Vom Liva Bengasi abhängig, werden alle Oasen von einem Mudir regiert, der

seinen Sitz in Djalo hat, aber meist seine Zeit in Bengasi zubringt.

Während seiner Abwesenheit regiert jeder Stamm sich selbst, deren haben

wir in Audjila drei, in l'Areg vierzehn und in Lebba drei, Leschkerreh und

Batofl haben je einen, ebenso die kleinen Palmdörfer der Oasen. Pacho fand

bei seiner Anwesenheit in Djalo einen Franzosen als Bei und Herrscher der

ganzen Oase. Mit der französischen Expedition als Tambour nach Aegypten

gekommen, war er in türkische Gefangenschaft gerathen, hatte sich durch

einnehmendes Wesen und Tapferkeit bis zum Officier hinaufgeschwungen und

war schliesslich von Tripolis aus zum Bei der Oasen ernannt worden. Die

Bewohner von Djalo erinnerten sich in der That noch des Mamelucken,

welcher Pacho so viele Aufmerksamkeit erwiesen hatte.

Für die Gerechtigkeit ist ausserdem ein Kadi vorhanden, der seine Stelle

und Ernennung vom Gouverneur von Bengasi erkaufen muss; der Dienst in den

Djemmen wird von Tholba und Faki versehen, welche sich selbst durch

Frömmigkeit und Gelehrsamkeit die Thür zu diesen Plätzen öffnen. Der Orden

der Snussi hat gleichfalls in Djalo ein Kloster gestiftet, und den

Bemühungen der Brüder soll es gelungen sein den Leuten etwas mehr Moral

und Erziehung beizubringen, obgleich das allgemeine und starke Trinken

noch immer anhält, wie man aus den zahlreich angezapften Palmen ersehen

kann.

Es versteht sich von selbst, dass die Bewohner eine Steuer zahlen, und

zwar wird die Palme mit 2½ Piaster besteuert. Es mögen sicher über 200,000

Palmen insgesammt in den Oasen sein, mehr aber als 100,000 werden

officiell nicht besteuert. Dies macht also für das türkische Gouvernement

eine jährliche Einnahme von 250,000 Piaster oder 12,500 Mahbub, oder etwa

14,000 preussische Thaler. Djalo muss hievon bei weitem das Meiste zahlen,

obschon die Angabe Hamilton's, Audjila mit etwa 16,000 Dattelbäumen,

überdoppelt zu niedrig ist, und Djalo allein auch mehr als 100,000 Palmen

hat. Man denke aber nicht etwa, dass die nicht censirten Palmen nichts zu

bezahlen haben, gezählt sind sie alle, aber das Geld der nicht

eingetragenen wandert in die Tasche des Mudirs, der natürlich für seine

Stelle durch grosse Bakschisch danken muss. Andere Abgaben kommen nicht

vor, namentlich sind aus den Negerländern kommende Gegenstände, als Federn

und Elfenbein, hier keinem Zoll unterworfen, sondern erst in Bengasi oder

Aegypten. Die in der Oase circulirenden Münzsorten sind die von der

Türkei, doch ist natürlich auch hier der Maria Theresienthaler das

häufigste grosse Silbergeld.

Im übrigen leben die Bewohner sehr einfach. Gegen ihre ganz

ausgezeichneten Datteln, schon im Alterthum berühmt, tauschen sie sich das

ihnen noch nöthige Korn und Vieh ein, und in ihren Gärten ziehen sie

ausser Weizen, Gerste von ausgezeichneter Güte, Negerhirse, einige Gemüse,

als rothen Pfeffer, Zwiebeln, Knoblauch, Rüben, Bohnen, Carotten, Malochin

(Hibiscus esculentus), Auberginen (Solanum melongena), Tomaten, Kürbisse,

Melonen und Wassermelonen. An Früchten finden sich ausser den vielen

Dattelsorten, schlechte Pflaumen und verkrüppelte Aepfel, Aprikosen und

Pfirsiche. Von wildwachsenden Bäumen ist nur der Ethel (Tamarix

articulata) vorhanden.

