die Erwägung noch eines andren hochwichtigen Gegenstandes, der Zustände
des Handels mit Indien, wieder aufgenommen. Sie hatten gegen den Schluß
der vorigen Session den König ersucht, die alte Compagnie aufzulösen und
eine neue Compagnie unter ihm zweckmäßig scheinenden Bedingungen zu
errichten, und er hatte versprochen, ihr Gesuch in ernste Erwägung zu
ziehen. Jetzt ließ er ihnen die Mittheilung zukommen, daß es nicht in
seiner Macht stehe, ihrem Verlangen zu entsprechen. Er habe den
Freibrief der alten Compagnie den Richtern vorgelegt und die Richter
hätten erklärt, die alte Compagnie könne nach den Bestimmungen dieses
Freibriefs nur nach vorhergegangener dreijähriger Kündigung aufgelöst
werden und müsse daher noch drei Jahre das ausschließliche Privilegium
zum Handel mit Ostindien behalten. Da es sein aufrichtiger Wunsch sei,
setzte er hinzu, den Gemeinen zu willfahren, er dies aber in der von
ihnen angegebenen Weise nicht könne, so habe er die alte Compagnie zu
einem Vergleiche zu bewegen versucht; die Gesellschaft habe aber
hartnäckig auf ihren äußersten Rechten bestanden und seine Versuche
seien daher gescheitert.[78]
Diese Botschaft rührte die ganze Frage wieder auf. Die beiden Parteien,
in die sich die City theilte, waren sofort in neuer Thätigkeit, es gab
lange und heiße Debatten im Unterhause. Petitionen gegen die alte
Compagnie wurden auf den Tisch gelegt, satyrische Flugblätter gegen die
neue wurden in der Vorhalle vertheilt. Nach langer Discussion wurde
endlich beschlossen, dem Könige eine Adresse zu überreichen, worin er
ersucht wurde, die von den Richtern für nothwendig erklärte Kündigung
erfolgen zu lassen. Er versprach, die Sache im Auge zu behalten und nach
besten Kräften das Wohl des Landes zu fördern. Mit dieser Antwort war
das Haus zufrieden und der Gegenstand wurde bis zur nächsten Session
nicht wieder erwähnt.[79]
[_Geldbewilligungen._] Die Debatten der Gemeinen über die Führung des
Kriegs, über das Hochverrathsgesetz und über den Handel mit Indien
kosteten viel Zeit und hatten kein erhebliches Resultat. Inzwischen aber
wurde im Ausschuß für Geldbewilligungen und im Ausschuß für die Mittel
und Wege Reelleres zu Stande gebracht. Im Ausschuß für Geldbewilligungen
wurden die veranschlagten Summen rasch angenommen. Einige wenige
Mitglieder erklärten sich dahin, daß England seine Truppen vom Continent
zurückziehen, den Krieg zur See mit Energie betreiben und nur eine
solche Armee unterhalten solle, welche hinreichte, um jeden
Eindringenden, der der Wachsamkeit der Flotte entgehen sollte,
abzuwehren. Dieser Doctrin, welche bald die Parole einer der großen
Parteien im Staate wurde und es lange blieb, huldigte jedoch zur Zeit
nur eine kleine Minorität, die auf eine Abstimmung nicht anzutragen
wagte.[80]
[_Mittel und Wege; Grundsteuer._] Im Ausschusse für die Mittel und Wege
wurde beschlossen, daß ein großer Theil der Bedürfnisse des Jahres durch
eine Steuer gedeckt werden solle, die zwar an sich schon alt, der Form
nach aber neu war. Von einer sehr frühen Periode an bis in die Mitte des
17. Jahrhunderts hatten unsere Parlamente die außerordentlichen
Bedürfnisse der Regierung hauptsächlich durch Bewilligung von Subsidien
bestritten. Eine Subsidie wurde aufgebracht, indem man die Bevölkerung
des Landes mit einer nach ihrem angenommenen Vermögen bemessenen Abgabe
belastete. Das Grundeigenthum war der Hauptgegenstand der Besteuerung
und wurde nominell mit vier Schilling vom Pfunde des Ertrags belegt.
