Heftigkeit zu wehen anfing, wie ich ihn in der Sahara noch nie erlebt
hatte. In Einem Augenblicke war die Sonne unseren Blicken entzogen und wir
Alle von einem feinen Staube, der heiss die Haut berührte, umflossen. Es
war der 17. April Nachmittags, und dieser Gluth-Orkan hielt bis zum 20.
incl. an, immer mit gleicher Heftigkeit. Allerdings war die Hitze nicht
sehr gross, da überdies die heisse Jahreszeit noch fern war (höchster
Wärmepunkt am 19. April Nachmittags 3 Uhr: 33°), auch zeigte das Barometer
keinen bedeutend niedrigen Stand, aber dafür war der Feuchtigkeitsgehalt
der Luft durch den alles austrocknenden Wind dermassen gering geworden,
dass man behaupten konnte, in absolut trockner Luft zu sein. Das
Hygrometer fiel am 19. und 20. April Nachmittags auf 2° (unter normalen
Verhältnissen hatte es um diese Zeit in dieser Sahararegion circa 25°, am
Rande des Meeres 60 bis 70°).
Um uns in dieser Feueratmosphäre zu erhalten, hatten wir bei vollkommener
Unthätigkeit das Bedürfniss, circa 12 Liter Wasser innerhalb 24 Stunden zu
trinken, der Körper bedurfte also einer wässrigen Zufuhr, welche gleich
ist dem gewöhnlichen Blutquantum des Menschen. Ich verstand es nun leicht,
wie es möglich sein kann, dass _zu Fusse reisende_ Menschen in der Sahara,
während eines solchen Samumwindes, innerhalb eines halben Tages bei
Wassermangel verdursten können. Die Trockenheit ist nämlich so gross, dass
die ganze Feuchtigkeit des Menschen verdunstet: sie _muss_ fortwährend,
will der Mensch nicht an Austrocknung sterben, durch Wasserzufuhr ersetzt
werden. Die Verdunstung erfolgt nur durch die Haut und unmerklich. Hieraus
erklärt sich denn auch, weshalb die _trockne_ Wüstenhitze für den Menschen
weit leichter zu ertragen ist, als feuchte Wärme. Durch das beständige
Verdunsten auf der Oberfläche der Haut, unterstützt durch Bewegung der
Luft wird Kälte erzeugt, Schweissbildung findet nicht statt. In feuchter
Luft findet keine Hautausdünstung statt, man schwitzt unerträglich und man
glaubt fortwährend in einem Dampfbade zu sein.
Die Absonderung der Nieren ist bei einem Samum fast ganz aufgehoben, da
eben die Thätigkeit der Haut diese gewissermaassen ersetzt. Zum Glück für
uns befanden wir uns während dieses schrecklichen Gebli (Wüstenausdruck
für Samum) in der Nähe der Wasserlöcher; aber einer der Neger war immer
beschäftigt, mit den Händen den hineintreibenden Sand hinauszuwerfen, und
Morgens waren die Löcher immer dem Erdboden gleich durch Sand zugetrieben.
Die Dürre war am dritten Tage so gross, dass eine Menge Gegenstände von
selbst barsten, ein Elfenbein-Doppelglas sprang auseinander, ein Spiegel
durch das dahinter liegende Holz gezwungen, sprang entzwei, alle Uhren,
sei es nun, dass Staub hineingedrungen war, oder dass die Räderchen sich
lockerten, standen still. Die innersten Gemächer der Koffer waren von
feinem Staube durchdrungen, und alle Essvorräthe wurden während dieser
Zeit so mit Sand und Schmutz untermischt, als ob man sie absichtlich darin
herumgezogen hätte.
An Reinmachen, Waschen des Körpers oder an Kochen war natürlich während
dieser Zeit nicht zu denken. Ich verzichtete ebenfalls darauf, mein Bett
oder meine Decken ausstäuben zu lassen, denn kaum war dies geschehen, als
unmittelbar nachher Sand und Staub von neuem eindrangen. Wir waren zu
vollkommener Unthätigkeit verdammt.