Das Thierreich ist wie in allen Oasen schwach vertreten, drei oder vier

Pferde, kleine Esel, gar kein Rindvieh, eine Anzahl von Ziegen und Schafe

(Fettschwanz), einige wenige Hunde, ist alles, was an Säugethieren

vorhanden ist; an Federvieh sind Hühner zahlreich, Tauben wenige

vorhanden. Wild kommt gar nicht vor, wenn man Springratten, Ratten und

Mäuse nicht dahin zählen will. Von den Vögeln sind nur Raben, Schwalben,

kleine Waldtauben und Sperlinge vorhanden, Fische giebt es keine in der

Quelle, Frösche, Eidechsen, Skorpione, Mistkäfer sind in mässiger Zahl,

aber Milliardenweise die Fliegen vorhanden. Im Mineralreich verdient nur

das Salz eine Erwähnung, das, aus den Sebchas gewonnen, mehr als

hinreichend für den Bedarf der Bewohner ist.

Die Gartenzucht wird in Audjila sehr sorgfältig betrieben, und gewiss mit

grosser Mühe. In kleine Beete eingetheilt, welche von Dämmen

eingeschlossen sind, geschieht die Bewässerung durch Brunnen, bei denen

Sklaven oder Esel thätig sind, das Wasser Tag und Nacht herauszuziehen.

Diese kleinen Beete zu einem Garten vereinigt, sind dann von Palmhecken

eingefriedigt, welche zuweilen auch dazu dienen, die Sanddünen abzuhalten.

Es ist hier ein fortwährendes Ringen mit der Natur, jeder Fleck wird

benutzt, oft werden sogar die Dünen angegriffen, denn mit Wasser und etwas

Dünger gedeiht im Lande Alles, was die Bewohner ziehen wollen. Und das

geht das ganze Jahr durch: ist im März die Gerste und der Weizen

geschnitten, so wird gleich wieder gedüngt für Sommergemüse, und wenn

diese gegessen sind, kommen Bohnen, Rüben und Carotten an die Reihe. In

Djalo ist aber lange nicht solch sorgfältiger Gartenbau, theils liegt es

wohl daran, weil der Boden bedeutend ungünstiger ist, dann auch, weil die

Modjábra alle Kaufleute sind, Vermögen haben, mithin ihren Bedarf für Geld

leicht von Audjila beziehen können. In Leschkerreh ist gar kein Gartenbau,

hingegen sollen die Bewohner Batofls eben so rührig sein wie die Uadjili.

Die Oase Audjila, nach dem Hauptorte so benannt, welcher fast im Süden und

hart am Ostrande liegt, hat ausserdem noch die bewohnten Oerter, von

Norden nach Süden gerechnet folgenden Namens: Masús, Beldjú, Soáni

Schoáschna, Nekfósch, Nuâra, Duenéhm, Tin-Kersi, Abd-el Metal, Bu-Ssellim,

Fellri, alle diese Oerter liegen nördlich vom Orte Audjla, westlich davon

sind Ssellúfa, Tin-Gedért, Bir-Daim, südwestlich Duertállem und südlich

Bu-Attáf, Márabit und el-Chúschschan. Alle diese ebengenannten Oerter

bestehen aus Palmhütten, manchmal jedoch auch sind die Wände der Häuser

aus Stein und Thon. Kein einziges dieser Dörfer dürfte über 20 Familien

haben.

Wenn die Oase Audjila den Namen vom Hauptorte empfangen hat, so ist dies

bei Djalo nicht der Fall, es ist dies ein Name, der blos die ganze Oase

bezeichnet, ohne eine bestimmte Oertlichkeit darin. Die Hauptörter sind

hier l'Areg und Lebba, beide ungefähr von gleicher Grösse, in Lebba wird

die Uadjili-Sprache, in l'Areg arabisch gesprochen. Beide liegen dicht bei

einander in der Richtung von N.-W. nach S.-O. Von ihnen ausgerechnet

liegen im N.-W. Héri, Schürf, Um-es-Msihd, im N. Halláuin, Drb-el-Bil,

Lakoschía, Lafan, Hágeba, Hargús, Djémma, Schükoría, Lkúddea, Ssossomíat,

im W. Síada, _Mhérik_, _Rschada_, Lcharabísch, Lrharbi, Lsoéïat, im S.-W.

