Die Nachrichten der arabischen Schriftsteller Edrisi, Abu'l Feda, Ebn el

Wardi und Jakuti sind sehr vage, sie führen den Ort unter der Benennung

Santariat auf, wenn aber Ritter meint, dass erst Wansleb im Jahre 1664

zuerst den Namen Siwah als gehört aufgebracht habe, so finden wir diese

Benennung neben Santariat auch schon bei Makrisi erwähnt. Heute ist jede

Erinnerung an Jupiter Ammon bei dem Volke verschwunden, nicht so die von

Alexander und Santariat. Der letzte Name Santariat, findet sich in alten

in der Oase aufbewahrten Deftas[34], und als ich Umma beida besuchte,

sagten mir unaufgefordert meine Begleiter, dass dieses Gebäude von

Iskender (Alexander), demselben der Skendria[35] gegründet, erbaut wäre.

Wenn wir nun auch wissen, dass Alexander beide Tempel schon erbaut

vorfand, so geht doch daraus hervor, dass eine Erinnerung an ihn sich von

Generation zu Generation fortgepflanzt hat.

Politisch war seit den ältesten Zeiten die Oase wohl immer in einer Art

von Abhängigkeit von Aegypten. Ob Herkules zum Ammon gekommen, sowie

Semiramis, ist nicht festzustellen. Sicher ist aber, dass die Vertreibung

der Juden aus dem Lande der Pharaonen mit auf Rath des Ammon geschah, und

dann bieten geschichtliche Anhaltspunkte: der Zug des Kambyses und

Alexanders, Lysanders und Hannibals Rathfrage, der Besuch Kato des

Jüngeren u.a. Nach Herodot unter eigenen Königen, dann den Persern

unterworfen, beugten die Ammonier sich freiwillig vor den Macedoniern.

Unter den Ptolemäern und Römern scheinen sie ein mildes Joch gehabt zu

haben, und die Könige der Ammonier, unter denen wir wohl die Oberpriester

des Tempels verstehen müssen, genossen schon ihrer grossen Heiligkeit

wegen einer gewissen Berücksichtigung. Plinius rechnet das Orakel zu

Cyrenaica, und geographisch zählt Hierokles die Ammons-Oase zu den sechs

Städten Libyens, während Lukan und Silius Italicus den Tempel als einen

Tempel der Garamanten bezeichnen; andere noch rechneten die Oase zum

Gebiete der südlich von Cyrenaica hausenden Asbysten.

Die Ammonier scheinen freiwillige Abgaben gegeben zu haben, so wissen wir,

dass zur Zeit der persischen Herrschaft die Perserkönige nur ammonisches

Salz, das im Alterthum hochberühmt war, auf ihrer Tafel duldeten, und dass

dies nebst dem Wasser des Nils einen Theil des Tributs ausmachte.

Im Jahre 1150 für immer dem Koran anheim gefallen, blieb die Oase dennoch

unabhängig, bis Mehemed Ali 1819 dieselbe unterwerfen liess, und seit der

Zeit unter Beibehaltung seiner Schichs der Ort einen jährlichen Tribut an

Aegypten zahlen musste. Nicht zufrieden damit, empörten sich die Bewohner

zu wiederholten Malen, versetzten aber im Jahre 1853 ihrer

Quasiunabhängigkeit den Todesstoss durch die schlechte Behandlung, welche

sie dem englischen Reisenden Hamilton widerfahren liessen. Gleich darauf

von Said-Pascha mit einer Soldatenmacht überzogen und durch eine

ausserordentliche Abgabe gebrandschatzt, ist Siuah seit der Zeit

integrirender Theil Aegyptens und bildet jetzt ein Mudirat, mit

Beibehaltung der eigenen Schichs, die indess nur Familienangelegenheiten

zu ordnen haben.