Aber die Besteuerung erfolgte in der Weise, daß sie nicht nur im
Verhältniß zu dem Steigen des Bodenwerthes oder zu dem Sinken des
Werthes der edlen Metalle nicht stieg, sondern sogar fortwährend sank,
bis endlich die Abgabe thatsächlich weniger als anderthalb Pence vom
Pfunde betrug. Zu den Zeiten Karl's I. würde eine wirkliche Steuer von
vier Schilling auf das Pfund wahrscheinlich nahe an anderthalb Millionen
ergeben haben; aber eine Subsidie betrug wenig über funfzigtausend
Pfund.[81]
Die Finanzmänner des Langen Parlaments machten ein wirksameres System
der Güterbesteuerung ausfindig. Die zu erhebende Summe wurde
festgestellt. Dann wurde sie auf die Grafschaften nach Verhältniß ihres
angenommenen Wohlstandes vertheilt und in jeder Grafschaft nach einem
Tarife erhoben. Die durch diese Besteuerungen zur Zeit der Republik
erlangte Revenue variirte zwischen fünfunddreißigtausend und
hundertzwanzigtausend Pfund monatlich.
Nach der Restauration schien die Legislatur eine Zeit lang geneigt, im
Finanzwesen wie in anderen Dingen zu der alten Methode zurückzukehren.
Karl II. wurden ein- oder zweimal Subsidien bewilligt. Allein es
zeigte sich bald, daß das alte System bei weitem nicht so zweckmäßig war
als das neue. Die Cavaliere ließen sich herab, in der Besteuerungskunst
von den Rundköpfen eine Lehre anzunehmen, und in der Zeit zwischen der
Restauration und der Revolution wurden die außerordentlichen Bedürfnisse
gelegentlich durch Auflagen bestritten, ähnlich denen der Republik. Nach
der Restauration machte der Krieg mit Frankreich es nothwendig,
alljährlich zu dieser reichen Einnahmequelle zu greifen. In den Jahren
1689, 1690 und 1691 waren große Summen vom Grundbesitz erhoben worden.
Endlich im Jahre 1692 wurde beschlossen, das Grundeigenthum höher als je
zu besteuern. Die Gemeinen resolvirten, daß eine neue und genauere
Abschätzung der Güter im ganzen Reiche vorgenommen und daß von dem
dadurch ermittelten Rentenbetrage eine Pfundsteuer an die Regierung
entrichtet werden solle.
Dies war der Ursprung der bestehenden Grundsteuer. Die im Jahre 1692
vorgenommene Abschätzung ist bis auf unsre Zeit unverändert geblieben.
Nach dieser Schätzung ergab eine Besteuerung des Pfundes Rente mit einem
Schilling in runder Summe eine halbe Million. Hundertsechs Jahre lang
wurde alljährlich dem Parlamente eine Grundsteuerbill vorgelegt und
angenommen, wenn auch nicht immer ohne Murren seitens der Landgentlemen.
In Kriegszeiten betrug die Steuer vier Schilling vom Pfunde. In
Friedenszeiten, vor der Regierung Georg's III., wurden gewöhnlich nur
zwei oder drei Schilling bewilligt, und während eines kurzen Abschnitts
der umsichtigen und milden Verwaltung Walpole's verlangte die Regierung
nur einen Schilling. Nach dem unheilvollen Jahre aber, in welchem
England das Schwert gegen die amerikanischen Kolonien zog, betrug die
Steuer nie weniger als vier Schilling. Endlich im Jahre 1798 enthob sich
das Parlament der Mühe, jedes Frühjahr eine neue Acte zu erlassen. Die
Grundsteuer wurde mit vier Schilling vom Pfunde permanent gemacht und
wer derselben unterworfen war, konnte sie ablösen. Ein großer Theil ist
abgelöst worden, und gegenwärtig wird wenig mehr als ein Fünfzigstel von
dem in Friedenszeiten benöthigten ordentlichen Einkommen durch diese
Steuer aufgebracht, welche einst als die ergiebigste aller Hülfsquellen
des Staats betrachtet wurde.[82]
Die Grundsteuer wurde für das Jahr 1693 auf vier Schilling vom Pfunde
festgesetzt und brachte somit ungefähr zwei Millionen in den
Staatsschatz. So klein diese Summe einer Generation erscheinen muß, die
in zwölf Monaten hundertzwanzig Millionen gebraucht hat, so war eine
solche doch noch niemals im Jahre durch directe Besteuerung erhoben
worden. Sie kam Engländern wie Ausländern ungeheuer vor. Ludwig, der es
fast unmöglich fand, durch rücksichtslose Erpressungen dem verarmten
