Lustspielen als der ersten kuenstlerisch reinen Nachbildung hellenischer

Kunstwerke eine neue Aera zu datieren. Im entschiedensten literarischen

Krieg brach die moderne Komoedie sich Bahn. Die Plautinische Dichtweise

hatte in dem roemischen Buergerstand Wurzel gefasst; die Terenzischen

Lustspiele stiessen auf den lebhaftesten Widerstand bei dem Publikum,

das ihre "matte Sprache", ihren "schwachen Stil" unleidlich fand.

Der, wie es scheint, ziemlich empfindliche Dichter antwortete in den

eigentlich keineswegs hierzu bestimmten Prologen mit Antikritiken voll

defensiver und offensiver Polemik und provozierte von der Menge, die aus

seiner 'Schwiegermutter' zweimal weggelaufen war, um einer Fechter-

und Seiltaenzerbande zuzusehen, auf die gebildeten Kreise der vornehmen

Welt. Er erklaerte, nur nach dem Beifall der "Guten" zu streben, wobei

freilich die Andeutung nicht fehlt, dass es durchaus nicht anstaendig

sei, Kunstwerke zu missachten, die den Beifall der "Wenigen" erhalten

haetten. Er liess die Rede sich gefallen oder beguenstigte sie sogar,

dass vornehme Leute ihn bei seinem Dichten mit Rat und sogar mit der

Tat unterstuetzten 5. In der Tat drang er durch; selbst in der Literatur

herrschte die Oligarchie und verdraengte die kunstmaessige Komoedie der

Exklusiven das volkstuemliche Lustspiel: wir finden, dass um 620 (134)

die Plautinischen Stuecke vom Repertoire verschwanden. Es ist dies um

so bezeichnender, als nach dem fruehen Tode des Terenz durchaus kein

hervorstechendes Talent weiter auf diesem Gebiet taetig war; ueber die

Komoedien des Turpilius (+ 651 hochbejahrt 103) und andere ganz oder

fast ganz verschollene Lueckenbuesser urteilte schon am Ende dieser

Periode ein Kenner, dass die neuen Komoedien noch viel schlechter seien

als die schlechten neuen Pfennige. Dass wahrscheinlich bereits im

Laufe des sechsten Jahrhunderts zu der griechisch-roemischen Komoedie

(palliata) die nationale (togata) hinzugetreten war als Abbild zwar

nicht des spezifischen hauptstaedtischen, aber doch des Tuns und

Treibens im latinischen Land, ist frueher gezeigt worden. Natuerlich

bemaechtigte die Terenzische Schule rasch sich auch dieser Gattung; es

war ganz in ihrem Sinn, die griechische Komoedie einerseits in getreuer

Uebersetzung, andererseits in rein roemischer Nachdichtung in Italien

einzubuergern. Der Hauptvertreter dieser Richtung ist Lucius Afranius

(blueht um 660 90). Die Bruchstuecke, die uns von ihm vorliegen, geben

keinen bestimmten Eindruck, aber sie widersprechen auch nicht dem,

was die roemischen Kunstkritiker ueber ihn bemerken. Seine zahlreichen

Nationallustspiele waren der Anlage nach durchaus dem griechischen

Intrigenstueck nachgebildet, nur dass sie, wie bei der Nachdichtung

natuerlich ist, einfacher und kuerzer ausfielen. Auch im einzelnen

borgte er, was ihm gefiel, teils von Menandros, teils aus der aelteren

Nationalliteratur. Von den latinischen Lokaltoenen aber, die bei dem

Schoepfer dieser Kunstgattung, Titinius, so bestimmt hervortreten,

begegnet bei Afranius nicht viel 6; seine Sujets halten sich sehr

allgemein und moegen wohl durchgaengig Nachbildungen bestimmter

griechischer Komoedien nur mit veraendertem Kostuem sein. Ein

feiner Eklektizismus und eine gewandte Kunstdichtung - literarische

Anspielungen kommen nicht selten vor - sind ihm eigen wie dem Terenz;

auch die sittliche Tendenz, die seine Stuecke dem Schauspiel naeherte,

die polizeimaessige Haltung, die reine Sprache hat er mit diesem gemein.

