ROSMER. O doch, doch, liebe Rebekka. Wenn ich der Sache auf den Grund
seh, =etwas= Feigheit war doch mit im Spiel.
REBEKKA. Um so mehr Mut gehörte dazu, den Knoten zu zerhauen. (Setzt
sich zu ihm auf einen Stuhl neben dem Schreibtisch.) Aber nun muß ich
dir von etwas erzählen, das ich getan habe, -- und das du mir nicht übel
nehmen mußt.
ROSMER. Übelnehmen? Liebste, wie kannst du glauben --?
REBEKKA. Ja; denn vielleicht wars etwas eigenmächtig von mir gehandelt;
aber --
ROSMER. Na, so laß hören.
REBEKKA. Gestern abend, als dieser Ulrich Brendel fortging, -- da gab
ich ihm ein paar Zeilen an Mortensgaard mit.
ROSMER (etwas bedenklich). Aber, liebe Rebekka --. Nun, was hast du denn
geschrieben?
REBEKKA. Ich hab ihm geschrieben, er würde dir einen großen Dienst
erweisen, wenn er sich des unglücklichen Menschen ein wenig annehmen und
ihm nach besten Kräften forthelfen wollte.
ROSMER. Liebe Rebekka, das hättest du nicht tun sollen. Brendel hast du
dadurch nur geschadet. Und Mortensgaard gehört zu denen, die ich mir am
liebsten vom Leibe halten möchte. Du weißt ja, was ich mal mit ihm
gehabt habe.
REBEKKA. Aber bist du denn nicht der Ansicht, es wäre vielleicht ganz
gut, wenn du jetzt wieder in bessre Beziehungen zu ihm kämst?
ROSMER. Ich? Zu Mortensgaard? Aber warum denn?
REBEKKA. Nun, so recht sicher kannst du dich jetzt doch nicht mehr
fühlen, -- nachdem du mit deinen Freunden gebrochen hast.
ROSMER (sieht sie an und schüttelt den Kopf). Hast du wirklich glauben
können, Kroll oder einer der andern würde es versuchen, sich zu
rächen --? Sie wären fähig, mich --?
REBEKKA. In der ersten Hitze, lieber Johannes --. Das kann man nie mit
Bestimmtheit wissen. Mir scheint, -- nach der Art, wie der Rektor es
aufnahm --
ROSMER. Du solltest ihn doch besser kennen. Kroll ist ein Ehrenmann
durch und durch. Heut nachmittag geh ich nach der Stadt und rede mit
ihm. Ich will mit allen reden. O, du sollst sehn, wie leicht es geht --
(FRAU HILSETH erscheint in der Tür links.)
REBEKKA (steht auf). Was gibts, Frau Hilseth?
FRAU HILSETH. Rektor Kroll ist unten im Vorzimmer.
ROSMER (schnell aufstehend). Kroll!
REBEKKA. Der Rektor! Ists möglich --!
FRAU HILSETH. Er fragt, ob er raufkommen und den Herrn Pastor sprechen
könnte.
ROSMER (zu REBEKKA). Was sagt ich!... Natürlich kann er das. (Geht zur
Tür und ruft die Treppe hinunter.) Komm doch herauf, lieber Freund! Bist
herzlich willkommen!
(ROSMER steht in der Tür und hält sie offen. -- FRAU HILSETH geht.
-- REBEKKA zieht die Portieren vor der Tür zum Schlafzimmer zu. Dann
ordnet sie dies und jenes.)
(KROLL tritt mit dem Hute in der Hand ins Zimmer.)