Am folgenden Tage brachen wir früh auf und hielten 150° R. Auch an dem

Tage war die Gegend überaus ruinenreich, und auch hier traten alle

Augenblicke grosse Einhegungen von Steinen entgegen, von denen manchmal

aber nur noch die unterste Steinreihe erhalten ist. Der Boden bleibt ein

gleich fruchtbarer röthlicher Humus, ist überall bis zu den Bergen gleich

culturfähig, sehr krautreich aber wenig mit Buschwerk bestanden. Die Berge

sind sichtbar, aber je weiter man nach Süden kommt, je mehr zieht sich das

Ufer des Hochplateaus nach Südosten zurück. Die Gegend ist hier besser

bevölkert, denn irgendwo in Cyrenaica, meist sind es Freg der Mschitat und

Auergehr, welche rechts und links vom Wege aufgeschlagen sind.

Eigenthümlich wie die Alten genau die Oertlichkeit erkannt haben müssen,

wo sie Wasser zu finden glaubten. Denn ein blosser Zufall liess sie wohl

nicht jene Kalkplatten durchbohren um dann nach 25-30' und oft noch tiefer

auf Wasser, zu stossen. Und dass sie von den Alten angelegt worden sind,

geht aus der ganzen Construction derselben hervor, warum aber gruben sie

nicht an anderen Stellen nach Wasser? wahrscheinlich weil sie aus

Erfahrung wussten, dass unter Kalkfelsen am ersten Wasser zu finden sei.

Wir lagerten Abends in der Nähe von zahlreichen Freg, ohne indess mit den

Insassen in Berührung zu treten[15]. Auch am folgenden Tage[16] hat die

Gegend noch denselben fruchtbaren aber wenig bebauten Charakter, die Freg

werden südlich von den ailet Feres bewohnt und gegen Abend, wo wir der

Syrte so nahe sind, dass wir die Brandung derselben hörten, lagerten wir

zwischen Schih- und Halfa-Vegetation, waren also bis zum Uebergange der

Wüste gekommen.

Je weiter man nach Süden kommt[17], je spärlicher wird die Vegetation und

Bevölkerung, fast nur Halfa und Schih zeigen sich noch, alle Brunnen haben

noch denselben Bautypus, d.h. sind nicht in das Erdreich getrieben,

sondern da, wo Kalkfelsen zu Tage liegt, hindurch gebohrt. Beim bir

Schimmach nun rechnen die Araber die Grenze von Barca el hamra, dem rothen

Cyrenaica und was von hier an südlich liegt, heissen sie Barca el beida,

das weisse Cyrenaica. Hauptsächliches Unterscheidungszeichen bildet der

Boden selbst, denn nördlich vom Brunnen ist röthlicher Humus, südlich

davon weisslicher Sandboden.

Auch jetzt hatten wir immer mit schlechtem Wetter[18] zu kämpfen, heisse

Stunden wechselten mit kalten und stürmischen und namentlich waren die

Nächte rauh. In Schadábia verweilten wir einen Tag. Es ist hier die

grösste Ruine zwischen Bengasi und Audjila, und das Fort noch recht gut

erhalten. Wie alle von viereckiger Form, und mit flankirenden Thürmen

versehen, besteht der Bau aus grossen Quadern, durch Fels getriebene

Brunnen mit ausgezeichnetem Wasser (es ist dies das letzte süsse bis zur

Ammonsoase) sind ganz in der Nähe. Ich glaube man kann in Schadábia das

alte Automalax[19] erblicken, wenigstens stimmen Oertlichkeit und

Entfernung von Berenice. Es ist dies nach Süden zu der letzte bewohnte

Ort, und heute eine berühmte Sauya der Mádani, deren Chef Mohammed el

Mádani in Mesurata begraben liegt. Wie diese Brüderschaft eine der

tolerantesten ist, so zeigte sich auch der Vorsteher von Schadábia

äusserst liebenswürdig und ohne fanatischen Dünkel. Er warnte wiederholt

(auf Beurmann hinweisend, der indess gar nichts mit den Snussi zu thun

gehabt hat) vor den Snussi, vor den Bewohnern von Audjila und Siuah,

meinte aber, hier solle ich nur ruhig campiren, da wo eine Sauya der

Mádani sei, habe Niemand etwas zu fürchten. Aber trotzdem und trotz seiner

guten Rathschläge, unterliess ich es doch nicht Nachts Wachen auszustellen

und den Thieren überdies wie immer ihre Eisen anlegen zu lassen. Mein

armer Esel war nun fast reitunfähig geworden, die heissen Winde hatten ihn

vom Esel auf den Hund gebracht.

