In Iraku finden sich, wie oben erwähnt, drei Arten von Wohnstätten.

Die =Rundhütten= treten nur im Süden vereinzelt auf, wo das

Land feindlichen Einfällen weniger ausgesetzt, überhaupt am

ursprünglichsten ist. Sie besitzen lehmausgefüllte cylindrische

Wände und Grasdach, einen niedrigen Unterraum und dunkeln Dachraum,

in dem sich Stützen für das Dach, doch kein Mittelpfahl befindet.

Der ganze Bau ist sehr nachlässig ausgeführt. Weit besser sind die

Temben gebaut, die meist flaches Dach und ausgetieften Boden haben

und deren Rückwand der Berghang bildet. Nicht selten findet man

vollständige Keller, in den Lehmhang eingeschnittene Höhlungen, die

innen mit Stangen gestützt werden und in die man durch ein Loch im

Hang gelangt.

[Illustration: Unterirdische Wohnstätten in Iraku.]

Noch charakteristischer ist die Form, welche ich als »=versunkenes

Tembe=« bezeichnen möchte. In den festen, rothen Lateritboden wird

ein mindestens 3 m tiefes und 10 und mehr Meter im Quadrat haltendes,

meist viereckiges, manchmal auch dreieckiges oder unregelmässiges

Loch gegraben. Zum Eingang führt ein gebogener, schmaler Weg, der

zwischen Lehmwänden eingeschnitten und nach aussen geneigt, zugleich

den Regenmassen Abfluss gewährt. Das Loch wird mit einem gewöhnlichen

Tembedach überdeckt, dessen rothe Fläche die einzige Spur einer

menschlichen Wohnung ist. Das Innere ist recht geräumig, Menschen und

Vieh hausen meist in einem Raum zusammen. Manchmal führt im Innern

ein Gang als weitere Zuflucht in die Tiefe. --

Die =Jagd= wird von den Wafiomi mit Speeren und Fallen, seltener

mit vergifteten Pfeilen betrieben. In den Urwäldern von Ober-Iraku

und Meri pflegen die Eingeborenen 5-6 m tiefe cylindrische Gruben

auszuheben, die meist zu drei angelegt und zum Fangen von Elephanten

bestimmt sind. Dem Honig der Waldbienen stellen sie eifrig nach,

Fischfang im recht fischreichen Maitsimba-See betreiben sie jedoch

gar nicht.

Die =Viehzucht= hat durch die Massai-Einfälle sehr gelitten und

beschränkt sich gegenwärtig, wo auch noch die Seuche tüchtig

aufgeräumt, fast nur auf Kleinvieh. Nur in Iraku trifft man noch

ziemlich viele Rinder.

Alle Wafiomi betreiben mit grossem Eifer =Ackerbau=, besonders in

Iraku ist das Land mit Feldern bedeckt. In Uassi und Ufiomi baut

man nur Sorghum, in Iraku daneben auch Mais, Eleusine, Penicillaria

und vortreffliche Kürbisarten. Merkwürdig ist hier, wie bei allen

Völkern des abflusslosen Gebietes, das Fehlen der Banane in Gegenden,

die zum Anbau dieser Kulturpflanze wie geschaffen erscheinen.

Der Grund liegt wohl hauptsächlich darin, dass die besiedelten

Theile des abflusslosen Gebietes rings von Steppen oder doch

unbewohnten Gebieten umschlossen sind. Durch diese konnten nur die

leicht transportabeln Samenpflanzen, wie Sorghum, Mais, Eleusine,

Penicillaria, Kürbisse gelangen, während Bananen, Maniok, süsse

Kartoffeln und andere weit verbreitete, aber immerhin schwer zu

befördernde Pflanzen nicht dahin kamen. Unerklärlich allerdings

erscheint, warum die Hülsenfrüchte, deren Samen doch so leicht

verbreitbar sind, gänzlich fehlen. --

Die oben genannten Kulturpflanzen liefern die =Hauptnahrung= der

Wafiomi. Ausserdem essen sie auch das Fleisch aller Thiere mit

Ausnahme von Fischen und Flusspferden, die als unrein gelten. Das

Rauchen, Schnupfen und Kauen von Tabak ist bei beiden Geschlechtern

üblich. Kochsalz wird aus Mangati bezogen. --

An originellen =Geräthen= besitzen die Wafiomi nur wenige.

