Flotte etwa funfzehn Meilen westlich vom Cap Finisterre im Atlantischen
Meere. Hier trennten sich Russell und Berkeley. Russell fuhr weiter nach
dem Mittelländischen Meere, und Berkeley's Geschwader, mit den Truppen
an Bord, steuerte nach der Küste der Bretagne und ankerte vor der
Camaretbai, nahe bei der Einfahrt des Hafens von Brest. Talmash schlug
vor, in der Camaretbai zu landen. Es erschien daher wünschenswerth, die
Beschaffenheit der Küste genau zu untersuchen. Der älteste Sohn des
Herzogs von Leeds, jetzt Marquis von Caermarthen, nahm es auf sich, in
die Bucht einzufahren und die nöthigen Aufschlüsse zu erlangen. Die
Leidenschaft dieses tapferen und excentrischen jungen Mannes für
Seeabenteuer war unbezwinglich. Er hatte um den Rang eines
Contreadmirals gebeten und ihn erhalten und begleitete die Expedition
auf seiner eigenen Yacht »Peregrine,« die als ein Meisterstück der
Schiffbaukunst berühmt war und schon mehr als einmal in dieser
Geschichte erwähnt worden ist. Cutts, der sich durch seine
Unerschrockenheit im irischen Kriege ausgezeichnet hatte und mit der
irischen Peerswürde belohnt worden war, erbot sich, Caermarthen zu
begleiten. Lord Mohun, der wahrscheinlich mit dem Wunsche, durch
ehrenvolle Thaten den Schandfleck zu verwischen, den ein schmachvoller
und unglücklich ausgegangener Streit auf seinen Namen geworfen, als
Freiwilliger bei den Truppen diente, bestand ebenfalls darauf, von der
Partie zu sein. Der Peregrine fuhr mit seiner tapferen Mannschaft in die
Bucht ein und kam wohlbehalten, aber nicht ohne in großer Gefahr
geschwebt zu haben, wieder heraus. Caermarthen berichtete, daß die
Vertheidigungsanstalten, von denen er indeß nur einen kleinen Theil
gesehen, furchtbar seien. Berkeley und Talmash aber vermutheten, daß er
die Gefahr überschätzt habe. Sie wußten nicht, daß ihr Vorhaben schon
längst in Versailles bekannt gewesen, daß eine Armee zu ihrem Empfange
zusammengezogen worden war und daß der größte Ingenieur der Welt die
Küste befestigt hatte. Sie zweifelten daher nicht, daß ihre Truppen
unter dem Schutze der Kanonen ihrer Schiffe leicht würden ans Land
gesetzt werden können. Am folgenden Morgen erhielt Caermarthen Ordre,
mit acht Linienschiffen in die Bai einzufahren und die französischen
Werke zu bombardiren. Talmash sollte mit ungefähr hundert Booten voll
Soldaten folgen. Es stellte sich bald heraus, daß das Unternehmen sogar
noch gefährlicher war, als es den Tag vorher geschienen hatte.
Batterien, die man gar nicht bemerkt hatte, eröffneten ein so
mörderisches Feuer gegen die Schiffe, daß mehrere Verdecke bald
gesäubert waren. Starke Infanterie- und Cavalleriecorps kamen zum
Vorschein und erwiesen sich nach ihren Uniformen als reguläre Truppen.
Der junge Contreadmiral schickte schleunigst einen Offizier ab, um
Talmash zu warnen. Aber Talmash war so vollständig von dem Wahne
beherrscht, daß die Franzosen nicht darauf vorbereitet seien, einen
Angriff abzuwehren, daß er jede Vorsichtsmaßregel unterließ und nicht
einmal seinen eigenen Augen traute. Er glaubte fest, daß die
Truppenmacht, die er an der Küste versammelt sah, ein bloßer
Bauernschwarm sei, den man in der Eile aus der Umgegend
zusammengetrieben habe. Ueberzeugt, daß diese Scheinsoldaten vor
wirklichen Soldaten wie Schafe davonlaufen würden, befahl er seinen
Leuten, nach dem Strande zu rudern. Er wurde bald eines Andren belehrt.