Von Schadábia aus, legten wir am 8. April die ersten zwei Stunden südlich

zu West zurück bis zur merkwürdigen Burg Henéa[20]. Offenbar ist dies

weder ein griechisches noch römisches Bauwerk, sondern libyschen

Ursprungs. Zu ebener Erde gelegen, ist diese Burg der Art angelegt

(ähnlich wie die monolithischen Kirchen von Lalibala in Abessinien), dass

man zum Graben derselben den Fels ausgehoben hat, und den als einzigen

Block inwendig stehen gebliebenen Felsen zur Burg verarbeitet hatte. Die

contreescarpirten Wände des tiefen 20' breiten Grabens haben Gänge und

Kasematten, sämmtlich wie neu und ausgezeichnet erhalten. Unterirdisch

stehen diese mit der Block-Burg zusammen. Diese enthält vollkommen gute

erhaltene Abtheilungen. Alles aus einem Steine gehauen, durchwandelt man

lange breite Gänge, mit Krippen ebenfalls aus Stein, Beweis, dass in

dieser eigenthümlichen Burg sogar Pferde waren, andere kleine Zimmer und

grosse Säle münden auf die Gänge. Nur ein einziger sanft ablaufender

Zugang führt, die Contreescarpe durchschneidend, in den Graben, die

Hauptöffnung des Blocks befindet sich aber auf der entgegengesetzten Seite

der Burg. Die ganze Contreescarpe, die unterirdisch, wie gesagt, mit dem

Block communicirt, konnte den Graben durch Felslöcher vertheidigen. Gewiss

eins der bemerkenswerthesten Baudenkmäler alter Fortification.

Von hier an gingen wir selben Tages noch fünf Stunden S.-S.-O. weiter,

passirten nach zwei Stunden den Tafra-Brunnen, der wie alle folgenden

Bitterwasser hat, liessen nach etwa einer Stunde den vereinzelten Hügel

Karassa, der als Allem oder Wegweiser dient, liegen und lagerten Abends am

Chor-Shofan. Die sehr schwache Bevölkerung wird von den uled Schich und

den Schibli gebildet. Die Vegetation hört fast ganz auf, in der That

hatten wir mit Chor-Shofan die Grenze des Mittelmeer-Niederschlags

erreicht, der Floh hört auf der beständige Begleiter des Menschen zu sein.

Wie mit Zauber ist er verschwunden, heute wird man noch von ihm gequält,

morgen hat er uns verlassen. Die Araber sagten zwar, anderes Ungeziefer

würde auch das Weite suchen, aber ich wusste aus langer Erfahrung, dass

die noch lästigeren Collegen des Floh die Wüste, den Samum, die trockne

Hitze nicht scheuen. Im Gegentheil! Vom Chor-Shofan fängt dann nun auch

die Sahara an.