Als Geistesverwandten des Menandros und des Terenz charakterisieren

ihn hinreichend das Urteil der Spaeteren, dass er die Toga trage wie

Menandros sie als Italiker getragen haben wuerde, und seine

eigene Aeusserung, dass ihm Terenz ueber alle andern Dichter gehe.

------------------------------------------- 2 Vielleicht die einzige

Ausnahme ist im 'Maedchen von Andros' (4, 5) die Antwort auf die Frage,

wie es gehe: Nun, Wie wir koennen, heisst's ja, da, wie wir moechten,

es nicht geht, mit Anspielung auf die freilich auch einem griechischen

Sprichwort nachgebildete Zeile des Caecilius: Geht's nicht so, wie

du magst, so lebe wie du kannst. Das Lustspiel ist das aelteste

der Terenzischen und ward auf Empfehlung des Caecilius von dem

Theatervorstand zur Auffuehrung gebracht. Der leise Dank ist

bezeichnend. 3 Ein Seitenstueck zu der von Hunden gehetzten, weinend

einen jungen Menschen um Hilfe anrufenden Hindin, die Terenz (Phorm.

prol. 4) verspottet, wird man in der wenig geistreichen Plautinischen

Allegorie von der Ziege und dem Affen (Merc. 2, 1) erkennen duerfen.

Schliesslich gehen auch dergleichen Auswuechse auf die Euripideische

Rhetorik zurueck (z. B. Eur. Hek. 90). 4 Micio in den 'Bruedern' (I, 1)

preist sein Lebenslos und namentlich auch, dass er nie eine Frau gehabt,

"was jene (die Griechen) fuer ein Glueck halten". 5 Im Prolog des

'Selbstquaelers' laesst er von seinen Rezensenten sich vorwerfen:

Er habe verlegt sich ploetzlich auf die Poesie, Der Freunde Geist

vertrauend, nicht aus eignem Drang; und in dem spaeteren (594 160) zu

den 'Bruedern' heisst es: Denn wenn Missguenstige sagen, dass vornehme

Herrn Beim Werk ihm helfen und mitschreiben an jedem Stueck, So rechnet

dies, was herber Tadel jenen scheint, Der Dichter zum Ruhm sich: dass

den Maennern er gefaellt, Die euch und allem Volke wohlgefaellig sind,

Die in Kriegslaeuften seinerzeit mit Rat und Tat Hilfreich erprobt

ihr all' und ohne Uebermut. Schon in der ciceronischen Zeit war es

allgemeine Annahme, dass hier Laelius und Scipio Aemilianus gemeint

seien; man bezeichnete die Szenen die von denselben herruehren sollten;

man erzaehlte von den Fahrten des armen Dichters mit seinen vornehmen

Goennern auf ihre Gueter bei Rom und fand es unverzeihlich, dass

dieselben fuer die Verbesserung seiner oekonomischen Lage gar nichts

getan haetten. Allein die sagenbildende Kraft ist bekanntlich nirgends

maechtiger als in der Literaturgeschichte. Es leuchtet ein, und schon

besonnene roemische Kritiker haben es erkannt, dass diese Zeilen

unmoeglich auf den damals 25jaehrigen Scipio und auf seinen nicht viel

aelteren Freund Laelius gehen koennen. Verstaendiger wenigstens dachten

andere an die vornehmen Poeten Quintus Labeo (Konsul 571 183) und

Marcus Popillius (Konsul 581 173) und den gelehrten Kunstfreund und

Mathematiker Lucius Sulpicius Gallus (Konsul 588 166); doch ist auch

dies offenbar nur Vermutung. Dass Terenz dem Scipionischen Hause nahe

stand, ist uebrigens nicht zu bezweifeln; es ist bezeichnend, dass die

erste Auffuehrung der 'Brueder' und die zweite der 'Schwiegermutter'