Am 20. April sprang der Wind nach N.-W. um, wehte aber den ganzen Tag über
mit gleicher orkanartiger Heftigkeit, erst am Abend sahen wir, nachdem wir
drei volle Tage in einer Sandwolke gelebt hatten, den Himmel wieder.
Aber jetzt, wo wir wieder sehen konnten, wurden wir erst eines anderen
Unfalls gewahr: mein Reitkameel war entlaufen. Wie es Sitte ist bei einem
solchen Samum, hatten wir gleich beim Beginn des Sturmes die Kameele
niederknieen gemacht und die Vorderfüsse, um das Aufstehen zu verhindern,
durch Stricke zusammengeschnürt. Wahrscheinlich waren diese nicht mehr gut
gewesen, das Kameel hatte sie zerrissen und natürlich das Weite gesucht.
Obgleich wenig Hoffnung vorhanden war, das Kameel wieder einzufangen,
welches natürlich in der Richtung des Windes gegangen sein musste, so
brach am anderen Tage der Führer auf, um in Djalo, Audjila und Leschkerreh
Erkundigungen einzuziehen. Da hiermit mehrere Tage hingingen, so wurde
Ali, einer der Neger, zurückgeschickt, um noch mehr Datteln und Mehl zu
kaufen, und um einen anderen Führer zu miethen, da es sich immer mehr
herausstellte, dass der in Bengasi engagirte nicht wegtüchtig sei. Wir
hatten von hier an eine der wasserlosesten Wüstenstrecke zu durchziehen,
welche wegen der Rhartdünen, wo der Wind den Bergen bald diese Form, bald
jene giebt, der tüchtigste Führer nothwendig war. Nachdem ein solcher, der
von den Schichs der Oase war empfohlen worden, gefunden, dann alle
Haverien ausgebessert waren, traten wir am 25. April unsere Weiterreise
an[24].
Wir marschirten am selben Tage nur 3½ Stunde weit in 50° Richtung. Gerade
während unseres Aufbruchs traf eine Karawane von der Ammons-Oase ein,
welche den fürchterlichen Sturm am Tarfaya-Brunnen überstanden hatte, aber
wenig glücklicher als wir, da dieser ein sehr bitteres Wasser hat. Wir
lagerten Abends an einer niedrigen Hügelkette Gor Msúan genannt.
Der darauf folgende Tag zeichnete sich durch Nichts aus, die Richtung
blieb dieselbe; aber ein vierstündiger Marsch brachte uns dann mittelst
des Fum er Rhart in die eigentliche Dünen-Region. Dieses Sandmeer ist nach
Süden zu vollkommen unbekannt, nach Norden erstreckt es sich circa einen
Tagemarsch weit. Die Sandberge erreichen eine Höhe von 100-150' sind aber
nicht ganz ohne alle Vegetation, so hat man namentlich viel Had und
Mischab. Ueberall stösst man aber auch hier auf Gerippe von Menschen und
Thieren, und namentlich zeigte uns unser neuer Führer, mit dem wir sehr
gut zufrieden waren, einen Platz, auf dem 40 Menschengerippe, von vielen
anderen Thierknochen untermischt, lagen; eine Karawane, die durch die
Unkenntniss unseres eben entlassenen Dieners Hammed, während eines Samum
verirrt und verschmachtet war. Er allein, Hammed, hatte die Kraft gehabt
von hier Uadi zu erreichen. Auch am 27. April waren wir immer noch mit dem
Durchwaten der Rhart-Dünen beschäftigt, die denselben Charakter behielten,
manchmal aber eigenthümliche kraterartige Vertiefung zeigten[25]. Wir
lagerten Abends in der Gerdobia und stiessen hier wieder auf eine von der
Jupiter-Ammons-Oase kommenden Karawane. Diese gab uns nun zuerst die
Nachricht, dass man dort von der Ankunft eines Christen unterrichtet sei,
die ganze Oase sei in Aufregung gewesen, als von Kairo ein Bote mit einem
viceköniglichen Briefe eingetroffen, woraus man ersehen, von Tripolis käme
ein Christ, um der Oase einen Besuch abzustatten.