Ein fürchterliches Feuer mähte seine Truppen rascher nieder als sie ans
Ufer gelangen konnten. Er selbst war kaum auf trocknen Boden gesprungen,
als eine Kanonenkugel ihn am Schenkel verwundete, so daß er in sein
Boot zurückgetragen werden mußte. Seine Leute schifften sich in
Verwirrung wieder ein. Schiffe und Boote eilten aus der Bucht
herauszukommen, was ihnen jedoch erst gelang, nachdem vierhundert
Matrosen und siebenhundert Soldaten gefallen waren. Noch viele Tage
nachher spülten die Wellen fortwährend von Kugeln zerrissene und
verstümmelte Leichname an den Strand der Bretagne. Die Batterie, von
welcher Talmash seine Wunde erhielt, wird noch heute »des Engländer's
Tod« genannt.
Der unglückliche General wurde auf sein Lager gebettet und in seiner
Kajüte ein Kriegsrath gehalten. Er war dafür, direct in den Hafen von
Brest einzufahren um die Stadt zu bombardiren. Dieser Vorschlag aber,
der nur zu deutlich verrieth, daß seine Urtheilskraft unter der
Aufregung eines verwundeten Körpers und eines verwundeten Gemüths
gelitten hatte, wurde von den Flottenoffizieren wohlweislich verworfen.
Das Geschwader kehrte nach Portsmouth zurück. Dort starb Talmash, noch
mit seinem letzten Athemzuge versichernd, daß er durch Verrätherei in
eine Schlinge gelockt worden sei. Der Schmerz und Unwille des Volks
äußerte sich laut. Die Nation erinnerte sich der Dienste des
unglücklichen Generals, verzieh ihm seine Uebereilung, bedauerte seine
Leiden und fluchte dem unbekannten Verräther, dessen Machinationen ihm
zum Verderben gereicht hatten. Es circulirten allerhand Muthmaßungen und
Gerüchte. Einige durch Nationalvorurtheil verblendete starre Engländer
schworen, daß keiner unserer Pläne je dem Feinde verborgen bleiben
würde, so lange französische Refugiés hohe Militärcommandos bekleideten.
Einige durch Parteigeist verblendete eifrige Whigs murmelten, daß es dem
Hofe von Saint-Germain nie an guter Kundschaft fehlen würde, so lange
ein einziger Tory im Cabinetsrath sei. Der wirklich Schuldige wurde
nicht genannt und erst als die Archive des Hauses Stuart untersucht
wurden, erfuhr die Welt, daß Talmash durch die schändlichste aller
hundert Schändlichkeiten Marlborough's umgekommen war.[115]
Und doch war Marlborough niemals weniger ein Jakobit gewesen als in dem
Augenblicke wo er dem Jakobitismus diesen abscheulichen und
schmachvollen Dienst leistete. Man darf mit Gewißheit behaupten, daß es
nicht seine Absicht war, der verbannten Familie zu dienen, und daß es
nur seine sekundäre Absicht war, sich bei der verbannten Familie beliebt
zu machen. Sein Hauptzweck war, sich in den Dienst der bestehenden
Regierung einzudrängen und wieder in den Besitz der wichtigen und
einträglichen Stellen zu gelangen, die ihm vor mehr als zwei Jahren
entzogen worden waren. Er wußte, daß das Land und das Parlament es nicht
geduldig ertragen würden, die Armee von ausländischen Generälen
commandirt zu sehen. Nur zwei Engländer hatten sich für hohe
militärische Posten brauchbar erwiesen: er selbst und Talmash. Wenn
Talmash geschlagen und entlassen wurde, blieb Wilhelm fast keine Wahl
mehr. In der That, sobald es bekannt wurde, daß die Expedition mißlungen
und daß Talmash nicht mehr war, äußerte sich laut das allgemeine
