einen kurzen Überblick über die gesamte Angewandte Anatomie, d. h.
man hält ein anatomisches Praktikum ab, bei dem +nur+ Drogen als
Objekte benutzt werden (S. 266). Man legt also wie in der Vorlesung
die natürlichen Pflanzenfamilien hier das System der Pflanzenanatomie
zugrunde, beginnt mit den Zellinhaltsbestandteilen, behandelt dann die
Membran und endlich die Gewebe und Gewebesysteme. Zu diesem ersten
Praktikum gehört ein halbstündiges Theoretikum, in dem ein ganz kurzer
Grundriß der +Angewandten Pflanzenanatomie+ vorgetragen wird, der
sich eng an das im Praktikum gesehene anschließt -- gewissermaßen
das Skelett, zu dem das Praktikum Fleisch und Blut liefert. Im
zweiten Semester werden dann die noch nicht behandelten Drogen nach
morphologischen Gruppen durchgenommen (S. 270), im dritten folgen die
Nahrungs- und Genußmittel und einige technischen Drogen, wie z. B. die
Gespinstfasern (S. 272).
Die +gepulverte Droge+ kann man im Praktikum an die Droge selbst
anschließen. Besser jedoch werden die Drogenpulver, Mehle und
gemahlenen Genußmittel in einem besonderen einstündigen Praktikum am
Schlusse der Studienzeit durchgenommen (S. 272). Die Untersuchung der
Drogenpulver ist bereits angewandte Pharmakognosie. Für den, der die
Droge, das Nahrungs- oder Genußmittel selbst anatomisch gut kennt,
bietet die Pulveranalyse keine besonderen Schwierigkeiten mehr. Nach
kurzer Übung kann der Praktikant nicht nur einfache Drogenpulver
erkennen, sondern auch Beimischungen diagnostizieren. Ich gebe als
Aufgaben in der Staatsprüfung Mischungen von 3–4 feingepulverten
Drogen. In 3–4 Stunden sind die Analysen gemacht.
Das morphologisch-anatomische Praktikum (s. hinten) ist ein
vorzügliches Mittel, um beobachten und die naturwissenschaftliche
Methode kennen zu lernen und sich im naturwissenschaftlichen Denken zu
üben.
Weniger ist dies bei dem parallel mit dem mikroskopischen
einhergehenden +pharmakochemischen Praktikum+ (s. hinten S. 273) der
Fall, in dem unter anderem die +chemischen Wertbestimmungen der Drogen+
geübt werden. Da diese Wertbestimmungen nach bestimmten Rezepten, die
auf Vereinbarungen beruhen und die nicht zu absoluten Zahlen führen,
ausgeführt werden müssen, muß sich der Praktikant streng, ja sklavisch
an diese Vorschriften halten. Er gewöhnt sich bei diesen Untersuchungen
zwar an peinliche Genauigkeit, findet aber wenig Spielraum für
eigenes Denken und Kombinieren, wie z. B. im toxikologischen
Praktikum, das nach meinen Erfahrungen eine ganz ausgezeichnete Schule
naturwissenschaftlich denken und beobachten zu lernen ist. Immerhin muß
sich der Praktikant auch in den Wertbestimmungen die nötige Übung und
Fertigkeit erwerben.
Schließlich muß jeder Praktikant mindestens +einen Pflanzenstoff
isolieren+. Das kann sehr gut in dem Semester geschehen, in dem die
präparativen, organisch-chemischen Arbeiten im Institut vorgenommen
werden. Man wählt natürlich nur einfachere Aufgaben, wie Amygdalin,
Aloïn, Chrysophansäure, Kaffein, Morphin, Pimarsäure, Ölsäure, Amyrin
oder dergl. (s. S. 273).
