengungen und zeigen eine sehr schwankende chemische
Zusammensetzung, indem bald Chlornatrium, bald kohlensaures
Natron, bald schwefelsaures Natron vorherrscht. Mit Ausnahme des
letzten, von Irangi herrührenden, relativ reinen Kochsalzes, dessen
qualitative Prüfung auch die Anwesenheit von Magnesia ergab, sind
die vorerwähnten Salzproben im chemischen Laboratorium der Königl.
Bergakademie zu Berlin analytisch untersucht worden. Diesen Analysen
zufolge ist die Zusammensetzung der Salzproben No. 1-7:
==============================++=======+=======+=======+=======
100 Theile Salz enthalten von || No. 1 | No. 2 | No. 3 | No. 4
==============================++=======+=======+=======+=======
Chlornatrium || 95,57 | 87,53 | 83,22 | 59,53
Schwefelsaures Natron || 1,09 | 2,13 | 1,68 | 22,74
Kohlensaures Natron || 0,12 | 0,07 | 8,61 | 13,13
Schwefelsaures Kali || 1,22 | -- | -- | --
Phosphorsaures Natron || -- | -- | -- | --
Thon, Sand || 2,00 | 10,27 | 6,49 | 4,60
------------------------------++-------+-------+-------+-------
||100,00 |100,00 |100,00 |100,00
==============================++=======+=======+=======+
100 Theile Salz enthalten von || No. 5 | No. 6 | No. 7 |
==============================++=======+=======+=======+
Chlornatrium || 39,64 | 5,38 | 2,31 |
Schwefelsaures Natron || 1,31 | 20,46 | 4,05 |
Kohlensaures Natron || 10,48 | 48,63 | 12,92 |
Schwefelsaures Kali || -- | -- | -- |
Phosphorsaures Natron || 0,40 | 0,34 | -- |
Thon, Sand || 48,17 | 25,19 | 80,72 |
------------------------------++-------+-------+-------+
||100,00 |100,00 |100,00 |
Sehr auffallend ist die grosse Verschiedenheit der Salze vom
Manyara-See No. 5 und 6; das letztere dürfte, ebenso wie No. 4,
wegen des hohen Gehalts an Natronsulfat und Natroncarbonat sich zur
Verwendung als Speisesalz ohnehin nicht mehr eignen.
Im Anschluss hieran mag noch an dieser Stelle erwähnt werden, dass
Dr. Baumann auch •Wasserproben• mitgebracht hat und zwar vom
1. »=Balangda-See=, Mangati,«
2. »=Eyassi-See=, Nordende, 24. März 1892,«
3. »=Manyara-See=, 10. März 1892« und von einer
4. »=Heissen Quelle am Manyara-See=, Temp. 80° C., 10. März 1892«,
sie wurden gleichfalls im chemischen Laboratorium der Königl.
Bergakademie zu Berlin der Analyse unterworfen, welche ergab, dass in
1000 Theilen Wasser enthalten sind von:
===============================++========+========+========+========
|| No. 1 | No. 2 | No. 3 | No. 4
===============================++========+========+========+========
Chlornatrium || 144,40 | 18,80 | 4,80 | 0,62
Schwefelsaures Natron || 41,00 | 1,79 | 0,53 | 0,11
Kohlensaures Natron || 94,10 | 10,50 | 12,04 | 1,50
Schwefelsaures Kali || 3,50 | -- | 0,24 | --
Phosphorsaures Natron || 0,40 | 0,09 | 0,12 | --
Schwefelnatrium || Spur | -- | Spur | --
-------------------------------++--------+--------+--------+--------
Summa der festen Bestandtheile:|| 283,40 | 31,18 | 17,73 | 2,23
* * * * *
Was zum Schlusse die im Expeditionsgebiete gesammelten wesentlich
=klastischen= Sedimentgesteine anlangt, so zerfallen dieselben
in =Grauwacken=, =Sandsteine= und =Schieferthone=, welche leider
ebensowenig wie die Kalksteine, wegen des Mangels an Fossilresten
eine nähere Altersbestimmung ermöglichen; indessen besitzen die
verkieselten Grauwacken von
1) »=Kiruwassile-Bach= (Lager), 30. März 1892«
2) »=Bach=, 1^h 27 v. 1. April 1892 vor Elmarau Str. NS. F. W.
