Ferner: die +Berichte über die internationalen pharmazeutischen

Kongresse+ (Braunschweig 1865, Paris 1867, Wien 1869, Petersburg 1874,

London 1881, Brüssel 1885, Chicago 1893, Brüssel 1898, Paris 1900 --

besonders die zwei letzten) und die Sektionen Pharmazie, Pharmakologie,

Pharmakognosie einiger medizinischer Kongresse (z. B. Moskau 1897).

Sodann sind wichtig: +Die Verhandlungen der Sektion Pharmazie der

Versammlung deutscher Naturforscher und Ärzte+, früher im «Tageblatt»

jetzt in den «Verhandlungen» publiziert (über sie berichtet auch

die pharm. Fachpresse eingehend). Zum ersten Male finden wir eine

selbständige +Sektion Pharmazie+ -- ~Joh. Bart. Trommsdorff~ war ihr

Begründer -- auf der Versammlung in Hamburg 1830, zum zweiten Male

in Jena 1836, dann 1837 in Prag, 1839 in Pyrmont, zuletzt 1841 in

Braunschweig. Nach 43jährigem Schlafe wurde sie dann 1884 in Magdeburg

neu in den Kreis der Sektionen eingefügt und ist seitdem zuerst in

der medizinischen, dann in der naturwissenschaftlichen Gruppe dauernd

erhalten geblieben. Sie trägt jetzt meist den Namen «Sektion Pharmazie

und Pharmakognosie».

7. Bibliographie.

Ansätze zu einer +Bibliographie der Pharmakognosie+ finden sich

bei ~Blumenbach~, ~Sprengel~, ~Grässe~, ~Jöcher~ und besonders in

~Pereira~, Elements of Materia medica 1857 (vgl. S. 219), dann in

~Flückigers~ Pharmakognosie (vgl. S. 225) und der Pharmacographia

(vgl. S. 222). Eine handschriftliche Bibliographie der Pharmazie (von

~Piper~ 1883) liegt in der Bibliothek der Pharmaceutical Society of

Great Britain in London. Besonders wertvoll ist der +Jahresbericht der

Pharmazie+ (S. 253) und der +Pharmakognostische Bericht der pharmazeut.

Ges. in Berlin+ (S. 248 u. 253).

Das im Abschnitt «Systeme der Pharmakognosie» (S. 216–245) mitgeteilte

kann als ein Versuch gelten, eine Bibliographie der Pharmakognosie,

soweit die selbständigen Werke in Betracht kommen, zu schaffen

(weiteres im historischen Teile) und was die in periodischen

Zeitschriften usw. erschienenen Publikationen betrifft, anzubahnen.

Wichtig für uns ist ferner: Catalogue of scientific papers publ.

in Periodicals and Transactions 1800–1873. Comp. by the Royal Soc.

London 8 vol. and New Series for the years 1874–1883. 3 Vol. and

supplement. 1867–1902. Wichtig besonders für die ältere Literatur,

gibt aber nur die Titel. Die Ergänzung dazu ist: ~Bolton~, A select

Bibliography of chemistry 1492–1892.

International catalogue of scientific literature publ. for the

internat. council by the Royal soc. London I. 1901. Bibliographie d.

deutsch. naturwiss. Literatur, herausg. im Auftr. d. Reichsamt d.

Innern vom deutsch. Bureau d. internat. Bibliogr. in Berlin I 1902 u.

flgd.

~Pritzel~, Thesaurus litteraturae botanicae. 2. Aufl. Lips. 1872. --

~Jackson~, Guide to the literature of botany, including nearly 6000

titles not in ~Pritzel~. 1881. -- ~Jackson~, Vegetable technology, +a

bibliographphy of economic botany+ founded upon the collections of

~G. J. Symons~. 1882. -- ~Lindau~ et ~Sydow~, Thesaurus litteraturae

mycologicae et lichenologicae. Lips. 1907.

[Illustration: Fig. 293.