stattfand bei den Begraebnisfeierlichkeiten des Lucius Paullus, die

dessen Soehne Scipio und Fabius ausrichteten. 6 Dabei haben

vermutlich auch aeusserliche Umstaende mitgewirkt. Nachdem infolge

des Bundesgenossenkrieges alle italischen Gemeinden das roemische

Buergerrecht erlangt hatten, war es nicht mehr erlaubt, die Szene eines

Lustspiels in eine solche zu verlegen, und musste der Dichter sich

entweder allgemein halten oder untergegangene oder auslaendische

Orte auswaehlen. Gewiss hat auch dieser Umstand, der selbst bei

der Auffuehrung der aelteren Lustspiele in Betracht kam, auf

das Nationallustspiel unguenstig eingewirkt.

------------------------------------------- Neu trat in dieser Epoche

in das Gebiet der lateinischen Literatur die Posse ein. Sie selbst

war uralt; lange bevor Rom stand, moegen Latiums lustige Gesellen

bei festlichen Gelegenheiten in den ein fuer allemal feststehenden

Charaktermasken improvisiert haben. Einen festen lokalen Hintergrund

erhielten diese Spaesse an dem lateinischen Schildburg, wozu man die

im Hannibalischen Kriege zerstoerte und damit der Komik preisgegebene

ehemals oskische Stadt Atella ausersah; seitdem ward fuer diese

Auffuehrungen der Name der "Oskischen Spiele" oder "Spiele von Atella"