Die Gerdobia ist übrigens durch Nichts von den Rhartdünen unterschieden,
nur verlässt man dieselben hier, da der Sand in gleicher Richtung von West
nach Ost weiter streicht, wir aber in nordöstlicher Linie ziehend, hier
das Ende des Sandmeeres erreicht hatten. So kamen wir denn auch am
folgenden Tage nach einem zweistündigen Marsche mittelst des Fum er Rhart
schirgi auf die Sserir Gerdoba. Von hier an hatten wir nun immer im Süden
von uns den Nordrand der Sanddünen, im Norden aber, sehr weit entfernt von
uns, den Südrand des sogenannten libyschen Wüstenplateaus. Die Gerdoba ist
eine Tiefebene, die ebenfalls unter dem Spiegel des Meeres, und mit
kleinen verwitterten, gebräunten Kalksteinchen überschüttet ist. Sie ist
ohne alle Vegetation und hat zahlreiche _Zeugen_. Diese Ebene zeichnet
sich übrigens gleichfalls, wie die eben passirten Rhart-Dünen durch
Brunnenlosigkeit aus, und so wie die Sandgegend, ist dieser feste Boden
mit Gebeinen von Todten übersäet. So passirten wir am 29. April, wo wir
ebenfalls immer östliche Richtung hielten, das Grab der 7. Modjabra und
etwas weiter eine Oertlichkeit, die einen Namen von 70 dort
verschmachteten Sklaven hatte.
Nach einem sechstägigen Marsche erreichten wir denn endlich einen Brunnen
bir Tarfaya. Aber welch ein Wasser! Der Geschmack desselben war ähnlich,
als ob man Glaubersalz und Bittersalz darin aufgelöst hätte, und die
Wirkung war eine nicht minder drastische. Aber was war zu thun, nach dem
sechstägigen Marsche war unser Wasservorrath vom Uadi auf, und vor der
Ammons-Oase war auf kein eigentliches Süsswasser zu rechnen. Wir schlugen
also Lager und suchten es uns so bequem wie möglich zu machen. Die Gegend
war aber äusserst trostlos, das Plateau zu fern, um irgendwie durch seine
steilabfallenden Ufer etwas Abwechslung zu bieten, und selbst die nahen
Sanddünen langweiliger anzusehen als sonst in ihrem ewigen Einerlei.
Mein guter Humor war aber bald wieder hergestellt, die Leute hatten noch
einen Schlauch entdeckt mit Wasser vom Uadi, und da sie freiwillig auf
dasselbe verzichteten, konnten wenigstens ich und mein deutscher Diener
noch für einige Zeit schwelgen. Der alte Staui und die übrigen Diener
fanden das Tarfaya-Wasser auch sehr wirksam, nahmen jedoch die Folgen
davon mit so fröhlicher Geduld auf, dass sie lachend erklärten, es wäre
jetzt viel bequemer für sie sans culottes zu gehen, da sie dann der Mühe
überhoben seien, fortwährend ihre Inexpressibles auszuziehen. Fortwährend
ohne Uhr, da sämmtliche Kinder Nürnbergs beim letzten Sandsturm unwohl
geworden waren, konnte ich die genaue Zeit nur nach einer Sonnenuhr
bemessen. Eine solche hatte ich aufgestellt und in meinem Zelte auf dem
Feldbette liegend, rief ich Bernhard (dem baierischen Gefährten): "Seien
Sie so gut und sehen Sie die Zeit ab."--Er kam dann nach einer Weile mit
der Uhr in der Hand: "Då schauns selber nåch, å Bieruhr kenn i schon, åber
då kenn i mich nit aus." Er war dann ob meines Lachens zuerst so verdutzt,
dass er gar nicht verstand, dass eine Sonnenuhr nur während des
Sonnenscheines zeigt. So hatten wir auch trotz der vielen Mühen und
Entbehrungen, welche die libysche Wüste mehr als jeder andere Theil der
Sahara im Gefolge hatte, manche heitere Augenblicke. Eine grosse
Annehmlichkeit war die Anwesenheit Bernhards, der, als ein gebildeter,
bescheidener Mensch, rasch die Eigenthümlichkeiten und Sitten unserer halb
rohen Diener erkannt hatte, und sich mit Leichtigkeit in alle Verhältnisse
zu schicken wusste.