+Cosmas+ und +Damianus+, die Schutzheiligen der Pharmazie. Ausschnitt

aus einem Gemälde Tizians in Santa Maria della Salute in Venedig.]

+Spezialbibliographien+ erscheinen besonders in Amerika häufig in den

Publikationen der Lloyd Library, in Pharmaceutical Review u. and. (In

letzterem z. B. über Morphin, Santonin, Apiol usw.)

+Bibliothekkataloge+: Katalog der +Flückigerbibliothek+ im

pharmazeut. Institut der Universität Straßburg. 1904. -- (Katalog

der) +Bibliothek der deutsch. pharmazeut. Gesellschaft+. 1903.

-- +Catalogue of the library of the Pharmaceutical Society+

of Great Britain by ~Knapman~. London 1901 (enthält auch

den der Hanbury-Bibliothek). -- Katalog der +Bibliothek des

Koloniaal-Museums+. Haarlem 1908. -- The +Lloyd Library+ of Botany,

Pharmacy and Materia Medica. Bulletin nᵒ. 1 (1906). Cincinnati, Ohio.

Die älteste Universitätsbibliothek ist die von ~Thomas Bodley~ 1617

gestiftete Bodleian library in Oxford.

Die beste +Bibliothek+ pharmakognostischer Werke findet sich in der

1570 gegründeten Bibliothek der +Ecole supérieure de pharmacie+ in

Paris (Bibliothekar: ~Dorveaux~). Viele ältere Werke finden sich auch

in Straßburg (pharmazeut. Institut und Landesbibliothek), London

(Pharmac. Society of Great Britain), in der Bibliothek der Faculté de

Médecine in Paris, im Koloniaal Museum in Haarlem, in Bern (pharmazeut.

Institut) und Zürich (pharmazeut. Abteil. des Polytechnikums), sowie in

der Sammlung ~Reber~ in Genf.

Wirken -- Leben und Kräfte wecken ist

das Ziel! --

VIII. Der Unterricht in der Pharmakognosie.

Der erste Lehrer der Pharmakognosie war der Arzt ~Francesco Buonafede~,

der, Ende des XV. Jahrh. geboren, in Rom Medizin studiert hatte

und 1533 nach +Padua+ gekommen war. Er war der erste, der den

pharmakognostischen Unterricht an einer Universität organisierte (um

1549). Er hielt nicht nur eine +Lectura simplicium+, eine theoretische

Vorlesung, sondern auch an der Hand einer Drogensammlung und an dem

frischen Material eines botanischen (besonders Arzneipflanzen-) Gartens

eine +Ostensio simplicium+, ein Demonstrationskolleg (siehe auch

Pharmacomorphologia). In Padua war dann 1550–1562 der vortreffliche

Pharmakognost ~Gabriele Fallopio~ Lector simplicium, dann am

gleichen Orte ~Prospero Alpino~ (geb. 1553, † 1617)«Ostensore dei

Semplici»(~Rob. de Visiani~, +Memoria dell’ origine ed anzianità dell’

orto botanico di Padova+, Venezia 1839). Vornehmlich pharmakologische

Vorlesungen «de simplicibus» finden wir schon früher. So las z. B.

~Luca Ghini~ bereits 1534–1544 in Bologna de simplicibus.

In der Folgezeit scheint das Beispiel ~Buonafedes~ nicht überall

befolgt worden zu sein. Doch finden wir im XVII. und XVIII. Jahrh.

überall Ärzte, die schlecht und recht bei Gelegenheit der Besprechung

der Arzneimittel auch die Drogen in den Vorlesungen behandelten,

aber nicht immer mit Zuziehung von Demonstrationsmaterial in Gestalt

einer Drogensammlung. Die «Vires», die «virtus» der Droge, d. h.

das pharmakologische, waren die Hauptsache, die Droge selbst trat

zurück. Erst ~N. Lémery~ (geb. 1635, † 1715) und ~Steph. Franc.

