noch schlimmer. Um mit einigem Schein im Wege der Verteidigung Adherbal
um seine Haelfte bringen zu koennen, reizte Jugurtha denselben zum
Kriege; indes da der schwache Mann, durch die gemachten Erfahrungen
gewitzigt, Jugurthas Reiter sein Gebiet ungehindert brandschatzen liess
und sich begnuegte, in Rom Beschwerde zu fuehren, begann Jugurtha,
ungeduldig ueber diese Weitlaeufigkeiten, auch ohne Vorwand den Krieg.
In der Gegend des heutigen Philippeville ward Adherbal vollstaendig
geschlagen und warf sich in seine nahe Hauptstadt Cirta. Waehrend die
Belagerung ihren Fortgang nahm und Jugurthas Truppen mit den in Cirta
zahlreich ansaessigen und bei der Verteidigung der Stadt lebhafter
als die Afrikaner selbst sich beteiligenden Italikern taeglich sich
herumschlugen, erschien die von dem roemischen Senat auf Adherbals
erste Beschwerden abgeordnete Kommission; natuerlich junge unerfahrene
Menschen, wie die Regierung damals sie zu gewoehnlichen Staatssendungen
regelmaessig verwandte. Die Gesandten verlangten, dass Jugurtha sie
als von der Schutzmacht an Adherbal abgeordnet in die Stadt einlasse,
ueberhaupt aber den Kampf einstelle und ihre Vermittlung annehme.
Jugurtha schlug beides kurzweg ab und die Gesandten zogen schleunigst
heim wie die Knaben, die sie waren, um an die Vaeter der Stadt zu
berichten. Die Vaeter hoerten den Bericht an und liessen ihre Landsleute
in Cirta eben weiter fechten, solange es ihnen beliebte. Erst als
im fuenften Monat der Belagerung ein Bote des Adherbal durch die
Verschanzungen der Feinde sich durchschlich, und ein Schreiben des
Koenigs voll der flehentlichsten Bitten an den Senat kam, raffte
derselbe sich auf und fasste wirklich einen Beschluss - nicht etwa den
Krieg zu erklaeren, wie die Minoritaet es verlangte, sondern eine neue
Gesandtschaft zu schicken, aber eine Gesandtschaft mit Marcus Scaurus an
der Spitze, dem grossen Bezwinger der Taurisker und der Freigelassenen,
dem imponierenden Heros der Aristokratie, dessen blosses Erscheinen
genuegen werde, den ungehorsamen Koenig auf andere Gedanken zu bringen.
In der Tat erschien Jugurtha, wie geheissen, in Utica, um mit Scaurus zu
verhandeln; endlose Debatten wurden gepflogen; als endlich die Konferenz
geschlossen ward, war nicht das geringste Resultat erreicht. Die
Gesandtschaft ging, ohne den Krieg erklaert zu haben, nach Rom zurueck
und der Koenig wieder ab zur Belagerung von Cirta. Adherbal sah
sich aufs Aeusserste gebracht und verzweifelte an der roemischen
Unterstuetzung; die Italiker in Cirta, der Belagerung muede und fuer
ihre eigene Sicherheit fest vertrauend auf die Furcht vor dem roemischen
Namen, draengten ueberdies zur Uebergabe. So kapitulierte die Stadt.
Jugurtha gab Befehl, seinen Adoptivbruder unter grausamen Martern
hinzurichten, die saemtliche erwachsene maennliche Bevoelkerung der
Stadt aber, Afrikaner wie Italiker, ueber die Klinge springen zu lassen
(642 112). Ein Schrei der Entruestung ging durch ganz Italien. Die
Minoritaet des Senats selbst und alles, was nicht Senat war, verdammten
einmuetig diese Regierung, fuer die die Ehre und das Interesse des
Landes nichts zu sein schienen als verkaeufliche Artikel; am lautesten
die Kaufmannschaft, die durch die Hinopferung der roemischen und
italischen Kaufleute in Cirta am naechsten getroffen worden war.
Die Majoritaet des Senats straeubte sich zwar auch jetzt noch; sie
appellierte an die Standesinteressen der Aristokratie und setzte alle
Hebel der kollegialischen Geschaeftsverschleppung in Bewegung, um den
lieben Frieden noch ferner zu bewahren. Indes als der fuer 643 (111)
gewaehlte Volkstribun Gaius Memmius, ein taetiger und beredter Mann,
sofort nach Antritt seines Amtes den Handel oeffentlich zur Sprache
brachte und die schlimmsten Suender zu gerichtlicher Verantwortung
ziehen zu wollen drohte, liess der Senat es geschehen, dass der Krieg
an Jugurtha erklaert ward (642/43 112/11). Es schien ernst zu werden.
