Reise nach Hofe empfand. Sein Lebensmuth war durch Mißgeschick und
Demüthigungen gebeugt, ja anscheinend völlig gebrochen worden. Die
Sprache, die er seinem Prinzipal gegenüber zu führen pflegte, war, so
weit wir es nach den noch vorhandenen Proben beurtheilen können, die
eines Lakaien oder vielmehr eines Bettlers.[125] Ein hartes Wort oder
ein kalter Blick des Herrn reichte hin, um den Diener auf mehrere Tage
unglücklich zu machen.[126] Doch diese Zahmheit war nur die Zahmheit,
mit der ein eingefangener, in den Käfig gesperrter und hungriger Tiger
sich dem Wärter unterwirft, der ihm Futter bringt. Der demüthige Diener
war im Herzen der stolzeste, hochstrebendste, rachsüchtigste und
despotischste Mensch von der Welt. Und jetzt eröffnete sich ihm endlich
eine weite, unbegrenzte Aussicht. Wilhelm kannte ihn schon ein wenig. In
Moor Park war der König zuweilen, wenn die Gicht seinen Wirth an den
Krankenstuhl fesselte, von dem Sekretär durch den Park begleitet worden.
Se. Majestät hatte geruht, seinem Begleiter zu beschreiben, wie man in
Holland den Spargel zu schneiden und zuzubereiten pflegte, und hatte ihn
huldreich gefragt, ob Mr. Swift wohl Lust habe, ein Rittmeisterpatent in
einem Cavallerieregiment anzunehmen. Jetzt aber sollte der junge Mann
zum ersten Male als Rathgeber vor dem Könige stehen. Er erhielt Zutritt
in das Privatcabinet Wilhelm's, überreichte ihm einen Brief von Temple
und erläuterte und bekräftigte die in diesem Briefe enthaltenen
Argumente in gedrängter Kürze, aber ohne Zweifel mit Klarheit und
Gewandtheit. Es sei, sagte er, kein Grund zu der Annahme vorhanden, daß
kurze Parlamente mehr als lange Parlamente geneigt sein würden, in die
gerechten Prärogativen der Krone einzugreifen. Das Parlament, welches in
der vorhergehenden Generation gegen einen König Krieg geführt, ihn
gefangen genommen, ihn in den Kerker, vor Gericht und aufs Schaffot
gebracht habe, sei sogar in unseren Annalen vorzugsweise als das Lange
Parlament bekannt. Nie würde solches Unheil über die Monarchie gekommen
sein, wenn das verhängnißvolle Gesetz nicht existirt hätte, welches
diese Versammlung vor Auflösung sicherte.[127] Man muß gestehen, daß in
dieser Beweisführung ein Mangel war, den auch ein minder kluger Kopf als
Wilhelm leicht entdeckt haben würde. Wenn eine Beschränkung der
königlichen Prärogative verderblich geworden war, so bewies dies noch
nicht, daß eine andre Beschränkung heilsam sein werde. Daraus, daß ein
Souverain ins Verderben gestürzt worden war, weil er sich eines ihm
feindlich gesinnten Parlaments nicht hatte entledigen können, folgte
noch keineswegs, daß ein andrer Souverain nicht dadurch ins Verderben
gestürzt werden konnte, daß er genöthigt war, sich von einem ihm
freundlich gesinnten Parlamente zu trennen. Zum großen Verdrusse des
Abgesandten vermochten seine Gründe nicht, den Entschluß des Königs zu
erschüttern. Am 14. März wurden die Gemeinen ins Oberhaus beschieden;
der Titel der Dreijährigkeitsbill wurde verlesen und es wurde der
hergebrachten Form gemäß angekündigt, daß der König und die Königin die
Sache in Erwägung ziehen wollten. Dann wurde das Parlament prorogirt.