Geoffroy~ (geb. 1673, † 1731) können wir wieder als eigentliche

Professoren der Pharmakognosie ansprechen und noch lange nach ihnen

blieb die Pharmakognosie in den Händen der Ärzte und der Chemiker

(~Neumann~). Erst gegen Ende des XVIII. Jahrh. nehmen Apotheker

(~Guibourt~, ~Trommsdorff~) den Unterricht in der Pharmakognosie in

die Hand, der dann in die Hände der Botaniker überging, um bei diesen

bis auf ~Flückiger~ und darüber hinaus zu bleiben (vgl. das Kapitel

Pharmakohistoria).

* * * * *

Der Unterricht in der Pharmakognosie wird jetzt nach sehr verschiedenen

Methoden erteilt.

In +Frankreich+, wo der akademische Unterricht der Pharmazeuten in

den «Ecoles de pharmacie»erteilt wird, die den Universitäten entweder

direkt (Paris) oder den Facultés mixtes (de médicine et de pharmacie)

eingegliedert sind, oder aber als selbständige Anstalten (Fachschulen)

fortbestehen, gibt es einen meist aus der Pharmazie hervorgegangenen

«Professeur de matière médicale», der meist von Fach Botaniker ist.

Die Pharmakochemie liegt in den Händen von Chemikern. Doch macht sich

neuerdings eine pharmakochemisch-pharmakobotanische Schule bemerkbar

(~Goris~).

In +England+, wo der gesamte höhere Unterricht bekanntlich -- mit

wenigen Ausnahmen -- Sache nichtstaatlicher Korporationen oder privater

Unternehmungen ist, findet man an den «schools of pharmacy», die

außerhalb der Universitäten stehen, ebenfalls Professoren der materia

medica, die die Pharmakognosie vom botanischen Standpunkte betreiben.

Pharmakochemie wird nicht gelesen und wissenschaftlich von einigen

Vertretern der organischen Chemie getrieben.

Ähnliches gilt von +Deutschland+, in dem jahrzehntelang der

Unterricht in der Pharmakognosie darniederlag. Die pharmazeutischen

Universitätsinstitute, die sich in Deutschland rasch zu hoher

Blüte entwickelt haben, sind mit wenigen Ausnahmen (Straßburg)

pharmazeutisch-chemische.

«Den idealen Anforderungen, welche an eine zeitgemäß ausgestattete

+pharmakognostische+ Anstalt zu stellen wären, entsprechen die

pharmazeutischen Institute an den Universitäten Deutschlands sehr

wenig»(~Flückiger~).

Das erste pharmazeutische Universitätsinstitut in Deutschland

wurde von ~Joh. Bart. Trommsdorff~ 1795 in Erfurt gegründet.

Es war mit einer Pension für die Zöglinge verbunden. Später

errichteten auch ~Schweigger-Seidel~ (1829) in Halle, ~Göbel~

(1825) in Jena, ~Martius~ (1850) in Erlangen, ~Buchner~

(1828) in Landshut u. and. pharmazeutische Institute. Das von

~Martius~ hieß«Pharmakognostisch-pharmazeutisches Institut». Die

Entwicklungsgeschichte der pharmazeutischen Universitätsinstitute habe

ich in der Festrede zur Einweihung des pharmazeutischen Institutes in

Bern 1893 geschildert (Pharm. Post 1894).

Als ~Garcke~ 1904 in Berlin starb, habe ich auf die Notwendigkeit

hingewiesen, auch der Pharmakognosie mehr Aufmerksamkeit zu widmen.

Das Mahnwort hat ein Echo gefunden. Die Hauptversammlung des deutschen

Apothekervereins in Hamburg 1904 nahm folgende Resolution an:

«Der deutsche Apothekerverein bedauert, daß dem für den Apothekerberuf

außerordentlich wichtigen Studium der Pharmakognosie auf den deutschen

Hochschulen viel zu wenig Beachtung geschenkt wird, und beauftragt den

Vorstand, bei den Regierungen dahin vorstellig zu werden, daß auf allen

deutschen Hochschulen Lehrstühle für Pharmakognosie errichtet und mit

aus der Pharmazie hervorgegangenen Lehrkräften besetzt werden.»