Eisensachen und Kalebassen werden meist aus Irangi bezogen, Körbe

aus Gras selbst geflochten. Die Töpfe sind ziemlich schlecht, am

Halse manchmal mit Zebrafell benäht. Zur Aufnahme der Milch dienen

hölzerne Gefässe, die sich ähnlich auch in Ukerewe und am Ostufer des

Victoria-See finden.

Als =Waffen= dienen Wurfspeere mit eingelassener Spitze und lederne

Rundschilde, sowie zur Jagd Bogen und vergiftete Pfeile.

[Illustration: Topf der Wafiomi.]

[Illustration: Milchgefäss der Wafiomi.]

Der Verkehr mit der Aussenwelt beschränkt sich auf den mit den

Wataturu und Wambugwe. Ueber Uassi gelangen die Industrieartikel aus

Irangi nach Ufiomi und Iraku. Früher zogen Leute aus Irangi direkt

nach Iraku, um Granaten, die dort häufig vorkommen und in Irangi als

Ohrschmuck getragen werden, zu kaufen. Wasukuma und andere Wanyamwesi

kommen behufs Vieh- und Elfenbeinhandel manchmal ins Land.

Die =Sitten= der Wafiomi sind eigenartig, wenn auch vielfach durch

Bantugebräuche beeinflusst. Die Beschneidung und das Ausbrechen

bezw. Vorbiegen der Zähne wird bei beiden Geschlechtern erst beim

Reifwerden vorgenommen. Bei Mädchen findet dann ein besonderes

Fest statt, bei welchem mit der nebenstehend abgebildeten Klapper

gerasselt wird. Dann bleibt das Mädchen ein Jahr im Tembe in einem

von den Männern gesonderten Raum. Sie darf keine Nahrung berühren und

wird von anderen Weibern gefüttert und getränkt, auch darf sie ihr

Haar nicht scheeren. Zur Nachtzeit jedoch verlässt sie das Tembe und

tanzt mit jungen Männern.[18]

[18] Eine ganz ähnliche Sitte findet sich bei den Wapare im

Paregebirge und scheint auch bei den Wahima (Watussi)

üblich.

[Illustration: Klapper, Wafiomi.]

Will ein junger Mann heirathen, so schickt er dem Vater der

Auserwählten Pombe, dessen Annahme als Einwilligung gilt. Das

Brautgeld besteht gewöhnlich aus drei Ziegen und einem Spaten;

ist der Bräutigam jedoch arm, so braucht er nur Pombe und Honig zu

bringen. Vielweiberei ist allgemein üblich. Die Geschlechter nehmen

ihre Mahlzeiten getrennt ein. Die Arbeiten sind so ziemlich gleich

auf Mann und Weib vertheilt, welch' letztere sich auch am Ackerbau

betheiligen. Eine unbeliebte Frau wird dem Vater zurückgeschickt.

Heirathet sie wieder, so gehört das erste Kind dem Manne der ersten

Ehe, das zweite dem der zweiten, das dritte wieder dem der ersten

Ehe u. s. w. bis zum achten Kind, worauf alle Kinder dem Manne aus

zweiter Ehe gehören, ein höchst merkwürdiger und seltsamer Gebrauch.

Die Wafiomi heirathen meist im Stamme, selten Wambugwe-Weiber, doch

werden Wafiomi-Weiber oft von Wambugwe und Wataturu zur Ehe genommen.

Will jemand ein Haus bauen, so ist ihm die ganze Nachbarschaft

dabei behilflich, die Männer errichten das Holzwerk und tragen die

Graslagen auf, die Weiber schütten den Lehm auf's Dach.

Eine grosse Rolle spielt der =Zauberdoktor=, der »Regen macht« und

bei Krankheiten Amulettzauber, seltener Pflanzenmedizin anwendet.

Schneidet sich jemand zufällig, so gilt dies als sehr böses Zeichen

und es wird sofort ein Schaf erwürgt und der Betreffende mit dem

Mageninhalt bespritzt, was überhaupt als Friedenszauber gilt.