Jugurthas Gesandte wurden, ohne vorgelassen zu sein, aus Italien
ausgewiesen; der neue Konsul Lucius Calpurnius Bestia, der, unter
seinen Standesgenossen wenigstens, durch Einsicht und Taetigkeit sich
auszeichnete, betrieb die Ruestungen mit Energie; Marcus Scaurus selbst
uebernahm eine Befehlshaberstelle in der afrikanischen Armee; in kurzer
Zeit stand ein roemisches Heer auf afrikanischem Boden und rueckte,
am Bagradas (Medscherda) hinaufmarschierend, ein in das Numidische
Koenigreich, wo die vor dem Sitz der koeniglichen Macht entlegensten
Staedte, wie Gross-Leptis, bereits freiwillig ihre Unterwerfung
einsandten, waehrend Koenig Bocchus von Mauretanien, obwohl seine
Tochter mit Jugurtha vermaehlt war, doch den Roemern Freundschaft und
Buendnis antrug. Jugurtha selbst verlor den Mut und sandte Boten in das
roemische Hauptquartier, um Waffenstillstand zu erbitten. Das Ende des
Kampfes schien nahe und kam noch schneller, als man dachte. Der Vertrag
mit Koenig Bocchus scheiterte daran, dass der Koenig, unbekannt mit
den roemischen Sitten, diesen den Roemern vorteilhaften Vertrag umsonst
abschliessen zu koennen gemeint und deshalb versaeumt hatte, seinen
Boten den marktgaengigen Preis roemischer Buendnisse mitzugeben.
Jugurtha kannte allerdings die roemischen Institutionen besser und hatte
nicht versaeumt, seine Waffenstillstandsantraege durch die gehoerigen
Begleitgelder zu unterstuetzen; indes auch er hatte sich getaeuscht.
Nach den ersten Verhandlungen ergab es sich, dass im roemischen
Hauptquartier nicht bloss der Waffenstillstand feil sei, sondern auch
der Friede. Die koenigliche Schatzkammer war noch von Massinissas
Zeiten her wohl gefuellt; rasch war man handelseinig. Der Vertrag ward
abgeschlossen, nachdem der Form halber derselbe dem Kriegsrat vorgelegt
und nach einer unordentlichen und moeglichst summarischen Verhandlung
dessen Zustimmung erwirkt worden war. Jugurtha unterwarf sich auf Gnade
und Ungnade; der Sieger aber uebte Gnade und gab dem Koenig sein Reich
ungeschmaelert zurueck gegen eine maessige Busse und die Auslieferung
der roemischen Oberlaeufer und der Kriegselefanten (643 111), welche
letztere der Koenig grossenteils spaeter wiedereinhandelte durch
Vertraege mit den einzelnen roemischen Platzkommandanten und Offizieren.
Auf die Kunde davon brach in Rom abermals der Sturm los. Alle Welt
wusste, wie der Friede zustande gekommen war; selbst Scaurus also war
zu haben, nur um einen hoeheren als den gemeinen senatorischen
Durchschnittspreis. Die Rechtsbestaendigkeit des Friedens ward im Senat
ernstlich angefochten; Gaius Memmius erklaerte, dass der Koenig, wenn er
wirklich unbedingt sich unterworfen habe, sich nicht weigern koenne, in
Rom zu erscheinen und man ihn demnach vorladen moege, um hinsichtlich
der durchaus irregulaeren Friedensverhandlungen durch Vernehmung der
beiden paziszierenden Teile den Tatbestand festzustellen. Man fuegte
sich der unbequemen Forderung; rechtswidrig aber, da der Koenig nicht
als Feind kam, sondern als unterworfener Mann, ward demselben zugleich
sicheres Geleit zugestanden. Daraufhin erschien der Koenig in der Tat in
Rom und stellte sich zum Verhoer vor dem versammelten Volke, das muehsam
bewogen ward, das sichere Geleit zu respektieren und den Moerder der
cirtensischen Italiker nicht auf der Stelle zu zerreissen. Allein kaum
hatte Gaius Memmius die erste Frage an den Koenig gerichtet, als einer
seiner Kollegen kraft seines Veto einschritt und dem Koenige befahl zu
schweigen. Auch hier also war das afrikanische Gold maechtiger als der
Wille des souveraenen Volkes und seiner hoechsten Beamten. Inzwischen
gingen im Senat die Verhandlungen ueber die Gueltigkeit des soeben
abgeschlossenen Friedens weiter und der neue Konsul Spurius Postumius
Albinus nahm eifrig Partei fuer den Antrag, denselben zu kassieren, in
der Aussicht, dass dann der Oberbefehl in Afrika an ihn kommen werde.