Verlangen, daß der König den ausgezeichneten Heerführer, der bei
Walcourt, bei Cork und bei Kinsale so Großes geleistet habe, wieder zu
Gnaden annehmen solle. Auch können wir die Menge wegen dieses
Verlangens nicht tadeln, denn Jedermann wußte, daß er ein vorzüglich
tapferer, geschickter und glücklicher Offizier war; aber nur sehr Wenige
wußten, daß, während er Wilhelm's Truppen befehligte, während er in
Wilhelm's Staatsrath saß und während er Wilhelm's Kammerherr war, er ein
ungemein arglistiges und gefährliches Complot schmiedete, um Wilhelm's
Thron umzustürzen, und noch Wenigere vermutheten in ihm den Urheber des
neuerlichen Unglücks, des Gemetzels in der Camaretbai und des traurigen
Schicksals Talmash's. So hatte die schändlichste aller Verräthereien die
Folge, daß der Verräther in der öffentlichen Achtung stieg. Er unterließ
denn auch nicht, den günstigen Augenblick sich zu Nutze zu machen.
Während die Börse wegen des durch ihn herbeigeführten Unglücks in
Bestürzung war, während zahlreiche Familien um die tapferen Männer,
deren Mörder er war, Trauer anlegten, begab er sich nach Whitehall und
betheuerte dort mit all' der Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit, unter
denen ein verdorrtes Gewissen und ein reueloses Herz vor den Blicken
oberflächlicher Beobachter verborgen waren, daß er der treueste und
loyalste Unterthan Wilhelm's und Mariens sei, und sprach die Hoffnung
aus, daß es ihm unter den gegenwärtigen dringenden Umständen vergönnt
sein werde, Ihren Majestäten seinen Degen anzubieten. Shrewsbury
wünschte sehr, daß das Anerbieten angenommen werden möchte, aber eine
kurze und trockene Antwort von Wilhelm, der sich damals in den
Niederlanden befand, machte für den Augenblick jeder Unterhandlung ein
Ende. Ueber Talmash sprach sich der König mit hochherziger Rührung aus.
»Das Schicksal des armen Freundes,« schrieb er, »hat mich tief
ergriffen. Ich kann zwar nicht sagen, daß er den richtigen Weg
eingeschlagen hat; aber sein heißer Drang sich auszuzeichnen, bewog ihn,
Unmögliches zu versuchen.«[116]
Die nach Portsmouth zurückgekehrte Flotte segelte bald wieder nach der
Küste Frankreich's ab, aber vollbrachte nur Thaten, welche schlimmer als
unrühmlich waren. Es wurde ein Versuch gemacht, den Hafendamm von
Dünkirchen in die Luft zu sprengen. Einige von friedlichen Kaufleuten
und Fischern bewohnte Städte wurden bombardirt. In Dieppe blieb fast
kein einziges Haus stehen, ein Drittel von Havre wurde in Asche gelegt,
und nach Calais wurden Bomben geworfen, welche dreißig Privatwohnungen
zerstörten. Die Franzosen und Jakobiten schrien laut über die Feigheit
und Barbarei, gegen eine wehrlose Bevölkerung Krieg zu führen. Die
englische Regierung vertheidigte sich, indem sie die Welt an die Leiden
der dreimal verwüsteten Pfalz erinnerte, und Ludwig und seinen
Schmeichlern gegenüber war diese Rechtfertigung vollkommen genügend. Ob
es sich aber mit der Humanität und mit einer gesunden Politik
vereinbaren ließ, die Verbrechen, die ein unumschränkter Fürst und eine
wilde Soldateska in der Pfalz verübt hatten, Krämern und Arbeitern,
Frauen und Kindern entgelten zu lassen, die gar nicht wußten, daß es
eine Pfalz gab, dürfte wohl zu bezweifeln sein.
