und in griechischen Fuss (1 = 0,309): Aussenmauer 2 Meter = 6« Fuss
Korridor 9 Meter = 6 Fuss Vordermauer der Kasematten 1 Meter = 3¬Fuss
Kasemattensaele 4,2 Meter = 14 Fuss Hintermauer der Kasematten 1 Meter
= 3¬Fuss Gesamttiefe der Mauer 10,1 Meter = 33 Fuss oder, wie Diodor (p.
522) angibt, 22 Ellen (1 griechische Elle = 1« Fuss), waehrend Livius
(bei Oros. bist. 4, 22) und Appian (Pun. 95), die eine andere, minder
genaue Stelle des Polybios vor Augen gehabt zu haben scheinen, die
Mauertiefe auf 30 Fuss ansetzen. Die dreifache Mauer Appians, ueber die
bisher durch Florus (epit. 1, 31) eine falsche Vorstellung verbreitet
war, ist die Aussenmauer, die Vorder- und die Hintermauer der
Kasematten. Dass dies Zusammentreffen nicht zufaellig ist und wir hier
in der Tat die Ueberreste der beruehmten karthagischen Mauer vor uns
haben, wird jedem einleuchten; N. Davis' Einwuerfe (Carthage and
her remains. 1861, S. 370f.) zeigen nur, dass gegen die wesentlichen
Ergebnisse Beules auch mit dem besten Willen wenig auszurichten ist. Nur
muss man festhalten, dass die alten Berichterstatter die Angaben, um die
es sich handelt, saemtlich nicht von der Burgmauer geben, sondern von
der Stadtmauer an der Landseite, von der die Mauer an der Suedseite
des Burghuegels ein integrierender Teil war (Gros. bist. 4, 22). Dazu
stimmt, dass die Ausgrabungen auf dem Burghuegel gegen Osten, Norden und
Westen nirgends Spuren von Befestigungen, dagegen an der Suedseite eben
jene grossartigen Mauerreste gezeigt haben. Es ist kein Grund
vorhanden, dieselben als Ueberreste einer besonderen, von der
Stadtmauer verschiedenen Burgbefestigung anzusehen; weitere Grabungen
in entsprechender Tiefe - das Fundament der an der Byrsa aufgefundenen
Stadtmauer liegt 56 Fuss unter dem heutigen Boden - werden vermutlich
laengs der ganzen Landseite gleiche oder doch aehnliche Fundamente zu
Tage foerdern, wenn auch wahrscheinlich da wo die ummauerte Vorstadt
Magalia sich an die Hauptmauer anlehnte, die Befestigung entweder von
Haus aus schwaecher gewesen oder frueh vernachlaessigt worden ist. Wie
lang die Mauer im ganzen war, ist nicht mit Bestimmtheit zu sagen;
doch ergibt sich, da 300 Elefanten hier Stallung fanden und auch deren
Futtermagazine und vielleicht noch andere Raeumlichkeiten sowie die
Tore in Anrechnung zu bringen sind, schon hieraus eine sehr ansehnliche
Laengenentwicklung. Dass die innere Stadt, in deren Mauer die Byrsa
einbegriffen war, zumal im Gegensatz zu der besonders ummauerten
Vorstadt Magalia zuweilen selber Byrsa genannt wird (App. Pun. 117;
Nepos bei Serv. Aen. 1, 368), ist leicht begreiflich. 5 So rechnet
Appian a.a.O.; Diodor gibt, wahrscheinlich mit Einrechnung der Zinnen,
die Hoehe auf 40 Ellen oder 60 Fuss. Der erhaltene Ueberrest ist noch
12-16 Fuss (4-5 Meter) hoch. 6 Die bei der Ausgrabung zu Tage gekommenen
hufeisenfoermigen Saele haben eine Tiefe von 14, eine Breite von 11
griechischen Fuss; die Weite der Eingaenge wird nicht angegeben. Ob
diese Masse und die Verhaeltnisse des Korridors ausreichen, um in
ihnen Elefantenstaelle zu erkennen, bleibt durch genauere Ermittlung
festzustellen. Die Zwischenmauern, die die Saele voneinander scheiden,
haben die Dicke von 1,1 Meter = 3« Fuss. 7 Oros. hist. 4, 22. Reichlich
2000 Schritte oder - wie Polybios gesagt haben wird - 16 Stadien sind
ungefaehr 3000 Meter. Der Burghuegel, auf dem jetzt die Kirche des hl.