Dies veranlasste einen in Rom lebenden Enkel Massinissas, den Massiva,
seine Ansprueche auf das erledigte Numidische Reich bei dem Senat
geltend zu machen; worauf Bomilkar, einer der Vertrauten des Koenigs
Jugurtha, den Konkurrenten seines Herrn, ohne Zweifel in dessen Auftrag,
meuchlerisch aus dem Wege schaffte und, da ihm dafuer der Prozess
gemacht ward, mit Hilfe Jugurthas aus Rom entfloh. Dies neue, unter den
Augen der roemischen Regierung veruebte Verbrechen bewirkte wenigstens
so viel, dass der Senat nun den Frieden kassierte und den Koenig aus der
Stadt auswies (Winter 643/44 111/10). Der Krieg ging also wieder an, und
der Konsul Spurius Albinus uebernahm den Oberbefehl (644 110). Allein
das afrikanische Heer war bis in die untersten Schichten hinab
in derjenigen Zerruettung, wie sie einer solchen politischen und
militaerischen Oberleitung angemessen ist. Nicht bloss von Disziplin war
die Rede nicht mehr und die Pluenderung der numidischen Ortschaften,
ja des roemischen Provinzialgebiets waehrend der Waffenruhe das
Hauptgeschaeft der roemischen Soldateska gewesen, sondern es hatten auch
nicht wenige Offiziere und Soldaten so gut wie ihre Generale heimliche
Einverstaendnisse angeknuepft mit dem Feinde. Dass ein solches Heer im
Felde nichts ausrichten konnte, ist begreiflich, und wenn Jugurtha auch
diesmal vom roemischen Obergeneral die Untaetigkeit kaufte, wie dies
spaeter gegen denselben gerichtlich geltend gemacht ward, so tat er
wahrlich ein uebriges. Spurius Albinus also begnuegte sich damit, nichts
zu tun; dagegen sein Bruder, der nach seiner Abreise interimistisch
den Oberbefehl uebernahm, der ebenso tolldreiste als unfaehige Aulus
Postumius, kam mitten im Winter auf den Gedanken, durch einen kuehnen
Handstreich sich der Schaetze des Koenigs zu bemaechtigen, die in der
schwer zugaenglichen und schwer zu erobernden Stadt Suthul (spaeter
Calama, jetzt Guelma) sich befanden. Das Heer brach dahin auf und
erreichte die Stadt; allein die Belagerung war erfolg- und aussichtslos,
und als der Koenig, der eine Zeitlang mit seinen Truppen vor der Stadt
gestanden, in die Wueste ging, zog der roemische Feldherr es vor, ihn
zu verfolgen. Dies eben hatte Jugurtha beabsichtigt; durch einen
naechtlichen Angriff, wobei die Schwierigkeiten des Terrains und
Jugurthas Einverstaendnisse in der roemischen Armee zusammenwirkten,
eroberten die Numidier das roemische Lager und trieben die grossenteils
waffenlosen Roemer in der vollstaendigsten und schimpflichsten Flucht
vor sich her. Die Folge war eine Kapitulation, deren Bedingungen: Abzug
des roemischen Heeres unter dem Joch, sofortige Raeumung des
ganzen numidischen Gebiets, Erneuerung des vom Senat kassierten
Buendnisvertrages, von Jugurtha diktiert und von den Roemern angenommen
wurden (Anfang 645 109). Dies war denn doch zu arg. Waehrend die
Afrikaner jubelten und die ploetzlich eroeffnende Aussicht auf den
kaum noch fuer moeglich gehaltenen Sturz der Fremdherrschaft zahlreiche
Staemme der freien und halbfreien Wuestenbewohner unter die Fahnen des
siegreichen Koenigs fuehrte, brauste in Italien die oeffentliche
Meinung hoch auf gegen die ebenso verdorbene wie verderbliche
Regierungsaristokratie und brach los in einem Prozesssturm, der,
genaehrt durch die Erbitterung der Kaufmannschaft, eine Reihe von
Opfern aus den hoechsten Kreisen des Adels wegraffte. Auf den Antrag
des Volkstribuns Gaius Mamilius Limetanus ward trotz der schuechternen
Versuche des Senats, das Strafgericht abzuwenden, eine ausserordentliche
Geschworenenkommission bestellt zur Untersuchung des in der numidischen
Sukzessionsfrage vorgekommenen Landesverrats, und ihre Wahlsprueche
sandten die beiden bisherigen Oberfeldherren, Gaius Bestia und Spurius
Albinus, ferner den Lucius Opimius, das Haupt der ersten afrikanischen
Kommission und nebenbei den Henker des Gaius Gracchus, ausserdem
zahlreiche andere weniger namhafte schuldige und unschuldige Maenner
der Regierungspartei in die Verbannung. Dass indes diese Prozesse
einzig darauf hinausliefen, durch Aufopferung einiger der am meisten
kompromittierten Personen die aufgeregte oeffentliche Meinung namentlich
der Kapitalistenkreise zu beschwichtigen, und dass dabei von einer
Auflehnung des Volkszorns gegen das recht- und ehrlose Regiment selbst
nicht die leiseste Spur vorhanden war, zeigt sehr deutlich die Tatsache,
dass an den schuldigsten unter den Schuldigen, an den klugen und
maechtigen Scaurus nicht bloss niemand sich wagte, sondern dass er
eben um diese Zeit zum Zensor, ja sogar unglaublicherweise zu einem der
Vorstaende der ausserordentlichen Hochverratskommission erwaehlt ward.