Man glaubt an natürlichen Tod und Tod durch Zauberei, doch hat

letzterer nichts im Gefolge. Ein Verstorbener wird in Ufiomi kauernd

mit Fell und Ledersandalen vor dem Tembe beerdigt. In Iraku, wo ich,

um Schädel zu sammeln, mehrmals Gräber öffnete, waren dieselben

ebenfalls stets vor den Temben und bestanden aus 2 m tiefen

Schächten, von deren Sohle ein Seitenschacht ausging, in welchem der

Todte auf einem Brett stets mit Lederzeug und Sandalen bestattet war.

Den Geistern der Verstorbenen bringt man Todtenopfer von Pombe;

auch werden ihnen zu Ehren Tänze aufgeführt, bei welchen eine

kleine gestielte Trommel gerührt wird, die ganz jener der Wapare

gleicht. Ein Gottesbegriff ist vorhanden, Gebete sind jedoch nicht

gebräuchlich.

Die Bewohner benachbarter Distrikte führen keine Kriege

untereinander, sondern prügeln sich nur mit ihren langen Stöcken.

Den Krieg nach Aussen beschliesst der Zauberdoktor, der auch

Anführer desselben ist. Der Kampf besteht in Gefechten auf freiem

Felde, selbst im Siegesfall dringen die Kämpfer nicht in Feindesland

ein. Männliche Kriegsgefangene werden nicht getödtet, sondern zur

Auslösung aufbewahrt, laufen jedoch meist davon. Die Wafiomi halten

keine Sklaven, wurden jedoch mehrmals von den Ober-Aruschanern

(zuletzt 1891) behufs Sklavenraub angefallen und es sollen sich in

Ober-Aruscha Wafiomi-Sklaven befinden.

In Streitfällen entscheiden die Aeltesten. Diebstahl im eigenen

Land ist unerhört und sehr schimpflich, Fremde zu bestehlen gilt als

ehrenvoll. Mord wird durch Blutgeld gesühnt, nur wenn letzteres nicht

geleistet wird tritt Blutrache ein. Ausständige Schulden tilgt der

Gläubiger durch selbstständige Pfändung. Grund und Boden gilt niemals

als Besitz, nur die darauf stehenden Feldfrüchte sind Eigenthum, das

vom Nachbarfeld abgegrenzt wird. Daher kann Jeder unbeackertes, wenn

auch früher bebaut gewesenes Land bestellen und erhält dadurch Recht

auf die Ernte. Ebenso kann Vieh überall weiden.

Sternschnuppen gelten als böses Zeichen, der Mond und die

Jahreszeiten geben die Zeiteintheilung.

Das =Gesammtbild= der Wafiomi ist das eines noch völlig unberührten,

im Grunde gut gearteten Naturvolkes. Bei den traurigen Erfahrungen,

die sie von ihren Nachbarn, besonders den Massai gemacht, ist

es nicht verwunderlich, dass sie bisher allen Fremden feindlich

gegenüber standen, doch wird es zweifellos gelingen, sie in dieser

Hinsicht zugänglicher zu machen. Wurde mir als erstem Weissen in dem

berüchtigten Ufiomi doch wenigstens kein feindlicher, in Iraku sogar

ein harmlos freundlicher Empfang zu theil. Sobald die Wafiomi vor

feindlichen Einfällen gesichert und nicht mehr gezwungen sind, sich

gleich wilden Thieren in Erdhöhlen zu verbergen, werden sie sicher

ihre Eigenschaften als treffliche Ackerbauer noch weiter entfalten

und zur Besiedelung der herrlichen noch unbewohnten Plateauländer

beitragen. Ob sie freilich zu einer höheren Kulturmission geeignet

erscheinen, ist bei dem konservativen Sinn und der völligen, bis zur

Verwahrlosung getriebenen Bedürfnisslosigkeit dieses Volkes fraglich.

Auch ist es nicht wahrscheinlich, dass sie einem stärkeren Eindringen

des Bantu-Elementes widerstehen werden.