Ludwig steht, misst oben etwa 1400, auf der halben Hoehe etwa 2600 Meter
im Umkreis (Beule, Fouilles, S. 22); auf den unteren Umfang wird jene
Angabe recht gut auskommen. 8 Sie traegt jetzt das Fort Goletta. 9
Dass dieses phoenikische Wort das kreisfoermig ausgegrabene Bassin
bezeichnet, zeigt sowohl Diod. 3, 44 wie die Bedeutung Becher, in der
die Griechen dasselbe verwenden. Es passt also nur auf den inneren
Hafen Karthagos, und davon brauchen es auch Strabon (17, 2, 14; wo es
eigentlich fuer die Admiralinsel gesetzt ist) und Festus (v. cothones
p. 37). Appian (Pun. 127) bezeichnet nicht ganz genau den
viereckigen Vorhafen des Kothon als Teil desselben.
--------------------------------------- Die schwierige Arbeit, eine so
wohlbefestigte Stadt zu bezwingen, wurde noch dadurch erschwert, dass
teils die Hilfsmittel der Hauptstadt selbst und des noch immer 800
Ortschaften umfassenden und von der Emigrantenpartei groesstenteils
beherrschten Gebietes, teils die zahlreichen mit Massinissa verfeindeten
Staemme der ganz oder halb freien Libyer den Karthagern gestatteten,
sich nicht auf die Verteidigung der Stadt zu beschraenken, sondern
zugleich ein zahlreiches Heer im Felde zu halten, welches bei der
verzweifelten Stimmung der Emigranten und der Brauchbarkeit der leichten
numidischen Reiterei von den Belagerern nicht ausser acht gelassen
werden durfte. Es hatten somit die Konsuln eine keineswegs leichte
Aufgabe zu loesen, als sie nun doch sich genoetigt sahen, die Belagerung
regelrecht zu beginnen. Manius Manilius, der das Landheer befehligte,
schlug sein Lager der Burgmauer gegenueber, waehrend Lucius Censorinus
mit der Flotte an dem See sich aufstellte und dort auf der Landzunge die
Operationen begann. Die karthagische Armee unter Hasdrubal lagerte an
dem andern Ufer des Sees bei der Festung Nepheris, von wo aus sie den
zum Holzfaellen fuer den Maschinenbau ausgeschickten roemischen Soldaten
ihre Arbeit erschwerte und namentlich der tuechtige Reiterfuehrer
Himilkon Phameas den Roemern viele Leute toetete. Indes stellte
Censorinus auf der Landzunge zwei grosse Sturmboecke her und brach mit
ihnen Bresche an dieser schwaechsten Stelle der Mauer; der Sturm indes
musste, da es Abend geworden, verschoben werden. In der Nacht gelang
es den Belagerten, einen grossen Teil der Bresche zu fuellen und durch
einen Ausfall die roemischen Maschinen so zu beschaedigen, dass sie am
naechsten Tage nicht weiterarbeiten konnten. Dennoch wagten die
Roemer den Sturm; allein sie fanden die Bresche und die naechsten
Mauerabschnitte und Haeuser stark besetzt und gingen so unvorsichtig
vor, dass sie mit starkem Verlust zurueckgeschlagen wurden und noch weit
groessere Nachteile erlitten haben wuerden, wenn nicht der Kriegstribun
Scipio Aemilianus, den Ausgang des tolldreisten Angriffs vorhersehend,