So ausgebildet tritt der Pharmakognost dann in die Praxis. Er ist durch
diesen Gang der Ausbildung befähigt, die unzerkleinerten Drogen sicher
zu erkennen und eventuelle Verfälschungen leicht aufzufinden und zu
diagnostizieren, die Drogenpulver, die er aus der Fabrik kauft, auf
Identität und Reinheit zu prüfen und die Wertbestimmungen der Drogen
in exakter Weise durchzuführen, d. h. +angewandte Pharmakognosie+
kunstgerecht auszuüben. Er ist befähigt, sich vor Betrug zu schützen
und in die Lage versetzt, nur tadellose Drogen dem Arzte und dem
Publikum zur Verfügung zu stellen. +Ein wissenschaftlich gut geschulter
Apotheker ist also auch wirtschaftlich besser ausgerüstet, als ein
schlecht geschulter.+
Der oben geschilderte Ausbildungsgang ist nun keineswegs etwa eine
Utopie. Er ist von mir 1890 in Bern organisiert worden und eine
achtzehnjährige Erfahrung hat seine Durchführbarkeit und Brauchbarkeit
erwiesen, auch wenn das akademische Studium nur vier Semester dauert.
Ich will aber natürlich nicht behaupten, daß man die Sache nicht auch
anders organisieren kann.
Jedenfalls geht aber daraus hervor, daß die Pharmakognosie kein Fach
ist, das man als Lehrer «im Nebenamt» betreiben kann. Es erfordert
einen ganzen Mann in unabhängiger Stellung, der eine gute Vorbildung
in Chemie +und+ Botanik besitzt und aus der Pharmazie hervorgegangen
ist. Es erfordert aber auch die nötigen chemischen und mikroskopischen
Laboratorien sowie Sammlungsräume, d. h. ein pharmazeutisches Institut
oder eine selbständige Abteilung desselben.
* * * * *
Für Belohnung wissenschaftlicher Arbeit vorwiegend auf dem Gebiete
der Pharmakognosie bestehen +zwei Medaillen+, die 1881 gestiftete
~Hanbury~-+Medaille+, die die Inschrift trägt: «Awarded for original
research in the natural history and chemistry of drugs», und die 1892
(auf meine Anregung hin) gestiftete ~Flückiger~-+Medaille+, die die
Inschrift trägt: «Scientia non unius populi sed orbis terrarum».
Die goldene ~Hanbury~-+Medaille+ wird alle zwei Jahre verliehen (zum
ersten Male 1881). Es haben sie erhalten: ~Flückiger~, ~J. E. Howard~,
~G. Dragendorff~, ~W. Dymock~, ~G. Planchon~, ~J. O. Hesse~, ~J. M.
Maisch~, ~A. Vogl~, ~J. E. de Vrij~, ~A. Ladenburg~, ~G. Watt~, ~E.
Collin~, ~Ernst Schmidt~, ~Hooper~.
Die ~Flückiger~-+Medaille+ erhielten: ~Attfield~, ~Beckurts~,
~Dragendorff~, ~Fritzsche~, ~Giacosa~, ~Hanbury-La Mortola~, ~Heckel~,
~Hilger~, ~Hoffmann~, ~Holmes~, ~Husemann~, ~Nagelvoort~, ~Nyegaard~,
~Peckolt~, ~G. Planchon~, ~Schär~, ~E. Schmidt~, ~Tschirch~. Sie wird
seit 1897 nur in Gold und nur alle fünf Jahre verliehen.
Anhang.
=Schema für ein mikroskopisch-pharmakognostisches Praktikum.=
(Unter Zugrundelegung des Anatomischen Atlas von ~Tschirch~ und
~Oesterle~ und der Angewandten Anatomie von A. ~Tschirch~.)
=I. Kurs in der allgemeinen angewandten Anatomie= (Anfängerkurs).
Die Zelle: Grundgewebe des _Mais_stengels.
1. +Zellinhaltsbestandteile.+
a) Eiweißartige.
Zellkern und Protoplasma: Epidermis der inneren Zwiebelschalen.
Aleuron: _Sem. lini_, _Sem. amygdalae_, _Sem. sinapis_.
Diagnostische Bedeutung des Aleurons: Unterscheidung der Futtermittel
(s. d.) nach den Aleuronkörnern.
Chlorophyllkörner: _Belladonnablatt_.
Chromatophoren: _Fruct. capsici_.