Auch am folgenden Tage hielten wir S.-S.-O.-R., und um 6 Uhr Morgens

aufbrechend, brachte uns der Allem (Wegweiser) el Dürr auf den vom Brunnen

Alaya kommenden Weg. Und eine Stunde Frühstücksrast abgerechnet,

durchschritten wir um 2 Uhr den ned Fareg. Es ist dies eigentlich kein

Thal oder Flussbett, sondern eine von Westen nach Osten streichende

Einsenkung ohne Abdachung. Nach Westen geht die Fareg-Einsenkung drei

Tagemärsche weit bis zum Ras el ain el kebrit, und zwei Tagemärsche vom

Punkt, wo wir Fareg passirten nach Osten; da wo wir die Einsenkung

passirten, liegt der Brunnen Besseria[21]. Das südliche Ufer vom Fareg

heisst Diffa el uadi (Gastmahl des Thales) und eine Menge Steinhaufen,

Bu-Sfar genannt, sind zum Andenken für die errichtet, welche sich dem

Gebrauche hier ein Extraessen zu geben, entzogen. Solche Steinhaufen,

welche Gräber vorstellen sollen, findet man an gewissen Stellen in der

ganzen Sahara. An solchen Stellen muss nämlich ein des Weges zum _ersten_

Male durchziehender, seinen Cameraden, welche die Reise schon gemacht

haben, einen Extraschmaus geben, thut er es nicht, so errichtet man ihm

einen Steinhaufen, ein Grab, zum Zeichen seines Geizes. Da nun aber solche

Stellen sehr häufig vorkommen, so hatte ich ein für allemal die Gewohnheit

mich begraben zu lassen und legte zuerst gewöhnlich den Stein; ausser

unserem Führer, dem Diener des Mudir von Audjila und meinem Neger Bu-Bekr,

hatte Niemand von uns den Weg zurückgelegt, wir liessen uns also alle

begraben, wie auch später noch öfter. Gleich hinter Fareg fängt eine

Sserir an, Namens Thuil (die lange), dort lagerten wir fünf Uhr Abends.

Am 10. April erreichten wir in südsüdöstlicher Richtung nach einem

sechsstündigen Marsche über die Sserir Thuil die grosse von Westen

kommende Einsenkung des Bir Ressam. Wo diese im Westen ihren Anfang nimmt,

war von meinen Leuten nicht zu ermitteln, vielleicht geht sie bis dicht an

die Syrte, vielleicht nach Ain kibrit, und ist somit im Zusammenhange mit

Fareg. Der Brunnen selbst hat abscheuliches Wasser, die Kameele trinken es

jedoch, einige Palmbüsche sind in der Nähe, und die Ruinen des Gasr

Shahabi deuten auf eine einstige Besiedelung. Die Einsenkung zeichnet sich

durch zahlreiche Versteinerungen, Muscheln etc. aus, oft sieht man ganze

Baumstämme auf dem Boden liegen, meist in Flintstein verwandelt. Palmen

und Lentisken sind es besonders, die ehemals die Vegetation bildeten, von

der jetzt nur die steinernen Formen übrig geblieben sind. Lebende

Vegetation ist in dieser Einsenkung durch Belbel, Domrahn und Rherrhek

vertreten, letzteres ein Busch; der in der Süd-Sahara unter dem Namen Suak

bekannt ist. Die Ressam-Einsenkung ist 100 Meter tiefer als das Mittelmeer

(am Brunnen das Barometer auf 772 M.M. = -104 Meter). Den tiefsten Punkt

erreichten wir Abends bei Gor-n-nus (am Lagerplatz ergab das Barometer

Abends 772, Morgens 773, um 9 Uhr Morgens 772, erreichte also circa 107 M.

Tiefe). An dem Tage hatten wir 12 Stunden zurückgelegt.

Auch am folgenden Tage behielten wir diese Richtung von früher und

marschirten in der Depression weiter, um 6 Uhr aufbrechend, sendete die

Einsenkung um 7 Uhr einen ebenso breiten Arm nach dem circa 6 Stunden

entfernten Gor Mschirk ab. Um 9 Uhr passirten wir den ebenfalls

Bitterwasser haltenden Brunnen Marak und stiessen auf zwei grosse von

Audjila kommende Sklavenkarawanen, die nach Bengasi zogen. Das Land

ausserhalb der Einsenkung ist grossgewellt, und grobkörniger Sandboden,

manchmal mit bunten Kieselchen bestreut, und nicht ganz ohne alle

Vegetation. Nachmittags 2 Uhr bemerkten wir östlich von uns den Dj.

Beddafar circa 4 Stunden entfernt. Die nach S.-O. ziehende Depression

hatten wir Mittags schon verlassen, und lagerten Abends 5 Uhr bei Gor

meschtefar schirgia.

Der darauf folgende Tag, ein zwölfstündiger Marsch, über eine durch nichts

unterbrochene grossgewellte, grobkörnige Sandebene, war der langweiligste

und einförmigste von allen, nur zweimal wird diese wüste Ebene durch zwei

Allem (Wegweiser) unterbrochen. Unsere Richtung war immer die gleiche, wie

an den vorherigen Tagen. Ebenso unerquicklich war der letzte Tag, der

Führer war zudem auf dem Kameele eingeschlafen und wir hatten eine ganze

Zeitlang die Richtung verloren, bis wir endlich durch den Stand der Sonne

aufmerksam darauf gemacht wurden.

* * * * *

Audjila und Djalo.