seine Leute vor den Mauern zusammengehalten und mit ihnen die
Fluechtenden aufgenommen haette. Noch viel weniger richtete Manilius
gegen die unbezwingliche Burgmauer aus. So zog die Belagerung sich in
die Laenge. Die durch die Sommerhitze im Lager erzeugten Krankheiten,
die Abreise des faehigeren Feldherrn Censorinus, endlich die Verstimmung
und Untaetigkeit Massinissas, der begreiflicherweise die Roemer sehr
ungern die laengst begehrte Beute fuer sich selber nehmen sah, und der
bald darauf (Ende 605 149) erfolgte Tod des neunzigjaehrigen Koenigs
brachten die Offensivoperationen der Roemer voellig ins Stocken. Sie
hatten genug zu tun, um ihre Schiffe gegen die karthagischen Brander
und ihr Lager gegen die naechtlichen Ueberfaelle zu schuetzen und durch
Anlegung eines Hafenkastells und Streifzuege in die Umgegend Nahrung
fuer Menschen und Pferde zu beschaffen. Zwei gegen Hasdrubal gerichtete
Expeditionen blieben beide ohne Erfolg, ja die erste haette bei
der schlechten Fuehrung auf dem schwierigen Terrain fast mit einer
foermlichen Niederlage geendigt. So ruhmlos dieser Krieg fuer den
Feldherrn wie fuer das Heer verlief, so glaenzend tat der Kriegstribun
Scipio darin sich hervor. Er war es, der bei dem Nachtsturm der Feinde
auf das roemische Lager, mit einigen Reiterschwadronen ausrueckend und
den Feind in den Ruecken fassend, ihn zum Umkehren noetigte. Auf dem
ersten Zug nach Nepheris machte er nach dem Flussuebergang, der wider
seinen Rat stattgefunden hatte und fast das Verderben des Heeres
geworden waere, durch einen verwegenen Seitenangriff dem rueckkehrenden
Heer Luft und befreite eine schon verloren gegebene Abteilung durch
seinen aufopfernden Heldenmut. Waehrend die uebrigen Offiziere, der
Konsul vor allem, durch ihre Wortlosigkeit die zu Unterhandlungen
geneigten Staedte und Parteifuehrer zurueckschreckten, gelang es Scipio,
einen der tuechtigsten von diesen, Himilkon Phameas, mit 2200 Reitern
zum Uebertritt zu bestimmen. Endlich, nachdem er, den Auftrag des
sterbenden Massinissa erfuellend, unter dessen drei Soehne, die Koenige
Micipsa, Gulussa und Mastanabal, das Reich geteilt hatte, fuehrte er in
Gulussa einen seines Vaters wuerdigen Reiterfuehrer dem roemischen Heer
zu und half damit dem bisher empfindlich gefuehlten Mangel an leichter
Reiterei ab. Sein feines und doch schlichtes Wesen, das mehr an seinen
leiblichen Vater erinnerte als an den, dessen Namen er trug, bezwang
auch den Neid, und im Lager wie in der Hauptstadt war Scipios Name auf
allen Lippen. Selbst Cato, der nicht freigebig mit seinem Lobe war,
wandte wenige Monate vor seinem Tode - er starb am Ende des Jahres
605 (149), ohne den Wunsch seines Lebens, die Vernichtung Karthagos,
erfuellt gesehen zu haben - auf den jungen Offizier und seine unfaehigen
Kameraden die Homerische Zeile an: "Einzig er ist ein Mann, die
andern sind wandelnde Schatten ^10."