[_Ministerielle Arrangements._] Bald nach der Prorogation brach Wilhelm
nach dem Continent auf. Vor seiner Abreise mußte er jedoch noch einige
wichtige Aenderungen vornehmen. Er war entschlossen, Nottingham nicht zu
entlassen, in dessen Rechtschaffenheit, eine bei den englischen
Staatsmännern seltene Tugend, er wohlbegründetes Vertrauen setzte. Wenn
jedoch Nottingham Staatssekretär blieb, konnte Russell ferner nicht bei
der Flotte bleiben. Russell wurde, allerdings zu seinem großen Verdruß,
zur Annahme eines einträglichen Postens im Hofstaate bewogen, und zwei
in ihrem Fache ausgezeichnete Flottenoffiziere, Killegrew und Delaval,
bei der Admiralität angestellt und mit dem Commando der Kanalflotte
betraut.[128] Diese Arrangements erweckten einiges Murren unter den
Whigs, denn Killegrew und Delaval waren anerkanntermaßen Tories und
wurden von Vielen für Jakobiten gehalten. Aber andere Ernennungen,
welche zu gleicher Zeit stattfanden, bewiesen, daß der König
unparteiisch gegen die beiden feindlichen Parteien verfahren wollte.
Nottingham war seit einem Jahre alleiniger Staatssekretär. Jetzt erhielt
er einen Collegen, in dessen Gesellschaft er sich sehr unbehaglich
gefühlt haben muß: Johann Trenchard. Trenchard gehörte zur extremen
Section der Whigpartei. Er war ein Tauntonmann, beseelt von dem Geiste,
durch den sich Taunton durch zwei Generationen vorzugsweise
ausgezeichnet hatte. Er hatte in den Tagen der Papstverbrennungen und
der protestantischen Dreschflegel[129] dem berühmten Club des grünen
Bandes angehört, war ein thätiges Mitglied mehrerer stürmischer
Parlamente gewesen, hatte die erste Ausschließungsbill eingebracht, war
bei den von den Häuptern der Opposition geschmiedeten Comploten stark
betheiligt gewesen, war auf den Continent geflüchtet, hatte lange in der
Verbannung zugebracht und war von der allgemeinen Amnestie von 1686
speciell ausgenommen worden. Obwohl er ein sehr unruhiges Leben geführt,
war er doch von Natur friedlichen Temperaments, aber er stand in enger
Verbindung mit einer Klasse von Leuten, deren Leidenschaften weit
heftiger waren als seine eigenen. Er hatte sich mit der Schwester Hugo
Speke's vermählt, eines der falschesten und boshaftesten Pasquillanten,
welche die Sache der constitutionellen Freiheit schändeten. Aaron Smith,
der Prokurator des Schatzes, ein Mann, der den Fanatiker und den
Rabulisten in seltenem Grade in sich vereinigte, hatte nur zu großen
Einfluß auf den neuen Sekretär, mit dem er zehn Jahre früher in der
Rose Revolutionspläne berathen hatte. Warum Trenchard vor vielen Männern
höheren Ranges und größerer Befähigung zu einem der höchsten und
wichtigsten Posten ernannt wurde, ist schwer zu sagen. Er scheint
jedoch, obgleich er den Titel eines Staatssekretärs führte und den
Gehalt eines solchen bezog, in kein wichtiges Staatsgeheimniß eingeweiht
worden und nicht viel mehr als ein Oberaufseher der Polizei gewesen zu
sein, dessen Amt darin bestand, die Drucker nicht censirter Bücher, die
Pastoren eidverweigernder Gemeinden und die Besucher hochverrätherischer
Wirthshäuser ausfindig zu machen.[130]
Ein andrer Whig von viel bedeutenderem Rufe wurde zur selben Zeit zu
einem weit höheren Verwaltungsposten berufen. Das große Siegel war
nunmehr vier Jahre einer Commission anvertraut gewesen. Seit Maynard's
Rücktritt hatte die Beschaffenheit des Court of Chancery wenig Achtung
eingeflößt. Trevor, der erster Commissar war, fehlte es weder an
Talenten noch an Gelehrsamkeit; aber seine Rechtschaffenheit wurde mit
gutem Grunde in Zweifel gezogen, und die Pflichten, die ihm als Sprecher
des Hauses der Gemeinen vier bis fünf Monate hindurch in dem
geschäftsreichsten Theile des Jahres oblagen, machten es ihm unmöglich,
seinen Platz als Billigkeitsrichter gehörig auszufüllen. Jeder
Rechtsuchende klagte, daß er übermäßig lange auf einen Ausspruch habe
warten müssen, und wenn endlich ein Urtheil gefällt worden sei, habe es
alle Aussicht gehabt, bei der Appellation umgestoßen zu werden.
