Als ein typisches Glied dieser Familie stellt sich durch den

metallischen Glanz seines Diallags das granitisch-mittelkörnige

Gestein von Meatu unverkennbar schon im Handstücke dar, obwohl es

den relativ höchsten Grad der Verwitterung von allen Vorkommen

aufweist. Seine Feldspathe sind mattweiss, getrübt durch die

Ausscheidung von Kaolinschüppchen und Epidotkörnchen, so dass die

polysynthetische Zwillingsstreifung nur selten noch hindurchschimmert

und eine Bestimmung der Auslöschungsschiefer und somit auch der

chemischen Natur auf optischem Wege nicht thunlich erscheint.

Die Diallage sind grossentheils in bläulich-grüne schilfige

Hornblende mit starkem Pleochroismus oder auch in feinschuppige,

chloritische Massen verwandelt; wo sie sich erhielten, zeigen sie

eine schwach bräunlich-rothe Farbe und im Querschnitt neben der

gewöhnlichen, sehr vollkommenen Spaltbarkeit nach dem Prisma auch

jene charakteristische feine Liniirung parallel den Pinakoiden,

insbesondere dem Orthopinakoid, durch welche sich die nach diesen

Flächen orientirte Schaligkeit im Bau kundgiebt. Die formale

Ausbildung ist verhältnissmässig eine gute; die automorphen

Diallagindividuen sind meistens ringsum von Feldspathsubstanz

umgeben, wodurch das quantitative Zurücktreten des Diallags gegenüber

dem Plagioklas zum Ausdruck kommt. Mit scharfkantigen Apatitprismen,

auf deren zahlreichen Querrissen ebenfalls secundäre Hornblende

und Chlorit eingewandert erscheinen, treten accessorisch grössere

Titaneisentafeln auf, die infolge der schon früher erwähnten

partiellen Umwandlung im Titanit ein ganz zerfressenes Aussehen

besitzen; auch Eisenkies ist in geringer Menge eingesprengt

vorhanden.

Durch bedeutend feineres Korn und durch reichlicheren Gehalt an

Diallag unterscheiden sich die Gabbros vom Abfall zur Wemberesteppe

und vom Kakonobach von dem eben geschilderten Gestein, auch ist die

Verwitterung bei ihnen eine weit geringere; sie beschränkt sich

bei den schwach gefärbten Diallagindividuen gewöhnlich auf eine

durch Faserung erzeugte Trübung und ist selten bis zur deutlichen

Ausbildung von grünlichen Hornblende- und Chloritaggregaten

vorgeschritten; die Feldspathe sind in dem ersteren Gestein sogar

meist noch frisch und klar, was bei ihrer basischen Natur --

Auslöschungsschiefe und Aetzbarkeit deuten auf Labrador -- etwas

auffällig erscheinen mag. In dem Gabbro vom Kakonobach hingegen

erweisen sich die aus Feldspath bestehenden Gesteinspartien

allerdings mehr alterirt und die vielfach zu beobachtende,

mikropegmatetische Verwachsung kleiner, aber wasserklarer Feldspathe

mit Quarz erregt den Eindruck, als ob nach der Zersetzung von

grösseren Plagioklasindividuen eine mit Ausscheidung von Quarz

verbundene Regeneration des Feldspaths stattgefunden hätte. Infolge

des Gehaltes an Biotit, der in ziemlich zahlreichen lichtbraunen

Blättchen in der Gesteinsmasse vertheilt erscheint, zeigt dieser

Gabbro eine bemerkenswerthe Aehnlichkeit mit mehreren Vorkommen

aus dem Radauthale im Harz; von Erzen enthält er nur vereinzelte

Titaneisentäfelchen, während jener vom Westrand der Wemberesteppe

wiederum lediglich Magnetit und Pyrit als Accessorien birgt.