ueblich 7. Aber mit der Buehne 8 und mit der Literatur hatten diese

Scherze nichts zu tun; sie wurden von Dilettanten wo und wie es ihnen

beliebte aufgefuehrt, und die Texte nicht geschrieben oder doch

nicht veroeffentlicht. Erst in dieser Periode ueberwies man das

Atellanenstueck an eigentliche Schauspieler 9 und verwandte es, aehnlich

wie das griechische Satyrdrama, als Nachspiel namentlich nach den

Tragoedien; wo es denn nicht fern lag, auch die schriftstellerische

Taetigkeit hierauf zu erstrecken. Ob die roemische Kunstposse ganz

selbstaendig sich entwickelte oder etwa die in mancher Hinsicht

verwandte unteritalische zu ihr den Anstoss gegeben hat ^10, laesst

sich nicht mehr entscheiden; dass die einzelnen Stuecke durchgaengig

Originalarbeiten gewesen sind, ist gewiss. Als Begruender dieser neuen

Literaturgattung trat in der ersten Haelfte des siebenten Jahrhunderts

^11 Lucius Pomponius aus der latinischen Kolonie Bonoma auf, neben

dessen Stuecken bald auch die eines andern Dichters, Novius, sich

beliebt machten. Soweit die nicht zahlreichen Truemmer und die Berichte

der alten Literatoren uns hier ein Urteil gestatten, waren es kurze,

regelmaessig wohl einaktige Possen, deren Reiz weniger auf der

tollen und locker geknuepften Fabel beruhte als auf der drastischen

Abkonterfeiung einzelner Staende und Situationen. Gern wurden Festtage

und oeffentliche Akte komisch geschildert: 'Die Hochzeit, 'Der erste

Maerz', 'Pantalon Wahlkandidat'; ebenso fremde Nationalitaeten: die

transalpinischen Gallier, die Syrer; vor allem haeufig erschienen auf

den Brettern die einzelnen Gewerbe: der Kuester, der Wahrsager, der

Vogelschauer, der Arzt, der Zoellner, der Maler, Fischer, Baecker gingen

ueber die Buehne; die Ausrufer hatten viel zu leiden und mehr noch die

Walker, die in der roemischen Narrenwelt die Rolle unserer Schneider

gespielt zu haben scheinen. Wenn also dem mannigfaltigen staedtischen

Leben sein Recht geschah, so ward auch der Bauer mit seinen Leiden

und Freuden nach allen Seiten dargestellt - von der Fuelle dieses

laendlichen Repertoires geben eine Ahnung die zahlreichen derartigen

Titel, wie zum Beispiel 'Die Kuh', 'Der Esel', 'Das Zicklein', 'Die

Sau', 'Das Schwein', 'Das kranke Schwein, 'Der Bauer, 'Der Landmann,

'Pantalon Landmann, 'Der Rinderknecht, 'Die Winzer, 'Der Feigensammler',

'Das Holzmachen', 'Das Behacken, 'Der Huehnerhof'. Immer noch waren es

in diesen Stuecken die stehenden Figuren des dummen und des pfiffigen

Dieners, des guten Alten, des weisen Mannes, die das Publikum

ergoetzten; namentlich der erste durfte nicht fehlen, der Pulcinell

dieser Posse, der gefraessige, unflaetige ausstaffiert haessliche und

dabei ewig verliebte Maccus, immer im Begriff, ueber seine eigenen

Fuesse zu fallen, von allen mit Hohn und mit Pruegeln bedacht und

endlich am Schluss der regelmaessige Suendenbock - die Titel 'Pulcinell

Soldat, 'Pulcinell Wirt', 'Jungfer Pulcinell', 'Pulcinell in der

Verbannung, 'Die beiden Pulcinelle' moegen dem gutgelaunten Leser eine

Ahnung davon geben, wie mannigfaltig es auf der roemischen Mummenschanz

herging. Obwohl diese Possen, wenigstens seit sie geschrieben wurden,

den allgemeinen Gesetzen der Literatur sich fuegten und in den

Versmassen zum Beispiel der griechischen Buehne sich anschlossen, so

hielten sie doch sich natuerlicherweise bei weitem latinischer und

volkstuemlicher als selbst das nationale Lustspiel; in die griechische

Welt begab sich die Posse nur in der Form der travestierten Tragoedie

^12 und auch dies Genre scheint erst von Novius und ueberhaupt nicht

sehr haeufig kultiviert worden zu sein. Die Posse dieses Dichters wagte

sich auch schon, wo nicht bis in den Olymp, doch wenigstens bis zu dem

menschlichsten der Goetter, dem Hercules; er schrieb einen 'Hercules

Auctionator'. Dass der Ton nicht der feinste war, versteht sich;