französischen Landvolke die Mittel zur Erhaltung der größten Armee und
des prächtigsten Hofes, welche seit dem Untergange des römischen Reichs
in Europa existirt hatten, auszupressen, soll in einen Ausruf zornigen
Erstaunens ausgebrochen sein, als er erfuhr, daß die Gemeinen England's
aus Furcht und Haß gegen seine Macht einstimmig beschlossen hatten, sich
in einem Jahre des Mangels und der Handelsstockung eine Abgabenlast
aufzubürden, wie sie weder sie noch ihre Vorfahren jemals getragen
hatten. »Mein kleiner Vetter von Oranien scheint fest im Sattel zu
sitzen,« sagte er. Nachher setzte er hinzu: »Thut nichts, das letzte
Goldstück wird gewinnen.« Dies war jedoch eine Betrachtung, aus der er
nicht viel Trost geschöpft haben würde, wenn er über die Hülfsquellen
England's gut unterrichtet gewesen wäre. Kensington war allerdings im
Vergleich zu seinem prächtigen Versailles eine bloße Hütte. Die ihn
täglich umgebende Pracht der Juwelen, Federn und Spitzen, Pferde und
vergoldeten Kutschen überstrahlte bei weitem den Glanz, den unsere
Fürsten selbst bei feierlichen Gelegenheiten zu entfalten pflegten. Aber
die Lage der Mehrheit des englischen Volks war ohne allen Zweifel so,
daß die Mehrheit des französischen Volks sie wohl beneidet haben würde.
In der That, was bei uns harter Nothstand genannt wurde, würde dort
beispiellose Blüthe genannt worden sein.
Die Grundsteuer wurde nicht ohne einen Streit zwischen den beiden
Häusern ausgeschrieben. Die Gemeinen ernannten Commissare zur
Feststellung der Steuerbeträge. Es waren die vornehmsten Gentlemen jeder
Grafschaft und sie waren in der Bill genannt. Die Lords hielten dieses
Arrangement für unverträglich mit der Würde der Pairie, und sie
schalteten daher eine Klausel ein, welche bestimmte, daß ihre Güter
durch zwanzig Mitglieder ihres eigenen Standes abgeschätzt werden
sollten. Das Unterhaus verwarf dieses Amendement mit Entrüstung und
verlangte eine augenblickliche Conferenz. Nach einigem Zögern, das die
Mißstimmung der Gemeinen vermehrte, fand die Conferenz statt. Die Bill
wurde den Peers mit dem sehr kurzen und trotzigen Bedeuten
zurückgegeben, daß sie sich nicht anmaßen sollten, Finanzgesetze
abzuändern. Eine starke Partei unter den Lords war obstinat. Mulgrave
sprach ein Langes und Breites über die Prätensionen der Plebejer. Er
sagte seinen Collegen, daß, wenn sie nachgäben, sie sich der Autorität
entäußern würden, welche die Barone England's stets seit Gründung der
Monarchie besessen hätten, und daß ihnen von ihrer alten Größe nichts
übrig bleiben würde als ihre Adelskronen und ihr Hermelin. Burnet sagt,
diese Rede sei die schönste gewesen, die er je im Parlamente gehört
habe, und Burnet war unzweifelhaft ein competenter Richter in Sachen der
Beredtsamkeit und weder für Mulgrave eingenommen, noch den Privilegien
der Aristokratie hold. Aber obwohl der Redner seine Zuhörer entzückte,
gelang es ihm doch nicht, sie zu überzeugen. Die meisten von ihnen
scheuten einen Kampf, in welchem die Gemeinen wie ein Mann und auch der
König ihnen gegenübergestanden haben würden, der nöthigenfalls gewiß
lieber funfzig Peers creirt als die Grundsteuerbill hätte fallen lassen.
Zwei nachdrückliche Proteste jedoch, der erste von siebenundzwanzig, der
andre von einundzwanzig Andersdenkenden unterzeichnet, bewiesen, wie
hartnäckig viele Edelleute bereit waren, bis aufs Aeußerste für das
Ansehen ihres Standes zu kämpfen. Es wurde eine zweite Conferenz
gehalten und Rochester kündigte an, daß die Lords im Interesse des
Gemeinwohls von dem, was sie gleichwohl als ihr klares Recht behaupten
müßten, absehen und nicht auf ihrem Amendement bestehen wollten.[83] Die
Bill wurde angenommen und ihr folgten andere Bills zur Auflegung von
Zusatzzöllen auf Einfuhrartikel und zur Besteuerung der Dividenden von
Actiengesellschaften.
