Von Menschen fast ganz verlassen, ist die Massai-Steppe der

Tummelplatz grosser Wildmengen. Die Büffel zwar und die anderen

wilden Rinderarten haben durch die Viehseuche 1891 schwer gelitten

und sind fast ganz verschwunden. Aber Zebras und Antilopen, Giraffen

und Strausse treiben sich noch in Heerden umher und besonders

massenhaft tritt das Nashorn auf, meist in Gruppen von 2 bis 3

die Wildniss durchstreifend. Selbst Elephanten kommen noch vor und

auch Löwen und Leoparden sind ziemlich häufig. Raubvögel folgen in

Schwärmen jeder Karawane.

Die Regenzeit scheint in der Massai-Steppe früher als an der Küste,

gewöhnlich Mitte Februar einzusetzen. Sie wird durch heftige Ostwinde

eröffnet, die überhaupt das ganze Jahr hindurch vorherrschen. Die

Temperaturschwankungen sind sehr bedeutend, an glühenden Sonnenbrand

unter Tage schliessen sich eisig kalte Nächte. In der Trockenzeit

eine wasserlose Wüste, in der Regenzeit ein Sumpf, stets eine

pfadlose, schwer zugängliche Wildniss, bildet die Massai-Steppe kein

sehr vielversprechendes Gebiet.

Der grosse =ostafrikanische Graben= ist besonders scharf durch seinen

Westrand, den Steilabfall des Massai-Plateaus, charakterisirt.

Derselbe wurde im Norden von Dr. Fischer bis zur Breite des

Natron-Sees erforscht, im Süden vermuthete man seine Fortsetzung

in den Muhalala-Bergen in Ugogo, doch das Zwischenglied war noch

unbekannt. Am Natron-See ist der Graben einerseits durch das

Massai-Gebirge, den sogenannten Mau-Abfall, dem der thätige Vulkan

des Donyo ngai entsteigt, andererseits durch den Tafelberg des Geleï

bezeichnet.

Südwärts schreitend, gelangt man in die schon von Dr. Fischer

erkundete flache Senkung, die sich zwischen dem Natron-See und dem

Manyara-See ausdehnt. Sie hat fast dieselbe Höhe wie der Manyara-See

und weist Spuren von Kalksinter und Gerölle auf, welche auf eine

frühere grössere Ausdehnung des Manyara und möglichen Zusammenhang

mit dem Natron-See hinweisen. Im Osten erhebt sich die wahrscheinlich

krystallinische Masse des Simangori-Berges. Im Westen ragt der

hier fast 700 m hohe, ungemein schroffe Abfall des Plateaus auf.

Dieses ist von unregelmässigen Höhenzügen bedeckt, zwischen welchen

verschiedene Gewässer dem Manyara-See zufliessen. An dieser Stelle

ist also die von Suess angenommene Aufwulstung der Grabenränder

nicht wahrzunehmen, während sie weiter südlich, wo der Mto ya Matete

unweit des Plateaurandes entspringt und westlich abfliessen soll,

möglicherweise auftritt. Am Abfall sowohl wie am Plateau stehen

ausschliesslich junge Eruptivgesteine, vorherrschend Basalte an,

die auf den Höhen vielfach mit rother Lateritmasse überlagert sind.

Als Eruptionscentrum kann hier der oblonge Kessel am Ngorongoro

betrachtet werden, der, von steilen Tuffwänden eingesäumt, eine

flache Sohle besitzt, deren westlicher Theil von dem kleinen

Ngorongoro-See eingenommen wird, dem mehrere Bäche zuströmen. Am Ufer

des Sees stehen jüngere Kalke an.

Weiter südlich senken sich die Berge des Abfalls bedeutend ab,

sind am Nordende des Manyara-Sees ca. 200 m hoch und steigen dann

wieder zum Plateau von Iraku an. Der Manyara-See (1000 m) erfüllt

ein seichtes Becken und besitzt nach der Jahreszeit wechselnden

Wasserstand, trocknet jedoch niemals gänzlich aus. Er nimmt im Norden

und Westen mehrere wasserreiche Bäche, im Süden den ansehnlichen

Kwou-Fluss auf. An seinem Westufer entspringen mehrere heisse Quellen

(Temp. ca. 80° C.). Der Manyara ist ein Salzsee, sein Wasser ist

nicht trinkbar und dicke Salzschichten bedecken das Ufer.