sehr unzweideutige Zweideutigkeiten, grobkoernige Bauernzoten, Kinder

schreckende und gelegentlich fressende Gespenster gehoerten hier einmal

mit dazu, und persoenliche Anzueglichkeiten, sogar mit Nennung der

Namen, schluepften nicht selten durch. Aber es fehlte auch nicht an

lebendiger Schilderung, an grotesken Einfaellen, schlagenden Spaessen,

kernigen Spruechen, und die Harlekinade gewann sich rasch eine nicht

unansehnliche Stellung im Buehnenleben der Hauptstadt und selbst in der

Literatur. ------------------------------------ 7 Es knuepfen sich

an diesen Namen seit alter Zeit eine Reihe von Irrtuemern. Das arge

Versehen griechischer Berichterstatter, dass diese Possen in Rom in

oskischer Sprache gespielt worden seien, wird mit Recht jetzt allgemein

verworfen; allein es stellt bei genauerer Betrachtung sich nicht minder

als unmoeglich heraus diese, in der Mitte des latinischen Stadt- und

Landlebens stehenden Stuecke ueberhaupt auf das national oskische Wesen

zu beziehen. Die Benennung des "Atellanischen Spiels" erklaert sich

auf eine andere Weise. Die latinische Posse mit ihren festen Rollen und

stehenden Spaessen bedurfte einer bleibenden Szenerie; die Narrenwelt

sucht ueberall sich ein Schildburg. Natuerlich konnte bei der roemischen

Buehnenpolizei keine der roemischen oder auch nur mit Rom verbuendeten

latinischen Gemeinden dazu genommen werden, obwohl die togatae in diese

zu verlegen gestattet war. Atella aber, das mit Capua zugleich im Jahre

543 (211) rechtlich vernichtet ward, tatsaechlich aber als ein von

roemischen Bauern bewohntes Dorf fortbestand, eignete sich dazu in jeder

Beziehung. Zur Gewissheit wird diese Vermutung durch die Wahrnehmung,

dass einzelne dieser Possen auch in anderen ueberhaupt oder doch

rechtlich nicht mehr existierenden Gemeinden des lateinisch redenden

Gebiets spielen: so des Pomponius Campani, vielleicht auch seine Adelphi

und seine Quinquatria in Capua, des Novius milites Pometinenses

in Suessa Pometia, waehrend keine bestehende Gemeinde aehnlich

gemisshandelt wird. Die wirkliche Heimat dieser Stuecke ist also Latium,

ihr poetischer Schauplatz die latinisierte Oskerlandschaft; mit der

oskischen Nation haben sie nichts zu tun. Dass ein Stueck des Naevius

(+ nach 550 200) in Ermangelung eigentlicher Schauspieler von

"Atellanenspielern" aufgefuehrt ward und deshalb personata hiess

(Festus u. d. W.), beweist hiergegen in keinem Fall; die Benennung

"Atellanenspieler" wird hier proleptisch stehen, und man koennte sogar

danach vermuten, dass sie frueher "Maskenspieler" (personati) hiessen.

Ganz in gleicher Weise erklaeren sich endlich auch die "Lieder von

Fescennium", die gleichfalls zu der parodischen Poesie der Roemer

gehoeren und in der suedetruskischen Ortschaft Fescennium lokalisiert

wurden, ohne darum mehr zu der etruskischen Poesie gerechnet werden zu

duerfen als die Atellanen zur oskischen. Dass Fescennium in historischer

Zeit nicht Stadt, sondern Dorf war, laesst sich allerdings nicht

unmittelbar beweisen, ist aber nach der Art, wie die Schriftsteller des

Ortes gedenken und nach dem Schweigen der Inschriften im hoechsten

Grade wahrscheinlich. 8 Die enge und urspruengliche Verbindung, in die

namentlich Livius die Atellanenposse mit der Satura und dem aus dieser

sich entwickelnden Schauspiel bringt, ist schlechterdings nicht haltbar.

Zwischen dem Histrio und dem Atellanenspieler war der Unterschied

ungefaehr ebenso gross wie heutzutage zwischen dem, der auf die Buehne

und dem, der auf den Maskenball geht; auch zwischen dem Schauspiel, das

bis auf Terenz keine Masken kannte, und der Atellane, die wesentlich auf

der Charaktermaske beruhte, besteht ein urspruenglicher, in keiner

Weise auszugleichender Unterschied. Das Schauspiel ging aus von dem

Floetenstuecke, das anfangs ohne alle Rezitation bloss auf Gesang

und Tanz sich beschraenkte, sodann einen Text (satura), endlich durch

Andronicus ein der griechischen Schaubuehne entlehntes Libretto erhielt,

worin die alten Floetenlieder ungefaehr die Stelle des griechischen

Chors einnahmen. Mit der Dilettantenposse beruehrt sich dieser

Entwicklungsgang in den frueheren Stadien nirgends. 9 In der Kaiserzeit

ward die Atellane durch Schauspieler von Profession dargestellt

(Friedlaender in Beckers Handbuch, Bd. 6, S. 549). Die Zeit, wo diese

anfingen, sich mit ihr zu befassen, ist nicht ueberliefert, kann aber

kaum eine andere gewesen sein als diejenige, in welcher die Atellane

unter die regelmaessigen Buehnenspiele eintrat, das heisst die

vorciceronische Epoche, (Cic. ad fam. 9, 16). Damit ist nicht im

Widerspruch, dass noch zu Livius' (7, 2) Zeit die Atellanenspieler im

Gegensatz der uebrigen Schauspieler ihre Ehrenrechte behielten; denn

damit, dass Schauspieler von Profession gegen Bezahlung die Atellane

mitaufzufuehren anfingen, ist noch gar nicht gesagt, dass dieselbe nicht

mehr, zum Beispiel in den Landstaedten, von unbezahlten Dilettanten

aufgefuehrt ward und das Privilegium also fortwaehrend anwendbar blieb.