Die allen deutschen Regierungen übermittelte Resolution hat keinen

sichtbaren Erfolg gehabt; obwohl der Vorstand des D. A. V. seine

Bemühungen 1907 fortsetzte, ist alles beim alten geblieben. Die

Pharmakognosie befindet sich mit einigen Ausnahmen in den Händen nicht

aus der Pharmazie hervorgegangener Botaniker; obwohl schon ~Buchheim~

(1879) bemerkte: «So lange der Unterricht der Pharmazeuten in der

Drogenkunde von einem botanischen Standpunkte ausgeht und vorzugsweise

in den Händen von Fachbotanikern liegt, ist ein erheblicher Fortschritt

dieser Disziplin nicht zu erwarten».

In der +Schweiz+ ist an einigen Orten wenigstens (+Bern+, an der

Universität, +Zürich+, am Polytechnikum) der aus der Pharmazie

hervorgegangene Professor der Pharmakognosie zugleich Professor der

pharmazeutischen Chemie und Direktor des pharmazeutischen Institutes

(wie in +Straßburg+). An diesen Orten findet also die Pharmakognosie

eine ausreichende Berücksichtigung und das Vorhandensein eines

Institutes gibt die Möglichkeit zu selbständiger Forschung auf beiden

Gebieten, sowohl der Pharmakobotanik wie der Pharmakochemie.

In +Österreich+, dem ebenso wie +Ungarn+ pharmazeutische Institute

gänzlich fehlen, ist die Pharmakognosie an mehreren Stellen (wie

auch in +Leipzig+) mit der Pharmakologie verbunden, liegt also in

den Händen von Ärzten. Die Institute tragen meist die Bezeichnung

+Pharmakologisch-pharmakognostische+ (Wien, Graz), in +Prag+ besteht

ein pharmakognostisches Institut.

In +Schweden+ (+Stockholm+) ist in dem Farmaceutiska Institutet die

Pharmakognosie mit der Botanik verbunden.

In +Nordamerika+ wird das Fach ähnlich wie in England an den

ebenfalls privater Initiative ihre Entstehung verdankenden, sehr

zahlreichen Instituten -- colleges of pharmacy -- vorwiegend vom

botanischen Standpunkte betrieben. In Amerika ist also der Lehrer der

Pharmakognosie Botaniker, z. B. ~Kraemer~ am Philadelphia College of

pharmacy, der ältesten Anstalt dieser Art in Amerika (1821 gegründet).

Die School of pharmacy in Ann Arbor ist der Universität eingegliedert.

Ihr Decan ~Schlotterbeck~ ist, wie die Mehrzahl meiner Schüler,

die akademische Lehrstellen innehaben, Pharmakobotaniker +und+

Pharmakochemiker.

Pharmakoanatomische Kurse werden jetzt wohl an den meisten

Universitäten abgehalten.

Über die Drogenmuseen vgl. das Kapitel Pharmakomorphologie.

Meine Forderung lautet:

+Die Pharmakognosie muß an den höheren Lehranstalten als ein

selbständiges Lehrfach durch einen aus dem Apothekerstande

hervorgegangenen, pharmakochemisch und pharmakobotanisch

durchgebildeten ordentlichen Professor gelehrt werden, dem ein Institut

mit Laboratorien und Sammlungsräumen zur Verfügung zu stellen ist. Die

Professur für Pharmakognosie kann entweder mit der für pharmazeutische

Chemie und der Leitung des pharmazeutischen Institutes verbunden oder

als koordinierte Professur neben der für pharmazeutische Chemie in

einer koordinierten Institutsabteilung eingerichtet werden. Lehrstuhl

und Institut sind womöglich der medizinischen Fakultät der Universität

einzugliedern.+

Bei der +Forschung+ kann entweder an dem monistischen Standpunkte

festgehalten werden oder ein Dualismus eintreten, d. h. Zusammenarbeit

eines Pharmakobotanikers mit einem Pharmakochemiker, wie es z. B. in

der Zusammenarbeit von ~Heckel~ und ~Schlagdenhauffen~ so schön in die

Erscheinung trat.