Es war gegen Abend des elften Tages, als wir die Oase erreichten. Schon

einige Stunden vorher hatten wir wie eine schwarze Linie am Horizont die

hohen Palmen derselben erblickt, und die Kameele, welche seit Bir-Ressam

nicht getrunken hatten, beschleunigten den Marsch, sobald sie die Palmen

hatten auftauchen gesehen. Je näher wir kamen, desto schöner wurde der

Anblick; links vor uns, wo bedeutende Sebcha sich ausdehnten, spiegelten

sich die Palmen als wie auf einer Silberfläche, davor schlug die Luft

grosse Wellen, so dass man oft ein bewegtes Meer zu sehen glaubte. Dann

kamen wir an den röthlich-braunen Sebcha, der, von der untergehenden Sonne

beleuchtet, einen eigenthümlichen Contrast mit der weissen Sandfläche

davor, mit den grünen Palmen dahinter bildete. So hat auch die Wüste ihre

Schönheit, und in solchem Augenblick konnte ich es begreifen, wenn St.

John, als er von der Wüste Abschied nahm, sein Buch mit den Worten

schloss:

"Oh! that the desert were my dwelling-place

with one fair spirit for my minister!"

Den ganzen Tag abwechselnd zu Kameel und Esel, war ich abgesprungen,

sobald wir den Sebcha erreicht hatten, durch den nur ein schmaler Pfad

sich hinschlängelt, während rechts und links Salzmoräste liegen, mit einer

dünnen Kruste bedeckt. Es war also die grösste Vorsicht nöthig, um die

Kameele hindurchzuführen, denn ein beladenes Kameel wäre bei einem

Seitentritt gleich versunken. Alle kamen gut durch, nur der alte Esel, der

von weitem einige Ya seiner Brüder vernommen hatte, Musik, welche für

seine langen Ohren verlockend sein musste, wollte in seiner Ungeduld vom

Wege ab, aber schon beim ersten Schritt sass er fest. Nur mit Mühe konnten

ihn die Leute wieder flott kriegen, aber herausgezogen, ging er dann

geduldig und nachdenkend hinter der langen Colonne von Kameelen einher.

Es war schon ganz dunkel, als wir den eigentlichen Palmwald erreichten,

nachdem wir schon eine Zeitlang zwischen Had (Cornulaca monacantha

Delile), Belbel (Anabasis articulata) und Domran (Traganum nudatum), den

ersten Vorboten der Vegetation, hinmarschirt waren. Das Aufziehen des

Wassers aus den Brunnen verrieth uns, dass wir jetzt zwischen Gärten

waren, denn es war nun so dunkel geworden unter den Palmen, dass wir nur

noch den Weg unterscheiden konnten. Aber bald hatten wir den Lagerplatz

erreicht und fanden schon eine andere Karawane vor, die von Djalo gekommen

nach Bengasi wollte. Zwischen Tamarisken, in der Nähe der Quelle Sibilleh,

der einzigen der ganzen Oase, schlugen wir unsere Zelte auf, umringt von

vielen Neugierigen, die sich nach vielen Ssalamat nach den Neuigkeiten und

Preisen in Bengasi erkundigten.

Ich schickte gleich einen Theil der Leute mit den Kameelen zur Quelle, um

diese abtränken zu lassen und um uns einen Schlauch frischen süssen

Wassers zu füllen, die anderen schlugen rasch die Zelte auf, einer

beschäftigte sich mit der Küche, und noch ein anderer war mit den

Bewohnern in Unterhandlung getreten, um Hühner, Eier und Zwiebeln zu

kaufen. Obgleich spät angekommen, hatte sich die ganze Einwohnerschaft um

unsere Zelte versammelt, jedoch ging alles recht anständig zu, und war von

Zudringlichkeit oder Schimpfen keine Rede. Als ich später noch heraustrat,

die etwas zerstreut stehenden Kisten und anderen Gegenstände

zusammenstellen liess, und meinen Leuten empfahl wegen etwaiger Diebe sich

Nachts dicht daneben zu legen, trat einer der Einwohner heran und meinte,

alles könne stehen und liegen bleiben wie es wäre, hier sei nicht Barca,

Diebe gäbe es in Audjila nicht, und die Leute sollten nur ruhig schlafen,

ohne Wache zu halten. Unser alter Führer bestätigte diess auch und sagte

er wolle mit seinem Kopfe haften, wenn irgend etwas abhanden käme. So

konnten wir uns denn einmal wieder einem sorglosen Schlaf hingeben, zumal

der alte Staui immer nur halb schlief; auch die Kameele und Esel bekamen

keine Fusseisen, was sonst immer geschehen war.