Als einziger =olivinführender Gabbro= stellt sich das Gestein von

Ussure dar, welches gleichfalls aus dem Gebiet der Wemberesteppe,

aber von deren Ostrande stammt. Der Olivin erscheint in den

Dünnschliffen desselben in Form von rundlichen, farblosen Körnern,

welche die für dieses Mineral charakteristische rauhe Oberfläche

und starke Lichtbrechung, hohe Polarisationsfarben und -- wo sich

Krystallformen erkennen lassen -- gerade Auslöschung besitzen und

deren Ränder durch körnige Magnetitausscheidungen meist bis zur

Undurchsichtigkeit dunkel gefärbt sind, so dass die kleineren

Individuen auf den ersten Blick hin leicht mit Anhäufungen von

Magneteisen zu verwechseln sind. Im Uebrigen ist dieser Gabbro etwas

grobkörniger als die beiden zuletzt geschilderten, jedoch quarzfrei

und etwas stärker zersetzt, so dass die Diallage wieder eine

intensivere Umbildung in grünliche Hornblende aufweisen.

* * * * *

Von den sogenannten

•Jüngeren Eruptivgesteinen•

finden sich in Dr. Baumann's Sammlung Glieder sowohl der sauren, als

der basischen Reihe. Doch wiegen die =Basalte= vor den =Trachyten=

etwas vor, während echte Andesite überhaupt fehlen.

Von den Trachyten erregt zunächst durch sein rhyolithartiges Aussehen

die Aufmerksamkeit ein =Sodalith-Trachyt= von der

»2. Stufe am =Plateauabfall nördlich vom Eyassi-See=, 25. März

1892,«

der im Handstücke ein lichtgraues, porphyrisches Gestein darstellt,

in dessen glasig-cavernöser Grundmasse mit der Lupe schalig

gebaute Sanidine, gelbliche Sodalithe, die man im Hinblick auf ihre

hexagonalen Umrisse und ihren Fettglanz auf den muschelig-splittrigen

Bruchflächen zuerst für Quarze zu halten geneigt ist, und

schwärzlichgrüne Pyroxene zu erkennen sind. Die Betrachtung des

Dünnschliffs bestätigt die vorwiegend hyaline Natur der Basis,

die, an sich der Hauptsache nach farblos, meistens trübe und

undurchsichtig, geradezu bimsteinartig erscheint durch massenhafte,

schlauchartig in die Länge gezogene Poren und ferner durch schmutzig

gelbliche, eine deutliche Fluidalstruktur bedingende Schlieren, die

in Folge ihrer bald mehr globulitischen, bald mehr mikrolithischen

Entglasung schwache Doppelbrechung im polarisirten Lichte

bewirken; stellenweise bergen sie reichlich kleine Glaseier; wo die

krystallinischen Entglasungsprodukte grössere Dimensionen erreichen,

erweisen sie sich als zum Theil dem Feldspath, zum Theil dem Pyroxen

angehörig. Die Einsprenglinge bestehen der Mehrzahl nach aus Sanidin

von meist guter krystallographischer Ausbildung und im Allgemeinen

klarer Beschaffenheit. Den ausgezeichnet schaligen Bau, den

makroskopisch die ausgewitterten Individuen erkennen lassen, verräth

im Präparate der mehrfache Wechsel wasserklarer, einschlussfreier

Zonen mit solchen, welche durch massenhafte Glaspartikelchen

verunreinigt oder durch Hohlräume zellig erscheinen; auch in den

klaren Partien treten übrigens hin und wieder, parallel zu den

Flächen der Basis oder des Klinopinakoids, Interpositionen von grünen

Augitprismen und namentlich röthlichen Titanitkryställchen auf,

letztere gewöhnlich in modellmässig scharfer Ausbildung von der Form

(123) (011). Zwillingsbildung nach dem Karlsbader Gesetz ist häufig,

solche nach dem Barvenoer Gesetz seltener; dagegen ist eine Gitterung

oder polysynthetische Streifung wie auch optische Verhältnisse,

welche auf Anorthoklas oder Plagioklas schliessen liessen, nirgends

zu beobachten. Nächst dem Feldspath spielt der Augit unter den

Einsprenglingen die bedeutendste Rolle. In krystallographischer

Beziehung fast noch besser als jener, und zwar in den gewöhnlichen

Formen (100) (110) (010) (111), die zuweilen Zwillingsbildung

nach dem Orthopinakoid aufweisen, ausgebildet, zeigt er bei einer

durchschnittlich sattgrünen Grundfarbe einen sehr beträchtlichen

Pleochroismus. Der krystallographischen Verticalaxe zunächst liegt

die Axe der grössten Elasticität •a•, für welche die Farbe gelbgrün

ist; für •b• ergab die Beobachtung ein tiefes Grün während •c•

grünlich braun befunden wurde. Die Auslöschungsschiefe (•a• : •c•)