Inzwischen gab es keinen wirksamen Justizminister, keinen hohen Beamten,
der die specielle Obliegenheit hatte, dem Könige bei der Ernennung von
Richtern, Kronanwälten und Friedensrichtern mit Rath zur Hand zu
gehen.[131] Es war bekannt, daß Wilhelm die Nachtheile dieses Zustandes
der Dinge einsah, und seit mehreren Monaten war die Rede davon, daß bald
ein Lord Siegelbewahrer oder ein Lord Kanzler ernannt werden würde.[132]
Der am häufigsten genannte Name war der Nottingham's. Aber die nämlichen
Gründe, die ihn abgehalten hatten, im Jahre 1689 das große Siegel
anzunehmen, hatten seit diesem Jahre an Stärke eher zugenommen als
verloren. Wilhelm's Wahl fiel endlich auf Somers.
Somers stand erst in seinem zweiundvierzigsten Lebensjahre, und es war
noch keine fünf Jahre her, seitdem die Welt seine Talente an dem
wichtigen Tage des Prozesses der Bischöfe zuerst kennen gelernt hatte.
Von jenem Augenblicke an war sein Ruf stetig und rapid gestiegen. Weder
in richterlicher noch in parlamentarischer Beredtsamkeit stand irgend
Jemand über ihm. Die Consequenz in seinem öffentlichen Auftreten hatte
ihm das volle Vertrauen der Whigs verschafft, und seine Urbanität hatte
ihm auch die Herzen der Tories gewonnen. Nur mit großem Widerstreben
hatte er sich dazu verstanden, eine Versammlung, auf die er einen
ungeheuren Einfluß ausübte, mit einer andren Versammlung zu vertauschen,
in der er voraussichtlich stumm bleiben mußte. Er hatte erst seit
Kurzem eine große Praxis, und seine Ersparnisse waren daher unbedeutend.
Da er nicht die Mittel besaß, um einen erblichen Titel gehörig zu
repräsentiren, mußte er, wenn er die ihm angetragene hohe Würde annahm,
mehrere Jahre im Oberhause präsidiren, ohne an den Debatten Theil zu
nehmen. Andere waren jedoch der Meinung, daß er als Oberhaupt des
Gesetzes nützlicher sein werde, denn als Oberhaupt der Whigpartei bei
den Gemeinen. Er wurde nach Kensington beschieden und in das
Staatsrathszimmer gerufen. Caermarthen sprach im Namen des Königs. »Sir
John,« sagte er, »es ist im Interesse des Staats nöthig, daß Sie dieses
Amt übernehmen, und ich habe Befehl von Sr. Majestät, Ihnen zu sagen,
daß er keine Entschuldigung gelten lassen kann.« Somers fügte sich. Das
Siegel wurde ihm übergeben, zugleich mit einem Patent, das ihm von dem
Tage, an welchem er sein Amt niederlegen würde, eine Pension von
zweitausend Pfund jährlich zusicherte, und er wurde unverzüglich als
Mitglied des Geheimen Raths und Großsiegelbewahrer vereidigt.[133]
[_Der König begiebt sich nach Holland._] Die Gazette, welche diese
Veränderungen in der Verwaltung ankündigte, zeigte auch die Abreise des
Königs an. Am 24. März ging er nach Holland ab.
[_Eine Parlamentssession in Schottland._] Er hinterließ den Befehl, daß
die schottischen Stände nach einer Pause von mehr als dritthalb Jahren
wieder einberufen werden sollten. Hamilton, der viele Monate in der
Zurückgezogenheit gelebt, hatte sich seit dem Sturze Melville's mit dem
Hofe ausgesöhnt und willigte jetzt ein, seinen Ruhesitz zu verlassen und
als Lord Obercommissar Holyrood House zu beziehen. Es war nothwendig,
daß einer der Staatssekretäre für Schottland den König begleitete, und
der Master von Stair hatte sich daher auf den Continent begeben. Sein
College Johnstone war erster Agent der Krone für Edinburg und hatte
Auftrag, regelmäßig mit Carstairs zu correspondiren, der Wilhelm nie
verließ.[134]
Man hätte wohl erwarten können, daß die Session stürmisch werden würde.