Vorläufig nehmen die =Bantuvölker=, jener Hauptstamm Mittel-Afrika's,

im abflusslosen Gebiet noch keinen grossen Raum ein. Das bedeutendste

Volk sind jedenfalls die =Wagogo=, die schon von mehreren Reisenden

beschrieben worden sind und auf die ich schon deshalb nicht näher

eingehe, weil ich nur wenige Vertreter dieses Stammes kennen

gelernt. Die Wanyamwesi dagegen, deren Wohngebiet besonders in den

Zweigstamm der Wakimbu ins abflusslose Gebiet übergreift, und die

viele Ansiedelungen in demselben besitzen, sollen an anderer Stelle

Erwähnung finden. Wir wenden uns daher gleich den nördlich, in

direkter Nachbarschaft der Wafiomi lebenden Warangi und Wambugwe zu.

Die Stämme der =Wambugwe= und =Warangi= gehören, obwohl räumlich

ziemlich getrennt lebend, doch einer Gruppe an, ja sie bilden

thatsächlich nur =einen= Stamm. Da jedoch die Warangi durch ihren

starken Verkehr mit Fremden, sei es Küstenleuten, sei es Wagogo und

Wanyamwesi, viel von ihrer Ursprünglichkeit verloren haben, so wird

nachfolgend hauptsächlich von den Wambugwe die Rede sein.

Die Wambugwe bewohnen ein sehr beschränktes Gebiet. Ihre Wohnstätten,

die Temben, sind in der baumlosen Salzebene am Südende des

Manyara-See verstreut, welche, eine alte Fortsetzung des Sees

bildend, zur Regenzeit theilweise mit Salzwasser überschwemmt ist

und nur stellenweise spärlichen Graswuchs gedeihen lässt. Die Felder

liegen südlich und östlich von dieser Ebene in fruchtbarerem Gebiet.

Die Warangi hausen in den hügelartigen Landschaften, welche sich bei

der Araber-Niederlassung Kondoa (Irangi) ausdehnen, sowie nordöstlich

davon in Tandala. Die ebenfalls zu Irangi gehörigen Distrikte Uassi

und Burunge haben keine Warangi- sondern Wafiomi-Bevölkerung.

Ihre Abkunft leiten die Wambugwe von Irangi, also aus dem Süden her;

doch ist es zweifellos, dass ihre Einwanderung schon vor vielen

Generationen erfolgte. Ihrer Sprache nach sind die Wambugwe ein

Bantu-Volk und gehören möglicherweise mit den Wagogo einer Gruppe an.

Doch scheint es sicher, dass sie viele fremde Elemente, vor allem

Wataturu und Wafiomi, in sich aufgenommen haben. Immerhin weist

der Stamm, wie er sich uns heute darstellt, physisch ein ziemlich

einheitliches Gepräge auf.

Die Wambugwe sind mittelgrosse schlanke und kräftige Leute

von oft tadellosen Körperformen. Die Gesichtszüge bilden ein

Mittelding zwischen hamitischen und reinem Negertypus; der

nebenstehend abgebildete Häuptling Mbi zeigt dieselben in

besonders charakteristischer Weise. Die Hautfarbe hat vorherrschend

chokoladebraune, rothbraune bis gelbliche Töne, besonders unter den

Weibern trifft man hellfarbige, ungemein zierliche Gestalten. Die

Haltung ist eine freie und stolze, der Gesichtsausdruck intelligent.

[Illustration: Wambugwe-Häuptling Mbi.]

Diesem Aeusseren entspricht auch der =Charakter=, der den Mbugwe

vor allem zum Krieger stempelt. Von drei Seiten von ungeheuren

Steppenländern, auf der vierten vom Steilabfall des Plateaus

begrenzt, ist das Umbugwe-Ländchen von allen Seiten den Einfällen

feindlicher Stämme, vor allen der Massai und Ober-Aruschaner

ausgesetzt. Während die umwohnenden Stämme, wie die Wataturu und

Wafiomi unter diesen Einfällen schwer litten und ihr ganzes Vieh

an die Massai verloren, wussten die Wambugwe trotz der ungünstigen,

völlig offenen Lage ihres Ländchens sich doch alle Feinde vom Halse

zu halten und ihre kostbarste Habe, ihr Rindvieh, zu vertheidigen.