Die Oasengruppe besteht aus drei durch Sserir getrennten Inseln, im Westen

Audjila, in der Mitte Djalo[22], im Osten Uadi, dessen Verlängerung im

Süden Batofl ist. Djalo liegt nach Moriz v. Beurmann auf 21° 23' 4" ö. L.

v. Gr. und 29° 0' 40" n. Br. Die später aus den Berichten Beurmanns an

Prof. Bruhns in Leipzig von diesem gemachten Berechnungen bedürfen einer

Revision. Der ganze Oasencomplex fällt nach der zehnblättrigen Karte der

Petermann'schen Mittheilungen zwischen 29° und 29° 30' n. Br. und circa

21° 50' und 22° 30' ö. L. v. Gr.

Die Lage der einzelnen Oasen zu sich selbst ist derart, dass Audjila im

Westen gelegen, halbmondartig von N.-N.-O. nach S.-S.-W. gestreckt ist,

und seine convexe Seite, nach Osten gerichtet, durch eine vier bis fünf

Stunden breite Sserir von Djalo getrennt wird, welches länglich gestreckt

ist und seine Längsachse von N.-W. nach S.-O. gerichtet hat. Die

Nordwestspitze von Djalo ist demnach auch nur drei Stunden von Audjila

entfernt. Uadi, höchst wahrscheinlich eine Fortsetzung von Uadi el Ressam

und Mareg, zieht sich ebenfalls in einem grossen Bogen, dessen convexe

Seite nach Osten gerichtet ist, hin, und verbreitert sich südlich zur Oase

Batofl, so dass der Ort Batofl fast südlich, etwas zu Ost, unter Djalo zu

liegen kommt. Tiefer als das Meer gelegen, etwa 51 Meter, ist Audjila von

Sserir und röthlichen Sanddünen umgeben, denen jede Spur von Vegetation

abgeht. In der Oase selbst ist der Boden gypsartig, sobald man eine

Schicht von einigen Fuss Sand durchdrungen hat. Die Länge von Audjila

beträgt circa drei deutsche Meilen, der nördlichste Theil ist indess nicht

bewohnt; die Breite ist verhältnissmässig gering, eine Stunde nördlich von

Audjila, wo die Oase am breitesten ist, circa ¼ deutsche Meile.

Djalo, ebenfalls von Sserir umgeben, und etwa 30 Meter tiefer als das

mittelländische Meer, hat eine S-förmig gewundene Gestalt, die Länge

beträgt ebenfalls circa drei deutsche Meilen, die Breite jedoch in der

Mitte erreicht 1½ deutsche Meilen, und fast bis zum Südende bleibt sie

dieselbe. Das Terrain in Djalo ist bedeutend salzhaltiger, die Oase im

Innern an vielen Stellen von Dünen durchsetzt, das Wasser ist so

brackisch, dass die reichen Leute zum Trinken ihren Bedarf in Uadi holen

lassen. In Leschkerreh sind die Bodenverhältnisse dieselben, das Wasser

ist dort süss, ebenso in Batofl, welches guten Gartenboden und

ausgezeichnetes Trinkwasser hat.

Diese Oasengruppe, den Alten unter dem Namen Augila ([griechisch: ta

Augila]) bekannt, scheint in den ältesten Zeiten keine festen Bewohner

gehabt zu haben. Herodot überliefert uns, dass die an der Syrte

herumnomadisirenden Nasomonen alljährlich nach Audjila zögen, um im Herbst

die Datteln einzuheimsen. Derselbe erwähnt ferner nur eine Quelle, und in

der That ist auch nur eine vorhanden, Sibilléh. Auch die Beschreibung des

salzhaltigen Bodens trifft zu, wenn auch die Erwähnung eines einzigen Hügels

nicht passt, da in Audjila sowohl wie in Djalo viele Hügel sind, welche aber

als Neulinge oder Dünen auch nach Herodots Zeit entstanden sein können. Die

Entfernung von der Ammon-Oase giebt Herodot auf zehn Tagemärsche an, und

eben so weit bis zu den Ländern der Garamanten. Wir brauchen deshalb die

Angabe des Plinius nicht für falsch zu halten, der die letzte Entfernung

auf zwölf Tagemärsche angiebt.