[Illustration: TAFEL XVI. Ausblick von Meri (Iraku) gegen Nord.]

Wie aus der chemischen Untersuchung[4] ersichtlich, sind die Salze

des Manyara vor Allem durch ihren Soda-Gehalt ausgezeichnet, während

Salpetersäure und Magnesia-Salze ihnen gänzlich fehlen. Durch den

letzteren Mangel unterscheidet das Wasser des Manyara sich wesentlich

von dem des todten und kaspischen Meeres, sowie vom Seewasser, wie

denn überhaupt die Seen des ostafrikanischen Grabens nicht, wie der

Tanganyika und Nyassa als Relictenseen, sondern als Ueberreste eines

früheren Flusssystems zu betrachten sind. Darauf deutet auch die

niedere Fauna des Manyara, welche trotz seines Salzgehaltes reine

Süsswasserformen aufweist und besonders auf die Nilfauna hinweist.

Aus ähnlichen Vorkommnissen im Rudolf-See schloss Suess, dass die

Entstehung des Grabens in einer Zeit erfolgt sein müsse, wo die

gegenwärtige Nilfauna bereits bestand oder doch einen der jetzigen

sehr ähnlichen Charakter hatte. Was die Schnecken des Manyara

anbelangt, so gehören dieselben allzu weit verbreiteten Arten an,

um einen solchen Schluss direkt zu gestatten, auch scheint eine

Verschleppung von Schneckeneiern durch Vögel leicht möglich. Doch

wird die Suess'sche Annahme durch das massenhafte Auftreten junger

Eruptivgesteine im Grabengebiet, deren Entstehung ihrem Charakter

nach bis in die geologische Gegenwart fällt, bekräftigt.

[4] Siehe Anhang.

Am Manyara-See besteht der Abfall nicht mehr aus Basalten,

sondern der liegende Gneiss mit meist nordöstlichem Streichen und

verschiedenen oft sehr steilen Fallrichtungen tritt hier und am

Plateau von Iraku zu Tage.

Die südliche Fortsetzung des Manyara-See bildet der flache Boden von

Umbugwe, ein Alluvialgebiet, in dem einzelne krystallinische Hügel

aufragen und das von dem theilweise versumpften Kwoufluss und seinen

Nebenbächen durchzogen wird. Es ist zweifellos alter Seeboden und

der Laua ya Sereri, östlich von Kutadu's Land, ein Salzsee, der in

dürren Jahren manchmal eintrocknet, stand früher mit dem Manyara

in Verbindung. Der Boden Umbugwe's ist salzig und das Wasser der

Lachen, die sich nach starkem Regen in grosser Ausdehnung bilden,

ist nicht trinkbar. Westlich von Umbugwe erhebt sich der Steilabfall

bis zur Höhe von 1900 m und ist gekrönt vom Plateau von Iraku, das

durchschnitten von zahlreichen Bächen des Kwousystems weit tiefere

Thäler, überhaupt weit gebirgigeres Terrain besitzt als Mutyek.

Ueberall steht, wie schon erwähnt, Gneiss und krystallinischer

Schiefer an, in einzelnen Kuppen in romantischen Felsbildungen

aufragend. Weiter westlich scheint das Land stark abzuflachen und

nimmt immer mehr Steppencharakter an.