Rhoschiría, im S. Rmla, Lkeböl, im O. _Lebús_, Beráni, Ssafan und Hattía.

Nur die mit gesperrten Lettern gedruckten haben über zwanzig Familien. In

den andern beiden Oasen sind nur je ein Ort des gleichen Namens.

Die Sonne schien, als ich am andern Morgen erwachte, schon ins Zelt; mein

Diener hatte es leise aufgeschnallt, und auf einer Kiste, welche zugleich

als Tisch diente, fand ich bereits Kaffee und Milch, frisches Brod, Butter

und Gemüse, die wir seit Bengasi nicht mehr gehabt hatten. Meine Leute

sassen wartend in der Sonne, reparirten die Sättel, die Säcke, indess der

alte Mohammed Staui, dessen sich vielleicht Einige erinnern werden, welche

meinen Aufenthalt in Rhadames verfolgt haben, die Mehl- und Fettvorräthe

revidirte, und halb englisch, halb arabisch, halb italienisch meinem

deutschen Diener (einem Bayern), der zugleich alle anderen unter sich

hatte, auseinander zu setzen suchte, wir würden nächstens Bankerott

machen, wenn fortgefahren würde den Negern und Kameeltreibern alle Tage so

reichliche Portionen zu verabreichen. Der alte Staui war noch geiziger

geworden als er früher schon war, er hätte uns am liebsten mit unseren

Vorräthen Alle verhungern lassen, mich selbst nicht ausgenommen.

Langsam wurde geladen, langsam wurde aufgebrochen, und langsam zogen wir

dahin durch die schmucken Palmgärten, es war ein Spazierritt, denn wir

hatten nur etwa drei Stunden bis zum Orte Audjila selbst. Natürlich

erregten auch hier die sonderbaren Kisten, und dann hauptsächlich wir

beiden Deutschen in christlicher Tracht grosses Aufsehen; aber nur

freundliche Ssalamat wurden uns zu Theil, welche mein bayerischer Diener

immer ernst mit der Hand auf der Brust erwiederte. Es war fast 11 Uhr

geworden, als wir dicht bei Audjila waren, und ich dem Staui sagte

vorauszugehen, um dem Mudir, welcher von Djalo hierher gekommen war, meine

Ankunft anzuzeigen. Und als wir dann durch die engen Strassen, die gerade

breit genug waren für ein beladenes Kameel, dahinzogen, kam uns der Mudir

schon entgegen, begleitet von all seinen Beamten, Dienern und einem

grossen Tross Neugieriger. Ich war froh, dass er, als die nicht enden

wollenden Ssalamat vorüber waren, anfing in arabischer Sprache zu

sprechen, da sonst in der Regel die meisten türkischen Beamten nur ihre

eigene Sprache reden. Er führte uns dann nach dem Schlosse, welches wohl

aus dem Grunde nicht bewohnt wurde, weil es ganz baufällig, fast eine

vollkommene Ruine ist. Zudem hatte der Mudir seinen Wohnsitz nicht darin

aufgeschlagen, weil keine Harem-Vorrichtung darin ist. Dies Gebäude,

welches den pomphaften Namen Schloss führte, war früher, als Audjila noch

unabhängig war, von dem Bei der Oase bewohnt worden. Jetzt konnten wir mit

Noth aus all den vielen Zimmern eins herausfinden, welches überdacht war

und wo man ein Unterkommen sich schaffen konnte, natürlich mussten gleich

die Fensterlöcher und die Thür verstopft und behangen werden, zur Abwehr

gegen die unzähligen Fliegen, die aber nur durch vollkommene Dunkelheit zu

verscheuchen sind. Meine Leute campirten im Hofe selbst, da die übrigen

Zimmer Einsturz drohten, die meisten sogar ganz zusammengefallen waren.