--------------------------------------------- ^10 Oios pepytai, toi de
skiai aissoysin. --------------------------------------------- Ueber
diese Vorgaenge war der Jahresschluss und damit der Kommandowechsel
herangekommen: ziemlich spaet erschien der Konsul Lucius Piso (606 148)
und uebernahm den Oberbefehl des Landheeres so wie Lucius Mancinus den
der Flotte. Indes, hatten die Vorgaenger wenig geleistet, so geschah nun
gar nichts. Statt mit der Belagerung Karthagos oder der Ueberwindung
der Armee Hasdrubals beschaeftigte Piso sich damit, die kleinen
phoenikischen Seestaedte anzugreifen und auch dies meist ohne Erfolg,
wie zum Beispiel Clupea ihn zurueckschlug und er von Hippon
Diarrhytos, nachdem er den ganzen Sommer davor verloren hatte und das
Belagerungsgeraet ihm zweimal verbrannt worden war, schimpflich abziehen
musste. Neapolis ward zwar genommen; aber die Pluenderung der Stadt
gegen das gegebene Ehrenwort war auch dem Fortgang der roemischen Waffen
nicht sonderlich guenstig. Der Mut der Karthager stieg. Ein numidischer
Scheik Bithyas ging mit 800 Pferden zu ihnen ueber; karthagische
Gesandte konnten es versuchen, mit den Koenigen von Numidien und
Mauretanien, ja, mit dem falschen Philippos von Makedonien Verbindungen
einzuleiten. Vielleicht mehr die inneren Zerwuerfnisse - Hasdrubal der
Emigrant verdaechtigte den gleichnamigen Feldherrn, der in der Stadt
befehligte, wegen seiner Verwandtschaft mit Massinissa und liess ihn im
Rathause erschlagen - als die Taetigkeit der Roemer verhinderten eine
fuer Karthago noch guenstigere Wendung der Dinge. So griff man in Rom,
um dem besorglichen Stand der afrikanischen Angelegenheiten Wandel zu
schaffen, zu der ausserordentlichen Massregel, dem einzigen Mann, der
bis jetzt von den libyschen Feldern Ehre heimgebracht hatte und den sein
Name selbst fuer diesen Krieg empfahl, dem Scipio, statt der Aedilitaet,
um die er eben sich bewarb, mit Beseitigung der entgegenstehenden
Gesetze vor der Zeit das Konsulat und durch besonderen Beschluss die
Fuehrung des Afrikanischen Krieges zu uebertragen. Er traf (607 147)
in Utica in einem Augenblick ein, wo viel auf dem Spiel stand. Der
roemische Admiral Mancinus, von Piso mit der nominellen Fortsetzung
der Belagerung der Hauptstadt beauftragt, hatte eine steile, von dem
bewohnten Bezirk weit entlegene und kaum verteidigte Klippe an der
schwer zugaenglichen Seite der Aussenstadt Magalia besetzt und fast
seine gesamte, nicht zahlreiche Mannschaft dort vereinigt, in der
Hoffnung, von hier aus in die Aussenstadt eindringen zu koennen. In
der Tat waren die Angreifer schon einen Augenblick innerhalb der Tore
derselben gewesen, und schon war der Lagertross in der Hoffnung
auf Beute in Masse herbeigestroemt, als sie wieder auf die Klippe
zurueckgedraengt wurden und ohne Zufuhr und fast abgeschnitten in der
groessten Gefahr schwebten. So fand Scipio die Lage der Dinge. Kaum
angekommen, entsandte er die mitgebrachte Mannschaft und die Miliz
von Utica zu Schiff nach dem bedrohten Punkt, und es gelang, dessen
Besatzung zu retten und die Klippe selbst zu behaupten. Nachdem diese
Gefahr abgewendet schien, begab der Feldherr sich in das Lager Pisos,
um das Heer zu uebernehmen und nach Karthago zurueckzufuehren. Hasdrubal
aber und Bithyas benutzten seine Abwesenheit, um ihr Lager unmittelbar
an die Stadt zu ruecken und den Angriff auf die Besatzung der Klippe von
Magalia zu erneuern; indes auch jetzt erschien Scipio mit dem Vortrab
der Hauptarmee zeitig genug, um dem Posten abermals Beistand zu leisten.
Danach begann von neuem und ernstlicher die Belagerung. Vor allen Dingen
saeuberte Scipio das Lager von der Masse des Trosses und der Marketender
und zog die erschlafften Zuegel der Disziplin wieder mit Strenge an.
Bald nahmen auch die militaerischen Operationen einen lebhafteren Gang.
