KROLL. Hm --

ROSMER. Aber niemals etwas niedergeschrieben?

BRENDEL. Kein Wort. Dies platte Schreiberhandwerk hat mir immer einen

herzhaften Widerwillen verursacht. Und warum sollt ich auch meine eignen

Ideale profanieren, wenn ich sie allein und in ihrer ganzen Reinheit

genießen konnte? Aber nun sollen sie geopfert werden. Wahrhaftig, -- mir

ist dabei zu Mut wie einer Mutter, die ihre jungen Töchter den

Ehemännern in die Arme legt. Aber trotzdem, -- ich opfre sie, -- opfre

sie auf dem Altar der Befreiung. Eine Reihe sorgfältig ausgearbeiteter

Vorträge -- rings im ganzen Lande --!

REBEKKA (lebhaft). Das ist edel von Ihnen, Herr Brendel! Sie geben das

teuerste, was Sie besitzen.

ROSMER. Und das einzige.

REBEKKA (sieht ROSMER vielsagend an). Wie viele gibt es wohl, die das

tun? Die den Mut dazu haben?

ROSMER (erwidert den Blick). Wer weiß?

BRENDEL. Die Versammlung ist ergriffen. Das erquickt mir das Herz und

stählt den Willen. Und nun ans Werk ... Aber noch eins. (Zum Rektor.)

Herr Präzeptor, können Sie mir sagen, gibts in der Stadt einen

Mäßigkeitsverein? Einen Totalmäßigkeitsverein? Selbstverständlich gibt

es dort einen.

KROLL. Zu dienen. Ich selbst bin Vorsitzender.

BRENDEL. Hab ichs Ihnen nicht angesehn! Na, da ists nicht unmöglich, daß

ich Sie aufsuche und auf acht Tage Mitglied werde.

KROLL. Entschuldigen Sie -- auf Wochen nehmen wir keine Mitglieder an.

BRENDEL. A la bonne heure, Herr Pädagoge. Solchen Vereinen ist Ulrich

Brendel noch nie nachgelaufen. (Wendet sich an ROSMER.) Aber ich darf

meinen Aufenthalt in diesem an Erinnrungen so reichen Hause nicht weiter

verlängern. Ich muß zur Stadt und mir ein passendes Logis suchen. Es

gibt dort hoffentlich ein anständiges Hotel.

REBEKKA. Wollen Sie nicht etwas warmes genießen, eh Sie gehn?

BRENDEL. Welcher Art, meine Gnädige?

Rosmersholm: Schauspiel in vier Aufzügen · 第 27 / 57 题