Leukoplasten: _Rhiz. iridis_.
b) Stärke.
α) Intakte: _Kartoffel_, _Cerealien_, _Leguminosensamen_,
_Arrowroot_, _Sago_.
Diagnostische Bedeutung der Stärke: Unterscheidung der Mehle nach den
Stärkekörnern.
β) Verkleisterte: _Curcuma_, _Salep_, _Jalape_.
γ) Dektrinierte: _Dextrin_.
δ) Amylodextrinstärke: _Macis_.
c) Inulin: _Rad. taraxaci_, _Rhiz. enulae_.
d) Öl und Ölplasma: _Sem. lini_, _Secale cornutum_.
e) Gerbstoff: Cort. _quercus_, _Fruct. ceratoniae_, _Rhiz.
tormentillae_.
f) Calciumoxalat.
α) Raphiden: _Bulb. scillae_, _Vanille_.
β) Prismen: _Rhiz. iridis_, _Vanille_.
γ) Zwillinge: _Fol. hyoscyami_.
δ) Drusen: _Rhiz. rhei_, _Cort. granati_, _Fol. stramonii_.
ε) Kristallsand: _Fol. belladonnae_.
ζ) Kristalle in Taschen: _Fol. aurantii_.
η) Kristalle in Sclereïden: _Bacc. juniperi_, _Rad. colombo_.
Diagnostische Bedeutung der Calciumoxalatkristalle:
Differentialdiagnose zwischen _Belladonna_, _Datura_, _Hyoscyamus_ und
_Digitalis_.
θ) Andere Kristalle: _Pulpa Tamarindi_.
Anhang. Sekrete: _Barbadosaloë_, _Styrax liquid._, _französ.
Terpentin_, _Euphorbium_, _Manilaelemi_, _Indigo_.
2. +Zellmembran.+
a) Morphologie der Zellwand.
α) Dünnwandige Zellwände mit einfachen Tüpfeln: Mark von _Rad.
sarsaparillae_.
β) Stärker verdickte Zellwände mit einfachen Tüpfeln: Endodermis von
_Rad. sarsaparillae_.
γ) Stark verdickte Zellwände mit Spaltentüpfeln: Libriform von
_Rad. sarsaparillae_.
δ) Wände mit behöften Tüpfeln: Holz von _Pinus_.
ε) Gefäße mit Ring-, Spiral-, Leisten- und Netzleistenverdickungen:
Stengel von _Conium_. Getüpfelte Gefäße: _Rad. sarsaparillae_.
Diagnostische Bedeutung der Gefäßwandskulptur: Differentialdiagnose
zwischen _Feigenkaffee_ und _Cichorie_.
b) +Chemismus+ der Zellwand (Reaktionen!).
α) Cellulose: _Baumwolle_, Collenchym des _Mentha_stengels.
β) Lichenin: _Lichen islandic_.
γ) Amyloid: Pergamentpapier.
δ) Schleimmembran: _Rad. althaeae_, _Sem. lini_, _Sem. foenugraeci_,
_Flos tiliae_, _Traganth_.
ε) Verholzte Membran: Holz von _Pinus_.
ζ) Korkmembran: _Kartoffel_, _Cort. condurango_.
η) Cuticula: _Fol. digitalis_, _Fol. sennae_, Stengel von _Conium_.
Diagnostische Bedeutung der Faltung, Streifung und Warzenbildung auf
der Cuticula: _Mate_, _Coca_.
θ) Interzellularsubstanz: Holz von _Pinus_. Pectin: _Fruct. sambuci_,
_Fruct. cydoniae_. Schleim: _Carrageen_.
3. +Gewebe.+
a) Bildungsgewebe.
α) Cambium: _Rad. angelicae_.
β) Meristem: Plumula und Radicula des _Mandel_samens.
γ) Procambiumstränge: Cotyledonen des _Strychnos_- und _Coffea_samens.
δ) Phellogen: _Cort. quercus_.
b) Epidermalgewebe.
α) Epidermis: _Fol. belladonnae_, _Fol. sennae_.