Südlich von Umbugwe steigt die Sohle des Grabens sanft um etwa 100

m und das Auftreten von Basalt und Tuff zeigt eruptive Durchbrüche

an. Auf der Höhe der derart erreichten Stufe liegt die Landschaft

Ufiomi mit dem kleinen Maitsimba-See (1440 m), dem einzigen in der

langen Reihe der Grabenseen, der Süsswasser enthält. Er verdankt dies

dem Vorhandensein eines Abflusses, der allerdings nur nach starkem

Regen oberirdisch Wasser führt, stets jedoch an unterirdischem

Sickerwasser reich ist, das in den Kwou mündet. Oestlich vom

Maitsimba erhebt sich der vulkanische Ufiomiberg bis ca. 2500 m; er

ist der nördliche Ausläufer des Plateau von Uassi, welches hier den

sehr scharfen Ostrand des Grabens bildet. Es steigt bis zu 1700 m

an, besitzt sowohl gegen den Graben als gegen die Massaisteppe sehr

schroffe Abfälle, hat leicht gewelltes Terrain, meist periodische

Wasserläufe und besteht aus Gneiss und krystallinischen Schiefern mit

vorherrschend meridionaler Streichungsrichtung und steilem Fall gegen

Westen.

Im Westen des Maitsimba-See sind mehrere Höhenzüge dem Steilabfalle

vorgelagert, der sich schroff und felsig zum Plateau von Meri bis

über 2000 m hoch erhebt. Ihm entströmen die Nebenbäche des Bubu,

der erst mit papyrusreichem Ufer östlich von der Landschaft Mangati

verläuft, als breites, sandiges Bett bei Irangi vorbeifliesst und

schliesslich in Ugogo in altem Seeboden verläuft. Bei Mangati macht

der Steilabfall, der auch hier aus krystallinischen Schiefern in sehr

stark gestörten Schichtenlagen besteht, plötzlich einen Bogen nach

Westen, um nach einigen Kilometern als bedeutend niedrigere Stufe

nach Südwest zu streichen. Aus der dadurch gebildeten Bucht erhebt

sich vollkommen isolirt der vulkanische Kegel des =Gurui=[5] bis zu

3200 m, der 1885 von Dr. Fischer in Irangi zuerst gesehen worden war.

Sein Obertheil besteht fast ganz aus steilen, schwarzen Basaltwänden,

die Hänge sind theils grasig, theils bewaldet. Zwischen Gurui und dem

schroffen Abfall dehnt sich die leicht gewellte Landschaft Mangati

aus, in deren Westecke der kleine Salzsee Balangda (1600 m) liegt.

Derselbe trocknet in dürren Jahren oft fast ganz ein, dann bilden

sich starke Salzablagerungen an den Ufern, die von den Eingeborenen

gewonnen und als Kochsalz benutzt werden, als welches sie vorzügliche

Eigenschaften besitzen.[6]

[5] So und nicht »=Igruivi=« heisst dieser Berg.

[6] Die chemische Untersuchung siehe im Anhang.

Südlich vom Gurui senkt sich die Sohle des Grabens wieder bis zu 1360

m, welche Höhe sie in der Landschaft Uyanganyi erreicht. Den Westrand

bildet hier der Abfall des Plateaus von Turu, welches bis zu 1820

m ansteigt und einen sehr deutlich ausgeprägten Randwall gegen den

Graben zu besitzt. Sowohl an der Sohle des Grabens wie am Plateau

von Turu steht Granit an, welches Gestein hier aus Unyamwesi in das

Grabengebiet übergreift.

Das Plateau von Turu besitzt sandigen, salzhaltigen Boden,

nähert sich mit den zahlreich verstreuten Granitkuppen dem

Landschaftscharakter Unyamwesi's und ist von trockenen Wasserrissen

durchzogen, deren einige in den kleinen Singisa-Salzsee münden, der

ebenfalls von den Eingeborenen ausgebeutet wird.[6] An seinen Ufern

streift eine recente Kalkscholle an.

Weiter nördlich entdeckte Lieutenant Werther einen anderen kleinen

Salzsee, von welchem ich auch durch Eingeborene erfuhr. Derselbe

liegt in einem ähnlichen Kessel wie der See von Ngorongoro, also

wahrscheinlich in vulkanischem Gebiet.

Südlich von Unyanganyi ist die Grabensohle durch den Verlauf trockner

Bäche bezeichnet, während der Abfall niedriger, aber stets deutlich

ausgeprägt verläuft und in die Stufe von Muhalala-Ugogo übergeht.