Später scheinen sich libysche Stämme in Audjila festgesetzt zu haben,

obgleich der Cultus der Sterne dort nicht eingebürgert gewesen zu sein

scheint. Ueberdies wissen wir auch von den Nasomonen, dass diese mit ihren

Todten und auf den Gräbern derselben feierliche Handlungen vornahmen. Um

so leichter wurden sie dann später geneigt, als sie sich in Audjila

fixirten, den Cultus der Ammonier anzunehmen. Pomponius Mela erzählt uns

von ihrem Manendienst, welche Manen sie wie Orakel zu consultiren

pflegten, sie schliefen, sagt er, oft auf den Gräbern ihrer Anverwandten,

und legten die Träume als eine Antwort aus. Dass übrigens der Ammondienst

später dort herrschte, geht aus Procopius hervor, der das eigentliche

Ammonium unter dem Namen eines doppelten, zwiefachen Augila begreift, und

sagt, bei beiden seien Heidentempel und Priester gewesen, welche von

Justinian in Kirchen und Christen umgewandelt worden wären.

Unter den Römern scheint ein Castell zum Schutze der Karawanen in Audjila

gewesen zu sein; Leo im 15. Jahrhundert will dort noch Schlösser gesehen

haben, und Pacho spricht auch noch von Backsteinüberresten, welche er aber

auf libyschen Ursprung zurückführen zu müssen glaubt. Hamilton erwähnt nur

vieler Topfscherben, ich selbst konnte auch nichts weiter finden, und

diese können ebenso gut neuesten wie ältesten Datums sein. Dapper kennt

die Oase im Anfange des 17. Jahrhunderts unter dem Namen Augele.

Wenn von Pacho noch ein unterirdisches Gebäude erwähnt wird, welches er in

Djalo gesehen haben will, und er auch in seinem Atlas Abbildungen einer

dort vorgefundenen Säule und eines Steines giebt, so konnte schon Hamilton

nichts davon entdecken, Beurmann erwähnt die Sache gar nicht, und ich

selbst konnte auch nichts darüber in Erfahrung bringen, denn auf eigene

Faust angestellte Nachforschungen führten zu keinem besseren Ergebnisse.

Indess ist wohl kaum ein Zweifel zu erheben, dass dasselbe existirte.

Die heutigen Bewohner zerfallen in drei Hauptstämme, die Uadjili, sesshaft

in der Oase Audjila und einem Theile der Oase von Djalo, besonders im

Hauptorte Lebba, die Modjabra, besonders in Djalo mit ihrem Hauptorte

l'Areg und die Suaya in Leschkerreh. In Batofl sind die Bewohner gemischt

von allen drei Stämmen. Von diesen sind die Uadjili libyscher Herkunft,

reden auch heute noch einen Dialekt des Tamasirht und ist ihre Sprache eng

verwandt mit der von Rhadames, Sokna, Siuah und dem Targi. Ob die Modjabra

auch berberischen Ursprungs sind, ist zweifelhaft, sie reden arabisch,

wollen aber keine Araber sein, die Suaya sind ächte Araber.

Die Zahl der Bewohner ist schwer zu ermitteln; Pacho in den zwanziger

Jahren giebt sie auf 9-10,000 Einwohner an, und basirt seinen Calcul auf

3000 waffenfähige Männer. Hamilton giebt für l'Areg allein 4000 Einwohner

an, von andern Reisenden, welche die Oasen berührt haben, fehlen

statistische Nachrichten. Nach eigenem Ueberschlage, und auf die Aussage

der Eingebornen hin, würde ich für Audjila 4000, für Djalo 6000, für

Leschkerreh 500 und für Batofl 1000 Einwohner annehmen, im Ganzen also

circa 11-12,000 Einwohner. Im Aeusseren ist zwischen den Berbern und

Arabern gar kein Unterschied wahrzunehmen, denn die letzten sind hässlich,

meist mit dicken Lippen und von bräunlichem Teint, was wohl der starken

Vermischung mit Negerblut zuzuschreiben ist. Ursprünglich von unabhängigem

und kriegerischem Naturell, haben sie seit 20 Jahren lernen müssen sich

dem Gesetze zu fügen, und sind jetzt mit allen Umwohnern, welche, wie sie,

dem osmanischen Reiche unterworfen sind, in Frieden. Die Moralität in den

Oasen ist keineswegs weit her, wie überall da, wo zu den ohnediess laxen

Gesetzen des Islam, sich die Leute offen dem Trunke ergeben. Sowohl

Uadjili wie Modjabra fröhnen dem täglichen, reichlichen Genusse des Lakbi

(Palmwein), welcher Jahr aus Jahr ein meistens den kleinen männlichen

Palmen entzapft wird. Daher kommt es denn auch wohl, dass die Heirathen

als festes Bindemittel zwischen Mann und Frau hier noch leichter gelöst

werden als es sonst in den meisten mohammedanischen Ländern der Fall ist.