[_Operationen im Mittelländischen Meere._] Inzwischen leistete Russell's
Flotte der gemeinsamen Sache gute Dienste. Widrige Winde hatten seine
Einfahrt durch die Meerenge so lange verzögert, daß er erst Mitte Juli
Carthagena erreichte. Indessen hatten die Fortschritte der französischen
Waffen selbst bis in das Eskurial Schrecken verbreitet. Noailles hatte
an den Ufern des Tar eine Armee unter den Befehlen des Vicekönigs von
Catalonien geschlagen, und an dem Tage, an welchem dieser Sieg erfochten
wurde, hatte sich das Brester Geschwader in der Rosasbai mit dem
Touloner Geschwader vereinigt. Palamos, gleichzeitig zu Lande und zur
See angegriffen, wurde mit Sturm genommen. Gerona kapitulirte nach
schwachem Widerstande. Ostalric ergab sich auf die erste Aufforderung.
Barcelona würde aller Wahrscheinlichkeit nach auch gefallen sein, hätten
die französischen Admiräle nicht erfahren, daß der Sieger von La Hogue
sich nähere. Sie verließen sogleich die Küste von Catalonien und hielten
sich nicht eher für sicher, als bis sie unter dem Schutze der Batterien
von Toulon waren.
Die spanische Regierung sprach ihren warmen Dank für diesen
rechtzeitigen Beistand aus und machte dem englischen Admiral einen Juwel
zum Geschenk, dessen Werth allgemein auf zwanzigtausend Pfund Sterling
geschätzt wurde. Es hielt nicht schwer, einen solchen Juwel unter der
Masse kostbarer Kleinodien zu finden, welche Karl V. und Philipp II.
einem entarteten Geschlecht hinterlassen hatten. In Allem, was den
wahren Reichthum eines Staates bildet, war jedoch Spanien sehr arm.
Seine Schatzkammer war leer, seine Arsenale waren nicht gefüllt, seine
Schiffe waren so verfallen, daß sie bei dem Abfeuern ihrer eigenen
Geschütze aus den Fugen zu gehen drohten. Seine zerlumpten und
verhungerten Soldaten mischten sich oft unter den Bettlerschwarm an den
Thüren der Klöster und schlugen sich da um eine Suppe und eine
Brotrinde. Russell erfuhr die Prüfungen, denen kein englischer
Befehlshaber entgangen ist, den sein Unstern dazu verurtheilte, in
Verbindung mit Spanien zu operiren. Der Vicekönig von Catalonien
versprach Viel, that Nichts und erwartete Alles. Er erklärte, daß
dreihundertfunfzigtausend Rationen zur Vertheilung an die vor Carthagena
liegende Flotte bereit seien. Es ergab sich jedoch, daß alle Magazine
dieses Hafens nicht soviel Lebensmittel enthielten, um eine einzige
Fregatte auf eine einzige Woche zu verproviantiren. Gleichwohl glaubte
Se. Excellenz das Recht zu haben, sich darüber zu beschweren, daß
England außer der Flotte nicht auch eine Armee geschickt habe, und daß
der ketzerische Admiral es nicht für gut fand, die Flotte durch
Angreifen der Franzosen unter den Kanonen von Toulon der gänzlichen
Vernichtung auszusetzen. Russell beschwor die spanischen Behörden, die
Thätigkeit auf ihren Schiffswerften zu beschleunigen und Alles
aufzubieten, um für nächstes Frühjahr ein kleines Geschwader zu stellen,
das wenigstens seetüchtig sei; aber er konnte sie nicht dazu bewegen,
ein einziges Schiff auszubessern. Nur mit Mühe und unter harten
Bedingungen erlangte er die Erlaubniß, einige seiner Kranken in die
Marinehospitäler an der Küste zu schicken. Doch trotz aller
Verlegenheiten, die ihm die Bornirtheit und Undankbarkeit einer
Regierung bereitete, welche ihren Alliirten jederzeit mehr Schaden
zugefügt hat als ihren Feinden, machte er seine Sache gut. Es ist nicht
mehr als recht und billig, wenn man sagt, daß von dem Augenblicke an, wo
er erster Lord der Admiralität wurde, eine entschiedene Besserung in der
Marineverwaltung eintrat. Obgleich er mit seiner Flotte viele Monate
lang in der Nähe einer ungastlichen Küste und in weiter Entfernung von
England lag, kamen keine Klagen über die Qualität oder Quantität der
Lebensmittel vor. Die Mannschaften hatten bessere Speisen und Getränke,
als sie je zuvor gehabt; Bequemlichkeiten, welche Spanien nicht darbot,
wurden vom Hause herbeigeschafft, und dennoch war der Kostenaufwand
nicht größer als zu Torrington's Zeiten, wo der Matrose mit verfaultem
Zwieback und mit verdorbenem Biere vergiftet wurde.