Uns Europäern wurde die Oase zuerst durch Browne wieder entdeckt im Jahre

1792, und sechs Jahre später war es ein Deutscher Namens Hornemann,

welcher durch die Mittel der afrikanischen Gesellschaft von London, mit

Unterstützung Napoleons, der zu der Zeit in Aegypten war, die berühmte

Oase erreichte. Belzoni, der ungefähr zwanzig Jahre später reiste, und

zwischen 1815 und 1819 die kleinen Oasen westlich vom Nil besuchte, ist

nie in Siuah gewesen. Er glaubte in dem Brunnen der Oase El Kasr den

Sonnenquell entdeckt zu haben, der im Alterthum seiner abwechselnden

Temperatur wegen bekannt war, und den Belzoni bei der Quelle El Kasrs

wahrzunehmen glaubte. Quellen, die ein solches Täuschungsgefühl

hervorrufen, giebt es fast in allen Oasen der Wüste, am bekanntesten ist

ausser der Sonnenquelle die grosse Quelle von Rhadames. Erst 1819

erreichte Butin, ein französischer Officier, Siuah, entging mit genauer

Noth dem Tode, um ihn bald nachher in Syrien zu finden, wo er ermordet

wurde. Gegen Ende desselben Jahres kam Cailliaud nach der Oase, er durfte

Umma beida besuchen und constatirte zuerst die tiefe Lage des Thales.

Als dann im selben Jahre Mehemet Ali Siuah durch Schamaschirgi Bei

unterwerfen liess, begleiteten diesen der französische Generalconsul

Dovretti von Alexandria, ausserdem der Ingenieur Linaud de Bellefonds,

Ricci und der Maler Frediani. Von einer Truppe von 1500 bis 2000 Mann

unterstützt, kann man sich denken, dass sie Alles besichtigen konnten,

dennoch kamen sie nicht in den grossen Tempel von Agermi; ungehindert aber

konnten sie Umma beida, Amudeïn, Bled el Rum und den See Araschich

besichtigen, Jomard hat ausführliche Beschreibungen davon gegeben.

Minutoli besuchte im Auftrage des Königs von Preussen die Oase im

folgenden Jahre, und erreichte, da er sich einer guten Aufnahme zu

erfreuen hatte, die besten Resultate, seine Ansichten von Agermi und Siuah

sind noch heute so ähnlich, als ob die beiden Oerter sich gar nicht

verändert hätten. Minutolis Begleiter, Ehrenberg Hemprich u.a. fanden

aber, da der General inzwischen zurückgekehrt war, so schlechte Aufnahme

bei den Einwohnern, dass sie nichts ausrichten konnten. Erst 1847 wurde

die Jupiter Ammons-Oase dem Publikum wieder ins Gedächtniss gerufen durch

die Reise des Engländers Bayle St. John von Aegypten aus, der mit einigen

Gefährten die Oase besuchte, aber auch mit grossen Widerwärtigkeiten zu

kämpfen hatte, hervorgerufen durch den glühenden Hass und Fanatismus der

Eingebornen gegen jeden Europäer. Hamilton endlich war es 1853 vorbehalten

den grossen Tempel des Jupiter Ammon zu entdecken, obwohl er in demselben

nur die Königsburg zu erkennen glaubte. Obgleich im Anfange mit Kugeln

empfangen und lange Zeit gefangen, konnte er nachher unter dem Schutze

ägyptischer Soldaten frei umhergehen, und alles Interessante untersuchen.

Seit seiner Zeit ist den Europäern die Oase geöffnet; denn durch eine

Extracontribution, durch Soldateneinquartierung, und durch die Bestellung

eines Mudirs, wurde der Trotz der Eingebornen gebrochen. Und wenn Hamilton

fühlte und sagte, dass seine Leiden und Entbehrungen zukünftigen Reisenden

die Thore von Siuah öffnen würden, so hatte er vollkommen Recht, nicht nur

ist er der Wiederentdecker des grossen Tempels des Jupiter Ammon, sondern

auch der Schlüssel zur Oase für die späteren Reisenden gewesen.