Gegenüber vom Schloss befindet sich die Djemma, ein insofern interessantes

Bauwerk, als das ganze Dach aus kleinen Kuppeln besteht von 4-5 Fuss

Durchmesser auf 8-10 Fuss Höhe. Es ist dies die einzige Kirche im Orte,

denn die andern sind blos kleine Capellen, in denen Freitags kein Chotba

gelesen wird. Sonst hat Audjila nichts merkwürdiges, der Ort ist ohne

Mauern, aber die Häuser selbst bilden nach aussen eine Art Mauer, alle

Strassen sind gleich eng, Kaufläden giebt es keine, aber Nachmittags

findet immer eine Art von Dellöl oder Auction statt, wo man kaufen und

verkaufen kann. Die Bewohner im Orte betrugen sich sehr anständig, nur

belästigte uns sehr eine weibliche Marábta (Heilige), welche, in

tausenderlei Fetzen gehüllt, mit Federn geschmückt und mit Ringen und

Glasperlen behangen, das Haar lang herabhängend mit bunten Bändern darin,

sich für einen Abkömmling der Rumi (Christen) ausgab und bettelte. Da ich

anfangs ihr Kauderwälsch nicht verstand und im Glauben sie spotte auf uns

Christen, sie schon hinausschmeissen lassen wollte, baten die Bewohner des

Ortes, welche immer zahlreich versammelt waren und sich an ihrem obscönen

Tanzen und Schreien ergötzten, sie doch gewähren zu lassen, sie sei zwar

ein Christenkind, habe aber von einem heiligen Manne ein Kind bekommen und

sei dann besessen worden, ob von guten oder bösen Geistern, das wüssten

sie nicht, sie sei aber Marábta. Ueberdies sei sie ja eine weitläufige

Verwandte von mir. Die Marábta fing nun an auf die Mohammedaner zu

schimpfen, um sich bei uns in Gunst zu setzen, die Uádjili mussten das

ruhig mit anhören, es war eben eine Heilige für sie. Mit einigen kleinen

Geschenken für sie und ihr Kind brachten wir sie bald zum Hause hinaus, um

dieser widerlichen Scene ein Ende zu machen.

Ich blieb nur noch den folgenden Tag in Audjila, um neue Vorräthe zu

kaufen, da wir uns hier bis zur Jupiter Ammons-Oase verproviantiren

mussten. Meine Unterhandlungen, um nach Kufra zu kommen, hatten vollkommen

fehlgeschlagen, zwar wurden mir Kameele zu vermiethen angeboten, aber die

Hauptsache, ein Führer, war nirgends zu beschaffen. Mir blieb nun blos

noch die schwache Hoffnung, einen solchen in Djalo zu finden, aber auch

das erwies sich später als trüglich. Am 15. April Morgens brachen wir

dahin auf.

Sobald man Audjila verlassen, kommt man gleich auf eine grobkiesige

Sserir, etwa 20 Meter höher gelegen als die Oase. Wir hielten den

grossen Karawanenweg, welcher die Oasen verbindet, und dieser läuft

in 160° Richtung. Ausser einem Wegweiser, Allem es Schrab oder

Luftspiegelungswegweiser genannt, ist diese öde Fläche eben durch nichts

als herrliche Fata morgana unterbrochen, welche hier täglich und zu jeder

Jahreszeit beobachtet werden.