Das Parlament war das nämliche, das im Jahre 1689 mit überwiegenden
Majoritäten die heftigsten Beschlüsse votirt hatte, welche Montgomery
und sein Club entwerfen konnten, das Steuern verweigert, die Minister
der Krone proscribirt, die Gerichtshöfe geschlossen hatte und sich
vorgenommen zu haben schien, Schottland in eine oligarchische Republik
zu verwandeln. Im Jahre 1690 waren die Stände in einer besseren Stimmung
gewesen. Doch hatten sie selbst im Jahre 1690, als die kirchliche
Verfassung des Reichs berathen wurde, auf den wohlbekannten Wunsch des
Königs wenig Rücksicht genommen. Sie hatten das Patronatsrecht
abgeschafft, sie hatten das Mißhandeln des Episkopalklerus sanctionirt,
sie hatten sich geweigert, eine Toleranzacte zu erlassen. Es war sehr
wahrscheinlich, daß sie auch jetzt noch unlenksam befunden werden
würden, wenn sie Religionsfragen entscheiden sollten, und leider mußten
ihnen solche Fragen zur Entscheidung vorgelegt werden. Wilhelm hatte
während der Suspension der Ständeversammlung die Generalversammlung der
Kirche zu überreden versucht, diejenigen seitherigen Curaten, welche das
Glaubensbekenntniß unterschrieben und sich der Synodalverfassung
unterwarfen, in die Gemeinschaft aufzunehmen. Aber der Versuch war
mißlungen und die Versammlung war in Folge dessen von dem Lord Commissar
aufgelöst worden. Unglücklicherweise aber hatte die Acte, welche das
presbyterianische Kirchenregiment einführte, die Ausdehnung der Gewalt
nicht bestimmt, die der Souverain über die geistlichen Gerichtshöfe
ausüben sollte. Die Auflösung war daher nicht sobald angekündigt, als
der Präses ums Wort bat. Man sagte ihm, daß er jetzt nur noch eine
Privatperson sei. Er bat daher als Privatperson um Gehör und protestirte
im Namen seiner Collegen gegen das königliche Mandat. Das Recht der
kirchlichen Würdenträger, sagte er, sich zu versammeln und ihre
Interessen zu berathen, stamme von ihrem göttlichen Oberhaupte und hänge
nicht von dem Belieben der weltlichen Obrigkeit ab. Seine Collegen
standen auf und gaben durch ein beifälliges Gemurmel ihre Zustimmung zu
den Worten ihres Präsidenten zu erkennen. Ehe sie auseinandergingen,
bestimmten sie einen Tag zu ihrer nächsten Zusammenkunft.[135] Es war
allerdings ein sehr entfernter Tag, und als er herankam, erschien weder
ein Geistlicher noch ein Aeltester, denn selbst die kühnsten Mitglieder
scheuten sich vor einem vollständigen Bruche mit der Civilgewalt. Aber
wenn auch kein offener Krieg zwischen der Kirche und der Regierung
bestand, so waren sie doch einander entfremdet, auf einander
eifersüchtig und in beständiger Furcht vor einander. Es war kein Schritt
zu einer Aussöhnung geschehen, als die Stände zusammentraten, und man
konnte wohl in Zweifel darüber sein, auf welche Seite die Stände treten
würden.
Aber die Vorgänge in fast jeder Sitzung dieses sonderbaren Parlaments
machten alle Prophezeiungen der Politiker zu Schanden. Es war einst der
unlenksamste aller Senate gewesen, jetzt war es der willfährigste. Und
doch waren es die nämlichen Männer und sie saßen in dem nämlichen Saale
wie früher. Es befanden sich darunter die lärmendsten Agitatoren des
Clubs, mit Ausnahme Montgomery's, der in einer Dachstube fern von seinem
Heimathlande an Mangel und an gebrochenem Herzen dahinstarb. Es waren
darunter der scheinheilige Roß und der treulose Annandale. Es war
darunter Sir Patrick Hume, unlängst zum Peer creirt und jetzt Lord
Polwarth genannt, aber noch immer so beredtsam als zu der Zeit, wo seine
endlosen Deklamationen und Dissertationen der Expedition Argyle's
verderblich wurden. Doch der ganze Geist der Versammlung hatte eine
Veränderung erfahren. Die Mitglieder hörten mit tiefer Ehrerbietung das
Schreiben des Königs an und antworteten darauf in respectvoller und
herzlicher Sprache. Eine außerordentliche Beisteuer von
hundertvierzehntausend Pfund Sterling wurde der Krone bewilligt. Strenge
Gesetze gegen die Jakobiten wurden erlassen. Die Gesetze in Bezug auf
kirchliche Angelegenheiten waren so erastianisch als Wilhelm selbst es
nur wünschen konnte. Es wurde eine Acte erlassen, welche allen Dienern
der Staatskirche vorschrieb, Ihren Majestäten Treue zu schwören, und der
Generalversammlung befahl, diejenigen noch nicht abgesetzten
Episkopalgeistlichen, welche erklärten, daß sie sich der
presbyterianischen Lehre und Kirchenzucht anbequemten, in die
Gemeinschaft aufzunehmen.[136] Ja, die Stände trieben die Servilität
sogar so weit, daß sie den König unterthänigst ersuchten, er möge
geruhen seinem Lieblinge Portland eine schottische Pairie zu verleihen.