Die Lage des Ortes Siuah bestimmte Browne zu 29° 12' und einigen Sekunden

nördl. Br., die Länge zu 24° 54' östl. v. Gr. Cailliaud giebt dieselbe zu

29° 12' 20" nördl. Br. und 23° 46' östl. L. v. P. an. Auf der

Petermann'schen zehnblättrigen Karte finden wir gleiche Maasse, ebenso auf

der Karte, welche der Partheyschen Abhandlung über die Jupiter Ammons-Oase

beigegeben ist. Ehrenberg auf seiner Karte verlegt es 29° 30' nördl. Br.

und circa 26° 15' östl. L. v. G. Gruoc bestimmt die Breite des Umma

beida-Tempels 29° 9' 52" nördl. Br., Pacho auf seiner seinem Werke

Cyrenaique etc. beigegebenen Karte hat 29° 12' und einige Sekunden n. Br.

und circa 23° 50' östl. L. v. P. Auf der Minutolis Atlas beigegebenen

Karte finden wir gleiche Lage, wie bei Cailliaud angegeben, Kiepert

endlich hat 29° und einige Minuten nördl. Br. und circa 43° 50' östl. L.

F.[36] Da alle diese und noch viele andere nur auf die Bestimmungen von

Browne und Cailliaud fussen, die Petermann-Hassensteinsche[37] Karte aber

diese Lage durch Itinerare unterstützt, so müssen wir, bis anderweitige

Messungen ein anderes Resultat ergeben sollten, uns an diese halten. Alle

weichen ja auch nur wenig von einander ab. Was die Höhe des Ortes

betrifft, so haben darüber die Alten schon Andeutungen gegeben.

Aristoteles sagt mit klaren Worten, dass die Oase des Jupiter Ammon tiefer

gelegen sei als Unterägypten, andere Schriftsteller, wie Eratosthenes von

Cyrene und Strabo, erkennen, dass die ganze Gegend von Jupiter Ammon unter

dem Meere gewesen sein müsse. Erst in der Neuzeit fand Angelot, ein

französischer Geolog, aus dem von Cailliaud beobachteten hohen

Barometerstand, dass die Oase circa 33 Meter tiefer als das

mittelländische Meer liege. Meine eigenen, auf 23 zu verschiedenen

Tageszeiten angestellten Barometerbeobachtungen fussenden Messungen

ergeben für Siuah eine mittlere Tiefe von 52 Meter.

Die Oase gehört also zu der grossen nordafrikanischen Einsenkung, welche

sich ohne Unterbrechung von der grossen Syrte bis nach Aegypten hinzieht.

Die Grösse der Oase variirt sehr, so dass man, wenn man nicht verschiedene

Gesichtspunkte berücksichtigt, auf die grössten Widersprüche zu stossen

glaubt. Schon im Alterthum herrschte darüber Verwirrung. Browne giebt die

Länge der Oase auf sechs engl. Meilen (2½ St.), die Breite auf 4½ bis 5

engl. Meilen (circa 2 St.) an. Minutoli rechnet die Länge des fruchtbaren

Terrains auf über 2 deutsche Meilen, die Breite beträgt nach ihm nie über

½ Meile. St. John giebt dem fruchtbaren Lande eine Länge von 5 engl.