Da fast die ganze französische Seemacht im Mittelländischen Meere war
und da zu erwarten stand, daß in folgendem Jahre ein Versuch auf
Barcelona gemacht werden würde, so erhielt Russell den Befehl, in Cadix
zu überwintern. Im October segelte er nach diesem Hafen ab und hier
betrieb er die Ausbesserung seiner Schiffe mit einer Thätigkeit, die den
spanischen Beamten, welche die elenden Ueberreste der einst größten
Flotte der Welt ruhig vor ihren Augen verfaulen ließen, unbegreiflich
war.[117]
[_Krieg zu Lande._] Längs der östlichen Grenze Frankreich's schien der
Krieg dieses Jahr lässig betrieben zu werden. In Piemont und am Rhein
waren die wichtigsten Ereignisse des Feldzugs kleine Scharmützel und
räuberische Einfälle. Ludwig blieb in Versailles und schickte seinen
Sohn, den Dauphin, in die Niederlande, um ihn dort zu repräsentiren;
aber der Dauphin stand unter der Vormundschaft Luxemburg's und er erwies
sich als ein sehr folgsames Mündel. Mehrere Monate lang beobachteten die
feindlichen Heere einander nur. Die Verbündeten versuchten einen kühnen
Angriff in der Absicht, den Krieg auf französisches Gebiet zu
übertragen; Luxemburg aber vereitelte den Plan durch einen Eilmarsch,
der die Bewunderung aller Kriegskundigen erregte. Dagegen gelang es
Wilhelm, Huy zu nehmen, damals eine Festung dritten Ranges. Keine
Schlacht ward geliefert, keinige wichtige Stadt ward belagert, aber die
Verbündeten waren mit dem Feldzuge zufrieden. Die vier letztverflossenen
Jahre waren jedes durch eine große Niederlage bezeichnet worden. Im
Jahre 1690 war Waldeck bei Fleurus geschlagen worden. Im Jahre 1691 war
Mons gefallen. Im Jahre 1692 war Namur vor den Augen der Alliirten
genommen worden und auf dieses Unglück war bald die Niederlage bei
Steenkerke gefolgt. Im Jahre 1693 war die Schlacht bei Landen verloren
worden und Charleroy hatte sich dem Sieger unterworfen. Endlich im Jahre
1694 hatte sich das Blatt zu wenden begonnen. Die französischen Armeen
hatten keine weiteren Fortschritte gemacht. Die Verbündeten hatten zwar
nicht viel gewonnen; aber den durch eine lange Reihe von Unfällen
Entmuthigten war auch der kleinste Gewinn willkommen.
In England war man allgemein der Ansicht, daß trotz der Niederlage in
der Camaretbai der Krieg im Ganzen einen befriedigenden Verlauf nehme.
Aber einige Zweige der inneren Verwaltung erregten während dieses
Herbstes viel Unzufriedenheit.