Bei einem naechtlichen Angriff auf die Aussenstadt gelangten von einem
Turme aus, der den Mauern an Hoehe gleich vor denselben stand, die
Roemer auf die Zinnen und oeffneten ein Pfoertchen, durch das das ganze
Heer eindrang. Die Karthager gaben die Aussenstadt und das Lager vor den
Toren auf und uebertrugen den Oberbefehl ueber die auf 30000 Mann sich
belaufende staedtische Besatzung an Hasdrubal. Der neue Kommandant
bewies seine Energie zuvoerderst dadurch, dass er saemtliche roemische
Gefangenen auf die Mauerzinnen bringen und sie vor den Augen des
Belagerungsheeres nach grausamen Martern in die Tiefe stuerzen liess;
und als hierueber Stimmen des Tadels sich erhoben, wurde auch gegen die
Buerger die Schreckensherrschaft eingefuehrt. Scipio inzwischen suchte,
nachdem er die Stadt auf sich selber beschraenkt hatte, ihr den Verkehr
nach aussen hin voellig abzuschneiden. Er selbst nahm sein Hauptquartier
auf dem Erdruecken, durch den die karthagische Halbinsel mit dem
Festland zusammenhaengt, und schlug hier trotz der vielfachen Versuche
der Karthager, den Bau zu stoeren, ein grosses, diesen Ruecken in seiner
ganzen Breite schliessendes Lager, das die Stadt nach der Landseite hin
vollstaendig absperrte. Indes liefen noch immer Proviantschiffe in den
Hafen ein, teils kuehne Kauffahrer, die der hohe Gewinn lockte, teils
Schiffe des Bithyas, der von Nepheris am Ende des Tunesischen Sees aus
jeden guenstigen Fahrwind benutzte, um Lebensmittel nach der Stadt zu
bringen; wie auch daselbst die Buergerschaft schon litt, die Besatzung
war noch hinreichend versorgt. Scipio zog deshalb von der Landzunge
zwischen See und Golf in den letzteren hinein einen Steindamm von 96
Fuss Breite, um damit die Hafenmuendung zu sperren. Die Stadt schien
verloren, als das Gelingen dieses anfangs von den Karthagern als
unausfuehrbar verspotteten Unternehmens offenbar ward. Aber eine
Ueberraschung machte die andere wett. Waehrend die roemischen Arbeiter
an dem Damm schanzten, wurde auch im karthagischen Hafen zwei Monate
lang Tag und Nacht gearbeitet, ohne dass selbst die Ueberlaeufer zu
sagen wussten, was die Belagerten beabsichtigten. Ploetzlich, als eben
die Roemer mit der Verbauung des Hafeneingangs fertig waren, segelten
aus demselben Hafen fuenfzig karthagische Dreidecker und eine Anzahl
Boote und Kaehne hinaus in den Golf -die Karthager hatten, waehrend
die Feinde die alte Hafenmuendung gegen Sueden sperrten, durch einen in
oestlicher Richtung gezogenen Kanal sich einen neuen Ausgang geschaffen,
welcher bei der Tiefe des Meeres an dieser Stelle unmoeglich gesperrt
werden konnte. Haetten die Karthager, statt mit dem Paradezug sich zu
begnuegen, sofort sich mit Entschlossenheit auf die halbabgetakelte
und voellig unvorbereitete roemische Flotte gestuerzt, so war diese
verloren; als sie am dritten Tage wiederkehrten, um die Seeschlacht
zu liefern, fanden sie die Roemer geruestet. Der Kampf verlief ohne
Entscheidung; bei der Rueckfahrt aber stopften sich die karthagischen
Schiffe so sehr in und vor der Hafenmuendung, dass der dadurch
entstandene Schaden einer Niederlage gleichkam. Scipio richtete nun
seine Angriffe auf den aeusseren Hafenkai, welcher ausserhalb der
Stadtmauern lag und nur durch einen vor kurzem angelegten Erdwall
notduerftig geschuetzt war. Die Maschinen wurden auf der Landzunge
aufgestellt und eine Bresche war leicht gemacht; aber mit beispielloser
Unerschrockenheit griffen die Karthager, die Untiefen durchwatend, das
Belagerungszeug an, verjagten die Besatzungsmannschaft, welche so ins
Laufen kam, dass Scipio seine eigenen Reiter auf sie einhauen lassen
musste, und zerstoerten die Maschinen. Auf diese Weise gewannen sie
Zeit, die Bresche zu schliessen. Scipio stellte indes die Maschinen
wieder her und schoss die Holztuerme der Feinde in Brand, wodurch er den
Kai und damit den Aussenhafen in seine Gewalt bekam. Ein der Stadtmauer
an Hoehe gleichkommender Wall wurde hier aufgefuehrt, und es war jetzt
endlich die Stadt von der Land- wie von der Seeseite vollstaendig
abgesperrt, da man nur durch den aeusseren in den inneren Hafen
gelangte. Um die Blockade vollstaendig zu sichern, liess Scipio das
Lager bei Nepheris, das jetzt Diogenes befehligte, von Gaius Laelius
angreifen; durch eine glueckliche Kriegslist ward es erobert und die
ganze dort versammelte zahllose Menschenmasse getoetet oder gefangen.