Mit dem Brunnen Tarfaya hat die eigentliche Sahara nach Osten und Norden
ihr Ende, denn bis zum Orte Siuah, hat man von hier eine ununterbrochene
Hattieh und das im Norden sich hinziehende Plateau bietet wenigstens zur
Winterzeit guten Weideboden. Unmittelbar im Süden erstrecken sich die
Sanddünen, welche nur Fortsetzung der Rhart-Dünen sind. Rechnet man nun
den Brunnen Tarfaya als äusserste Grenze der ehemaligen Oase des
Jupiter-Ammon, so heben sich damit auch alle Widersprüche über Entfernung
vom alten Ammonium bis Audjila oder Fesan, und selbst die mancher neueren
Reisenden, welche die Grenzen Siuahs auf diese Art unbestimmt gelassen
haben. Von Tarfaya an stösst man aber auf menschliche Bauwerke, die sich
meistens als Gräber in die steile Felswand des Plateaus hineingearbeitet,
kennzeichnen. Es ist also wohl anzunehmen, dass im Alterthume auch diese
Partie schon bewohnt war.
Um den Brunnen selbst findet sich nur die Alanda-Staude, die zwar von den
Kameelen abgeweidet wird, aber deren sie doch bald überdrüssig werden, wie
immer einer Pflanze, wenn sie nur _einzeln_ vorhanden ist. Der Boden
selbst ist gypsig und kalkig. Ganz in der Nähe befindet sich ein
ausgedehntes Salzlager, Gart el milha genannt, wo ein Sebcha von einer
Salzkruste bedeckt ist, welche manchmal 3-4" Dicke hat. Es ist
wahrscheinlich von dieser Oertlichkeit, von wo im Alterthume das
hochberühmte ammonische Salz gewonnen wurde, welches die Priester des
Ammon-Tempels als besonders weiss und gut hochstehenden Persönlichkeiten
zum Geschenke machten, und womit sie nebenbei Handel trieben.
Verfolgt man nun weiter die Oase nach Osten[26], so kommt man unmittelbar
darauf in reichere Vegetation: Domrahn, Had, Alanda und später einzelne
Palmbüsche. Ebenso wird die Gegend reicher an Fossilien, Seesterne,
Pectineen, Ostreen bedecken manchmal den Boden so dicht, als ob man sie
absichtlich hergeschüttet hätte. Der Boden ist sehr abwechselnd, Sand,
Sebcha, Kalk, Kies wechselt mit einander, aber überall ist Vegetation. Man
erreicht dann die Oase Faradga, d.h. einen circa 4 Stunden langen, ½
Stunde breiten See, der südlich vom Plateau liegt. An und in diesem
Plateau hat Sidi Snussi seine berühmte Sauya gegründet, die den Namen
Sarabub erhalten hat. Heutzutage residirt als Chef dieser religiösen
Brüderschaft sein ältester Sohn, Sidi el Mahdi in Sarabub. Ich habe früher
an anderer Stelle Gelegenheit gehabt, über die Bedeutung dieses Ordens zu
sprechen, und brannte natürlich vor Begier den Chef selbst und namentlich
das Kloster, von dem wir, am Südende der Oase, an einer Oertlichkeit
Namens Hoëssa lagernd, nur circa 2 Stunden entfernt waren, kennen zu
lernen. Höchst wahrscheinlich hat Sidi Snussi zu seinem ersten Wohnsitze
alte Katakomben gewählt, wo ihm die geheimen unterirdischen Gänge zu
seinen Betrügereien gut zu Statten kamen. Wunder, wie man sie zur Zeit
Jesu Christi erzählte, passiren hier denn auch noch alle Tage, und werden
mit derselben Leichtgläubigkeit, und mit derselben Vergrösserung von den
heutigen Bewohnern colportirt. So lassen Sidi el Mahdi und vordem sein
Vater das Essen für die zahlreichen Verehrer und Pilger vom Himmel
herabsteigen, und obschon sich in der Umgegend von Sarabub keine Aecker
und Felder befinden, sind die Speicher und Vorrathskammern immerwährend
gefüllt. So trinkt Sidi el Mahdi das schönste Süsswasser, obwohl der
Faradga-See vor der Thür der Sauya gelegen, vollkommen untrinkbares Wasser
hat. Blinde, Lahme werden täglich geheilt, ja nach den Aussagen der
frommen Verehrer Snussis sollen auch zahlreiche ehemalige Christen, jetzt
durchs allmächtige Gebet des Snussi zum Islam bekehrt, sich in der Sauya
aufhalten.