Um so weniger ward auch nur der Versuch gemacht, der Regierung in ihre
Kompetenz zu greifen, und es blieb lediglich dem Senat ueberlassen, dem
numidischen Skandal in der fuer die Aristokratie moeglichst gelinden
Weise ein Ende zu machen; denn dass dies an der Zeit war, mochte wohl
selbst der adligste Adlige anfangen zu begreifen. Der Senat kassierte
zunaechst auch den zweiten Friedensvertrag - den Oberbefehlshaber, der
ihn abgeschlossen, dem Feinde auszuliefern, wie dies noch vor dreissig
Jahren geschehen war, schien nach den neuen Begriffen von der Heiligkeit
der Vertraege nicht ferner noetig -, und die Erneuerung des Krieges ward
diesmal allen Ernstes beschlossen. Man uebergab den Oberbefehl in Afrika
zwar wie natuerlich einem Aristokraten, aber noch einem der wenigen
vornehmen Maenner, die militaerisch und sittlich der Aufgabe gewachsen
waren. Die Wahl fiel auf Quintus Metellus. Er war wie die ganze
maechtige Familie, der er angehoerte, seinen Grundsaetzen nach ein
starrer und ruecksichtsloser Aristokrat, als Beamter ein Mann, der es
zwar sich zur Ehre rechnete, zum Besten des Staats Meuchelmoerder zu
dingen, und was Fabricius gegen Pyrrhos tat, vermutlich als unpraktische
Donquichotterie verlacht haben wuerde, aber doch ein unbeugsamer,
weder der Furcht noch der Bestechung zugaenglicher Verwalter und ein
einsichtiger und erfahrener Kriegsmann. In dieser Hinsicht war er auch
von seinen Standesvorurteilen so weit frei, dass er sich zu seinen
Unterbefehlshabern nicht vornehme Leute aussuchte, sondern den
trefflichen Offizier Publius Rutilius Rufus, der wegen seiner
musterhaften Mannszucht und als Urheber eines veraenderten und
verbesserten Exerzierreglements in militaerischen Kreisen geschaetzt
ward, und den tapferen, von der Pike emporgedienten latinischen
Bauernsohn Gaius Marius. Von diesen und anderen faehigen Offizieren
begleitet, erschien Metellus im Laufe des Jahres 645 (109) als Konsul
und Oberfeldherr bei der afrikanischen Armee, die er in einem so
zerruetteten Zustand antraf, dass die Generale bisher nicht gewagt
hatten, sie auf das feindliche Gebiet zu fuehren und sie niemand
fuerchterlich war als den ungluecklichen Bewohnern der roemischen
Provinz. Streng und rasch wurde sie reorganisiert und im Fruehling des
Jahres 646 (108) 5 fuehrte Metellus sie ueber die numidische Grenze. Wie
Jugurtha der veraenderten Lage der Dinge inne ward, gab er sich
verloren und machte, noch ehe der Kampf begann, ernstlich gemeinte
Vergleichsantraege, indem er schliesslich nichts weiter begehrte, als
dass man ihm das Leben zusichere. Indes Metellus war entschlossen und
vielleicht selbst angewiesen, den Krieg nicht anders zu beendigen als
mit der unbedingten Unterwerfung und der Hinrichtung des verwegenen
Klientelfuersten; was auch in der Tat der einzige Ausgang war, der den
Roemern genuegen konnte. Jugurtha galt seit dem Sieg ueber Albinus
als der Erloeser Libyens von der Herrschaft der verhassten Fremden;
ruecksichtslos und schlau, wie er, und unbeholfen, wie die roemische
Regierung war, konnte er jederzeit auch nach dem Frieden wieder in
seiner Heimat den Krieg entzuenden; die Ruhe war nicht eher gesichert
und die Entfernung der afrikanischen Armee nicht eher moeglich, als
wenn Koenig Jugurtha nicht mehr war. Offiziell gab Metellus ausweichende
Antworten auf die Antraege des Koenigs; insgeheim stiftete er die Boten
desselben auf, ihren Herrn lebend oder tot an die Roemer auszuliefern.