Die veranschlagten Revenuen deckten indessen immer noch nicht die
veranschlagten Ausgaben. Das Jahr 1692 hatte dem Jahre 1693 ein starkes
Deficit hinterlassen und es war wahrscheinlich, daß die Anforderungen
des Jahres 1693 die des Jahres 1692 um etwa fünfhunderttausend Pfund
übersteigen würden. Ueber zwei Millionen waren für die Armee und das
Geschützwesen, nahe an zwei Millionen für die Flotte bewilligt
worden.[84] Noch vor acht Jahren hatten vierzehnhunderttausend Pfund zur
Bestreitung des gesammten jährlichen Regierungsaufwandes genügt. Jetzt
wurde mehr als das Vierfache dieser Summe erfordert. Die Steuern, die
directen sowohl wie die indirecten, waren auf eine noch nie dagewesene
Höhe gesteigert und doch blieb das Staatseinkommen um etwa eine Million
hinter den Ausgaben zurück. Man mußte auf eine neue Hülfsquelle sinnen.
Es wurde eine gefunden, eine Hülfsquelle, deren Folgen bis auf den
heutigen Tag in allen Theilen des Erdballs empfunden werden.
Das Auskunftsmittel, zu welchem die Regierung ihre Zuflucht nahm, hatte
eigentlich nichts Seltsames oder Mysteriöses. Es war ein Mittel, das die
Financiers des Continents seit zwei Jahrhunderten kannten und auf das
jeder englische Staatsmann fast nothwendig kommen mußte, wenn er die
Leere in der Schatzkammer mit dem Ueberflusse auf dem Geldmarkte
verglich.
[_Ursprung der Nationalschuld._] Während des Zeitraums zwischen
der Restauration und der Revolution hatte der Reichthum der Nation
rasch zugenommen. Tausende von geschäftsthätigen Leuten fanden jede
Weihnachten, daß, nachdem die Ausgaben des Jahreshaushalts von dem
Jahreseinkommen bestritten waren, ein Ueberschuß blieb, und wie
sie diesen Ueberschuß anlegen sollten, war eine ziemlich schwer zu
beantwortende Frage. In unsrer Zeit ist es die Sache einiger Minuten,
einen solchen Ueberschuß zu etwas mehr als drei Procent gegen die
beste Sicherheit, die die Welt je gekannt hat, unterzubringen. Im
17. Jahrhundert aber war ein Advokat, ein Arzt oder ein vom Geschäft
zurückgetretener Kaufmann, der sich einige Tausende erspart hatte und
sie sicher und nutzbar anlegen wollte, oft in großer Verlegenheit.
Drei Generationen früher kaufte Jemand, der sich im Geschäft Vermögen
erworben hatte, in der Regel Grundeigenthum oder lieh seine Ersparnisse
auf Hypothek aus. Aber die Anzahl der Acker Landes im Königreiche war
die nämliche geblieben und der Werth des Bodens war zwar beträchtlich
gestiegen, aber doch keineswegs in so rascher Progression als die
Masse des auf Verwendung harrenden Kapitals zugenommen hatte. Viele
wünschten auch ihr Geld so anzulegen, daß sie jeden Augenblick darüber
verfügen konnten, und sie sahen sich nach einer Gattung Eigenthum um,
das sich leichter cediren ließ als ein Haus oder ein Stück Feld. Ein
Kapitalist konnte zwar auf Bodmerei oder auf persönliche Sicherheit
ausleihen, aber wenn er dies that, lief er stets große Gefahr, Zinsen
und Kapital zu verlieren. Es gab ein paar Actiengesellschaften,
unter denen die Ostindische Compagnie die erste Stelle einnahm; aber
die Nachfrage nach den Papieren dieser Compagnie war bei weitem
größer als das Angebot. Das Verlangen nach einer neuen Ostindischen
Compagnie ging in der That hauptsächlich von Leuten aus, denen es
schwer geworden war, ihre Ersparnisse gegen gute Sicherheit zinsbar
anzulegen. Diese Schwierigkeit war so groß, daß die Gewohnheit, baares
Geld aufzusammeln, allgemein war. Es wird uns erzählt, daß der Vater
des Dichters Pope, der sich zur Zeit der Revolution von seinem Geschäft
in der City zurückzog, auf seinen Landsitz eine Geldkasse mitnahm,
welche nahe an zwanzigtausend Pfund enthielt, und daß er von Zeit zu
Zeit herausnahm, was er zur Bestreitung seiner häuslichen Bedürfnisse
brauchte, und es ist sehr wahrscheinlich, daß dies kein vereinzelter
Fall war. Gegenwärtig ist die Quantität des von Privatpersonen
aufgesammelten gemünzten Geldes so unbedeutend, daß es, wenn es in
den Verkehr käme, keine merkliche Vermehrung der Geldcirculation
hervorrufen würde. Zu Anfang der Regierung Wilhelm's III. aber waren
alle renommirten Schriftsteller über den Geldumlauf der Meinung, daß
eine sehr beträchtliche Masse Gold und Silber in geheimen Schubkästen
und hinter Wandgetäfel verborgen sei.