^10 Es verdient Beachtung, dass die griechische Posse nicht bloss

vorzugsweise in Unteritalien zu Hause ist, sondern auch manche ihrer

Stuecke (zum Beispiel unter denen des Sopatros 'Das Linsengericht,

'Bakchis' Freier, 'Des Mystakos Lohnlakai, 'Die Gelehrtem, 'Der

Physiolog') lebhaft an die Atellanen erinnern. Auch muss diese

Possendichtung bis in die Zeit hinabgereicht haben, wo die Griechen

in und um Neapel eine Enklave in dem lateinisch redenden Kampanien

bildeten; denn einer dieser Possenschreiber, Blaesus von Capreae, fuehrt

schon einen roemischen Namen und schrieb eine Posse 'Saturnus'. ^11 Nach

Eusebius bluehte Pomponius um 664 (90); Velleius nennt ihn Zeitgenossen

des Lucius Crassus (614-663 140-91) und Marcus Antonius (611-667

143-87). Die erste Ansetzung duerfte um ein Menschenalter zu spaet sein;

die um 650 100 abgekommene Rechnung nach Victoriaten kommt in seinen

'Malern' noch vor, und um das Ende dieser Periode begegnen auch schon

die Mimen, welche die Atellanen von der Buehne verdraengten. ^12 Lustig

genug mochte sie auch hier sein. So hiess es in Novius' 'Phoenissen':

Auf! waffne dich! mit der Binsenkeule schlag ich dich tot! ganz

wie Menanders 'falscher Herakles' auftritt.

