KROLL. Heut seh ich die Dinge in einem ganz andern Licht als gestern.
ROSMER. Ja nicht wahr, Kroll? In einem ganz andern Lichte! Jetzt,
nachdem du darüber nachgedacht hast --
KROLL. Du mißverstehst mich vollständig. (Legt den Hut auf den Tisch
neben dem Kanapee.) Es liegt mir daran, unter vier Augen mit dir zu
sprechen.
ROSMER. Warum soll denn Fräulein West nicht --?
REBEKKA. Nein nein, Herr Rosmer. Ich geh.
KROLL (sieht sie von oben bis unten an). Und dann muß ich das Fräulein
um Entschuldigung bitten, daß ich so früh am Tage komme. Daß ich sie
überrasche, eh sie Zeit gefunden --
REBEKKA (stutzt). Wieso? Finden Sie es unpassend, daß ich zu Hause ein
Hauskleid trage?
KROLL. Gott bewahre! Ich weiß ja überhaupt nicht, was jetzt auf
Rosmersholm Sitte ist.
ROSMER. Aber Kroll, -- du bist ja heut rein wie verwandelt!
REBEKKA. Empfehle mich, Herr Rektor!
(Sie geht links hinaus.)
KROLL. Du erlaubst wohl -- (Er setzt sich aufs Kanapee).
ROSMER. Ja, lieber Kroll, setzen wir uns gemütlich und reden mit
einander. (Er setzt sich KROLL gegenüber auf einen Stuhl.)
KROLL. Ich hab seit gestern abend kein Auge zugetan. Die ganze Nacht hab
ich gegrübelt und gegrübelt.
ROSMER. Und was sagst du heute?
KROLL. 'S wird 'ne lange Geschichte. Laß mich mit einer Art Einleitung
anfangen. Ich kann dir von Ulrich Brendel was neues erzählen.
ROSMER. War er bei dir?
KROLL. Nein. Er setzte sich in einer ordinären Kneipe fest. Natürlich in
der ordinärsten Gesellschaft. Trank und traktierte, so lang er noch 'n
Heller in der Tasche hatte. Dann schimpft er die ganze Bande Pöbel und
Pack, -- übrigens mit Recht, -- worauf sie ihn durchprügelten und in die
Gosse warfen.
ROSMER. Er ist also doch unverbesserlich.
KROLL. Auch hatte er den Überzieher zum Pfandleiher gebracht. Aber der
soll für ihn eingelöst sein. Rate mal, von wem?
ROSMER. Von dir vielleicht.
KROLL. Nein. Von diesem nobeln Herrn Mortensgaard.
ROSMER. Ah so.
KROLL. Wie ich hörte, galt Herrn Brendels erster Besuch dem Idioten und
Plebejer.