liess sich auf den wenigen, hierzu geeigneten klinopinakoidalen

Schnitten auf 16-20° bestimmen, woraus im Zusammenhalt mit den

übrigen Eigenschaften zu folgern ist, dass hier ein dem Aegirin

nahestehender, eisenreicher Augit vorliegt, eine Annahme, welche

durch die, an den meisten Individuen zu beobachtende, randliche

Ausscheidung von Eisenoxyden eine weitere Begründung erhält. Auch

der Sodalith tritt in relativ reichlicher Menge auf und zeigt gleich

den übrigen Einsprenglingen scharfe krystallographische Umrisse, dem

Rhombendodekaeder entsprechend; auf Zwillingsbildung deuten die an

einigen Individuen vorhandenen einspringenden Winkel. Abgesehen von

der Isotropie ist die Spaltbarkeit bald mehr, bald weniger gut, aber

doch immer in einem Grade zu beobachten, der die Verwechslung der im

Ganzen recht klaren sechsseitigen Durchschnitte mit solchen von Quarz

ausschliesst; parallel zu den Conturen gelagert sind, namentlich in

den äusseren Zonen, stäbchenförmige oder cubische Interpositionen

von farblosem Glas häufig, seltener die grünen Augitprismen, wie

sie auch in den Sanidinen auftreten; trübe gelbliche Massen, die

zuweilen eine feine Faserung und geringe Doppelbrechung zu erkennen

geben, durchziehen, den Spaltrissen entlang, die Sodalithsubstanz und

sind wohl als zeolithische Umwandlungsproducte derselben anzusehen.

Als accessorischer Bestandtheil der Grundmasse ist nur Titanit zu

erwähnen; die zahlreichen Hohlräume derselben, welche das poröse

Aussehen des Gesteins erzeugen, sind häufig mit dünnen Hyalithkrusten

ausgekleidet, in denen schwach doppelbrechende Tridymitblättchen in

unbedeutender Menge eingewachsen sind.

Der einzige vorliegende =Quarztrachyt= (Rhyolith) stammt von

»=Ngorongoro=, östlicher Kesselrand, 18. März 1892.«

Er ist ein hellgraues, porphyrisches Gestein, in dem sich spärlich

Einsprenglinge von Quarz, Feldspath und einem schwarzen Bisilicat

als primäre, ockrige Krusten von Eisenoxyden mit eingewachsenen

Tridymitblättchen als secundäre Bestandtheile wahrnehmen lassen.