Indes wenn der roemische General es unternahm, mit dem Afrikaner auf dem
Gebiet des Meuchelmordes zu wetteifern, so fand er hier seinen Meister;
Jugurtha durchschaute den Plan und ruestete sich, da er nicht anders
konnte, zur verzweifelten Gegenwehr. Jenseits des voellig oeden
Gebirgszugs, ueber den der Weg der Roemer in das Innere fuehrte,
erstreckte sich in der Breite von vier deutschen Meilen bis zu dem dem
Gebirgszug parallel laufenden Flusse Muthul eine weite Ebene, welche bis
auf die unmittelbare Nachbarschaft des Flusses wasser- und baumlos war
und nur durch einen mit niedrigem Gestruepp bedeckten Huegelruecken in
der Quere durchsetzt ward. Auf diesem Huegelruecken erwartete Jugurtha
das roemische Heer. Seine Truppen standen in zwei Massen: die eine, ein
Teil der Infanterie und die Elefanten, unter Bomilkar da, wo der Ruecken
auslief gegen den Fluss, die andere, der Kern des Fussvolks und die
gesamte Reiterei, hoeher hinauf gegen den Gebirgszug, verdeckt durch
das Gestruepp. Aus dem Gebirge debouchierend, erblickten die Roemer den
Feind in einer ihre rechte Flanke vollstaendig beherrschenden Stellung
und hatten, da sie auf dem kahlen und wasserlosen Gebirgskamm unmoeglich
verweilen konnten und den Fluss notwendig erreichen mussten, die
schwierige Aufgabe zu loesen, durch die vier Meilen breite, ganz offene
Ebene, unter den Augen der feindlichen Reiter und selber ohne leichte
Kavallerie, an den Strom zu gelangen. Metellus entsandte ein Detachement
unter Rufus in gerader Richtung an den Fluss, um daselbst ein Lager zu
schlagen; die Hauptmasse marschierte aus den Debouches des Gebirges
in schraeger Richtung durch die Ebene auf den Huegelruecken zu, um den
Feind von demselben herunterzuwerfen. Indes dieser Marsch in der Ebene
drohte das Verderben des Heeres zu werden, denn waehrend numidische
Infanterie im Ruecken der Roemer die Gebirgsdefileen besetzte, wie diese
sie raeumten, sah sich die roemische Angriffskolonne auf allen Seiten
von den feindlichen Reitern umschwaermt, die von dem Huegelruecken herab
angriffen. Das stete Anprallen der feindlichen Schwaerme hinderte
den Vormarsch, und die Schlacht drohte sich in eine Anzahl verwirrter
Detailgefechte aufzuloesen; waehrend gleichzeitig Bomilkar mit seiner
Abteilung das Korps unter Rufus festhielt, um es zu hindern, der schwer
bedraengten roemischen Hauptarmee zu Hilfe zu eilen. Jedoch gelang
es Metellus und Marius mit ein paar tausend Soldaten, den Fuss des
Huegelrueckens zu erreichen; und das numidische Fussvolk, das die Hoehen
verteidigte, lief trotz der Ueberzahl und der guenstigen Stellung fast
ohne Widerstand davon, als die Legionaere im Sturmschritt den Berg
hinauf angriffen. Ebenso schlecht hielt sich das numidische Fussvolk
gegen Rufus; es ward bei dem ersten Angriff zerstreut und die Elefanten
in dem durchschnittenen Terrain alle getoetet oder gefangen. Spaet am
Abend trafen die beiden roemischen Heerhaufen, jeder fuer sich Sieger
und jeder besorgt um das Schicksal des andern, zwischen den beiden
Walplaetzen zusammen. Es war eine Schlacht, die fuer Jugurthas
ungemeines militaerisches Talent ebenso zeugte wie fuer die
unverwuestliche Tuechtigkeit der roemischen Infanterie, welche allein
die strategische Niederlage in einen Sieg umgewandelt hatte. Jugurtha
sandte nach der Schlacht einen grossen Teil seiner Truppen heim
und beschraenkte sich auf den kleinen Krieg, den er gleichfalls mit
Gewandtheit leitete. Die beiden roemischen Kolonnen, die eine von
Metellus gefuehrt, die andere von Marius, der, obwohl von Geburt und
Rang der geringste, seit der Schlacht am Muthul unter den Korpschefs die
erste Stelle einnahm, durchzogen das numidische Gebiet, besetzten
die Staedte und machten, wo eine Ortschaft die Tore nicht gutwillig
geoeffnet hatte, die erwachsene maennliche Bevoelkerung nieder. Allein
die ansehnlichste unter den Staedten im oestlichen Binnenland,
Zama, leistete den Roemern ernsthaften Widerstand, den der Koenig
nachdruecklich unterstuetzte. Sogar ein Ueberfall des roemischen Lagers
gelang ihm, und die Roemer sahen sich endlich genoetigt, die Belagerung
aufzuheben und in das Winterquartier zu gehen. Der leichteren
Verpflegung wegen verlegte Metellus dasselbe, unter Zuruecklassung von
Besatzungen in den eroberten Staedten, in die roemische Provinz und
benutzte die Waffenruhe, um wieder Unterhandlungen anzuknuepfen, indem
er sich geneigt zeigte, dem Koenig einen ertraeglichen Frieden zu
bewilligen. Jugurtha ging darauf bereitwillig ein; bereits hatte er sich
anheischig gemacht, 200000 Pfund Silber zu entrichten, ja sogar seine
Elefanten und 300 Geiseln schon abgeliefert, ebenso 3000 roemische
Ueberlaeufer, die sofort niedergemacht wurden. Gleichzeitig aber wurde
des Koenigs vertrautester Ratgeber, Bomilkar, der nicht mit Unrecht
besorgte, dass, wenn es zum Frieden kaeme, Jugurtha ihn als den Moerder
des Massiva den roemischen Gerichten ueberliefern werde, von Metellus
gewonnen und gegen Zusicherung der Straflosigkeit fuer jenen Mord und
grosser Belohnungen zu dem Versprechen bewogen, den Koenig den Roemern
lebendig oder tot in die Haende zu liefern. Indes weder jene offizielle
Verhandlung noch diese Intrige fuehrte zu dem gewuenschten Resultat.