Die natürliche Folge dieses Standes der Dinge war, daß eine Menge
Projectenmacher, geistreiche und alberne, rechtschaffene und
betrügerische, sich damit beschäftigten, neue Pläne zur Anlegung des
überflüssigen Kapitals zu ersinnen. Es war im Jahre 1688, daß man das
Wort Stockjobber zum ersten Male in London hörte. In dem kurzen
Zeitraume von vier Jahren entstanden eine Masse Compagnien, deren jede
den Actienzeichnern zuversichtlich die Hoffnung auf enormen Gewinn
eröffnete: die Versicherungscompagnie, die Papiercompagnie,
die Darmsaitencompagnie, die Perlenfischereicompagnie, die
Glasflaschencompagnie, die Alauncompagnie, die Kohlenblendecompagnie,
die Degenklingencompagnie. Es gab eine Tapetencompagnie, welche bald
hübsche Wandbekleidungen für die Besuchszimmer der mittleren Stände und
für die Schlafzimmer der höheren liefern wollte. Es gab eine
Kupfercompagnie, welche die Minen England's auszubeuten gedachte und die
Hoffnung aussprach, daß sich dieselben nicht minder werthvoll erweisen
würden als die von Potosi. Es gab eine Tauchercompagnie, die sich
anheischig machte, werthvolle Gegenstände von untergegangenen Schiffen
zu Tage zu fördern, und welche verkündigte, daß sie einen Vorrath
wunderbarer Maschinen angeschafft habe, welche vollständigen Rüstungen
glichen. Vorn am Helme befand sich ein großes Glasauge, gleich dem eines
Cyclopen, und von der Helmspitze ging eine Röhre aus, durch welche die
Luft eingelassen wurde. Der ganze Prozeß wurde auf der Themse öffentlich
gezeigt. Elegante Herren und Damen wurden zu dem Schauspiele eingeladen,
gastlich bewirthet und durch den Anblick erfreut, wie die Taucher
in ihrer Rüstung in den Fluß hinabstiegen und mit altem
Eisen und Schiffsgeräth wieder heraufkamen. Es gab eine
Grönlandsfischereicompagnie, welche unfehlbar die holländischen
Wallfischjäger und Heringsbüsen aus den nordischen Meeren verdrängen
mußte. Es gab eine Gerbereicompagnie, welche Leder zu liefern versprach,
das vorzüglicher sein sollte als das beste türkische und russische. Es
gab eine Gesellschaft, die es auf sich nahm, jungen Gentlemen unter
billigen Bedingungen eine liberale Ausbildung angedeihen zu lassen und
die sich den hochtrabenden Namen +Royal Academies Company+ beilegte. In
einer pomphaften Ankündigung wurde bekannt gemacht, daß die Directoren
der »Königlichen Academiencompagnie« die besten Lehrer in jedem Zweige
des Wissens engagirt hätten und auf dem Punkte ständen zwanzigtausend
Loose zu zwanzig Schilling auszugeben. Es sollte eine Lotterie sein mit
zweitausend Gewinnen und die glücklichen Treffer der Gewinne sollten auf
Kosten der Gesellschaft Latein, Griechisch, Hebräisch, Französisch,
Spanisch, die Kegelschnittlehre, Trigonometrie, Heraldik, Lackirkunst,
Befestigungskunst, Buchhaltung und die Kunst, auf der Theorba zu
spielen, erlernen. Einige von diesen Gesellschaften mietheten große
Gebäude und druckten ihre Ankündigungen in goldenen Lettern. Andere
bescheidenere begnügten sich mit Tinte und versammelten sich in
Kaffeehäusern in der Nähe der Börse. Bei Jonathan und Garraway wimmelte
es beständig von Mäklern, Käufern und Verkäufern, von sich versammelnden
Directoren und Actionären. Bald kamen die Zeitkäufe in die Mode. Es
wurden ausgedehnte Combinationen aufgestellt und monströse Fabeln in
Umlauf gebracht, um den Preis der Actien hinaufzutreiben oder
herunterzudrücken. Unser Vaterland war zum ersten Male Zeuge der
Erscheinungen, mit denen eine lange Erfahrung uns vertraut gemacht hat.