So verächtlich der Massai auch über die meisten »Mangati«

(Ackerbauer-Feinde) denkt, den Ltoroto, wie er die Wambugwe nennt,

kann er seine Achtung nicht versagen. Denn gar oft haben die wilden

Viehräuber der Steppe sich blutige Köpfe in Umbugwe geholt, ja

mehrmals kehrten die Wambugwe den Spiess um, sie fielen ihrerseits im

Massailande ein, erstürmten die Kraals am Donyo Kissale und trieben

das Vieh weg.

Die Erfahrungen, welche sie seit jeher gemacht, mussten dazu

beitragen, die Wambugwe misstrauisch gegen alles Fremde zu machen.

Mehrmals wurden Handelskarawanen von der Küste, die in völlig

harmloser Absicht kamen, von ihnen überfallen, ausgeraubt und fast

vollständig aufgerieben, so dass jahrelang sich Niemand als die

unerschrockenen Elephantenjäger nach Umbugwe wagte. Auch diese

schwebten fortwährend in Lebensgefahr und waren allerlei Uebergriffen

von Seiten der Eingeborenen ausgesetzt.

Auch mir, dem ersten Europäer den sie sahen, wollten die Wambugwe in

gleicher Weise begegnen, doch bekam ihnen dies schlecht: zum ersten

Mal empfingen die nie Besiegten eine empfindliche Niederlage. Doch

gerade ihr Verhalten nach derselben zeigt von dem klaren Verstand der

Wambugwe. Während andere Stämme, wenn ihr Angriff abgeschlagen ist,

sich meist in alle Winde verlieren, gänzlich unerreichbar sind und

den nächsten Europäer der durch ihr Gebiet kommt wieder anfallen,

erkannten die Wambugwe sofort, dass sie einer überlegenen Macht

gegenüberstanden. Es kam zu einer Verständigung und die Schonung der

Verwundeten und Auslieferung der Kriegsgefangenen meinerseits trug

nicht wenig zur Befestigung der neuen Freundschaft bei. Fast ein Jahr

später fand ich die Wambugwe gänzlich umgewandelt als friedliche,

zugängliche Leute und Küstenkarawanen sowohl wie andere Reisende, die

nach mir das Land besuchten, fanden die beste Aufnahme.

Wenn wir das =Aeussere= der Wambugwe betrachten, so finden wir,

dass dieselben sich von der Alles überfluthenden Massai-Mode

ziemlich unabhängig gehalten haben (Abb. Taf. 4 und pag. 22). Die

=Stammesmarke= bei Männern und Weibern besteht aus einem von der

Nasenwurzel über die Wangen verlaufenden Schnitt. Das Haupthaar

tragen sie entweder abrasirt oder sorgfältig in ganz kleine Zöpfchen

geflochten. Kleine Holzstücke oder einige Glasperlen dienen als

Schmuck der Ohren. Die jungen Männer pflegen auf Reisen und auf

der Jagd nackt zu gehen, sonst besteht die =Kleidung= aus einem

Lendenschurz oder Mantel von ungemein weich und biegsam gegerbtem

Leder, welches mit Glasperlen verziert und gelb, braun oder roth

gefärbt wird. Zeug wird, seit das Land erschlossen ist, immer mehr

getragen. Die Weiber bekleiden sich mit einem Lendenschurz aus Leder.

An den Beinen werden häufig Eisendraht und Glasperlen getragen,

an den Füssen schöne mit Glasperlen verzierte Ledersandalen. Die

Beschneidung ist üblich. Als Kriegsschmuck tragen die jungen Leute

häufig einen Büschel Federn in den Haaren.

Die =Wohnungen= der Wambugwe (Abb. pag. 18) bestehen aus

quadratischen, nach den Weltgegenden orientirten Temben, die in

Entfernungen von 30-40 m von einander in der Ebene verstreut sind.