---------------------------------------------- Was endlich die

Entwicklung des Buehnenwesens anlangt, so sind wir nicht imstande, im

einzelnen darzulegen, was im ganzen klar erhellt, dass das allgemeine

Interesse an den Buehnenspielen bestaendig im Steigen war und dieselben

immer haeufiger und immer prachtvoller wurden. Nicht bloss ward jetzt

wohl kaum ein ordentliches oder ausserordentliches Volksfest ohne

Buehnenspiele begangen, auch in den Landstaedten und Privathaeusern

wurden Vorstellungen gemieteter Schauspielertruppen gewoehnlich. Zwar

entbehrte, waehrend wahrscheinlich manche Munizipalstadt schon in dieser

Zeit ein steinernes Theater besass, die Hauptstadt eines solchen noch

immer; den schon verdungenen Theaterbau hatte der Senat im Jahre 599

(185) auf Veranlassung des Publius Scipio Nasica wieder inhibiert. Es

war das ganz im Geiste der scheinheiligen Politik dieser Zeit, dass

man aus Respekt vor den Sitten der Vaeter die Erbauung eines stehenden

Theaters verhinderte, aber nichtsdestoweniger die Theaterspiele reissend

zunehmen und Jahr aus Jahr ein ungeheure Summen verschwenden liess,

um Brettergerueste fuer dieselben aufzuschlagen und zu dekorieren. Die

Buehneneinrichtungen hoben sich zusehends. Die verbesserte Inszenierung

und die Wiedereinfuehrung der Masken um die Zeit des Terenz haengt wohl

ohne Zweifel damit zusammen, dass die Einrichtung und Instandhaltung

der Buehne und des Buehnenapparats im Jahre 580 (74) auf die Staatskasse

uebernommen ward ^13. Epochemachend in der Theatergeschichte wurden die

Spiele, welche Lucius Mummius nach der Einnahme von Korinth gab (609

145). Wahrscheinlich wurde damals zuerst ein nach griechischer Art

akustisch gebautes und mit Sitzplaetzen versehenes Theater aufgeschlagen

und ueberhaupt auf die Spiele mehr Sorgfalt verwandt ^14. Nun ist auch

von Erteilung eines Siegespreises, also von Konkurrenz mehrerer

Stuecke, von lebhafter Parteinahme des Publikums fuer und gegen die

Hauptschauspieler, von Clique und Claque mehrfach die Rede. Dekorationen

und Maschinerie wurden verbessert: kunstmaessig gemalte Kulissen und

hoerbare Theaterdonner kamen unter der Aedilitaet des Gaius Claudius

Pulcher 655 (99) auf ^15, zwanzig Jahre spaeter (675 79) unter der

Aedilitaet der Brueder Lucius und Marcus Lucullus, die Verwandlung

der Dekorationen durch Umdrehung der Kulissen. Dem Ende dieser Epoche

gehoert der groesste roemische Schauspieler an, der Freigelassene

Quintus Roscius (+ um 692 62 hoch bejahrt), durch mehrere Generationen

hindurch der Schmuck und Stolz der roemischen Buehne ^16, Sullas Freund

und gern gesehener Tischgenosse, auf den noch spaeter zurueckzukommen

sein wird. ----------------------------------------------- ^13 Bisher

hatte der Spielgeber die Buehne und den szenischen Apparat aus der ihm

ueberwiesenen Pauschsumme oder auf eigene Kosten instand setzen muessen

und wird wohl nicht oft hierauf viel Geld gewendet worden sein. Im Jahre

580 (174) aber gaben die Zensoren die Einrichtung der Buehne fuer die

Spiele der Aedilen und Praetoren besonders in Verding (Liv. 41, 27);

dass der Buehnenapparat jetzt nicht mehr bloss fuer einmal angeschafft

ward, wird zu einer merklichen Verbesserung desselben gefuehrt haben.

^14 Die Beruecksichtigung der akustischen Vorrichtungen der Griechen

folgt wohl aus Vitr. 5, 5, B. Ueber die Sitzplaetze hat F. W. Ritschl,

Parerga zu Plautus und Terentius. Leipzig 1845. Bd. 1, S. 227, XX)

gesprochen; doch duerften (nach Plaut. Capt. prol. 11) nur diejenigen,

welche nicht capite censi waren, Anspruch auf einen solchen

gehabt haben. Wahrscheinlich gehen uebrigens zunaechst auf diese

epochemachenden Theaterspiele des Mummius (Tac. arm. 14, 21) die Worte

des Horaz, dass "das gefangene Griechenland den Sieger gefangen nahm".

^15 Die Kulissen des Pulcher muessen ordentlich gemalt gewesen sein,

da die Voegel versucht haben sollen, sich auf die Ziegel derselben zu

setzen (Plin nat. 35, 4 23; Val. Max. 2, 4, 6). Bis dahin hatte die

Donnermaschinerie darin bestanden, dass Naegel und Steine in einem

kupfernen Kessel geschuettelt wurden; erst Pulcher stellte einen

besseren Donner durch gerollte Steine her - das nannte man seitdem

"Claudischen Donner" (Festus v. Claudiana p. 57). ^16 Unter den wenigen,

aus dieser Epoche erhaltenen kleineren Gedichten findet sich folgendes

Epigramm auf diesen gefeierten Schauspieler: Constiteram, exorientem

Auroram forte salutans, Cum subito a laeva Roscius exoritur. Pace mihi

liceat, caelestes, dicere vestra: Mortalis visust pulchrior esse deo.

Juengsthin stand ich, die Sonne verehrend eben im Aufgehn: Da

zur Linken mir, schau! ploetzlich geht Roscius auf. Zuernet, ihr

Himmlischen, nicht, wenn was ich gedacht ich gestehe: Schoener fuerwahr

als der Gott deuchte der Sterbliche mir. Der Verfasser dieses griechisch

gehaltenen und von griechischem Kunstenthusiasmus eingegebenen Epigramms

ist kein geringerer Mann als der Besieger der Kimbrer, Quintus Lutatius

Catulus, Konsul 652 (102). ------------------------------------------

In der rezitativen Poesie faellt vor allem die Nichtigkeit des Epos auf,

das im sechsten Jahrhundert unter der zum Lesen bestimmten Literatur

entschieden den ersten Platz eingenommen hatte, im siebenten zwar

zahlreiche Vertreter fand, aber nicht einen einzigen von auch nur

voruebergehendem Erfolg. Aus der gegenwaertigen Epoche ist kaum etwas

zu nennen als eine Anzahl roher Versuche, den Homer zu uebersetzen

und einige Fortsetzungen der Ennianischen Jahrbuecher, wie des Hostius

Römische Geschichte — Buch 4 · 第 49 / 52 段