Ich war höchst traurig, dass mein Führer, der selbst zum Orden der Snussi
gehörte, sich weigerte mich zu begleiten, und allein, ich gestehe es
offen, wagte ich in dies Wespennest von semitischer Unduldsamkeit nicht
einzudringen. So lagerten wir traurig beim Sebcha Hoëssa, freilich im
Schatten von hohen Palmbüschen, aber die Wasserlöcher, die wir gruben,
gaben zwar bei 1½' ein reichliches klares Wasser, aber so bitter, dass wir
es kaum zum Kochen unseres Abendessens benutzen konnten. Wie anders,
dachte ich dann, unter den Palmen liegend, war es einst hier, wo die
Gesittung der Aegypter, der Griechen und Römer herrschte. Wo man
Religionskriege nicht kannte, und anders Denkende höchstens mit dem Namen
"Barbaren" belegte. Zu meiner Beschämung musste ich dann aber gestehen,
dass von den drei semitischen Religionen, die durch ihre Unduldsamkeit,
durch ihren Glaubenseifer soviel Unheil und soviel Blutvergiessen über die
Menschheit gebracht haben, ich meine das Judenthum, Christenthum und der
Mohamedanismus, gerade das Christenthum sich am meisten durch Fanatismus
und Hass gegen anders Denkende ausgezeichnet hat. Wer vermöchte alle die
Opfer zu zählen, welche die christliche Liebe zur Ehre Gottes bei
Katholiken und Protestanten schon gefordert hat, und wenn heutzutage auch
nicht mehr gefoltert, verbrannt und gesiedet wird, wer zählt die
moralischen Opfer, welche unsere Religion der Liebe und Duldsamkeit noch
täglich fordert.
Ich stand also ab nach Sarabub zu pilgern, aber wie leid that es mir, als
ich später von den Freunden Sidi el Mahdi's in Siuah erfuhr, er würde es
hoch aufgenommen haben, falls ich zu ihm gekommen wäre, auf alle Fälle
würde ich nichts zu fürchten gehabt haben. Es scheint also fast, dass der
Fanatismus der Snussi abgenommen hat, wie denn auch die Chuan Snussis in
der Ammons-Oase mich recht freundlich aufnahmen.
Man hat nun weiterreisend[27], eine Reihe von Seen zur Seite, die sich
alle durch ihr tiefblaues Wasser, welches äusserst salzig ist,
auszeichnen. Der bedeutendste davon ist der el Araschieh mit einer Insel
in der Mitte. Da nirgends Boote vorhanden sind, überdies der den See
umgebende Boden Sebchabildung hat, so hat Niemand bis jetzt diese kleine
Felsinsel erreichen können. Dafür ist sie natürlich für die Bewohner
Siuahs der Aufenthaltsort von Djenun (Geistern), die hier eins der
Schwerter Mohammeds bewachen. Bei Gaigab stösst man auf die ersten
Palmenwälder, deren Früchte von den Bewohnern Siuahs geerntet werden. Die
Gegend wird nun immer reicher und die überall in den Felswänden sich
befindenden Gräber zeugen von der ehemaligen starken Bevölkerung.
Von Gaigab geht der Weg nun ganz nach Süd-Süd-Ost um, man passirt
zahlreiche Engpässe und erreicht dann den Schiata-See. Alle diese Seen
sind ohne Fische, weil das Wasser zu salzig ist, aber entbehren doch nicht
jeden Lebens. Eigenthümlich ist, dass die oft ins Wasser langenden hohen
Sanddünen nicht vermocht haben, sie mit Sand zu überschütten, und gewiss
ein guter Beweis, dass der Canal von Suez nichts von Versandung zu
fürchten hat, denn wie gering ist die Sandanhäufung längs des Canals im
Vergleich zu den hohen Dünen der libyschen Wüste. In dem
Tamariskengebüsch, im Schilfe des Sees waren zahlreiche fast zahme
Vögelchen, auch sahen wir hier die ersten Schwalben.