Eine Manie, deren Symptome im Wesentlichen dieselben waren, wie die der
Manie von 1720, der Manie von 1825 und der Manie von 1845, ergriff das
Publikum. Eine Sucht, schnell reich zu werden, eine Geringschätzung des
kleinen aber sicheren Gewinns, welche der gebührende Lohn der
Betriebsamkeit, der Ausdauer und der Sparsamkeit sind, verbreiteten sich
durch die ganze Gesellschaft. Der Geist der betrügerischen Würfelspieler
von Whitefriars bemächtigte sich der ernsten Senatoren der City, der
Gildenvorsteher, der Deputies und Aldermen. Es war viel leichter und
viel einträglicher, einen lügenhaften Prospectus auszugeben, der ein
neues Actienunternehmen ankündigte, unwissende Leute zu überreden, daß
die Dividenden nicht unter zwanzig Procent betragen könnten und
fünftausend Pfund dieses imaginären Gewinns für zehntausend Stück solide
Guineen hinzugeben, als ein Schiff mit einer gutgewählten Ladung für
Virginien oder die Levante zu befrachten. Jeden Tag trat eine neue Blase
ans Licht, stieg lustig empor, schimmerte glänzend, zerplatzte und war
vergessen.[85]
Die neue Form, welche die Gewinnsucht angenommen hatte, lieferte den
humoristischen Dichtern und Satyrikern einen vortrefflichen Stoff, und
dieser Stoff war ihnen um so willkommener, weil einige der
gewissenlosesten und glücklichsten von dieser neuen Gattung von Spielern
Männer in schwarzen Röcken und mit schlichten Haaren waren, Männer,
welche die Spielkarten Bücher des Teufels nannten, Männer, die es für
eine Sünde und Schande hielten, einige Pence am Triktrakbret zu gewinnen
oder zu verlieren. In Shadwell's letztem Drama wurde die Heuchelei und
Schurkerei dieser Spekulanten zum ersten Male dem öffentlichen Spotte
preisgegeben. Er starb im November 1692 kurz vor der ersten Aufführung
seiner »Stockjobbers,« und der Epilog wurde von einem Schauspieler in
Trauerkleidern gesprochen. Die beste Scene ist die, in welcher vier oder
fünf starre Nonconformisten in vollständigem puritanischen Costüm,
nachdem sie die Prospecte der Mausefallencompagnie und der
Flohtödtungscompagnie discutirt haben, die Frage besprechen, ob die
Gottseligen gesetzmäßigerweise Actien einer Compagnie zur
Herbeischaffung chinesischer Seiltänzer haben dürften. »Angesehene Leute
haben Actien,« sagt ein ernster Mann mit kurzgeschorenen Haaren und mit
Bäffchen; »aber ich bin wahrhaftig in Zweifel, ob es erlaubt ist oder
nicht.« Diese Zweifel werden durch einen trotzigen alten
Rundkopfobersten gehoben, der bei Marston Moor gefochten hat und der
seinen schwächeren Bruder daran erinnert, daß die Heiligen für ihre
Person den Seiltanz nicht anzusehen brauchten und daß aller
Wahrscheinlichkeit nach überhaupt gar kein Seiltanz zu sehen sein werde.
»Die Sache scheint Anklang zu finden,« sagt er, »die Actien werden sich
gut verkaufen lassen, und dann kann es uns gleichgültig sein, ob die
Tänzer kommen oder nicht.« Es ist wichtig, zu bemerken, daß diese Scene
dargestellt und applaudirt wurde, bevor noch ein Farthing von der
Nationalschuld contrahirt war. So schlecht waren die zahlreichen
Schriftsteller unterrichtet, die zu einer späteren Zeit der
Nationalschuld das Entstehen des Börsenspiels und aller damit
verbundenen Unmoralitäten zuschrieben. Das Wahre ist, daß die
Gesellschaft in ihrem natürlichen Entwicklungsgange einen Punkt erreicht
hatte, auf welchem das Börsenspiel, mochte es eine Nationalschuld geben
oder nicht, eben so unvermeidlich war als das Vorhandensein einer
Nationalschuld, wenn ein langer und kostspieliger Krieg geführt wurde.