Diagnostische Bedeutung der Epidermis in der Flächenansicht: _Senna_
und _Belladonna_ -- Malabar- und Ceylon-_Cardamomen_.
β) Kork: _Rad. colombo_, _Rhiz. zingiberis_. Phelloderm: _Cort.
canellae._
γ) Haare: _Fol. digitalis_, _Fol. althaeae_, _Fol. absinth._, _Flos
verbasci_, _Flos lavendulae_, _Baumwolle_, Paleae von _Rhiz filicis_.
Haare mit Cystolithen: _Herb. cannabis_.
Diagnostische Bedeutung der Haarorgane: _Malva_- und _Verbascum_blätter
in _Digitalis_. -- _Senna_- und _Arghel_blätter. -- Paleae der
_Filiceen_rhizome.
c) Assimilationsgewebe.
α) Bifaciales Blatt: _Fol. menthae_.
β) Zentrisches Blatt: _Fol. sennae_.
γ) Blattnerven: _Fol. nicotianae_.
δ) Blattzähne: _Tee_ (ganz junges und älteres Blatt), _Fol.
digitalis_.
Diagnostische Bedeutung der Blattzähne: _Fol. digitalis_ und
Verfälschungen.
d) Leitungsgewebe.
α) Bestandteile des Gefäßbündels (Gefäße, Siebröhren): Stengel von
_Zea Mais_ und _Conium maculatum_.
β) Obliteration der Siebröhren: _Rad. liquiritiae_. Verstopfung der
Gefäße, Kernholz: _Lign. guajaci_.
γ) Arten der Gefäßbündel:
1. monokotylische: _Zea Mais_;
dikotylische: _Rhiz. podophylli_, _Rhiz. hydrastidis_;
2. kollaterale: _Zea Mais_;
bikollaterale: Stengel von _Hyoscyamus_;
radiale: _Rad. sarsaparillae_;
konzentrische: _Rhiz. calami_, _Rhiz. filicis_.
δ) Holzkörper und Rinde: _Lignum quassiae_, _Cort. frangulae_.
Jahresringe und Markstrahlen: _Pinusholz_, _Stipit. dulcamarae_,
_Lign. quassiae_.
Diagnostische Bedeutung der Markstrahlen: _Lign. quassiae jamaicens._
und _surinamiens_.
e) Durchlüftungssystem.
α) Spaltöffnungen und Nebenzellen: _Fol. belladonnae_, _Fol. sennae_.
Diagnostische Bedeutung der Spaltöffnungen und der Zahl der
Nebenzellen: _Mate_, _Coca_, _Belladonna_, _Mentha_, _Citrus_.
β) Lentizellen: _Cort. frangulae_.
γ) Luftführende Interzellularen: _Rhiz. calami_.
f) Mechanisches Gewebe.
α) Collenchym: Stengel von _Mentha piperita_.
β) Bastzellen: _Rad. liquiritiae_, _Rad. althaeae_, _Cort. chinae_,
_Cort. cinnamom_, _Linumstengel_.
Diagnostische Bedeutung der Bastzellen: _Chinarinde_, _Zimt_, _Nelke_.
γ) Libriform: _Lign. guajaci_.
δ) Sklereïden: _Fruct. amomi_, _Sem. phaseoli_, _Cascara Sagrada_.
Astrosklereïden: Fruchtstiel von _Illicium anisatum_, Blatt von
_Thea_.
Diagnostische Bedeutung der Sklereïden: Echter und giftiger _Sternanis_.
ε) Endodermis: _Rad. sarsaparillae_, _Rhiz. calami_.
g) Sekretbehälter.
α) Ölzellen: _Rhiz. zingiberis_, _Rhiz. calami_, _Fol. lauri_,
_Cubebe_.
β) Schizogene Sekretbehälter: _Rad. angelicae_, _Fruct. foeniculi_,
Blatt von _Pinus_.
Diagnostische Bedeutung der schizogenen Sekretbehälter: _Angelica_,
_Levisticum_, _Pimpinella_.
γ) Oblitoschizogene Sekretbehälter: _Caryophylli_.