Darueber war der Winter herangekommen, und Scipio stellte die
Operationen ein, es dem Hunger und den Seuchen ueberlassend, das
Begonnene zu vollenden. Wie furchtbar die Gewaltigen des Herrn
inzwischen an dem Vernichtungswerk gearbeitet hatten, waehrend Hasdrubal
freilich fortfuhr zu prahlen und zu prassen, zeigte sich, so wie im
Fruehling 608 (146) das roemische Heer zum Angriff gegen die innere
Stadt ueberging. Hasdrubal liess den Aussenhafen anzuenden und machte
sich bereit, den auf den Kothon erwarteten Sturm abzuschlagen; aber
Laelius gelang es, weiter aufwaerts die von der ausgehungerten Besatzung
kaum noch verteidigte Mauer zu uebersteigen und so bis an den inneren
Hafen vorzudringen. Die Stadt war erobert, aber der Kampf noch
keineswegs zu Ende. Die Angreifer besetzten den an den kleinen Hafen
anstossenden Markt und drangen in den drei schmalen, von diesem nach
der Burg zu fuehrenden Strassen langsam vor - langsam, denn von den
gewaltigen bis zu sechs Stockwerken hohen Haeusern musste eines nach
dem andern erstuermt werden; auf den Daechern oder auf ueber die Strasse
gelegten Balken drang der Soldat von einem dieser festungsaehnlichen
Gebaeude in das benachbarte oder gegenueberstehende vor und stiess
nieder, was darin ihm vorkam. So verflossen sechs Tage, schreckliche
fuer die Bewohner der Stadt und auch fuer die Angreifer voll Not und
Gefahr; endlich langte man vor dem steilen Burgfelsen an, auf den sich
Hasdrubal und die noch uebrige Mannschaft zurueckgezogen hatten.
Um einen breiteren Aufweg zu bekommen, befahl Scipio, die eroberten
Strassen anzuzuenden und den Schutt zu planieren, bei welcher
Veranlassung eine Menge in den Haeusern versteckter kampfunfaehiger
Personen elend umkamen. Da endlich bat der auf der Burg
zusammengedraengte Rest der Bevoelkerung um Gnade. Das nackte Leben ward
ihnen zugestanden und sie erschienen vor dem Sieger, 30000 Maenner und
25000 Frauen, nicht der zehnte Teil der ehemaligen Bevoelkerung. Einzig
die roemischen Ueberlaeufer, 900 an der Zahl, und der Feldherr Hasdrubal
mit seiner Gattin und seinen beiden Kindern hatten sich in den Tempel
des Heilgottes geworfen: fuer sie, fuer die desertierten Soldaten wie
fuer den Moerder der roemischen Gefangenen, gab es keinen Vertrag. Aber
als nun, dem Hunger erliegend, die entschlossensten unter ihnen den
Tempel anzuendeten, ertrug Hasdrubal es nicht, dem Tode ins Auge zu
sehen; einzeln entrann er zu dem Sieger und bat kniefaellig um sein
Leben. Es ward ihm gewaehrt; aber wie seine Gattin, die mit ihren
Kindern unter den uebrigen auf dem Tempeldach sich befand, ihn zu den
Fuessen Scipios erblickte, schwoll ihr das stolze Herz ueber diese
Schaendung der teuren untergehenden Heimat und den Gemahl mit bitteren
Worten erinnernd, seines Lebens sorglich zu schonen, stuerzte sie erst
die Soehne und dann sich selber in die Flammen. Der Kampf war zu Ende.