Hamilton notirte, dass es Männer gäbe, welche 20-30mal hintereinander

geheirathet hätten, und man sich eine Frau für den billigen Preis von 8

bis 10 Thalern verschaffen könne. Im Uebrigen sind weder die Modjabra noch

Uadjili als Diebe, Mörder oder Lügner verschrieen, und die Bewohner der

anderen beiden kleinen Oasen haben auch einen guten Ruf. Die Modjabra, als

vorzügliche Handelsleute in der ganzen Wüste bekannt, haben überall

Credit, sowohl in Aegypten, Bengasi und Tripolis als auch in Uadai, Bornu

und Haussa. Nebst den Rhadamsern sind sie die kühnsten und weitreisendsten

Kaufleute, und meist bringen sie, bis Schwäche sie hindert, ihr Leben auf

ihren langen, gefahrvollen Wegen zu. Die directe Verbindung mit Uadai über

Kufra und Uadjanga ist ihr Werk, nach Burkhart geschah dies zuerst im

Jahre 1811 und 1813. Der Verkehr wurde bald sehr bedeutend. 1855 stockte

indess der Handel mit Uadai gänzlich, da, wie v. Beurmann uns erzählt, in

jenem Jahre eine von Uadai kommende Karawane, die noch dazu dem Sultan

dieses Landes gehörte, bei Audjila von maltesischen Kaufleuten überfallen

und ausgeplündert wurde. Seit zwei Jahren sind die directen Verbindungen

wieder hergestellt, bei unserer Anwesenheit war gerade eine Karawane aus

Uadai in Bengasi und eine aus Modjabra-Kaufleuten bestehende wurde

erwartet.

Die Uadjili beschäftigen sich viel mit Gartenzucht und dem Vermiethen von

Kameelen, für welche sie in den benachbarten Uadis reichlich Futter

finden. Ohne sich direct am Handel zu betheiligen, vermitteln sie

hauptsächlich den Verkehr mit Bengasi und den zunächst liegenden Oasen,

jeder Erwachsene ist Führer; bis Fesan, Bengasi, zur Syrte und Aegypten

kennen die Uadjili Schritt und Tritt. Die Suaya von Leschkerreh, noch mehr

dem Trunke ergeben wie die eben genannten, leben von ihren Palmen und

Kameelen, ausserdem heimsen sie die Datteln einiger Oasen von Kufra ein,

da aber jetzt Kufra, ein Oasencomplex, welcher etwa 6 Tagemärsche südlich

von Batofl liegt, eine feste Besiedlung bekommen hat, so werden diese

Herbstzüge der Suaya wohl bald aufhören. Seit einiger Zeit hat dort Sidi

el Mahdi, der Sohn und Nachfolger des unter den Mohammedanern in

Nordostafrika berühmten Snussi eine Sauya[23] gegründet und auch eine

Stadt angelegt.

Die Kleidung der Bewohner ist sehr einfach, ein langes Hemd, darüber ein

Barakan oder Haik, eine fast enge, baumwollene Hose, die aber nur bis auf

die Waden herabfällt, ein rother oder weisswollener Fes und gelbe

Pantoffeln ist die gewöhnliche Tracht; Arme gehen meist barhaupt und

barfuss. Die reichen Modjabra-Kaufleute machen natürlich Luxus und lieben

es Tripoliner oder Kahiriner Tracht anzulegen. Die Rhadamser Sitte, feine

Sudan-Toben oder Nube-Hosen zu tragen, herrscht hier nicht. Die Frauen,

welche unverschleiert gehen, legen meist dunkelblaue Tracht an, haben je

nach Vermögen schwere silberne oder kupferne Ringe um Knöchel und Arme,

auch die Finger bestecken sie reichlich mit Ringen, und um den Hals tragen

sie Bernsteinketten, oft auch goldene. Die meisten tragen ein blaues

Kattuntuch um den Kopf, und desshalb war auch nicht zu erkennen, welcher

Mode sie in Beziehung ihrer Haare huldigen.

Von Tripolis nach Alexandrien - 2. Band · 第 2 / 10 段