20°«
3) »=Usenye-Hügel=, 7. April 1892 früh«
4) »=Kiruwiru= am =Speke-Golf=, 8. Mai 1892 Str. NS. F. SO. ca.
70°«
5) »=N. Urundi=, 10. Sept. 1892 8^h 2. a. m. Lagerung nicht
sichtbar«
einen entschieden palaeozoischen Habitus. Aeusserlich Quarziten
ähnlich, bestehen sie grösstentheils aus Quarzkörnchen, denen
in geringem Maasse Feldspathpartikelchen beigemengt sind; das
Bindemittel ist schwach doppelbrechende Kieselsäure, mehr oder
weniger mit Eisenoxyden imprägnirt; nur bei No. 4 zeigt das Caement
mehr die klastische Natur eines feinen chloritischen Detritus und dem
entsprechend ist auch die Gesteinsfarbe eine grünliche, während die
zuerst genannten Vorkommen roth gefärbt erscheinen.
=Sandsteine= wurden angetroffen
1) »Wasserriss bei =Nyaruvunga=, =Ussui=, 25. August 1892 7^h 12
a. m. Str. NNO-SSW. F. WNN. circa 20°« und
2) »=Uyogoma=, =W. Ussui=, 30. August 1892, 5^h 53 a. m. Str.
NNO.-SSW. F. NNW. ca. 10°«.
Der erstere ist ein mittelkörniger, mit Eisenoxydkrusten überzogener
Quarzsandstein, der letztere äusserst feinkörnig und durch Beimengung
von Feldspathmaterial mehr arkoseartig.
=Schieferthone=, z. Th. hart und splitterig, z. Th. weich und erdig,
fanden sich in dem Grauwackenstrich vor Elmarau (s. o.), nämlich
1) »Bach 3^h 9 p. m. vor =Elmarau=, 1. April 1892«
ebenso in
2) »=Nord Urundi=, 8. Sept. 1892 Str. NO.-SW. F. ┴«
ferner
3) »Am =Rubana-Fluss=, =Nata=, 7. Juni 1892«
4) »=Kisura=, =Urundi=, 7. Oktober 1892« und
5) »SO. =Urundi=, 7. Oktober 1892, 9^h 40 a. m. Str. O.-W. auch
nach SO.-NW. F. N 40°«.
In Verbindung mit den jüngeren Eruptivgesteinen treten endlich
im »Grossen Graben« und auf dem Mutyek-Plateau auch =vulkanische
Trümmergesteine= -- =Tuffe= -- auf, die aus lockerem Auswurfsmaterial
bestehend, durch kalkiges Bindemittel verfestigte Massen sind. Es
sind meist scharfkantige Bruchsplitter, sehr selten vollständige
Kryställchen von Augit und Feldspath, hin und wieder auch Olivin
und Quarz neben reichlichem Magneteisen, die sie zusammensetzen.
Besondere Verbreitung scheinen diese Tuffe
1) »Am Plateauabfall nördlich vom =Eyassi-See=«
zu besitzen, indem von hier mehrere, z. Th. sehr bröckelige Proben
vorliegen.
Die übrigen stammen von
2) »=Lgeju Sinoni=, =Serengeti=, 28. März 1892, horizontal«
3) »=Makenga Bach=, 10. Januar 1893« und vom
4) »Nordende des =Maitsimba-Sees=, =Ufiomi=, 28. Januar 1893«.
In den Trachyttuffen vom Eyassi-See begegnen wir, mit Ausnahme
des Sodaliths allen Konstituenten des oben (p. 282) geschilderten
Sodalithtrachyts wieder; der Tuff vom Makenga-Bach hat bei einem
geringen Olivingehalt mehr basaltischen Charakter, in jenem von
Serengeti ist in Gestalt von Turmalin führenden Quarzkörnchen
augenscheinlich auch Urgebirgsmaterial vorhanden, während der
lichtgraue kalkreiche Tuff vom Maitsimba-See mehr den Eindruck eines,
mit viel vulkanischem Material vermengten, lacustren Sedimentes
macht.