Oestlich vom Graben steigt allmählich das Plateau von Ussandaui,

mit aufgesetzten höheren Kuppen wie den Tuyui an, welches durchweg

aus Granit besteht und erst an seinem Ostrand gegen den Bubu zu,

durch höhere krystallinische Gebirge mit vorherrschend meridionalen

Streichungsrichtungen eingesäumt wird. Dasselbe Gestein tritt auch

in den niedrigen Bergen von Irangi auf, die bereits dem System der

Massai-Steppe angehören.

Ohne direkten Zusammenhang mit dem grossen Graben, aber doch

nur als Seitenbruch desselben, verläuft der Wembere-Graben in

vorherrschend nordöstlicher Richtung. Er bildet, wie erwähnt, eine

Sackgasse und ist in seinem nördlichen Theil vom Eyassi-Salzsee

(1050 m) eingenommen, der einen dem Manyara ähnlichen Charakter,

aber sandigere und völlig vegetationslose Ufer besitzt. Er enthält

ebenfalls scharfes untrinkbares Wasser,[7] muss aber dennoch gleich

dem Manyara ein Thierleben beherbergen, da zahlreiche Wasservögel

seine Fläche beleben. In trockenen Jahren mag der jedenfalls seichte

Eyassi einschrumpfen, trocknet jedoch niemals völlig oder auch nur

erheblich aus und überschwemmt zur Regenzeit weite Gebiete.

[7] Die chemische Untersuchung siehe im Anhang.

Im Norden des Sees erhebt sich das Plateau von Sirwa bis über 2000 m.

Es besitzt ähnlichen Charakter wie Mutyek und hat hohe vulkanische

Berge aufgesetzt, die 3000 m jedenfalls übersteigen. Nur am Fusse

des Abfalles tritt das liegende Gestein als Gneiss auf, darüber

lagern verwitterte Tuffe, Basalte und andere Eruptivgesteine. Von

der Plateauhöhe strömen dem Eyassi-See mehrere wasserreiche, von

Phönixpalmen begleitete Bäche zu. Die Berge seines Westufers sind im

Norden anfangs noch hoch und stürzen in steilen Hängen ab, am Ostufer

streichen parallele, immer höher ansteigende Bergketten. Weiter

südlich sind die Grabenränder weniger hoch und erheben sich bei

Mbusi am Westrand kaum 100 m über der Sohle, während der Ostrand bei

Issansu etwas höher sein dürfte. Hier tritt überall Granit auf, der

in der Sohle des Grabens von grauen Lehmmassen überdeckt ist. Diese

Nyarasa-Steppe bildet die südliche Fortsetzung des Eyassibodens und

ist stellenweise von dicken Salzefflorescencen bedeckt, welche ein

vorzügliches Kochsalz[7] liefern.

Ueber die Ebene weht fast fortwährend ein heftiger

staubgeschwängerter Nordostwind, welcher an Löss erinnernde

Lehmterassen anhäuft. In diesen finden sich Sumpfschnecken, die oft

ganz calcinirt aussehen und doch das lebende Thier enthalten, das

offenbar in der feuchten Jahreszeit erwacht. Während dieser ist

die Nyarasa-Steppe grösstentheils überschwemmt. Sie wird von dem

ca. 30 m breiten, brackigen Simbitifluss durchzogen, der zwischen

Lehmmauern dem Eyassi zuströmt. Er bildet den Unterlauf des Wembere

und der zahlreichen meist periodischen Wasserläufe des östlichen

Unyamwesi. Bei besonders starken Winden macht sich eine Gegenströmung

aus dem Eyassi im Simbiti bemerkbar und sein Wasser ist dann

völlig ungeniessbar. Noch ein anderer ansehnlicher Fluss, den die

Elephantenjäger Mto ya matete (Fluss der Phönixpalmen) nennen, soll

von Osten her in den Eyassi münden.