δ) Schizolysigene Sekretbehälter: _Fruct. aurantii_.
ε) Drüsenhaare: _Flos chamomillae_, _Fol. menthae_, _Herb. cannabis_,
_Rhiz. filicis_, _Kamala_, _Lupulin_.
Diagnostische Bedeutung der Drüsenhaare: Kompositen- und
Labiaten-Drüsen.
ζ) Milchröhren: _Cort. condurango_, _Feige_, _Rad. taraxaci_.
Diagnostische Bedeutung der Milchröhren: _Feigenkaffee_ und _Cichorie_.
h) Fortpflanzungssystem.
1. +Blüte.+
α) Ganz junge Entwicklungsstadien der Blüte: _Flos. cinae_.
β) Kelch, Corolle, Stamina, Griffel: _Flos chamomillae_, _Flos
lavandulae_, _Flos malvae_, _Flos verbasci_, _Flos koso_,
_Caryophylli_.
Diagnostische Bedeutung der Pollenkörner: _Crocus_, _Calendula_,
_Carthamus_ -- _Honig_.
2. +Frucht+: _Fruct. aurantii immatur._, _Fruct. papaveris_, _Fruct.
foeniculi_.
3. +Samen.+
α) Samenschale: _Faenum graecum_, _Mandel_ (Nährschicht).
β) Samen ohne Endosperm: _Kola_, _Sem. quercus_, _Sinapis_.
Samen mit Endosperm: _Ricinus_, _Triticum_.
Samen mit Perisperm: _Piper_, _Cardamomen_.
γ) Der Keimling: _Sem. strychni_, _Coffea_, _Amygdalus_.
δ) Arillus und Caruncula: _Myristica_, _Cardamomum_, _Ricinus_,
_Colchicum_.
Die öfter gebrauchten Präparate werden in Glyzerin aufgehoben.
II. =Morphologisch-anatomischer Kurs der speziellen Pharmakognosie=
(für Vorgerücktere). Ergänzt, erweitert und vertieft den ersten Kurs.
Bei jeder Droge wird zunächst die Morphologie, dann die Anatomie
durchgenommen.
1. +Wurzeldrogen.+
a) Primärer Bau bei Monokotylen: junge Wurzel von _Iris_.
Sekundärer Bau bei Monokotylen: _Rad. sarsaparillae_.
b) Primärer Bau bei Dikotylen: zarte Wurzeln von _Valeriana_.
Übergang des primären in den sekundären Bau: etwas ältere Wurzeln von
_Valeriana_.
Sekundärer Bau bei Dikotylen: _Rad. levistici_, _Rad. colombo_, _Rad.
ipecacuanhae_, _Rad. althaeae_, _Rad. belladonnae_.
c) Ernährungswurzeln und Befestigungswurzeln: _Valeriana_.
d) Speicherwurzeln: _Tub. aconiti_, _Tub. salep_, _Rad. belladonnae_.
e) Besonderheiten im Bau: _Rad. senegae_, _Rad. ononidis_, _Tub.
jalapae_, _Rad. gentianae_, _Rad. scammoniae_.
2. +Achsendrogen.+
A. Unterirdische Achsen.
a) Rhizome (auch mit Rücksicht auf die Verzweigungsarten): _Rhiz.
galangae_, _Rhiz. zingiberis_, _Rhiz. curcumae_, _Rhiz. veratri_,
_Rhiz. hydrastidis_.
b) Zwiebeln: _Scilla_, _Allium_, _Cepa_.
c) Knollen: _Colchicum_.
d) Wandersproß: _Rhiz. graminis_; Wandersproß und Speichersproß:
_Rhiz. imperatoriae_, _Rhiz. valerianae_.
e) Besonderheiten im Bau: _Rhiz. rhei_.
B. Oberirdische Achsen.
a) Krautige Stengel: _Mentha_, _Conium_.
b) Hölzer: _Lign. fernambuci_, _Lign. campechian._, _Lign. quassiae_,
_Lign. guajaci_.
c) Rinden: _Cort. frangulae_, _Cort. mezerei_, _Cort. cinnamomi
zeylanici_, _Cort. quercus_, _Cort. chinae_, _Cort. cascarillae_.