Als Metellus mit dem Ansinnen herausrueckte, dass der Koenig persoenlich
sich als Gefangener zu stellen habe, brach dieser die Unterhandlungen
ab; Bomilkars Verkehr mit dem Feinde ward entdeckt und derselbe
festgenommen und hingerichtet. Es soll keine Schutzrede sein fuer diese
diplomatischen Kabalen niedrigster Art; aber die Roemer hatten
allen Grund, danach zu trachten, sich der Person ihres Gegners zu
bemaechtigen. Der Krieg war auf dem Punkt angelangt, wo man ihn weder
weiterfuehren noch aufgeben konnte. Wie die Stimmung in Numidien war,
beweist zum Beispiel der Aufstand der bedeutendsten unter den Roemern
besetzten Staedten Vaga 6 im Winter 646/47 (108/07), wobei die gesamte
roemische Besatzung, Offiziere und Gemeine, niedergemacht wurde mit
Ausnahme des Kommandanten Titus Turpilius Silanus, welcher spaeter wegen
Einverstaendnisses mit dem Feinde, ob mit Recht oder Unrecht, laesst
sich nicht sagen, von dem roemischen Kriegsgericht zum Tode verurteilt
und hingerichtet ward. Die Stadt wurde von Metellus am zweiten Tage
nach dem Abfall ueberrumpelt und der ganzen Strenge des Kriegsgerichts
preisgegeben; allein wenn die Gemueter der leicht erreichbaren und
verhaeltnismaessig fuegsamen Anwohner des Bagradas also gestimmt waren,
wie mochte es da aussehen weiter landeinwaerts und bei den schweifenden
Staemmen der Wueste? Jugurtha war der Abgott der Afrikaner, die in ihm
den doppelten Brudermoerder gern uebersahen ueber dem Retter und Raecher
der Nation. Zwanzig Jahre nachher musste ein numidisches Korps, das
fuer die Roemer in Italien focht, schleunigst nach Afrika zurueckgesandt
werden, als in den feindlichen Reihen Jugurthas Sohn sich zeigte: man
mag daraus schliessen, was er selber ueber die Seinen vermochte. Wie
war ein Ende des Krieges abzusehen in Landschaften, wo die vereinigten
Eigentuemlichkeiten der Bevoelkerung und des Bodens einem Fuehrer, der
sich einmal der Sympathien der Nation versichert hat, es gestatten, den
Krieg in endlosen Kleingefechten fortzuspinnen oder auch gar ihn eine
Zeitlang schlafen zu legen, um ihn im rechten Augenblick mit
neuer Gewalt wiederzuerwecken?
------------------------------------------------ 5 In der spannenden und
geistreichen Darstellung dieses Krieges von Sallust ist die Chronologie
mehr als billig vernachlaessigt. Der Krieg ging im Sommer 649 (105) zu
Ende (c. 114); wenn also Marius seine Kriegfuehrung als Konsul 647 (107)
begann, so fuehrte er dort das Kommando in drei Kampagnen. Allein die
Erzaehlung schildert nur zwei, und mit Recht. Denn eben wie Metellus
allem Anschein nach zwar schon 645 (109) nach Afrika ging, aber, da er
spaet eintraf (c. 37, 44) und die Reorganisation des Heeres Zeit kostete
(c. 44), seine Operationen erst im folgenden Jahr begann, trat
auch Marius, der gleichfalls in Italien laengere Zeit sich mit
Kriegsvorbereitungen aufhielt (c. 84), entweder als Konsul 647 (107)
spaet im Jahre und nach beendigtem Feldzug oder auch erst als Prokonsul
648 (106) den Oberbefehl an; so dass also die beiden Feldzuege des
Metellus 646, 647 (108, 107) die des Marius 648, 649 (106, 105) fallen.
Dazu passt, dass Metellus erst im Jahre 648 (106) triumphierte (Eph.