Dieselben sind ungleich gross und haben von 6-50 m im Geviert, dienen

jedoch selten mehr als einer Familie zum Aufenthalt. Trotz ihrer oft

bedeutenden Ausdehnung sind die Temben nur brusthoch. Die Seitenwände

bestehen aus Stangen mit Lehmverkleidung, das flache Dach, welches

das ganze Tembe bedeckt, besitzt eine Unterlage von Stangen aus dem

festen Kernholz der Dumpalmen, auf welchen eine Schicht quergelegter

Sorghumstengel und die Lehmauflage folgt. In der Mitte der Dachfläche

wird manchmal eine Stange als Zierrath aufgestellt. Die grösseren,

besonders die Häuptlingstemben haben an der (westlichen) Vorderseite

ein 1½ m, an den übrigen ½ m breites Vordach. Der Innenraum dient

als Aufenthalt für Menschen und Vieh. Die kleineren Temben bestehen

aus einem einzigen Raume mit vielen Dachstützen und höchstens einer

Einzäunung für das Vieh, die grösseren aus mehreren, durch Wände

getrennten Wohnstätten. Bei ihrer Niedrigkeit, der darin herrschenden

absoluten Dunkelheit und den unzähligen Stangen und Verschlagwänden

sowie dem Stalldunst, bieten die Temben gerade keinen behaglichen

Aufenthalt, um so weniger als es darin von kleinen Zecken, den

sogenannten Papassi, wimmelt.

Die Warangi haben dieselben, doch weniger gut gebauten Temben,

dieselben liegen jedoch nicht einzeln, sondern zu drei oder vier,

einen kleinen Hof umschliessend, der gegen Aussen durch einen

Knüppelzaun abgesperrt ist.

Die =Jagd= spielt bei den Wambugwe eine ziemlich grosse Rolle und

wird mit dem Wurfspeer, seltener mit Bogen und Pfeil ausgeübt.

Fischfang wird nur zu Zeiten grosser Hungersnoth im Kwoufluss

betrieben.

Weit wichtiger ist die =Viehzucht=, die allerdings durch die Seuche

stark gelitten hat, immerhin aber noch recht bedeutend ist. Das

Mbugwe-Rind ist ein echtes Zebu mit starkem Höcker, kräftiger,

untersetzter Gestalt und meist kurzen Hörnern. Es ist verschieden,

braun, schwarz und grau gefärbt, auch Blässen sind nicht selten.

Wie bei den meisten afrikanischen Rindern, ist der Milchertrag ein

geringer, =ein= Liter täglich gilt schon als ganz gute Leistung.

Die Rinder grasen durchweg in der Salzebene um die Temben herum und

verlassen deren Umkreis niemals. Obwohl sie anscheinend nur spärliche

Weide finden, gedeihen sie doch vortrefflich und sind von seltener

Ausdauer und Zähigkeit. Ich hatte Umbugwe-Rinder während meiner

ganzen Reise mit und dieselben vertrugen das kalte Plateauklima

ebensogut wie Hitze und Wassermangel in der Steppe, ja selbst die

starken Märsche ermüdeten sie keineswegs. Die Wambugwe pflegen ihre

Rinder durch Einschnitte in die Ohren zu bezeichnen.

Unter den Rindern treiben sich in der weiten Ebene des Dorfgebietes

zahlreiche, halbwilde =Esel= herum. Dieselben sind kräftig

gebaut, haben eine glänzend silbergraue Farbe und sehr oft leichte

Streifung an den Beinen, erinnern also lebhaft an den wilden Esel

der Somali-Länder. Sie werden nur zum Herbeitragen von Feuerholz,

das sehr weit hergeholt werden muss, benutzt, laufen aber meist

frei umher. Auch die Esel fand ich, sobald sie gezähmt sind, was

rasch gelingt, sehr ausdauernd. An Kleinvieh werden viele Ziegen

und Schafe, an Geflügel Hühner gehalten. Hunde und auffallend viele

Katzen sind überall zu finden.

Der =Ackerbau= wird nicht im Tembegebiet getrieben, weil dasselbe

in der Regenzeit oft von Lachen überschwemmt ist und auch als

Viehweide dient. Dadurch wird den Wambugwe das Leben ziemlich sauer

gemacht. Wenn sie Trinkwasser oft eine Stunde weit holen müssen, so

werden Feldfrüchte mehrere, Brennholz oft sogar viele Stunden weit

hergeholt. Die Aecker liegen südlich und östlich vom Tembegebiet und

sind gut gehalten. Angebaut wird fast nur Sorghum weisser und rother

Varietät, letzterer ausschliesslich zur Bier-(Pombe)-Bereitung,

sowie Tabak. Trotz des anscheinend wenig fruchtbaren Bodens ist das

Erträgniss doch ein ungemein reiches, wie man an den kolossalen

Getreidevorräthen sehen kann, welche die Wambugwe in meterhohen

und ebenso breiten, cylindrischen Strohkörben in ihren Hütten

aufspeichern.