Dies war in der That ihre Hauptpetition. Sie baten nicht um Abstellung
eines einzigen Mißbrauchs, sondern sie beschränkten sich darauf, in
allgemeinen Ausdrücken anzudeuten, daß Mißbräuche existirten, welche
Abhülfe erheischten, und den König behufs näherer Information an seine
Minister, den Lord Obercommissar und den Staatssekretär, zu
verweisen.[137]
Einen Gegenstand gab es, dessen Nichterwähnung selbst bei dem servilsten
schottischen Parlamente auffallen muß. Es war seit dem Gemetzel von
Glencoe über ein Jahr verstrichen, und man hätte erwarten sollen, daß
die ganze Versammlung, Peers, Grafschaftsabgeordnete und
Burgfleckenabgeordnete, einstimmig eine strenge Untersuchung dieses
großen Verbrechens verlangen würde. Allein es ist erwiesen, daß kein
Antrag auf eine solche Untersuchung gestellt wurde. Die Lage der
gälischen Clans wurde zwar in Erwägung gezogen, ein Gesetz zur
wirksameren Unterdrückung der Räubereien und Gewaltthätigkeiten jenseit
der Grenze der Hochlande erlassen und in dieses Gesetz eine
Specialklausel aufgenommen, welche Mac Callum More seine erbliche
Gerichtsbarkeit reservirte. Aber es ergiebt sich weder aus den
öffentlichen Acten über die Proceduren der Stände noch aus den
Privatbriefen, in denen Johnstone regelmäßig Carstairs das Vorgegangene
berichtete, daß irgend ein Sprecher das Schicksal Mac Ian's und seiner
Stammesgenossen erwähnte.[138] Dieses sonderbare Stillschweigen scheint
sich nur dadurch erklären zu lassen, daß die in der Hauptstadt
Schottland's versammelten Politiker von dem Schicksale eines
räuberischen Celtenstammes wenig wußten und sich wenig darum kümmerten.
Der beleidigte Clan, durch die Furcht vor den allmächtigen Campbells zu
Boden gedrückt und nicht gewohnt, sich an die bestehenden Behörden des
Landes um Schutz oder Genugthuung zu wenden, reichte keine Petition bei
den Ständen ein. Die Geschichte von dem Gemetzel war in den
Kaffeehäusern erzählt worden, aber in sehr verschiedener Weise. Ganz
neuerdings waren zwar einige Bücher, in denen die Thatsachen nur zu
richtig mitgetheilt wurden, aus den geheimen Pressen London's
hervorgegangen. Aber diese Bücher wurden nicht öffentlich verkauft, und
sie trugen den Namen keines verantwortlichen Autors. Die jakobitischen
Schriftsteller im allgemeinen waren hämisch boshaft und fragten durchaus
nichts nach Wahrheit. Da die Macdonalds sich nicht beschwerten, so hatte
ein kluger Mann natürlich keine Lust, sich das Mißfallen des Königs, der
Minister und der mächtigsten Familie Schottland's zuzuziehen, indem er
eine Anklage zu erheben wagte, die sich auf nichts als von Mund zu Mund
gehende Gerüchte oder auf Pamphlets gründete, welche kein Censor
erlaubt, auf die kein Verfasser seinen Namen gesetzt und die kein
Buchhändler auszustellen wagte. Doch mag dies die richtige Lösung sein
oder nicht, soviel ist gewiß, daß die Stände nach einer zweimonatlichen
Session, während der, soweit es sich jetzt noch ermitteln läßt, der Name
Glencoe im Parlamentshause nicht ein einziges Mal erwähnt wurde, ruhig
auseinandergingen.
Fußnoten
[1] London Gazette vom 14. März 1692.
[2] Die Schweden kamen zwar noch, aber erst als der Feldzug zu Ende
war. London Gazette vom 10. Sept. 1691.
[3] Wilhelm an Heinsius, 14. (24.) März 1692.