Durch Beschränkung der +Doktorpromotion+ auf solche Kandidaten, welche

die Maturitätsprüfung bestanden haben, ist im Beginn des XX. Jahrh.

der wissenschaftlichen Pharmakognosie, wie auch der pharmazeutischen

Chemie in Deutschland, das ja zum Eintritte in das Fach die Maturität

nicht fordert, ein schwerer Schlag versetzt worden. Dadurch wurde

eine große Menge tüchtiger Apotheker vom weiteren Studium abgehalten.

Denn die Aussicht auf Erwerbung des Doktorgrades veranlaßte viele,

sich wissenschaftlichen Fragen zu widmen, die sonst weder Zeit noch

Geld dazu verwendet hätten. So bleiben jetzt eine Menge von Kräften

ungenutzt, die früher zur Förderung der Wissenschaft herangezogen

werden konnten.

* * * * *

Der Unterricht in der Pharmakognosie beginnt in der +Lehrzeit+. Er

beginnt damit, daß der Eleve mit dem Aussehen der Drogen bekannt

gemacht wird. Jede Apotheke ist ja eine Drogensammlung und der Eleve

braucht also nur die Schubladen aufzuziehen oder die Deckel von den

Gefäßen zu nehmen, um die Drogen kennen zu lernen. Da aber viele

Drogen in den Schubladen sich in geschnittenem Zustande befinden

(_Lignum guajaci_, _Rad. althaeae_, _Rhiz. graminis_ u. a.), wird er

doch gut tun, sich eine kleine Drogensammlung anzulegen, die mit Hilfe

der Großdrogenhäuser leicht komplettiert werden kann. Es ist besser,

sich selbst die Sammlung anzulegen, denn das erweckt mehr Freude am

Gegenstand als eine fertige Sammlung zu kaufen. Aber man kann zur

Not auch eine der im Handel angebotenen Sammlungen erwerben. Das ist

immer noch besser als gar keine zur Hand zu haben. Die Betrachtung

der Drogen mit bloßem Auge und mit der Lupe und die Vergleichung

derselben lehrt beobachten. Und eigene Beobachtung ist die Basis aller

Naturforschung. Es ist Pflicht des Chefs, den jungen Fachgenossen zum

Beobachten anzuhalten, ihn beobachten zu lehren. Ein Apotheker, der

nicht beobachten kann, ist ein schlechter Apotheker. Dann muß der

Praktikant sich auch die Namen der Stammpflanzen einprägen. Das ist

Gedächtnissache. Aber das Gedächtnis ist auch ein Instrument, das man

im Fache braucht, und zwar ein solches, das durch Übung besser wird.

Man muß es also üben.

Die Beobachtung der morphologischen +und physikalischen+

Eigentümlichkeiten einer Droge führen ganz von selbst zur

Unterscheidung der Droge von anderen und zur Erkennung von

Verwechslungen und Verfälschungen. Auch auf diesem Gebiete muß sich

der Eleve die Anfangsgründe aneignen, damit er nicht einmal _Herb.

artemisiae absinthii_ abgibt, wenn _Herb. artemisiae vulgar._ verlangt

wird.

Die +chemischen+ Bestandteile kann der Anfänger noch beiseite lassen,

oder sich doch nur das allerwesentlichste aneignen.

Dagegen muß er auch außer den gemeinen Pflanzen der Heimat die lebenden

Arznei- und Nutzpflanzen kennen lernen -- im Garten und auf Exkursionen

in die Umgegend. Gar viele Apotheker gibt es auch heute noch, die den

Grund zu ihren botanischen Kenntnissen während ihrer Lehrzeit gelegt

haben, die ein verständiger Chef beobachten, d. h. sehen gelehrt hat.