Die Gegend behielt denselben Charakter bis Maragi, wo wir auf die ersten
menschlichen Wohnungen und Gärten stiessen. Beim Maragi-See ist auch eine
Filiale der Snussi und eine sehr gute Süsswasserquelle, von der wir aber
als anders Gläubige am Abend, wo wir dort campirten, nicht profitiren
durften.
Am 6. Mai, dem letzten Tage unserer Reise zur Oase des Jupiter-Ammon,
brachen wir früh um 6 Uhr auf, wir hatten im Ganzen nur noch 6 Stunden.
Zahlreiche Leute, beladene Esel kamen uns entgegen, und als wir von weitem
den grünen Palmwald erblickten, wurde Halt gemacht.
* * * * *
Die Jupiter Ammons-Oase.
So waren wir denn in der eigentlichen Oase angekommen, und lagerten bei
den hohen Trümmern der Burg Masra[28]; der vierstündige Marsch hatte
Menschen und Thiere so ermattet, dass diese, welche überdies in den
letzten Tagen guten Weideboden gehabt hatten, sich ruhig zwischen die
Agolbüsche[29] legten, die Diener aber alle im Schatten des Thurmes
schliefen. Doch war die Hitze so gross, dass Alle von Schweiss trieften,
und die nackten Neger wie lackirt aussahen. Ich selbst hatte mein Zelt
derart schlagen lassen, dass es nur Schatten warf, der Luftzug aber
überall frei unten durchstreichen konnte. Obgleich wir vom Hauptorte Siuah
nur noch einige Stunden entfernt waren, und es hoch aus den Palmen östlich
von uns emporragen sahen, hatte ich es doch für nöthig gefunden, hier um
10 Uhr zu lagern, da das Thermometer um jene Zeit schon 30 Grad angab: wir
mussten gielen, wie die Araber sagen, d.h. die heisse Zeit vorüber gehen
lassen.
Aber immer noch unsicher, wie man mich im Hauptorte aufnehmen würde,
schickte ich den alten Staui gleich weiter, und diensteifrig wie er
jederzeit war, machte er sich auch gleich auf den Weg. Er hatte den
Auftrag meine Ankunft anzuzeigen, Einkäufe zu machen und um Quartier zu
bitten. Mit seiner Doppelflinte auf dem Rücken, sonst pflegte er sie nie
zu tragen aus Bequemlichkeit, die Schuhe in der Hand, um sie nicht
abzunutzen, ging er von dannen, und versprach dicht vor Siuah der Karawane
entgegen zu kommen. Der Führer deutete ihm noch genau den Weg an, was sehr
nothwendig war, da Staui bei Tag nur halb, bei Nacht aber fast gar nichts
sah; er wollte dies zwar nie zugeben, aber es war so auffällig, dass er es
manchmal eingestehen musste, er meinte dann zwar immer, es sei
ausnahmsweise auffallend dunkel.
Man hatte von diesem Punkte eine umfassende Aussicht, gerade östlich von
uns waren die merkwürdigen Berge Amelal und Djari, mit steilen senkrecht
aufsteigenden Wänden, weiterhin etwas zu Süden Siuah und in der Ferne
Agermi, ganz im Süden Agolweiden, welche allmählich mit Sebcha[30] und
Dünen verschwammen, und im Westen war endlose Wüste. Von dem Berge Amelal,
der eine Stunde von unserem Lagerplatze entfernt zu sein schien, thürmten
sich Dünen auf, sie schienen bis an seinen Fuss zu gehen. Da sie hoch
waren, beschloss ich sie zu ersteigen, denn die Hitze war im Zelte trotz
des Luftzuges so unerträglich geworden, dass es kaum in der Sonne
schlimmer sein konnte.