Schon nach zwei Stunden erblickt man das Nordwestende des Palmenwaldes von

Djalo, Ued el Ftor (Frühstücksthal) genannt, und nach zwei anderen Stunden

erreicht man den Brunnen Meslíua, und gleich darauf ist man unter den

Palmen der Oase selbst. Man passirt den Ort Siáda, und dann gerade östlich

weitergehend, erreicht man, immer von Palmen beschattet, nach einer andern

Stunde die Hauptörter l'Areg und Lebba. Beim ersten vorbeiziehend,

schlugen wir unser Lager unter einigen schönen Tamarisken auf, zwischen

den beiden Orten, welche nur einen halben Kilometer von einander getrennt

sind. Unser Empfang war aber hier ein ganz anderer als in Audjila, Banden

von Kindern zogen neben uns her: Christenhunde, ungläubige Schweine, Söhne

des Teufels, das waren noch die gelindesten Schimpfworte dieser kleinen

Bengel; unsere mohammedanischen Diener kamen nicht besser weg, für sie

erfanden sie noch besondere Beinamen, als im Dienste der verhassten

Nassara stehend. Als sie nun gar anfingen mit Steinen zu werfen, wurden

meine Diener auch grob, und es hätte durch diese kleinen Taugenichtse zu

unangenehmen Verwickelungen kommen können, wenn nicht endlich die Eltern

gekommen wären, um sie wegzutreiben. Um aber ähnliche Scenen zu vermeiden,

machte ich die Eltern aufmerksam darauf, wie viele Brüder, Väter oder

Verwandte von ihnen in Aegypten oder Bengasi wären, und dass diese dort

Alle für meine Sicherheit und selbst für Beleidigungen würden haften

müssen. Dies hatte den guten Erfolg, dass wir nun ruhig campiren konnten.

Der Mudir in Audjila hatte mir für die bedeutendsten Schichs der beiden

Oerter Briefe mitgegeben, welche ich gleich bei unserer Ankunft durch den

Führer hatte abgeben lassen. Gegen Abend kam denn auch Schich Yunes, um

uns zu begrüssen. Es war derselbe, der zur Zeit Hamiltons in Djalo war,

und obschon dieser sich eben nicht sehr zufrieden über ihn ausdrückt,

gefiel mir der Mann recht gut. Ich bot ihm einen Feldstuhl zum Sitzen an,

er meinte aber, er würde herunterfallen, zog seine gelben Pantoffeln aus

und setzte sich auf den Teppich. Ohne Zweifel heute der reichste und

angesehenste unter den Schichs, ging seine Macht aber doch nicht so weit,

mir einen Führer nach Kufra zu verschaffen, oder fehlte der gute Wille?

Nach seiner Meinung könne man nach Kufra nur hinkommen, wenn eine Karawane

nach Uadai abginge, da der Weg nur einigen Wenigen bekannt sei, und diese

gerade jetzt unterwegs wären. Möglich, dass dem wirklich so war,

wahrscheinlich aber wollten die Modjabra sowohl, als auch die Uadjili

keinen Christen dahin führen, um nicht die guten Beziehungen mit Uadai zu

stören.--Abends schickte Schich Yunes eine grosse Diffa, aus allmächtigen

Kuskussu-Schüsseln, Basina-Platten und gebackenen Hühnern bestehend; als

Gegengeschenk schickte ich einige Pfund Pulver, einige Dutzend

Taschentücher, Kautaback und Zucker. Die beiden Oerter aber, viel reicher

als Audjila, fanden nicht für gut den Nsrani zu bewirthen; die Uadjili

hatten uns einen Hammel geschenkt und ein entsprechendes Gegengeschenk

erhalten.

Die beiden Oerter sind ungefähr von gleicher Grösse, und obschon sie von

aussen ärmlicher aussahen als Audjila, bedeutend behäbiger im Innern

gebaut. Die Häuser sind grösser und mit mehr Comfort ausgestattet, die

Modjábra trinken Thee und Kaffee und bringen sich oft von Kairo oder

Alexandrien Luxusgegenstände mit, deren Gebrauch der arme Uadjili nicht

einmal kennt. Jeder Ort hat eine Hauptmoschee, in l'Areg ist sodann noch

eine grosse Sauya der Snussi, in deren Moschee Freitags auch Chotba

gelesen wird. Ohne Aussicht, nach Kufra kommen zu können, blieb ich nur

noch den folgenden Tag in Djalo, weil ich stündlich meinem Firman von

Konstantinopel entgegensah, und Leute mir gesagt hatten, in Audjila sei

ein Courier von Bengasi eingetroffen. Unter der Zeit verkaufte ich meinen

alten Esel; es wäre unmöglich gewesen ihn durch die Rhartdünen und über

die Gerdoba-Ebene zu bringen, ich hätte denn ein eigenes Kameel für ihn

halten müssen zum Weitertransport. Und nachdem dann noch Datteln für die

Kameele waren eingekauft worden, der Courier aber nicht eintraf, sagten

wir den grünen Oasen der Nasomonen Adieu.