Das pharmakognostische Studium auf der Universität hat zwei

Voraussetzungen: Kenntnis der pharmazeutischen Praxis und +genügende+

Vorkenntnisse in der Chemie und Botanik. Es sollte daher nicht in das

erste Semester gelegt werden.

Der +Unterricht in der Pharmakognosie an der Universität+ zerfällt in

einen theoretischen und einen praktischen Teil.

Der theoretische Teil besteht in der +Vorlesung über Pharmakognosie+.

Diese Vorlesung soll das Gesamtgebiet der Pharmakognosie in einem

Semester behandeln, muß daher mindestens 4–6stündig sein. Aber auch

dann wird man den umfangreichen Stoff nicht bewältigen. Es empfiehlt

sich daher, in den alternierenden Semestern Ergänzungsvorlesungen

zu halten, die ausgewählte größere Kapitel, wie die Harze, die

Purindrogen, die Anthrachinondrogen, _Chinarinde_ u. and., behandeln

und besondere Vorlesungen über Pharmakochemie und pharmazeutische

Botanik einzuschieben oder von Hilfskräften halten zu lassen. In der

Vorlesung über Pharmakognosie muß die Droge nach +allen+ Richtungen

behandelt werden, nicht nur in botanischer. Man wird gut tun, um den

Unterricht anregender zu gestalten und Gelegenheit zu zusammenfassenden

Auseinandersetzungen zu finden, die Drogen nach dem natürlichen

Pflanzensystem geordnet vorzutragen. Das chemisch zusammengehörige

läßt sich bei Wahl dieses Systems oft gut miteinander verbinden (s.

S. 220) und jeder wichtigen Familie kann eine allgemeine Übersicht

über die anatomischen und chemischen Besonderheiten vorausgeschickt

werden. Ich ziehe dies System für die Vorlesung vor und erörtere

lieber die morphologisch-anatomischen Eigentümlichkeiten der

morphologischen Gruppen im Praktikum (S. 270) und der Vorlesung über

angewandte Anatomie. Erst derartige zusammenfassende Übersichten mit

vergleichenden Ausblicken auf benachbarte Gebiete machen die Vorlesung

interessant und wertvoll, ja rechtfertigen sie eigentlich erst.

Denn eine Aufzählung der Merkmale findet man in jedem einschlägigen

Werke und man kann sie sich selbst an der Droge aufsuchen -- dazu

braucht man keinen Lehrer. Zudem: gibt es etwas Geisttödenderes als

das Hersagen von Merkmalen?: «Die Wurzel ist braun und runzlig, und

hat einen dunklen Cambiumring». Ich kenne solche Vorlesungen über

Pharmakognosie, aber ich schätze sie nicht. Sie sind es, die die

Pharmakognosie in Mißkredit gebracht haben. Das «Enzyklopädische»

soll in der Vorlesung zurücktreten gegenüber der Erörterung des

Verbindenden, des Allgemeinen, des Charakteristischen. Die Vorlesung

soll das allgemeine Verständnis wecken. Sie muß durch ein möglichst

umfassendes, dem +Drogenmuseum+ (siehe das Kapitel Pharmakomorphologie)