Weiter südlich in der Breite von Iramba wird die Grabensohle

schmäler und erhält den Namen Wembere-Steppe, welcher auf grössere

Gebiete übertragen wurde, während er thatsächlich nur diesem

schmalen Streifen zukommt. In Unyamwesi, in der Breite von Ussure

ist die Sohle des Grabens 1120 m hoch, während die Randberge völlig

unbedeutend, aber stets deutlich wahrnehmbar verlaufen. Sie sind

vielfach von Granitzinnen gekrönt (siehe Abb. pag. 109), während die

Sohle selbst stets mit Alluvialmassen bedeckt, zur Trockenzeit eine

Wüste, zur Regenzeit ein Morast ist. Bei Ussure und in Iramba erheben

sich niedrige Hügelzüge, die allmählich in das Plateau von Turu

übergehen. Gegen Süden zu lässt sich der Graben bis in die Gegend von

Turu verfolgen.

Bezüglich des =Landschafts-Charakters= sind die Niederungen und

Plateaus in den Grabengebieten sehr verschieden. Die Grabensohle

trägt im grossen Ganzen den Typus der Steppenvegetation, Akazien,

Baobabs herrschen vor, bei Umbugwe treten einzelne Borassuspalmen

auf. Wo jedoch die Nähe der Gebirge reichlichere Niederschläge

erzeugt und besonders an fliessenden Gewässern grünt üppige Gras- und

Krautvegetation und der Ackerbau findet vorzügliche Bedingungen.

Von den Plateaus sind die südlichen, Turu, Ussandaui und das südliche

Uassi trocken, sandig und von geringer Fruchtbarkeit; schon im

nördlichen Uassi und am Ufiomiberg macht sich reicherer Waldwuchs

geltend und die wasserreichen, kühlen Hochplateaus von Iraku und

Mutyek gehören zweifellos zu den besten Gebieten Ost-Afrika's.

Dieselben sind hauptsächlich von schönem Weideland mit kleinen

eingestreuten Laubbäumchen bedeckt, dessen ziegelrother fetter

Boden, wie man in Iraku sehen kann, für Ackerbau sehr geeignet ist.

Die hohen Parthien bedeckt tropischer Hochwald mit überwuchernder

Krautvegetation und Unterholz. Während in den Niederungen die

Temperaturunterschiede sehr scharf an einander grenzen, herrscht

auf diesen Höhen stets eine angenehme, kühle Luft, selbst Mittags

ist die Sonnenwärme nur behaglich und Morgens tritt oft recht

empfindliche Kälte ein. Die Unterschiede der Jahreszeiten machen

sich auf den Plateaus weniger geltend, indem auch in der trockenen

Zeit Niederschläge häufig sind. In der Grabensohle bemerkte ich

gegen Abend ziemlich regelmässige Nordwinde, die über die Salzseen

hinwegstreichend fast an Seebrisen erinnern, aber nicht gesund und

malariahaltig sind, wie denn überhaupt die Niederungen ziemlich

fieberreich genannt werden müssen.

Durch die vielen besiedelten Distrikte ist das Thierleben

zurückgedrängt, aber immer noch grossartig genug. Die nördlichen

Wembere-Gebiete, das Mutyek-Plateau und vor allem Ngorongoro

beherbergen ungeheure Wildmassen, unter welchen das Rhinozeros in

erstaunlicher Menge auffällt. Dieser Dickhäuter, der das Glück hat,

keine kostbaren Zähne zu besitzen, kann sich ungestört vermehren,

während gegen die Elephanten ein wahrer Vernichtungskrieg geführt

wird, der ihn auch in vielen Gegenden, wie am Gurui, ausgerottet

hat. Löwen und Leoparden sind häufig und richten in den Heerden der

Eingeborenen Schaden an. Das Flusspferd kommt in allen Gewässern

des Grabens und im Eyassi-See, sowie auch im Ngorongoro-See vor,

Krokodile jedoch nirgends. Von den Muscheln und Schnecken ist im

Anhang ausführlich die Rede. Sie dienen grossen Schwärmen von

Wasservögeln, Flamingos, Enten und Marabus als Nahrung. In den

Bächen, selbst in Tümpel periodisch fliessender Gewässer leben grosse

Welse.