[_Klagen über Trenchard's Verwaltung._] Seit Trenchard's Ernennung zum
Staatssekretär hatten die jakobitischen Agitatoren ihre Lage viel
unerquicklicher gefunden als vorher. Sidney war viel zu nachsichtig und
viel zu vergnügungssüchtig gewesen, als daß er ihnen viel Grund zu
Besorgniß hätte geben sollen. Nottingham war ein fleißiger und
geschickter Minister, aber er war ein so entschiedener Hochtory wie ein
treuer Unterthan Wilhelm's und Marien's es nur sein konnte; er liebte
und achtete viele von den Eidverweigerern, und wenn er sich auch zwang,
da streng zu sein wo nur Strenge den Staat retten konnte, so beobachtete
er doch nicht zu ängstlich die Vergehen seiner ehemaligen Freunde;
ebensowenig ermuthigte er die Angeber, mit Anzeigen von Verschwörungen
nach Whitehall zu kommen. Trenchard aber war nicht nur ein thätiger
Minister, sondern auch ein eifriger Whig. Selbst wenn er für seine
Person zur Milde geneigt gewesen wäre, würde er durch seine Umgebungen
zur Strenge getrieben worden sein. Er hatte beständig Hugo Speke und
Aaron Smith zur Seite, zwei Männer, denen eine Jagd auf einen Jakobiten
das reizendste aller Sportvergnügen war. Die Unzufriedenen sagten,
Nottingham habe seine Bluthunde an der Leine gehalten, Trenchard aber
habe sie losgelassen. Jeder rechtschaffene Gentleman, der die Kirche
liebe und die Holländer hasse, schwebe in Lebensgefahr. Es sei ein
beständiges Gewühl im Bureau des Sekretärs, ein fortwährendes Ab- und
Zuströmen von ankommenden Denuncianten und mit Verhaftsbefehlen
abgehenden Boten. Es wurde ferner gesagt, die Verhaftsbefehle seien oft
regelwidrig abgefaßt, weder die Person noch das Verbrechen sei darin
genau bezeichnet und doch würden unter der Autorität solcher Instrumente
Privatwohnungen betreten, Pulte und Zimmer durchsucht, werthvolle
Papiere weggenommen und Männer von guter Herkunft und Erziehung ins
Gefängniß mitten unter gemeine Verbrecher geworfen.[118]
Der Minister und seine Agenten antworteten darauf, daß Westminster Hall
offen stehe, daß, wenn Jemand unrechtmäßigerweise verhaftet worden sei,
er nur seine Beschwerde einzureichen brauche; daß die Juries gerade
bereit genug seien, Jeden anzuhören, der von grausamen und
gewaltthätigen Machthabern tyrannisirt worden zu sein behaupte, und daß,
da keiner der Gefangenen, deren angeblich erlittene Unbilden so
ergreifend geschildert würden, es gewagt habe, zu diesem naheliegenden
und einfachen Mittel, Genugthuung zu erlangen, gegriffen habe, man
füglich annehmen dürfe, daß nichts geschehen sei, was sich nicht
rechtfertigen lasse. Das Geschrei der Unzufriedenen machte jedoch einen
bedeutenden Eindruck auf das Volk, und endlich zog ein Vorfall, bei
welchem Trenchard mehr unglücklich als strafbar war, ihm und seiner
Regierung viel zeitweilige Vorwürfe zu.