3. +Blattdrogen.+
Unbehaarte: _Fol. cocae_, _Fol. menyanthidis_, _Fol. uvae ursi_.
Behaarte: _Fol. althaeae_, _Fol. hamamelidis_, _Fol. hyoscyami_.
Mit Drüsenhaaren: _Fol. menthae_, _Fol. melissae_, _Fol. rosmarin_,
_Fol. salviae_.
Mit Sekretbehältern: _Fol. aurantii_, _Fol. rutae_, _Fol. eucalypti_,
_Fol. jaborandi_.
4. +Blütendrogen.+
Knospen: _Caryophylli_, _Flos aurantii_.
Einzelblüten: _Flos sambuci_, _Flos verbasci_, _Flos tiliae_.
Blütenkörbe (Pappus): _Flos arnicae_, _Flos chamomillae_.
5. +Fruchtdrogen.+
Umbelliferenfrüchte: _Foeniculum_, _Carum Carvi_, _Anis_, _Conium_,
_Coriander_.
Aurantieenfrüchte: _Citrus_ (in allen Entwicklungsstadien).
Piperaceenfrüchte: _Piper_, _Cubeba_.
Papaveraceenfrüchte: _Papaver_ (und _Opium_).
Magnoliaceenfrüchte: _Illicium anisatum_.
Orchideenfrüchte: _Vanille_.
Koniferenfrüchte: _Baccae juniperi_.
6. +Samendrogen.+
Samen, bei denen die Cotyledonen Speicherorgan:
mit Aleuron: _Amygdalus_,
mit Stärke: _Bohne_.
Samen, bei denen das Endosperm Speicherorgan:
mit Stärke: _Triticum_, _Mais_,
mit Aleuron: _Ricinus_, _Sabadilla_,
mit Schleim: _Faenum graec._, _Fruct. sennae_,
mit Reservezellulose: _Strychnos_, _Areca_.
Samen, bei denen das Perisperm Speicherorgan: _Piper_.
Samen, bei denen der Keimling blattartige zarte Cotyledonen hat:
_Strychnos_.
Samen mit gekrümmtem Keimling: _Papaver_, _Cannabis_.
Samen mit nicht differenziertem Keimling: _Colchicum_, _Sabadilla_.
Samen mit Saugorganen: _Cardamomen_, _Zea Mais_.
Samen mit Flugorgan: _Strophantus_.
Samen mit gefalteten Cotyledonen: _Cacao_, _Caryophyllus_.
Samen mit ruminiertem Endosperm: _Sem. arecae_, _Sem. myristicae_.
Samen mit Schleimepidermis: _Sinapis_, _Cydonia_, _Linum_.
Samen mit hartem Endosperm und zarter Samenschale: _Colchicum_.
Samen mit zartem Endosperm und harter Samenschale: _Cardamomum_,
_Linum_.
Samen mit obliterierter Samenschale, die in harter Fruchtschale
eingeschlossen bleiben: _Piper_.
7. +Kryptogamen-Drogen.+
_Rhiz. filicis._
_Lycopodium_ und Fälschungen (_Pinus_-, _Corylus_-Pollen, Schwefel,
Talcum, Stärke).
_Lichen Islandicus_.
_Kieselguhr_, _Agar-Agar_-Diatomeen.
_Carrageen_, _Laminaria_.
_Saccharomyces_ (_Faex compressa_).
_Secale cornutum_, _Fungus igniarius_, _Fungus laricis_.
_Ustilago Maidis_.
8. +Gallen.+
Kleinasiatische und chinesische Gallen.
Die mehrmals gebrauchten Präparate werden in Glyzerin aufgehoben.
III. Kurs der angewandten Pharmakoanatomie.
Analyse gemischter _Tees_.
Analyse einfacher und zusammengemischter Drogenpulver, Diagnose von
Verfälschungen in Drogenpulvern, Abschätzung der Menge der fremden
Beimischungen.