epigr. IV, S. 257). Dazu passt ferner, dass die Schlacht am Muthul und
die Belagerung von Zama nach dem Verhaeltnis, in dem sie zu Marius'
Bewerbung um das Konsulat stehen, notwendig in das Jahr 646 (108)
gesetzt werden muessen. Von Ungenauigkeiten ist der Schriftsteller auf
keinen Fall freizusprechen; wie denn Marius sogar noch 649 (105) bei ihm
Konsul genannt wird. Die Verlaengerung des Kommandos des Metellus, die
Sallustius (62, 10) berichtet, kann sich nach dem Platze, an dem sie
steht, nur beziehen auf das Jahr 647 (107); als im Sommer 646 (108) auf
Grund des Sempronischen Gesetzes die Provinzen der fuer 647 (107) zu
waehlenden Konsuln festzusetzen waren, bestimmte der Senat zwei andere
Provinzen und liess also Numidien dem Metellus. Diesen Senatsschluss
stiess das 72, 7 erwaehnte Plebiszit um. Die folgenden in den besten
Handschriften beider Familien lueckenhaft ueberlieferten Worte sed Paulo
.... decreverat: ea res frustra fuit muessen entweder die den Konsuln
vom Senat bestimmten Provinzen genannt haben - etwa sed paulo [ante
uti consulibus Italia et Gallia provinciae essent senatus] decreverat
- oder, nach der Ergaenzung der Vulgathandschriften: sed Paulo
[ante senatus Metello Numidiam] decreverat. 6 Jetzt Bedschah an der
Medscherda. ---------------------------------------- Als Metellus im
Jahre 647 (107) wieder ins Feld rueckte, hielt Jugurtha ihm nirgends
stand: bald tauchte er da auf, bald an einem andern, weit entfernten
Punkt; es schien, als wuerde man ebenso leicht Herr werden ueber die
Loewen wie ueber diese Reiter der Wueste. Eine Schlacht ward geschlagen,
ein Sieg gewonnen; aber was man mit dem Sieg gewonnen hatte, war schwer
zu sagen. Der Koenig war verschwunden in die unabsehliche Weite. Im
Innern des heutigen Beilek von Tunis, hart am Saum der grossen Wueste,
lag in quelliger Oase der feste Platz Thala 7; dorthin hatte Jugurtha
sich zurueckgezogen mit seinen Kindern, seinen Schaetzen und dem Kern
seiner Truppen, bessere Zeiten daselbst abzuwarten. Metellus wagte
es, durch eine Einoede, wo das Wasser auf zehn deutsche Meilen in
Schlaeuchen mitgefuehrt werden musste, dem Koenig zu folgen; Thala ward
erreicht und fiel nach vierzigtaegiger Belagerung; allein nicht bloss
vernichteten die roemischen Ueberlaeufer mit dem Gebaeude, in dem
sie nach Einnahme der Stadt sich selber verbrannten, zugleich den
wertvollsten Teil der Beute, sondern, worauf mehr ankam, der Koenig
Jugurtha war mit seinen Kindern und seiner Kasse entkommen. Numidien
zwar war so gut wie ganz in den Haenden der Roemer; aber statt dass man
damit am Ziele gestanden haette, schien der Krieg nur ueber ein
immer weiteres Gebiet sich auszudehnen. Im Sueden begannen die freien
gaetulischen Staemme der Wueste auf Jugurthas Ruf den Nationalkrieg
gegen die Roemer. Im Westen schien Koenig Bocchus von Mauretanien,
dessen Freundschaft die Roemer in frueherer Zeit verschmaeht
hatten, jetzt nicht abgeneigt, mit seinem Schwiegersohn gegen sie
gemeinschaftliche Sache zu machen: er nahm ihn nicht bloss bei sich auf,
sondern rueckte auch, mit den eigenen zahllosen Reiterscharen Jugurthas
Haufen vereinigend, in die Gegend von Cirta, wo Metellus sich im
Winterquartier befand. Man begann zu unterhandeln; es war klar, dass
er mit Jugurthas Person den eigentlichen Kampfpreis fuer Rom in Haenden
hielt. Was er aber beabsichtigte, ob den Roemern den Schwiegersohn
teuer zu verkaufen oder mit dem Schwiegersohn gemeinschaftlich den
Nationalkrieg aufzunehmen, wussten weder die Roemer noch Jugurtha
und vielleicht der Koenig selbst nicht; derselbe beeilte sich auch
keineswegs, aus seiner zweideutigen Stellung herauszutreten. Darueber
verliess Metellus die Provinz, die er durch Volksbeschluss genoetigt
worden war, seinem ehemaligen Unterfeldherrn, dem jetzigen Konsul Marius
abzutreten und dieser uebernahm fuer den naechsten Feldzug 648 (106)
den Oberbefehl. Er verdankte ihn gewissermassen einer Revolution. Im
Vertrauen auf die von ihm geleisteten Dienste und nebenher auf die ihm
zuteil gewordenen Orakel hatte er sich entschlossen, als Bewerber um
das Konsulat aufzutreten. Wenn die Aristokratie die ebenso
verfassungsmaessige wie sonst vollkommen gerechtfertigte Bewerbung des
tuechtigen, durchaus nicht oppositionell gesinnten Mannes unterstuetzt
haette, so wuerde dabei nichts herausgekommen sein als die Verzeichnung
eines neuen Geschlechts in den konsularischen Fasten; statt dessen wurde
der nicht adlige Mann, der die hoechste Gemeinwuerde fuer sich
begehrte, von der ganzen regierenden Kaste als ein frecher Neuerer und
Revolutionaer geschmaeht - vollkommen wie einst der plebejische Bewerber
von den Patriziern behandelt worden war, nur jetzt ohne jeden formalen
Rechtsgrund -, der tapfere Offizier mit spitzen Reden von Metellus
verhoehnt - Marius moege mit seiner Kandidatur warten, hiess es, bis
Metellus' Sohn, ein bartloser Knabe, mit ihm sich bewerben koenne - und
kaum im letzten Augenblick aufs ungnaedigste entlassen, um fuer das Jahr
647 (107), als Bewerber um das Konsulat in der Hauptstadt aufzutreten.