[_Die gerichtlichen Verfolgungen in Lancashire._] Unter den Angebern,
die sein Bureau belagerten, befand sich ein irischer Abenteurer, der
schon mehr als einen Namen geführt und sich zu mehr als einem Glauben
bekannt hatte. Gegenwärtig nannte er sich Taaffe. Er war Priester der
römisch-katholischen Kirche und Sekretär des päpstlichen Nuntius Adda
gewesen, war aber nach der Revolution Protestant geworden, hatte
geheirathet und sich durch seine Thätigkeit bei Entdeckung des
heimlichen Eigenthums derjenigen Jesuiten und Benedictiner
ausgezeichnet, die sich unter der vorigen Regierung in London
aufhielten. Die Minister verachteten ihn, aber sie benutzten ihn. Sie
glaubten, daß er durch seine Apostasie und durch den Antheil, den er an
der Beraubung der geistlichen Orden genommen, sich jeden Rückzug
abgeschnitten habe und daß er dem König Wilhelm treu sein müsse, da er
vom König Jakob nichts als den Strang zu erwarten habe.[119]
Dieser Mann machte die Bekanntschaft eines jakobitischen Agenten, Namens
Lunt, der seit der Revolution zu wiederholten Malen unter der
mißvergnügten Gentry von Cheshire und Lancashire gebraucht worden und
der in die Insurrectionspläne eingeweiht gewesen war, welche durch die
Schlacht am Boyne 1690 und durch die Schlacht von La Hogue 1692
vereitelt wurden. Lunt war einmal als des Hochverraths verdächtig
eingezogen, aus Mangel an juristischem Beweise für seine Schuld aber von
der Anklage entbunden werden. Er war ein bloßer Söldling und wurde von
Taaffe mit leichter Mühe bewogen, zum Angeber zu werden. Das Paar ging
zu Trenchard. Lunt erzählte seine Geschichte, nannte die Namen einiger
Squires von Cheshire und Lancashire, denen er Ernennungspatente von
Saint-Germains überbracht haben wollte, und die einiger anderen, von
denen er zu wissen vorgab, daß sie im Geheimen Waffen und Munition
aufhäuften. Sein einfacher Eid würde nicht genügt haben, um einer
Hochverrathsanklage Halt zu geben; aber er stellte einen andren Zeugen,
dessen Aussagen die Anklage zu ergänzen schienen. Die Erzählung klang
wahrscheinlich und hatte Zusammenhang, und wenn sie auch durch eigene
Erfindungen ausgeschmückt sein mochte, so kann es doch kaum einem
Zweifel unterliegen, daß sie in der Hauptsache richtig war.[120] Es
wurden Agenten und Haussuchungsbefehle nach Lancashire geschickt. Aaron
Smith ging selbst hin und Taaffe begleitete ihn. Einige der zahlreichen
Verräther, welche Wilhelm's Brot aßen, hatten jedoch bereits das
Alarmzeichen gegeben; ein Theil der Angeschuldigten war geflohen, und
Andere hatten ihre Säbel und Flinten vergraben und ihre Papiere
verbrannt. Indessen machte man doch Entdeckungen, welche Lunt's Aussagen
bestätigten. Hinter dem Wandgetäfel des alten Schlosses einer
römisch-katholischen Familie wurde ein von Jakob unterzeichnetes Patent
gefunden. Ein andres Haus, dessen Besitzer sich aus dem Staube gemacht
hatte, wurde trotz der feierlichen Versicherungen seiner Gattin und
seiner Dienerschaft, daß keine Waffen darin verborgen seien, genau
durchsucht. Während die Dame, mit der Hand auf dem Herzen, auf ihre Ehre
betheuerte, daß ihr Gatte fälschlich angeklagt sei, bemerkten die Boten,
daß die hintere Wand des Kamins nicht gut befestigt zu sein schien. Die
Bekleidung wurde losgerissen und ein Haufen Klingen, wie sie bei der
Reiterei in Gebrauch waren, fiel heraus. In einer der Bodenkammern fand
man sorgfältig eingemauert, dreißig Pferdesättel, eben so viele
Brustharnische und sechzig Cavalleriesäbel. Trenchard und Aaron Smith
hielten die aufgefundenen Schuldbeweise für genügend und es wurde
beschlossen daß diejenigen Angeklagten, welche ergriffen worden waren,
durch eine Specialcommission in Untersuchung gezogen werden
sollten.[121]