IV. Spezialkurs für Nahrungs- und Genußmittel und Gebrauchsgegenstände.
A. +Nahrungsmittel+ (ganz und gemahlen).
1. Die Cerealienfrüchte und ihre Mehle: _Triticum_, _Secale_,
_Hordeum_, _Avena_, _Mais_, _Oryza_.
+Verfälschungen+: _Mutterkorn_, Brandpilzsporen, _Rade_,
_Taumellolch_, ausgewachsenes Getreide, verdorbenes Mehl.
2. Die _Leguminosensamen_ und ihre Mehle: _Phaseolus_, _Pisum_.
B. +Genußmittel+ (ganz und gemahlen).
1. Die +Purindrogen+.
α) _Tee_ und Verfälschungen (_Epilobium_).
β) _Cacao_ und Verfälschungen (_Cacao_schalen).
γ) _Kaffee_ und Verfälschungen (_Cichorie_, _Feigenkaffee_,
_Eichelkaffee_, _Saccakaffee_, _Carobben_, _Lupinen_, _Rübe_).
δ) _Mate._
ε) _Cola._
ζ) _Guarana._
η) _Tabak._
C. +Gewürze+ (ganz und gemahlen).
1. Blüten und Blütenteile.
α) _Kappern._
β) _Safran_ und Verfälschungen (_Calendula_, _Carthamus_, _Curcuma_,
_Santel_, _Campeche_ -- mit Reaktionen).
γ) _Gewürznelken_, _Anthophylli_, _Nelkenstiele_.
δ) _Zimtblüten._
2. +Früchte und Samen.+
α) Pfeffer und Verfälschungen (_Palmkerne_, _Oliventrestern_,
_Kleie_, _Leinkuchen_, _Copra_).
β) _Piment._
γ) _Paprika._
δ) _Cardamomen._
ε) _Vanille._
ζ) _Sternanis_ und _Sikimi_früchte.
η) _Muskatnuß_ und Verfälschungen (_Papuanüsse_).
θ) _Macis_ und Verfälschungen (Bombay-_Macis_).
ι) _Schwarzer Senf_ und Verfälschungen (_Brassica Rapa_ und _Napus_).
κ) _Weißer Senf._
λ) Umbelliferenfrüchte: _Kümmel_, _Coriander_, _Anis_, _Fenchel_.
3. +Rinden.+
α) _Zimt_, chinesischer und ceylanischer, _Canella_, _Nelkenzimt_.
Verfälschungen: _Haselnuß_schalen, _Zimt_matta.
4. +Rhizome.+
α) _Ingwer_ und Verfälschungen.
β) _Curcuma._
γ) _Zedoaria_ und _Galgant_.
δ) _Kalmus._
D. +Futtermittel.+
Preßkuchen von _Lein_, _Raps_, _Mandel_, _Baumwollsamen_, _Hanf_,
_Ricinus_, _Sesam_.
E. +Gebrauchsgegenstände.+
1. Gespinstfasern.
_Baumwolle_, _Lein_, _Hanf_, _Wolle_, _Seide_.
Analyse von Gespinsten und Geweben.
2. Hölzer.
3. Papier, Holzschliff.
4. Insektenpulver und Verfälschungen.
Schema für ein pharmakochemisches Praktikum.
1. Präparative Arbeiten, Darstellung von Pflanzenstoffen; reine
Pharmakochemie.
Amygdalin aus _Sem. amygdal. amar._
Barbaloin aus _Barbadosaloë_.
Glycyrrhizinsäure aus _Rad. liquiritiae_.
Glycyrrhetinsäure aus Glycyrrhizinsäure.
Kaffein aus _Fol. Theae_.
Cumarin aus _Tonkobohnen_.
Emodin aus _Cort. frangulae_.
Chrysophansäure aus _Rhiz. rhei_.
Ölsäure aus _Ol. amygdalae_.
Strychnin aus _Sem. strychni_.
Piperin aus _Piper album_.
Abietinsäure aus _Colophonium_.
Pimarsäure aus _franz. Terpentin_.
Euphorbon aus _Euphorbium_.