Der Jubel im Lager wie in Rom war grenzenlos; nur die Edelsten des
Volkes schaemten im stillen sich der neuesten Grosstat der Nation. Die
Gefangenen wurden groesstenteils zu Sklaven verkauft; einzelne liess man
im Kerker verkommen; die vornehmsten, Bithyas und Hasdrubal, wurden als
roemische Staatsgefangene in Italien interniert und leidlich
behandelt. Das bewegliche Gut, soweit es nicht Gold und Silber war oder
Weihgeschenk, ward den Soldaten zur Pluenderung preisgegeben; von
den Tempelschaetzen ward die in besseren Zeiten von Karthago aus den
sizilischen Staedten weggefuehrte Beute diesen zurueckgestellt, wie zum
Beispiel der Stier des Phalaris den Akragantinern; das uebrige, fiel
an den roemischen Staat. Indes noch stand die Stadt zum bei weitem
groessten Teil. Es ist glaublich, dass Scipio die Erhaltung derselben
wuenschte; wenigstens richtete er deswegen noch eine besondere Anfrage
an den Senat. Scipio Nasica versuchte noch einmal, die Forderungen der
Vernunft und der Ehre geltend zu machen; es war vergebens. Der Senat
befahl dem Feldherrn, die Stadt Karthago und die Aussenstadt Magalia dem
Boden gleich zu machen, desgleichen alle Ortschaften, die es bis zuletzt
mit Karthago gehalten; sodann ueber den Boden Karthagos den Pflug zu
fuehren, um der Existenz der Stadt in Form Rechtens ein Ende zu machen,
und Grund und Boden auf ewige Zeiten zu verwuenschen, also dass weder
Haus noch Kornfeld je dort entstehen moege. Es geschah wie befohlen war.
Siebzehn Tage brannten die Ruinen; als vor kurzem die Ueberreste der
karthagischen Stadtmauer aufgegraben wurden, fand man sie bedeckt mit
einer vier bis fuenf Fuss tiefen, von halb verkohlten Holzstuecken,
Eisentruemmern und Schleuderkugeln erfuellten Aschenlage. Wo die
fleissigen Phoeniker ein halbes Jahrtausend geschafft und gehandelt
hatten, weideten fortan roemische Sklaven die Herden ihrer fernen
Herren. Scipio aber, den die Natur zu einer edleren als zu dieser
Henkerrolle bestimmt hatte, sah schaudernd auf sein eigenes Werk, und
statt der Siegesfreude erfasste den Sieger selber die Ahnung der solcher
Untat unausbleiblich nachfolgenden Vergeltung. Es blieb noch uebrig,
fuer die kuenftige Organisation der Landschaft die Einrichtungen
zu treffen. Die fruehere Weise, mit den gewonnenen ueberseeischen
Besitzungen die Bundesgenossen zu belehnen, ward nicht ferner beliebt.
Micipsa und seine Brueder behielten im wesentlichen ihr bisheriges
Gebiet mit Einschluss der kuerzlich am Bagradas und in Emporia den
Karthagern entrissenen Distrikte; die lange genaehrte Hoffnung, Karthago
zur Hauptstadt zu erhalten, ward fuer immer vereitelt; dafuer verehrte
ihnen der Senat die karthagischen Buechersammlungen. Die karthagische
Landschaft, wie die Stadt sie zuletzt besessen hatte, das heisst der
schmale, Sizilien zunaechst gegenueberliegende Kuestenstrich von
Afrika, vom Tuscafluss (bei Thabzaca) bis Thaenae (der Insel Kerkena
gegenueber), ward eine roemische Provinz. Im Binnenland, wo die
uebergriffe Massinissas die karthagische Herrschaft fortwaehrend weiter
beschraenkt hatten und schon Bulla, Zama, Aquae den Koenigen gehoerten,
blieb den Numidiern, was sie besassen. Allein die sorgfaeltige
Regulierung der Grenze zwischen der roemischen Provinz und dem auf drei