Die Betrachtung des Dünnschliffs zwischen gekreuzten Nicols lehrt

weiterhin, dass die äusserst feinkörnige Grundmasse ebenfalls

hauptsächlich aus Quarz und Sanidin besteht, die in inniger

gegenseitiger Verwachsung mit gewöhnlich sehr verschwommenen

Umrissen aus einem farblosen Glasschleier hervorschimmern, der

selbst wieder durch massenhafte blättrige, stengelige oder körnige

Entglasungsproducte von nicht näher bestimmbarer Natur zu einer

weisslich grauen trüben Masse devitrificirt ist. Dazu gesellen

sich zum Theil prismatische, zum Theil blättrige Fetzen einer

blaugrünen, sehr stark pleochroitischen Hornblende, die, nur selten

Einsprenglingsgrösse erreichend, vielfach zu Krystallaggregaten

verwachsen bis zu den kleinsten Dimensionen noch erkennbarer

Grundmassenbestandtheile herab in der Grundmasse reichlich vertheilt

sind. In Folge der, wie es scheint, vorwaltend nach dem Klinopinakoid

tafelförmigen Ausbildung sind deutliche Querschnitte, die zur

Bestimmung der Axenfarbe parallel zur Orthodiagonale brauchbar

wären, leider nicht zu beobachten. Die Absorption ist am stärksten

im Sinne der Verticalaxe und die Farbe für die in dieser Richtung

schwingenden Strahlen tief grünlich-blau; ob diese Elasticitätsaxe

indessen mit der Verticalaxe _c_ zusammenfällt oder einen Winkel

mit derselben bildet, lässt sich bei der tiefen Eigenfarbe und

den winzigen Dimensionen der kleineren Individuen einerseits,

der subparallelen, und darum eine exacte Beobachtung hindernden

Verwachsung der grösseren Krystallaggregate mit Sicherheit nicht

bestimmen; jedenfalls ist die Auslöschungsschiefe nur eine sehr

geringe und übersteigt nicht den Werth von 5°. Für die senkrecht zur

Verticalaxe schwingenden Strahlen ergab die Beobachtung schmutzig

grüne bis gelbliche Töne. In der Voraussetzung, dass, wie bei der

normalen Hornblende, •c• (tief blau) ungefähr = _c_ ist, während

die gelbliche Farbe der Elasticitätsaxe •a• entspricht, haben wir

es also hier mit dem nämlichen arfvedsonitartigen Amphibolmineral

zu thun, welches Mügge ebenfalls in Lipariten aus dem Massailande

(aus der Umgebung des Naiwascha-Sees) gefunden und von dem er

im IV. Beilage-Band des »N. Jahrb. f. Mineralogie« pag. 585 und

586 eine Beschreibung gegeben hat, der hier nichts Wesentliches

hinzugefügt werden kann. Die übrigen, an Zahl und Grösse nicht

sehr ansehnlichen, wasserklaren Einsprenglinge gehören Sanidin und

Quarz an und lassen sich lediglich durch die dem ersteren eigene

Spaltbarkeit von einander unterscheiden, da sie beide sowohl guter

Krystallumrisse entbehren als auch durch den bemerkenswerthen Mangel

an fremden Interpositionen -- nur sehr vereinzelte Hornblendesäulchen

und rundliche, mit Gasporen versehene Glaskörnchen finden sich

eingeschlossen -- in ihrem Aussehen sehr mit einander übereinstimmen.

Die gleiche blaue Hornblende wie in dem soeben geschilderten

Rhyolithe, jedoch in noch viel weniger zur optischen Untersuchung

geeigneten Partikelchen und wie zerfressen aussehenden Lamellen

erscheint auch in reichlicher Menge in den ebenfalls aus dem

vulkanischen Kessel von Ngorongoro stammenden =quarzfreien Trachyten=

mit den Etiketten:

1. »=Ngorongoro=, Fuss des Abfalls beim See, 22. März 1892« und

2. »=Ngorongoro=, Westhang, gegen Neirobi, 22. März 1892.«

Die sehr fein krystallisirte Grundmasse dieser beiden sich äusserlich

sehr ähnlichen Gesteine besteht, wie die mikroskopische Untersuchung

zeigt, zu ⅞ etwa aus klaren im Allgemeinen parallel zu einander

gelagerten Sanidinleistchen, zwischen denen eine geringe Menge von

globulitischer und stark mit Eisenoxyden pigmentirter Glasbasis

eingeklemmt ist. Die spärlichen Einsprenglinge bestehen aus Sanidin;

als Uebergemengtheil macht sich hier das in den übrigen Trachyten

fehlende Magneteisen bemerkbar.