Meilen, eine Breite von 3-4 Meilen. Das ganze Oasenthal von Muley Yus bis

Edras Amelal ist nach ihm 15 bis 17 engl. Meilen lang. Die Sache liegt

einfach so, dass wir annähernd genau die Länge der Oase bestimmen, aber

die Breite ohne wirkliche Messung nicht einmal schätzen können. Diese ist

nämlich, was das fruchtbare Terrain anbetrifft, wie in allen

langgestreckten Oasen so verschieden, oft nur einige Schritte breit, oft

zwei Kilometer, dass, wollte man eine durchschnittliche Breite angeben,

man sich ein ganz falsches Bild von der Oase machen würde. Dazu kommt

noch, dass man zur Oase ebenso gut den ersten Anfang von Vegetation,

welcher schon beim Brunnen Tarfaya beginnt, und weit im Osten von Siuah

als Hattieh sich fortsetzt, rechnen kann, oder nur eine engere Oase

annehmen, welche im Westen bei Maragi anfängt und im Osten bei Muley Yus

endet. Letztere hat eine Längenausdehnung von circa 4 deutschen Meilen,

derart, dass die Richtung von Maragi bis Siuah fast von N.-W. nach S.-O.,

die von Siuah nach Muley Yus von S.-W. nach N.-O. streicht. Von

zahlreichen Sebcha und Hattieh unterbrochen, finden sich hier die

Palmengärten, von denen indess keiner in der Breitenrichtung mehr als 2

Kilometer Ausdehnung hat.

Am Südrande des steilabfallenden, aus Kalkstein bestehenden sogenannten

libyschen Küstenplateau gelegen, ist die Oase im Süden von nicht hohen

Sanddünen begrenzt. In der Oase selbst liegen mehrere steile Felsen, von

denen der Amelal und Djari in W. z. N. R. von Siuah, und davon zwei

Stunden entfernt, als zwei grosse senkrechte Zeugen bei einer Höhe von

circa 100 Meter die bedeutendsten sind. Der Dj. Muta, 1 Kilometer nördlich

von Siuah, dieser Ort selbst, Agermi, endlich Dj. Hammed ½ Stunde S. z. W.

vom Hauptorte, und der fünfköpfige Dj. Brick eine Stunde südöstlich von

Siuah, sind andere derartige Zeugen.