Im Wembere-Graben besitzt, wie gesagt, der Charakter nackter,

trockener Salzwüste die Oberhand. Auch die umrahmenden Höhen sind

wenig einladend. Nur im Norden und Osten des Eyassi-Sees dehnen sich

fruchtbare Plateaus aus, welche an Mutyek und Iraku erinnern. Die

bewohnten Landschaften Issansu, Iramba und Eyambi besitzen einen

an Turu erinnernden ärmlichen Boden, sonst ist Alles Wildniss, von

wasserarmen, in der Trockenzeit gänzlich versiegenden sandigen Rissen

durchzogene, wellige Baumsteppe, die der Kultur wenig Aussicht

eröffnet und erst weitab vom Graben in Meatu einerseits und in

Hindamara andererseits besseren, wasserreichen Landstrichen Platz

macht.

Schon bei Besprechung der westlichen Grabengebiete ist mehrfach von

Granit die Rede gewesen. Dieses Gestein gelangt weiter landeinwärts

im =Granitplateau von Unyamwesi= zur fast völligen Alleinherrschaft.

Dieses weite Gebiet, welches das Süd- und Ostufer des Victoria-Nyansa

umfasst, im Süden über Tabora hinaus und im Westen bis Uha reicht,

zeichnet sich durch sehr grosse Einförmigkeit aus. Das Terrain ist

flach oder leicht gewellt, Gebirge sind selten und werden durch

wilde Anhäufungen von Granitblöcken ersetzt, die in mehr oder weniger

grossen Abständen verstreut sind.

Die Gewässer dieses Gebietes, die einerseits dem Simbiti-Eyassi,

andererseits dem Victoria-Nyansa und dem Tanganyika zuströmen,

zeichnen sich durch Wasserarmuth aus. Die Wembere-Zuflüsse sind fast

alle periodisch und liegen den grössten Theil des Jahres trocken.

Auch der in den Mlagarassi mündende Igombe, der fliessendes Wasser

geführt haben soll, besitzt solches nun schon seit Jahren nicht mehr

und besteht nur aus einer Reihe tiefer Tümpel, die nur zur Regenzeit

unter einander in Verbindung stehen. Nicht viel wasserreicher

sind die Zuflüsse des Victoria-Nyansa. Der Simiyu-Fluss, der

im Massai-Land entspringt und bei seiner Mündung ein breites,

schiffbares Aestuarium besitzt, liegt fast das ganze Jahr trocken.

Zur Regenzeit schwillt er allerdings zeitweise ungeheuer an, doch

für gewöhnlich enthält er nur Tümpel. Wasserreicher ist der Rubana,

der in Nata entspringt, den Grumetri aufnimmt und sich als ständig

fliessendes Gewässer in einem Aestuarium des Speke-Golfes ergiesst.

Auch er besitzt jedoch sehr wechselnden Wasserstand. Noch mehr ist

dies bei den nördlich verlaufenden Flüssen, dem Suguti und Mara, der

Fall, die jedoch ebenfalls nicht ganz auszutrocknen scheinen. Der

Mara ist der Unterlauf des Ngare dabasch (Ngare = Wasser, dabasch

= breit, aber seicht), der zahlreiche Abflüsse des Massai-Plateaus

aufnimmt. Fischer sah im Januar 1886 »wenig lehmfarbiges Wasser in

tiefem, breitem Bett«, bei meiner Anwesenheit in Ngoroïne im Mai 1892

überschwemmte der Mara seine Ufer und war schwer passirbar.

Alle anderen Gewässer Unyamwesi's, sowohl jene, die dem südlichen

Victoria-Nyansa, als jene, die dem Wembere-Gebiet zufliessen, sind

sämmtlich Regenschluchten, mit oft breitem, sandigem Bett, in welchem

man durch Graben Wasser erhält, in dem sich jedoch nur selten ein

Rinnsal findet.