Amyrin aus _Manila-Elemi_.
Benzoësäure aus _Benzoë_.
Zimtsäure aus _Styrax_.
Zimtaldehyd aus _Zimtöl_.
2. Wertbestimmungen; angewandte Pharmakochemie.
a) Bei Alkaloiddrogen (gravimetrisch und titrimetrisch): _Cort.
chinae_, _Opium_, _Guarana_, _Sem. arecae_, _Sem. strychni_, _Fol.
belladonnae_, _Fruct. conii_, _Rhiz. hydrastidis_, _Rad. belladonnae_.
b) Bei Harzdrogen (Säurezahl, Verseifungszahl usw.): _Colophonium_,
_Perubalsam_, _Copaivabalsam_, _Benzoë_, _Styrax_.
c) Bei ätherischen Ölen (Aldehyd-, Menthol-, Santalol-Bestimmung):
_Ol. cinnamomi_, _Ol. menthae_, _Ol. santali_.
d) Bei Fetten und fetten Ölen (Säurezahl, Jodzahl, -- Refraktion):
_Ol. amygdalae_, _Ol. olivae_, _Ol. Cacao_. Schmelzpunkt: _Ol.
cacao_, _Adeps_.
e) Bei Wachsen (Säurezahl): _Cera flava_.
f) Bei _Flor. cinae_ (Santonin) und _Senf_ (Senföl).
g) Trockengewicht- und Aschebestimmungen: _Crocus_, _Kamala_.
h) Kolorimetrische Bestimmungen: _Crocus_, _Rhiz. rhei_.
=Lit.= +Jon. Pereira+, Introductory lecture on mat. medica delivered
at the establishment of the pharm. soc. Pharm. Journ. Transact.
1. (1842) p. 565. -- A. T. +Thomson+, Intr. lect. to a course of
general and med. botany etc. Ebenda p. 620. -- +Buchheim+, Über die
Aufgaben der jetzigen Vertreter der Pharmazie an den Universitäten.
Arch. Ph. 1879. XI. 289. -- +Flückiger+, Der pharmazeut. Unterricht
in Deutschland. Arch. Pharm. 1885. -- +Derselbe+, Universität oder
Fachschule. Pharm. Zeit. 1888. -- +Tschirch+, Die Pharmakognosie
als Wissensch. u. ihre Bedeut. f. d. pharmazeut. Studium. Pharm.
Zeit 1881. -- +Derselbe+, Das pharmazeut. Universitätsinstitut u.
d. akadem. Studium d. Pharmazeut. in der Schweiz, Deutschland u.
Österreich. Bern 1891. -- +Derselbe+, Die Entwicklungsgeschichte d.
pharmaz. Universitätsinstitute. Pharm. Post. 1893. -- +Derselbe+,
Erinnerungen an +August Garcke+, Ber. pharm. Ges. 1904. --
+Derselbe+, Pro pharmacognosia. Ebenda 1907. -- +Derselbe+, Was ist
eigentlich Pharmakognosie? Zeitschr. öster. Apoth.-Ver. 1896 und
Pharmaz. Zentralhalle 1907. -- +Hartwich+, Noch ein Wort über die
Pharmakognosie in Deutschland. Apoth.-Zeit. 1907. Nr. 14. -- +Arthur
Meyer+, Professuren für Pharmakognosie an den deutschen Hochschulen.
Apoth.-Zeit. 1907. Nr. 22.
Für das pharmakognostische Praktikum: +Schär+ und +Zenetti+,
Anleitung zu analytisch-chemischen Übungsarbeiten. Berlin 1897. --
+Rosenthaler+, Grundzüge der chem. Pflanzenuntersuchung. Berlin
1904. Die Literatur für das pharmakoanatomische Praktikum siehe
Pharmakoanatomie.
«Was soll man von dem vielfältigen arglistigen
Betrug, gefährlichen Ränken und Schränken
sagen, welche von Materialisten verderblicherweise
geübt werden.»
~Ludw. von Hornick~ 1645.
IX. Angewandte Pharmakognosie.