* * * * *
Wenn in den vorstehenden Zeilen auch wichtige neue Beobachtungen
nicht enthalten sind, so ist das ihnen zu Grunde liegende Material
doch höchst schätzbar für die Erweiterung unserer petrographischen
Kenntnisse von dem Inneren Deutsch-Ostafrika's und der Eifer,
wie das Verständniss, mit dem Herr Dr. Baumann auch in dieser
Beziehung wieder gesammelt hat, im höchsten Grade anerkennenswerth.
Vom wirthschaftlichen Standpunkte aus dürfte auch bei ferneren
Expeditionen ein besonderes Augenmerk auf das Vorkommen und
die Verbreitung der nutzbaren Mineralien und Gesteine, der
Kalksteine, Thone, Salze, Eisenerze u. s. w., zu richten sein; die
wissenschaftliche Geologie andererseits wird dankbar sein für alle,
auch scheinbar geringfügigen Angaben in Bezug auf die Lagerungs- und
gegenseitigen Verbandsverhältnisse der Gesteine, namentlich auch über
das Vorkommen von fossilen Einschlüssen in den Sedimenten, welche
für die ungefähre Altersbestimmung, für den geologischen Bau dieser
Länderstriche im Besonderen und für die Erdgeschichte im Allgemeinen
als brauchbare Anhaltspunkte dienen können.
•II. Kulturpflanzen•
gesammelt von Dr. •O. Baumann•. 1892/93.
Von Prof. Dr. •F. Körnicke•.
•Andropogon Sorghum Brod.•
Sämmtliche Exemplare gehören zu Varietäten, deren Früchte die Klappen
überragen und sich beim Drusche lösen.
•I. Sect. Effusus.•
Rispe locker, Rispenäste ausgebreitet.
No. 12. _var. (nova) ussiensis Kcke._ Klappen rothbraun. Früchte
roth. West-Ussui, August 1892. (Beigemischt war auch _var.
Odongae Kcke._)
•II. Sect. contractus.•
Rispe dicht, Rispenäste aufrecht.
No. 21. _var. yemensis Kcke._ Meatu, Juni 1892.
No. 17. _var. albidus Kcke._ Meatu, Juni 1892.
No. 13. _var. (nova) albofuscus Kcke._ Klappen rothbraun. Früchte
weiss. West-Ussui, August 1892.
No. 27. _var. Usorum N. ab E._ Urundi, Oktober 1892.
No. 28. _var. Stuhlmanni Kcke._ Ugulula, Usinja.
No. 29. _ " " " _ Uyogoma, West-Ussui, August 1892.
(Beigemischt war _var. Odongae._)
No. 31. _var. Stuhlmanni Kcke._ Ngoroïne, Juni 1892.
No. 17. _var. bicolor L._ Katoto, am Speke-Golf, Mai 1892.
No. 22. _ " " "_ Meatu, Juni 1892. (Beigemischt
war _var. yemensis._)
No. 24?!_ " " "_ Der Zettel ist mir unter der
Hand verloren gegangen.
No. 25. _ " " "_ Elmarau, Urundi.
No. 26. _var. subbicolor Kcke._ Urundi.
No. 23. _ " " " _ West-Ussui.
No. 26. _var. (nova) Natae Kcke._ Klappen schwarz. Früchte
gelbröthlich. Nata, 7. Juni 1892.
No. 18. _var. Odongae Kcke._ Katoto, am Speke-Golf, Mai 1892.
No. 19. _ " " " _ Ukara-Insel, Victoria-Nyansa.
No. 7. _Eleusine coracana Gaertn._ Ngoroïne, Juni 1892.
No. 32. _ " " " _ Ngoroïne, Juni 1892. Nur Früchte.
No. 20. _ " " " _ Nord-Urundi, September 1892.
No. 11. _Pennisetum spicatum Kcke._ »_Mawele_«. Katoto, Mai 1892.
No. 33. _Oryza sativa L. var. italica Al._ Schmalfrüchtige Form.
Urambo, Oktober 1892.
No. 6. _Oryza sativa L. var. sundensis Kcke._ Urambo, Oktober 1892.