Das Terrain, ursprünglich salzig und sebchaartig, ist durch die

zahlreichen süssen Quellen, von denen es in der Oase über 30 giebt[38], in

dem Bereiche dieser Quellen culturfähig geworden. Die berühmteste von

allen, aber nicht mehr die ergiebigste (diese ist in Chamisa, auch die

Mosesquelle ist stärker), ist Ain hammam, Taubenquelle, welche wir noch

heute nach alten Ueberlieferungen die Sonnenquelle nennen. Sie hat

ungefähr 110 Schritte im Umfange[39], am Grunde bemerkt man Mauerwerk. Sie

besitzt nur einen Hauptabfluss, der sich hernach in verschiedene Arme und

nach verschiedenen Richtungen zerspaltet. Nach Diodor hatte der

Sonnenquell seinen Namen daher, weil die Temperatur des Wassers in

umgekehrtem Verhältnisse zur Sonnenwärme stand; nach den Aussagen der

wissenschaftlichen Begleiter Alexanders, war der Sonnenquell Mittags kalt,

Mitternachts heiss, und Morgens und Abends lau. Wenn so die Alten, ihre

Beobachtungen auf das blosse Gefühl beim Eintauchen in das Wasser

stützend, allgemein die abwechselnde Temperatur als eine ausgemachte

Thatsache annahmen, und die wunderlichsten Erklärungen darüber gaben, so

ist es zu verwundern, dass sowohl Minutoli als auch Gruoc noch an eine

allen physikalischen Gesetzen widersprechende variirende Temperatur

glauben konnten. Bayle St. John und Hamilton, die übrigens nur einmal

Gelegenheit fanden, bei Tageszeit ihr Thermometer in den Sonnenquell zu

tauchen, fanden ersterer 84° F., letzterer 85° F. Meine zu allen

Tageszeiten und Nachts gemachten Beobachtungen ergaben unveränderlich 29°

C.[40], nur einmal um 2 Uhr Nachmittags bemerkte ich eine Erhöhung um

0,5°, was sehr wohl auf die hohe Lufttemperatur um die Zeit geschoben

werden kann. Meine Beobachtungen stimmen also mit denen der beiden

Engländer sehr gut. Bei allen andern Quellen, namentlich bei Ain mussa und

Ain ben Lif, welche einer öfteren Untersuchung unterzogen wurden, bemerkte

ich gleichen Wärmegrad. Den Eingebornen selbst ist über eine wechselnde

Temperatur der Quellen nichts bekannt, wohl aber schreiben sie einigen

Quellen, namentlich der Ain Hendeli gewisse Heilkräfte zu. Obgleich,

namentlich wenn man das Salzwasser in der Wüste gewohnt geworden ist, von

angenehmem Geschmack, ist das Wasser der Quellen salziger als das unserer

Flüsse. St. John, welcher Wasser aus dem Sonnenquell mitbrachte, und

untersuchen liess durch Price, fand die Dichtigkeit des Wassers zu

1,0015[41], die der Themse zu 1,0003. In 100 Theilen enthielt das

Sonnenquellwasser 0,23950 (das Themsewasser enthält 0,032932) solide

Theile, und davon waren gemeines Salz 0,1615. Es ist kein Grund vorhanden,

dass die andern Quellen anders zusammengesetzt sein sollten, denn alle

dringen wohl aus einer und derselben unterirdischen Süsswasserschicht,

hervorgepresst durch den Druck vom libyschen Wüstenplateau. Alle zeigen

auch dieselbe Erscheinung des Blasenaufsteigens, als ob das Wasser siede,

und haben in dieser Beziehung die grösste Aehnlichkeit mit dem Quell in

Rhadames.

Die meisten grösseren Quellen haben eine künstliche, runde

Quadereinfassung, bei vielen gut erhalten. Namentlich sind die Ain Mussa

und Ain ben Lif noch heute mit so gut erhaltenen in Kreis gelegten Quadern

und Kalk umgeben, dass man glauben sollte, dass diese Bauten, welche

mindestens 2000 Jahre alt sind, gestern wären angefertigt worden. Von

Siuah aus liegt der Sonnenquell eine kleine Stunde östlich, Ain Mussa eine

halbe Stunde nordöstlich, Ain ben Lif, gleich südwestlich vom Orte selbst,

und Ain Hendeli am nordwestlichen Fusse des Dj. Brick.

Das Klima würde in der Oase des Jupiter Ammon gewiss ein sehr gesundes

sein, wie überall in der Wüste Sahara, wenn nicht die vielen Sümpfe und

Sebcha, die Vermischung von Süss- und Salzwasser, die darin faulenden

organischen Stoffe, namentlich im Spätsommer, die schlimmsten Fieber

hervorriefen. Freilich behaupten die Eingebornen dagegen unempfindlich zu

sein, und glauben nur für Fremde sei jene Jahreszeit gefährlich, die

grosse in Siuah herrschende Sterblichkeit aber, das ungesunde, fahle

Aussehen der Kinder, beweisen zu Genüge das Gegentheil. Man wird nicht

irren, wenn man die mittlere Temperatur in Siuah zu 25° C. und vielleicht

noch einige Grade höher annimmt. Die tiefe Lage des Ortes, der Schutz, den

das Plateau gegen Nordwinde gewährt, lassen eine höhere Temperatur als an

andern Orten gleicher Breite leicht erklärlich finden. Der Himmel ist fast

immer rein, nur Morgens kommen manchmal Nebel vom Mittelländischen Meere,

Regen sind aber hier ebenso ausnahmsweise wie in allen andern Theilen der

grossen Wüste.

Mit reichster Vegetation da bedeckt, wo die Süsswasserquellen[42] sind,

ist die Hauptpflanze die Dattelpalme, wie in allen Oasen der Sahara, und

auch an verschiedenen Sorten fehlt es nicht. Vor allen als vorzüglich

werden die Sorten Sultani und Rhaselli gepriesen, und bilden selbst einen

grossen Ausfuhrartikel nach Aegypten. Die Zahl der Dattelpalmen beträgt

über 300,000, obschon die officielle Zählung bedeutend weniger angiebt.