Hier vergalt er das erlittene Unrecht seinem Feldherrn reichlich, indem
er vor der gaffenden Menge die Kriegfuehrung und Verwaltung des Metellus
in Afrika in einer ebenso unmilitaerischen wie schmaehlich unbilligen
Weise kritisierte, ja sogar es nicht verschmaehte, dem lieben, ewig von
geheimen, hoechst unerhoerten und hoechst unzweifelhaften Konspirationen
der vornehmen Herren munkelnden Poebel das platte Maerchen aufzutischen,
dass Metellus den Krieg absichtlich verschleppe, um so lange wie
moeglich Oberbefehlshaber zu bleiben. Den Gassenbuben leuchtete dies
vollkommen ein; zahlreiche, aus guten und schlechten Ursachen der
Regierung misswollende Leute, namentlich die mit Grund erbitterte
Kaufmannschaft, verlangten nichts Besseres als eine solche Gelegenheit,
die Aristokratie an ihrer empfindlichsten Stelle zu verletzen; er wurde
nicht bloss mit ungeheurer Majoritaet zum Konsul gewaehlt, sondern
ihm auch, waehrend sonst nach dem Gesetze des Gaius Gracchus die
Entscheidung ueber die jedesmaligen Kompetenzen der Konsuln dem Senat
zustand, unter Umstossung der vom Senat getroffenen Verfuegung, die
den Metellus an seiner Stelle liess, durch Beschluss der souveraenen
Komitien der Oberbefehl im Afrikanischen Krieg uebertragen. Demgemaess
trat er im Laufe des Jahres 647 (107) an Metellus' Stelle und
fuehrte das Kommando in dem Feldzuge des folgenden Jahres; allein die
zuversichtliche Verheissung, es besser zu machen als sein Vorgaenger
und den Jugurtha an Haenden und Fuessen gebunden schleunigst nach Rom
abzuliefern, war leichter gegeben als erfuellt. Marius schlug sich herum
mit den Gaetulern; er unterwarf einzelne noch nicht besetzte Staedte;
er unternahm eine Expedition nach Capsa (Gafsa) im aeussersten Suedosten
des Koenigreichs, welche die von Thala an Schwierigkeit noch ueberbot,
nahm die Stadt durch Kapitulation und liess trotz des Vertrages alle
erwachsenen Maenner darin toeten - freilich das einzige Mittel, den
Wiederabfall der fernliegenden Wuestenstadt zu verhueten; er griff ein
am Fluss Molochath, der das numidische Gebiet vom mauretanischen schied,
belegenes Bergkastell an, in das Jugurtha seine Kasse geschafft hatte,
und erstuermte, eben als er schon am Erfolg verzweifelnd von der
Belagerung abstehen wollte, durch den Handstreich einiger kuehner
Kletterer gluecklich das unbezwingliche Felsennest. Wenn es bloss darauf
angekommen waere, durch dreiste Razzias das Heer abzuhaerten und dem
Soldaten Beute zu schaffen oder auch Metellus' Zug in die Wueste durch
eine noch weiter greifende Expedition zu verdunkeln, so konnte man diese
Kriegfuehrung gelten lassen; in der Hauptsache ward das Ziel, worauf
alles ankam und das Metellus mit fester Konsequenz im Auge behalten
hatte, die Gefangennehmung des Jugurtha, dabei voellig beiseite gesetzt.
Der Zug des Marius nach Capsa war ein ebenso zweckloses wie der des
Metellus nach Thala ein zweckmaessiges Wagnis; die Expedition aber an
den Molochath, welche an, wo nicht in das mauretanische Gebiet streifte,
war geradezu zweckwidrig. Koenig Bocchus, in dessen Hand es lag, den
Krieg zu einem fuer die Roemer guenstigen Ausgang zu bringen oder ihn
ins Endlose zu verlaengern, schloss jetzt mit Jugurtha einen Vertrag
ab, in dem dieser ihm einen Teil seines Reiches abtrat, Bocchus aber
versprach, den Schwiegersohn gegen Rom taetig zu unterstuetzen. Das
roemische Heer, das vom Fluss Molochath wieder zurueckkehrte, sah sich
eines Abends ploetzlich umringt von ungeheuren Massen mauretanischer
und numidischer Reiterei; man musste fechten, wo und wie die Abteilungen
eben standen, ohne dass eine eigentliche Schlachtordnung und ein