In dem =biotitführenden Augittrachyt= von den

»=Njogomo-Hügeln=, 27. März 1892«,

haben wir eine ganz ähnliche, sanidinitartige Grundmasse, jedoch

unterscheidet sich dieselbe von jener der zuletzt geschilderten

Gesteine durch etwas gröberes Korn und namentlich durch die

Beimengung eines augitischen Bestandtheils. Dieser Augit tritt in

rundlichen, nicht selten mit Magnetit verwachsenen Körnchen von

lichtbläulichgrüner Färbung auf, welche beim Mangel irgend welcher

krystallographischer Begrenzung und deutlicher Spaltbarkeit leider

keinerlei optische Bestimmungen gestatten; der Farbe und dem Habitus

der Körnchen nach dürfte jedoch ein gewöhnlicher, vielleicht etwas

eisenärmerer Augit, wie er sonst den jüngeren Eruptivgesteinen eigen

ist, vorliegen. Mit der bräunlichen Glasbasis und, wie sie in ihren

Umrissen ausschliesslich durch die geradlinigen Begrenzungsflächen

der Feldspathleistchen bedingt, erscheinen zwischen den letzteren

nicht selten braune, stark pleochroitische Blättchen, deren

Zugehörigkeit zum Biotit im Hinblick auf die, allerdings erst

bei stärkerer Vergrösserung wahrnehmbaren, feinen parallelen

Spaltrisse und den, den meisten Magnesiaglimmern im Vertikalschnitt

eigenthümlichen bronzeartigen Schiller, nicht zweifelhaft erscheinen

kann. Kleine gedrungene Apatitprismen und zahlreiche oktaedrische

Magnetitkörnchen bilden die accessorischen Gemengtheile dieser

Grundmasse, die eine ausgesprochene Fluidalstruktur besitzt. Wie auch

in den übrigen Trachyten bestehen die vereinzelten Einsprenglinge,

deren Grösse aber 2 mm nicht überschreitet, zumeist aus Feldspath,

hier jedoch einem polysynthetisch verzwillingten Plagioklas, dessen

optische Verhältnisse auf Andesin deuten; neben diesen kommen auch

wohlausgebildete Augite von etwas dunklerer, mehr ins Röthliche

spielenden Färbung vor, als sie den kleinen Augitkörnchen der

Grundmasse eigen ist. Sie lassen einen schwachen Pleochroismus

wahrnehmen; im Uebrigen besitzen sie keine besonders bemerkenswerthen

Eigenschaften und weichen auch in ihrem optischen Verhalten --

die Auslöschungsschiefe auf dem Klinopinakoid beträgt etwa 45-48°

-- nicht von dem gemeinen Augit der jüngeren Eruptivgesteine

ab. Sehr selten sind endlich kleine Einsprenglinge von braunen

Hornblendefragmenten mit breiten opacitischen Rändern; auch die ohne

Hornblendekern auftretenden opacitischen Haufwerke dürfen demnach als

Resorptionsproducte wohl ohne Weiteres auf ursprünglich vorhandene

Amphibole bezogen werden.

Zur Familie der Augittrachyte gehören ferner noch zwei graue, sehr

poröse und feinkrystalline Gesteine vom:

1. »=Plateauabfall= nördl. vom =Eyassi-See=, 23. März 1892« und

den

2. »=Njogomo-Hügeln=, 27. März 1892«,

welche man mit Rücksicht auf die vereinzelt eingestreuten

Olivinkörner und die, durch ein schwärzliches Mineral erzeugte,

relativ dunkle Färbung der Grundmasse bei oberflächlicher Betrachtung

für Basalte halten könnte. Die nähere Untersuchung ergiebt jedoch,

dass die Feldspathe der Grundmasse Sanidine sind und unter den

Feldspath-Einsprenglingen gleichfalls die Sanidine vorwalten, sowie

ferner, dass jene scheinbar opaken Körper zu einem sehr geringen

Bruchtheil dem Magneteisen, zumeist dagegen einem dunkelgefärbten

Bisilicat angehören, das nur in sehr dünnen Schnitten mit brauner

Farbe durchscheinend wird. Obwohl die formale Ausbildung dieses

Minerals eine sehr unvollkommene ist und dasselbe fast durchweg

entweder in ganz unregelmässig begrenzten, fetzenartigen Gebilden

oder in längsgefaserten, quergegliederten Säulchen, die sehr häufig

zu mikrolithischen Dimensionen herabsinken, auftritt, so ist doch

bei den letzteren innerhalb der braunen Grundfarbe ein geringer

Pleochroismus zwischen röthlichen (parallel zur Vertikalaxe)