Das geht schon daraus hervor, dass in guten Jahren nach Minutoli bis an

9000 Kameelladungen, zu je 3 Ctr., gewonnen werden. An andern Bäumen ist

vor allen der Oelbaum bemerkenswerth, der hier in ungesehener Pracht und

Frische gedeiht. Doch werden die Palmen sowohl, als auch die andern

Obstbäume von Zeit zu Zeit mit Agol gedüngt, welches, zu dicken Bündeln

zusammengepresst, an die Wurzeln der Bäume gelegt wird. Nur in Chamisa

gedeihen Orangen und Limonen, aber überall gleich üppig die Weinreben,

Granaten, Aprikosen, Pfirsiche, Pflaumen und Aepfel (die Aepfel sind

jedoch verkrüppelter Art). Was von den Alten noch an Bäumen erwähnt wird,

als Cyperus-Arten, der Baum Elate und andere, wohlriechendes Harz gebende

Bäume, so kommen dieselben heute in der Oase und der Umgegend nicht vor,

und werden auch wohl trotz der guten Autoren des Alterthums früher nicht

vorhanden gewesen sein, weil die klimatischen Verhältnisse ihr Wachsthum

nicht zuliessen. An Gemüsen wird ganz dasselbe gezogen, wie in Audjila,

aber obgleich hier culturfähiges Land genug vorhanden ist, und die

Bewässerung sich fast ganz von selbst macht, so reicht der Ertrag des

Getreides lange nicht für den Consum der Bewohner hin, und wie in allen

Oasen bildet auch hier die Dattel das Eintauschmittel. Die Bestellung der

Gärten ist natürlich lange nicht mit so grossen Schwierigkeiten verknüpft,

wie in den Oasen, wo durch das Heraufziehen des Wassers aus Brunnen das

Land bewässert werden muss, ausserdem ist das Wasser der zahlreichen

Quellen so reichlich, dass auch nicht auf eine karge Abmessung der Zeit,

wie beim Quell von Rhadames oder bei den Fogorat in Tuat gesehen zu werden

braucht. In der Jupiter Ammon-Oase ist das Wasser verhältnissmässig so

reichlich, wie in Tafilet und Ued Draa, kleine Bäche ergiessen sich nach

verschiedenen Richtungen aus den Quellen, und werden dann nach Bedürfniss

in die Gärten geleitet.

Das Thierreich ist ebenso spärlich, wie in den Audjila-Oasen, Schafe und

Ziegen werden von den nördlich nomadisirenden Arabern eingeführt, Esel aus

Aegypten, einige Kühe werden draussen in den nordöstlichen Hattien

gehalten, da eine gefährliche Bremse, welche sich in der ganzen

nordafrikanischen Niederung aufhält, den Thieren schädlich ist. Aus dem

Grunde halten auch die Siuahner keine Kameele, obschon die Agolweiden in

der Oase ausgezeichnetes Futter dafür abgeben. Diese Fliege, welche auch

in ganz Centralafrika vorkommt, ist grau von Farbe, von der Grösse einer

Honigbiene, und quält Menschen und Thiere gleichviel; der Stich erzeugt

auf der Stelle Blutung, aber keine Anschwellung; sie ist jedoch nicht zu

verwechseln mit der viel gefährlicheren Zetse-Fliege, welche so weit nach

Norden zu nicht vorkömmt. Gross ist die Zahl der kleinen wilden

Waldtauben, welche sich in den Oelbäumen und Palmen herumtummeln, und da

diese besonders dicht beim Sonnenquell stehen, und so den Tauben

willkommenen Schutz und Schatten bieten, haben die Eingebornen den Quell

mit dem arabischen Namen "Ain el hammam" Taubenquell, belegt.