entnommenes Demonstrationsmaterial illustriert werden. Die in der

Vorlesung behandelte Droge in ihren Handelssorten, die Verfälschungen,

die Bestandteile, die Packungen, in Rahmen aufgestellte oder als

Wandtafeln aufgehängte Abbildungen und Karten, sowie historisch

wichtige Publikationen müssen im Hörsaal zu einer Ausstellung vereinigt

werden, zu deren eingehender Betrachtung vor und nach der Vorlesung die

Studierenden einzuladen sind. Einiges davon kann nach der Vorlesung

noch besonders demonstriert werden. Bei der Beschreibung der Droge muß

jeder der Studierenden das Objekt in Händen haben. Die Beschreibung

wird durch möglichst zahlreiche Skizzen mit bunter Kreide an der

Wandtafel erläutert, die die Studierenden mit Buntstiften an den Rand

ihres Heftes abzeichnen müssen. Eine solche, mit wenigen Strichen das

allerwesentlichste herausarbeitende Wandtafelskizze ist wichtiger als

eine lange Beschreibung und auch als die aufgehängten (und zu näherer

Betrachtung acht Tage hängen bleibenden) Wandtafeln, oder gar die zu

schnell wieder verschwindenden, mittelst des Skioptikons projizierten,

meist sehr detailreichen Abbildungen, die man erst «lesen» lernen

muß, um sie ganz zu verstehen. Dagegen kann die Demonstration

mikroskopischer Präparate und die Anstellung von Experimenten

unterbleiben, da der Studierende diesen Teil im Praktikum selbst zu

übernehmen hat.

Denn die Vorlesung muß durch +Übungen+ ergänzt werden und zwar

sowohl morphologisch-anatomischen wie pharmakochemischen. Um diese

erfolgreich abhalten zu können ist es nötig, daß der Dozent ein

Institut zur Verfügung hat, also entweder selbst der Leiter des

pharmazeutischen Universitätsinstitutes ist oder einer selbständigen,

der chemischen koordinierten Abteilung desselben vorsteht. Die

morphologisch-anatomischen Übungen in Pharmakognosie werden am besten

über drei Semester verteilt und vierstündig abgehalten mit zwei

zusammenhängenden Stunden, so daß das Praktikum zwölfstündig ist.

Im ersten oder den ersten zwei Semestern soll der Studierende das

botanische Praktikum besuchen, um botanisch vorgebildet zu werden.

Das pharmakognostische Praktikum soll nicht ein rein anatomisches sein,

sondern muß mit einer Besprechung der +Morphologie der Droge+ beginnen,

die der Studierende in der Hand hält (vgl. auch Pharmakomorphologie).

Dann wird zunächst (mit Hilfe der Lupe oder des zerlegten Okulars des

Mikroskopes) das +Lupenbild+ studiert und dann erst zum Rasiermesser

gegriffen, um Schnitte für das +Mikroskop+ zu machen. Es ist unbedingt

erforderlich, daß der Studierende vom ersten Tage an die Schnitte, die

er beobachten soll, +selbst+ herstellt. Er lernt es schnell. Wenn man

in den ersten Stunden Geduld hat und dem Anfänger öfter die Führung des

Messers zeigt, merkt man bald Fortschritte und sieht nach kurzer Zeit

brauchbare Schnitte aus den Händen der Praktizierenden hervorgehen.

Das +Mikrotom+ ist für das Praktikum überflüssig, die Verteilung

von mit ihm vor dem Praktikum durch den Assistenten hergestellten

Schnitten unter die Studierenden schädlich. Der Studierende soll

+selbst präparieren+. Die Präparate gelangen nun zur Beobachtung,

Skizzen an der Wandtafel erläutern den Schnitt, auch können anatomische

Abbildungen der Atlanten (s. Pharmakoanatomie), die jeder neben

sein Mikroskop legt, oder Wandtafeln, die aufgehängt werden und die

möglichst lange hängen bleiben müssen, zur weiteren Orientierung

herangezogen werden. Die Hauptsache bleibt aber, daß der Beobachter

das Beobachtete selbst und zwar freihändig ohne Zeichenapparat -- aber

mit Benutzung der Buntstifte -- zeichnet. +Zeichnen heißt beobachten.+

Zeichnen können heißt also beobachten können. Nur wenn man etwas

zeichnen kann, hat man es recht beobachtet. Für gewöhnlich erklären

sämtliche Praktikanten nicht zeichnen zu können. Sie lernen es aber

mit ganz verschwindenden Ausnahmen rasch. Oft werden dabei wahre

Zeichentalente entdeckt, die gar nicht wissen, daß sie es sind.

Handbuch der Pharmakognosie(#71451) · 第 30 / 33 段