(Beigemischt war _var. italica._)
•Hülsenfrüchte.•
No. 8. _Phaseolus vulgaris L._ Varietätengruppe _subcompressus_.
6 Varietäten die erst in der Kultur sicher bestimmt werden
können. Eine davon ist neu. West-Ussui, August.
No. 2. _Phaseolus vulgaris L. var._ Varietätengruppe
_subcompressus_. Schweinfurth stellt sie zur
Varietätengruppe _ellipticus_. Die eine von den zweien
stellt er allerdings in die Mitte zwischen beiden
Varietätengruppen. Beide sind auch bei No. 8. Uyogoma,
West-Ussui, August.
No. 34. _Phaseolus Mungo._ Urambo, Oktober.
No. 1. _Phaseolus lunatus var. microspermus Schweinf._ Uyogoma,
West-Ussui, August.
No. 3. _Vigna sinensis._ Urundi, Randberge des Tanganyika, Oktober.
No. 4. _ " " _ Ussui, 25. August.
No. 9. _ " " _ Katoto.
No. 5. _Pisum sativum L. var. vulgatum Kcke._ S.W.-Urundi, unweit
der Quelle des Kagera-Nil. Es ist die auch in Deutschland
gewöhnlich gebaute Erbse. Jedoch haben wir sehr viele Sorten
dieser Varietät, die sich durch verschiedene Reifezeit,
Grösse u. s. w. unterscheiden.
III. Ueber die •Molluskenfauna Centralafrikas•.
Von Dr. •Rudolf Sturany•, Wien.
[Mit Tafel XXIV und XXV.]
Dr. Oscar Baumann hat auf seiner letzten Reise eine Anzahl Schnecken-
und Muschelschalen gesammelt, welche hauptsächlich dem Tanganyika-,
Victoria- und Manyara-See entstammen und über welche im Folgenden
durch namentliche Aufzählung der Arten eingehend berichtet werden
soll.
Bei der Durchsicht und dem Studium der sehr umfangreichen
Literatur[27], welche ich zu Rathe ziehen musste, um die Bestimmungen
durchführen zu können, ward mir bald klar, dass die Fauna des
centralen Afrika trotz der wiederholten Aufsammlungen, die dort durch
Reisende gemacht worden sind, noch immer unzulänglich bekannt ist;
denn schon in der relativ geringen Ausbeute Dr. Baumann's befinden
sich Formen, welche von den bisher bekannten Arten so abweichen,
dass sie sich mit keiner von diesen gut vereinigen lassen. Ich halte
es daher auch für gerathen, diese Formen besonders hervorzuheben,
jedoch, -- da sie meist nur in so geringer Anzahl vorliegen, dass
strikte Diagnosen für diese vermuthlich neuen Arten nicht zu geben
sind, -- vorläufig bloss in der Weise, dass ich jede derselben unter
ihrem unschwer festzustellenden Genus-Namen und einem hintangesetzten
nov. sp.? anführe =und abbilde=; im Texte füge ich bloss noch
Maassangaben bei und meine Ansicht über die Verwandtschaft der
betreffenden Form. Sieht sich dann einmal ein Fachmann, der über
ein grösseres Vergleichsmaterial verfügt, genöthigt, die von mir
hier bekannt gegebenen »neuen« Formen aus guten Gründen (z. B. weil
Uebergänge gefunden wurden u. dgl.) zu früher schon beschriebenen
Arten einzuziehen, so wird mir damit nur die willkommene Aufklärung
zu Theil. Die beigegebenen Abbildungen werden aber wohl auch dann
noch ihren Werth zumindest für die Orientirung behalten.
[27] Siehe das Verzeichniss am Schlusse der Abhandlung. Die
dort in der Reihenfolge ihres Erscheinens aufgezählten
und bezifferten Abhandlungen sind im Texte wiederholt in
Klammern [--] citirt.
Wo mir die Zugehörigkeit zu einer bereits bekannten Art über allen
Zweifel erhaben schien, habe ich Abbildungen vermieden; im Uebrigen
aber wurde mit Illustrationen nicht gespart, weil ich solche für das
wichtigste Moment bei derartigen Publikationen halte.
I. Formen aus dem Tanganyika-See.