Als sonstiges Naturproduct haben wir nur noch des Salzes zu erwähnen,

welches aus den Sebcha gewonnen wird. Im Winter sickert aus diesen sehr

salzhaltiges Wasser auf die Oberfläche, und nach erfolgter Verdunstung

bleibt im Sommer eine Salzkruste zurück, die an manchen Stellen die Dicke

von mehreren Zoll erreicht. Das Salz krystallisirt in oft mehrere

fingerdicke und fingerlange Stücke von schönster weisser Farbe zusammen.

Das von mir mitgebrachte von Baeyer in Berlin untersuchte Salz aus der

Ammons-Oase enthält 59,26 Proc. Chlor (reines Kochsalz enthält 60,66

Proc.) hat also ungefähr 97,5 Proc. Kochsalz. Ausserdem fanden sich Spuren

von Magnesia und geringe im Wasser unlösliche Substanzen vor. Das im

Alterthum auch schon in der Medicin bekannte sal ammoniacum ist nicht mit

diesem zu verwechseln, dies wurde künstlich durch Destillation aus

Kameelmist gewonnen, während jenes ein Naturproduct der Oase des Jupiter

Ammon ist.

Was das Volk anbetrifft, welches diese Wüsteninsel bewohnte und bewohnt,

so finden wir nur bei Herodot die Nachricht, dass es ein Mischlingsvolk

aus Aegyptern und Aethiopiern, und auch seine Sprache eine

zusammengesetzte sei. Wenn dies nun zur Zeit Herodots der Fall war, so

änderte sich das wahrscheinlich im Laufe der Zeiten. Der fanatische Islam

hatte wahrscheinlich alle Einwohner dahin gerafft. Im 12. Jahrhundert,

sagt Edrisi, existirten in den kleinen Oasen gar keine Einwohner, aber

Siuah schildert er mit Mohammedanern bevölkert. Makrisi führt Santaria

oder Siuah mit bloss 600 berberischen Einwohnern an. Und wenn wir heute

die Einwohner classificiren sollen, so müssten wir sie ohne Zweifel dem

grossen Berberstamm beizählen, welcher sich in der Wüste am reinsten in

den Tuareg und in Nordafrika, am unvermischtesten am Nordabhange des

grossen Atlas, im Rif und im Djurdjura-Gebirge erhalten hat. Die Sprache

der Siuahner ist nichts als ein Dialect des Tamasirht, und ohne Mühe macht

sich ein Targi, ein Rhadamser oder ein Atlasbewohner mit den heutigen

Söhnen des Jupiter Ammon verständlich[43]. Freilich fehlt den Bewohnern

Siuahs jene männliche, fast griechische Schönheit der Tuareg und

Atlasbewohner, auch ist ihre Farbe viel dunkler, ohne indess negerartig zu

sein. Dies hat aber lediglich seinen Grund in der starken Vermischung mit

Negerblut, wovon sich Tuareg und Atlasbewohner enthalten. Aber alle andern

Berber in der Wüste, welche in Häusern wohnen, theilen dies mit den

Siuahnern in gleichem Maasse: die Uadjili, Soknaui, Rhadamsi, Tuati,

Filali und Draui sind durch ihre starke Vermischung mit Negern hässlich

geworden. Während meiner Anwesenheit in Siuah sah ich mit Ausnahme des

jungen Schich Hammed, des Bruders Schich Omars, keinen einzigen Mann, von

dem man auch nur hätte sagen können, dass er hübsch gewesen wäre, von

schön nicht zu reden. Hervorstehende Backenknochen, wulstige Lippen,

breite Nase, fast ebenso viele mit lockigen, wie mit schlichten Haaren,

schwarze stechende Augen, gebräunte Hautfarbe bei fast magerem Körperbau,

das ist das Bild eines heutigen Siuahner. Aber ihre Sprache ist

unvermischt die Berbersprache, soweit nicht der Islam und einige andere

Umstände sie gezwungen haben, arabische Wörter aufzunehmen, wie das ja

auch alle andern Berbervölker, die den Koran angenommen, gethan haben.

Von Tripolis nach Alexandrien - 2. Band · 第 6 / 10 段