* * * * *

Die libysche Wüste zwischen Djalo und der Oase des Ammon.

Heute kommen wir überein, den Theil der Sahara die libysche Wüste zu

nennen, welcher südlich vom sogenannten libyschen Plateau und nördlich von

Fur und Kordofan einerseits, andererseits westlich vom Nil und östlich von

einer Linie gelegen ist, welche man sich von Audjila durch Kufra und

Uadjanga nach Uadai gezogen denkt. Eigentlich liegt aber zu einer

besonderen Benennung gar keine Berechtigung vor, da diese Strecke Landes

sich durch Nichts von der übrigen Sahara zu unterscheiden scheint. Die

Alten nannten das ganze nördliche Afrika Libyen zum Unterschiede von dem

im Innern gelegenen Aethiopien, und die specielle Benennung dieses Theiles

der Wüste als _libysch_, scheint durch die arabischen Geographen

aufgekommen zu sein, da auch Leo diesen Theil östlich von Audjila als

Leuata, Lebeta bezeichnet, ein Wort, was von Libyae herkommt.

Und wir können, bis das Innere dieses grossen Raumes erforscht ist, eines

Raumes von circa 15 Quadratgraden, in den nie ein Europäer gedrungen ist,

mit Recht diesen Namen beibehalten, um nur überhaupt einen Namen für eine

so grosse Gegend zu haben, die wir sonst höchstens die östliche Sahara

nennen könnten. Gewiss ist aber auch in diesem Theile der Wüste die

grösste Mannigfaltigkeit vorhanden, Berge wechseln mit Sserir, Sanddünen

mit Hammada, und zwei grosse Oasen sind uns wenigstens dem Namen nach

bekannt, Kufra und Uadjanga.

Beide sind bewohnt, denn wenn Kufra auch durch tripolitanische Rasien, bis

vor einigen Jahren der Bevölkerung war beraubt worden (man hatte die

einheimischen Teda in die Gefangenschaft geschleppt), so hat jetzt Sidi el

Mahdi, der Sohn Snussis, dort eine Filial-Sauya errichtet, und Neger aus

Uadai bilden den Kern der Bevölkerung.

Ob sich nun die lange Depression von Bir Ressam an durch Audjila hindurch

bis nach Siuah, auch südlich hin erstreckt, das wäre gewiss höchst lohnend

zu erforschen. Würde es der Fall sein, dass die Bodensenkung bis Uadjanga

reicht; also ungefähr bis zum 22° nördl. B., so liesse sich durch eine

Durchstechung des Ufers, etwa an der grossen Syrte, eine grosse Umwälzung

für Afrika hervorrufen. Der ganze Theil südlich, vom sogenannten libyschen

Plateau, würde dann Binnen-See werden, Audjila, Djalo und Siuah würden

verschwinden, aber Central-Afrika würde uns dann auf eine Weise zugänglich

werden, die Nichts zu wünschen übrig lässt. Und was hätte das Verschwinden

jener kleinen Oasen zu bedeuten, und andere, von grösserer Ausdehnung,

sind wohl schwerlich vorhanden. Oder sollten in der That, westlich von den

Uah-Oasen, östlich von Kufra und Uadjanga, grössere Oasen existiren, oder

gar bevölkerte Oasen dort vorhanden sein, ohne dass wir Kunde davon

hätten? Wir glauben das nicht. Aber gerade diese Abwesenheit von Oasen,

dieses Trostlose, diese endlose Einöde berechtigen uns denn auch um so

mehr, diesen Theil der Sahara speciell zu benennen und zwar mit dem alten

Worte der libyschen Wüste. Wir durchzogen die Sahara von Westen nach

Osten, von Norden nach Süden, aber nie durchwandelten wir eine ödere,

abschreckendere Gegend als die von Uadi nach Bir Tarfaya. Der Weg südlich

von Fesan bis Kauar ist durch die Gerippe vor Durst verschmachteter

Negersklaven bezeichnet; aber dies ist nicht hervorgebracht durch

Brunnenmangel, sondern durch zu knappes Mitnehmen von Wasser, durch

Entbehrungen und Strapazen aller Art, welche die Sklaven zu erdulden

haben. Zwischen Tidikelt und Timbuctu wird als verderbend und ohne Wasser

die Tanesruft erwähnt, und doch beträgt die brunnenlose Strecke nur 5

Tagemärsche. Es giebt auch wohl in der ganzen übrigen Sahara keine

Karawanenstrasse, welche eine grössere Brunnenentfernung hätte.