Von eigentlichen Gebirgen kann nur östlich vom Victoria-See die Rede

sein, wo die Berge Baridi, Ikiju, Kiruwiru und Majita, sowie die von

Uhemba, Uaschi und Ngoroïne sich als vereinzelte, fast tafelförmige

Massive aus den Ebenen erheben. Die letzteren bilden den grössten

Theil des Landes. Im westlichen Massailand sind sie völlig flach,

von niedrigen Senkungen durchzogen, in deren einer der kleine Salzsee

Lgarria liegt, und unterbrochen von zerstreuten Granithügeln, wie dem

Kiruwassile und Duvai.

In ganz Usukuma und Unyamwesi, sowie in Usinja und den südlichen

Nachbargebieten ist das Land wellig, mit den oben erwähnten steilen

Granitkuppen, die der Landschaft ein eigenartiges Gepräge geben.

Der =geologische Bau= des Granitplateaus ist, wie erwähnt, ein

ungemein gleichartiger. Fast überall herrscht eine mächtige

Granitüberlagerung vor und krystallinisches Gestein tritt nur selten

zu Tage, noch vereinzelter junge Sedimentgesteine.

Vom Grabengebiet kommend, fand ich in Serengeti Arkosen als

Verwitterungsprodukte des Granits anstehend. Der Duvai-Hügel besteht

aus weissem Quarzit, am Kiruwassile-Hügel steht ausser Granit auch

röthlicher Quarzit an. Solcher findet sich auch am Mbelegeti in

Usenye, sowie nördlich bei Mosonge und in Nata am Rubana-Fluss, wo

ein meridionales Streichen mit Fall gegen Ost unter ca. 10° erkennbar

ist. An den Bächen Elmaraus, sowie am Nyansa, am Kiruwiru, bei den

Irambabergen und am Majita treten Grauwacken und Hornblende-Schiefer,

ebenfalls in meridionalem Streichen, und sehr steiler Fallrichtung

gegen Osten, oft in senkrechten Schichten auf. Zwischen Kiruwassile

und Elmarau ist ein kleiner Durchbruch von älterem Eruptivgestein

zu bemerken. Ein solcher findet sich auch in Irangala am Emin

Pascha-Golf. In den Schaschibergen und in Ngoroïne steht an den

Bächen vielfach Amphibolit an, während die Höhen von Granitblöcken

gebildet werden. Von Kalken fand ich nur eine Spur in Elmarau, sowie

kleine Schollen im Serengeti und Ntussu. In ganz Usukuma, Usinja und

Unyamwesi, von Ussandaui bis Uha fand ich =ausschliesslich= Granit

anstehen.

Einförmig wie der geologische Aufbau ist auch der

=Landschaftscharakter= des Landes. Zwischen den besiedelten und

oft sehr intensiv bebauten Gebieten dehnen sich unbewohnte Striche

aus, die nur in dem östlichen Nyansagebiet den Charakter offener

Savannen haben, sonst überall mit Steppenwald bedeckt sind. Im Osten

ist der Massai-Charakter mit Dorngestrüpp, Akazien und einzelnen

Baobabs, mit wilden Phönixpalmen an den Wasserbetten vorherrschend,

im Westen bedeckt Miombowald (meist Caesalpiniaceen) in seinen

lichten Beständen weite Gebiete. Die centralen Theile, vor Allem

die südlichen Nyansagebiete, zeigen eine Mischung der beiden

Vegetationsformen. Klimatisch folgt das Granitplateau im Allgemeinen

den Küstenjahreszeiten, ist jedoch wahrscheinlich trockener

als diese. Nach der Erfahrung alter Leute nimmt die Trockenheit

alljährlich zu und manche Bäche, die noch vor Jahren Wasser führten,

liegen jetzt als sandige Betten. In der trockenen Zeit ist Unyamwesi

nicht viel leichter zu bereisen als die Massai-Steppe; die Brunnen

liefern schlechtes, spärliches Wasser, und in den weiten Wildnissen,

die sich zwischen den Dörfern ausdehnen, muss man oft ohne Wasser

lagern. Dennoch ist der Boden ein fruchtbarer und die Niederschläge

genügen für reichen Anbau, wie die schönen Kulturen der Eingeborenen

beweisen.

Durch Massailand zur Nilquelle · 第 15 / 41 段