[Illustration: Tembe der Warangi.]

Die =Hauptnahrung= ist der Sorghumbrei. Um diesen herzustellen, wird

der Sorghum am Dach des Tembe aufgebreitet, hierauf meist unenthülst

zwischen Mahlsteinen zerrieben. Nicht selten mischt man dem Mehl

Salz vom Balangda-See (Mangati) bei, manchmal sogar das scharfe,

für Nicht-Wambugwe gänzlich ungeniessbare Salz des Manyara. Das

Fleisch aller Thiere wird genossen, nur Fisch, Nashorn und Elephant

gelten als unrein und werden nur während einer Hungersnoth verzehrt.

Betreffs des Zusammenessens von Männern und Weibern bestehen keine

bestimmten Vorschriften. Hirsebier (Pombe) wird in sehr grossen

Mengen hergestellt, in mächtigen Töpfen gähren gelassen und dann

getrunken. Tabak wird besonders von Männern geraucht, geschnupft

und gekaut, in letzterem Falle wird ihm das scharfe Salz des Manyara

beigemengt.

[Illustration: TAFEL XX. HIRT AUS UFIOMI]

Die =Geräthe= der Wambugwe zeichnen sich vielfach durch Zierlichkeit

aus. Dem Ackerbau dient eine breitklingige Hacke, die, wie alle

Eisengeräthe, aus Irangi-Eisen gefertigt, ja oft direkt von dort

importirt wird, da die Warangi-Schmiede mit Recht als geschickt

gelten. Ausser den grossen, früher erwähnten Vorrathskörben, dienen

als Gefässe kleine Körbe und Kalebassen, die vielfach aus Irangi

importirt und mit hübschen schwarzen Ornamenten versehen sind. Die

netten Töpfe und Krüge werden von eigenen Handwerkern gefertigt und

gehören nicht der Hausindustrie an. Erwähnung verdient das Gerben

der Rindshäute, zu welchem Behufe die Haut getrocknet, mit einem

besonderen Beil abgekratzt und mit Fett und Kuhmist eingerieben

wird. Sie wird dann einen Tag ausgebreitet, mit menschlichem Urin

begossen, dann geknetet und zwei Tage in Urin gelagert. Hierauf

wird sie nochmals ausgebreitet, getrocknet und abgerieben. Durch

dieses Verfahren bekommt die Haut eine erstaunliche, sammetartige

Weiche. Wünscht man das Leder zu färben, so wird die betreffende

Pflanzenfarbe dem Urin beigemischt.

[Illustration: Hacke der Wambugwe.]

Die =Waffen= der Wambugwe bestehen aus Speer, Schild, Bogen, Pfeil

und Schleuder. Schwerter scheinen vollkommen unbekannt. Der Speer

ist ein echter Wurfspeer mit ziemlich breiter Klinge, eingelassenem

Schaftdorn, lederbenähtem Hals und mit Eisen umwundenem Schaftende.

Jeder Krieger trägt zwei bis vier Speere in der Rechten. In der

Linken führt er den spitzovalen Schild, welcher aus Büffelhaut

gefertigt, mit kleinen vorgetriebenen Buckeln versehen ist und an

der Hinterseite einen Längsstock besitzt, (Abb. Tafel 4). Bogen

und Pfeile sind leicht und dienen nur alten Leuten und Kindern

als Waffen und Jagdgeräth. Als solches für kleines Wild dient auch

die interessante Steinschleuder, ein Geräth, das man sehr selten

in Mittelafrika findet. (Abb. pag. 186.) Dieselbe wird auch zum

Verjagen der Vögel aus den Feldern gebraucht. Im Gebrauch der Waffen,

besonders im Werfen der Speere besitzen die Wambugwe bedeutende

Geschicklichkeit.

Die Speere der Warangi sind zierlicher, doch weniger kräftig, ihre

Schilde meist kreisrund mit Mittelbuckel.

[Illustration: Kalebassen-Ornamente der Wambugwe.]

Durch Massailand zur Nilquelle · 第 20 / 41 段