Hier von Batofl nach Süden, hat man erst am siebenten Tage Wasser, und

geht man von Djalo oder Uadi nach Osten, also nach Siuah, so ist man circa

45 deutsche Meilen ohne Wasser. Und diese entsetzliche, wasserlose,

vegetationslose Wüstenstrecke musste jetzt durchzogen werden.

Es war 7 Uhr Morgens, am 17. April, als wir Djalo verliessen, wo das

Wasser so schlecht und die Leute so unmanierlich und wenig liebenswürdig

waren. Wir hatten noch mehrere Schläuche zu unseren schon vorhandenen

gekauft, hatten unsere Mehl- und Dattelvorräthe erneuert, und glaubten so

den Schrecken der Wüste trotzen zu können. Wir hielten immer N.-O.

Richtung zu N. und legten im Ganzen an dem Tage sieben Stunden zurück, von

denen zwei in der Oase Djalo selbst. So hübsch diese von aussen als Ganzes

sich ausnimmt, so trostlos ist sie im Innern: fast nirgends Gartenbau,

überall Dünenbildung, die Palmen nur gruppenweise, und fast so viele Lakbi

träufelnde Palmen als fruchttragende, geben die vielen abgestorbenen

Stümpfe dieses segenbringenden Baumes eine schlechte Vorstellung von dem

Betriebseifer der Bewohner.

Man erreicht dann eine Ebene, die aus Kies und grobem Sand besteht, und wo

zahlreiche Baumstümpfe, jetzt versteinert, und verglaste Holztrümmer auf

ehemalige Vegetation hindeuten. Diese Ebene ist etwas höher als Audjila

aber auch noch _unter_ dem Niveau des Meeres. In dieser einförmigen Gegend

zogen wir nun, immer in der alten Richtung haltend, sieben langweilige

Stunden dahin, und erreichten dann das Uadi, wo wir Brunnenlöcher fanden.

Diese haben weiter keinen Namen, sondern werden schlechtweg biur el uadi,

d.h. Brunnen des Thales genannt.

Das Uadi zieht sich von hier nach Nordost, und einen halben Tagemarsch

weiter stösst man auf den Brunnen A'gela (Lagheirah), der selbst

hinwiederum einen halben Tagemarsch östlich vom bewohnten Orte Leschkerreh

sich befindet. Dieser Ort liegt indess nicht im Uadi. Nach Süden zu geht

das Uadi bis nach Batofl, welches gewissermaassen seine Oasenbildung der

unterirdischen Feuchtigkeit des Uadi verdankt. Dies ist reichlich mit

Wüstengras, Belbel und männlichen Dattelbüschen bestanden. Letztere,

welche gerade in Blüthe standen, wurden von den Bewohnern Djalos ihrer

Blumen beraubt, die damit die weiblichen Dattelbäume ihrer Oase

befruchten. Obgleich das Wasser überall auf 3 bis 5 Fuss Tiefe anzutreffen

ist, scheint das Uadi nie bewohnt gewesen zu sein, wenigstens sind

nirgends Spuren von Bauten oder Anpflanzungen übrig geblieben. Es ist dies

umsomehr zu verwundern, als das Wasser das Beste der ganzen Oasengruppe

und im Verhältniss so wenig salzhaltig ist, dass nach dem Gebrauche des

brakischen Wassers von Djalo es fast als süss erscheint.

Wir warfen uns frische Wasserlöcher aus, und schlugen so rasch wie wir

konnten im Schutze hoher Palmbüsche unsere Zelte auf, denn schon seit

einigen Stunden verkündete die blutigroth gefärbte Sonne, dass ein

Samumwind nahe sei.

Von Tripolis nach Alexandrien - 2. Band · 第 3 / 10 段