[4] Wilhelm an Heinsius, 2. (12.) Febr. 1692.
[5] Wilhelm an Heinsius, 12. (22.) Jan. 1692.
[6] Wilhelm an Heinsius, 19. (29.) Jan. 1692.
[7] Burnet, II. 82, 83.; Correspondenz zwischen Wilhelm und Heinsius an
mehreren Stellen.
[8] +Mémoires de Torcy.+
[9] Wilhelm an Heinsius, 28. Oct. (8. Nov.) 1691.
[10] Wilhelm an Heinsius, 19. (29.) Jan. 1692.
[11] Seine Briefe an Heinsius sind voll von diesem Gegenstande.
[12] Siehe die Briefe aus Rom unter den +Nairne Papers+. Die von 1692
sind von Lytcott, die von 1693 vom Cardinal Howard, die von 1694 vom
Bischof Ellis, die von 1695 vom Lord Perth. Sie alle sprechen sich
übereinstimmend aus.
[13] Wilhelm's Correspondenz mit Heinsius; London Gazette vom 4. Febr.
1691. In einem 1693 erschienenen Pasquill, betitelt: »+La Foire
d'Ausbourg, Ballet Allégorique+«, wird der Kurfürst von Sachsen
folgendermaßen redend eingeführt:
+»Moy, je diray naïvement,
Qu'une jartière d'Angleterre
Feroit tout mon empressement;
Et je ne vois rien sur la terre
Ou je trouve plus d'agrément.«+
[14] Wilhelm's Correspondenz mit Heinsius. In den Memoiren des Grafen
Dohna findet sich eine interessante Mittheilung über Schöning.
[15] Burnet +II.+ 84.
[16] +Narcissus Luttrell's Diary.+
[17] Monthly Mercury vom Januar und April 1693; Burnet +II.+ 84. In dem
Burnet-Manuscript, Harl. 6584, findet sich eine feurige Lobrede auf den
Kurfürsten von Baiern. Als das Manuscript geschrieben wurde, war er mit
England gegen Frankreich verbündet. In der Geschichte, welche zum Druck
vorbereitet wurde, als er mit Frankreich gegen England verbündet war,
ist die Lobrede weggelassen.
[18] »+Nec pluribus impar.+«
[19] +Mémoires de Saint-Simon;+ Dangeau; Racine's Briefe und Erzählung
betitelt: +Relation de ce qui s'est passé au Siège de Namur+; Monthly
Mercury vom Mai 1692.
[20] +Mémoires de Saint-Simon+; Racine an Boileau, 21. Mai 1692.
[21] Monthly Mercury für Juni; Wilhelm an Heinsius, 26. Mai (5. Juni)
1692.
[22] Wilhelm an Heinsius, 26. Mai (5. Juni) 1692.
[23] Monthly Mercuries von Juni und Juli 1692; London Gazette vom
Juni; Gazette de Paris; +Mémoires de Saint-Simon; Journal de Dangeau;+
Wilhelm an Heinsius, 30. Mai (9. Juni), 2. (12.) Juni, 11. (21.) Juni;
Vernon's Briefe an Colt, abgedruckt in Tindal's Geschichte; Racine's
Erzählungen und Briefe an Boileau vom 15. und 24. Juni.
[24] +Mémoires de Saint-Simon.+
[25] London Gazette vom 30. Mai 1692; +Mémoires de Saint-Simon; Journal
de Dangeau; Boyer's History of William III.+
[26] +Mémoires de Saint-Simon; Voltaire, Siècle de Louis XIV.+
Voltaire spricht mit einer wahrscheinlich gerechten Verachtung von
der Darstellung dieser Angelegenheit in den +Causes Célèbres+. Siehe
auch die Briefe der Frau von Sévigné während der Monate Januar und
Februar 1680. In mehreren englischen Schmähschriften wird Luxemburg
seiner Häßlichkeit wegen spottweise Aesop und in Anspielung auf seinen
Verkehr mit La Voisin ein Hexenmeister genannt. In einer jakobitischen
Allegorie heißt er der Nekromant Grandorsio. In +Narcissus Luttrell's
Diary+ vom Juni 1692 wird er ein Geisterbeschwörer genannt. Ich habe
einige englische Karrikaturen auf Luxemburg's Gestalt gesehen.
[27] +Mémoires de Saint-Simon; Mémoires de Villars;+ Racine an Boileau,
vom 21. Mai 1692.