Gedacht, gethan! Ich rief meinem Landsmann, das Zelt zu hüten und zu
wachen, und ging gerade auf die Dünen los, von denen eine etwa eine
Viertelstunde breite Agolweide mich trennte. So rasch als es die Hitze
erlaubte, zog ich von dannen, hatte bald den Sand erreicht, und war nach
einigen Minuten oben. Aber welch überraschender Anblick bot sich mir: zu
meinen Füssen fielen die Dünen, die nur einen schmalen Kamm bildeten, fast
steil ab, und die lieblichsten Gärten, das saftigste Grün lag wie ein
kleines Paradies vor mir. Nicht etwa Palmen, von diesen war hier keine
einzige vorhanden, meist waren es Oelbäume, aber von solch wundervoll
frischem Grün, dass ich sie Anfangs für Myrten hielt. Murmelnde Bäche
zogen sich zwischen den Gärten hindurch, freilich nicht breit und
schnellfliessend, aber überall hin Segen spendend, und kräftig genug, um
auch im Hochsommer Alles frisch und ewig jung zu erhalten. Die Gärten der
Glückseligen! dachte ich, und vollkommen konnte ich mir das Entzücken der
Krieger Macedoniens mitdenken, als Alexander sie nach dem beschwerlichen
Wüstenmarsch zu diesen reizenden Gefilden führte. In Nordwest verloren
sich die Gärten in Agolweiden, im Osten waren Sebcha, dahinter Palmen,
ebenso im Südwesten. Am Fusse des Amelal war eine mit Salz bedeckte
Sebcha, wie eine Insel schien dieser merkwürdige Berg daraus
hervorzuragen.
Ich war unentschlossen, was ich thun sollte, nur von einem Diener
begleitet, der meine Doppelflinte trug, hatte ich ausserdem nur einen
Revolver bei mir, und konnte natürlich nicht wissen, wie mich die Besitzer
der Gärten, welche meiner Meinung nach zu Siuah gehören mussten, empfangen
würden. Aber altes Gemäuer, welches ich inmitten der Gärten aus dem
Gebüsch hervorlugen sah, entschied; ich ging rasch hinab, und köstlich
balsamische Lüfte, kühlender Schatten unter grossblättrigen Feigenbäumen,
waren mein erster Lohn. Ueber Gräben hinwegsetzend, in denen reichlich
klares Wasser rieselte, durch üppige Klee- und Kornfelder, alle natürlich
im Schatten der dichtlaubigen Feigen, Apricosen, Granaten und Oliven,
dahineilend, waren wir bald in der Nähe der Ruinen. Hier lag unter einem
Gerüste, welches zum Trocknen von Früchten diente, und nur aus vier
Pfählen und einem Strohdache bestand, im kühlen Schatten ein Mann,
offenbar der Besitzer des Gartens und der Ruine. "Allah iaunik, Gott helfe
Dir," rief ich ihm zu, absichtlich vermeidend ihm ein Ssalam zu geben, da
fanatische Mohammedaner von Christen nicht gerne ein Ssalam entgegen
nehmen. Diese Vorsicht wäre indess nicht nöthig gewesen. Mit einem "Allah
slemtik, grüss Dich Gott," war er auf den Beinen, und nachdem die
hergebrachten Begrüssungen nun endlich vorüber waren, und wir uns
gegenseitig wenigstens zehnmal versichert hatten, dass wir Gottlob beide
gesund wären, sagte er: "also Du bist der Christ oder dessen Diener, den
wir erwarten." Letzteres sollte offenbar eine Anspielung auf meine Tracht
sein, die allerdings sehr einfach war: leinene Hosen, Hemd, Hut und
Stiefeln. Und nach seinen und aller Leute in Siuah Begriffen, musste der
Christ, welcher ihnen durch Ismael Pascha so dringend war empfohlen
worden, ein furchtbar mächtiger und reicher Christ sein, also schöne
Kleider, schöne Zelte, schöne Pferde und viele Diener haben. Als ich ihm
sagte, ich sei es allerdings, schien er etwas enttäuscht zu sein. Ich
sagte ihm dann, dass mein Zelt, mein Diener und Kameele hinter den Dünen
wären, und als auf seine fernere Frage, ob die Kameele mein Eigenthum
wären, dies bejaht wurde, schien ich wieder in seiner Achtung zu steigen.