und gelblichen Tönen (in der Querrichtung) erkennbar; eine

Auslöschungsschiefe ist mit Sicherheit jedoch nicht zu beobachten,

so dass die Entscheidung, ob hier Hornblende oder ein rhombischer

Augit oder gar Akmit vorliegt, ohne weitergehende Untersuchungen

nicht möglich erscheint. Verhältnissmässig am nächsten liegt noch,

das Mineral als einen durch Verwitterung gefaserten und durch

Imprägnation mit Eisenoxydhydraten tief gefärbten Hypersthen zu

deuten, auf den auch die erwähnte Mikrostruktur passen würde. Neben

diesem mit Sicherheit nicht zu bestimmenden Bisilicat ist noch ein

anderes in Form von sehr kleinen, dünnen Blättchen vorhanden, die

eine rauchgraue, bald mehr ins Violette, bald mehr ins Bräunliche

spielende Farbe besitzen; ihre Umrisse sind zuweilen annähernd

hexagonal, gewöhnlich rundlich, in der Regel jedoch vielfach

eingebuchtet. Sehr häufig sind sie zu schuppig-blättrigen Aggregaten

verwachsen; liegen sie schräg im Schliff, so zeigen sie trotz

ihrer Dünne einen deutlich wahrnehmbaren Pleochroismus und eine

zarte, die Spaltrisse verrathende Liniirung und bekunden durch

diese Eigenschaften ihre Zugehörigkeit zum Glimmer. In geringer

Menge ist auch eine farblose Glasbasis zu konstatiren, welche die

feinkrystalline Grundmasse wie ein zarter Schleier umhüllt und nur

selten in selbstständigen Partien innerhalb derselben auftritt. Die

spärlichen Einsprenglinge gehören, was die Feldspathe anbelangt,

theilweise dem Sanidin, theilweise natronreichen Plagioklasen an;

im Uebrigen erscheinen noch in dieser Form gemeiner bräunlicher

Augit, opacitisch umränderte Fragmente von Hornblende und endlich

auch Olivin, dessen wohlausgebildete, durch Eisenoxydhydrat goldgelb

gefärbte Krystalle, wie erwähnt, schon bei der Betrachtung des

Handstücks die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Von Accessorien sind

Magneteisen in winzigen Oktaederchen und Apatit in den bekannten

gedrungenen Säulchen zu erwähnen, die durch zahlreiche, parallel

zur Hauptaxe verlängerte Hohlräume fein gestrichelt erscheinen und

deshalb im Querschnitt ein noseanähnliches Aussehen besitzen.

Die Familie der =basaltischen= Gesteine ist durch feldspathreiche,

meist olivinarme =Plagioklasbasalte=, durch augit- und olivinreiche

=Limburgite= und ferner durch ein Vorkommen von =Melilithbasalt=

repräsentirt, welche mit Ausnahme des letzten sämmtlich vom Westrand

des Grossen Grabens und dem unmittelbar sich daran schliessenden

Mutyekplateau stammen.

Nahezu olivinfreie Varietäten der ersten Gruppe, der

Plagioklasbasalte hat Dr. Baumann am

1. »SW. =Rand des Ngorongo-Kessels=, 21. März 1892« und bei

2. »=Neirobi=, unweit des Lagers, 23. März 1892«

gefunden; mikroskopisch sind es sehr feinkörnige Gesteine von

schmutzig-brauner Farbe, von denen das erstere, durch ½ cm lange,

parallel gelagerte Plagioklastafeln und -leisten porphyrisch und

gleichzeitig fluidal struirt, Neigung zu parallelepipedischer

Absonderung zeigt, während das letztere gleichmässig feinkrystallin,

nur in Folge von Farbenunterschieden schlierig erscheint und

kugeligschalige Verwitterungsprodukte liefert. U. d. M. erscheinen

die Grundmassen bei dem ansehnlichen Vorwalten des Feldspaths

gegenüber dem Augit als andesitartig; dem spec. Gewicht (circa

2,68) nach gehören die in schmalen Leistchen ausgebildeten

Plagioklase zum Labrador, auch die optischen Verhältnisse der

grösseren Feldspatheinsprenglinge deuten auf diesen kalkreichen

Plagioklas. Die in Gestalt von rundlichen Körnchen in der

Grundmasse vorhandenen oder in unregelmässigen Krystallfragmenten

eingesprengten Augite geben bei der gewöhnlichen röthlich-braunen

Farbe zu besonderen Bemerkungen keinen Anlass; farbloses Glas

ist an manchen Stellen noch im unveränderten Zustande erkennbar,

Magnetit ist ziemlich reichlich eingestreut, auch Apatitnädelchen

namentlich in den glashaltigen Gesteinspartien ein häufiger

Uebergemengtheil. Ob die gleichfalls in sehr ansehnlicher Menge

die Gesteinsmasse durchziehenden feinfaserigen oder schuppigen,

chloritisch-serpentinösen Secundärproducte, welche je nach dem

Oxydationsgrade des in ihnen enthaltenen Eisens bald mehr grünlich,

bald mehr gelblich gefärbt sind, auf zersetzten Olivin bezogen

werden dürfen, ist bei dem gänzlichen Fehlen der für dieses Mineral

charakteristischen Durchschnitte zweifelhaft, immerhin aber in hohem

Grade wahrscheinlich.

Die drei normalen, =olivinführenden Plagioklasbasalte= kommen von

1. »=Mutyek=, unweit des Laalangalang-Bachs, 17. März 1892«

2. »=Ngorongoro=, Kesselgrund, 19. März 1892« und von der

3. »Dritten Stufe am =Plateauabfall nördl. des Eyassi-Sees=, 25.

März 1892.«

Der erstere liegt in einer stark verwitterten, schalige Struktur

besitzenden Kugel, die beiden letzteren in dunkel- bezw. hellgrauen,

feinkrystallinen, fast dicht erscheinenden Belegstücken vor,

welche plattige Absonderung erkennen lassen. Der Olivin tritt in

diesen Gesteinen sowohl in wohlconturirten Einsprenglingen, wie als

Gemengtheil der Grundmasse auf; namentlich reichlich erscheint er in

dieser letzteren Rolle in dem Basalt vom Plateauabfall nördlich des

Eyassi-Sees, wo seine kleinen Körnchen durch ihre goldgelbe Färbung

schon bei der Betrachtung des Dünnschliffs im gewöhnlichen Lichte die

Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Mehr versteckt ist er auch in der

Grundmasse des Gesteins aus dem Ngorongoro-Kessel vorhanden; hier

sind seine Durchschnitte jedoch meist farblos, höchstens grau oder

schwach grünlich gefärbt und erst zwischen gekreuzten Nicols durch

ihre hohen Polarisationsfarben vom Feldspath sicher zu unterscheiden.

Der Zusammenhang der auch in diesem Gesteine vielfach zu

beobachtenden grünlichen Secundärgebilde mit Olivin ist hier deutlich

nachweisbar, indem dieselben von den grösseren Olivineinsprenglingen

weg sich gerade besonders reichlich in die umlagernde Grundmasse

verzweigen. Bemerkenswerth ist noch, dass neben dem äusserst

feinkörnig verstreuten Magnetit auch vereinzelte Oktaeder desselben

grössere Dimensionen erreichen, welche sie schon makroskopisch

wahrnehmbar machen, dass hingegen Feldspatheinsprenglinge den beiden

ersteren Gesteinen vollständig fehlen und im letzten sehr selten

zu beobachten sind, wie auch solche von Augit durchaus eine sehr

untergeordnete Rolle spielen.

Die Gesteine vom

1. »Abfall des =Mutyek-Plateau= oberhalb =Leilei=, 13. März 1892«,

2. »=Mutyek-Plateau=, 14. März 1892«,

3. »=Murerá-Bach=, =Mutyek-Plateau=, 16. März 1892« und

4. »=Mutyek-Wald=, 18. März 1892«

Durch Massailand zur Nilquelle · 第 31 / 41 段